Schlossnutzung

Aufteilung der Räumlichkeiten

In Mittelalter und früher Neuzeit erweiterten Könige, Landesfürsten und Adelige ihre Schlösser und Villen auch zur Verbesserung der Außenwirkung. Je größer der Gebäudekomplex war, desto vermögender und mächtiger wirkte er auf den Betrachter.

Dieses Schloss hier – eine kurfürstliche Residenz ? Dazu war es viel zu klein, es kommt ehe als ein lokaler Adelssitz daher. Kurfürstlicher Jagdsitz – selbst dafür eigentlich zu klein – wo sollten hier all die notwendigen Gäste untergebracht werden – denn die Jagden wurden schließlich nicht nur zum reinen Vergnügen veranstaltet. Diese eingestellten Jagden wurden vor allem wegen ihrer Außenwirkung veranstaltet. Sie sollten Einfluss und Macht des Veranstalters dokumentieren. Wo sollten die Gäste hier untergebracht werden. Dieses Schloss, ja Jagdschloss, denn der Hausherr ging gerne zur Jagd – war aber eine Nummer zu klein z.B. gegenüber der Augustusburg. Hier wird er ohne großes Gefolge und Gäste unterwegs gewesen sein. Dieses Schloss war der „Familiensitz“ des Kurfürstenpaares und ihrer Kinder – hier sollte vorm Regieren ausgeruht werden. Annaburg war die „Datscha“ des sächsischen Kurfürsten August und seiner Kurfürstin Anna.   

Dem Schlossneubau lag ein klares Nutzungskonzept zu Grunde. Parterre war die „Infrastruktur“ untergebracht. Bäder für das untere Personal, rechts vom Tor gelegen. Wie damals noch üblich für Frauen und Männer noch nicht getrennt – damit hatten sie damals noch keinerlei Geschlechterprobleme – aber zumindest für die schützenswerteste Gruppe, die Jungfrauen hatten ihr eigenes Bad. Bad – es bestand aus Ankleideraum und dem dazugehörigen Bad. Zwischen den Bädern die Einmachestube(küche) mit Zinngewölbe. 

Aber dieser Gebäudeteil wurde nachträglich verbreitert, die archäologische Untersuchung 2002 ergab. Wann wissen wir nicht zu sagen, aber denkbar, dass man (Kurfürst) zu klein geplant und sie mit der Größe der Bäder nicht einverstanden war oder mit ihrer Kurfürstenküche als Durchgangszimmer? Die Änderungen könnten noch während des Baues erfolgt sein. Das würde erklären, dass es ja keinen gesonderten „Vorgang“ in den Akten zu diesem Baugeschehen gab wie 1578 beim Erkeranbau und 1585 beim Bau der „Bergtreppe„.

Dem Tor gegenüber gelegen – der große Küchentrakt. Rechts die Backstube, daneben und davor die zwei Küchenstüblein zum schälen, putzen und zur Vorbereitung – eine davon zur Backstube gehörend. Dann der Fleischzehrgarten zum schneiden, zerlegen und rupfen und die beiden eigentlichen „schwarzen“ Küchen. Alles verbunden über einen durchgehenden Gang.

Eine Verbindung mit dem Schloss gab es aber nur über einen außenliegenden offenen aber überdachten „Ausspeisegang“. Die Überdachung ruhte zeitgemäß auf 5 dorischen Säulen. Über diesen Gang gelangte man in den links liegenden Haupttrakt des Schlosses, in den Raum vor der Hofestube. Von diesem Raum im Haupttrakt gelangte man rechts in den unteren Bereich der über drei Stockwerke ausfüllenden Schlosskirche, die sich im Giebelbereich des Haupttraktes. Im „Schlossbuch“ finden wir viele Informationen zu dieser ehemaligen Schlosskirche:

Eine der wichtigsten Räumlichkeiten des gesamten Bauwerkes war die "Schlosskirche". Im jetzigen Hauptraum der Bibliothek gelegen, erstreckte sie sich bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1874 über drei Stockwerke. Die kleine Kapelle besaß zwei Emporen, deren Brüstung in ihren 36 Feldern biblische Darstellungen in Ölmalerei, gefertigt durch den Hofmaler Hans Schröer, zeigten. Auch die Kanzel wurde durch Schröer gestaltet. Der Kurfürst konnte durch ein rundes Fenster direkt in die Kapelle sehen oder von seinem Wohnbereich die Kirchenempore betreten. Das große Altarbild, auf Wunsch der Kurfürstin mit einer biblischen Geschichte aus dem „Neuen Testament" und einem Spruch aus der „Heiligen Schrift" versehen, wurde durch Lucas Cranach d. Jüngeren gefertigt. Um seine Entstehung rankt sich eine eigene Geschichte. Aus dem zwischen November 1573 und März 1574 zur Anfertigung des Bildes geführten Schriftverkehr wird ersichtlich, dass ursprünglich an die Einfügung der Porträts von Anna und August gedacht war.
Cranach bittet in dieser Zeit mehrfach um die Übersendung von Contrafecten. Am 12. März 1574 teilt Cranach Wolf von Kanitz mit, dass er die Arbeit an der Altartafel für Annaburg abgeschlossen habe, obgleich die Bildnisvorlagen und Inschriften vom Hof nicht eingetroffen seien. Seltsamerweise schickt von Kanitz bereits 12 Tage später im Auftrag des Kurfürsten eine Nachricht an Cranach, dass dieser die Tafel für Annaburg ohne Bildnisse der kurfürstlichen Familie wünsche. Da Cranach das Altarbild bis Juni immer noch nicht geliefert hat, wäre es denkbar, dass dieses bereits fertige Gemälde vollständig überarbeitet wurde. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass unter der Endfassung noch heute die Fürstenbildnisse versteckt liegen. Besagtes Bild wurde, gemeinsam mit anderen Gemälden, noch vor Beginn des 7jährigen Krieges nach Dresden überführt. Sein jetziger Standort ist nicht bekannt. Zur Ausgestaltung der Kirche gehörten, neben weiteren 16 auf Holz gemalten Ölbildern mit biblischen Szenen, auch die überlebensgroßen Gemälde Luthers und Georgs von Anhalt. Alle Bildnisse wurden durch Cranach geschaffen. Letztere hatten ihren Platz bis zum Jahre 1945 in der neuen "Schlosskirche". Anfang der 50er Jahre dieses Jahrhunderts wurden sie durch die Stadt Annaburg verkauft. Heute sind beide Gemälde im „Lutherzimmer" der „Feste Coburg" zu besichtigen.
Zum Inventar der Schlosskapelle gehörte auch eine Sanduhr, ein "Stundenzeiger mit 4 unterschiedlichen Vierteln an einem Brett beim Predigerstuhl (Kanzel)".
Für den Altar waren mehrere reich verzierte Bekleidungen vorhanden. Die Altarleuchter bestanden aus Silber; sie trugen viereckige Wachskerzen. Die Orgel, geschaffen durch Meister Georg Kretzschmar aus Dresden, stand auf einer besonderen vergitterten Empore.“

Links konnte man von dem Raum vor der Hofestube die Große Hofestube betreten. Der „Brandschutz“ soll hier zur Ausstattung gehört haben:

„Im Zimmer vor der „Hofestube" …. hingen an Stangen 80 lederne Eimer. Diese waren wohl in erster Linie für eine Brandbekämpfung bestimmt.“

Die große Hofestube war der gemeinsame große Speisesaal im Schloss. Im ausgehenden Mittelalter war es noch üblich dass der Burgherr mit dem gesamten Personal gemeinsam speiste. So soll es z.B. auch Friedrich der Weise in seinem Schloss Lochau gehandhabt haben. Mit dieser Tradition wurde zwar in der Neuzeit (Renaissance) gebrochen, aber der Bruch erfolgte nicht abrupt sondern allmählich. So ist es auch noch überliefert, dass das Kurfürstenpaar gemeinsam in der großen Hofestube mit dem gesamten Schlosspersonal gemeinsam speiste. Dazu wurde nach der Überlieferung zur Mittagszeit das Schlosstor geschlossen und blieb solange verschlossen bis das Essen beendet war. Zur Ausgestaltung erfahren wir:

„Im Raum standen Tafeln, Tische und Bänke. An den Wänden waren Haken für Heertrommeln und andere nützliche Gegenstände angebracht. Vier eiserne Tüllenleuchter, davon zwei an den großen Sandsteinsäulen, nahmen die Fackeln auf und sorgten so für die Beleuchtung. Jedes Jahr musste ,,ein gemalt Männlein" angeschlagen werden, als Muster, wie die Hofjunker ihre Knechte kleiden lassen sollten, damit die Kleidung ,,übereins gemacht werde". Auch dieser Raum war an seiner Decke mit Flaserntapeten geschmückt.“

Seitlich grenzte das Gewürzgewölbe an die große Hofestube an. Dieses Gewürzgewölbe diente der Kurfürstin Anna als Apotheke.

Während der „Nasstrakt“ rechts vom Tor lag, befand sich links zwischen Tor und Haupttrakt, mit der großen Hofestube die „Wohnung“ des Kellermeisters, die Kellerdienerkammer.

Unter dem Tor lag die Hasenmütze, dem „Schlossgefängnis“, welches über den Torgang mittels Falltür leicht zugänglich war – zumindest ging es von hier sehr schnell rein. Heraus kam man nicht mehr so schnell.

Das Schloss war bis auf den „Nasstrakt“ und der „verbindenden Galerie“ unterkellert, dort lagerten die Vorräte die kühl lagern mussten aber denen die Feuchtigkeit nicht viel anhaben konnte. Der Nasstrakt war „Teilunterkellert“, es gab hier nur einen einzigen Kellerraum der wohl dem Gesindel als Vorratraum diente der Zugang war hier vom Wendelstein aus.

Der „große“ Keller war über eine Wirtschaftsstube zu erreichen. Von hier gelangt man aber auch links in einen Kellerraum, dem Vorraum der Hasenmütze. Dort war dann auch der „Ausgang“ aus der Hasenmütze. Zur „Wirtschaftsstube“ gehörte auch die Kelleretage des Erkers. Diese stubenartigen Räume waren zum Wassergraben hin mit kleinen Fenstern ausgestattet, sie wurden auch als „Ausspeisekeller“ benannt und waren mit Brotschrank, Brottisch, Bierständer und anderen Gerätschaften ausgestattet. Von diesem Raum gab es den Zugang zum eigentlichen „Keller“ im Haupttrakt. Dieser hatte aber auf Höhe der Schlosskirche noch einen innen liegenden Zugang zum Vorraum zur „Hofestube“. Auf der anderen Seite befand sich dann der Durchgang zum Kellerbereich unter dem „Küchentrakt“, der seinen eigentlichen Zugang von der Galerie her hatte. Dieser Kellerbereich hatte Mittig einen nicht weiter erforschten gewölbten Gang in Hofrichtung, vermutlich eine ehemalige Rampe um Fässer und Schüttgut in den Keller zu befördern. Aber auch denkbar:

„Vergleiche mit dem Amtshaus lassen vielmehr einen gedeckten Zugang zum ehemals im Schlosshof gelegenen Brunnen vermuten.“

Der erste Stock war durchgängig für die kurfürstlichen Gäste vorbehalten. Die Gästeapartments gliederten sich in Stube und Kammer. Die Kammer war unbeheizt und diente als Schlafgemach mit dem darin befindlichen erhöhten Bett. Beide Räume wurden bei der meist floralen Ausmalung in einem farblichen Grundton gehalten, der dann dem Raum seinen Namen gab (z.B. das goldbraune und blaue Gemach).

Außer diesen Gästestuben und Kammern befand sich im Haupttrakt mittig eine Tafelstube mit der dazugehörigen Kammer vor der Tafelstube. Das war der separate Speiseraum des Kurfürsten und seiner Gäste. Gleich neben der Kirche – diese Etage der Kirche war auch den Gästen vorbehalten – befand sich das „Büchsengewölbe“ die Waffenkammer des Schlosses. Völlig vom „Gästeprinzip“   wich die Tatsache ab, dass sich in dieser Etage im „Waschtrakt“ sich die „Wohnungen“ der Hofmeisterin und Kammerjungfrauen befanden. Über die Galerie gab es im zweiten Stock einen Gang:

„Der Verbindungsgang zwischen Vorder- und Hinterflügel im ersten Stockwerk hieß kurzweg ,der steinerne Gang'. Er trug damals ,eine Leinwanddecke mit wasserfarbenen und heidnischen Historien gemalet'. Der Name Trompeter-Gang', auch ,Trompeter-Saal', (identisch mit dem alten Pfeifferstul') kam erst im 17. Jahrhundert auf. Doch ist es immerhin möglich, dass auch schon zu Annas Zeit hier bei Festlichkeiten Trompeter ein lustig Stücklein bliesen.“ (Gründler)

Das zweite Stockwerk war für das Kurfürstenpaar und ihrer Kinder vorgesehen. Damals gendergerecht und männerdominiert eher die Kurfürstenetage – für Anna gab es ein Kurfürstinnengemach mit Kammer und eine spezielle „Küche der Kurfürstin“ mit „Wasseranschluß“. Gründler schreib dazu:

„Die dabei befindliche kurfürstliche ,Badestube' und daneben die ,Küche' Annas waren beide mit Wasserleitung versehen. Von der Ausrüstung der ersteren nennen wir einen großen kupfernen Ofen mit Wasserpfanne, eine kupferne Wanne, eine eichene Schwitzbank, 3 Stufen hoch, und 2 Baibier-Becken, - von derjenigen der Küche einen Pastetenofen und einen großen Vorrat von Gerät aus allerlei Metall und aus Holz.“

Im „Schlossbuch“ finden wir zur Einrichtung geschrieben:

„Ein Teil (der Kurfürstlichen Fenster) derselben war durch Spiegelscheiben ausgezeichnet, während sonst alle Fenster im Schloss die kleinen runden Butzenscheiben hatten. Der einzige Spiegel und das einzige Bücherbrett, die im Inventar erwähnt werden, waren im Gemach der Kurfürstin' zu finden; auf dem Bücherbrett stand u. a. eine Kinderpostille in Folio, also eine Predigtsammlung für Kinder. Auch ein Alabastertisch und 4 Fliegenwedel von weißen Pfauenfedern deuteten darauf hin, dass hier eine Fürstin wohne. Der Erker war durch ein Gitter abgeschlossen, in ihm befand sich ein Hängetischlein.“

Neben Annas Gemächern befand sich die  „Badestube des Kurfürsten“ und im Erker war sein Hobbyraum – hier war drechseln angesagt, oder die Arbeit mit dem Reißzeug. Im angrenzenden „Schrankraum“ lagerten die Kupferstich- und Holzschnitzsammlung, aber auch die Physikalischen Messinstrumente. Bei „Gründler“ erfahren wir darüber:

„Die ,Schrankstube' in ebendemselben Stockwerke hatte ihren Namen von den Schränken, in denen allerlei ,Reiß- und Handwerksleute-Zeug' aufbewahrt wurde, der Drehsaal' von der Drehbank des Kurfürsten, der hier in seinen Mußestunden zu drechseln pflegte, auch mathematische und astronomische Berechnungen anstellte. Auf letztere deutet ein großer, viereckiger, mit weißem Leder überzogener Reißtisch, auf dem die ,Proba einer Kompaßörtung, die auf 32 Stunden und jede Stunde auf 8 Grad abgeteilet' zu sehen war.“

Auf der linken Hälfte im Giebel des Haupttraktes gelegen das gemeinsame Schlafzimmer, denn beide haben ja nie getrennt geschlafen. Im daneben befindlichen Erker befand sich des Kurfürsten seine „Schreibstube“, sein Arbeitszimmer.

Mittig im Haupttrakt zwei Kurfürstliche Wohnstuben. Hier muss sich aber auch das Kinderzimmer befunden haben.

Über die Gäste- und Kurfürstenetage lesen wir bezüglich der kurfürstlichen Räume im „Gründler“ folgendes:

"Die im zweiten und dritten Geschoß gelegenen Prunk-, Gast- und Familiengemächer waren zum Teil glänzend ausgestattet: an den Wänden war lederne ,Tapezerei' mit Gold und Silber bedruckt, und sehr viel Schmuck an Hirsch- und Rehgehörnen. Diese Gehörne waren auf geschnitzten gemalten Köpfen angebracht und hatten vergoldete Schilde; unter den Hirschgeweihen zeigte keines unter zehn, manches aber zwanzig Enden. Als besonderen Prachtschmuck finden wir in einzelnen Zimmern einen messingenen Hänge-(Kron-)Leuchter und Tische mit geätzten viereckigen Steinplatten, Gemälde jedoch nur in den kurfürstlichen Familienräumen. Die Gastgemächer im zweiten Stockwerke waren für fürstliche Besuche bestimmt, galten daher als ,Fürstengemächer'.“

Im anderen Giebel befand sich in der Schlosskirche die Kurfürstenempore. Im anschließenden Erker befand sich das „Kirchenstübel“.

Im seitlichen Flügel lagen das Essgemach, die Kammer und das Schlafgemach der Kammerjunker. In der Giebelecke befand sich das Schrankstübel, dort waren die Bücher des Kurfürsten untergebracht, die kurfürstliche Bibliothek. Im Erker war eine „Kammer“, vielleicht das Lesezimmer untergebracht.

Da erfahren wir im  Schlossbuch noch folgendes:

„In den Privaträumen des Kurfürsten war auch die Bibliothek untergebracht. Sie umfasste im Jahre 1580 2354 Bände. Darüber hinaus enthielt sie Kupferstiche, Holzschnitte und Landkarten.
Anna verfügte in ihren Räumen außerdem über eine kleine Handbibliothek. Nach dem Tode des Kurfürsten wurde das Inventar dieser Räume nach Dresden verlagert. Die Bücher und Karten bildeten den Grundstock für die spätere „Königlich sächsische Bibliothek".

Im Dachgeschoss im Haupttrakt befand sich der große Saal und im Erker über der Bibliothek die Buchdruckerei.

Im „Waschtrakt“ sollen sich die „Stüblein“ der Kammerjungfrauen befunden haben und in den Erkern, bis auf den der Buchdruckerei weitere Wohnstuben.

Im Schlossbuch erfahren wir über diese Etage:

„In dem vierten Geschoß endlich beansprucht unser Interesse der ,große Saal'. Seine Wände waren mit Holz und ,mit Muscheln gemalt', darunter liefen ringsum angenagelte Bänke. Die verkleidete Decke war in achteckige Felder geteilt, deren Mitte eine Malerei mit dem sächsischen und dänischen Wappen trug. Der weite Raum wird bei Festlichkeiten zu Tanz und Spiel benutzt worden sein. (Im 18. Jahrhundert hieß er deshalb der Komödiensaal'). Die beiden anstoßenden Erker waren Wohnräume. Der nach Osten gerichtete war mit gold- und silbergedruckten Teppichen bekleidet; zu seiner Ausstattung gehörte u. a. ein ,klein Tischlein, darauf stehet ein Schreibtischlein von Glas gemacht, von kunstreichen geschmelzten Blumen und viel Schubkästelein'."

Und anderswo noch:

„Im vierten Geschoß des Hinterschlosses befand sich eine transportable Buchdruckerei. Aus dieser Zeit besitzt die Dresdener Bibliothek zwei Bücher, beide „gedruckt zu Annaburg durch Gimelbergen" im Jahre 1577. Es sind Predigten, die der Hofprediger M. Georgius Lysthenius in der Annaburger Schlosskirche gehalten hat.“

Die einzelnen Stockwerke waren in jedem Flügel mit einer Wendeltreppe verbunden. Dabei befindet sich die Wendeltreppe im Torflügel im Innenhof rechtes neben dem Toreingang. Seiner Lage entsprechend wurde er meist von den Frauen benutzt. Im gegenüberlegenden Flügel befindet sich die Wendeltreppe in einem dem Gebäude rechts vorgebauten kleinen Turm. Über diese Wendeltreppe gelangt man bis in die kleine Druckerei unterm Dach. Dieser Wendelstein war vermutlich eher für das Personal vorgesehen. Der kleine Wendelstein im Haupttrakt befindet sich im hinteren inneren an der Außenwand gleich neben der drei Stockwerke einnehmenden Kirche. Dieser Wendelstein wurde von den Herrschaften benutzt, aber über ihn gelangten auch die Speisen auf den Tisch des separaten Speiseraumes. Über diesen Wendelstein gelangt man auch in den großen Saal im Dachgeschoß des Haupttraktes.

Altersgerecht waren diese kleinen „Stiegen“ jedenfalls nicht. Auch das Kurfürstenpaar machte diese Erfahrung, deshalb verfügte sie nach einigen Jahren, dass ein großer Wendelstein zu bauen sei um mit „weißen Hirschen“ in die Kurfürstenetage zu fahren – so jedenfalls die Legende. Tatsächlich erging der Befehl August mit folgendem Wortlaut:

„Nachdem Wir bedacht, einen neuen runden Schneckenbau, darin wir bis vor unser Gemach in unserem Schlosse allhier hinauf reiten können, verfertigen zu lassen.“

Über diesen 1585 fertig gestellten Turm gelangt man über einer links gewendeter stufenloser Schnecke in die oberen Etagen des Schlosses. Die große Hofestube erhielt über diesen Turm keinen Zugang mehr. Das kann man nun als ein Zeichen dafür nehmen, dass die gemeinsamen Tafelfreuden mit dem „Hofstaat“ endgültig der Vergangenheit angehörten.

 

 

BERND HOPKE
ORTSCHRONIST

AnnaOffice©2021-01-05

 

Quellen

  • Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888;
  • Dr. Dr. Uwe Fiedler, „Schloss Annaburg – Unter dem Hofplaster des Hinterschlosses von Annaburg – 650 Jahre Schlossgeschichte“ unter http://www.annaburg.de/AKTUELL/2002/06/01/Ausgrabung/index.html; Zugriff 11/2008;
  • Otto Eduard Schmidt „Kursächsische Streifzüge“ Erster Band, Verlag: Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung 1913;
  • Autorenkollektiv; „Jagdschloss Annaburg  -eine geschichtliche Wanderung“ Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg; Geigerverlag 1994;
  • Bettina Riedel und Petra Seifert „Nutzungsstudie für Schloss Annaburg“ technische Universität Dresden- Sektion Architektur – 1978;