Waldpolitik

        Geheimpolitik einer längst vergessenen Zeit

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Am 16. September 1536 traf sich Kurfürst Johann Friedrich mit Hermann V. von Köln und Joachim H. von Brandenburg auf dem „Zschernick“ in der ,,Lochauer Heide„, um beide für ein Bündnis der Protestanten zu gewinnen.

Sagen wir das mal anders. Der sächsische Kurfürst lud zur gemeinsamen Jagd in die Lochauer Heide ein. Eine „Große“ eingestellte Jagd, wo die kurfürstlichen Gäste sicher zum Schuss und damit zum waidmännischen Erfolg gebracht werden. Abends hatte man dann Zeit im Waldlager am Zschernick beim genüsslichen Verzerr des Erjagten mit einander zu Reden.

Gesprochen wurde über die üblichen Themen – bei älteren Landesfürsten waren Frauenthemen ohnehin schon passé – Politik und Religion. Das Kurfürst Johann Friedrich sie von Luthers „Protestantismus“ überzeugen wollte ist klar, er offerierte ihnen welche politischen Möglichkeiten sich daraus für ihre eigenen Länder ergeben könnten. Wie sich das Kräfteverhältnis in Deutschland veränderte, wenn der Einfluss des Papstes auf ihre Gebiete nicht mehr besteht, oder die Gelder im Lande verblieben und nicht nach Rom ohne jegliche Gegenleistung abflossen. Er wollte seine Jagdgäste für den „Schmalkaldischen Bund“ gewinnen, dem Bündnis gegen dem erzkatholischen Kaiser. Vielleicht verwies er sie auf die Brücke in Torgau über die sie gekommen waren. Sie konnte zurzeit Friedrich des Weisen durch eine Kirchenkollekte Finanziert gebaut werden. Das genaue Ergebnis dieses „waidmännischen“ Treffens wissen wir nicht, aber bei Otto Heinze können wir lesen:

Am 16. September 1536 traf sich Kurfürst Johann Friedrich des Großmütigen von Sachsen,  Hermanns V. von Köln und Joachims II. von Brandenburg in Religionssachen statt. Der Volksmund bezeichnet diese Stelle als Drei-Kurfürsten-Eiche, und lange Jahre hindurch stand auf der rechten Seite des Neugrabens unter einem Wetterdach ein 2 Ellen breites und fast 1 Ellen hohes Bild von dieser historischen Begebenheit. Zu „Mutter Annas“ Zeiten befand sich auf dem Zschernick  ein Jagdhaus zum Absteigen der Herrschaften, die sich der Fischerei wegen hier einfanden. 1619 wurde am Teiche bei „der drei Kurfürsten Tisch" die Zschernicker Mühle erbaut. Das oben erwähnte Bild verschwand und wurde 1775 in der Heidemühle wieder gefunden.“

Diesen Bericht muss man heute etwas korrigieren, denn die Heidemühle wurde nur in der Nähe des Ortes „der drei Kurfürsten Tisch“ erbaut. Nach alten Karten zu urteilen war dieser Ort zwischen dem unteren und mittleren Teich gelegen. Das „Bild“ zur Erinnerung der Begebenheit stand hingegen am vielbefahrenen Weg zur erst später errichteten Wassermühle zwischen dem Mittleren und oberen Teich. Die bildhafte Darstellung und der historischer Ort stimmen daher nicht überein. Aber zurück zur Geschichte.

Leider war die Politik Kurfürst Johann Friedrich des Großmütigen für die protestantische Sache nicht von Erfolg gekrönt. Als es zu Territorialstreitigkeiten zwischen den Ernestiner und Albertiner kam, führte das den jungen albertinische Herzog Moritz an die Seite des erzkatholischen habsburgischen Kaisers. Erste Kampfhandlungen, geführt auf kaiserlicher Seite durch Moritz, auf ernestinischer Seite durch Johann Friedrich den Großmütigen, begannen Ende des Jahres 1546. Sie endeten mit der Schlacht bei Mühlberg in der Nähe der Annaburger Heide am 24. April 1547, bei der die Truppen  des Schmalkaldische Bund den kaiserlichen unterlegen waren.

ps_20161020222139"Hier wurde Kurfürst Joh. Friedrich v. Sachsen nach der Schlacht bei Mühlberg am 24.April 1547 gefangen genommen“

Dieser Gedenkstein in der Lochauer Heide, wurde 1897 vom Kriegerverein zu Falkenberg errichtet und 1988 vom Rat der Stadt Falkenberg erneuert.

Am Südrand der „Lochauer Heide„, im „Schweinen„, wurde Johann Friedrich und mit ihm Phlipp von Hessen gefangen genommen. Die Stelle, an welcher der Tross von den Kaiserlichen eingeholt und geplündert wurde, wobei auch eine Menge Münzen und Tafelgeschirr in die Hände der Sieger fielen, wird noch heute „Silberdamm“ genannt. Der gefangene Kurfürst wurde über Lochau und Löben nach Wittenberg geführt.

Prettin die damals die drittreichste Stadt im Ernestischen Sachsen war, wurde durch die kaiserlichen Truppen geplündert. In der Kapitulation von Wittenberg am 19. Mai 1547 musste der Ernestiner Kurwürde und Kurkreis ebenso, wie die Einkünfte aus den sächsischen Bergwerken an Moritz abtreten. Mit dem Übergang der Kurwürde an Moritz gelangte auch unser Gebiet unter albertinische Herrschaft.

Während seiner Regentschaft erhielt die „Lochau“ nochmals Bedeutung als geheimer Verhandlungsort. Die als „Vertrag von Chambord“ 1552 zwischen Moritz und dem französischen König gegen Kaiser Karl V. getroffenen Vereinbarungen wurden in Lochau ausgehandelt. Auch diese Verhandlungen erfolgten der Tradition gemäß nach der Jagd.

Die letzten Verhandlungen hierüber (nämlich über die Vertragspunkte) mit den deutschen Verbündeten fanden im Oktober 1551 in Lochau statt.“
„Es war am 3. Oktober nach Mittag, wie Bing in seinem Protokoll schreibt, als man bereits einig war und Bing befahl, das Bündnis ein- mal ins Reine aufs Papier zu bringen. Am Abend desselben Tages schied indessen Markgraf Hans, der auch vom Herzog von Preußen und Heinrich von Mecklenburg bevollmächtigt war, in Unfrieden von dannen. Dadurch traten die Verhandlungen wieder in ein neues Stadium. Vielleicht wäre es in Lochau schon zum endgültigen Vertragsabschluß gekommen, wenn nicht de Fresse erklärt hätte, dazu reichten seine Vollmachten nicht aus.“

So konnte der Vertrag erst

„von König Heinrich am 15. Januar 1552 zu Chambord vollzogen“

werden.

Dieses Bündnis der deutschen Protestanten mit König Heinrich IL von Frankreich ermöglichte ein militantes Vorgehen des albertinischen Kurfürsten gegen seinen einstigen Verbündeten. In Sachsen führte es 1552 zur Freilassung Johann Friedrichs und des Landgrafen von Hessen. Moritz war jetzt der mächtigste Führer aller protestantischen Fürsten. In einem Gefecht gegen den Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach verlor er jedoch bereits ein Jahr darauf sein Leben. Seine Nachfolge trat der um fünf Jahre jüngere Bruder August I. (1553-1586) an. Für Süddeutschland führte es hingegen zum Verlust von Elsaß und Lothringen und damit zu einer Jahrhunderte währender Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, einer Feindschaft die als Vorwand innerhalb zweier Weltkriege dienten.

 

Bernd Hopke
Ortschronist

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Quelle

Countdown 2017, Geheime Treffen auf Schloss Lochau; Amtsblatt der Stadt Annaburg Nr.7 vom 12.07.2016
Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888;
Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
Albert Huyskens; Gibt es einen Vertrag von Friedewald ans dem Jahre 1551; in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. 29 Bd. Kassel 1905
Otto Heintze „Die Annaburger Heide“; Verlag Steinbeiß; von 1938;