Glossar

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Zwölf Artikel (Artikel12)

 

Zwölf Artikel der aufständischen Bauern 1525, wichtiges Dokument und weitverbreitete Flugschrift des Großen Bauernkriegs, zusammengestellt in Memmingen, enthielt unter Berufung auf das Evangelium („göttliches Recht“ = Naturrecht) die gemäßigten Forderungen der Aufständischen: Aufhebung der Leibeigenschaft, Milderung der Abgaben, gerechtes Gericht, freie Wahl der Pfarrer, Freiheit der Jagd und des Fischfangs, Rückgabe des Gemeindewalds u.a.; bis zur Niederwerfung des Aufstands wurden die Zwölf Artikel verschiedentlich verwirklicht. (WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.)

 


1859 – Mobilmachung der Landwehr  (Mob1859)

 

Ein kurzer Krieg zwischen Österreich und Frankreich wegen Sardinien führte 1859 zur vorsorglichen preußischen Mobilmachung. Obwohl die Truppen letztendlich in den Kasernen blieben, zeigte sich, dass die Mobilisierungspläne zeitlich und bezüglich der raschen Truppenverlegung unzureichend waren.

Nach sorgfältigen Ermittelungen bestand der erste Jahrgang der Landwehr ersten Aufgebots etwa zu 30 Prozent aus verheirateten Personen, der fünfte Jahrgang schon zu 46 Prozent, der siebente zu 63 Prozent, und von der Landwehr zweiten Aufgebots pflegten etwa fünf 5/6 verheiratet zu sein.

Durch die Einberufung einer so großen Anzahl von Familienvätern entstanden bei den Mobilmachungen im 1859 Missverhältnisse, indem eine große Zahl von Familien in die größte Not geriet, und die Versorgung derselben von den Kreisen getragen werden musste, in welchen dieselben ihren Wohnsitz hatten. Im Jahre 1859, wo nur 5 Armee-Corps mobil gemacht wurden, sind im Ganzen 55.277 Familien mit 262.638 Taler monatlich von den Kreisen unterstützt worden, während der durch Privatwohltätigkeit aufgebrachte Betrag noch weit größer war. Und neben jenen 55.277 Familien, welche im Jahre 1859 zum Teil aus öffentlichen Mitteln unterhalten werden mussten, befanden sich in den Bezirken der damals mobil gemachten 5 Armee-Corps eine noch größere Anzahl junger unverheirateter und völlig diensttauglicher Personen, welche sich freigelost hatten. Wie erheblich solche Missverhältnisse waren, leuchtet wohl Jedem ein.

Mit der preußischen Heeresreform nach 1859 wurde dann die allgemeine Wehrpflicht eingeführt und ein freikaufen bzw. „Stellvertreterdienst“ war nicht mehr möglich.

    • (Preußische Amtspresse, No. 7. Provinzial-Correspondenz. Zweiter Jahrgang. 17.02.1864.;
    • http://www.pionierkameradschaft-holzminden.de/seiten/geschichte1.1 Zugriff 06/2008;
    • Karl Marx, Friedrich Engels Gesamtausgabe, Akademie Verlag, Veröffentlicht 2003)

 


Wetterlage 5b – Mittelmeertief  (Wetterlage5b)

 

Ein Mittelmeertief ist ein Tiefdruckgebiet im Mittelmeerraum. Je nach Lage des Kerns wird es auch Balearentief, Genuatief oder Adriatief genannt.

Eine Vb-Wetterlage (gesprochen: „Fünf-B-Wetterlage“, V = römisch 5) ist gekennzeichnet durch die Zugbahn eines Tiefdruckgebietes von Italien über die Poebene oder Nordadria hinweg nordostwärts. Die als „Vb“ bekannte Zugbahn wurde von Wilhelm Jacob van Bebber 1891 deklariert und mit dieser Notation in das System der Großwetterlagen integriert. Der Begriff der Vb-Großwetterlage wird heute noch verwendet, weil die modernere deutsche Großwettertypologie nach Hess/Brezowsky die Aktionszentren des Mittelmeerraumes unzulänglich berücksichtigt.

Mit Va wurde nach Bebber die Zugbahn Biskaya–Spanien/Frankreich–Ligurien bezeichnet. Eine Vc-Wetterlage entspricht einem Adriatief, das nach Osten Richtung Balkan abzieht und dort zu einem Balkantief wird. Eine Vd-Wetterlage bezeichnet ein nach Südosten abziehendes System. Die Bezeichnungen Va, Vc und Vd sind in der heutigen Meteorologie allerdings nicht mehr gebräuchlich.

Das Vb/a-Tief entsteht durch einen Kaltluftvorstoß über Frankreich in das westliche Mittelmeer, häufig in Verbindung mit einer Nordwestwetterlage, mit Bildung eines Tiefs im westlichen Mittelmeerraum, oder durch einen von England oder der Biskaya (Biscayatief) über Frankreich südwärts geschobenen Tiefkern (Va), der südlich der Alpen weiterzieht.

Liegt der Aktionskern über dem Mittelmeerraum, gleiten die dortigen feuchtwarmen oder über der Sahara überhitzten Luftmassen auf der (östlichen) Vorderseite des Tiefdruckgebietes auf die in Zentraleuropa der nördlicheren Zonen am Boden liegende Kaltluft auf (Aufgleiten von Südost), weil eine südliche Strömung mit hohen Lufttemperaturen viel Feuchtigkeit transportieren kann. Das führt zu teils langanhaltenden Niederschlagsphasen, die in Staubereichen an den Alpen und höheren Mittelgebirgen auch recht ergiebig sein können (Stauniederschläge) und Hochwässer oder abnorme Schneemengen mit Lawinengefahr verursachen. Im Raum des östlichen Mittelmeeres wird trockene, warme Saharaluft gegen Südosteuropa gesteuert und führt dort zu übersteigerter Wärme, das Windereignis wird Scirocco (Jugo) genannt: Vor der Frontlinie des heranziehenden Mittelmeertiefs können sich Saharastaub-Ereignisse bis auf Mitteleuropa ausweiten. Nördlich der Alpen begleiten abnormale Föhnereignisse die Mittelmeertiefs, wenn die Niederschläge an der Alpensüdseite abregnen.

Besonders die Endphasen der Vb/c-Lagen pumpen über längeren Zeitraum große Feuchtigkeitsmengen nach Mitteleuropa:

Osteuropatief: Bei der Vb-Trajektorie handelt es sich um die einzige Zugbahn von Südwest nach Nordost über Mitteleuropa, sie führt typischerweise zu schweren Stauniederschlägen an Ostalpen, Karpaten und Erzgebirge und Überschwemmungen in den Einzugsgebieten von Donau, Elbe und auch Rhein.

 

Magdalenenhochwasser

 

Das Magdalenenhochwasser war eine verheerende Überschwemmungskatastrophe, die im Juli 1342 das Umland zahlreicher Flüsse Mitteleuropas heimsuchte. Die Bezeichnung geht auf die damals übliche Benennung der Tage nach dem Heiligenkalender zurück, hier auf den St.-Magdalenentag am 22. Juli. Bei diesem Ereignis wurden an vielen Flüssen die höchsten jemals registrierten Wasserstände erreicht. Möglicherweise handelt es sich um das schlimmste Hochwasser des gesamten 2. Jahrtausends im mitteleuropäischen Binnenland.

Betroffen waren unter anderem Rhein, Main, Donau, Mosel, Moldau, Elbe, Weser, Werra und Unstrut. Das Hochwasser wird in den Chroniken zahlreicher Städte erwähnt, so in Würzburg, Frankfurt am Main, Mainz, Köln, Regensburg, Passau und Wien. Fast alle Brücken wurden damals zerstört, Flussläufe änderten sich. In Bamberg riss die Regnitz eine „Brücke mit Turm“ ein. Im Solling wurde das Dorf Winnefeld zerstört.

Die topographischen Konsequenzen des Hochwassers können heute noch nachgewiesen werden. Die Masse des erodierten Bodenmaterials betrug ca. 13 Milliarden Tonnen. Das entspricht etwa der Menge, die bei normalen Wetterbedingungen in 2000 Jahren verloren geht.

 

 


Abendmahlstreit

 

Abendmahlsstreit: besonders in der Zeit der Reformation geführte Auseinandersetzung um das rechte Verständnis des Abendmahls, v.a. zwischen LUTHER, der in Brot und Wem den Leib und das Blut CHRISTI gegenwärtig sah, und ZWINGLI, der in Brot und Wein nur Symbole erblickte. Der Abendmahlsstreit war eine wichtige Ursache für die Auseinanderentwicklung der protestantischen Bekenntnisrichtungen.

(241 Stichwörter aus dem „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)

 

 


Ablass   (Ablass)

 

Ablass (Indulgenz, lateinisch indulgentia, veraltet auch römische Gnade) ist ein Begriff aus der römisch-katholischen Theologie und bezeichnet einen von der Kirche geregelten Gnadenakt, durch den nach kirchlicher Lehre zeitliche Sündenstrafen erlassen (nicht dagegen die Sünden selbst vergeben) werden.

Um einen Ablass zu gewinnen, müssen Katholiken meist ein bestimmtes frommes Werk (z. B. Wallfahrt, Kirchen- oder Friedhofsbesuch, besonderes Gebet) in angemessener Disposition vollbringen. Deshalb gehört zu den Voraussetzungen für die Ablassgewinnung die sakramentale Beichte, der Empfang der heiligen Kommunion und das Gebet in der Meinung (das heißt, in den Anliegen) des Heiligen Vaters. Ablässe kann der Gläubige nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Seelenheil eines Verstorbenen gewinnen. Die Gewinnung eines Ablasses kann von der zuständigen kirchlichen Behörde in einem so genannten Ablassbrief bestätigt werden.

Der Handel mit sogenannten Almosenablässen, für deren Gewinnung als Ablasswerk ein Geldbetrag gespendet werden musste, war ein besonders in der Renaissancezeit verbreiteter Missbrauch. Er gilt als Anlass für den Thesenanschlag Martin Luthers und als ein Auslöser der Reformation in Deutschland. Mit Einkünften aus dem Ablasshandel hatten einige Päpste beträchtliche Geldsummen aus ganz Europa nach Rom gelenkt, die unter anderem für den Bau des Petersdoms verwendet wurden. Albrecht von Brandenburg, Bischof von Magdeburg, Halberstadt und Mainz, hatte mit dem Papst einen Ablasshandel durch den Dominikaner Johann Tetzel in Gang gesetzt. Albrecht, der sich vom Papst mehrere Bistümer hatte verleihen lassen, musste hohe Gebühren für diesen Verstoß gegen die Bestimmungen des Kanonischen Rechts zahlen. Albrechts Provisionen aus dem Ablasshandel sollten dazu dienen, seine Schulden beim Bankhaus Fugger in Augsburg abzutragen, der Rest sollte bestimmungsgemäß nach Rom gehen.

Ablasshandel ist in der römisch-katholischen Kirche seit 1562 verboten und seit 1567 mit der Strafe der Exkommunikation belegt.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Ablass)

 

 


Ablösungsgesetz 1821 (Abloesungsgesetz1821)

 

Ablösungsgesetz 1821: Betrifft Bauern mit guten Besitzrechten schon vor 1807 (v.a. Erbzinsrecht) u. sämtliche Besitzklassen, betrifft rund 80% des Landes in Ostelbien. Fakultativ Landabgabe oder Zahlung des 25fachen Jahresertrags.

(Prof. Dr. Ulrich Pfister: „Bäuerliche Gesellschaft – Landwirtschaft: Agrargeschichte im Überblick, 16.-20. Jahrhundert“, Wintersemester 1996/97)

 

 


Acht und Bann  (AchtundBann)

 

Acht: Form der (weltlichen) Strafe, die bei dem nur unzulänglich ausgebildeten Justiz- und Vollstreckungswesen in den frühen deutschen Gemeinwesen die Mitwirkung der ganzen Rechtsgemeinschaft, d. h. aller Einwohner eines Gebiets, erforderte. Das Verhängen der Acht bewirkte die Recht- und Friedlosigkeit des Geächteten innerhalb des Gebietes des aussprechenden Gerichts – bei der Reichsacht im ganzen Reich -, die Isolierung des Geächteten von der menschlichen Gemeinschaft (Verbot jeder Art von Unterstützung einschließlich Obdachgewährung für den Geächteten; wer das Verbot missachtete, verfiel ebenfalls der Acht), die Zerstörung, später die Beschlagnahmung (Fronung) seines Besitzes. Jeder hatte das Recht, den Geächteten straflos zu töten. Achtgründe waren insbesondere der Bruch des Landfriedens, die Nichtbefolgung gerichtlicher Ladungen oder nach Fällung eines Urteils die Weigerung, ein Sühneversprechen abzugeben. Dem Geächteten verblieb eine Frist von »Jahr und Tag«, sich aus der Acht zu lösen (z.B. indem er sich freiwillig dem Gericht stellte), andernfalls verfiel er der Oberacht (Aberacht), von der eine Lösung nicht mehr möglich war. Seit 1220 war die Reichsacht zudem Folge des Kirchenbanns (Bann); der Exkommunizierte wurde »in Acht und Bann getan«.

Bann: Besserungsstrafe der katholischen Kirche; der kleine Bann schloss von den Sakramenten und Kirchenämtern aus, der große Bann zog die Exkommunikation, den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen, nach sich und hatte seit 1220 auch die Reichsacht (Acht) zur Folge.

(Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)

 

 


Ackerbau, vorindustrieller  (Ackerbau)

 

Ackerbau (mhd. ackerganc; zu mhd. acker, ahd. ackar, eigtl. = Viehweide). Unter Ackerbau soll hier nur der Anbau von Kulturpflanzen zur Nahrungsgewinnung verstanden sein. Die fundamentale Technik beim Ackerbau war das Pflügen. Hierfür stand im anfangs mit der Ostsiedelung nur der primitive hölzerne Hakenpflug mit eisernem Pflugmesser zur Verfügung. Damit konnte der Boden lediglich gelockert und zerkrümelt werden. Vom 13. Jh. an löste der Wendepflug den Hakenpflug ab. Gezogen wurde er meist von Ochsen, seltener von Pferden. Ochsengespanne waren mit dem hölzernen Joch angespannt, das auf Hörnern und Stirnbein oder auf dem Nacken der Tiere lastete. Pferde wurden am Hals angeschirrt, wodurch die Atmung behindert und die Leistung gemindert wurde. Vom 10. Jh. an verbesserte die Einführung des Kummets die Zugleistung erheblich. Das Pflügen erforderte mindestens zwei Arbeitskräfte: den Pflüger, der den Pflug lenkte und in den Boden stemmte und den Treiber, der die Zugtiere führte.

Waren die Äcker umgebrochen und geeggt, gegebenenfalls noch gejätet und Steine ausgelesen, konnte das Säen beginnen (s. Saat). Säer und Säerinnen streuten das Saatgut aus dem Sätuch oder dem umgeschlagenen Obergewand mit weit ausholender Armbewegung über die Furchen; die Arbeitsweise war rhythmisch: beim Vorführen des linken Fußes wurde eine Handvoll Saatgut aufgenommen, beim Vorführen des rechten Fußes wurden die Körner ausgestreut. Nach der Saat drohten Krähen, Tauben und andere Vögel das Saatgut aufzupicken; daher wurden frisch gesäte Felder noch einmal geeggt. Zudem scheuchten Kinder die Vögel mit Steinwürfen, Schleudern und Pfeilschüssen. Während des Wachstums musste das Unkraut durch Jäten niedergehalten werden. – Erbsen und Bohnen wurden in mühsamer Arbeit in Löcher gesät, die mit einem spitzen Stab gemacht worden waren.

Das reife Getreide wurde mit der Sichel auf halben Halm geschnitten. Erst mit dem Aufkommen der Sense im Hochmittelalter konnte auch auf ganzem Halm geerntet werden. Außer Getreide brachte die Ackerwirtschaft noch Rüben, Ackerbohnen, Buchweizen, Erbsen, Linsen, Flachs, Hanf und Farbpflanzen (s. Waid, Krapp u.a.).

(Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ackerbau; Zugriff 11/2008)

 

 


Adel  (Adel)

 

Adel: in zahlreichen Kulturen und Epochen vorkommende Sonderung einzelner Familien von der Gesamtbevölkerung, die aufgrund von Geburt, Besitz oder Leistung eine besondere soziale Stellung einnehmen und ein eigenes Standesbewusstsein (Adelsbewusstsein) ausbilden.

Im gesamten abendländisch-europäischen Bereich ist der ADEL ein bestimmender Faktor der Sozialgeschichte. Bereits in der griechischen Polis übten Adelsgeschlechter maßgeblichen politischen Einfluss aus. Ebenso nahm der Amtsadel der römischen Republik (Mobilität, Optimalen) eine zentrale Führungsrolle ein. Im Mittelalter bildete der ADEL die eigentlich bestimmende Schicht. Zur Entstehung des mittelalterlichen ADEL gibt es in der historischen Wissenschaft zwei Theorien: Zum einen sollen die Wurzeln bis in die Zeit der Völkerwanderung zurückreichen, als von einzelnen bevorzugten (da bereits bewährten) Kriegerfamilien die Heerführer gestellt wurden, die auch nach der Niederlassung in den neuen Siedlungsgebieten ihre Vorrechte beibehielten und damit über so genannte autonome Adelsrechte verfügten; zum andern wird der Ursprung des ADEL insofern mit dem Königtum verknüpft, als einzelne Gruppen im Königsdienst aufstiegen und erst vom Königtum ihre Privilegien erhielten (auch Dienstadel). Welcher der beiden Theorien der Vorzug zu geben ist oder wieweit sich beide Ansätze ergänzen, ist schwer zu entscheiden, da die Existenz einer Adelsschicht in vorfränkischer Zeit quellenmäßig nicht fassbar ist. Erst im Fränkischen Reich trat der ADEL zusammen mit dem König, den er vielfach aus seinen eigenen Reihen erhob, als Inhaber des Herrschafts- und Verwaltungsmonopols auf. In der Karolingerzeit kam es bereits zu einer Untergliederung des Adelsstandes, der fortan durch verschiedene (soziale) Abstufungen geprägt blieb. Im mittelalterlichen Lehnswesen wurde der niedere dem Hochadel nachgeordnet. Die Abgrenzung des ADEL nach unten blieb jedoch in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft (Feudalismus) fließend, sodass seit dem 12./13. Jh. zahlreiche Unfreie als Ministeriale in den Adelsstand gelangten. Dieser Aufstieg wurde durch den Waffendienst ermöglicht, der zunächst adliges Vorrecht war und die mittelalterliche Adelskultur entscheidend prägte; dadurch blieb dem ADEL ein gewichtiger Einfluss auf die Kriegführung erhalten. Zudem förderte er, besonders in der Blütezeit der ritterlichen Adelskultur im 12./13. Jh., nachhaltig das kulturelle Leben, besonders Kunst und Literatur, und nahm Anteil an der traditionellen kirchlichen Bildung. Die Vorherrschaft des ADEL wurde im spätmittelalterlichen Europa zunehmend beschnitten, wirtschaftlich durch das aufsteigende Stadtbürgertum, politisch durch das erstarkende Königtum, das den ADEL bei unangetasteter sozialer Bevorrechtung nur noch als Ausführungsorgan (Dienstfunktionen in Armee und Verwaltung) in sein monarchisches System einbaute (auch Absolutismus). Regionale Entwicklungen: Während in den westeuropäischen Ländern (Frankreich, England, Spanien) diese Entwicklung parallel zur Ausbildung eines einheitlichen Nationalstaats verlief, verstärkte sich in Deutschland (ebenso in Italien) aufgrund des Fehlens einer durchsetzungsfähigen Zentralgewalt die territoriale Aufsplitterung. Der Hochadel errang nach und nach die territoriale Landeshoheit, zunächst gegen den Widerstand des landständischen niederen ADEL und der aus den Reichsministerialen hervorgegangenen Reichsritterschaft. Erst danach setzte auch in Deutschland in den einzelnen Territorien die frühmoderne Staatsbildung im Sinne eines zentralistisch organisierten Beamtenstaats ein. Die Reichsritterschaft vermochte unter dem Schutz des Reichsrechts ihre Sonderstellung und Aufstiegschancen in den geistlichen Fürstenstand zu wahren. Der niedere ADEL wurde landsässig (d.h., er unterstand dem Landesherrn). Eine Wende in der Geschichte des mittel- und westeuropäischen ADEL (mit Ausnahme Großbritanniens) bedeutete die Französische Revolution, die zunächst in Frankreich zur Aufhebung der adligen Vorrechte und zu einer gewaltsamen Dezimierung der Mitglieder des Adelsstands führte. In Deutschland setzte die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation 1803-06 eine Zäsur (auch Reichsdeputationshauptschluss, Rheinbundsakte): Mit der Säkularisation der geistlichen Fürstentümer wurde der Reichsritterschaft zunächst die politisch-wirtschaftliche Grundlage entzogen und 1806 bzw. 1815 wurde sie aller politischen Vorrechte enthoben. 1806 bis 1813 wurden zudem alle jene reichsständischen Geschlechter mediatisiert (Mediatisierung), die sich nicht, wie v.a. die Rheinbundfürsten, in selbst zugestandener Souveränität nach dem Austritt aus dem Reichsverband behaupten konnten. Als Standesherren blieben ihnen 1815 bis 1918 die Rechtsstellung als Mitglieder des Hochadels sowie persönliche Vorrechte erhalten. Trotz weitgehender Beseitigung der Privilegien und Einebnung der ständisch gegliederten Gesellschaft konnte der ADEL gerade im kaiserlichen Deutschland seine gesellschaftliche Vorrangstellung wahren und sich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Führungsschicht behaupten. 1918 wurden die bis dahin noch bestehenden Vorrechte des ADEL abgeschafft.

(„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)

 

 


Adjutant  (Adjutant)

 

Der Adjutant ist ein dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung beigegebener Offizier. Das Wort Adjutant stammt vom lateinischen adiuvare, helfen, unterstützen ab und bedeutet so viel wie Gehilfe. Es bezeichnet zunächst eine militärische Dienststellung, aber auch einen Dienstgrad.

Die Bezeichnung wurde zunächst in Frankreich für die Gehilfen des Majors benutzt. Von hier gelangte das Wort auch in die deutsche Militärsprache.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Adjutant)

 

 


Advokat  (Advokat)

 

Advokat (lateinisch advocatus ‚der Herbeigerufene‘) ist eine Bezeichnung für einen Rechtsanwalt, die heute in Österreich und Deutschland veraltet ist, nur noch bildungs- oder aber umgangssprachlich und/oder mit abschätziger Bedeutung (Winkeladvokat) verwendet wird, im schweizerischen Rechtsraum aber die gleiche Bedeutung wie Rechtsanwalt hat. Im übertragenen Sinn wird auch ein Fürsprecher einer Sache damit bezeichnet.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Advokat)

 

 


Aktuarius, Kopist   (Aktuarius)

 

Der Aktuarius ist eigentlich ein Schreiber, aber ein unter öffentlicher Autorität zur Niederschrift des Verhandelten und zur Aufsicht über die daraus entstandenen Akten eidlich verpflichteter Rechtsverständiger.

 

 


Alchemie  (Alchemie)

 

Alchemie (arabisch) auch: Alchimie; darunter ist die mittelalterliche Chemie, Lehre von der Stoffumwandlung (insbesondere zu Gold) zu verstehen.

In der Antike: Die Alchemie wurde als wissenschaftliche „Chemie“ in der Antike von den Ägyptern (die ihr Land Kemi, „schwarze Erde“, nannten) begründet. Die Griechen beschäftigten sich mit der Chemie mehr philosophisch-spekulativ als naturwissenschaftlich-experimentell. Erst die Araber griffen die Wissenschaft wieder auf, bauten sie aus und übermittelten ihre Kenntnisse als „al Kemia“ („die Chemie“) dem Abendland, doch blieben sie weit entfernt von einer zutreffenden Einsicht in das Wesen der chemischen Vorgänge. Ihre Überzeugung, dass Metalle ineinander umgesetzt werden können, übernahmen die abendländischen Alchemisten (daher Alchemie = Metallscheidekunst).

Im Mittelalter: Trotz dieses Irrtums blieb die Alchemie in ihren Grundlagen wissenschaftlich, bis sie bei Ausgang des Mittelalters mystisch-theosophische Züge annahm und sich in eine Geheimwissenschaft verwandelte. Ziel der Alchemie war es, den „Stein der Weisen“ zu finden, mit dessen Hilfe unedle Metalle sich vermeintlich in Gold verwandeln und sich Krankheiten heilen lassen. Selbst bedeutende Gelehrte glaubten noch bis ins 17. Jh. hinein an den Stein der Weisen und das Walten überirdischer Kräfte in den chemischen Vorgängen. Erst allmählich wurde der Unterschied zwischen berufsmäßigen Goldmachern und Forschern begriffen: Seit Boyle um 1750 die moderne Chemie begründet hatte, erhielt das Wort Alchemie die geringschätzige Bedeutung, die es heute hat.

Solange diese Unterscheidung nicht bestand, besaßen gerade die fantasievollsten Alchemisten hohes Ansehen. Der alchemistischen Pseudowissenschaft ist unter anderem die (zufällige) Erfindung des Porzellans (Böttcher) und die Entdeckung des Phosphors (Kunkel) zu verdanken.

(WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.)

 

 


Amt  (Amt)

 

Amt: 1) ursprünglich Bezeichnung für den mit einem Lehen (Lehnswesen) verbundenen Dienst von Freien oder Unfreien (Ministerialen) im Gefolge eines Herrn. Da sich im Mittelalter die Erblichkeit der Lehen und der mit ihnen verbundenen Ämter bei Hof durchgesetzt hatte, schufen die Landesherren zur Verwaltung ihrer sich ausbildenden Territorien unter Umgehung der alten Hofämter einen neuen Typ des Amtsträgers, den fest besoldeten und daher absetzbaren Beamten.

Amt: 2) seit dem Spätmittelalter Bezeichnung für einen räumlichen Verwaltungsbezirk des entstehenden Territorialstaats. An der Spitze eines Amtes stand ein Amtmann, der zunächst sein Amt vom Landesherrn in Form eines Lehens empfing, später auch aus der neu entstehenden Verwaltungsbeamtenschaft genommen wurde.

(„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)

 


Amt Annaburg     (AmtAnnaburg/AmtLochau)

Das Amt Annaburg war eine Verwaltungseinheit des 1806 in ein Königreich umgewandelten Kurfürstentums Sachsen und war dem Kurkreis angegliedert.

Bis zur Abtretung an Preußen 1815 bildete es als sächsisches Amt den räumlichen Bezugspunkt für die Einforderung landesherrlicher Abgaben und Frondienste, für Polizei, Rechtsprechung und Heeresfolge.

Geographische Ausdehnung

Den zentralen Teil des Amts Annaburg nahm die Annaburger Heide ein. Während sich der Amtssitz Annaburg im Nordwesten des Amts befand, lagen die meisten zum Amt gehörigen Orte am Ostrand bzw. am Südwestrand des Amtsgebiets. Die Schwarze Elster tangierte das Territorium im Nordosten. Im Südwesten bildete die Elbe die Grenze des Amts. Der größte Teil des Amtsgebiets mit der Stadt Annaburg und der Annaburger Heide liegt heute im Land Sachsen-Anhalt. Der östliche Rand mit den Amtsdörfern gehört heute zum Land Brandenburg. Die Orte am südlichen Rand an der Elbe nördlich von Torgau befinden sich heute im Freistaat Sachsen (Umgebung von Rosenfeld und Döhlen).

Angrenzende Verwaltungseinheiten

Das Amt Annaburg grenzte östlich an die Ämter Liebenwerda und Schweinitz, südlich an die Ämter Mühlberg, Schweinitz und Torgau, westlich und nördlich war es fast vollständig vom Amt Schweinitz umgeben, lediglich bei Döhlen grenzte ein kleiner Teil an das Amt Torgau.

Amt Schweinitz Amt Schlieben

Amt Schweinitz Nachbargemeinden Amt Schweinitz (Exklave Herzberg)

Amt Torgau Amt Schweinitz (Exklaven) Amt Liebenwerda

Geschichte

Das Amt Lochau (Lochaw)

Das Amt Lochau war ein Teil des askanischen Herzogtums Sachsen-Wittenberg und gelangte 1423 mit diesem an die Wettiner. Hier wurde es ein Teil des Kurkreises, dessen Sitz Wittenberg war.

Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt wie das gesamte Herzogtum Sachsen-Wittenberg zur ernestinischen Linie der Wettiner. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 (Wittenberger Kapitulation) war es im Besitz der Albertiner. Auf Befehl des Kurfürsten Moritz von Sachsen wurde 1550 erstmals ein Erbbuch des Amtes Lochau angelegt.

Amt Annaburg   (AmtAnnaburg; AmtLochau)

Der Name des Amtes Annaburg lautete bis 1572 Amt Lochau. Erst nachdem der Ort Lochau beim Neubau des Jagdschlosses nach Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585), der Ehefrau des Kurfürsten August von Sachsen, in Annaburg umbenannt wurde, erfolgte 1573 auch die Umbenennung des Amtes.

Annaburg war bis zur Übernahme durch das Königreich Preußen Sitz einer Oberforst- und Wildmeisterei, die die Ämter Annaburg, Schlieben, Schweinitz und Seyda sowie ab 1796 auch die Ämter Dahme und Jüterbog des Fürstentums Querfurt in Forst- und Jagdangelegenheiten betreute.

In Folge der Niederlage des Königreichs Sachsen wurden auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 Gebietsabtretungen an das Königreich Preußen beschlossen, was u.a. den gesamten Kurkreis mit seinen Ämtern betraf. Das Amt Annaburg wurde folgendermaßen auf die neu gebildeten Kreise der preußischen Provinz Sachsen aufgeteilt: die Stadt Annaburg mit der Annaburger Heide und den südwestlichen Orten an der Elbe wurden dem Kreis Torgau angegliedert. Die Orte im Osten des Amts kamen an den Kreis Schweinitz.

Bestandteile
Städte (Städtlein)        
Annaburg (bis 1572 Lochau)

Amtsdörfer                 
Arnsnesta
Beyern
Buckau (bis 1680)
Döbrichau (bis 1660)
Fermerswalde (im 16. Jh. nur ein Vorwerk)
Frauenhorst
Kähnitzsch (ein geringer Teil der Einwohner unterstand dem Amt Schweinitz)
Lebien (ein geringer Teil der Einwohner unterstand dem Amt Schweinitz)
Löhsten (bis 1659, danach Amt Schweinitz)
Mahdel
Neubläsern
Purzien
Rahnisdorf (bis 1680)
Rosenfeld
Züllsdorf

Rittergüter                  
Rahnisdorf mit Buckau

Vorwerke                    
Annaburg
Döhlen (de facto jedoch zum Amt Prettin)

Andere                        
einige Einwohner in verschiedenen Orten der Ämter Schweinitz und Liebenwerda
einige Einwohner im Dorf Zeckritz (Amt Torgau)
der Walddistrikt Zschernick

Wassermühlen im Amt           
Annaburg am Neugraben
Elstermühle Arnsnesta
Gerbismühle am Neugraben
Elstermühle Grochwitz (der Ort lag jedoch im Amt Schweinitz) an den Schwarzen Elster
Elstermühle Löben (der Ort lag jedoch im Amt Schweinitz) an den Schwarzen Elster
Heidemühle Zschernick

Windmühlen im Amt               
Beyern
Döbrichau
Rahnisdorf
Rosenfeld
Züllsdorf

 (https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Annaburg)

 


Annaburger Maurer (AnnaburgerMauerer)

 

Annaburger Maurer- und Zimmerleute – Vorkämpfer für den Sozialstaat Deutschland

Nachdem die napoleonischen Truppen aus Preußen vertrieben wurden, nutzten viele Annaburger Maurer- und Zimmerleute die Gelegenheit, sich am Aufbau der Hauptstadt Berlin zu beteiligen. Die Wege dorthin waren beschwerlich, zum Teil lief man auf Schuster’s Rappen oder man benutzte bis zum Bau der Eisenbahn eingesetzte Pferdebahnen. An der 1848er Revolution in Berlin waren auch Annaburger Maurer- und Zimmerleute beteiligt. Sie war der Anstoß für die Gründung der Maurer- und Zimmererkrankenkasse in Annaburg. Damit sollte die Sozialabsicherung der Familien im Krankheitsfall geschaffen werden.

Gründungsmitglied 1848 waren die Maurer Bischof, Kettlitz und Hermsdorf. Jeder zahlte einen bestimmten Betrag ein, der dann im Krankheitsfall an die Betreffenden ausgezahlt wurde.

Nachdem die Eisenbannstrecke Falkenberg – Holzdorf – Jüterbog- Berlin 1848 in Betrieb genommen wurde, gingen viele Maurer- und Zimmerleute aus Annaburg und Umgebung ihrer Beschäftigung in Berlin nach, da nach den Gründerjahren 1871 bis 1914 ein gewaltiger Bauboom für Arbeitsplätze in diesen Gewerken vorhanden war. Als Abfahrtsbahnhof wurde der Bahnhof Holzdorf benutzt, da die Kosten für eine Eisenbahnfahrt nach Berlin über Wittenberg 2,00 Reichsmark teurer war. Der Landwirt Ziege nutzte diese Situation, um den Transport der Leute von Annaburg nach Holzdorf mit 2 Leiterwagen durchzuführen.

Fahrtkosten pro Person 30 Pfennig. Um das Geld einzusparen, nutzten einige die Gelegenheit, um zu Fuß den Weg nach Holzdorf anzutreten. Anfahrt war Sonntagnachmittag 16.00 Uhr, freitags kamen „die Berliner“ von ihrer Arbeit zurück. Die Arbeitszeit betrug damals 14 Stunden pro Tag bei einer 5-Tagewoche.

1896 soll, Hermann Fichte, auf einem Schimmel durch Berlin geritten sein mit einer Lampe in der Hand und einem umgehängten Schild, auf dem zu lesen war: „Wir suchen den 8-Stunden-Tag!

1898 feierte die Annaburger Maurer- und Zimmererkrankenkasse ihr 50-jähriges Bestehen. Vereinslokal war die Fleischerei- und Gastwirtschaft Hamann in der Holzdorfer Straße. Hermann Fichte, war von 1890 bis 1910 Vorsitzender dieser Krankenkasse.

Da in Berlin in den Gründerjahren gutes Geld verdient wurde, war es möglich, dass ein großer Teil der Häuser in den Neuhäusern (Niedere Straße, Hohe Straße, Holzdorfer Straße und Planweg) von Berliner Maurern und Zimmerleuten, die in Annaburg wohnten, gebaut werden konnten.

1895 erfolgte die Eingemeindung des Ortsteils Neuhäuser nach Annaburg.

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Annaburger Maurer- und Zimmererkrankenkasse aufgelöst und in das soziale Sicherungssystem des Staates übernommen. Letzter Finanzbearbeiter war Herr Walter Schmidt.

Damit ging das soziale Sicherungssystem der Annaburger Maurer- und Zimmererleute zu Ende.

(Rudolf Bleistein;  Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Annaburg – Prettin Nr. 2 vom 08.02.2005)

 

 


Anspänner  (Anspaenner)

 

In Sachsen war ein Anspänner, ein Bauer, der Zugvieh halten kann, und damit die Frohndienste verrichtet, im Gegensatze der Kothsassen, Hintersassen oder Handfröhner, welche so wenig Land haben, daß sie kein Zugvieh darauf halten können, und daher mit der Hand fröhnen müssen. (http://www.enzyklo.de/lokal/40138)

 

 


Antoniter-Orden  (Antoniterorden)

 

Der Antoniter-Orden (Canonici Regulares Sancti Antonii, Ordenskürzel: CRSAnt); auch Antoniusorden, Antonier, Antoniterorden oder Antonianer) war ein christlicher Hospital-Orden.

Der Orden wurde 1095 als Laienbruderschaft in St-Didier-de-la-Motte in der Dauphiné in Südfrankreich gegründet und von Papst Urban II. im gleichen Jahr bestätigt. Er ist nach Antonius dem Großen (251? – 356) benannt, dem ersten christlichen Mönch. Die Aufgabe des Ordens war die Pflege und Behandlung am Antoniusfeuer Erkrankter, einer im Mittelalter in Europa weit verbreiteten Krankheit.

Das Stammkloster des Ordens befindet sich in St. Antoine (Dept. Isère, Frankreich). Dort soll der französische Adlige Gaston den Orden als Dank für die Heilung seines Sohnes vom Antoniusfeuer mit Hilfe der dort befindlichen wundertätigen Reliquien des Heiligen Antonius gestiftet haben. Ursprünglich der Pflege von heimkehrenden Pilgern gewidmet, konzentrierte sich die Tätigkeit der Antoniter ab 1217 vor allem der Krankenpflege.

Ab 1247 lebten die Brüder nach den Ordensregeln des hl. Augustinus, und 1298 wurde die Bruderschaft von Papst Bonifatius VIII. in einen Chorherrenorden umgewandelt. Durch seine Erfolge bei der Heilung des Antoniusfeuers breitete sich der Orden in den Folgejahren über Frankreich hinaus aus. Im 15. Jahrhundert unterhielten die Antoniter annähernd 370 Spitale in ganz Europa.

Eines davon war zu dieser Zeit das Antoniterkloster in der Lichtenbergk (Lichtenburg) bei Prettin.

Der Orden lebte hauptsächlich von Stiftungen und Spenden, doch in Folge der Reformation gingen die Geldmittel stark zurück. Mit der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen mit Mutterkornpilz befallenem Getreide und Antoniusfeuer sank auch die Zahl der Erkrankungen merklich. Infolge dieser Entwicklungen ging die Bedeutung des Ordens stark zurück. Durch päpstliches Dekret wurden die letzten 33 in Deutschland noch verbliebenen Häuser 1777 in den Malteserorden inkorporiert. Nur die Klöster in Köln und Höchst entzogen sich dem Dekret und wurden beide 1803 säkularisiert.

Das Ordensgewand der Antoniter war ein schwarzes Chorkleid, darüber ein schwarzer Mantel mit hellblauem T-Kreuz.

Eine der ersten Niederlassungen der Antoniter im Reich war 1214 Memmingen (hier befindet sich auch heute ein Museum zu der entsprechenden Historie), weitere 41 Häuser folgten. Darunter waren die Klöster in:

      • um 1190 Roßdorf, seit 1441 in Höchst am Main (Justinuskirche, Antoniterkloster Höchst)
      • 1193 Grünberg (Hessen), Antoniterkloster Grünberg,
      • 1222 Tempzin in Mecklenburg (Tochtergründung von Grünberg)
      • Isenheim
      • um 1280 Bern, Haus Bern
      • um 1290 Freiburg im Breisgau
      • 1315 Prettin, Haus Lichtenbergk
      • 1384 Köln, Antoniterkirche (Köln)
      • Antoniterkapelle (Mainz)
      • 1391 Mohrkirch, Schleswig-Holstein (Tochtergründung von Tempzin )
      • 1393 Nördlingen, Antoniterkloster Nördlingen
      • 1434 Würzburg, Antoniterkloster Würzburg
      • 1444 Regensburg
      • 1454 Bamberg, Antoniterkloster Bamberg
      • 1456 Nimburg
      • 1492/93 Arolsen, Kloster Aroldessen

Heute ist vor allem das Antoniterschwein bekannt. Die Antoniter bekamen von der Bevölkerung Ferkel geschenkt, welchen sie eine Glocke umhängten und in ihre Bettelgebiete brachten. Dort wurden sie von der Bevölkerung über das Jahr hinweg gefüttert. Im Herbst kamen die Antoniter, um die Schweine, welche bis dahin schlachtreif waren, wieder abzuholen und um sie für das Kloster zu schlachten.

(Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

 

 


Apotheke  (griechisch „Speicher“)  (Apotheke)

 

Als Apotheke wird eine Zubereitungs- und Verkaufsstelle für Medikamente, besonders für solche, die der Rezeptpflicht (heute) unterliegen, genannt. Eine Apotheke darf nur ein zugelassener Apotheker betreiben. Die Ursprünge der Apotheke lassen sich in Europa bis ins Mittelalter (12. Jh.) zurückverfolgen. Als Orte eigenständiger Forschung sind die Apotheken auch die Geburtsstätte der pharmazeutischen Wissenschaft.

Die Apotheke oder auch die Arbeitsräume einer Apotheke wurden früher auch als Offizin (lateinisch-veralteter Begriff) benannt. Der Verwalter der Apotheke wurde anfänglich Provisor (lateinisch – veralteter Begriff) genannt. (WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.)

 

 

 


Apotheker

 

Apotheker (mhd. apoteker, appateker; mlat. apothecarius; ursprünglich = Lagerdiener, -verwalter; auch herbarius, pharmacopula). Anfänglich wurde die Heilkunst von Mönchen gepflegt und tradiert. Karl d. G. verfügte, dass Heilkunde obligatorisches Lehrfach an den Klosterschulen zu sein habe. Das pharmazeutische Wissen war Teil des medizinischen. Erst durch die von Friedrich II. im Edikt von Melfi (1240) erlassenen Constitutiones medicinales wurde ein eigener Apothekerstand geschaffen. Von da an war die Bezeichnung „apotecarius“ (auch appateger, appanteger u.ä.) auf den Heilmittelhersteller und -händler gemünzt. Vordem galt sie auch für Lagerverwalter, Gewürz- oder Großhändler.

In den Städten richteten sich seit dem 12. Jh. Apotheken ein, die vom städtischen Rat zwar im Sinne eines geregelten Gesundheitswesens privilegiert waren, ihren Gewinn jedoch mehr aus dem Handel mit Gewürzen, Konfekt und Drogen als mit eigentlichen Arzneimitteln zogen. Die Zulassung war an Sachkunde, Kenntnis der lateinischen Sprache, Verpflichtung zu steter Dienstbereitschaft und Einhaltung gerechter Preise gebunden. Fälschungen von Maß, Gewicht und Waren wurden strafrechtlich verfolgt. Der Umgang mit Giften war streng reglementiert. Aus einem Nürnberger Ratserlaß von 1496:

"Den Apothekern ist ertheilt, in iren eid zu pinden, so sie hinfüro ymant ein hüttrauch (Arsenik) oder ander gifft zu kauffen oder aus der apotecken geben, ob auch solichs mit wissen eines burgermeisters beschiht. Sollen sie demnacht eigentlich in ire register anschreiben, wem, wie viel und wann sie solich gifft geben haben." Auch sollten sie "kainerley vergifft oder ander ertzney, damit man kindlein vertreibt ... keinen menschen nicht raichen oder verkauffen ..." 

Wie in anderen Handwerksberufen auch wurde in vorindustrieller Zeit der Nachwuchs durch die Apotheker selbst ausgebildet. Die Lehre wurde mit 12 – 14 Jahren begonnen und betrug drei bis sechs Jahre. Der Lehrzeit schloss sich eine zwei- bis vierjährige Gesellenzeit an, die häufig zur Wanderung benutzt wurde. Gesellen mussten 17 Jahre alt sein und sollten – vom Ende des 14. Jh. an – die Lateinschule besucht haben. Vor eigener Niederlassung mussten sie gegenüber einer ärztlichen Prüfungskommission ihre pharmazeutischen Kenntnisse unter Beweis stellen, gelegentlich wurde bei dieser Gelegenheit der Meistertitel erworben. Ab dem Spätmittelalter zogen angehende Apotheker aus wohlhabendem Haus ausnahmsweise auch an Universitäten (Salerno, Bologna, Ferrara, Padua, Paris), wo sie im Matrikel als „pharmacopula“, „apothecarius“ oder „rei pharmaceuticae studiosus“ geführt wurden. Dabei gab es kein besonderes Studium der Pharmazie, man hörte mit den Medizinern Anatomie, Botanik oder Diätetik. Apotheker waren hier nicht zunftpflichtig. Das verbriefte Apothekerrecht (Privileg; ältestes Beispiel in Prenzlau [Uckermark], 1303) beinhaltete Steuerfreiheit, Befreiung vom städt. Wachdienst und von Zwangseinquartierung. Das Privileg konnte vererblich sein, auch verkauft werden oder an eine Person gebunden sein. Es sicherte dem Inhaber eine monopolartige Stellung und damit zumeist ein gehobenes Einkommen. In Annaburg war er Freihäusler.

(Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Apotheker; Zugriff 11/2008)

 

 


Aquavit  (Aquavit)

 

Aquavit (lateinisch „Lebenswasser“) ist ein Kartoffel- oder Kornbranntwein, meist mit Kümmel oder anderen Kräutern gewürzt.

In der Zeit von „Anna“ stand er als „Lebenswasser“ für eine „Universalmedizin“ der Träger die „Kräutermixtur“ war und als „Öffner“ diente der Alkohol (damit sie im Körper ihre Wirkung entfalten konnte). Der Alkohol diente letztlich aber auch als Konservierungsstoff für die Kräutermixtur. Aus diesen „medizinischen“ Anwendungen sind die meisten heutigen Kräuterschnäpse hervorgegangen.

 

 


Askanier (Askanier)

 

Die Askanier sind ein schwäbisch-fränkisches Fürstengeschlecht. Der Name leitet sich von Ascharia, ihrem Sitz in der Grafschaft Aschersleben, latinisiert „Ascanien”, ab. Als erster Vertreter des Geschlechts erscheint 1036 Graf Esico von Ballenstedt. Unter Albrecht dem Bären gewann die Askanier 1134 die Markgrafenwürde für die Nordmark, und mit der Eroberung Brandenburgs 1157 den Titel des Markgrafen von Brandenburg. So nannte er sich am 3. Oktober 1157 erstmals „Markgraf in Brandenburg“. Die von Albrecht betriebene Ostkolonisation erweiterte wesentlich die Hausmacht der Askanier. 1180 erhielt Albrechts Sohn Bernhard den Titel eines Herzogs von Sachsen. Später wurden sie zu Kurfürsten mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg erhoben. In den folgenden Generationen spaltete sich das Geschlecht in vier Hauptlinien:

  1. die anhaltinische Linie, die die Grafen, später Herzöge von Anhalt stellte und die bis 1918 regierte;
  2. die brandenburgische Linie, die 1319 erlosch und von den Wittelsbachern beerbt wurde;
  3. die Linie der Herzöge von Sachsen-Lauenburg, die 1689 ausstarb und dann von den Welfen beerbt wurde;
  4. die Linie der Herzöge, später Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg, die 1422 erlosch und von den Wettinern beerbt wurde.

(Autorenkollektiv, freien Enzyklopädie Wikipedia (Stand 2006))

 

 


Aufklärung (Aufklaerung)

 

Aufklärung: eine geistesgeschichtliche Epoche des 17. und 18. Jh. in Europa. Aufklärung meint nach der Definition I. KANTS den »Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit«: »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«, ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Anliegen der Aufklärung: Die Aufklärung wollte das Denken aus der bisherigen Abhängigkeit von Autoritäten herauslösen und auf die der Vernunft innewohnenden Prinzipien gründen. Sie ging dabei von der Voraussetzung aus, dass jedes Individuum vernunftbegabt ist und damit die Fähigkeit zum selbstständigen Vernunftgebrauch besitzt. Die Aufklärung wendete sich zunächst gegen die bis dahin alles Denken beherrschenden kirchlichen Autoritäten, deren Ansehen und Glaubwürdigkeit durch die Auswüchse der Konfessionskämpfe untergraben worden waren. Nach dem unmittelbaren Wortsinn zielte der Begriff Aufklärung darauf ab, in einer von kirchlichen Vorurteilen und kirchlichem Aberglauben verfinsterten Welt das Licht der Vernunft zu verbreiten. Die Aufklärung stellte jedoch nicht nur die kirchliche, sondern schließlich jegliche Autorität infrage. Hauptbereiche: Die Aufklärung bewirkte in erster Linie eine Umwälzung der Wissenschaften und legte somit gleichsam den Grund zum modernen Wissenschaftsverständnis: sie erneuerte einerseits die Philosophie, die auf die prinzipielle Erkennbarkeit alles Seienden abhebt, führte andererseits zum Aufstieg der empirischen Wissenschaften, voran der Naturwissenschaften, die an die Stelle dogmatischer Annahmen die Ermittlung von Erfahrungstatsachen setzten, aber auch zum Aufstieg der Geschichtsschreibung, die sich aus einer Unterabteilung der Ethik und Rhetorik zunehmend zu einer eigenständigen Disziplin mit einem den Naturwissenschaften entsprechenden Erkenntnisanspruch entwickelte. Die Aufklärung brachte aber auch eine neue Vorstellung von Staat und Gesellschaft, eine neue Weltanschauung hervor. Sie forderte religiöse Toleranz, Trennung von Staat und Kirche, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Abschaffung ständisch-aristokratischer Privilegien, Förderung von Industrie und Handel, Pflege der Wissenschaften und Künste sowie eine Reform des Schulwesens. Diese Forderungen gründen sich auf die Naturrechtslehre der Aufklärung, die die seit der Antike aufgestellten naturrechtlichen Theorien zugleich aufnahm und aufhob. Sie erkannte dem Individuum das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum als angeborene Menschenrechte zu, erklärte den Schutz der Menschenrechte zum Zweck des Staates; diese Zwecksetzung wurde verdeutlicht durch die Figur des Gesellschaftsvertrags, den die Individuen beim Übergang vom Naturzustand zum gesellschaftlich-politischen Zustand abschließen.

Die Einwirkung aller dieser Anschauungen auf die Entwicklung von Staat und Gesellschaft war beträchtlich. Ein enger Zusammenhang bestand zunächst v. a. zwischen Aufklärung und Absolutismus, die beide aus den bisherigen kirchlich-konfessionellen Bindungen herausstrebten und damit denselben Gegner hatten. Die absolute Monarchie verwirklichte durch ihre Politik aufklärerische Forderungen und war daher lange Zeit Hauptverbündeter oder Hauptadressat der Aufklärer, bediente sich ihrerseits aber auch der aufklärerischen Ideologie. Der aufgeklärte Absolutismus des späten 18. Jh. bedeutete lediglich eine letzte Erscheinungsform dieser Übereinstimmung. Die Aufklärung musste auf Dauer gesehen jedoch über den Absolutismus hinausführen und lieferte schließlich die Argumente zum Kampf gegen die absolute Monarchie. Zentren der Aufklärung waren England und Frankreich. Die englische Aufklärung, repräsentiert durch Namen wie I. NEWTON, J. LOCKE und D. HUME, begründete die neue Philosophie, Wissenschaft und Staatslehre. Die französische A., für die die T Enzyklopädisten (u.a. VOLTAIRE, MONTESQUIEU, D. DIDEROT und A. CONDORCET), C. A. HELVETIUS und die Physiokraten stehen, knüpfte an die Leistungen der englischen Aufklärer an, suchte sie zu popularisieren und gelangte im Zuge ihrer fortdauernden Auseinandersetzung mit den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen m Frankreich zu einer Präzisierung und Modifizierung im Bereich der Staatslehre. Sie wurde dadurch zum Vorbild für das übrige Europa. Die deutsche Aufklärung blieb lange den hergebrachten religiösen Anschauungen verhaftet; sie erreichte ihren Höhepunkt im Werk G. E. LESSINGS. Die Überwindung der Aufklärung begann mit J.-J. ROUSSEAU und wurde vollendet durch den deutschen Idealismus und Historismus seit I. KANT und W.v. HUMBOLDT.

(„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)

 

 


Augsburger Religionsfriede (AugsburgerReligionsfriede)

 

Augsburger Religionsfriede: nach Verhandlungen König FERDINANDS I. mit den katholischen und protestantischen Reichsständen auf dem Augsburger Reichstag am 25. September 1555 verkündetes Reichsgesetz zur Beendigung der Religionskämpfe. Der Augsburger Religionsfriede erkannte das Augsburger Bekenntnis als gleichberechtigte Konfession neben dem Katholizismus an (unter Ausschluss der Zwingliancr, Kalvinisten und Täufer). Die weltlichen Reichsstände erhielten nach dem Grundsatz »Cuius regio, eius religio« (lateinisch »wessen Land, dessen Religion«) das Recht, das Bekenntnis ihrer Untertanen zu bestimmen; andersgläubigen Untertanen wurde das Recht auf Auswanderung zugestanden. Die grundsätzlich freie Wahl der Konfessionen galt jedoch nur für die weltlichen Reichsstände. Der geistliche Vorbehalt, der ohne Zustimmung der protestantischen Reichsstände in den Augsburger Religionsfriede aufgenommen worden war, bestimmte, dass ein geistlicher Reichsfürst beim Übertritt zum Augsburger Bekenntnis Amt und Herrschaft verlor. Damit sollte die Säkularisierung der geistlichen Territorien verhindert werden. Der Augsburger Religionsfriede brachte die Kämpfe der Reformation zum Abschluss und bestätigte die Glaubensspaltung im Reich.

(„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996)