1700 – 1945

Annaburg durch die J a h r h u n d e r t e – Chronologie der Ereignisse 1700 – 1945zeilezuernerkarte1700-3


 

18. Jahrhundert

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1701 hielt es der Kurfürst von Brandenburg, Friedrich III für angebracht, eingedenk der Wahl des sächsischen Kurfürsten zum König von Polen und des Herzogs von Hannover zum Kurfürsten, sich mit Zustimmung des Kaisers zum König Friedrich I. in Preußen zu krönen. Das verschaffte ihm Ansehen im Reiche und bei seinen Nachbarn!

1702   Der Pechhüttenbesitzer Tobias Schlobach hat am 19. Mai die „Heidemühle“ im Zscharnik mit allen … „Ein- und Zubehörungen, dem vollen Inventario, auch sonsten mit allen Nutzungen, Rechten, Gerechtigkeiten und Freiheiten, insbesondere den Diensten, welche gedachten unserer Amtsuntertanen zu solcher Mühle zu leisten verbunden, ingleichen der Hutung und Wiesenwachs, wie alles die bisherigen Müller immer gehabt, erblich gekauft für 450 Gulden und 30 Gulden jährlichen Erbzins“ vom Fiscus erworben. (andere Quellen nennen den aus einer Dübener Pechhütte stammenden Christian Schlobach als Käufer)

1703   Am 4. Mai erschien in Dresden der „Chur-Sächsische-Post-Cours„. Das Verzeichnis enthält 47 Postlinien und 542 Orte Sachsens, die mit der Fahrpost zu erreichen waren, darunter auch den Post-Ort Annaburg!

1704 Postmeister Römer schied im Herbst 1704 aus dem Amt und starb am 27.2.1705

1705 Der Einwohner Annaburgs Gottfried Heinrich Seydel wurde zum Postmeister berufen. Er schied um 1710 wieder aus dem Dienst. Sein Nachfolger wurde Gottfried Gruhl aus Annaburg. Er besaß umfangreiche Waldungen und eigene Ackerflächen.

1706 Das Jagdschloss Annaburg dient als Garnison einer Abteilung des kurfürstlichen Regiments.

(Messgerät aus Zürners-Messwagen)
(Messgerät aus Zürners-Messwagen)

1715 -1735 In dieser Zeit unternahm Friedrich Adam Zürner auf Befehl des sächsischen Kurfürsten mit seinem „Geometrischen Wagen“ die genaue Vermessung aller sächsischen Poststraßen vor. Er legte in diesen 20 Jahren mehr als 18.000 Meilen auf den Poststraßen Sachsens zurück. Er führte damit das Werk durch was schon Kurfürst August von Sachsen durch die exakte Vermessung und Kartierung seiner durchgeführten Reisen vorgeschwebt hat. Auch er benutzte dazu seinen Reisewagen mit einem eigens dazu konstruierten Entfernungsmesser.

1717   In der Zeit vom 7. bis 24. Dezember fuhr Zürner mit seinem Messfahrzeug die Poststraße Wittenberg – Annaburg – Liebenwerda ab.

1721   Der Bader und Chirurgus Johann Christoph König, aus Annaburg, löst Postmeister Gruhl ab und wird Anfang des Jahres zum neuen Postmeister von Annaburg bestallt.

1722/23 Wurde am Ortsausgang von Annaburg an der Straße nach Torgau eine (leider nicht mehr erhaltene) Postsäule errichtet.

1724           Nach einer Nachricht aus der ev. Kirche sollen sich die „Neuhäußler vor dem Herzberger Tor … aufgebaut“ haben. Da die Gemeinde auf ehemalige Forstgelände gegründet wurde, kann man davon ausgehen, dass die „Neuhäuser“ ursprünglich im Zusammenhang mit der seit 1697 betriebenen Flößerei entstanden sind und ursprünglich auch zum Gutsbezirk der Oberförsterei gehörte.

1725 zum 2. Marti früh brannten 36 Häuser (gerechnet ohne Scheune und Ställe) der Stadt ab.

1727 In diesem Jahr wurde eine Sonderkommission durch die obersten Behörden berufen, die dem hartnäckigen und alten Gerücht nachgingen, dass der Amtmann und der Gärtner im Spätsommer des Jahres 1696 den verborgenen Schatz der Kurfürstin gehoben hätten. Natürlich ohne Erfolg.

1728 Am 14. Januar nimmt König Friedrich Wilhelm l mit dem Kronprinzen (dem späteren König Friedrich dem Großen) im Annaburger Schlosse Aufenthalt, der bis zum 12. Februar gleichen Jahres währt.

1729   Die evangelischen Ortskirche erhielt am 1. Juli einen neuen erweiterten Turmaufbau. Der quadratische Turm wurde mit einem achteckigen barocken Aufbau erweitert, mit Haube und Laterne, und erreicht jetzt eine Höhe von 35 m.

1729   Laut einem Schreiben aus dem Kirchkopf der ev. Kirche von Annaburg zählt die Stadt 889 Bürger.

1730 Kurfürst August der Starke – veranstaltet sein berühmtes Lustlager bei Mühlberg. Daran nahmen auch Friedrich Wilhelm I und sein Sohn Friedrich von der „Lichtenburg“ bei Prettin teil. Unter anderem wurde von dort aus auch eine große Jagd in der Annaburger Heide veranstaltet.

ps_201611042158161730   Die Gerbismühle als fünfte Mühle am Neugraben gelegen wurde von Müllermeister Johann Christoph Herrmann erbaut. Sie gehört zum Amt Annaburg und auch zur Annaburger Kirchengemeinde.

1733   Die Stadtmühle in Annaburg, am Neugraben, fällt einem Brand zum Opfer. Mühlenbesitzer war zu dieser Zeit Johann Adam Hollfeldt. Er ließ die Mühle wieder an Ort und Stelle errichten.

1738 In Dresden wurde das Kursächsische Militär-Knaben-Erziehungsanstalt gegründete, welches im Jahre 1762 nach Annaburg verlegt wurde und bis 1921 hier bestand.

1739/40 Es berichtet ein Chronist, dass der Winter 1739/40 Mitte Oktober in unserer Region begonnen und erst Mitte Juni geendet hat.

1747 Im März wurde auf Burg Klöden durch das Patrimonalgericht Pretzsch der Grundherrschaft der von Löser die letzte Hexe Mitteldeutschlands, namens Christiane Hanke (eine 60-jährige Brandstifterin) zum Tode verurteilt und öffentlich auf dem Scheiterhaufen in den Fichten nach Rade zu verbrannt.

ps_201610181254081750   Etwa zu dieser Zeit erschien bei A. Schenk in Amsterdam mit „Königl. und Churfürstl. Sächsischen Privilegio“ eine in 7 Farben gedruckte Landkarte auf der unserer Ort verzeichnet ist. Nach dieser Karte befand sich in Annaburg: ein kurfürstliches Amt; eine Poststation mit Pferdewechsel; einen Gasthof; eine Schmiede; ein kleines Geleitkommando; eine Hauptkirche; ein Kurfürstliches Schloss eine Wassermühle im Ort und den von einer Mauer umgebenen Tiergarten. Es waren aber auch viele Straßen, die nach Annaburg und teilweise über Knüppeldämme führten, eingetragen. Außerhalb von Annaburg war noch ein kurfürstliches Gebäude als „Lochau“ genannt eingezeichnet.

1752   erschien bei „Schreibers Erben“ die Ämterkarte von Annaburg, sowie die Ämterkarte des Kurkreises (Wittenberg). Hierbei handelte es sich um die erste „öffentliche“ Karte von unserem Heimatgebiet. Nach dieser Karte ist Annaburg als eine „große Stadt“ – im Gegensatz zu Herzberg und Jessen die als eine „kleine Stadt“ vermerkt waren. Unser Städtlein zusätzlich war mit Posthalterei und einem Diaconat ausgewiesen. Der Druck geht noch auf Johann George Schreiber zurück der vor der Herausgabe seines Werkes 1750 verstarb.

1754   Es ereignete sich in den Neuhäusern vor dem Herzberger Tore ein schreckliches Verbrechen. In Abwesenheit des Familienvaters wurde dessen Ehefrau mit ihren beiden Kindern wegen einer kleinen Summe Geldes ermordet. Der Mörder von der Frau Strauch und beider Kinder, der „Malificant“ (Verbrecher) Johann Christian Noack wurde wenig später gefasst und wie es damals üblich war seiner gerechten Strafe zugeführt. Er wurde auf einer Kuhhaut zum damaligen Gerichtsplatz an der Jessener Straße geschleift. Dort wurde er durch Rädern hingerichtet und zur Abschreckung aufs Rad geflochten zur Schau gestellt – eine der letzten Hinrichtungen dieser Art in unserem Städtlein Annaburg.

1756 – 1763 Der Siebenjährige Krieg, zwischen einer preußischen – britischen Koalition gegen Sachsen, Österreich, Frankreich und den meisten deutschen Fürsten begann am 29.08.1756 und endete am 15.02.1763 mit dem Frieden von Hubertusburg. Der Siebenjährige Krieg ist gleichzeitig der 3. Schlesische Krieg. Er überwölbt außerdem den weltweit geführten Kolonialkrieg. Er ist damit erstmalig eine weltweit geführte Auseinandersetzung der Geschichte. Für uns von besonderem Interesse sind die Kampfhandlungen im unmittelbaren Heimatgebiet. Es haben Kampfhandlungen in Wittenberg, Pretzsch und Torgau stattgefunden. Außer Frage steht, dass bei großen Truppenansammlungen die Bevölkerung im Nahbereich die üblichen kriegsbedingten Belastungen zu tragen hatte! Es ist bekannt, dass Friedrich der Große bereits im Oktober 1756 auf seinem Marsch gegen die Sachsen und Österreicher auf Schloss Pretzsch übernachtet hat und dass am 29.10.1759 zwischen Österreich und Preußen ein Gefecht westlich von Pretzsch stattfand. 1759 besetzten die Preußen im Sommer und erneut am 27.08. die Stadt Wittenberg. Am 13.10.1760 wurden die Preußen in Wittenberg durch die Reichsarmee beschossen. Am 03.11.1760 fand die Schlacht bei Torgau statt, bei der die Preußen das verloren gegangene Sachsen zurückgewinnen. Bei Friedensschluss am 10./15.02.1763 etablierte sich Preußen als 5. europäische Großmacht neben Großbritannien, Frankreich, Russland und Österreich. Sachsen war an den Schlesischen Kriegen mehr oder weniger stark beteiligt. Es ist jedoch nicht bekannt, ob Annaburger Soldaten in die sächsische Armee rekrutiert worden waren oder ob unser Ort in diese Ereignisse direkt einbezogen gewesen ist. Indirekt aber schon.

1757 Einer nicht verbürgten Aussage nach, soll Friedrich der Große anlässlich seines Aufenthaltes im Oktober auf Schloss Annaburg die Wendeltreppe hinaufgeritten sein. (Die so genannte „Bergtreppe“ mit glatter linksgewendeter Schnecke – einziges solcherart im deutschsprachigen Raum erhaltenes Beispiel)

1760 In diesem Jahr wurde in Annaburg wieder gebaut: Die Stadt erhielt vier Tore. (Annaburg besaß nie eine Stadtmauer, aber sie war von Gräben umschlossen. An diesen Brücken wurden Tore als Torhäuser errichtet – wie das Mühlentor am Mühlenend [auch als Schweinitzer oder Jessener Tor genannt]. Die anderen waren auf einer Karte [Anfang des 18.Jahrhundert] als Bader-Tor, das Torgauer Tor und das Herzberger Tor bezeichnet. Diese Tore dürfe nicht mit den 4 Tore in der Tiergartenmauer verwechselt werden – diese entstanden mit Errichten der Tiergartenmauer im 16.Jh.)

1762 Das „Versorgungswerk für arme Soldatenknaben“ wird von Dresden nach Annaburg verlegt. Für das Annaburger Schloss bedeutete das die Bewahrung vor dem sicheren Verfall, denn es diente von nun an mit den angrenzenden Gebäuden den anfangs 250 Zöglingen sowie ihren Betreuern, Lehrern und Ausbildern als ständiges Quartier und Ausbildungsstätte. Gleichzeitig ergaben sich für die Einwohner Annaburgs neue Arbeitsmöglichkeiten und Einnahmequellen. Das Schloss musste für die neuen Zwecke hergerichtet werden. Zöglinge und Personal benötigten kontinuierlich Verpflegung, Wäsche musste ausgebessert und gewaschen werden. Reparaturen fielen allenthalben an, Gespanne wurden oft angefordert … und auch der Postmeister wird am gewachsenen Postaufkommen den starken Zuzug bemerkt haben.

1762   Gleichzeitig mit der Herverlegung des Königlich-Militär-Knaben-Erziehungs-Instituts wird eine katholische Kapelle in der Erkerstube im Hinterschloss in Annaburg eingerichtet. Diese Kapelle bestand dort bis 1780.

1762 Die Schäden, die der Siebenjährige Krieg mit seinen schweren Trossfahrzeugen und seiner Artillerie an den sächsischen Straßen hinterlassen   hatte, gaben den Anstoß zu ernsten Anstrengungen, das Straßenwesen   grundlegend zu verbessern. Deshalb wurde in Sachsen 1762, also noch vor   dem Kriegsende, eine Restaurationskommission   gebildet, die die   sofortige   Instandsetzung von 3 Hauptstraßen des Landes anordnete. In dieser   Dringlichkeitsliste ist   unter der Nummer „5“ die Poststraße Dresden -Großenhain – Annaburg – Wittenberg genannt.

1762 Die Städte, Ämter und Gemeinden hatten in ihrem Bereich für die befohlene Erneuerung der Straßen Sorge und die Lasten zu tragen. Die Arbeiten sollten, so wollte es der Kurfürst, bis zur Michaelis-Messe 1763 (29. September) abgeschlossen sein.

1762/63 Im Zuge der Nutzung durch das „Versorgungswerk für arme Soldatenknaben“ (später MKI genannt) erfolgen größere Reparaturen und Umbauten im Schloss. Zu dieser Zeit waren die maßgeblichen Beamten in Annaburg der Oberforstmeister von Arnim und der Amtmann Wießner. Beiden waren gegen die Herverlegung des „MKI“ da sie die Baulichkeiten des Schlosses uneingeschränkt für ihre Verantwortungsbereiche nutzten. Interessant daran war, dass der Amtmann Wießner für dieses Amt eine jährliche Pachtsumme von 3366 Taler, 21 Groschen und 11,5 Pfennige zu zahlen hatte.

1763 Der städtische Friedhof hinter der evangelischen Kirche in Annaburg reichte nicht mehr aus, um die Verstorbenen des Militär-Knaben-Erziehungsinstitutes aufzunehmen. Das Institut erhielt den ehemaligen Pechberg rechts der Holzdorferstraße zugewiesen und nutzte diesen bis zu seiner Schließung 1921. In der Erde dieses Friedhofes ruhen insgesamt 776 Zöglinge und Institutsangehörige.

1765 Die Kartoffel wird Hauptnahrungsmittel in Deutschland.

1765 Am 22 August 1765 starb der Postmeister Johann Christoph König in Annaburg. Eine Neubesetzung erfolgte erst einige Monate (1766) später.

1766 Erst Anfang 1766 wurde der Annaburger Gutsbesitzer Johann Gottlieb Krüger durch das Leipziger Oberpostamt zum neuen Postmeister ernannt. Fünfzehn Jahre übte er diese Tätigkeit aus, bis er die Aufgaben seinem Sohn übertrug. In den Folgejahren muss der Postmeister J. G. Krüger für das schon erwähnte „Versorgungswerk armer Soldatenknaben zu Annaburg„, im Gegensatz zu anderen Honoratioren des Ortes, ein vertrauenswürdiger und umgänglicher Bürger gewesen sein. Denn als der Versorgungseinrichtung aus dem eigenen kleinen Fuhrpark zwei Pferde starben, wurden kurzerhand dem Postmeister alle weiteren Proviantfuhren gegen 26 Taler monatlich übertragen. Später bekam er vom Direktor der Anstalt sogar noch ein Offizierspferd geschenkt und ein zweites „Majors-Pferd“ wurde bei ihm gegen Bezahlung in ständige Kost gegeben.

ps_201611042132331766   Ein Jahr nach dem Tode des Postmeister König starb am 13. November 1766 auch der langjährige Posthalter von Annaburg Johann Martin Eberhard. Er ist im Kirchenbuche, Band 63, ausdrücklich als Posthalter ausgewiesen. Damit ist klar, dass zurzeit des Postmeister König außer der Poststation auch eine Posthalterei in Annaburg bestand. Gleichzeitig aber gilt als gesichert, dass der Postmeister J. G. Krüger nun auch das Amt des Posthalters von Annaburg übernommen hatte. Nicht nur, weil er einen bekanntermaßen leistungsstarken und größeren Fuhrpark unterhielt, sondern weil bei ihm öfter hochherrschaftliche Postkutschen die Pferde wechselten. Die gesamte amtliche Korrespondenz mit den Ministerien in Dresden wickelte das „Versorgungswerk“ über die örtliche Poststation ab und musste dafür anfangs die vorgeschriebene Taxe entrichten.

1772 Ab diesem Jahr war das Fachwerkshaus an der Torgauerstrasse im Besitz derer von Reitzenstein. Es war ein Freisassengut, übrig geblieben ist nur das Wohnhaus. Weiterhin war hier in der Folgezeit eine Posthalterei und die Besitzer waren in Generationen in Folge Amtsvorsteher in Annaburg.

1773 Am 17. Oktober weilt Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen zur Abhaltung einer Jagd in Annaburg.

1775 fand der damalige Ingenieurhauptmann (späterer Generalmajor) Aster, in der Annaburger Heide ein auf Holz gemahltes Bild, „1 Elle 20 Zoll lang und 1 Elle 5 Zoll breit, welches eine Zusammenkunft der Churfürsten, Johann Friedrich von Sachsen, Hermann von Edln und Joachim II. von Brandenburg vorstellt … in Kupfer gestochen. Es soll sich gegenwärtig in einer zwischen Annaburg und Herzberg liegenden Mühle, die Heidemühle genannt, befinden, und es wäre, wegen der hier ausgesetzten Feuersgefahr, zu wünschen, daß dieses alte historische Denkmahl einen sicherern Platz erhielte.“ (Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich- sächsischen Lande, Band 1 von Friedrich Gottlob Leonhardi)

1778   wurde am Vorderschloss die Seitenflügel um ein Stockwerk erhöht und am Markt zwei Kornhäuser für das Amt Annaburg gebaut (an der Stelle etwa wo heute die Sparkasse steht). Die Bauarbeiten am Schloss zogen sich bis 1787 noch hin. Sie erfolgten zur besseren Nutzung für das Soldatenknaben-Institutes.

1780 Das auf dem kleinen Weinberg erbaute Krankenhaus (Alte Lazarett) für die Zöglinge wird bezogen. Jetzt befindet sich in dem historischen Gebäude altersgerechter Wohnraum. Es steht an der Schlossstrasse.

1780 Im Erdgeschoss des Vorderschlosses wurde für die katholischen Zöglinge des MKI eine Kapelle eingerichtet. Sie wurde am 14.11. geweiht und bestand dort bis 1815

1782   In diesem Jahr übernahm Gutsbesitzer Johann Friedrich Krüger, der Sohn des vormaligen Postmeisters, die Annaburger Poststation und blieb rund 50 Jahre im Amt. Er überlebte die französische Besatzung und die Befreiungskriege und wurde nach 1815 von der königlich-preußischen Post übernommen, 1817 mit der Leitung der nun preußischen Postwärterei Annaburg betreut und schließlich 1832 pensioniert. Er starb am 17. Mai 1834 als Gutsbesitzer in Annaburg im Alter von „72 Jahren, 9 Monaten und 10 Tagen„. Er wurde also im März 1761 geboren und hatte mit 21 Jahren das Postmeisteramt übernommen. (Dass das Postmeisteramt über Generationen in einer Familie blieb, ist nicht ungewöhnlich.)

1783 Die Baumaßnahmen am Vorderschloss konnten in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das Vorderschloss erhielt dabei seine heutige Gestalt (einheitliches zweites Stockwerk) und alle Gebäude des Schlosskomplexes einen Blitzableiter.

1783 In Annaburg Betrieb man den Seidenbau. Beim Amtsvorwerk, „werden durch die Bemühungen des Advokaten Seidel 400 Maulbeerbaume in und um Annaburg gepflanzt, welche sich seitdem noch vermehrt haben.“ Die letzten Maulbeerbäume aus dieser Zeit wurden in der Nähe des Schießstandes erst vor kurzem gefällt.

1784 Ein gewisser Güntzel, der auf einem Schubkarren Butterhandel trieb, wurde an der Holzdorfer Straße an der ersten Brücke ertrunken aufgefunden. Seit dem trägt diese Brücke den wunderlichen Namen „Mannversoffenbrükke“.

1784/85 Die „Wernerschen Chronik“ (Prettin) berichtet, dass den ganzen Winter hindurch von Dezember 1784 bis Ausgangs April 1785 sehr tiefer Schnee lag. Das danach eintretende Tauwetter „verursachte so viel Wasser, dass der Elbstrom zu einer bedeutenden Höhe anschwoll und das Wasser über alle Dämme floss.“ Bei einem Dammbruch bei Strehla erreichten die übergetretenen Fluten über den Neugraben auch unser Städtlein.

1786 wird berichtet, dass im Knabenerziehungs-Institutsind 446 Knaben unterhalten worden, welches einen Aufwand von 22597 Thlr. 16 Gr. erfordert hat“. Zur militärischen Struktur erfahren wir: dass “die sämtlichen Knaben sind in 1 Grenadier– und 4 Musktierkompagnien eingetheilt, den welchen ein Major, ein Adjutant, nebst den nöthigen Kompagnieofficieren, insgesamt Knaben, angestellt sind.“

1787 Beiderseits des Turms an der evangelischen Ortskirche werden die zweigeschossigen Fachwerkanbauten errichtet. Damit erreicht die Kirche ihr heutiges Aussehen. Die Fachwerkbauten dienen zur Erweiterung der sich im Turm befindlichen Patronatsloge für die Forst- und Ortsbeamten.

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1788 treffen sich auf der Annaburg zu einer gemeinsamen Jagd der sächsische Kurfürst mit Kurfürst Friedrich Wilhelm II von Preußen. Der Preußenkönig erlegt auf der Jagd das stärkste Wildschwein mit 400 Pfund lebend Gewicht. Die Soldatenknaben paradierten bei dieser Gelegenheit, zeigten ihre Fertigkeit in der Musik und wurden vom König von Preußen mit 40 Friedrichsdor beschenkt. Neben dem Schlossgarten befindet sich der Spielplatz der Knaben. (Erste Spielplatzerwähnung) Damit hat Annaburg als einer der ersten deutschen Städte einen Spielplatz für Kinder,  für die kleinen Zöglinge des Militär-Knaben-Erziehungsinstitutes.

1788 wurde am 21. November das Andenken an der vor 50 Jahren geschehene Gründung des Soldatenknaben-Institutes gefeiert.

1789 Werden durch den Kurfürsten zum Bau von Elbbuhnen 112 Kiefern und 865 Schock (51.900 Stück) Faschinen aus Annaburger Amtswaldungen angewiesen.

ps_201610172007041793 Werden die Gebäude der Annaburger Stuterei als Meisterstück des Amtszimmermeisters Johann Gottfried Wasserman erbaut und eingerichtet. Sie wurden: „erbaut von den ersten aus Annaburger Lehmerde gebrannten Ziegel“. Sie bestand bis 1815 und wurde aufgelöst nachdem bereits 1813 durch russische Kosaken alle Pferde requiriert wurden. Die Gebäude wurden in den nachfolgenden Jahren als Schäferei, aber auch als Vorläufer der Musikschule und jetzt auch teilweise als Wohngebäude genutzt.

1793 In diesem Jahre ist der Schlossgraben, „welcher oft unangenehme und der Gesundheit nachtheilige Ausdünstungen veranlasste, verengt und, um den Ab- und Zufluss des Wassers zu befördern, sind Schleusen angelegt worden.“

1795/96 im Churfürstentum Sachsen wurde von 1795 bis 1796 eine Volkszählung durchgeführt. Danach bestand Annaburg aus 145 Häusern mit 700 Einwohnern.

1799 Unsere Stadt wurde bei einem Elbdammbruch nahe Strehla über den Neugraben von den Wassermassen erreicht, es entstanden entsprechende Schäden in den Annaburger Feldfluren.

 


19. Jahrhundert

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ab 1800 wird im Soldatenknaben-Institut der Grundstein zu einer Schulbibliothek gelegt. Die Soldatenknaben „werden unterrichtet im Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik, Singen und Zeichnen, in der Geographie, in der sächsischen Geschichte, wobey das vornehmste aus der Naturlehre und Naturgeschichte mitgenommen wird und seit 1747 auch als Nebenwerk im Lateinischen.“

ab 1800 Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird in den amtlichen Verlautbarungen im Zusammenhang mit Annaburg die Bezeichnung „Stadt“ oder „Städtlein“ nicht mehr verwendet. In den Dokumenten des Wiener Friedensschlusses von 1816 zwischen Preußen und Sachsen wurde unser Ort dann „Flecken Annaburg“ genannt. Er bestand aus 4 Ganz- oder Zweihüfner, der 8 Einhüfner, zusammen mit 16 Hufen der 9 Gärtner, 2 Altsassen, 84 sogenannten Vorstädter, 3 Neuhäuslern und 20 sogenannten neuen Häusern vor dem Herzberger Thore und mit den Schloß-, Amts-, Vorwerks-, Forsthof-, Pfarr- und Schulgebäuden gegenwärtig 150 Häuser und 1000 Einwohner. Sie treiben alle nothwendigen Handwerke, den Hopfenbau, die Waldarbeit, einige wenige den Ackerbau, und haben ganz gute Nahrung. Auf einer Hufe werden Einsaat 8 Dresdner Scheffel gerechnet. Angebaut wird Roggen, Gerste, Hafer, Heidekorn, besonderst guter Flachs und Hirse. Außerdem wird Schaaf- und Schweinezucht betrieben. (andere Quellen sprechen von 124 Häuser und 1.400 Einwohner)

1803 Das heutige Pfarrhaus wird am Markt errichtet. Das alte Pfarrhaus, welches rund 100 Fuß hinter dem heutigen Gebäude direkt auf Höhe der Kirche stand wurde abgerissen.

1805   Von Wilhelm Christian Gottfried Weise, der evangelischer Institutspfarrer und Lehrer beim Militär-Knaben-Erziehungsinstitut erscheint sein Buch: „Geschichte des kurfürstlich Sächsischen Erziehungsinstituts für Soldaten – Knaben evangelischer und katholischer Religion zu Annaburg, ein Versuch von Wilhelm Christian Gottlob Weise, evangelischer Prediger und Lehrer daselbst.“

1806 Am 14.10. schlägt Napoleon im 4. Koalitionskrieg (1806-1807) das preußisch – sächsische Heer bei Jena und Auerstedt vernichtend. Am 11.12. löst sich der sächsische Kurfürst Friedrich August III. von Preußen, schließt sich dem Rheinbund an und tritt somit zu Napoleon über, der zum Dank Sachsen zum Königreich erhebt. Dies führt später zu außerordentlichen Konsequenzen für unser damaliges Heimatgebiet und unseren Heimatort Annaburg. Auf seinem Marsch nach Berlin, das sein Heer am 21.10. erreicht, wird das Heimatgebiet wieder erheblich betroffen. Am 23.10. kommt Napoleon nach Wittenberg. Die Stadt und Umgebung müssen für 160.000 durchziehende Soldaten und 60.000 Mann Festungsbesatzung Quartier, Verpflegung und Fourage bereitstellen. Der Ort Schweinitz wird von den Franzosen vollkommen niedergebrannt.

1811 In diesem Jahr fand die letzte große Jagd der königlich sächsischen Regentenfamilie in Annaburg statt. Damit brach eine wichtige wirtschaftliche Erwerbsquelle der Stadt Annaburg weg. Die zeitgenössische Quelle spricht davon, dass „… unser Ort einen bedeutenden Nahrungsquell verloren…“ hat.

1812 Auf Grund des Ausbaues von Torgau zur Festung auf Napoleons Befehl, wird das dort befindliche Zuchthaus nach der Lichtenburg bei Prettin verlegt. Der Strafvollzug war alles andere als human. Die Verpflegung bestand damals aus „früh und abends Brot mit Salz, im Winter Suppe; mittags Zugemüse und jährlich achtmal Fleisch“. Als Strafarten innerhalb der Haftzeit werden aufgezählt: „Karbatsche, Rute, Kerkerklotz, Beineisen„.

1813 Der in diesem Jahr geplante Holzeinschlag in den Revieren der Oberförsterei Züllsdorf wies noch 23 Prozent Laubholzanteile auf. Die exakten Forsteinrichtungsarbeiten nach Heinrich Cotta beginnen in der Annaburger Heide, werden aber durch die Kriegsereignisse und der späteren Übernahme des Gebietes durch Preußen nicht zu Ende geführt.

1813 Am 02. April werden in Annaburg sämtliche Langhölzer und Bretter zum Elbbrückenbau bei Elster (Elbüberquerung bei Wartenberg) durch russische Kosaken requiriert (weggenommen). Wegen der Kriegsereignisse von 1813 und der damit im Zusammenhang stehenden Nahrungsrequirierungen der durchziehenden Truppen mussten die Zöglinge des Militär-Knaben-Erziehungs-Institut wegen Nahrungsmangel vorübergehend beurlaubt werden. Man hoffte, dass die Zöglinge bei Ihren Verwandten den notdürftigen Unterhalt finden können.

befreiungskriegtruppen

1813 Lagert am 14. Mai auf den bestellten Feldern der Hofebreite vor Annaburg Teile des Ney`schen Corps unter Befehl der Generäle Reynier und Duruth (Oudinot). Dabei wird nicht nur das Feld verwüstet sondern auch der Friedhof (Gottesacker der Stadt Annaburg) mit all seinen Gebäuden und Gräbern.

1813 Russische Kosaken requirieren alle Pferde des Annaburger königlichen Gestütes. Das Gestüt wird daraufhin 1815 geschlossen.

1813 Durch eine Viehseuche (Milzbrand, Lungenseuche, Löserdürre) wurden die Herden in Annaburg total vernichtet.

1813/14 Am 05. November wird im Vorderschloss ein preußisches Feldlazarett eingerichtet. In diesem Lazarett sterben an den kriegsbedingten Folgen (Nervenfieber, Typhus und Verwundung) 42 Personen die so in Annaburg ihre letzte Ruhestätte finden. Einer der Toten war Hauptmann Gustav Ewald von Winskowsky, dessen Grab noch heute auf unseren Barockfriedhof zu sehen ist.

1814 Durch einen Elbdammbruch bei Mühlberg haben sich die Wassermassen der Elbe ihren uralten Lauf durch die Annaburger Heide genommen und unseren Ort (vor allem die Felder waren betroffen) „hart“ mitgenommen.

1814 In der Ackerbürgerstadt Annaburg (ohne Schlossinsassen/MKI) sind 4 Ganz- oder Zweihüfner, 8 Einhüfner, 9 Gärtner, 2 Altsassen, 84 so genannte Vorstädter und 36 Neuhäusler vor dem Herzberger Tor beheimatet.

 


1815-1871 Unter dem Preußischen König

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1814-1815 Sachsen verliert infolge des „Wiener Kongresses“ vom 18.09.1814 – 19.03.1815 (Neuordnung Europas nach Napoleon) durch den Übertritt zu Napoleon 1806 mehr als die Hälfte seines Territoriums (östliche Oberlausitz, Niederlausitz, die Gebiete von Wittenberg und Torgau, Merseburg und Naumburg, sowie Nordthüringen) an Preußen, so auch unser Heimatgebiet. Annaburg und unser Heimatgebiet werden preußisch. Die auf die Bürger der Stadt Annaburg auferlegten Kriegsschulden belaufen sich auf 6.000 Thaler. Diese Schuldlast konnte erst in den Jahren 1818 – 1822 durch die Bürger der Stadt getilgt werden.

1815 Als unser Ort preußisch wurde, nahm das Kriegsministerium alle katholischen Zöglinge nach Spandau und die katholische Kapelle im Vorderschloss wurde geschlossen.

1816 Mit der preußischen Neuordnung der Verwaltung hört auch das „Amt“ Annaburg auf zu existieren. Annaburg gehört jetzt zum Kreis Torgau, Provinz Sachsen, Königreich Preußen. Das Landratsamt ist in Torgau. Der zuständige Regierungsbezirk ist Merseburg. Der Kreis Torgau war damals 993,3 km² (17,66 Quadratmeilen groß). Die Einwohnerzahl des Kreises stieg von 1816 = 34.850 Ew. auf 1864 = 53.687 Ew. Annaburg gehörte 1815 bereits zu den 10 Flecken, in der Liste der 70 namentlich aufgeführten Städte ist es nicht verzeichnet.

1816 Aufhebung der Leibeigenschaft

1816 Nach erfolgter Übernahme durch Preußen wird die bestehende Forstverwaltung Umstrukturiert. Annaburg der Sitz des Oberforst- und Wildmeisters, dem die kurfürstlichen Waldungen in den Ämtern Annaburg, Schweinitz, Schlieben und Seyda unterstanden wurde in eine Forstinspektion mit Sitz in Annaburg umgewandelt. Sie umfasste die Oberförstereien Annaburg, Tiergarten, Züllsdorf, Seyda, Glücksburg und Hohenbucko.

1819 Die Königlich – Sächsische Generalland Accise Kopfsteuerer und Geleite wurden, im Zuge der Aufhebung der Leibeigenschaft sowie der preußischen Umstrukturierung, aufgehoben und an deren Stelle in Annaburg Klassen- und Gewerbesteuer auferlegt (in den Städten, Annaburg wurde unter Preußen nur als Flecken geführt, gab es zusätzlich die Mahl- und Schlachtsteuer).

1821/22 Es herrscht ein ungewöhnlich milder Winter. Er brachte keine Kälte; es wuchs Gras, und Gänseblumen blühten.

1822/23 Es herrscht ein sehr strenger Winter. „Es erfroren diesmal wieder die Walnussbäume; die Erde war über drei Ellen tief hart gefroren, und die Brunnenröhren tauten erst im April auf“

1823 Die historische Röhrwasserleitung vom Gorrenberg zum Annaburger Schloss wurde letztmalig erneuert.

1823 Die mit der Herverlegung des Königlich-Militär-Knaben-Erziehungs-Instituts eingerichtete katholische Kapelle in Annaburg wird nach 61 Jahren geschlossen.

1825 Das alte Schulgebäude am Markt wird für 2.600 Thaler Baukosten errichtet.

1826 Der Vorderschlosshof, der Mittelpunkt des Annaburger Institutslebens, wurde im Jahr 1826 neu gepflastert. 177 Jahren danach wurde dieser Hof im Jahre 2003 mit viel Mühe und großem Aufwand wieder neu gepflastert.

1826   Das Hauptgebäude der 1793 eingerichteten „Stuterei“ wurde nach deren Auflösung als Musikgebäude des Militärknaben-Erziehungs-Institutes umfunktioniert und dient danach noch fast siebzig Jahre diesem Zwecke. Hier wurde u.a. vier Handwerksschulen für die Zöglinge (Entlassung mit 18 Jahren) eingerichtet. Eine Schneiderei, Schusterei und eine Schmiede. Etwas später kam eine Zeugmacherei noch dazu.

1827 Annaburg wird durch eine Viehseuche (Milzbrand, Lungenseuche) heimgesucht. Die Herdenbestände werden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen.

1828   In Annaburg werden 130 Häuser mit 1560 Einwohner gezählt (nach Freiherr v. Zedlitz). Annaburg war danach Sitz eines königlichen Rentamtes, einer Forstinspektion und einer Oberförsterei.

1828 Wurde auf Anordnung des preußischen Kriegsministeriums in Annaburg ein Arresthaus mit 6 Zellen gebaut, sodass auch die Annaburger diese Art der Arreststrafe zu kosten bekamen. Das Arresthaus wurde im Annaburger Volksmund „die Finke“ genannt. Nach ihr wurde auch die Gasse, in der das Gebäude stand, Finkengasse genannt.

1830 Eine große Überschwemmung im Zeitraum vom 6.-8. März, verursacht durch einen Elbdammbruch bei Mühlberg, bedroht Annaburg. Auf dem rechten Ufer setzte er die Elblandschaft unter Wasser und bahnte sich einen Weg durch die Annaburger Heide nach der Elster. Dadurch schwellen die Elster und den neuen Graben so an, dass beide aus ihren Ufern traten. Das Wasser steigt im Tiergarten hoch an. Um ihm Ablauf zu verschaffen, und um vom Orte Gefahr abzuwenden, wird an der Promenade (Torgauer Str.) ein Loch in die Tiergartenmauer gebrochen.elbe_3

1831 wird die ehemalige königliche Domäne an den Occonomie Amtman Carl Friedrich Bercht verkauft. Die an ihm mitverkaufte Tiergartenmauer wird im Zeitraum 1835 – 1839 abgebrochen.

1831 Im Zusammenhang mit der Bauernbefreiung werden in Annaburg die Hofedienste am 14. April zwischen dem Amtmann Carl Friedrich Bercht und den Annaburger Dienstleuten: Postmeister Johann Friedrich Krüger, die Hüfner Heinrich Schnürpel, Heinrich Lehmann, Christoph Schurig, Balthasar Heinze, Friedrich Helm, Gottfried Lehmann, Gottlob Wagner, Gottfried Zöller (mit Ehefrau geb. Rebslob), Gottlob Elstermann, Gottlob Schurig, Gottlieb Heinze und dem Gärtner Gottlieb Lehmann (weitere 8 Gärtner sind in Annaburg zu dieser Zeit nachgewiesen – deren Sachen werden gesondert Verhandelt) verhandelt. Sie werden aus dem Dienstverhältnis entlassen gegen Zahlung von 2 Taler 20 Silbergroschen jährlicher Goldrente pro Hufe; der Gärtner gegen Zahlung von 8 Silbergroschen .

1831 In Folge eines Wolkenbruchartigen Regens am 26. Juli stürzte die Schleuse unter dem Torgauer Torhauses ein, was den Abbruch des vom Fiskus zu unterhaltendem Gebäudes zur Folge hatte. An dieser Stelle wurde vom Fiskus eine Steinerne Brücke erbaut. Damit verschwand das 1. der vier Torhäuser von Annaburg. Dieser Wolkenbruch vernichtete einen großen Teil der Ernte, die Überlieferungen sprechen davon, dass: „… das gemähte Winterkorn auf den Feldern umher schwamm und das stehende Sommerkorn nur teilweise mit den Ähren aus dem Wasser guckte…“.

1832 Annaburg besteht aus 150 Häusern und zählt 1476 Einwohnern

1833 Am 18. Dezember verursachte verheerte ein gewaltiger Sturm die Annaburger Heide, deren Waldbestände durch den stattgefundenen Windbruch sehr gelitten hatten, so dass schon bald danach das Holz trocken wurde und gehauen werden musste, während das übrige noch ein kränkliches Ansehen behielt.

1833   Der Grundbesitz der ehemaligen Domäne (Besitzer Bercht) wird in die Stadt Annaburg eingemeindet. Das stellte die erste größere territoriale Erweiterung der Annaburger Gemarkungsgrenzen dar.

1834 Im Jahre 1834 wurde im Walde an der Herzberger Straße ein Schwimmbecken ausgegraben, das durch das Wasser des Neugrabens, welcher damals noch sauberes Elsterwasser führte, gespeist wurde. Er ist 20 Ruten (1 Rute = 3,77 m) lang, 5 Ruten breit und 6 1/2 Fuß (1 Fuß = 31,4 Zentimeter) tief. (75,4 – 20,94 m). Die Seitenwände waren mit starken Bohlen verschalt. Der eine Teil des Bassins, je 5 Ruten lang und breit, wurde zum eigentlichen Unterricht, der übrige Teil wurde zum Übungsschwimmen benutzt. Heute ist das Schwimmbecken verlandet und nicht mehr benutzbar.

1834 Annaburg wütet wieder eine Viehseuche (Milzbrand, Lungenseuche) die, die Herdenbestände der Annaburger Ackerbürger minimiert. Die Krankheitserreger befallen periodisch bis einschließlich 1839 die Viehbestände, erst danach konnte die Viehseuche überwunden werden.

1834 trat der Raupenfraß in der Annaburger Heide erstmalig in großer Menge auf. Veranlasst wurde ihn auf 3 verschiedene Arten zu bekämpfen und zwar: 1) hinsichtlich der Raupe – deren Auflesen im Winterlager, während der Monate November bis Ende März oder Mitte April, je nachdem warme Witterung das Aufkriechen der Raupe begünstigte, 2) auf die Einsammlung in den Sommermonaten vermittelst Abklopfen der Raupen durch Anprellen der schwächeren Stangenhölzer (auf Äste) mit dem Rücken der Art; 3) hinsichtlich der Kokons und Schmetterlinge auf Ablesen von den Stämmen und Zweigen,

1835 Das langjährige Floßamt wird in Annaburg geschlossen. Aufgabe des Floßamtes Annaburg war die Überwachung der Holzscheitflößerei auf dem Neugraben. Letzter Floß-Inspector war Rentmeister Ewald zu Bitterfeld.

1835 Es herrscht ein heißer, trockener Sommer. Die Chronik berichtet: „Der Sommer war sehr trocken. Es war das ganze Jahr große Hitze und Trockenheit. Der Erdboden war im festen Boden 4 Ellen tief aufgesprungen“. „Die Herbstfrüchte sind alle umgefallen vor großer Trockenheit. Der Erdboden ist aufgesprungen“.

1835 In diesem Jahr und den darauf folgenden Jahren bis 1839 verheerten die Kiefer-Raupen große Bestände in der Annaburger Heide. 10.000 Morgen Kiefernbestände waren davon betroffen, die ausgeschlagen werden mussten.

1836 Im Forstinspektionsbezirk Annaburg wird das quadratische Jagennetz mit einer durchschnittlichen Größe von 56,25 ha eingeführt.

1837 Von 1837 bis 1914 wurde in der Annaburger Heide großflächig Raseneisenstein zur Verhüttung abgebaut.

1837   auf Initiative des Kantors und Lehrer Große wird zum ersten Mal ein Kinderfest in Annaburger auf dem „Sommerplatz“ des MKI gefeiert. Das ist seitdem die Geburtsstunde des Annaburger Schulfestes.

1838 Seit dem Jahre wird hier jährlich ein Schulfest auf dem Anger hinter der Mühle gefeiert. Die Stiftung dieses Festes ist ein Werk unseres Hochverehrten Seelsorgers Herrn Dr. Seyler.

1838 Die Straße von Annaburg hin zum Schwarzen Tore (auch Enderleins Tor genannt in der Tiergartenmauer) wurde mit Kastanienbäumen bepflanzt und zum Teil mit Lehm befestigt (gem. Torgauer Str. – Höhe Friedensstr. bis auf Höhe Abzweig zur Annaburger Siedlung hinter den Bahnschienen).

1838 Die Stadtmühle am Neugraben brennt völlig ab. Der Mühlenbesitzer Karl August Hollfeldt ließ die Mühle noch im Jahre 1838 neu und größer wieder aufbauen.

ps_201611091628141839 Durch die Gemeinde Neuhäuser wird vom Forstfiscus ein Waldgrundstück als Begräbnisplatz erworben. Das ist die Geburtsstunde unseres heutigen Waldfriedhofes.

1839 Am 17. und 18. April waren in der Annaburger Heide ganze Schmetterlingsschwärme unterwegs, und es würde deren ungleich mehr gegeben haben, wenn nicht die Krähen, Meisen u. f. w. eine große Anzahl dieser Puppen von den Zweigen gehackt und ausgefressen hätten. Der Raupenfraß vernichtete große Waldbestände in der Annaburger Heide.

1839/40 wurden in der Oberförsterei Züllsdorf 12.000 ha Kiefernbestände durch Spinnerfraß schwer betroffen.

1840 Annaburg hat 1361 Einwohner; Neuhäuser 394 und Zschernicker Pechhütte mit Heidemühle 88 Einwohner; zur Gerbismühle zählen 8 Personen. Annaburg zählt 125 Hausbesitzer. Davon waren 2 Zweihüfner, 2 Altsaßen mit 3 Hufen, 9 Hüfner, 9 Gärtner, 86 Vorstädter und 17 Freihäusler ohne Hutungsrechte. Insgesamt bestand aber Annaburg aus ca. 160 Wohngebäude + 52 Wohnhäuser im Bereich der Neuhäuser Siedlung, sowie 20 öffentliche, staatliche und gewerbliche Gebäude (Kirche, Pfarrhaus, Schulgebäude, 4 königliche Häuser, Kornhaus, Gemeindehaus, Amtsgebäude, 2 Feldhütterhäuser, 1 königliche Frohnfeste, 1 Pechofen, 3 Mühlen mit 7 Mahlgängen und 3 Schneidemühlen), dazu 322 Ställe, Scheunen und Schuppen; insgesamt sollen es 553 Gebäude gewesen sein. In Gerbismühle standen 2 Wohngebäude.

1840 Die exakte Forsteinrichtungsarbeiten werden nach der preußischen Übernahme nach Beendigung der Separation, im Wesentlichen ab 1840 wieder ein und dann periodisch weitergeführt.

1841 Der in diesem Jahr durchgeführte Holzeinschlag in den Revieren der Oberförsterei Annaburg wies noch 10 Prozent Laubholzanteile auf.

1841 In der Zeit vom 07.-17. Juni wurden am Kirchturm der evangelischen Stadtkirche Restaurationsarbeiten durchgeführt. Der Knopf des Kirchturmes wurde geöffnet und neue Nachrichten hinterlegt. Der Kirchturm bekam eine Turmuhr die der Weißenfelser Uhrenmechaniker Schlegck für 400 Thaler für die evangelische Gemeinde von Annaburg hergestellt hat.

1842 ist die Tier(Lungen)seuche in Annaburg ausgebrochen, dabei sind 120 Stück Vieh verloren gegangen. Zeitlich vorher wurde von den ortsansässigen Bauern eine Viehkasse von 125 Talern angelegt. Das meiste aus der Kasse haben die Bauern Wassermann, Holfeld und Reitzenstein bekommen. Die Viehkasse wurde gesprengt, andere betroffene Bauern gingen leer aus.

1844   Die Handwerksschulen (Schneiderei, Schuhmacherei, Schmiede und Zeugmacherei) am MKI wurden geschlossen

1845 Aufgrund der teilweise verheerenden Hochwasserkatastrophen durch die Elbe geht man in den vierziger Jahren des 19. Jh. zum organisierten Hochwasserschutz über. Am 25.04.1845 wurde eine allerhöchste Kabinettsorder betreffs Deichbaus erlassen. Am 20.08. des gleichen Jahres wurde eine „Denkschrift über die Regulierung des Deichwesens in den Elbeniederungen der Kreise Wittenberg, Schweinitz, Torgau und Liebenwerda“ herausgegeben, unterschrieben vom „Königlichen Regierungs Rath“ Hesse. Am 28.06.1848 erfolgte „Das allgemeine Deichgesetz“. In jener Zeit wurden auch der Dautzschen-Schützberger und der Wittenberger Deichverband gegründet. Die daran anschließende Bautätigkeit gab dem Elbdamm seine heutige Form, Lage und Richtung.

1845 Der deutsche Pädagoge Friedrich Fröbel (1782-1852), der Begründer des „Kindergartens“ weilt vom 26.11.-18.12.1845 in Annaburg. Er war zu Gast beim Schlossprediger und Institutsinspektor Leonhard Woepcke vom MKI (Militär-Knaben-Erziehungsinstitut), mit dem er noch lange Zeit danach im Briefwechsel stand.

1846 Der in diesem Jahr geplante Holzeinschlag in den Revieren der Oberförsterei Tiergarten wies noch 10,8 Prozent Laubholzanteile auf.

1846 Am Zusammenhang mit dem Fröbel-Besuch und auf Initiative des Ortspfarrer Dr. Seyler wir in Annaburg im August der erste „Bürgerkindergarten“ (und damit einer der ersten Kindergärten nach dem Blankenburger [1840] in Sachsen-Anhalt) gegründet. Erste Kindergärtnerin in Annaburg, und damit erste Frau mit „Beruf“ in Annaburg wird Anna Hesse.

1847 In diesem Jahr wird auch das Gerichtsamt von Annaburg nach Torgau verlegt. Im Amt arbeiteten 1 Amtmann, 1 Aktuarius, Kopisten und 1 Rechtsanwalt. Danach kam jeden 1. Mittwoch im Monat eine Kommission von Torgau und hielt in Annaburg Gerichtstag.

1847 Die Chronik berichtet über einen heißen, trockenen Sommer: „Die Menschen konnten vor Hitze nicht arbeiten“.

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1847 Ingenieuroffizier Leutnant von Ebeling aus dem preußischen 25. Infanterieregiment nimmt unser Heimatgebiet erstmalig topografisch im Maßstab 1:25.000 (Messtischblatt) auf. Diese topographische Aufnahme erfolgte im Zusammenhang mit der Schaffung eines einheitlichen Kartenwerks für das gesamte Staatsgebiet Preußens im Maßstab 1: 25 000. Die Arbeiten daran begannen in Preußen schon 1822. Die einzelnen Blätter waren handgezeichnete Unikate und nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Sie sollten Grundlage für ein Kartenwerk kleineren Maßstabes (die spätere Generalstabskarte 1: 100 000) sein, das den veränderten territorialen Verhältnissen Preußens nach dem Wiener Kongress 1815 Rechnung trug. Die Blattbezeichnung „4244 Annaburg“ wird die Jahrhunderte überdauern und gilt heute noch für den Kartenausschnitt von unserem Gebiet. Nach dieser Karte wurde die Bausubstanz in Annaburg als „Steinhäuser“ und der Vorstädter und Neuhäuser als „Holzhäuser“ eingestuft. (Steinhäuser rot und Holzhäuser Schwarz auf der Karte eingezeichnet)

1848 Die deutsche Revolution beginnt am 27.02.1848. Von Baden aus greift die revolutionäre Stimmung auf die anderen deutschen Staaten, insbesondere auf Preußen über. Das Ziel ist es, Ende der Zensur, Ende feudaler Vorrechte, Verabschiedung einer Verfassung. Die Revolution erreicht am 18.03. in Berlin ihren Höhepunkt. König Friedrich Wilhelm IV. muss zunächst einlenken und beruft eine liberale Regierung.

1848 Zur Zeit der Berliner „Märzkämpfe“ wollten aufgebrachte Annaburger Bürger die Waffenkammer im Schloss, wo sich ca. 100 alte französische Karabiner (aus der Kriegsbeute 1813/14) befanden, stürmen. Kommandeur des Militär-Knaben-Erziehungs-Institut Major von Brauchitsch trat ihnen entgegen. Durch sein besonnenes Verhalten konnte er das aufgebrachte Volk beruhigen, sodass es zu keinem Gewaltausbruch kam. Diese Waffen wurden später der nach 1848 sich bildende Bürgerwehr in Annaburg auf höheren Befehl zur Verfügung gestellt. Aus dieser Bürgerwehr ging später der heute noch existierende Annaburger Schützenverein hervor. In diesem Jahre wurde auch die Eisenbahnstrecke Falkenberg – Holzdorf – Jüterbog – Berlin in Betrieb genommen.

1848 An der 1848er Revolution in Berlin waren auch Annaburger Maurer- und Zimmerleute beteiligt. Sie war der Anstoß für die Gründung der Maurer- und Zimmererkrankenkasse in Annaburg. Damit sollte die Sozialabsicherung der Familien im Krankheitsfall geschaffen werden. Gründungsmitglied waren die Maurer Bischof, Kettlitz und Hermsdorf. Jeder zahlte einen bestimmten Betrag ein, der dann im Krankheitsfall an die Betreffenden ausgezahlt wurde.

ps_201610201301531848 Im August wurde die Eisenbahnstrecke Jüterbog—Herzberg fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Die Strecke Herzberg—Riesa wurde am 1. Oktober 1848 eröffnet.

1848/49 14 % der Waldfläche der Oberförsterei Thiergarten (800 ha) besteht aus Räumden und Blößen.

1849   Die ehemaligen Kornhäuser der Domäne am Markt werden abgerissen und an ihrer Stelle entsteht das zweite Annaburger Schulgebäude, welches später noch als Berufschule bis in die 90-iger Jahre genutzt wurde.

1850 In der zweiten Hälfte des 19. Jh. setzt sich der Eisenpflug in unserer Region durch und verdrängt die bis dahin genutzten Holzpflüge (der jedoch bereits eiserne Scharen und Pflugeisen hatte) endgültig.

1851 Am 07.08. erfolgt in Preußen das Ministeriale Verbot (Manteufel) aller Kindergärten im Lande, da Annaburg zu Preußen gehört, musste auch der 1. Bürgerkindergarten in Annaburg geschlossen werde. Anna Hesse, unsere erste Kindergärtnerin geht nach Hamburg und leitet dort den zuvor gegründeten Bürgerkindergarten der freien Stadt Hamburg.

1851   In diesem Jahr wurde das preußische Forstpolizeigesetz in Kraft gesetzt. Der Wildbestand nahm immer mehr zu und nach dieser neuen Gesetzeslage gab es kein Mittel mehr, um den Wildschaden einzudämmen. U.a. erfahren wir, dass die Geschäftslage für die Heidemühle dadurch immer schlechter wurde und die Landwirtschaft von 175 Morgen Feld, Wiesen und Wald nicht mehr zu bewirtschaften war. Der Wildschaden auf den Ländereien, die voll vom Wald eingeschlossen waren, war nicht mehr zu ertragen. Nach diesen großen Verlusten sah sich Meister Hermann Schlobach gezwungen, den alten vom Vater ererbten Besitz später an den Forstfiskus zu verkaufen.

1855   Im Regierungsbezirkes Merseburg wird am 21. Oktober eine einheitliche Fischereiordnung für unser Gebiet erlassen. Sie legt für einzelne Fischarten Schonzeiten und Fanggrößen fest. Außerdem werden die Fangmethoden reglementiert.

1856 Der erste, schriftlich erwähnte Brand in Purzien datiert auf den 26. Oktober 1856. Kinder, besagt die Chronik, hätten mit Feuer gespielt und so die verheerende Grundlage für die Vernichtung von fünf Wohnhäusern geschaffen.

1857 In diesem Jahr brach eine große Mäuseplage in Annaburg aus. Die Mäuse haben das ganze Getreide weggefressen, vorzüglich in Annaburg der Elbgegend um Prettin, Gehmen, Axien und noch in anderen Dörfern.

ps_201610232046431857   Von Heinrich Dorbritz erschein in Berlin (G. Bernstein) sein Buch: „Militär-Knaben-Erziehungs-Institut zu Annaburg“. Ein Lageplan aus diesem Buch bezeichnet wiederholt den Platz zwischen Schloss und Musikschule als „Spielplatz“. Damit hat Annaburg als einer der ersten deutschen Städte einen Spielplatz für Kinder, den die kleinen Zöglinge des Militär-Knaben-Erziehungsinstitutes (Kinder in Uniformen) werden zu dieser Zeit nach den fortschrittlichsten Methoden (Fröbel und Ludwig Jahn) des jungen Bildungsbürgertums erzogen und ausgebildet.

1859 Am 20. Juni 1859 wurde die preußische Armee mobil gemacht. Die Landwehr wurde eingezogen, und damit viele Bürger aus Annaburg. Am 1. August war wieder Friede in Österreich, die Landwehr und die Reserve kamen wieder nach Hause. (Ein kurzer Krieg zwischen Österreich und Frankreich wegen Sardinien führte 1859 zur vorsorglichen preußischen Mobilmachung. Die Truppen kamen nicht zum Einsatz)

1861 Annaburg zähl 1.395 Einwohner – gegenüber 1828 ein Rückgang von 165 Einwohner

1861 Am 25. Februar  ist der Annaburger Gesangsverein gegründet worden.

1861 „Gesindelöhne“ (in Prettin) waren: Erster Knecht 34 Mark, l Mark Mietgeld, l Sack Weizen; zweiter Knecht 29 Mark und wie vor; Pferdejunge ab Ostern 8 Mark, l Scheffel Korn; die Mägde je 20 Mark, l Hemd, l Schürze.

1862 Der Gemeinderat von Annaburg lehnt die Wiedererlangung des verloren gegangenen Stadtrechts zu beantragen ab. Begründung: Die Ortsgemeinde kann die Ausgaben für eine Stadtverwaltung nicht tragen.

1862   Ein Herr Kühne kaufte eine Windmühle in Grochwitz, ließ sie abbrechen und in Annaburg in der Jessener Straße 1 wieder aufbauen. Das war die Geburtsstunde der MühleFörster“.

1862 Die ehemalige Annaburger Domäne (1.200 Morgen Land) wurde am 02. Juli aus dem Besitz der Familie Bercht verkauft.

1864 Erster Einigungskrieg (Deutsch-Dänischer Krieg 01.02.-30.10.1964). Eine Teilnahme von Annaburger Bürgern an diesen Kämpfen ist nicht überliefert.

1866 Vom Monat April bis zum 20. Mai 1866 ist die ganze preußische Armee wieder mobil gemacht worden. Dabei wurde das erste große Aufgebot in Annaburg ganz eingezogen. Es starb für König und Vaterland in diesem Krieg   Bernhard Julius Wille aus Annaburg. Diese Mobilmachung fand im Zusammenhang mit dem Zweite Einigungskrieg Preußen gegen Österreich (Deutsch-Deutscher Krieg 23.06.-03.07.1866) statt.

1868 Am 1. Mai wird in Berlin durch ehemalige Zöglinge des Militär-Knaben-Erziehungs-Institut der Beschluss gefasst einen „Verein der Annaburger“ zu gründen. Diesem Beispiel folgen in anderen Städten Deutschland von Königsberg bis zum Bodensee viele weitere gleichartige Vereine.

1868 wütet ein Sturm, es entsteht ausgedehnter Windbruch in der Annaburger Heide infolge dessen viele Windwurfhölzer aus der Oberförsterei gemeldet werden.

1870 Landesweit wird eine einheitliche Maßordnung eingeführt. Unsere regionalen Maße, wie Scheffel „Jessnisch Maß“ oder „Pretzscher Maß“; Malter, Eller, Fuß usw. werden ungesetzlich. Am 20.05.1875 wird das metrische Maßsystem eingeführt.

1870-1871 Deutsch – Französischer Krieg (19.07.1870-10.05.1871). Der Sieg bei Sedan führte zur Einheit Deutschlands. Es durften aus Annaburg für König und Vaterland ihr Leben lassen; August Nietsch, Friedrich Carl Schiepe, Wilhelm Graebner, und Friedrich Wilhelm Neumann.


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1871-1919 Unter dem Deutschen Kaiserreich

1871 Am 18.01. wurde Wilhelm I. König von Preußen zum deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert. Die Kleinstaaterei die dem wirtschaftlichen und kulturellen Wachstum im Wege steht ist endlich überwunden. Damit ist z.B. der Weg für einen einheitlichen, zentralisierten Hochwasserschutz frei. Das Schulwesen wird vereinheitlicht usw. Damit entstehen z.T. sehr fortschrittliche Strukturen, die es so leider heute nicht mehr gibt.

1871 Beginn der Einführung der Deutschen Reichsmark auf Goldbasis als alleiniges Zahlungsmittel in Deutschland. 1873 löst die Goldwährung die alten Landeswährungen ab.

1871 Annaburg zählt 1.617 Einwohner (223 mehr als vor 10 Jahren)

1872 Es entstand die heute noch genutzte, am Schulhof gelegene Turnhalle.

1873 Im September 1873 war die erste Verhandlung mit der Anhaltinischen–Eisenbahn in Vorbereitung der Eisenbahnstrecke Wittenberg-Falkenberg-Kohlfurt. Die ersten Anregungen dazu gab es bereits 1868. Am 1.Juni 1874 erfolgte die Übergabe der Strecke Kohlberg-Falkenberg. Mit der Strecke Falkenberg-Wittenberg wurde am 29. Sept. 1873 begonnen.

1873 Der alte Brauhof am Schloss wird durch das MKI erworben und abgerissen.

1873/74 Gründung des Steingutwerkes durch Herrn Böttcher.

ps_201610201303021874 Am 1. Januar 1874 ist der Eisenbahnbau zwischen Wittenberg und Falkenberg in Angriff genommen worden. Die Strecke wurde am 15. Okt. 1875 in Betrieb genommen. Diese Strecke wurde anfänglich eingleisig ausgeführt. Das gestiegene Transportaufkommen in der Zeit der Industriellen Revolution machte den anschließenden Schrittweisen zweigleisigen Ausbau notwendig.

1874 Auflösung der Bürgerwehr in Annaburg nach dem Tode von Forstmeister Karl Sack (letzter Kommandeur der Bürgerwehr), die Vereinsfahne wird an die Gemeindeverwaltung zur Aufbewahrung übergeben.

1874 Am 1. Oktober wurde der Baumbestand im Bruch gerodeten und in Ackerland umgewandelt.

1874 Durch die Erhöhung der Zöglingszahl im Institut wurden weitere Unterbringungsräume benötigt. Als erstes Opfer dieser Vergrößerung wird die alte Schlosskirche im Hinterschloss beseitigt. Diese Kirche im Schloss reichte damals von Parterre bis zum obersten Stockwerk. Die alten Gebäude des Amtsbrauhofes, das Wohnhaus des Brauers, die Malzdarre und andere kleinere Gebäude, die am Ostflügel des Hinterschlosses standen, wurden für die entstandenen Erweiterungsbauten im Vorjahr abgerissen.

1874/75 Am 1. Januar 1874 ist der Eisenbahnbau zwischen Wittenberg und Falkenberg in Angriff genommen worden. Die Strecke wurde am 15. Okt. 1875 in Betrieb genommen. Annaburg ist Bahnstation geworden. Diese Strecke wurde anfänglich eingleisig ausgeführt. Das gestiegene Transportaufkommen in der Zeit der Industriellen Revolution machte den anschließenden Schrittweisen zweigleisigen Ausbau notwendig.

1874/75 Es werden für die Steingutmanufaktur zwei Rundöfen mit einer Kapazität von 50-60 m³ gebaut die mit Kohle beheizt wurden. Die Rührwerke zur Masseaufbereitung wurden noch mittels eines Göpels, der von Ochsen bewegt wurde, angetrieben.

1875 Annaburg zählt 1434 und mit dem MKI 2.309 Einwohner

1877 Kaufmann Böttcher musste das 1. Mal für seine Fabrik Konkurs angemeldet. Böttcher hatte sich an der Börse verspekuliert und 8.000 Taler verloren und musste Kredite in Höhe von 11.000 Talern kurzfristig ausgleichen, welches für die Fabrikarbeiter ein großes Unglück war. Die Menschen aus unserem Ort und der Umgebung haben viel Geld verloren, das sind eben die Gründerzeiten.

1877 Gründung des Annaburger Landwehrvereines (Der übernahm die Vereinsfahne der 1848 gegründeten Bürgerwehr)

1877 Durch Pfarrer Nottrott, Amtvorsteher Miething und Gemeindevorsteher Abet aus Annaburg wird ein Spendenaufruf an alle Evangelischen in Deutschland im April veröffentlicht zur Errichtung eines Denkmals für den ersten evangelisch gestorbenen Fürsten Deutschlands Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen. Der Denkstein soll auf der sogenannten Lochau bei Annaburg errichtet werden, wo man der Meinung war dass hier das Jagdschloß stand, in welchem der betreffende Fürst am 5. Mai 1525 starb.

1877/78 Der „Speisesaal“ (die spätere Schlosskirche) des Militär-Knaben-Erziehungs-Institutes wird errichtet

1877/80 Die große Rezession oder Gründerkrach genannt. Die Mehrzahl der Arbeitslosen — nach der Statistik durchschnittlich 200.000 Personen — „vagabundierte“ durch Deutschland. Davon wurde auch unsere Region nicht verschont. Diejenigen, die um Arbeit oder um einen Bettelpfennig- baten, waren durchaus nicht arbeitsscheu, wie es die begüterten Kreise oft darstellen wollten, weil ihnen diese Bettelei unangenehm war. (Torgauer Kreisblatt vom 17. 3. 1877) In den Berichten unter der Rubrik „Arbeitsmarkt“ heißt es aus dieser Zeit, dass leitende Ingenieure, die bisher ein Gehalt von 3000, 4000 und mehr Mark gehabt hätten, froh sein müssten, wenn sie überhaupt eine Stelle bekämen. Ingenieure, die zwei/ bis drei Jahre vorher noch 225 Mark monatlich erhielten, verdienten pro Tag 3,50 Mark. Ein Ingenieur, der deutsch, englisch und französisch zu korrespondieren hatte, bekam 100 Mark monatlich. Tausende wertvoller Fachkräfte jedoch waren brotlos.

1878 Am 1. April 1878 hat der Besitzer des Steingutwerkes Herr Böttcher zum zweiten Mal Konkurs angemeldet. Damit musste die Steingutfabrik 1879 vorübergehend geschlossen werden. Der Junior Böttcher ist nach Amerika ausgewandert. Erst mit dem Verkauf an Adolf Heckmann 1890 wurde der Betrieb und die Produktion wieder aufgenommen.

1879   Erfahren wir durch einen Kaufvertrag von der Windmühle „Proschwitz“ mit Wohnhaus, Stall, und Scheune die ca. 2 km vor der Stadtgrenze Annaburgs lag. Für die dazugehörige Landwirtschaft war es recht günstig, denn die Felder befanden sich zum größten Teil rings um das Mühlengrundstück. Erbauer war Müllermeister Gottfried Oehmichen, neuer Besitzer wurde Fam. Voigt.

1880 Am Franzosenwinkel, Nachthainichte wird dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen ein Denkmal durch Annaburger Vereine und Bürger, mit finanzieller Unterstützung der Kaiserin Augusta, errichtet. Ausgangpunkt war die Auffassung, dass an dieser Stelle das alte Jagdschloss Lochau gestanden hätte.

1881 wurde von der Ecke Torgauerstr. bis zum Markt gepflastert (Von Gastwirtschaft Siegeskranz über Fleischerei Höringen bis zum Wohnhaus Schurig). Der Abschluss erfolgte 1882 (Wohnhaus Schurig bis Dubro).

1881 Die Kastanienallee auf dem Markt hat Leutnant Buntrock anpflanzen lassen und die Linden in Annaburg und die Obstallee hinter dem Mühlentor an der Jessener und der Schweinitzerstr. hat der Mühlenbesitzer Miething als Amtsvorsteher zur gleichen Zeit anlegen lassen.

1881 In diesem Jahr wurde die Unteroffiziersvorschule bezogen. Sie diente den befähigsten Zöglingen dazu, sich in der militärischen Laufbahn weiter ausbilden zu lassen. Von hier aus ging dann die Ausbildung an den Unteroffiziersschulen im ehemaligen Reich weiter. Mit der Entmilitarisierung nach dem 1. Weltkrieg wurde sie Wohnstatt für Annaburger Familien und ab 1942 dann Kriegsgefangenenlager. 1945 war sie dann Auffanglager für die Deutschen aus den Ostgebieten und wurde 1994 eine russische Garnison. Jetzt wird das schöne Gebäude als Altenpflegeheim II vom DRK genutzt.

1883 Am 26. September 1883 wurde das Lehrerhaus für die Unteroffiziersvorschule fertig gestellt, welche später als Postgebäude bis zur Schließung der Post in Annaburg durch die deutsche Bundespost genutzt wurde. Dieses Gebäude wurde durch die Bevölkerung das „Rote Schloß“ wegen ihrer Verblendmauerei mit roten Klinkern genannt.

1883 Der Reichstag verabschiedet erstmals soziale Gesetze: 1883 zur Krankenpflichtversicherung, 1884 zur Unfallversicherung und 1889 zur Rentenversicherung.

1883 Im Zuge der beginnenden preußischen Sozialgesetzgebung ist in der Provinz Sachsen der Befehl herausgegeben worden das alle Kaufläden, Bäcker und Fleischerläden sonntags von 1 bis 3 Uhr geschlossen sein müssen. Die Musikhaltenden müssen einmal im Monat abends um 11 Uhr schließen. Sind mehrere Wirte im Ort, dann müssen alle zusammen an einem Tag geschlossen sein.

1883 Die so genannte „Scherbelbude“ wurde von Herrn Adolf Heckmann mit 10 Arbeitern übernommen und als Annaburger Steingutfabrik gegründet.

1883/91 In dieser Zeit erhielt die Annaburger Steingutfabrik größtenteils ihr heutiges Aussehen. Es wurde ein weiterer Rundofen gebaut. Durch technische Erneuerungen begann ein enormer Aufschwung. Die hohe Produktionssteigerung der Firma hatte einen Anstieg der Belegschaft auf 325 Beschäftigte zur Folge.

„Geschichte des Militärknabenerziehungsinstituts zu Schloss Annaburg“  wird in Wittenberg durch Gustav Adolf Erdmann,  herausgegeben. Er hatte von 1878 bis 1881 das Lehrerseminar in Halberstadt besucht und war seit 1881 als Lehrer am königlichen Militärknabenerziehungsinstitut tätig, wo er eine rege schriftstellerische Tätigkeit entfaltete.

1884 Im Jahre 1884 konnte der neue, mit vier mächtigen Adlern geschmückte, Speisesaal, der verbindend zwischen Kommandantur (jetzt Grundschule) und Schlosskirche steht, fertig gestellt werden. Im gleichen Jahr wurde auch das parallel mit der Schlosskirche verlaufende Waschhaus fertig gestellt. Es wurde abgerissen. Dadurch hatte man einen freien Blick vom Markt auf die Schlosskirche. An der Stelle des Gebäudes wurde eine schöne Grünanlage dafür geschaffen.

1885 Annaburg zählte bei der Volkszählung 1671 Einwohner (Die Zöglinge des MKI waren darin nicht enthalten) die Neuerhäusergemeinde zählte zur gleichen Zeit 419 Einwohner. In Annaburg waren 6 Gast- und mehrere Schankwirtschaften, 9 Materialwarenhändler, 4 Fleischer, 6 Bäcker, 1 Apotheker, 1 Brauer, 1 Buchbinder, 3 Klempner zu finden. Es sollen auch noch alle anderen Gewerke zu finden sein (die die Quelle leider nicht nennt); am meisten sind die Zimmerer und die Mauer vertreten, die aber vorrangig auswärts vorrangig in Berlin der Arbeit nachgehen. (Diese Auswärtstätigkeit ist schon seit 1754 nachgewiesen)

1885/90 Da in Berlin in den Gründerjahren gutes Geld verdient wurde, war es möglich, dass ein großer Teil der Häuser in den Neuhäusern (Niedere Straße, Hohe Straße, Holzdorfer Straße und Planweg) von Berliner Maurern und Zimmerleuten, die in Annaburg wohnten, gebaut werden konnten.

1886   Der Schlossgarten wird vom Militär-Knaben-Erziehungsinstitut erworben und als Holzplatz, sowie für Gärten für die Institutsbeamten genutzt. Dabei wurde auch das alte Laboratorium von „Mutter Anna“ Jahre zuvor abgetragen. (Zentrum 1888)

1887   Der Ort erhält eine erste Straßenbeleuchtung, 12 Laternen werden aufgestellt (vermutlich Petroleumlampen).

1888 In diesem Jahr erfolgte die Eröffnung des Schuhhauses Neumann, aus dem das heute noch bestehende Schuhhaus Petersohn hervorgegangen ist.

1888 Vermerkt die Bernhardt Redslob in seiner Chronik „Den 21. März Frühlingsanfang, Schneegestöber und 2 Fuß Schnee – seid 40 Jahren nicht dagewesen. Ende März sehr großes Wasser überall. ….zum Füttern bald gar nicht, Stroh wird sehr teuer, …ein trauriges Jahr für den Landmann.“

1889 Am 27. Februar 1889, hieß es: Überschwemmung in Annaburg!

Das „Torgauer Kreisblatt“ vom 2. 3. 1889 meldet darüber: „Hochflut in Annaburg! Eine seit vielen Jahren nicht da gewesene Tatsache. Die Bewohner am so genannten alten Graben, vom Schloss bis zum Mühlende, sind nicht bloß durch Wasser in Garten, Hof und Keller belästigt, auch die Ställe sind mit Wasser angefüllt. Infolgedessen teilt jedes Haus so viele Arbeiter, wie ihm zu Gebote stehen, mindestens aber einen an, um den Neugraben von der Mühle abwärts bis zur mittelsten Brücke durch Aufhauen und Entfernen der Eisschollen in Fluss zu bringen. Es mussten sogar zwei Kolonnen Militär-Vorschüler kommandiert werden, um die schwere Arbeit auf der langen Strecke zu vollenden!“

1890 Seit dem 01.01. ist für alle deutschen Länder das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) verbindlich.

1890 Im Juni hat Annaburg das erste Steinpflaster bekommen. Vom Tischlermeister Kluge (jetzt ca. von der Bierstube Ullrich) in der Torgauerstrasse bis an meine Wohnung (jetzt Ecke Torgauerstr.—Markt). Das Stück Strasse kostete damals 400 Taler oder 1.200 Mark. Ab 1890 erfolgte dann nach und nach die Pflasterung der Strassen von Annaburg und die bis damals existierenden Knüppeldämme verschwanden so nach und nach. Dazu hatte Annaburg vom Kreisausschuss jährlich 1.000 Mark bewilligt erhalten um weiter zu pflastern.

1890 Das 1836 in der Annaburger Heide eingeführte quadratische Jagennetz wird durch anlegen neuer Nord-Südgestelle halbiert.

1890 Unter Adolf Heckmann hatte die Steingutfabrik einen enormen Aufschwung erfahren. Es wurde viel gebaut und erweitert. So wurde ein so genannter langer Stall errichtet der 4 Rundöfen zu je 80 m³ Fassungsvermögen beherbergte. Jetzt nahm das Unternehmen den Charakter einer Fabrik an. Danach erfolgte der Anschluss an das deutsche Reichsbahnnetz und die Belegschaft stieg auf 300 Arbeiter. Die durchgeführten technischen Erneuerungen führten zu einer hohen Produktionssteigerung.

1890 Kann auch in Annaburg eine Agitationsarbeit für die Sozialdemokratie festgestellt werden. Das Zentrum war die im Ort sich entwickelnde Steingutfabrik.

1890 Entstand die Gewerkschaft, der „Porzeliner-Verband“. Es war keine leichte Aufgabe, die 300 Kollegen zum Eintritt zu gewinnen. Es war eine Reihe von Jahren dazu notwendig. Wenn die Betriebsleitung jedoch einen Kollegen fassen konnte, der als Funktionär tätig war, so gebrauchte sie in den ersten Jahren noch ihre Machtbefugnis und entließ ihn. Doch von Jahr zu Jahr wurden neue Mitglieder geworben, und die Arbeiter konnten mit Unterstützung ihrer Gewerkschaft Lohnforderungen stellen.

1890 Es wurde der Bürgerschützenverein 1890 e.V. Annaburg am 14. September gegründet. Erster Vorsitzender wurde Maurer- und Zimmermeister Wilhelm Kunze. Eine einheitliche Uniform legte man sich dann aber erst 1892 zu.

1890 Eine Wasserkatastrophe riesigen Ausmaßes entstand im Jahre 1890, als in der Nacht vom 7. zum 8. September ein Dammbruch bei Dautzschen erfolgte. Von einigen inselartigen Erhöhungen abgesehen, stand damals die ganze rechtsseitige Elbniederung bis zur Annaburger Heide hin unter Wasser. „Für Annaburg ein großer Schaden, die es betroffen hat, 50 Sack Kartoffeln sind ersoffen und verfault. Dann der Grummet auf der Kabel, solch ein Hochwasser ist im Spätsommer seit 180 Jahren nicht gewesen. Große Not auf den Dörfern Deutschen, Großkorben, Prettin, Bethau, Nauendorf, Labrun, Hohendorf usw., bis Wittenberg hinunter. In Schokau 40 Häuser eingestürtzt, auch auf anderen Ortschaften. Es war jammervoll anzusehen.“

1890 Annaburg zählt 2.014 Einwohner, zum Schloss (MKI) zählen 980 Personen.

1890 Am 22. Juni wird im „Schwarzer Adler“ (Bürgergarten) der neu eingerichtete Sommergarten mit großem Konzert und Gesangsaufführungen (ausgeführt von der Knabenkapelle des MKI, Eintritt 0,25 Pfennige) feierlich eröffnet. Gastwirt war zu dieser Zeit Gustav Hagmann.

1892 Am 27. Juli nach 2 Uhr ertönte Feuerlärm. Es brannte die Dampfschneidemühle des Herrn Wilhelm Kunze in Annaburg. Das Feuer, welches durch die großen Massen aufgestapelter Bretter und sonstigen Bauholzes reiche Nahrung fanden, griff schnell um sich und nahm einen riesigen Umfang an. Vier Spritzen, welche aus 2 Wassergräben, die sich zum Glück in der Nähe der Brandstelle befinden gespeist wurden, waren in voller Tätigkeit. Bei diesem Brande bestand die neu errichtete Feuerwehr die erste Probe.

1892 Auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung (Vergrößerung der Heckmannsche Steingutfabrik, die drei Dampfsägewerke, die Schablonenfabrik, aber auch der Eisenbahnbetrieb) zogen viele Arbeiter und Existenzgründer nach Annaburg, darunter auch viele Katholiken. Dieser Zuwachs bewog den katholischen Pfarrer Kaspar Weise periodische Gottesdienste in Annaburg durchzuführen. Erstmals am 04.12.1892 im Gasthaussaal „Waldschlösschen“

1893 Per Gesetz galt ab dem 1. April die Mitteleuropäische Zeit als Einheitszeit des gesamten Deutschen Reiches und dementsprechend auch für Annaburg. Zuvor galt bei uns die Berliner Zeit.

1884 Am 1.9. kauft Pfarrer Weise im Auftrag der Bischöflichen Behörde das bebaute Grundstück des Friedrich Graul in der Friedhofstr. 19 (Friedensstr.) für 7.000,- Mark. Dort baute man neben dem Wohnhaus eine Kapelle als Fachwerksbau.

1895 In diesem Jahr erfolgte die Eingemeindung des Ortsteils Neuhäuser nach Annaburg.

1895 Am 10. Februar 1895 wurde die katholische Kirche in der Friedhofsstraße geweiht. Die Seelsorge übernahmen die Pfarrer von Torgau, Liebenwalde, Falkenberg und Wittenberg

1895 Zum 1. Juli verkaufte Herr Heckmann das damalige Steingutwerk, zu dem noch eine weitere Firma in Magdeburg-Neustadt gehörte. Beide Werke gingen in den Besitz einer Aktiengesellschaft über. Die Annaburger Steingutfabrik wurde in eine AG umgewandelt. Bei der Übernahme der Heckmann’sehen Steingutfabrik für 1. Mill. Reichs-Mark betrug deren Grundbesitz 220.322 m² inkl. Beamten- und Arbeiterwohnhäusern. Es existierten bereits 12 Brennöfen in denen hochwertige Steingutgeschirre, Kunsttöpfereien und Plastiken gebrannt wurden. Eingetragener Hauptaktionär war Carl Untucht aus Berlin. Als Vorstände fungierten Dr. Friedrich Untucht – Berlin, Kaufmann Gustav Müller – Annaburg und Dr. Hans Untucht ebenfalls aus Annaburg.

1895 Aus der Zeitung vom 25. August 1895 erfahren wir: dass „bei der hiesigen Volksschule, in der bisher ca. 500 Schüler von nur 4 Lehrern unterrichtet werden, werden Ostern noch 2 Klassen eingerichtet. Ein neues Schulhaus mit 2 Klassenzimmern und 2 Lehrerwohnungen ist bereits im Rohbau fertig. Die erforderlichen Lehrkräfte sind noch zu ernennen.“

1896 Fa. Steinbeiß gibt erstmalig das Lokalblatt die „Annaburger Zeitung“ heraus.

1897 Die Samendarre wird nach einem Brand in ihrer heutigen Gestalt errichtet. Sie soll für das durch Preußen geförderte Aufforstungsprogramm die notwendigen Kiefernsamen zur Verfügung stellen. Die Aufforstung erfasst viele waldlose Gebiete im Mittelgebirgsraum, wie dem Harzvorland, Thüringer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge usw. Die sich noch heute in Betrieb befindliche Darre ist die älteste von 5 Darren in Deutschland.

1897 Unter dem neuen Vereinsvorsitzenden Paul Bachmann wurde durch den Bürgerschützenverein 1890 e.V. das erste große Schützenfest abgehalten. Dabei legte sich der Verein eine neue Vereinsfahne (Fahnenweihe) zu.

1898 Die Heidemühle im Zscharnik wird für 38.000 Mark an den Forstfiscus verkauft. Nach der erfolgten Übergabe mit dem gesamten Grundbesitz wurde die Mühle wenige Jahre später abgebrochen. Meister Hermann Schlobach war der letzte Heidemüller.

1898 Am 20.04. übernahm der Oscherlebener Kaplan Ferdinand Gerwinn als Missionsvikar in Annaburg die Betreuung der katholischen Gemeinde. Dieser Gemeinde wurden die Dörfer Axien, Bethau, Großtreben, Dautzschen, Plossig, Prettin, Hohndorf, Labrun, Lebien, Groß Naundorf und Pruzien zugeordnet.

Zur Annaburger katholischen Gemeinde gehören ca. 40 Gläubige.

1898   In „Annaburg wachsen die Häuser wie Pilze aus der Erde“. Es entsteht zwischen der Friedensstrasse (damals Friedhofsstrasse) und dem Mühlenende das neue Siedlungsgebiet „Die neue Welt“. Diese Bezeichnung wird heute nur noch verwendet zur Bezeichnung des ab 1990 entstandenen Neubaugebietes auf dem Gebiet der ehemaligen Hofebreite. (siehe Karte v. 1905) Die vollständige Bebauung dieses neuen Siedlungsgebietes erfolgt aber weitestgehend erst in den 30iger Jahren des anschließenden Jahrhunderts.

1899 Zu den Kosten für das in Annaburg zu errichtende Kriegerdenkmal hat die Gemeindevertretung einen Beitrag von 500, – Mark bewilligt.

1899 Am 3. September wurde das Kriegerdenkmal im Tiergarten eingeweiht. Das Denkmal ist eine Schöpfung des Bildhauers Conrad aus Torgau.

1899   Annaburg zählt 3227 Einwohner. Der Ort besteht aus 334 Wohnhäusern mit 875 Haushalten. Neben der befestigten (gepflasterten) Hauptstraße sind auch die Fußwege mit Mosaikpflaster befestigt worden (Torgauer Str. bis Mühlenend und Markt)


 

20. Jahrhundert

zeilemarkt21900 Bauarbeiter arbeiteten bis zur Mitte des Jahres 1900 11 Stunden am Tag bei einem Stundenlohn von 27 Pfennigen. Danach arbeiteten sie 10 Stunden am Tag bei einem Stundenlohn von 30 Pfennigen. Das Pflastern eines Hofes mit Feldsteinen kostete 1,25 Reichsmark/m² einschließlich Material.

1900   Die Schriftstellerin Ottilie Ludwig, seit 1898 wohnhaft in Annaburg (Ihr Sohn war Königlicher Kammerförster in Annaburg) ist verstorben und fand auf dem Annaburger Friedhof ihre letzte Ruhestätte. (von ihr stammten die zwei Bände „Mein Waldesleben“)

1900 Annaburg hat 3.227 Einwohner

1900 von 1900 bis 1903 werden in der Annaburger Heide 245 ha Waldfläche durch den Spanner vernichtet. Der Schadholzeinschlag beträgt 44.234 fm.

1901 wurde in Annaburg eine Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei gegründet. Bei der Gründung der Partei waren 25 bis 30 Arbeiter erschienen.

Als Vorsitzender wurde der Genosse Richard König gewählt. Schriftführer wurde Genosse Oesterreich und Kassierer Genosse Otto Kurth. Die Revision übernahmen die Genossen Otto Schmidt und Renhard

1901 wurde der Arbeiterbildungsverein „Geselligkeit“ gegründet. Er umfasste die Interessengebiete Gesang, Turnen und Theater; Kindern war jedoch das Turnen nicht gestattet.

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1902 Es wird die Kleinbahn Prettin-Annaburg in Betrieb genommen.

1902 wurde die Konsumgenossenschaft Annaburg gegründet, die bis zu Beginn der Hitlerzeit rentabel gearbeitet hat und das Vertrauen der Arbeiter besaß. Mit 30 Mitgliedern war die Gründung am 14. 11. 1902 erfolgt. Die erste Verkaufsstelle wurde in den Räumen in der Mittelstraße eröffnet,

1903 Durch den Porzellanmaler E. Sauerbrei aus Selb wurde die Spritztechnik im Annaburger Steingutwerk eingeführt. Das Produktionssortiment konnte durch diese neue Technik wesentlich erweitert werden. Vier neue 110 m³ umfassende Rundöfen und ein neues vier stockiges Gebäude für die Dreherei und die Schlämmerei wurden gebaut. Die Belegschaft wuchs zeitweilig auf bis zu 500 Beschäftigte an.

ps_201611111828291903 Im Jahr 1903, wird die Neue Schule unsere jetzige Sekundärschule bezogen. Am 1. Oktober 1903 übernimmt der Forstassessor Friedrich Haack die Verwaltung der neuerbauten Kiefernsamendarre in Annaburg.

1903 zwei Wochen vor Weihnachten, wollte die Steingutfabrik eine Lohnkürzung durchführen, doch sofort traten über 100 Maler und Dreher in den Streik. Wenn durch diesen Streik auch nicht alle Forderungen erfüllt wurden, war es doch der erste organisierte Machtkampf gegen die Willkür der Fabrikbesitzer.

1904 sowie 1911 und 1921 konnten Erwachsene wegen Niedrigwasser durch die Elbe waten.

1904   der WindmühleProschwitz“ mit Wohnhaus, Stall, und Scheune die ca. 2 km vor der Stadtgrenze Annaburgs lag, kam in den Besitz von Müllermeister Hermann Proschwitz aus Kähnitzsch als er die Witwe Martha Schmidt ehelichte.

1904 Wurde der 1904 Arbeiter – Radfahrverein „Solidarität“ gegründete. Die Mitglieder dieses Vereins waren im Sommerhalbjahr fast jeden Sonntag mit ihren Rädern zu Propagandafahrten im Sinne der Sozialdemokratie unterwegs. Es bildeten sich dadurch in vielen Dörfern Radfahrervereine, wo es sonst nicht möglich gewesen wäre, politischen Einfluss zu gewinnen. Durch das bunte Leben aber konnte man die Landarbeiterjugend gewinnen. Der Verein stellte sich auch bei Agitationseinsätzen den Sozialdemokraten zur Verfügung.

1905   In Annaburg werden 3.587 Einwohner gezählt, davon 1.681 männlich und 1906 weibliche Personen. Dazu kommen noch die „Schlossbewohner“ mit 997 Personen und die Einwohner aus den beiden Gutsbezirken Oberförsterei Tiergarten und Annaburg mit insgesamt 95 (Ortsteile Zschernik und Gerbismühle).

1906 Am 9. Januar 1906 beschloß der Gemeinderat in seiner Sitzung, zur Chaussierung der Jessner- und Schweinitzerstraße in Annaburg, die etwa 40.000,- Mark kosten wird, bei der Kreissparkasse Torgau eine Anleihe in Höhe der Kosten aufzunehmen und das Geld in Raten nach Bedarf zu erheben.

1906 In Sachen der Neuverteilung der Ackerstücke in der hiesigen Feldmark „Neues Land“, an der über hundert Annaburger Besitzer beteiligt sind, wurde am 31.10. Vormittag vom Landesökonomie-Rat ein Termin mit den Deputierten abgehalten, der die Bonitierung des Interessenten-Landes einleitet.

1906 Durch Brand wurde ein Teil der Steingutfabrik zerstört. Der Bau von neuen Werkhallen wie Malerei und Sortierraum wurden dadurch notwendig und realisiert.

1906 Die Annaburger Steingutfabrik-Aktiengesellschaft erwarb an der Torgauer-straße vom Königlichen Forstfiskus ein 4 Morgen großes Grundstück und hinter den Fabrikgebäuden weitere 9 Morgen Land. Wie verlautet, werden im kommenden Frühjahr bedeutende Neubauten an Fabrikräumen vorgenommen.

1906/07 Die Katholische Gemeinde in Annaburg hatte zahlenmäßig einen starken Rückgang zu verzeichnen, deswegen wurde Pfarrer Ferdinand Gerwinn abberufen und das Pastorat wieder bis 1946 von Torgau, Elsterwerda, Liebenwerda, Falkenberg und Wittenberg betreut.

1907 In diesem Jahr entsteht das so sehr benötigte und heute als „DRK-Pflegeheim I“ genutzte neue Militär-Krankenhaus. Es stand unter Leitung von Stabsarzt Dr. Meyer und hatte eine Kapazität von 48 Betten (40 Kranke und 8 Revierkranke).

1907 In diesem Jahr ging der Gasthof „Zur Stadt Berlin“ für 43.000,- Mark in die Hände eines Herrn aus Bremen über. Innerhalb der letzten drei Jahre hat das betreffende Grundstück nun zum vierten Mal seinen Besitzer gewechselt.

1907 Über den Haushaltsetat erfahren wir, dass für 1907/1908 die Einnahmen und Ausgabe mit 30307,56 Mark bilanziert und festgesetzt wurden.

1907 Ein Antrag des Bauunternehmers Gielsdorf zum Ankauf eines Streifen Landes an der Friedhofstraße (Friedensstr.) wurde abgelehnt, da der betreffende Platz mit Linden bepflanzt werden soll.

1907 Bei der Benennung neuer Straßen erhielt der Zufahrtsweg zum Prettiner Bahnhof den Namen „Gärtnerstraße“. Die außerhalb des Brandenburger Tores (Mühlentor) an der Chaussee gelegenen Gebäude liegen an der neuen „Schweinitzerstraße“, die nach Jessen abzweigende Chaussee erhält im Falle des Aufbaues von Gehöften den Namen „Jessenerstraße“.

1907-1908   Geburtsstunde des bargeldlosen Verkehrs. Der Scheck wird eingeführt.

1908 „Am Neujahrstage verstopfte sich an der Brücke der Holzdorfer Straße das Treibeis des Neugrabens, so daß oberhalb der Brücke das Wasser über beide Dämme des Grabens ging. Die anliegenden Ländereien und ein Teil der Bethgeschen Baumschule wurden unter Wasser gesetzt, und in den Neuhäusern, die bis 1895 eine selbständige Gemeinde bildeten, wurden die tief gelegenen Gärten mit den darin befindlichen Kartoffelmieten überschwemmt …“

1908   Am Bahnhof wird das Stadtgaswerk fertig gestellt. Bereits unter dem 27. April lesen wir: „Die Annaburger Gemeindevertretung beschloss in ihrer letzten Sitzung die Errichtung einer Gasanstalt. Die Baukosten sollen 150.000,— Mark betragen. Der Beginn der Gasbeleuchtung ist auf den 1. November 1908 festgelegt.“

1908 Mit zunehmender Mitgliederzahl der Konsumgenossenschaft Annaburg wurde in der Mittelstraße das große Verkaufgebäude erbaut. (Heute von den Bosniern erworben und zu Wohnzwecken ausgebaut). Die kleine alte Verkaufsstelle wurde vom Friseurmeister Füllner übernommen.

1908 wird auf dem damaligen Spiel- und Exerzierplatz (heute Gelände der Realschule Annaburg) des Instituts die Stangeneiche gepflanzt. Die Inschrift erinnert an den „Weltreisenden Karl Stangen, Zögling der Anstalt von 1843-48, gepflanzt von seinen Freunden 1908“. Karl Stangen war Begründer des ersten deutschen Reisebüros in Berlin

1908 In der Nähe des Kleinbahnhofes von Prettin, wo sich später das Stanz- und Emaillierwerk befandt, wurde die „Elektrische Überlandzentrale Prettin und Umgebung e.G.m.b.H.“ gegründet.

1909 Im Januar wurde aus dem Prettiner Elektrizitätswerk der erste Strom in unserer Region geliefert.

1909 Der erste Tunnelofen wurde im Steingutwerk in Betrieb genommen, welcher erst 1993 abgerissen wurde. Das Annaburger Steingut wurde zu einem geschätzten und viel verkauften Artikel auf dem Weltmarkt. Die Firma wurde in eine AG umgewandelt.

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1909   Das „Brandenburger Tor“ (auch unter Jessener Tor bekannt) am Mühlenende wird abgerissen. Damit verschwand das letzte Stadttor (Brückentorhaus) von Annaburg.

1909 Im Mai bewilligte die Annaburger Gemeindevertretung 600 Mark für die Projektierung einer Eisenbahnlinie Annaburg — Zellendorf oder Annaburg — Linda. Der Bau dieser Bahn wurde jedoch niemals ausgeführt.

1909 Am 25. 9. konnte die Strecke Jessen — Wittenberg erstmalig zweigleisig befahren werden. Jessen – Falkenberg war noch eingleisig ausgeführt und hatte u.a. in Pruzien eine Ausweichstelle

1910     werden in Annaburg 4.035 Einwohner gezählt.

1911   Die Beleuchtung im Jagdschloss ist nicht zeitgemäß. Es werden 464 Petroleumlampen im Gebäude verwendet, wozu man jährlich 9239 kg Petroleum verbrennt.

1914 Durch August Schlinker wurde in der Feldstrasse das erste Lichtspielhaus mit 400 Plätze, bekannt auch als Ackers “Neue Welt“, in unserer Region gegründet. Dort fanden 1-2-mal pro Woche Filmveranstaltungen statt. Gleichzeitig wurde der Saalbau auch als Tanzlokal benutzt.

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1914-1918     Erster Weltkrieg vom 01.08.1914- 11.11.1918. Nach Spannungen und Rivalitäten der europäischen Großmächte, löst die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo am 28.07.1914 den Krieg aus. Dem Deutschen Reich, Österreich – Ungarn, der Türkei und Bulgarien standen annähernd 20 Feindländer gegenüber. Am 11.11.1918 endete der Krieg mit dem Sieg der Entente durch den Waffenstillstand von Compiegne. Dem Krieg sind 8,5 Millionen Gefallene und 7,7 Millionen Vermisste zum Opfer gefallen! 21 Millionen Menschen wurden verwundet! Annaburg hat  71  Soldaten an Gefallene bzw. Vermisste zu beklagen. Das Ende des Krieges bedeutete den Zusammenbruch des Kaiserreiches und das Verschwinden feudaler Überbleibsel. An Land verliert Deutschland Elsaß – Lothringen an Frankreich; Danzig (wird Freie Stadt); das Memelland an Litauen; Posen, Westpreußen und Pomorellen werden zum polnischen Korridor; das Hultschiner Ländchen geht an die Tchechoslowakei; alle Kolonien gehen verloren. Nach Abstimmungen verliert Deutschland zudem Eupen – Malmedy, Nordschleswig und Oberschlesien, insgesamt etwa 69.700 km², bzw. 13 % seines Territoriums (ohne Kolonien) und behält eine Fläche von 470.300 km². Die Lage unseres Heimatgebietes innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches ist dargestellt

1915/18 Wegen Kohlemangels musste die Annaburger Steingutfabrik auf Holzfeuerung umgestellt werden, was den Brennvorgang merklich verlängerte. Nach dem 1. Weltkrieg 1918 ging die Belegschaftszahl wieder auf 300 Personen zurück.

1917 Das größte Annaburger Gut (ehemalige Domäne) wird mit 900 Morgen landwirtschaftliche Nutzfläche, 600 Morgen Wald und 35 Morgen Baumschule wurde an eine Siedlungsgesellschaft verkauft. Große Fläche des Waldbestandes (u.a. das Gebiet am Mollgraben und der Mauerwiesen im Tiergartens) wurden abgeholzt und blieben über Jahre (bis 1935) brach liegen.

1918 Aus der Lokalpresse ist zu entnehmen, dass am 12. November 1918 der Soldatenrat für 76 Militärgefangene aus dem Zuchthaus Lichtenburg (Prettin) die Entlassung erwirkt hatte.

1918 Die Tage der Novemberrevolution verliefen in Annaburg ohne besondere Vorkommnisse. Es wurde ein Soldatenrat gebildet, der Vorsitzende war der Feldwebel Riech, später in Annaburg selbständiger Gärtner. Einige Tage später wurde der Arbeiterrat gebildet, Vorsitzender war der Genosse Emil Sauerbrei. Nachdem die Ortsverwaltung wieder ihre Arbeit aufgenommen hatte, löste sich der Arbeiterrat auf.

1918 erfolgte auch in Annaburg die Spaltung der Ortsgruppe der SPD. Der überwiegende Teil der Parteimitglieder ging zur USPD. Bei der alten SPD blieben nur wenige Genossen.

 


ps_201611221413311919-1933 Unter der Weimarer Republik

1919 Die erste deutsche Republik, die sich die „Weimarer“ nennt, wird am 03.09. ausgerufen; an ihrer Spitze steht Reichspräsident Friedrich Ebert. Drei Ereignisse treffen die Bevölkerung zutiefst und schwächen die Republik empfindlich: Der Versailler Vertrag (28.06.1919), die Inflation (1914/23) und die Weltwirtschaftskrise (ab 24.10.1929). Die Republik wird am 30.01.1933 abgewählt.

1919 im Herbst hat sich eine Ortsgruppe der kommunistischen Jugend gebildet; Vorsitzender war der Genosse Erich Berger. Die Jugendgruppe hatte 20 bis 24 Mitglieder und war in der Werbearbeit, auch für die KPD, sehr aktiv.

1919 hat sich die Freidenkergruppe im Ort gebildet und war politisch sehr rege.

1920 fand der Kapp-Putsch im März statt. Die Sirene der Steingutfabrik rief alle Arbeiter der Steingutfabrik auf dem Fabrikhof zusammen, der Generalstreik wurde ohne Gegenstimmen beschlossen. Nach wenigen Tagen war der Kapp-Putsch beendet, und die Gewerkschaft drängte zur Arbeitsaufnahme.

1920 Ende Juni 1920 fanden Unruhen im Zuchthaus Lichtenburg statt, zu deren Niederschlagung Sicherheitswehr herangezogen wurde. Die Unruhen waren ein Protest der politischen Gefangenen gegen die Reaktion, deren Opfer sie geworden waren.

ps_201611091636121920 in Annaburg sind 4.020 Einwohner beheimatet

1920/21 Am 10. März 1920 wurde die Unteroffizier-Vorschule Annaburg gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages entmilitarisiert und am 31. März 1921 aufgelöst. Die letzten 200 Zöglinge wurden in eine Ungewisse Zukunft entlassen. Damit war das seit dem 15. August 1762 in Annaburg bestehende Knabenerziehungsinstitut für immer geschlossen. Dies war ein großer Verlust für die Geschäftswelt von Annaburg zur damaligen Zeit.

1921 fand die erste Jugendweihe auf Initiative der Annaburger Freidenkergruppe statt.

1921 Die Gebäude der Kaserne der ehemaligen wurden nach deren Auflösung zunächst für eine Hundertschaft der Schutzpolizei und in den dreißiger Jahren durch die SA genutzt.

1921 Aufstand der mitteldeutschen Arbeiter, nach der Niedergeschlagung wurden zahlreiche Kommunisten verhaftet. In der Lichtenburg stieg dadurch die Zahl der Häftlinge von durchschnittlich 600 bis 800 Mann auf rund 2000 Mann. Durch die Überbelegung wurden die Verhältnisse in der Lichtenburg in den Zellen und Schlafsälen unerträglich geworden. Ein Häftlingsaufstand, ausgelöst durch die Zustände wegen der Überbelegung wurde verraten und durch die Sicherheitswehr niedergeschlagen – Ein Todesopfer dabei war

1921 Im Frühjahr wurde in einer Parteiversammlung der USPD der Beschluss gefasst, geschlossen zur KPD überzutreten. Erster Vorsitzender der Ortsgruppe war der Genosse Johannes Hoffmann. Schon ab Ende des Jahres 1919 setzten sich in Annaburg Genossen der USPD dafür ein.

1921 wurden der Turnverein „Jahn“ und der Gesangverein „Konkordia“ gegründet. Als Arbeitervereine hatten beide einen guten Zuspruch. Besonders der Turnverein wurde von der Arbeiterjugend begrüßt und erfreute sich einer regen Beteiligung.

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1921     Es wird das Annaburger Notgeld im Stadtgebiet eingeführt. Es dient aber vorrangig den Interessen der Notgeldsammler, die dieses Geld wie Briefmarken in Notgeldalben sammelten und sollte der Stadtgemeinde dringend benötigtes Geld einbringen.

1922-1923   Durch den Krieg ist die deutsche Währung vollends zusammengebrochen. Während der Inflation kostete im Januar 1923 ein kg Butter 5.500 Reichsmark, im Sommer 25.000 und gegen Ende des Jahres 5,6 Billionen Reichsmark. Für ein Brot zahlte man im April 750 und im September 780 Milliarden Reichsmark! Am 15.11.1923 wird mit der Ausgabe neuer Geldscheine, der Rentenmark, die Inflation in Deutschland beendet.

1923 Die Annaburger setzen den Zöglingen ihren im 1. Weltkrieg gefallen Kameraden vor dem Vorderschloss auf der linken Seite einen Gedenkstein.

1923 Der zum Kapellmeister qualifizierte Max Rohr begann mit der Ausbildung von Musikschülern. Das war die Geburtsstunde der Annaburger Musikschule Rohr. Sie bestand bis 1950 und wurde zuletzt vom Sohn und Kapellmeister Hans geleitet. Ab 1950 waren private Musikschulen in der DDR nicht mehr gestattet und die Musikschule musste aufgelöst werden. Kapellmeister Hans Rohr wurde Direktor der Staatliche Musikschule Torgau.

1924   Der Getreidekaufmann Wilhelm Otte ließ in diesem Jahr eine Bahnmühle errichten. Da die beste Transportmöglichkeit die Reichsbahn war, kaufte er den Bierkeller der Schultheißbrauerei und baute darauf seine Mühle. Die Mühle bekam einen Bahnanschluss und wurde von der Mühlenbaufirma Wetzig aus Wittenberg eingerichtet.

1924 Durch die Wittenbergerin Aenne Maiwald wird in der Mühlenstraße das Kino „Palast Theater“ mit 200 Plätzen gegründet.

1924/28 In diesem Zeitraum war eine erneute Hochkonjunkturphase. Alle Öfen der Annaburger Steingutfabrik waren ausgelastet und die Mitarbeiterzahl stieg wieder auf über 600 Beschäftigte an.

1926 Betrug die Einwohnerzahl von Annaburg 3.922. In der Steingutfabrik waren zu dieser Zeit ca. 600 Personen beschäftigt.

1926 Unsere Gegend wurde vom schwersten Hochwasser dieses Jahrhunderts betroffen. Am Abend des 13. Juni ging über hiesiger Gegend ein Unwetter nieder wie noch nie. In einer Zeit von wenigen Stunden war eine Regenmenge von 16 mm gefallen. Verschiedene Höfe standen 1/2 Meter unter Wasser und mancher Pferde- und Kuhstall musste geräumt werden. Mit diesem Tage begann das Verhängnis. Es regnete fast alle Tage und zwar immer ungewöhnlich viel. Die Schwarze Elster und die Elbe schwoll an. Nur mit Mühe konnten die Dämme bei Mauken und Schweinitz gehalten werden. Doch der Rückstau der Gräben und Bäche zwischen Elbe und Elster setzte alles unter Wasser. „Blitz auf Blitz zuckten hernieder und immer tobender, vernichtender grollte der Donner. Regenmassen quollen hernieder als hätte der Himmel sich geöffnet. Drei, vier, fünf Gewitter wurden am Himmel beobachtet, die immer furchtbarer sich entwickelten. Schlag auf Schlag folgte. Kein Ende wollte nahen und auch der Regen schien endlos und zog sich bis in die Nachtstunden hinein. Bedeutender Schaden vom Gewitter selbst wurde trotz der Schwere in unserer ganzen Umgebung Gott sei Dank nicht angerichtet. Umso verheerender wirkte aber der Regen. In allen Gräben kann das Wasser nicht mehr abfließen, es geht über die Landstraßen und Wege, ja, es geht sogar bis in den Wald tief hinein.“

1926 Es wurden die ersten öffentlichen NSDAP-Versammlungen in Annaburg organisiert die aber alle schlecht besucht waren. Auch wurde versucht Einfluss bei den Treffen der ehemaligen Annaburger zu gewinnen.

1928 In diesem Jahr wurde die Strafanstalt Lichtenburg aufgelöst. Der verwinkelte Schloßbau erschwerte und verteuerte die Bewachung, und über die engen Wendeltreppen konnten kaum die vielen Gefangenen in Notfällen in Sicherheit gebracht werden. Am 4. 7. 1928 verließ der letzte Transport die Lichtenburg.

1928 fand ein großer Aufmarsch organisiert vom Rotfront-Kämpfer-Treffen in Annaburg statt. Dazu waren aus den Kreisen Wittenberg und Torgau ca. 500 Rotfront-Kämpfer aufmarschiert. Unter der Leitung des Genossen Paul Redlich bestand auch in Annaburg eine starke Ortsgruppe des Roter Frontkämpferbundes (RFB).

ps_201611151559121928 Das Annaburger Lichtspielhaus in der Feldstraße wird von Julius Hoppe übernommen. Er modernisiert und baut es als ein Saalkino mit 250 Plätze um.

1928 Der erste Stützpunkt der NSDAP in Annaburg wurde gegründet und von Winkler als Stützpunktleiter geführt. Bei der Reichstagswahl 1928 wurden im Stützpunktbereich Annaburg nur 12 Stimmen für die NSDAP errungen.

1928/29 Es herrscht ein sehr strenger Winter

1928/32 Die Ende 1928 einsetzende Arbeitslosigkeit, bedingt durch die Weltwirt-schaftskrise 1928 -1932, wirkte sich auch auf das Steingutwerk verheerend aus, sodass die Belegschaft um die Hälfte reduziert werden musste.

1929 Am 3. Mai wurde der RFB vom preußischen Innenminister „gemäss dem Gesetze zum Schutze der Republik, des Gesetzes vom 22. März 1921 (Reichsgebl.S. 235) und des Reichsvereinsgesetzes für den Bereich des Freistaates Preußen“ verboten. und damit auch die Annaburger Ortsgruppe am 6. Mai aufgelöst.

1929 Am 26. September brannte die Annaburger Getreidemühle am Neugraben durch einen Kurzschluss in der elektrischen Leitung ab. Mühlenbesitzer Klausenitzer ließ die Mühle im Jahre 1930 wiederaufbauen.

1929 Am 24.10. begann die Weltwirtschaftskrise. Sie erreichte am 29.10. mit dem „Schwarzen Freitag“ ihren Höhepunkt. Viele Menschen verloren ihr Vermögen.

1929 Mit diesem Jahr nahm die Arbeitslosigkeit zu, die Krise erfasste auch Annaburg. Vor dem Stempelamt in Annaburg am Marktplatz wurde die Zahl der Arbeitslosen in jeder Woche größer. Die NSDAP verstärkte jetzt ihre Werbeaktion, um Arbeiter als Mitglieder zu gewinnen.

1930 Annaburg zählt 4.035 Einwohner

1930 Mühlenbesitzer Klausenitzer ließ die Annaburger Stadtmühle die im Vorjahr abgebrannt war wiederaufbauen.

1930 Der Rotwildbestand in der Annaburger Heide betrug nur noch etwa 400 Stück.

1930 Der Annaburger Stützpunkt der NSDAP wurde in eine Ortsgruppe gewandelt. Erster Ortsgruppenleiter war Striewe. Die Gruppe zählte 15 Mitglieder.

1930 Am 1. Juli fand eine öffentliche Versammlung der NSDAP im „Goldenen Ring“ statt. Annaburger Mitglieder der KPD wollten diese Versammlung nicht zulassen, wurden aber durch ein starkes Aufgebot der Schutzpolizei daran gehindert. Dafür kam es nach Versammlungsschluß zu einer Straßenschlacht zwischen der SA und den Annaburger Kommunisten an der Ecke Torgauer Str./ Mittelstraße. Die SA wurde mit Pflastersteinen beworfen – dabei wurden zwei SA-Männer und ein Polizist verletzt. Die beteiligten Kommunisten wurden wegen dieses tätigen Übergriffes auf Landfriedensbruch verklagt.

1930 Ein SA – Sturm wurde in Annaburg gebildet. Gruppenführer war Trautmann.

1930 wird die Annaburger HJ-Gruppe gegründet mit anfänglich 3 Mitgliedern (Ges. Kreisgebiet 51). Neuer Zuwachs kam erst Mitte 1932, hier wurde eine weitere Gruppe in Annaburg gegründet.

1930 Am 23.9.1930 fand in der „Neuen Welt“ in Annaburg im Vereinslokal der KPD eine Massenversammlung der NSDAP statt. Ca. 350 KPD-Mitglieder wollten diese Versammlung die anfänglich nur mit 40 SA-Leuten „geschützt“ wurde sprengen. Von Torgau wurde der SA-Sturm angefordert. Die NSDAP-Ortsgruppe verfügte jetzt über 24 Mitglieder und hat bei der Wahl 267 Stimmen für die NSDAP errungen.

1931 fand wieder eine Straßenschlacht zwischen den Annaburger Kommunisten und der SA statt, diesmal wurden die Annaburger Kommunisten durch die SA zusammengeschlagen. Ab der im Juli durchgeführten öffentlichen Versammlung der NSDAP in Annaburg wurden diese Veranstaltungen rege durch die Annaburger Bevölkerung besucht.

1931 Die Schulbehörden verhindern, dass ihre Schüler Mitglied des NS-Schülerbundes wurden. Festgestellte Mitglieder wurden der Schule verwiesen.

1932 Die Bahnmühle in Annaburg musste aus wirtschaftlichen Gründen zwangsversteigert werden. Neuer Besitzer wurde die Sparkasse Herzberg die noch im selben Jahr die Mühle an den Landwirt Adolf Heese verkaufte.

1932 Die Ortsgruppe der NSDAP Annaburg zählte anfang des Jahres 62 Mitglieder und wurde durch Wellmann geleitet. Zur Reichpräsidentenwahl wurden im Annaburger Bereich beim ersten Wahlgang 643 Stimmen und im zweiten 739 Stimmen für die NSDAP errungen.

1932 Die NSDAP-Geschäftsstelle in Annaburg wurde in der Friedhofsstr. (Friedens-str.) eingerichtet. Ende 1932 zählt die Ortsgruppe schon 92 Mitglieder.

1932 Ab Ende des Jahres wirkte auch in Annaburg das Winterhilfswerk der NSDAP. Es wurde eine Notstandsküche für arbeitslose NSDAP-Mitglieder eingerichtet.


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1933-1945 Unter dem Nationalsozialismus

1933 Am 30.1. erfolgt die „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten mit überwältigender Mehrheit der Wählerstimmen! Adolf Hitler wird Reichskanzler. Im ganzen Land, so auch in Annaburg, wird alles umorganisiert und reglementiert. Es gibt einen Orsgruppenleiter, einen Ortsbauernführer, Hitlerjungen, BDM – Mädchen, SA und SS. Andersdenkende sind Repressalien ausgesetzt. Mit dem Abbau der Arbeitslosigkeit beginnen die Menschen wieder zu sparen. Anfang des Jahres haben die Deutschen im Durchschnitt 217,56 Reichsmark auf dem Konto.

1933 Noch im Februar mussten Einheiten der Standarte 72 aus Torgau in Annaburg marschieren, um den Kommunisten in Annaburg (starken politischen Gegner – Org.Text) klarzumachen, dass die einmal errungene Macht im Staat nie wieder abgegeben wird.ps_20161015122346

1933 Erst am 8. März wird in Annaburg auf dem Rathaus die NS-Fahne gehisst. Bei der Gemeindewahl gelang es der NSDAP erst 5 Mitglieder in die Gemeinde-vertretung zu entsenden. Und dass obwohl KPD und SPD schon verboten war.

1933 Am 1. Mai marschierten alle Berufsverbände einträglich mit SA und NSDAP in Annaburg und hörten sich des „Führers“ Worte an.

1933 KZ Lichtenburg in der Nähe von Annaburg entstand eines der ersten KZ Deutschlands: Am 9. 5. 33 heißt es in der Zeitung, dass die Lichtenburg mit „einigen hundert Mann belegt werden“ und darum instand gesetzt werden solle. Die ersten „Inhaftierten“ wurden dann für den 9. 6. erwartet, trafen aber erst mit 69 Mann am 12. 6. ein, während am 20.6. weitere 500 Häftlinge, eintrafen. Vom 5. 8. wird, berichtet: „Zur Zeit ist das Sammellager mit ca. 1.200 Schutzhäftlingen belegt“ und am 21. 10.: „Im Konzentrationslager ist die Zahl der Häftlinge beträchtlich zurückgegangen . . . Doch wird in der nächsten Zeit mit weiteren Zugängen gerechnet . . . Unter den jetzt hier Eingelieferten befinden sich eine ganze Menge „Prominente“ . . . Hiesiges Konzentrationslager ist eines der größten im ganzen Reich“. Und am l. 12. 33 folgt ein Bericht eines Japaners, der das Lager besichtigt hatte, in dem es heißt: „Jetzt ist das Lager mit 1.535 Mann belegt. Die Wachmannschaft, SS und SA, ist rund 150 Mann stark“. Offiziell blieb die Lichtenburg bis Mai 1939 KZ, und zwar zuletzt Frauen-KZ. Aber da war sie ab 1936 SS-Kaserne mit einigen Häftlingen im Zellenflügel. Hier erfolgte die Ausbildung von KZ-Wachpersonal. Auch als sie 1940 SS-Versorgungslager, Hauptzeugamt wurde, gab es bis zum Kriegsende ca. 40 Häftlinge, meist krimineller Art, in der Lichtenburg.ps_20161120183244

1934 Die Kaserne wird als RAD-Lager (Reichsarbeitsdienst) der Reichsarbeitsdienstabteilung 144 (ab 1935-43 RAD-Abteilung 5/140 Annaburg) genutzt, die ca. 450-500 Mann unterstanden dem Wasserausbau und haben in der Annaburger Heide Wasserregulierende Arbeiten am Mollgraben und dem Neugraben durchgeführt. Die Arbeiten wurden wahrscheinlich bis zum Jahre 1939/40 durchgeführt.

1934 Am 16.02. dieses Jahres fand die Gründung des Annaburger Anglervereines „Ausdauer 1934“ im Waldschlösschen statt. Vorsitzender (Führer) wird Kam. Reckziegel. Er wird aber 1 ½ Jahre (Okt. 35) später bereits durch Oskar Gehrmann abgelöst.

1934 Am 1. November wurde in Annaburg die NS-Kulturgemeinde gebildet, der nach einem Jahr bereits 350 Mitglieder angehörten.

1935 Am 1. Mai mussten 900 Lebensmittelscheine an hilfsbedürftige Gemeindebürger in Annaburg verteilt werden.

1935 Im Monat August wurde die Annaburger Siedlung „Hirschfeld“ gegründet. 20 Siedler gingen daran auf der Grundlage des nationalsozialistischen Heimstätten Programm sich ihr neues Heim zu schaffen.

1935 Im August wurde der Kreisappell der NSDAP in Annaburg abgehalten. Hier fanden Tagungen der PL (Politischen Leitung), der DA (Deutschen Arbeitsfront) und der NS Frauenschaft statt. Die Aufmärsche der NSDAP wurden begleitet durch den Musikzug der SS-Wachtruppe „Elbe“ vom KZ Lichtenburg.

1936 Am 20.09.1936 wurde der Arbeitsstab des Reichsarbeitsdienstes von Zeitz nach Annaburg in das Stabsgebäude im Schlosskomplex verlegt.

ps_201611201833441936 Auf Befehl des Reichsluftfahrtministeriums wurde in der Glücksburger Heide ein Bombenabwurfplatz errichtet. Unter der Leitung der Firma Zucker aus Hohenleipisch wurden die Arbeiten von Forstarbeitern, Bauern und Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes vorgenommen. Das eingeschlagene Holz wurde mit der im Jahre 1886 gebauten Waldbahn zum Bahnhof Linda transportiert und dort verladen. Im Dezember des Jahres 1936 begann die deutsche Luftwaffe mit ersten Bombenabwurfübungen auf dem hergerichteten Areal. Jahrelang, bis 1944, fielen tonnenweise Bomben auf die Glücksburger Heide. Ein später eingerichteter Bordwaffenübungsplatz diente der Luftwaffe zur Bekämpfung von Bodenzielen.

ps_201611131511471936/38 In diesem Zeitraum wurde das Lufttanklager (WiFo) in Annaburg auf einer Fläche von 40 ha. errichtet. Mit den notwendigen Bauarbeiten wurden hiesige Baufirmen beauftragt. Das Tanklager erhielt einen Eisenbahnanschluss. An der Laderampe wurden die Kesselwagen gefüllt oder entleert. Zum Eisenbahnanschluss gehörte noch ein Lokschuppen und eine werkseigene Diesellokomotive vom Typ V36. Herzstück der Anlage war eine große unterirdische Pumpstation in ca. 10 m Tiefe mit Misch- und mehreren Pufferbehältern mit einer Kapazität von 18.000 Liter. Das Lager an sich bildeten 12 überirdische Lagerbehälter mit einem Fassungsvermögen von 600.000 Liter.

1937/38 Annaburg zählt 4.027 Einwohner.

1938-1939   Am 13.03.1938 annektiert Hitler Österreich und macht es zur „Ostmark“. Am 01.10.1938 besetzen deutsche Truppen das Sudetenland und annektieren am 15.03.1939 Böhmen und Mähren, nennen es „Protektorat“ und schaffen – noch vor dem Zweiten Weltkrieg – das so genannte „Großdeutsche Reich“ mit einer Fläche von etwa 633.000 km².

1939 Annaburg erhält sein Stadtrecht zurück. Die Stadt zählt zu dieser Zeit 4.013 Einwohner und ist der zweitgrößte Ort im Kreis Torgau.

1939 In die großen Herbstmanöver der deutschen Wehrmacht ist auch die Annaburger Gegend einbezogen. Bei Mauken wird eine Pontonbrücke gebaut. Nach dem Manöver sind die Truppen an die polnische Grenze verlegt, worden.

1939 Eine Woche vor Kriegsbeginn, Ende August, sind landesweit Lebensmittelkarten ausgegeben worden. Die Lebensmittelrationierung blieb im Osten Deutschlands, in der DDR, bis 1958, also bis 19 Jahre nach ihrer Einführung, bestehen!

ps_201611211320011939 – 1945   Zweiter Weltkrieg. Der Krieg beginnt am 01.09.1939 und dauert bis zum 08.05.1945 in Europa und bis zum 02.09.1945 in Asien, 6 Jahre also, oder 2190 Tage! Es ist der schwerste, den die Menschheit bisher bestehen musste. 61 Länder waren daran beteiligt und er kostete 55,3 Millionen Menschen insgesamt, davon 39,6 Millionen in Europa und 15,7 Millionen in Asien das Leben! Sie waren gefallen oder durch Kriegseinwirkungen oder durch Konzentrationslager umgekommen. Das waren im Durchschnitt täglich 25250 Menschen, die sterben mussten – die Einwohnerzahl einer Kreisstadt! Das Kriegsende bedeutet den totalen Zusammenbruch des „Dritten Reiches„, mit schwersten Auswirkungen für das Land und die Menschen. 49 Jahre lang war Deutschland besetzt, 45 Jahre lang geteilt und es verlor 8 Millionen Menschen und 29 % seines Territoriums! Übrig blieben 357.000 km². Von Annaburg sind 196 Soldaten als Gefallene bzw. Vermisste zu beklagen! Ansonsten blieb Annaburg bis auf wenige Gebäude unversehrt!

1939/40 Es herrscht ein sehr strenger und langer Winter. Auch die nachfolgenden Winter (1940/41; 1941/42 und 1946/47) sind überdurchschnittlich kalt und lang.

1940 Am 2. April  wurde die Unteroffizier-Vorschule Annaburg durch den Inspekteur des Erziehungs- und Bildungswesens im Heer, Generaloberst Frießner neu aufgestellt. Der Einzug der ersten 660 Jungschützen, so die Dienstgradbezeichnung der Unteroffizier-Vorschüler, erfolgte am 01. Juni 1940. Bereits am 31. März 1941 wurde die Schule aufgelöst und die Jungschützen zu anderen Unteroffizier-Vorschulen im Reichsgebiet versetzt.

1940 Auf Grund des 1934 Preußischen-, dann 1935 in Kraft getretende Reichsjagdgesetzes, trat ein durchgreifender Wandel in der Jagd ein. Der Abschuss von Schalenwild wurde vom Kreis Jägermeister festgelegt. Die Bestände in der Annaburger Heide stiegen auf rund 1200—1300 Stück an. Dieser Bestand war für die Landwirtschaft und auch für die Forstwirtschaft nicht mehr tragbar.

1941 Von 1941 bis April 1945 erfolgte der Schulunterricht bis zur 8. Klasse in dem Gebäude der ehemaligen Berufsschule am Markt. Das Gebäude der Sekundar-schule wird durch die Wehrmacht genutzt.

ps_201611111755471941 Ab diesem Jahr wurde die Kaserne als Kriegsgefangenen-Lager eingerichtet und anfänglich kurzzeitig als Offizierslager (OfLag) für den serbischen Generalstab genutzt. Dieser wurde aber Ende Mai 1941 verlegt, als ein größeres Kontingent indischer Soldaten hier interniert wurde. Damit wurde das Lager zum Stammlager für indische Kriegsgefangene (StaLag 4 DZ). Bis zum April 1945 befanden sich ständig ca. 1800 Inder der verschiedensten Völkerschaften (Hindus, Sikh, Gurkhas, Tamilen u.a.) im Gefangenenlager. Die Gefangenen wurden in Annaburger Betrieben, bei den Bauern der Stadt und Umgebung sowie bei wald- und Straßenarbeiten eingesetzt, um die fehlenden deutschen Arbeitskräfte zu ersetzen.

1943 Am 31. März musste das Erscheinen des Lokalblattes „Annaburger Zeitung“, vom Verleger Artur Steinbeiß kriegsbedingt nach 47 Jahren eingestellt werden (Auflage 1.800 Exemplare). Er selber wurde im April zur Wehrmacht einberufen.

1944 Errichtung des Außenlagers Annaburg des KZ Buchenwald als Barackenlager am so genannten Weißen Berg, einem flachen Sandhügel zwischen Annaburg und Pruzien am „Ziegendickicht„. Archivmaterial des KZ Buchenwald weist für Januar 1945 eine Zahl von 100 Häftlingen in Annaburg aus.

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1944 Auf dem Gelände des heutigen Sintolanwerkes Annaburg (Annaburger Porzellanfabrik) wurden die Außenproduktionsstätten der Hensel-Flugzeugwerke Berlin und der Siebel-Flugzeugwerke Halle in zwei großen Hallen mit je 1600 m² eingerichtete. Hier arbeiteten u.a. von 8.01.-16.03.1945 die KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Annaburg. Unter der harmlosen Firmenbezeichnung „Annaburger Gerätebau GmbH“ wurden Zulieferteile (Fahrgestell-, Abdeckrohre, Antriebsteile u.a.) für die Raketenwaffen V 1 und V 2 gebaut. Weiterhin sollte die Produktion von Tragflächen für Jagdflugzeuge aufgenommen werden.

1945 im Frühjahr wurde der Feldflugplatz Glücksburg hergerichtet. Er hatte die Form eines „T“. Nach Fertigstellung des Platzes schlug man Schneisen in den Wald, in denen anschließend Kampf- und Jagdflugzeuge abgestellt wurden. Am 12. April 1945 nahm das Jagdgeschwader 4 den Flugplatz in Besitz. Von hier aus starteten die Piloten zu Kampfeinsätzen in Richtung Ost- und Westfront.

1945 Im April 1945 befand sich in Annaburg der Aufstellungsraum verschiedener Wehrmachtseinheiten. Verbürgt ist das 1. Bataillon des I. Grenadierregiments der Division „Ulrich von Hutten“ die zur Armee „Wenk“ gehörte.

1945 Der Postbetrieb wird Mitte April eingestellt. Die technischen Einrichtungen werden ausgebaut und entgegen der offiziellen Weisung nicht vernichtet sondern in Verstecken eingemauert. Die Postvorsteher begab sich mit der Geldkasse auf die Flucht in Richtung Eilenburg.

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1945 Am 20. April 1945 erfolgte ein Angriff der 564. amerikanischen Bomberstaffeln der 8. Luftwaffe mit A-20s, A-26s und B-26s im Schlag auf Annaburg. Ziel war ein Schmieröltankanlage (Lufttanklager 3/III) der WiFo (Wirtschaftsforschungseinrichtung) das sich in Annaburg befand. Der Angriff erfolgte von West nach Ost, dabei wurde das Ziel leicht verfehlt und die Bomben fielen beginnend beim Lufttanklager über die Siedlung, Züllsdorfer Str. bis in die Gegend der Neuhäuser. Dabei entstanden aber keine größeren Beschädigungen außer an Wirtschaftsgebäuden und Ställen. Das war das einzige Mal wo Annaburg Ziel britisch-amerikanischer Bomberverbände wurde.

1945 Durch die herannahende Front begeben sich viele Annaburger Familien am 20.04. mit Kinder- und Handwagen auf die Flucht, kehren aber bereits kurz darauf zurück, um ihre Kleintiere zu versorgen und in der Hoffnung, dass der Krieg zu Ende geht.

ps_201610172150021945 Der Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte (Rote Armee) erfolgte in Annaburg vom 20. zum 21. April 1945 von Herzberg her kommend. Der Lehrer Alwin Jäger mit einer weißen Fahne bewaffnet, begrüßte die russischen Truppen auf dem Marktplatz. Annaburg wurde kampflos übergeben. Danach erfolgte die Beseitigung der zuvor errichteten Panzersperren in Annaburg. (dieses Datum ist sehr unwahrscheinlich, da Annaburg durch Truppen des 4. GPzK der 5.GA) aus dem Raum Schweinitz besetzt wurde und die Elsterbrücken durch die abziehenden Sicherungskräfte des dt. 48. PzK erst am 22.04. gesprengt wurden).

1945 Im April kam es zwischen Aufklärungseinheiten der Roten Armee und SS-Einheiten im Zschernik zu Kampfhandlungen, wobei das Forsthaus und einige andere Gebäude zerstört wurden. Dadurch mussten viele dort wohnende Waldarbeiter diese Siedlung verlassen. Nur zwei Häuser blieben noch bewohnt.

1945 Die Brücke in Arnsnesta wurde Mitte April zur Sprengung vorbereitet, blieb aber durch das beherzte Eingreifen des Erich Schmidt aus Arnsnester einiger-maßen intakt. In der Nacht vor der Sprengung hatte er die meisten der angebrachten Sprengladungen entfernt oder wirkungslos gemacht. Dadurch blieb die Brücke benutzbar und konnte auch bald wieder instand gesetzt werden. Die Eisenbahnbrücke in Premsendorf wurde am 22. April 1945 trotz aller Bitten des damaligen Bürgermeisters Herrn Klingner um 15.00 Uhr gesprengt. Die russischen Streitkräfte hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Holzdorf besetzt. Zum Glück war es nur eine einfache Sprengung in der Brückenmitte gewesen. Auch sie konnte bald wieder instand gesetzt und genutzt werden.

ps_201611071739051945 Am 23. April wird Jessen durch die rote Armee besetzt.

1945 am 25. April wurde mit 71 Jahren der Annaburger Heimatforschers Otto Heintze in den Kriegswirren 1945 hier in Annaburg durch sowjetische Soldaten erschossen.

1945 Bill Shank, der First Lieutenant Verbindungsoffizier bei der 104. mot. Schützenabteilung der 104. Schützendivision („Timberwolf“) der US-Armee war, trifft bei seiner Erkundungsfahrt am 26. April 1945 um 19.30 Uhr, die ihn und seine Kameraden über Pretzsch nach Annaburg führt auf russische Streitkräfte. Er traf in Annaburg mit Generalmajor Suchonow, der Kommandeur der 118. Schürzendivision, die zur 5. Gardearmee gehörte zusammen. Der Bericht des amerikanischen Offiziers macht deutlich, dass die Verbände dieser Schützendivision spätestens am 26. April den Fluss überwanden und Pretzsch und andere Orte in der Elbaue und Dübener Heide einnahmen.ps_20161120201903

1945 Die letzten schweren Kämpfe in unserem Heimatgebiet finden im Raum Wittenberg und Niemek zwischen der 12. Armee (Wenck) und der 13. Armee der 1.Ukrainischen Front (Konew) statt. Es fallen dort 1.500 sowjetische Soldaten.ps_20161121132110

1945 Am 08.05. ist der Krieg zu Ende. Die deutsche Wehrmacht kapituliert bedingungslos! An diesem Tag hat das Land 11.094.000 Kriegsgefangene zu beklagen! Der Krieg ist zu Ende und die Menschen können es kaum fassen! Angst haben sie und es breitet sich eine große Ungewissheit aus.

1945 Der Sitz der 1. russischen Kommandantur 1945 war im Textilhaus Bortfeld jetzt Becker auf den Marktplatz. Diese hatte unter anderen die Aufgabe ehemalige russische und Zivilgefangene durch Annaburg und weiter zu leiten.ps_20161111195944

 

Bernd Hopke

Annaburg©2016, aktualisiert 25.11.2016

 

Quellen:

  • Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  • Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  • Otto Heintze: „Annaburg das Städtlein an der Heide“ Geschichtlicher Rückblick, aus gebundene Beilagen der „Annaburger Zeitung“ um 1930
  • Otto Heintze „Geschichtlicher Rückblick „von 1938, privatbesitz
  • Duden, Grundwissen-Geschichte, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996
  • Annaburg, Fremdenverein »Annaburger Heide« e.V., o. J
  • Günther, L. „Von Indien nach Annaburg“, Verlag am Park
  • Redslob, B „Familienchronik des Berhardt Redslob“, Annaburg, Familienbesitz
  • Autorenkollektiv: Forsteinrichtungsbücher, Ergebnisse der Standorterkundung, Teil I u. III, Institut für Forsteinrichtung und Standortserkundung Potsdam, Falkenberg/Elster 1956
  • Erich Richter: „Die Flut kommt!“, Heimatkalender 1955, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Hans-Peter Zeilinger: „klimatischen Verhältnissen“, Heimatkalender 1957, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Erich Eichler: „Bettler – Verpflegungsstationen – Arbeitskolonien“, Heimatkalender 1958, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Otfried Lange, „Annaburger Heide“,Heimatkalender 1959, Buchdruckerei M.Biehl, Jessen
  • Paul Träger: „Vor 50ig Jahren“, Heimatkalender 1960, Buchdruckerei M.Biehl, Jessen
  • Dünnebier: „Zwingburg Lichtenburg“, Heimatkalender 1960, Buchdruckerei M.Biehl, Jessen
  • Kretzschmann: „Die Musikschule Max Rohr“, Annaburg 1994
  • Dr.Ing. Gratz: „Chronik-Düßnitz“, Eigenverlag 2000, Privatbesitz
  • Ldh. Mgdbg. Rep. A 25 a II, II Nr.890: „Aus den Paqueten ausgehobene Berichte und andere Schriften die Elb-Ufer-Baue betreff, de ao.1703 usqu. ad annum 1718“
  • Annaburger Hefte, Bücherkammer von Eberhard Förster, Hrsg. Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege Annaburg e.V. 2006
  • Wilhelm Kölling, Düßnitz:“Die letzten Elbdamnbrüche 1881 und 1890″ in: Schweinitzer Heimatkalender 1936.
  • Th. Meinhof, Seydaer Heide, Regionalverein 2006
  • Kurt Gründer, „Ausdauer 1934“ – Geschichte des Annaburger Anglersportes, Annaburg 1991 unveröffentlicht, Privatbesitz
  • Kretzschmann, „Informationen über Alt-Aannaburg“, Annaburg 2000, unveröffentlicht, Privatbesitz
  • Kretzschmann, „Wußten Sie schon?“, Annaburg 2004, Amtsblatt Annaburg 2004
  • Autorenkollektiv, Ergebnisse der Standorterkundung im staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Jessen, Erster und Dritter Hauptteil, Institut für Forsteinrichtung und Standorterkundigung Potsdam 1956
  • Friedrich Uhlig, Schneidermeister der Stadt Annaburg und ehemaliger Institutszögling, Nachrichten von 17.Juni 1841, aus dem Kirchkopf der evangelischen Stadtkirche, Annaburger ev. Kirchenarchiv
  • Friedrich Schulze, Entwicklung der Arbeiterbewegung in Annaburg, Heimatkalender 1959
  • Johann Günther Friedrich Cannabich , Lehrbuch der Geographie nach den neuesten Friedensbestimmungen, Band 1 (1832)
  • Friedrich Gottlob Leonhardi, Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich- sächsischen Lande, Band 1
  • Hermann Genth, Kampfjahre der NSDAP im Kreis Torgau; Torgau 1937
  • Kretzschmann, „Ortschronik von Annaburg“, Annaburg 1984-2008, unveröffentlicht, Privatbesitz
  • KinoWiki, Zugriff 01/2014 unter http://allekinos.pytalhost.com/kinowiki
  • Rudolf Paschke; „Geschichte der Post in Annaburg“, Eigenverlag 1997, Archivbesitz des Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg      

 

 

05.11.2016