Truppenübungsplatz

Die militärische Nutzung der Annaburger Heide


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Die Annaburger Heide war in sächsischen Zeiten als kurfürstliches Jagdgebiet Bannwald. Nach der preußischen Vereinnahmung verlor das Waldgebiet diesen hoheitlichen Status. Es erfolgte eine Teilprivatisierung an den Randzonen. Das Kerngebiet blieb als Staatsforst erhalten. Im Umkreis der Annaburger Heide gab es keine größere Garnison – aus diesem Grund kam es auch in Vorbereitung des Ersten Weltkrieges zu keiner wesentlichen militärischen Nutzung der Annaburger Heide. Es wird allerdings berichtet (Quelle von 1937), dass das Torgauer Militär (vermutlich die Ponton-Pioniere)  den Schwanensee beim Scharfschießen als Kugelfang benutzt haben. Über eine zeitliche und spezieller örtliche Einordnung liegen keine Informationen vor. 

Das änderte sich in Vorbereitung des 2.WK. So wie in der nahegelegenen Sydaer Heide, wo ein großer Bombenabwurfplatz eingerichtet wurde, an dem die Stukers den gezielten Bombenabwurf auf Punktziele trainierten. So wurde im Forstrevier Züllsdorf ein Fliegerschieß- und Bombenabwurfplatz für die Garnision Lönnewitz bei Falkenberg eingerichtet und im Zeitraum 1933 bis 1945 genutzt. Die dafür beanspruchten Flächen befanden sich im Bereich der Abteilungen 671 und 672 (alt Abt.211/212).

Erwähnenswert ist die Errichtung des Reichsarbeitsdienst-Barackenlagers in Züllsdorf  (Ortsende und Waldbeginn in Richtung Annaburg). Hier war die RAD Abteilung 7/141 stationiert, die u.a. umfangreiche Meliorationsarbeiten in der Annaburger Heide durchführten. In Zusammenarbeit mit den zwei weiteren Abteilungen die direkt in Annaburg stationiert waren wurden 7300 ha Land vom Stauwasser befreit. Diese Sumpfländereien erhielten ein umfangreiches Grabennetz von 126 km. dass auch dem Forstamt Thiergarten zugute kam. Auch haben RAD-Abteilungen letztmalig den gesamten Neugraben reguliert.

Das Potsdamer Abkommen der Siegermächte legt die Nachkriegsordnung in Deutschland fest. Bestandteil war, dass die Siegermächte für ihre eigenen Streitkräfte die Immobilien und Grundstücke der deutschen Wehrmacht zu nutzen haben. Schlecht für die Sydaer Heide die nun Übungsgelände der GSSD wurde. Die Annaburger Heide blieb als zusammenhängendes Waldgebiet von einer russischen militärischen Nutzung verschont – vorerst. Allerdings wurde auch hier der Bombenabwurfplatz durch die Sowjetarmee weiter genutzt. Hier brach am 14.05.1945 beim Sprengen von Blindgängern ein Flächenbrand aus, der 600 ha Waldfläche der Annaburger Heide vernichtete.

Alles das änderte sich nach Gründung der kasernierten Volkspolizei (KVP). Alles was früher durch das Militär genutzt wurde war in russischer Hand – also kam für weiteren Flächen die militärische Nutzung. Für den Mitteldeutschen Raum  wurde ein Schieß- und Übungsplatz gesucht und in Form der Annaburger Heide dann gefunden. Ausschlaggebend war die relativ plane Geländelage und natürlich die Eisenbahnanbindung und die räumliche Weite die den Sicherheitsabständen zu bewohnten Siedlungen erfüllen musste. 

Im Jahr 1953 begann im ehemaligen Barackenlager des RAD Züllsdorf (nach 1945 als Umsiedlerlager zwischenzeitlich genutzt) der Aufbau einer Kommandantur für einen geplanten Truppenübungsplatz in der Annaburger Heide. Bereits im selben Jahr fand ein erstes Artillerieschießen statt und es wurde mit dem Bau eines Truppenlagers innerhalb der Heide begonnen. Ab dem Jahre 1954 befand sich der Platz in ständiger militärischer Nutzung. Noch in diesem und den darauffolgenden Jahren wurden die Truppenlager Mollgraben und Rosenfeld ausgebaut und erweitert. Die Nutzung erfolgte anfangs durch die Einheiten der KVP (Kasernierte Volkspolizei), die hier mit ihrem schweren Gerät übten. In dieser Zeit waren aber erst ca. 3.000 ha Fläche der Annaburger Heide dieser neuen Nutzung ausgesetzt. Die damaligen Grenzen:

im Süden
Straße Züllsdorf - Zwethau

im Westen
Straße Annaburg - Torgau

im Norden
etwa das Gestell "Alte Sieben"

im Osten
Mollgraben

Nach erfolgter Ausrüstung der KVP mit gepanzerten Fahrzeugen erfolgte 1954/1955 zügig die Erweiterung des Übungsgeländes nach Norden und Osten. So waren die neuen Grenzen 1955:

im Süden
Straße Züllsdorf - Zwethau

im Westen
Feldmark Rosenfeld - Dautzschen - Bethau (bis auf eine kleine Waldfläche die im Westen noch in die Feldflur ragt)

im Norden
Apfelweg - Mauergraben - Neugraben - Mochbergflügel - Arnsnester Straße

im Osten
Mollgraben - Pechdamm - Buckauer Pfarrweg - etwa die Feldmark Buckau - Mahdel (i.d.R. ohne Privatwald) - Bahnlinie Herzberg - Jüterbog

Ab Gründung der NVA (1956) erfolgte dann die Nutzung durch die Einheiten des Militärbezirkes 3 (MB 3). 

1957 begannen die Arbeiten zum Bau eines ersten Panzerschießplatzes, welcher 1958 der Nutzung übergeben wurde (Im Südosten des Forstreviers Heidemühle, Abt. 311/312, 323, 340/341, 358/359 und 374).

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Um den Platz zu erweitern wurden die Außengrenzen nochmal 1961/62 verändert. Im Westen und Osten blieben die Grenzen, erweitert wurde im Norden – jetzt um (fast) alle Staatsforstflächen bis an die Elster (Forstrevier Meuselko). Und im Süden wurde erweitert bis an die Fernverkehrsstraße 87 (jetzt Bundesstraße 87), gleichfalls um alle Staatsforstflächen.

Jetzt konnte der zweite Panzerschießplatz bis 1962 fertiggestellt werden. Die Panzerschießplätze wurden als „PSP“ bezeichnet und von 1-2 Nummeriert. So lag z.B. der PSP 2, Arnsnester und dem Bahnanschluss der  Strecke Jüterbog – Falkenberg/Elster am nächsten (im Norden Forstrevier Heidemühle, Abt. 369/370, 384/385, 386/387, 398/399 und 100).  Der Truppenübungsplatz mit seinen Einrichtungen wurde ständig erweitert und ausgebaut, die technischen Anlagen auf den Schießbahnen und Plätzen, sowie die geschaffenen Truppenlager und Unterkünfte modernisiert. Auf dem Platz gab es zwei eigene Bahnanschlüsse mit Verladerampe. Zuletzt wurde aber nur der an der Bahnlinie Wittenberg-Falkenberg/Elster über den Abzweig Mollgraben genutzt. Es war sowieso der größere von beiden. Außer den Panzerschießplätzen (PSP), bestand der Artillerie- und Gefechtsschießplatz, der im West durch das Forstrevier Züllsdorf, im Süd-Osten vom Forstrevier Dautzschen, im Süd-Westen vom Forstrevier Eichenheide und im Nord-Osten vom Forstrevier Rosenfeld begrenzt wird. Er war das eigentliche Herzstück des Platzes. Dazu befanden sich Feuerstellungen für das indirekte Schießen in den Forstabteilungen 726 a3, 731 a4, 738 b4/745 a1, 739 a2, 740 a4/747 a1, 762 a3, 763 a2 und 776 b1. Außerdem befand sich noch ein Schießplatz für Schützenwaffen im Forstrevier Kreuz (Abt. 407,408,416,417,428 und 445). Als ausgewiesenes Taktikgelände wurde im Forstrevier Kreuz die Abteilungen 144/145, 162/163 und 425 genutzt. Die Gefechtsstände für die übenden Truppen waren:

im Nordosten 
des Forstreviers Rosenfeld in der Abt. 769

im Südwesten
des Forstreviers Kreuz in der Abt. 429

In der Zeit der intensiven Nutzung wurden auch mehrere größere Übungen und Lehrvorstellungen von Land- und Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee und Ländern des Warschauer Paktes durchgeführt. Armeegeneral Heinz Hoffmann sowie General Sergei Matwejewitsch Schtemenko zählten dabei zu den hochrangigen Gästen in der Annaburger Heide. Erster Kommandeur des Übungsplatzes war im Jahr 1953 Oberleutnant Hohlfeld. Am Truppenübungsplatz der Annaburger Heide war das Bataillon materielle Sicherstellung 3 (BmS 3), mit der Kfz-Werkstatt 3 (KfzW 3),  zur Bewirtschaftung zuständig, welche beide in Züllsdorf stationiert waren. Sie gehörten zum Kommando des Militärbezirkes III der Landstreitkräfte der NVA.

Das Kasernenobjekt (in der Nähe der Verladerampe des Abzweig Mollgraben, Forstrevier Kreuz, Abt. 403/404) wurde verschiedentlich genutzt, in zeitlicher Reihenfolge wie folgt:

Truppenunterkunft für übende Einheiten

Artillerieregiment 7

Bau-Pionier-Bataillon

Fachrichtung 3 der Unteroffiziersschule Eilenburg (UffzSch II)

Geschoßwerferabteilung

Kfz.-Reparatureinrichtung (KfzW 3)

Mit der Umwandlung in einen Standortübungsplatz im Jahr 1994 war Hauptmann Meckert der letzte Kommandeur eines Truppenübungsplatz in der Annaburger Heide.

ps_20161027012547Heute (1998) nutzt die Bundeswehr den Platz (StoÜbPl) mit insgesamt drei Schießbahnen hauptsächlich für Ausbildungszwecke zum Schießen mit Handwaffen für Einheiten des Flugplatzes Holzdorf. Auch werden angehende Unteroffiziere der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch hier ausgebildet. Für mehrtägige Übungsplatzaufenthalte wird das Truppenlager Rosenfeld genutzt. In der Nähe des Zschernick wurde eine Lastenabwurfzone eingerichtet, auf welcher Luftfahrzeugbesatzungen zukünftig das gezielte Absetzen von Lasten aus der Luft trainieren können. Der Südliche Teil des Truppenübungsplatzes und der Standort der Kommandantur sind seit Ende 1995 in das Allgemeine Grundvermögen (AGV) überführt.

 

Bernd Hopke

Quelle

Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Annaburger_Heide; Zugriff 10/2016

Aufstellung der Bundesforstverwaltung zum Forstgebiet der Annaburger Heide, Kap. „aus der Geschichte des Untersuchungsgebietes“ 1998

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