Amtswiesen

des Amtes Annaburg


Im Erbbuch des Amtes Lochau (Annaburg) sind unter eigentümliche Güter eine Vielzahl von Wiesen aufgelistet, die in der Regel alle samt an Hüfner, Gärtner, Häusler oder Vorstädter namentlich verpachtet sind. Sie werden im Erbbuch des Amtes als so genannte Laßwiesen bezeichnet. Aus verschiedenen Unterlagen kann man dazu entnehmen, dass sie zu unterschiedlichsten Zeiten an den Meistbietenden verpachtet wurden. Scheinbar verblieben sie dann auch über eine längere Zeit dort im Familienbesitz, ohne dass die Vergabe der Wiesen in Erbpacht erfolgte.

Aus alten Karten entnommen

Über andere Wiesen steht im Erbbuch des Amtes Annaburg: „Betha (Bethau) – Dies Dorf dem Amt Schweinitz gehörende…Trifthafer von ihrer Trift nicht erblich in der Lochischen Heide.“ Und, weiter : „Mehr geben sie, 3 Schock 21 Silbergroschen Wiesenzins zu Johannis von der Laaßwiese in der Lochischen Heide.“

Auf alten Waldkarten, unweit dem heutigen Franzosenwinkel, steht die Bezeichnung: „Eitel Laßwisen“ – was sinngemäß heißen würde „nur Wiesen“. So verzeichnet in der Waldkarte von 1633 „Die Annaburger Heide darin die neuen Flügel und Parallel Striche in drei absonderlich beschlossenen Hauptjagen vorgestellt sind“ (Sächsisches Staatsarchiv 12884 Karten und Risse, Nr. Schrank 003, Fach 044 Nr.001).

Auf den Waldkarten des frühen 17. Jh. wurde ein größerer Waldstreifen zwischen Lochau (Annaburg) und Züllsdorf bei der Jagdstreckenplanung völlig ausgespart. Warum? Vermutlich weil sich auch hier mehrere „Laaß-Wisen“ befanden. Siehe dazu die Wald-Arbeitskarte von 1624 (Sächsisches Staatsarchiv 12884 Karten und Risse, Nr. Schrank 003, Fach 044 Nr.003).

Aus dem Erbbuch des Amtes Lochau

Schauen wir uns das Erbbuch einmal näher an. Unter Eigentümliche Güter sind an Wiesen mit ihrer damaligen Flurbezeichnung einzeln mit ihrer Größe und ihren zu erwartender „Ertrag“ aufgeführt.

Eine Wiese, die Beutner Bänke genannt, in der Heide gelegen ungefährlichen 18 Acker groß, darauf zu gemeinen Jahren ohngefähr 40 Frohnfuder Heu erwachsen. (10 ha)

Eine Wiese, die Burkische Sandfurt genannt, in der Heide gelegen, ungefähr 12 Acker groß, darauf zu gemeinen Jahren ungefährlich 30 Frohnfuder Heu. (6,5 ha)

Eine Wiese, die Zschernicker Furt genannt, ungefähr 18 Acker groß auch in der Heide gelegen, trägt zu gemeinem Jahr ungefährlich 40 Frohnfuder Heu. (10 ha)

Eine Wiese, die Kreuzische Wiese oder Horst ungefährlich 4 Acker groß in der Heide gelegen, trägt zu gemeinem Jahr ungefährlich 12 Frohnfuder Heu. (2,2 ha)

Eine Wiese, die Landwiese genannt, ungefährlich 10 Acker groß, darauf zu gemeinen Jahren ungefährlich 10 Frohnfuder Heu erwachsen. (5,5 ha)

Eine Wiese, die alte Janswiese genannt, ungefährlich 5 Acker groß, darauf zu gemeinem Jahr 8 Frohnfuder Heu erwachsen. (2,8 ha)

Eine Wiese, die Schäferwiese genannt, ungefährlich 2 1/2 Acker groß, trägt zu gemeinem Jahr 4 Frohnfuder Heu. (1,5 ha)

Eine Wiese, die Mark genannt, ungefährlich 2 1/2 Acker groß, trägt zu gemeinem Jahr ungefährlich 4 Frohnfuder Heu. (1,5 ha)

Eine Wiese, die Wuische genannt, ungefährlich 2 1 /2 Acker groß, trägt zu gemeinen Jahren ungefährlich 4 Frohnfuder Heu. (1,5 ha)

Eine Wiese, die Bohlerwiese genannt, ungefährlich 12 Acker groß, darauf zu gemeinen Jahren 30 Frohnfuder Heu erwachsen, und ist solche Wiese außerhalb der Heide, zwischen dem Haus Lichtenburg und dem Dorf Treben, an einem Fischwasser, die Bohla genannt, gelegen. (6,5 ha)

Zusammengefasst, werden über die zum Amt zugehörigen Wiesen dann noch folgende Angaben gemacht:

Summa des erwachsenen Heues, welches zu gemeinen Jahren von obgemelten Wiesen (48 ha) ungefährlich zubekommen tut.              192 Frohnfuder
Und werden obangezeigte Wiesen alle von des Amts Dorfschaften zur Frohne mit mähen, wenden, dörren in Schober zu bringen, und mit Einbringen gänzliches beschickt, über dem Mähen wird ihnen Kofent zu trinken und über dem Abladen wird Jedem 1 paar Brot und Kofent gegeben, aufmachen und einführen tun sie bei ihrer Kost.
Wieviel ist ein Acker?

Aber wie groß war nun ein Acker? Ein Acker ist ein altes, regionales Flächenmaß, das je nach Gegend zwischen 2.000 und 6.000 Quadratmetern schwankt. Es sollte dabei aber nicht mit der angloamerikanischen Maßeinheit „Acre“ (Flächenbestimmung von Grundstücken) verwechselt werden. Unser historischer Acker war eine Fläche, die in Ruten vermessen wurde. Diese Ruten waren je nach Region unterschiedlich lang. Bei den o.g. Hektar Angaben habe ich mich an die Leipziger Rutenlänge gehalten, die ja auch 1729 beim Vermessen der Forstreviere der Annaburger Heide verwendet wurde.

Wo liegen befinden sich diese Wiesen?

Und wo befinden sich nun diese Wiesen? Die ersten vier, zumal größten Wiesen, befinden sich zwischen den ehemaligen Jagdstrecken im Bereich des Zscherniker- und Mollgraben. Die Kleineren, einschließlich der größeren Landwiese, gehörten alle zum späteren Revierbereich „Eichenheide“. Diese wurden vereinfacht auf späteren Flurkarten als Heidewiesen benannt. Sie wurden bei den Separationen im 19.Jh., dann als Entschädigungen der entzogenen „Waldnutzung“ den Gemeinden Nauendorf (Groß Naundorf), Lebien, Zwiesigo (Gerbisbach), Pruzien und Annaburg zugeschlagen.    

BERND HOPKE
ORTSCHRONIST

AnnaOffice©2026-06-27

 

Quellen:

Annaburger Heide – Hauptsituationsriss der Annaburger Heide, wie solche anno 1765 und 1766 nach Anweisung jedes Ortsforstbediensteten vermessen wurde; Kröhne, Johann Wigandt, Förster (Vermesser).- Wentzel, Johann Georg (Zeichner) in Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 002, F 033b, Nr 011;

Andre Thieme, Die kursächsischen Amtserbbücher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ihre digitale Erfassung; unter https://repsax.isgv.de/Thieme-AEB-vorEV.pdf  Zugriff 01/2026;

Eberhart Förster, Verschriftlichung der Kopien des „Erbbuch des Amtes Annaburg Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Außenstelle Wernigerode; Signatur D 1, Nr. 1“ 2005; unveröffentlicht Privatbesitz;

Erbbuch des Amtes Lochau - Landesarchiv Sachsen-Anhalt, D 1, Nr. 1 (Benutzungsort: Wernigerode) Registratursignatur: I, 1; LIX A Nr. 69a; Nr. 431 Amt Annaburg;

Waldkarte von 1624 - Sächsisches Staatsarchiv 12884 Karten und Risse, Nr. Schrank 003, Fach 044 Nr.003;

Waldkarte von 1633 „Die Annaburger Heide darin die neuen Flügel und Parallel Striche in drei absonderlich beschlossenen Hauptjagen vorgestellt sind“ - Sächsisches Staatsarchiv 12884 Karten und Risse, Nr. Schrank 003, Fach 044 Nr.001;

Karte Nachzeichnung (18. Jh):  Lochische und Seydische Heide mit den umliegenden kleineren Wäldern und Gehölzen, 1556, im Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 006, F 080, Nr 013;