Gerbismühle

der Neue Hof


Lange bevor die Gerbismühle entstand, war auf der alten Karte von 1556 an dieser Stelle ein „Neuer Hof“ oder auch als „Neu Hof“ bezeichnetes Einzelgehöft vermerkt. Es muss auch noch bestanden haben als der Neugraben seine Feldflur durchschnitt und deshalb an dieser Stelle eine Brücke über den neu entstanden Graben errichtet werden musste. Diese Einzelbauerstelle muss wohl zum Amt Schweinitz gehört haben, denn es fand im Erbamtsbuch von Annaburg  von 1550 keine Erwähnung. Das könnte aber auch daran liegen, weil es ja erst 1646 nach einer alten Vorlage neu geschrieben wurde, nachdem das Original ein Opfer von Flammen in der Stadt Wittenberg wurde. 

Aber diese Stelle, wo der „Neue Hof“ stand, der Ort wo auch 1730 dann die Wassermühle am Neuen Graben errichtet wurde, ist nicht identdich mit einem alten Wüsten Ort Namens „Gerbisdorf“. Der muss in etwa auf Höhe des heutigen Bahnüberganges der Straße von Annaburg nach Jessen gelegen haben. Er könnte von alters her etwas mit der „Zwisikower Burg“, dem slawischen Burgwall zu tun gehabt haben. Beides wurde jedenfalls auf der Waldkarte von 1556 als ein namentlicher „Waldort“ vermerkt. Das waren alte bekannte Flurnamen die die Orientierung im Gelände ermöglichten und daher der damaligen Bevölkerung durchaus bekannt waren. Es muss uns daher nicht wundern das in viel späterer Zeit an diesen schon lange kultivierten Ort neues wirtschaftliches Leben wenn auch in Form einer Wassermühle entstand. 

Über die Gerbismühle berichtet Eberhardt Förster in seinem Mühlenbuch, dort schreibt er über dies Mühle:    

Die Gerbismühle ist als fünfte Mühle am Neugraben gelegen. Sie gehört zum Amt Annaburg und auch zur Annaburger Kirchengemeinde. Sie wurde von Müllermeister Johann Christoph Herrmann 1730 erbaut. Sein Sohn und Nachfolger Johann Gottlieb Herrmann, geboren 1720, verstarb mit 52 Jahren am 25. Juli 1772. Dessen ältester Sohn aus erster Ehe, geboren am 9. November 1744, übernahm nach dem Tod des Vaters die Gerbismühle. Doch durch seine schwere Krankheit ist Meister Herrmann am 10. Januar 1784 bereits im Alter von 39 Jahren verstorben. So verkauften die Erben die Gerbismühle an Meister Johann Friedrich Förster, der am 22. Januar 1748 das Licht der Welt erblickte hatte. Sein ältester Sohn Johann Friedrich Förster jun. wurde am 12. April 1783 geboren. Nach dem Tod des Vaters am 6. Juni 1809 übernahm er die Gerbismühle. Für seinen jüngeren Bruder Gott-helf Förster wollte er die Elstermühle in Gorsdorf kaufen, aber der heiratete nach Beigern und so kaufte Johann Friedrich Förster für sich die Mühle in Gorsdorf am 7. Januar 1817. Wenig später, am 20. August 1818, verkaufte er die Gerbismühle an Meister Gottlob Bachmann. Dessen Sohn Friedrich Bachmann übernahm 1834 die Gerbismühle vom Vater.
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…und weiter können wir lesen:

Im Schweinitzer Kreisblatt wurde die Mühle am 4. Juli 1838 zum Verkauf angeboten. Der neue Besitzer der Gerbismühle und der dazugehörigen Landwirtschaft wurde Meister Gottlob Eduard Walter. Leider konnte die Gerbismühle nicht im Besitz der Familie Walter bleiben, sie ging an Meister Friedrich Robert Hennig über. Meister Hennig baute 1861 die Gerbismühle um. Es durfte an der Wasserkraft nichts verändert werden, aber die Mühle bekam noch einen französischen Mahlgang und einen Spitzgang für die Reinigung. Nach seinem Tode, am 14. Februar 1882, übernahm sein ältester Sohn Karl Albert Hennig die Gerbismühle. Er war unverheiratet und starb am 3. April 1911 in Folge einer Krankheit. Die Erben verkauften das Grundstück mit der Mühle an Müllermeister Karl Hennig, der mit dem vorherigen Eigentümer Hennig nicht verwandt war. 1932 übernahm der Müllermeister Karl Hennig jun. die Mühle und die Landwirtschaft. Aber durch eine schwere Krankheit ist auch er schon sehr jung im Jahre 1942 mit 46 Jahren verstorben. Nun musste die Ehefrau mit ihren Kindern die Mühle und die Landwirtschaft weiterführen. Der Sohn Friedrich Hennig erlernte das Müllerhandwerk in Schweinitz bei Müllermeister Ewald Klabe. Nach der Lehrzeit wurde er zum Arbeitsdienst, dann zum Militär gezogen und kam 1946 erst aus Gefangenschaft zurück. Durch einen Austausch von einem Kriegsgefangenen, der in Gerbisbach bei einem Bauer arbeitete und von Beruf Müller war, konnte der Mühlenbetrieb in der Gerbismühle aufrecht erhalten werden. Auch nach dem Krieg ist er in Gerbisbach in der Mühle geblieben, bis 1953 der Mühlenbetrieb eingestellt werden musste.

Die Gehöfte des alten „Neuen Hofes“ stehen stehen noch, die Mühle verschwindet bald wieder:

Die Gerbismühle ist zum Teil von der Mühleneinrichtung beräumt und die Gebäude mit dem Wohnhaus sind dem Verfall preisgegeben. Noch sind die Reste der Mühle rechtsseitig des Neugrabens in Gerbismühle unmittelbar neben der Brücke zu sehen.                           (Otto Heintze)
Bernd Hopke
Ortschronist

AnnaOffice©2026-02-02

Quelle:

Eberhard Förster; Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster; Bücherkammer; Herzberg 2006;
Otto Heintze „Die Annaburger Heide“; Verlag Steinbeiß; von 1938;

Annaburger Heide – Hauptsituationsriss der Annaburger Heide, wie solche anno 1765 und 1766 nach Anweisung jedes Ortsforstbediensteten vermessen wurde; Kröhne, Johann Wigandt, Förster (Vermesser).- Wentzel, Johann Georg (Zeichner) in Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 002, F 033b, Nr 011;

Beutel oder Beutelschule; Nachzeichnung (18. Jh): Lochische und Seydische Heide mit den umliegenden kleineren Wäldern und Gehölzen (nach Humilius Risse um 1556) ; Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 006, F 080, Nr 013; Datei: MF17526