Der Schwanensee


Von der Kreuzung des Bankweges (TT-Weg) mit dem Karren-Steig (NN-Weg) führt der Weg nach Züllsdorf vorbei an einem großen, aber flachen See. Eigentlich waren es zwei – der kleine und der große Schwanensee. Er ist nur noch auf alten Karten verzeichnet. Auf ihm lebten einst wilde Schwäne.

Vor 500 Jahren stand von Torgau kommend an besagter Kreuzung, kurz vor dem südlichen Ufern beider Schwanenseen ein kleines Jagdschloss, welche als „die kleine Locha“ auf den ältesten Karten von der damals noch als Lochauer Heide bezeichneten Waldgebietes, verzeichnet war. Hier, in der kleinen Lochau, weilte bei seinen Jagdausflügen in der Lochauer Heide (heute – Annaburger Heide) oft Friedrich der Weise.

Seit dieser Zeit machten die hohen Herrschaften aus der sächsischen Residenz nun gerne halt, um hier unter den vielen Wildenten zu jagen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Jägerzelte an seinem Ufer aufgeschlagen und das lustige Weidmannstreiben belebte den sonst einsamen, nur vom Wild aufgesuchten Ort. Abends loderten dann die Lagerfeuer und so manches Stück Wild wurde an Ort und Stelle verzerrt.

Im 17. und 18. Jahrhundert führte dann von Rosenfeld kommend, den alten Fahrweg nach Annaburg nutzend, die alte Poststraße (NR) auf dem direkten Weg durch die Heide nach Annaburg.

Dieser Weg führte über einen Dammweg an den Ufern beider Seen vorbei. Eigentlich unterteilte dieser Dammweg seit alters her den Schwanensee wodurch der kleine Schwanensee überhaupt erst entstanden ist. Aber dieser kleinere See verschwand auch als Erster. Er wurde durch einen Graben trockengelegt, als ein Teil des Annaburger Gestütes am Ende des 18. Jahrhunderts hierher zog und den zu verlanden See als Futterweide nutzen wollte. So diente dann die trockengelegte Fläche des kleinen Schwanensee als Pferdekoppel. Dabei grasten die Pferde nicht sehr lange an den Ufern des noch verbliebenen großen Schwanensees.  Mit der preußischen Übernahme unseres Gebietes erfolgte auch gleich die Auflösung des Gestütes. Nach dessen Auflösung, zog infolge der preußischen Umstrukturierung der Forstverwaltung, eine Revierförsterei in die leerstehenden Gebäude ein. Diese Revierförsterei erhielt in Anlehnung an den kleinen Schwanensee die Bezeichnung „Kleinesee“. Diese Revierförsterei wechselte später noch mehrmals ihren Standort.

Nachdem in den 40iger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Mollgraben reguliert wurde, verschwand auch der größere See und es entstand eine große Brache an seiner Stelle. Damit gehörte das einstige Paradies der Wasservögel der Vergangenheit an. Bis vor 10 Jahren, nach der Hochwasserkatastrophe an der Schwarzen Elster der See in Folge des angestiegenen Grundwassers kurzzeitig zurückkehrte und mit ihm auch die Wasservögel. Da das Gelände an den militärischen Sperrbereich der Annaburger Heide grenzt, nahm von diesem Ereignis kaum einer Notiz.

Bernd Hopke
Ortschronist