Das Amt

Amt Annaburg


Das Dorf Lochau, das Jagdschloss und das Amt Lochau zusammen ist gleich Städtlein Lochau, das spätere Annaburg. So in etwa unsere vereinfachte Geschichte. Das Amt hat sicherlich das meiste dazu beigetragen, dass wir ein Marktflecken und Städtlein wurden. Wie und wann kam das „Amt“ ins Dorf Lochau (Annaburg)? Vielleicht kam aber zum feudalen Jagdsitz das Amt und dann auch noch das Dorf? Das Amt Lochau (später Amt Annaburg genannt) jedenfalls war und ist mehr als das Städtlein Annaburg, es ist und war eine überregionale Verwaltungsinstitution.

Wie und wann entstand das Amt?


Die Grafen von Brehna in deren Gefolge die weltliche „Ostsiedlung“ zwischen Elbe und Schwarze Elster stattfand, haben ihre lokale Verwaltung, nach der in den wettinischen Territorien üblichen frühmittelalterlichen Burgwardverfassung organisiert. Ihre organisatorischen Zentren waren Löben und Herzberg. Vor ihnen erfolgte in unserem Gebiet eine missionarische Erschließung (Eroberung) die hier einerseits durch das Bistum Meißen und östlich der schwarzen Elster durch das Bistum Brandenburg vorangetrieben wurde. Sie hatten ihren organisatorischen Ausbau unter Nutzung von den Supanien, den Siedlungs- und Agrarverbänden der Slawen im mittelelbischen Bereich, organisiert und vorangetrieben. Namenhafte Zentren in unserer Region die heibei entstanden waren das Kloster Lichtenberg bei Prettin und die Probstei in Klöden. Burgwarde die die Grenze dieses Gebietes bildeten waren in Elster, Jessen, Schweinitz, Löben und vermutlich auch in Herzberg zu finden. 

Als wir aber in den Machtbereich der Askanier wechselten, fielen Löben und Herzberg als organisatorische Zentren zu Gunsten des Burgwardortes Schweinitz weg. Sie errichteten in der Lochauer Heide einen Jagdsitz, der zum Ausgangspunkt ihrer Jagdausflüge wurde. Es entstand damit ein „Unterhaltbedarf“. Sie benötigten daher am Ort ihres Jagdsitzes einen „wirtschaftlichen Verwaltungs- und Versorgungspunkt“. Das wird die Geburtsstunde des zukünftigen Amtes Annaburg gewesen sein. Es würde uns aber auch das eigentümliche Konstrukt des uns fast vollständig umschließenden Amt Schweinitz erklären und den Umstand, dass uns aus diesem Amt Städte und Orte Dienst- und Abgabepflichtig waren.

So heißt es auch:

Das Amt Lochau war ein Teil des askanischen Herzogtums Sachsen-Wittenberg und gelangte 1423 mit diesem an die Wettiner. Hier wurde es ein Teil des Kurkreises, dessen Sitz Wittenberg war.“ Und weiter: „Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt wie das gesamte Herzogtum Sachsen-Wittenberg zur ernestinischen Linie der Wettiner. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 (Wittenberger Kapitulation) war es im Besitz der Albertiner.“
Zuständigkeit

Das Amt Annaburg war für fünf Sachen zuständig: der Einnahme landesherrlicher Steuern, der Verwaltung ihrer Grundherrschaft (inklusive des Polizeirechtes), der Ausübung der oberen und niederen Gerichtsbarkeit, der Unterstützung (Arbeitsleistung) bei der Jagdorganisation und der Gestellung eines bestimmten Soldatenkontingents im Kriegsfall. 1682 entfiel die zuletzt genannte Verpflichtung durch die Errichtung des stehenden Heeres. Diese Aufgabenfelder änderten sich bis zum Ende der Ämterverfassung kaum.

Diese organisatorischen und nachweislichen Aufgabenfelder wurden in den Amtserbbüchern dokumentiert und beschrieben. Diese Bücher mit ihrer Materialfülle bilden jedes Amt in seiner Region umfänglich ab. Sie geben uns Einblick in die (ländliche) Welt des Kurfürstentums in ihrer Komplexität und Differenziertheit, in ihren herrschaftlichen, sozialen, verfassungsrechtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Erbamtbuch
wer kontroliert

Dem Amt stand der Amtmann vor, während der Amtsschösser für die Finanzverwaltung zuständig war. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Schösser zur Hauptperson der Amtsverwaltung und übernahm sowohl die Leitung als auch den Titel „Amtmann“. Dem adeligen Amtmann hingegen wurden ab Mitte des 16. Jahrhunderts mehrere Ämter unterstellt, seine Zuständigkeit beschränkte sich auf Aufsichtsfunktionen. Er hatte nun den Titel Amtshauptmann inne. In Annaburg übernahm anfänglich diese Aufsichtsfunktion der Forstmeister. So wurde am 11. Mai 1549 durch Kurfürst Moritz die Übergabe der Lochauer Schosserei an den Oberforstmeister „zur Lochau“ Paul von Hogenest verfügt. Die Übergabe vom Schosser Hieronymus Lachnicht fand am 15.Mai 1549 statt und wurde vom Amtsschreiber Barthel Wagner dokumentiert. Aber bereits beim Bau der heutigen Annaburg 1572-1573 war der hiesige Amtshauptmann Wolf von Kanitz, der in dieser Funktion auch den Bau des Schlosses leitete.

Die Kompetenz des Amtshauptmannes wurden 1764 mit der Reorganisation des sächsischen Staatswesens dem Siebenjährigen Krieg erneuert und erweitert. Er war nun neben der generellen Überwachung des Steuer-, Justiz-, Polizei-, Kommerzial- und Manufakturwesens für die Aufsicht über das ab dieser Zeit verpachtete Amt zuständig. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts schied sich die Ämterverwaltung in eine Justiz- und Finanzverwaltung.

Ende einer bewährten aber veralteten Organisationsstruktur

Das Ende dieser Ämterverfassung fiel bei uns zusammen mit der preußischen Übernahme 1815. Die Aufgaben des Amtshauptmannes ging sofort auf den in Torgau eingesetzten Landrat über. Das Ende des Amtes Annaburg wurde in der regionalen Erinnerung nur als „Kreisbildung“ (Zugehörigkeit Annaburg zum Kreis Torgau) wahrgenommen. Da ja die o.g. vier Aufgabenfelder zum Amt gehörten, wurde der Prozess 1847 institutionell mit der Auflösung und Verlegung des Gerichtsamtes nach Torgau, aber tatsächlich erst umfänglich mit der Beendigung der Separation zum Ende des 19.Jahrhundert abgeschlossen.

Bernd Hopke
Ortschronist

AnnaOffice©2026-02-04

Quelle:

Autor unbekannt; Amtserbbücher des Amtes Annaburg; im Heimatbote – Beilage zum Schweinitzer Kreisblattes Nr.14 vom 10.Juli 1925;

Joachim Huth, Burgwarde, Supanien und Parochien; unter http://www.joachim-huth.de/pdf/tb-burgwd.pdf  Zugriff 01/2026;

Andre Thieme, Die kursächsischen Amtserbbücher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ihre digitale Erfassung; unter https://repsax.isgv.de/Thieme-AEB-vorEV.pdf  Zugriff 01/2026;

Eberhart Förster, Verschriftlichung der Kopien des „Erbbuch des Amtes Annaburg Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Außenstelle Wernigerode; Signatur D 1, Nr. 1“ 2005; unveröffentlicht Privatbesitz;

Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888