Döhlen

Annaburger Vorwerk


Der Ort Döhlen, der heute im Freistaat Sachsen liegt und jetzt zur Stadt Bleirode gehört, hat auch was mit Annaburger Geschichte zu tun. Denn in Sächsischer Zeit gehörte Döhlen als Vorwerk zum Amt Annaburg.

Dieses Vorwerk entstand aus einem wüsten Ort und kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Entstanden ist die Dorfstatt irgendwann im Mittelalter, dicht an der Elbe gelegen, in einer Zeit als dieser Fluss noch recht oft sein Flussbett verließ und damit seinen Lauf veränderte. 

Es wurde urkundlich erstmalig 1339 als Deln erwähnt und vermutlich nach einem früheren Hochwasserereignis von seinen Bauern um 1480 aufgegeben.

Noch 1410 finden wir in der Sekundärquelle der „Geschichte der Stadt Prettin“ von Pfarrer Leisegang folgende Information zur Nennung von Döhlen (Deylen):

"In zwei weiteren Urkunden, ausgefertigt am Sonntag Estomini 1407 und Freitag nach Oculi 1412 ist die Rede von einem Altar des Leichnams Christi in der Pfarrkirche der Stadt Prettin, den ein Herr Tamon von Burkersdorf oder Burgkensdorf stiftete und dem Herzog Rudolf III. eine Reiche Schenkung machte. Es werden genannt: 1 Schock 40 Groschen Prager Münze auf 5 Hufen von den 1334 der Stadt geschenkten 66 Hufen des zerstörten Dorfes Coswig, 20 Groschen auf einer Hufe des Dorfes Kentsch = Kähnitzsch, 40 Groschen auf einer Hufe des Dorfes Jeheme = Gehmen, 20 Groschen auf einerhalben Hufe des Dorfes Lebbin, 20 Groschen auf einer Hufe des Dorfes Plossigk, mit 2 Schillingspfennigen und 2 Hühnern, 20 Groschen von einer Hufe des Dorfes Deylen = Döhlen und 16 Schillingspfennigen vom Dorfe Neuendorf = Naundorf. 

Eine andere Quelle informiert uns darüber, dass dieser Ort sogar über eine eigene Kirche verfügt. In dieser Zeit verorten wir einen völlig anderen Elblauf. Die meisten Lokalchronisten berichten davon, dass die Ortschaften Axien, Prettin, Klöden damals noch auf der anderen Seite der Elbe lagen. Daher gehen wir auch davon aus, dass das auf Döhlen, oder Delen (so genannt 1339, auch Deylen 1410, Delin 1378) auch zu traf. Ein schweres Hochwasser, was vielleicht auch mit der nachfolgenden Flusslaufänderung durchaus im Zusammenhang stehen könnte, ließ das Dorf verschwinden. Übrig in der ja schon über 200 Jahre kultivierten Landschaft blieb ein Einzelgehöft, sodass es um 1480 als ein Einzelgut (Villa Delen, inn den wusten dorffe Delen) in den nachfolgenden Schriftzeugnissen in Erscheinung tritt. Den Namen Dehlen (auch Dolin 1482, Dolan 1495, o. Doehlen möglich) führte der Ort noch lange Zeit nach der sächsischen Ämtereinführung 1550 (Als Vorwerk Delen gehörtes 1528 noch zum Lichtenburger Antoniterkloster, deren Besitz vermutlich an das Amt Lochau o. Schweinitz überging).

Als kursächsisches Vorwerk wurde es von einem eingesetzten Pächtern verwaltet, so 1550 von Anthonius Herr, der die Abgaben an das damalige Amt Schweinitz leisten musste. Das Vorwerk gehörte anfangs zum Amt Schweinitz hatte Dienstbarkeiten aber auch dem Amt Annaburg zu entrichten, später 1711 dann zum Amt Annaburg und blieb nach einer ansonsten wechselvollen Zuordnung in der sächsischen Zeit bis 1818 dem Amt Annaburg teilweise zugehörig. Um 1577 diente das Vorwerk zur Versorgung des Annaburger Oberforstmeister Valentin Franckenau. D.h. die hier erzielten Einkünfte standen ihm  zu seiner Versorgung zu. Das Vorwerk wurde von ihm aber nicht verwaltet. 

Im 30ig-jährigen Krieg, durch Hunger, Seuche und Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen, wurden noch 1624 die Einkünfte des Vorwerkes zum Unterhalt von der ehemaligen Kurfürstin Hedwig (Ehefrau von Kurfürst Christian II. von Sachsen) für ihren Kurfürstlichen Witwensitz in der Lichtenburg herangezogen.

Kurzzeitig soll nach dem 30ig-jährigen Krieg das kurfürstliche Vorwerk veräußert worden sein. Aber bereits 1680 wurde das auf Viehzucht spezialisierte Vorwerk Döhlen durch Kurfürst Johann Georg III. in ein Gestüt umgewandelt. Damit gehörte Döhlen als Vorwerk wieder zum Amt Annaburg (Zürner, Landesaufnahme von 1711). Auf Grund seiner Lage in der Elbaue war neben der Viehhaltung die Pferdezucht ein bevorzugter Bestandteil der wirtschaftlichen Aktivitäten. Döhlen war daher bereits vorher auch als eine „Stutterey“ bekannt. Die in Döhlen eingestellten Pferdebestände werden erhöht, weil das kurfürstlich sächsische Hofgestüt in Bleesern bei Wittenberg aufgelöst wird. Die Bestände werden auf die Gestüte und Vorwerke Döhlen,  Kreischau und Repitz verteilt.

Um das zugehörige Weideland effektiver nutzen zu können und dieser auch zu erweitern, wurde 1717 die Döhlen umgebene Flussaue ausgeholzt und diese Flächen entsprechend umgewandelt. In diesem Zusammenhang wurde aktenkundig, dass das Eichenholz aus dem Waldstück „die Grumbte“ an George Werner aus (Bad) Schmiedeberg verkauft wurde.

Unter Friedrich August I. (August der Starke) wird 1721 vom sächsischen Hof eine Erweiterung der Pferdezucht geplant, ein Zentrum dieser Pferdezucht sollte in Torgau als „Torgauischen Gestütes“ entstehen. Dazu sollten die bestehenden Gestüte zusammengefasst werden. Eine eingesetzte Commission legt dazu 1721 die Planung zur Erweiterung und Errichtung von königlichen Stutereien in Döhlen, Graditz, Kreischau (Kreyschau) und in Repitz vor. 

So erfolgt 1723 der Zusammenschluss der Gestütshöfe und Flächen von Repitz, Graditz, Döhlen, Neu-Bleesern und Kreischau unter der Bezeichnung „die Torgauischen Gestüte“.

Bereits 1729 erfolgte dann der komplette Neubau der baulichen Anlage der zum Gestüt gehörender Gebäude durch den Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann. Kein geringerer als der Baumeister des Dresdener Zwingers war hier bemüht. Auch das Gestüt in Neu-Bleeser wurde von ihm gestaltet. Allerdings entfiel hier das geplante Herrenhaus, wohl aus Kostengründen. Wahrscheinlich deshalb erfolgte die Verwaltung selbiger Anlage nun vom Nachbarort Döhlen aus. Die dazu nötigen Sachleistungen mussten die Amtuntertanen der Ämter Annaburg und Schweinitz erbringen.

Ob die von Pöppelmann geplanten Sichtschneisen mit den Baumalleen, die die einzelnen Gestüte, Graditz, Döhlen, Neu-Bleesern und Repitz untereinander und miteinander verbinden sollten auch so entstanden sind, kann ich auf Grund des unvollständigen Forschungsstandes nicht sagen.

Die „Stutterey Döhlen“ wird in der nachfolgenden Zeit in vorhandenen Archivbeständen stets im Zusammenhang mit Graditz genannt. Bezogen auf das Pferdematerial liegt uns aus dem Jahr 1723 eine erste Bestandserfassung vor. Aus dieser geht hervor, dass im Gestütsvorwerk 17 Pferde standen.

1723 wurde Döhlen schwer durch das Elbhochwasser getroffen. Es entstanden Schäden an den Dämmen die den Ort schützen. Die auferlegten Anspännerdienste die das Amt Annaburg zu erbringen hatte reichten nicht aus um die Schäden bei den Elbuferbebauungen zu beseitigen, sodass das Amt Schweinitz zusätzliche Hilfeleistungen erbringen muss.

Immer wieder wird das Gestüt, wie 1761 vom Elb-Hochwasser erfasst und dann mussten die entstandenen Schäden durch die Amtuntertanen von Annaburg beseitigt werden.

1777-92 werden deswegen Maßnahmen zur Erhöhung und Verstärkung der Elb-Dämme bei Graditz, Kreischau und Döhlen getroffen. Auch hierfür mussten die Ämter Annaburg und Schweinitz die erforderlichen Bau- und Transportleistungen erbringen. Die Probleme die die periodischen Hochwasserereignisse mit sich brachten, hörten danach aber leider nicht auf. 1784-1801 sind wiederholt Arbeiten zur Beseitigung von Hochwasserschäden in den Amtnachweisen nachgewiesen.    

Durch den Oberkammerherrn und späteren sächsischen Kabinettsminister Camillo Graf Marcolini wurde das Vorwerksgestüt zum eigenständigen Gestüt Döhlen 1791 aufgewertet. Es erfolgten im Zeitraum 1810-1812 umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen am Gebäudebestand des Gestütes.

Nach der Niederschlagung Napoleons wurden auch hinsichtlicht der Gestüte zwischen dem König von Sachsen und dem König von Preußen verhandelt und in Wien am 18. Mai 1815 entsprechend Vereinbarungen getroffen. Auch für Döhlen bedeutete es, dass die Pferdezucht nach Graditz ausgelagert und Döhlen ab 1816 wieder in ein reines landwirtschaftliches Domänenvorwerk gewandelt wurde. Wahrscheinlich wurde es kurzzeitig der Verwaltung des Amtes Annaburg unterstellt.

Bei einem starken Sturm mit Hagel wurde in Döhlen 1845 ein Pferdestall um geworfen, wobei 9 Pferde erschlagen wurden. Ein Zeichen dafür dass man auch weiterhin hier Pferde aufzog.

Für den Erhalt der königlichen Domäne war der Hochwasserschutz dringend geboten. So wurde die Domäne folglich ab dem 20. März 1854 Mitglied des Dautzschen-Schützberger Deichverbands und bildete den süd-östlichen Anfangspunkt der zu schaffenden einheitlichen Deichlinie. Dieser schuf dann 1855/57 ausgehend von dem Döhlener Schafdamm einen einheitlich durchgehenden Deich bis zur Elstereinmündung nahe Schützberg. Döhlen blieb aber weiterhin vollständig von einem Deich eingefasst, wie er schon auf den ersten sächsischen Meilenblätter Anfang des 19. Jahrhundert dargestellt ist.

1864 wird Döhlen mit seinen 139 Einwohnern als königliche Domäne und selbstständiger Gutbezirk geführt. Die Besitzverhältnisse sind hier klar geregelt, von den 139 Einwohnern gibt es in dieser Zeit nur drei Besitzer.

1862 regelt ein Pachtkontrakt über die Verpachtung der Domänenvorwerke Graditz und Döhlen mit den Domänenländereien bei Neubleesern an die Verwaltung des königlichen Gestüts in Graditz, den wirtschaftlichen Zusammenschluss der Pferdegestüte.

Jetzt diente die ehemalige Vorwerksdomäne ab 1880 als Hilfsgestüt von Graditz.

Nach 1945 auf Grund der vielen Zwangsumsiedler wurde Döhlen wieder eine Dorfgemeinde.  

 

BERND HOPKE
ANNABURGER ORTSCHRONIST

AnnaOffice©2026-01-10

Quelle:

- „Die Geschichte der Stadt Prettin und ihrer nächsten Umgebung dargestellt von Superintendent Leisegang - Kapitel 1.; In ältester Zeit; aus einer von Superintendent Buch 1833 begonnenen Chronik Prettins; Übertragen von Hans-Albrecht Gäbel; 2007; handschriftlich, unveröffentlicht;
- Mirko Seidel unter https://www.architektur-blicklicht.de/schloesser-herrenhaeuser/vorwerk-doehlen-gestuet-beilrode-nordsachsen/;
Steffen Bothendorf; Die „Torgauischen Gestüte“ im 17. und 18. Jahrhundert; in Sächsische Heimatblätter   3 | 2018;
- Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Merseburg, 1869; Gt 4630;Merseburg-1869;
- Einrichtung der bei Torgau gelegenen königlichen Stutereien Döhlen, Graditz, Kreischau und Repitz 1721;Akte Dresdner Saatsarchiv; D 49, Anhang 9 Nr. 33