Düßnitzer Original


Kölling war, wie man so sagt, ein Lebemann. Von seinen Eltern hatte er einen gut gehenden Hof erhalten. Weil er weiterhin die irdischen Genüsse nicht missen wollte so blieb er noch längere Zeit Junggeselle. Zur Bewältigung der Arbeit waren einige Mägde und Knechte auf dem Hof. Da ihr Wohl und Wehe ebenfalls vom Schicksal des Hofes abhing, waren diese auch fleißig, somit ging es auch ordentlich her. Herr Kölling arbeitete auch fleißig mit, aber zeitweilig konnte er sich doch der Versuchung nicht entziehen, wo es galt einen Streich zu spielen. Da war er dann dabei und auch beim fröhlichen Umtrunke konnte er wacker mithalten. So war es wieder einmal sehr spät geworden und er hatte den Eichstrich bei weiten überzogen. Mit aller Mühe erreichte er den Hof, aber anstelle der Haustüre fand er eine andere Öffnung in der er sogleich Unterschlupf suchte. Der Knecht hatte nämlich den Jauchewagen für den nächsten Tag bereitgestellt. Mit Mühe und Not gelangte Herr Kölling in das Jauchefass um seinen Rausch auszuschlafen. Aber lange währte dieser Schlaf nicht – was war denn das?? Es wurde plötzlich feucht und er begann sich zu räkeln und er polterte in seinem Fass. Erschreckt ließ der Knecht den Jauchepumpenschwengel los, doch sogleich gewahrte er was geschehen war. Hilfreich griff er den Hofherren unter die Arme, welcher mit seiner Hilfe wie ein begossener Pudel zum Vorschein kam.

Mir ist leider nur diese Begebenheit von Herrn Kölling selbst erzählt worden, weitere hat er nur kurz angedeutet.

Frei aufgezeichnet, nach Angaben von W. Eichler.

 

 

Willy Eichler

 

Quelle
Sagensammlung von Willy Eichler, Schulbroschüre

Annaburg©2022-03-08