Kino

Das Lichtspieltheater in Annaburg’s „Neuer Welt“


ps_20161115155912Das erste Kino in unserer Region wurde 1914 vor 100 Jahren in der „Neuen Welt“; Feldstrasse von August Schlinker eröffnet. Dieses Kino, auch bekannt unter Ackers „Neue Welt“ bestand an diesem Standort bis 1949.

August Schlinker hatte ursprünglich die Hotellaufbahn eingeschlagen. Seine Wanderjahre führten ihn kreuz und quer durch den europäischen Kontinent. In den Hotels erlebte er die ersten Filmvorführungen mit dem 1895 erfundenen Cinématographen vor zahlendem Publikum. Die langjährige Auslandstätigkeit verlieh ihm einen weltoffenen Blick. Er erkannte das in Annaburg vorhandene Potenzial dauerhaft ein Kino zu betreiben. Neben den Annaburger Bürgern und den Einwohnern umliegender Dörfer war auch durch das Militär-Knaben-Institut und der Unteroffiziervorschule ein ausreichendes Publikum für einen dauerhaften Kinobetrieb vorhanden. So wurde in Annaburg, im Kreis Torgau, das erste Kino weit und breit eröffnet.

Das Lichtspielhaus hatte 400 Plätze und wurde pro Woche an 1-2 Tagen bespielt. Den Annaburgern ist es unter Ackers “Neue Welt“ bekannt. Der Saalbau diente gleichzeitig als Tanzlokal. August Schlinker führte das Kino bis 1926. 1924 gründete die Wittenbergerin Frau Aenne Maiwald das Palast Theater in der Mühlenstrasse mit 200 Plätze. Mit dieser Konkurrenz, aber vor allem nach Schließung des Militär-Knaben-Institut und der Unteroffiziervorschule, hat August Schlinker wohl erkannt, dass ein Wachstum in der Kinobranche nur in einer größeren Stadt möglich sein wird. Er verpachtet an W. Hammer sein Lichtspielhaus und ging nach Warburg. Dort erwarb er die „Warburger Lichtspiele“ und ein weiters Kino im Nachbarort. Die Kinovorführerfamilie Schlinker betreibt nun schon in dritter Generation die „Warburger Lichtspiele“ erfolgreich weiter. Nach dem erfolgreichem Start in Warburg wurde 1928 das Annaburger Lichtspielhaus an Julius Hoppe verkauft. Er baute es zeitgemäß in ein Saalkino mit 250 Plätzen um. Seine Witwe Anna Hoppe führte das Kino „Neue Welt“ ab 1939 weiter. Im Krieg erwarb Gustav Schmidt das Saalkino, welches er 1949 zum Tanzsaal umbaute. Die dabei ausgebaute Kinoeinrichtung mit der Kinoapparatur sollte ein Teil der Umbaukosten decken. Aber er fand keinen Käufer und der Umbau hatte ihn so verschuldet, dass er zahlungsunfähig wurde. So wurde der Betrieb geschlossen. Die Konsum Genossenschaft hat das Grundstück übernommen, einen Möbelladen und auch einen Lebensmittelladen bis zur Schließung 1990 dort betrieben.

Das Kino in der Mühlenstrasse blieb den Annaburgern über die DDR-Zeit erhalten, stellte aber nach der erfolgten Wiedervereinigung 1990 seinen Kinobetrieb für immer ein.

 

Bernd Hopke

Annaburger Ortschronist

 

Quelle:

http://allekinos.pytalhost.com/kinowiki; Zugriff 01/2014