Autohaus Roedler

gegründet durch Otto Roedler in Annaburg am Markt Nr. 20



Die Eltern von Otto Roedler, Pauline und Fritz Roedler, kamen aus Kemberg im Jahre 1912 nach Annaburg und kauften in Annaburg das Grundstück am Markt Nr. 20 von der evangelischen Kirche, in dem sich ein kleines Geschäft mit einer Werkstatt befand.
Der ehemalige Eigentümer, Herr Mühlbach, handelte mit Fahrrädern, Nähmaschinen und diversen anderen Artikeln. Der Vater, Fritz Roedler, besaß in Kemberg bei Wittenberg eine Teigmühle und war gelernter Kaufmann und Müller. Herr Fritz Roedler führte das Geschäft weiter und gründete dann eine Kfz-Werkstatt. In der Ehe von Pauline und Fritz Roedler wurden 3 Kinder geboren.
Der Sohn Otto Roedler, wurde am 13. Januar in Berlin geboren. Er erlernte den Beruf eines Autoschlossers und bestand im Jahre 1931 in Halle seine Meisterprüfung des Kfz-Handwerks. Im Jahre 1935 war der Zeitpunkt für einen Generationenwechsel herangereift, deshalb übernahm am 12. April 1935 der Sohn Otto das Geschäft von seinem Vater und heiratete im gleichem Jahr seine Braut Hildegard Bornemann aus Annaburg.
Hildegard wurde am 25. Juni 1911 als Tochter als Tochter des Glasermeisters Bornemann in Annaburg in der Mühlenstrasse geboren. In der Ehe der Roedler´s entstammten der Sohn Dieter (gebr. 07.05.1937) und der Tochter Reni (gebr. 06.05.1940). Die Kfz-Werkstatt von Otto Roedler hatte Jahrzehnte lang einen sehr guten fachlichen Ruf in Annaburg und Umgebung. In der Werkstatt wurden PKWs und Motorräder repariert.
Die Firma Otto Roedler konnte im Verlaufe der Jahrzehnte ihres Bestehens viele Auszeichnungen der Handwerkskammer Jessen und des Bezirkes Cottbus, der MZ-Motorenwerke Zschopau sowie der Fachgruppe des Kreises Jessen entgegen nehmen. Herr Otto Roedler konnte am 1. April 1987 auf sein 75 jähriges Bestehen der KfZ-Werkstatt „Roedler“ zurückblicken. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 unterhielten das Ehepaar Hildegard und Otto Roedler neben der Kfz-Werkstatt und dem Geschäft zum Verkauf von Fahrrädern , Kfz und anderen Ersatzteilen auch eine Tankstelle am Markt. Otto Roedler wurde gleich zu Beginn des 2. Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen und nahm bis zum Kriegsende 1945 auch daran teil. Otto überlebte und kam trotz amerikanischer Kriegsgefangenschaft wieder in seine Heimat und zu seiner Hilde zurück. Während der Kriegsjahre führte die Ehefrau die Tankstelle weiter. Das Geschäft und die Werkstatt blieben während dieser Zeit geschlossen. Die erste russische Kommandantur nach 1945 in Annaburg befand sich für einige Wochen im Grundstück der Familie Roedler, und danach im ehemaligen Geschäft Bortfeld (Becker), Dörtes „Dies und Das“. Nach Beendigung der Kriegswirren im Jahre 1945 wurde durch die Familie Roedler die schwierige Situation des Neuanfangs gemeistert und Geschäft, Tankstelle und die Werkstatt wieder eröffnet. Nach einigen Jahren wurde auf Grund ihres Alters als erstes die Tankstelle an Herrn Josef Liebig abgegeben, aber die Werkstatt wurde durch Otto Roedler bis zum 31. Dezember 1986 betrieben. Somit arbeitete der Altmeister Otto bis zum 78. Lebensjahr in seiner geliebten Werkstatt.
Zwischenzeitlich gründete der Sohn Dieter am 15. April 1962 in der Mühlenstrasse in Annaburg selbst ein Autohaus mit Kfz-Werkstatt.

Auch der Sohn Dieter Roedler hat die Kfz- Handwerksmeisterprüfung abgelegt, und nach kurzer Zeit noch den Kfz-Meister in Elektrik draufgesetzt. Sohn Dieter spezialisierte sich nun auf die russischen Automarken Moskwitsch und Wolga. Deshalb musste er Studienreisen nach Moskau unternehmen, um sich vor Ort im Werk schulen zu lassen. Dieter Roedler blieb als einer der wenigen während der DDR-Zeit parteilos und privater Unternehmer.
Altmeister Ottos ganzer Stolz war ein Moskwitsch den er sich zulegte und mit welchen er viele Reisen mit seiner Ehefrau unternahm. Nach der Wende wurde Dieter Vertragshändler der Marke Citroen.
Otto Roedlers Enkel „Toni“ war sehr oft bei seinem Opa in der Werkstatt und hat bei Reparaturen „geholfen“. Hier hat er kleine Schrauben in Kerzenlöcher der Motorräder gesteckt worüber sich Opa Otto sehr „gefreut“ hat. Später hat der Enkel Toni sein Abitur gemacht, war 3 Jahre bei der Armee ( das war damals Pflicht wenn man studieren wollte). Toni nutzte die Wartezeit bis zum Studienplatz um sich Kenntnisse in Werken von „VW“ und „AUDI“ zu erwerben. Um die Handwerkstradition der Familie Roedler in dritter Generation fortzusetzen, legte Toni Roedler seinen KfZ-Handwerksmeister in Arnsberg in Westdeutschland am 15.August 1991 als bester des Lehrgangs mit „Auszeichnung“ ab. Otto Roedler war stolz darauf, der Gründer von drei Handwerksmeistergenerationen zu sein, und hoffte das sein Urenkel Max, Tonis Sohn, auch in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt.


Die Roedlers auch in der 4. Generation dem Kfz.-Beruf treu verbunden.

Toni, arbeitete einige Jahre im Betrieb seines Vaters Dieter um dann 1995 nach einer Koreareise der ersten „DAEWOO“ Vertragshändler in Deutschland und Europa zu werden. Seine eigene Firma dazu gründete er am 1. Februar 1995. Zwei Jahre später 1997 wurde sein Autohaus fertiggestellt und eingeweiht. Das Jahr darauf am 30. Juni 1998 ging sein Vater Dieter in Ruhestand und verkauft seine Firma mit der Waschanlage an seinen Sohn Toni. Aber Dieter Roedler kann sich genauso wenig wie sein Vater Otto, sich völlig zur Ruhe setzen, sondern er hilft seinen Sohn wo er nur kann.

Altmeister Otto Roedler war neben seiner beruflichen Tätigkeit seit dem 11. Oktober 1926 aktiv in der Annaburger Feuerwehr tätig.

Bernd Hopke
Ortschronist

Quelle:
Edwin Kretzschmar; „Wie kam es zur Geschäftsgründung – Der ehemaligen Kfz-Werkstatt von Otto Roedler Annaburg Markt Nr. 20“; Annaburg 2006