Glossar

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Zwölf Artikel (Artikel12)

 

Zwölf Artikel der aufständischen Bauern 1525, wichtiges Dokument und weitverbreitete Flugschrift des Großen Bauernkriegs, zusammengestellt in Memmingen, enthielt unter Berufung auf das Evangelium („göttliches Recht“ = Naturrecht) die gemäßigten Forderungen der Aufständischen: Aufhebung der Leibeigenschaft, Milderung der Abgaben, gerechtes Gericht, freie Wahl der Pfarrer, Freiheit der Jagd und des Fischfangs, Rückgabe des Gemeindewalds u.a.; bis zur Niederwerfung des Aufstands wurden die Zwölf Artikel verschiedentlich verwirklicht. (WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.)

 


1859 – Mobilmachung der Landwehr  (Mob1859)

 

Ein kurzer Krieg zwischen Österreich und Frankreich wegen Sardinien führte 1859 zur vorsorglichen preußischen Mobilmachung. Obwohl die Truppen letztendlich in den Kasernen blieben, zeigte sich, dass die Mobilisierungspläne zeitlich und bezüglich der raschen Truppenverlegung unzureichend waren.

Nach sorgfältigen Ermittelungen bestand der erste Jahrgang der Landwehr ersten Aufgebots etwa zu 30 Prozent aus verheirateten Personen, der fünfte Jahrgang schon zu 46 Prozent, der siebente zu 63 Prozent, und von der Landwehr zweiten Aufgebots pflegten etwa fünf 5/6 verheiratet zu sein.

Durch die Einberufung einer so großen Anzahl von Familienvätern entstanden bei den Mobilmachungen im 1859 Missverhältnisse, indem eine große Zahl von Familien in die größte Not geriet, und die Versorgung derselben von den Kreisen getragen werden musste, in welchen dieselben ihren Wohnsitz hatten. Im Jahre 1859, wo nur 5 Armee-Corps mobil gemacht wurden, sind im Ganzen 55.277 Familien mit 262.638 Taler monatlich von den Kreisen unterstützt worden, während der durch Privatwohltätigkeit aufgebrachte Betrag noch weit größer war. Und neben jenen 55.277 Familien, welche im Jahre 1859 zum Teil aus öffentlichen Mitteln unterhalten werden mussten, befanden sich in den Bezirken der damals mobil gemachten 5 Armee-Corps eine noch größere Anzahl junger unverheirateter und völlig diensttauglicher Personen, welche sich freigelost hatten. Wie erheblich solche Missverhältnisse waren, leuchtet wohl Jedem ein.

Mit der preußischen Heeresreform nach 1859 wurde dann die allgemeine Wehrpflicht eingeführt und ein freikaufen bzw. „Stellvertreterdienst“ war nicht mehr möglich.

    • (Preußische Amtspresse, No. 7. Provinzial-Correspondenz. Zweiter Jahrgang. 17.02.1864.;
    • http://www.pionierkameradschaft-holzminden.de/seiten/geschichte1.1 Zugriff 06/2008;
    • Karl Marx, Friedrich Engels Gesamtausgabe, Akademie Verlag, Veröffentlicht 2003)

 


Wetterlage 5b – Mittelmeertief  (Wetterlage5b)

 

Ein Mittelmeertief ist ein Tiefdruckgebiet im Mittelmeerraum. Je nach Lage des Kerns wird es auch Balearentief, Genuatief oder Adriatief genannt.

Eine Vb-Wetterlage (gesprochen: „Fünf-B-Wetterlage“, V = römisch 5) ist gekennzeichnet durch die Zugbahn eines Tiefdruckgebietes von Italien über die Poebene oder Nordadria hinweg nordostwärts. Die als „Vb“ bekannte Zugbahn wurde von Wilhelm Jacob van Bebber 1891 deklariert und mit dieser Notation in das System der Großwetterlagen integriert. Der Begriff der Vb-Großwetterlage wird heute noch verwendet, weil die modernere deutsche Großwettertypologie nach Hess/Brezowsky die Aktionszentren des Mittelmeerraumes unzulänglich berücksichtigt.

Mit Va wurde nach Bebber die Zugbahn Biskaya–Spanien/Frankreich–Ligurien bezeichnet. Eine Vc-Wetterlage entspricht einem Adriatief, das nach Osten Richtung Balkan abzieht und dort zu einem Balkantief wird. Eine Vd-Wetterlage bezeichnet ein nach Südosten abziehendes System. Die Bezeichnungen Va, Vc und Vd sind in der heutigen Meteorologie allerdings nicht mehr gebräuchlich.

Das Vb/a-Tief entsteht durch einen Kaltluftvorstoß über Frankreich in das westliche Mittelmeer, häufig in Verbindung mit einer Nordwestwetterlage, mit Bildung eines Tiefs im westlichen Mittelmeerraum, oder durch einen von England oder der Biskaya (Biscayatief) über Frankreich südwärts geschobenen Tiefkern (Va), der südlich der Alpen weiterzieht.

Liegt der Aktionskern über dem Mittelmeerraum, gleiten die dortigen feuchtwarmen oder über der Sahara überhitzten Luftmassen auf der (östlichen) Vorderseite des Tiefdruckgebietes auf die in Zentraleuropa der nördlicheren Zonen am Boden liegende Kaltluft auf (Aufgleiten von Südost), weil eine südliche Strömung mit hohen Lufttemperaturen viel Feuchtigkeit transportieren kann. Das führt zu teils langanhaltenden Niederschlagsphasen, die in Staubereichen an den Alpen und höheren Mittelgebirgen auch recht ergiebig sein können (Stauniederschläge) und Hochwässer oder abnorme Schneemengen mit Lawinengefahr verursachen. Im Raum des östlichen Mittelmeeres wird trockene, warme Saharaluft gegen Südosteuropa gesteuert und führt dort zu übersteigerter Wärme, das Windereignis wird Scirocco (Jugo) genannt: Vor der Frontlinie des heranziehenden Mittelmeertiefs können sich Saharastaub-Ereignisse bis auf Mitteleuropa ausweiten. Nördlich der Alpen begleiten abnormale Föhnereignisse die Mittelmeertiefs, wenn die Niederschläge an der Alpensüdseite abregnen.

Besonders die Endphasen der Vb/c-Lagen pumpen über längeren Zeitraum große Feuchtigkeitsmengen nach Mitteleuropa:

Osteuropatief: Bei der Vb-Trajektorie handelt es sich um die einzige Zugbahn von Südwest nach Nordost über Mitteleuropa, sie führt typischerweise zu schweren Stauniederschlägen an Ostalpen, Karpaten und Erzgebirge und Überschwemmungen in den Einzugsgebieten von Donau, Elbe und auch Rhein.

 


Magdalenenhochwasser  (Magdalenenhochwasser)

 

Das Magdalenenhochwasser war eine verheerende Überschwemmungskatastrophe, die im Juli 1342 das Umland zahlreicher Flüsse Mitteleuropas heimsuchte. Die Bezeichnung geht auf die damals übliche Benennung der Tage nach dem Heiligenkalender zurück, hier auf den St.-Magdalenentag am 22. Juli. Bei diesem Ereignis wurden an vielen Flüssen die höchsten jemals registrierten Wasserstände erreicht. Möglicherweise handelt es sich um das schlimmste Hochwasser des gesamten 2. Jahrtausends im mitteleuropäischen Binnenland.

Betroffen waren unter anderem Rhein, Main, Donau, Mosel, Moldau, Elbe, Weser, Werra und Unstrut. Das Hochwasser wird in den Chroniken zahlreicher Städte erwähnt, so in Würzburg, Frankfurt am Main, Mainz, Köln, Regensburg, Passau und Wien. Fast alle Brücken wurden damals zerstört, Flussläufe änderten sich. In Bamberg riss die Regnitz eine „Brücke mit Turm“ ein. Im Solling wurde das Dorf Winnefeld zerstört.

Die topographischen Konsequenzen des Hochwassers können heute noch nachgewiesen werden. Die Masse des erodierten Bodenmaterials betrug ca. 13 Milliarden Tonnen. Das entspricht etwa der Menge, die bei normalen Wetterbedingungen in 2000 Jahren verloren geht.

 

 


Abendmahlstreit (Abendmahlstreit)

 

Abendmahlsstreit: besonders in der Zeit der Reformation geführte Auseinandersetzung um das rechte Verständnis des Abendmahls, v.a. zwischen LUTHER, der in Brot und Wem den Leib und das Blut CHRISTI gegenwärtig sah, und ZWINGLI, der in Brot und Wein nur Symbole erblickte. Der Abendmahlsstreit war eine wichtige Ursache für die Auseinanderentwicklung der protestantischen Bekenntnisrichtungen.

241 Stichwörter aus dem „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Ablass   (Ablass)

 

Ablass (Indulgenz, lateinisch indulgentia, veraltet auch römische Gnade) ist ein Begriff aus der römisch-katholischen Theologie und bezeichnet einen von der Kirche geregelten Gnadenakt, durch den nach kirchlicher Lehre zeitliche Sündenstrafen erlassen (nicht dagegen die Sünden selbst vergeben) werden.

Um einen Ablass zu gewinnen, müssen Katholiken meist ein bestimmtes frommes Werk (z. B. Wallfahrt, Kirchen- oder Friedhofsbesuch, besonderes Gebet) in angemessener Disposition vollbringen. Deshalb gehört zu den Voraussetzungen für die Ablassgewinnung die sakramentale Beichte, der Empfang der heiligen Kommunion und das Gebet in der Meinung (das heißt, in den Anliegen) des Heiligen Vaters. Ablässe kann der Gläubige nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Seelenheil eines Verstorbenen gewinnen. Die Gewinnung eines Ablasses kann von der zuständigen kirchlichen Behörde in einem so genannten Ablassbrief bestätigt werden.

Der Handel mit sogenannten Almosenablässen, für deren Gewinnung als Ablasswerk ein Geldbetrag gespendet werden musste, war ein besonders in der Renaissancezeit verbreiteter Missbrauch. Er gilt als Anlass für den Thesenanschlag Martin Luthers und als ein Auslöser der Reformation in Deutschland. Mit Einkünften aus dem Ablasshandel hatten einige Päpste beträchtliche Geldsummen aus ganz Europa nach Rom gelenkt, die unter anderem für den Bau des Petersdoms verwendet wurden. Albrecht von Brandenburg, Bischof von Magdeburg, Halberstadt und Mainz, hatte mit dem Papst einen Ablasshandel durch den Dominikaner Johann Tetzel in Gang gesetzt. Albrecht, der sich vom Papst mehrere Bistümer hatte verleihen lassen, musste hohe Gebühren für diesen Verstoß gegen die Bestimmungen des Kanonischen Rechts zahlen. Albrechts Provisionen aus dem Ablasshandel sollten dazu dienen, seine Schulden beim Bankhaus Fugger in Augsburg abzutragen, der Rest sollte bestimmungsgemäß nach Rom gehen.

Ablasshandel ist in der römisch-katholischen Kirche seit 1562 verboten und seit 1567 mit der Strafe der Exkommunikation belegt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ablass

 

 


Ablösungsgesetz 1821 (Abloesungsgesetz1821)

 

Ablösungsgesetz 1821: Betrifft Bauern mit guten Besitzrechten schon vor 1807 (v.a. Erbzinsrecht) u. sämtliche Besitzklassen, betrifft rund 80% des Landes in Ostelbien. Fakultativ Landabgabe oder Zahlung des 25fachen Jahresertrags.

Prof. Dr. Ulrich Pfister: „Bäuerliche Gesellschaft – Landwirtschaft: Agrargeschichte im Überblick, 16.-20. Jahrhundert“, Wintersemester 1996/97

 

 


Acht und Bann  (AchtundBann)

 

Acht: Form der (weltlichen) Strafe, die bei dem nur unzulänglich ausgebildeten Justiz- und Vollstreckungswesen in den frühen deutschen Gemeinwesen die Mitwirkung der ganzen Rechtsgemeinschaft, d. h. aller Einwohner eines Gebiets, erforderte. Das Verhängen der Acht bewirkte die Recht- und Friedlosigkeit des Geächteten innerhalb des Gebietes des aussprechenden Gerichts – bei der Reichsacht im ganzen Reich -, die Isolierung des Geächteten von der menschlichen Gemeinschaft (Verbot jeder Art von Unterstützung einschließlich Obdachgewährung für den Geächteten; wer das Verbot missachtete, verfiel ebenfalls der Acht), die Zerstörung, später die Beschlagnahmung (Fronung) seines Besitzes. Jeder hatte das Recht, den Geächteten straflos zu töten. Achtgründe waren insbesondere der Bruch des Landfriedens, die Nichtbefolgung gerichtlicher Ladungen oder nach Fällung eines Urteils die Weigerung, ein Sühneversprechen abzugeben. Dem Geächteten verblieb eine Frist von »Jahr und Tag«, sich aus der Acht zu lösen (z.B. indem er sich freiwillig dem Gericht stellte), andernfalls verfiel er der Oberacht (Aberacht), von der eine Lösung nicht mehr möglich war. Seit 1220 war die Reichsacht zudem Folge des Kirchenbanns (Bann); der Exkommunizierte wurde »in Acht und Bann getan«.

Bann: Besserungsstrafe der katholischen Kirche; der kleine Bann schloss von den Sakramenten und Kirchenämtern aus, der große Bann zog die Exkommunikation, den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen, nach sich und hatte seit 1220 auch die Reichsacht (Acht) zur Folge.

Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Ackerbau, vorindustrieller  (Ackerbau)

 

Ackerbau (mhd. ackerganc; zu mhd. acker, ahd. ackar, eigtl. = Viehweide). Unter Ackerbau soll hier nur der Anbau von Kulturpflanzen zur Nahrungsgewinnung verstanden sein. Die fundamentale Technik beim Ackerbau war das Pflügen. Hierfür stand im anfangs mit der Ostsiedelung nur der primitive hölzerne Hakenpflug mit eisernem Pflugmesser zur Verfügung. Damit konnte der Boden lediglich gelockert und zerkrümelt werden. Vom 13. Jh. an löste der Wendepflug den Hakenpflug ab. Gezogen wurde er meist von Ochsen, seltener von Pferden. Ochsengespanne waren mit dem hölzernen Joch angespannt, das auf Hörnern und Stirnbein oder auf dem Nacken der Tiere lastete. Pferde wurden am Hals angeschirrt, wodurch die Atmung behindert und die Leistung gemindert wurde. Vom 10. Jh. an verbesserte die Einführung des Kummets die Zugleistung erheblich. Das Pflügen erforderte mindestens zwei Arbeitskräfte: den Pflüger, der den Pflug lenkte und in den Boden stemmte und den Treiber, der die Zugtiere führte.

Waren die Äcker umgebrochen und geeggt, gegebenenfalls noch gejätet und Steine ausgelesen, konnte das Säen beginnen (s. Saat). Säer und Säerinnen streuten das Saatgut aus dem Sätuch oder dem umgeschlagenen Obergewand mit weit ausholender Armbewegung über die Furchen; die Arbeitsweise war rhythmisch: beim Vorführen des linken Fußes wurde eine Handvoll Saatgut aufgenommen, beim Vorführen des rechten Fußes wurden die Körner ausgestreut. Nach der Saat drohten Krähen, Tauben und andere Vögel das Saatgut aufzupicken; daher wurden frisch gesäte Felder noch einmal geeggt. Zudem scheuchten Kinder die Vögel mit Steinwürfen, Schleudern und Pfeilschüssen. Während des Wachstums musste das Unkraut durch Jäten niedergehalten werden. – Erbsen und Bohnen wurden in mühsamer Arbeit in Löcher gesät, die mit einem spitzen Stab gemacht worden waren.

Das reife Getreide wurde mit der Sichel auf halben Halm geschnitten. Erst mit dem Aufkommen der Sense im Hochmittelalter konnte auch auf ganzem Halm geerntet werden. Außer Getreide brachte die Ackerwirtschaft noch Rüben, Ackerbohnen, Buchweizen, Erbsen, Linsen, Flachs, Hanf und Farbpflanzen (s. Waid, Krapp u.a.).

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ackerbau; Zugriff 11/2008

 

 


Adel  (Adel)

 

Adel: in zahlreichen Kulturen und Epochen vorkommende Sonderung einzelner Familien von der Gesamtbevölkerung, die aufgrund von Geburt, Besitz oder Leistung eine besondere soziale Stellung einnehmen und ein eigenes Standesbewusstsein (Adelsbewusstsein) ausbilden.

Im gesamten abendländisch-europäischen Bereich ist der ADEL ein bestimmender Faktor der Sozialgeschichte. Bereits in der griechischen Polis übten Adelsgeschlechter maßgeblichen politischen Einfluss aus. Ebenso nahm der Amtsadel der römischen Republik (Mobilität, Optimalen) eine zentrale Führungsrolle ein. Im Mittelalter bildete der ADEL die eigentlich bestimmende Schicht. Zur Entstehung des mittelalterlichen ADEL gibt es in der historischen Wissenschaft zwei Theorien: Zum einen sollen die Wurzeln bis in die Zeit der Völkerwanderung zurückreichen, als von einzelnen bevorzugten (da bereits bewährten) Kriegerfamilien die Heerführer gestellt wurden, die auch nach der Niederlassung in den neuen Siedlungsgebieten ihre Vorrechte beibehielten und damit über so genannte autonome Adelsrechte verfügten; zum andern wird der Ursprung des ADEL insofern mit dem Königtum verknüpft, als einzelne Gruppen im Königsdienst aufstiegen und erst vom Königtum ihre Privilegien erhielten (auch Dienstadel). Welcher der beiden Theorien der Vorzug zu geben ist oder wieweit sich beide Ansätze ergänzen, ist schwer zu entscheiden, da die Existenz einer Adelsschicht in vorfränkischer Zeit quellenmäßig nicht fassbar ist. Erst im Fränkischen Reich trat der ADEL zusammen mit dem König, den er vielfach aus seinen eigenen Reihen erhob, als Inhaber des Herrschafts- und Verwaltungsmonopols auf. In der Karolingerzeit kam es bereits zu einer Untergliederung des Adelsstandes, der fortan durch verschiedene (soziale) Abstufungen geprägt blieb. Im mittelalterlichen Lehnswesen wurde der niedere dem Hochadel nachgeordnet. Die Abgrenzung des ADEL nach unten blieb jedoch in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft (Feudalismus) fließend, sodass seit dem 12./13. Jh. zahlreiche Unfreie als Ministeriale in den Adelsstand gelangten. Dieser Aufstieg wurde durch den Waffendienst ermöglicht, der zunächst adliges Vorrecht war und die mittelalterliche Adelskultur entscheidend prägte; dadurch blieb dem ADEL ein gewichtiger Einfluss auf die Kriegführung erhalten. Zudem förderte er, besonders in der Blütezeit der ritterlichen Adelskultur im 12./13. Jh., nachhaltig das kulturelle Leben, besonders Kunst und Literatur, und nahm Anteil an der traditionellen kirchlichen Bildung. Die Vorherrschaft des ADEL wurde im spätmittelalterlichen Europa zunehmend beschnitten, wirtschaftlich durch das aufsteigende Stadtbürgertum, politisch durch das erstarkende Königtum, das den ADEL bei unangetasteter sozialer Bevorrechtung nur noch als Ausführungsorgan (Dienstfunktionen in Armee und Verwaltung) in sein monarchisches System einbaute (auch Absolutismus). Regionale Entwicklungen: Während in den westeuropäischen Ländern (Frankreich, England, Spanien) diese Entwicklung parallel zur Ausbildung eines einheitlichen Nationalstaats verlief, verstärkte sich in Deutschland (ebenso in Italien) aufgrund des Fehlens einer durchsetzungsfähigen Zentralgewalt die territoriale Aufsplitterung. Der Hochadel errang nach und nach die territoriale Landeshoheit, zunächst gegen den Widerstand des landständischen niederen ADEL und der aus den Reichsministerialen hervorgegangenen Reichsritterschaft. Erst danach setzte auch in Deutschland in den einzelnen Territorien die frühmoderne Staatsbildung im Sinne eines zentralistisch organisierten Beamtenstaats ein. Die Reichsritterschaft vermochte unter dem Schutz des Reichsrechts ihre Sonderstellung und Aufstiegschancen in den geistlichen Fürstenstand zu wahren. Der niedere ADEL wurde landsässig (d.h., er unterstand dem Landesherrn). Eine Wende in der Geschichte des mittel- und westeuropäischen ADEL (mit Ausnahme Großbritanniens) bedeutete die Französische Revolution, die zunächst in Frankreich zur Aufhebung der adligen Vorrechte und zu einer gewaltsamen Dezimierung der Mitglieder des Adelsstands führte. In Deutschland setzte die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation 1803-06 eine Zäsur (auch Reichsdeputationshauptschluss, Rheinbundsakte): Mit der Säkularisation der geistlichen Fürstentümer wurde der Reichsritterschaft zunächst die politisch-wirtschaftliche Grundlage entzogen und 1806 bzw. 1815 wurde sie aller politischen Vorrechte enthoben. 1806 bis 1813 wurden zudem alle jene reichsständischen Geschlechter mediatisiert (Mediatisierung), die sich nicht, wie v.a. die Rheinbundfürsten, in selbst zugestandener Souveränität nach dem Austritt aus dem Reichsverband behaupten konnten. Als Standesherren blieben ihnen 1815 bis 1918 die Rechtsstellung als Mitglieder des Hochadels sowie persönliche Vorrechte erhalten. Trotz weitgehender Beseitigung der Privilegien und Einebnung der ständisch gegliederten Gesellschaft konnte der ADEL gerade im kaiserlichen Deutschland seine gesellschaftliche Vorrangstellung wahren und sich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Führungsschicht behaupten. 1918 wurden die bis dahin noch bestehenden Vorrechte des ADEL abgeschafft.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Adjutant  (Adjutant)

 

Der Adjutant ist ein dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung beigegebener Offizier. Das Wort Adjutant stammt vom lateinischen adiuvare, helfen, unterstützen ab und bedeutet so viel wie Gehilfe. Es bezeichnet zunächst eine militärische Dienststellung, aber auch einen Dienstgrad.

Die Bezeichnung wurde zunächst in Frankreich für die Gehilfen des Majors benutzt. Von hier gelangte das Wort auch in die deutsche Militärsprache.

https://de.wikipedia.org/wiki/Adjutant

 

 


Advokat  (Advokat)

 

Advokat (lateinisch advocatus ‚der Herbeigerufene‘) ist eine Bezeichnung für einen Rechtsanwalt, die heute in Österreich und Deutschland veraltet ist, nur noch bildungs- oder aber umgangssprachlich und/oder mit abschätziger Bedeutung (Winkeladvokat) verwendet wird, im schweizerischen Rechtsraum aber die gleiche Bedeutung wie Rechtsanwalt hat. Im übertragenen Sinn wird auch ein Fürsprecher einer Sache damit bezeichnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Advokat

 

 


Aktuarius, Kopist   (Aktuarius)

 

Der Aktuarius ist eigentlich ein Schreiber, aber ein unter öffentlicher Autorität zur Niederschrift des Verhandelten und zur Aufsicht über die daraus entstandenen Akten eidlich verpflichteter Rechtsverständiger.

 

 


Alchemie  (Alchemie)

 

Alchemie (arabisch) auch: Alchimie; darunter ist die mittelalterliche Chemie, Lehre von der Stoffumwandlung (insbesondere zu Gold) zu verstehen.

In der Antike: Die Alchemie wurde als wissenschaftliche „Chemie“ in der Antike von den Ägyptern (die ihr Land Kemi, „schwarze Erde“, nannten) begründet. Die Griechen beschäftigten sich mit der Chemie mehr philosophisch-spekulativ als naturwissenschaftlich-experimentell. Erst die Araber griffen die Wissenschaft wieder auf, bauten sie aus und übermittelten ihre Kenntnisse als „al Kemia“ („die Chemie“) dem Abendland, doch blieben sie weit entfernt von einer zutreffenden Einsicht in das Wesen der chemischen Vorgänge. Ihre Überzeugung, dass Metalle ineinander umgesetzt werden können, übernahmen die abendländischen Alchemisten (daher Alchemie = Metallscheidekunst).

Im Mittelalter: Trotz dieses Irrtums blieb die Alchemie in ihren Grundlagen wissenschaftlich, bis sie bei Ausgang des Mittelalters mystisch-theosophische Züge annahm und sich in eine Geheimwissenschaft verwandelte. Ziel der Alchemie war es, den „Stein der Weisen“ zu finden, mit dessen Hilfe unedle Metalle sich vermeintlich in Gold verwandeln und sich Krankheiten heilen lassen. Selbst bedeutende Gelehrte glaubten noch bis ins 17. Jh. hinein an den Stein der Weisen und das Walten überirdischer Kräfte in den chemischen Vorgängen. Erst allmählich wurde der Unterschied zwischen berufsmäßigen Goldmachern und Forschern begriffen: Seit Boyle um 1750 die moderne Chemie begründet hatte, erhielt das Wort Alchemie die geringschätzige Bedeutung, die es heute hat.

Solange diese Unterscheidung nicht bestand, besaßen gerade die fantasievollsten Alchemisten hohes Ansehen. Der alchemistischen Pseudowissenschaft ist unter anderem die (zufällige) Erfindung des Porzellans (Böttcher) und die Entdeckung des Phosphors (Kunkel) zu verdanken.

WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 


Amt  (Amt)

 

Amt: 1) ursprünglich Bezeichnung für den mit einem Lehen (Lehnswesen) verbundenen Dienst von Freien oder Unfreien (Ministerialen) im Gefolge eines Herrn. Da sich im Mittelalter die Erblichkeit der Lehen und der mit ihnen verbundenen Ämter bei Hof durchgesetzt hatte, schufen die Landesherren zur Verwaltung ihrer sich ausbildenden Territorien unter Umgehung der alten Hofämter einen neuen Typ des Amtsträgers, den fest besoldeten und daher absetzbaren Beamten.

Amt: 2) seit dem Spätmittelalter Bezeichnung für einen räumlichen Verwaltungsbezirk des entstehenden Territorialstaats. An der Spitze eines Amtes stand ein Amtmann, der zunächst sein Amt vom Landesherrn in Form eines Lehens empfing, später auch aus der neu entstehenden Verwaltungsbeamtenschaft genommen wurde.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 


Amt Annaburg     (AmtAnnaburg/AmtLochau)

Das Amt Annaburg war eine Verwaltungseinheit des 1806 in ein Königreich umgewandelten Kurfürstentums Sachsen und war dem Kurkreis angegliedert.

Bis zur Abtretung an Preußen 1815 bildete es als sächsisches Amt den räumlichen Bezugspunkt für die Einforderung landesherrlicher Abgaben und Frondienste, für Polizei, Rechtsprechung und Heeresfolge.

Geographische Ausdehnung

Den zentralen Teil des Amts Annaburg nahm die Annaburger Heide ein. Während sich der Amtssitz Annaburg im Nordwesten des Amts befand, lagen die meisten zum Amt gehörigen Orte am Ostrand bzw. am Südwestrand des Amtsgebiets. Die Schwarze Elster tangierte das Territorium im Nordosten. Im Südwesten bildete die Elbe die Grenze des Amts. Der größte Teil des Amtsgebiets mit der Stadt Annaburg und der Annaburger Heide liegt heute im Land Sachsen-Anhalt. Der östliche Rand mit den Amtsdörfern gehört heute zum Land Brandenburg. Die Orte am südlichen Rand an der Elbe nördlich von Torgau befinden sich heute im Freistaat Sachsen (Umgebung von Rosenfeld und Döhlen).

Angrenzende Verwaltungseinheiten

Das Amt Annaburg grenzte östlich an die Ämter Liebenwerda und Schweinitz, südlich an die Ämter Mühlberg, Schweinitz und Torgau, westlich und nördlich war es fast vollständig vom Amt Schweinitz umgeben, lediglich bei Döhlen grenzte ein kleiner Teil an das Amt Torgau.

Amt Schweinitz Amt Schlieben

Amt Schweinitz Nachbargemeinden Amt Schweinitz (Exklave Herzberg)

Amt Torgau Amt Schweinitz (Exklaven) Amt Liebenwerda

Geschichte

Das Amt Lochau (Lochaw)

Das Amt Lochau war ein Teil des askanischen Herzogtums Sachsen-Wittenberg und gelangte 1423 mit diesem an die Wettiner. Hier wurde es ein Teil des Kurkreises, dessen Sitz Wittenberg war.

Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt wie das gesamte Herzogtum Sachsen-Wittenberg zur ernestinischen Linie der Wettiner. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 (Wittenberger Kapitulation) war es im Besitz der Albertiner. Auf Befehl des Kurfürsten Moritz von Sachsen wurde 1550 erstmals ein Erbbuch des Amtes Lochau angelegt.

Amt Annaburg   (AmtAnnaburg; AmtLochau)

Der Name des Amtes Annaburg lautete bis 1572 Amt Lochau. Erst nachdem der Ort Lochau beim Neubau des Jagdschlosses nach Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585), der Ehefrau des Kurfürsten August von Sachsen, in Annaburg umbenannt wurde, erfolgte 1573 auch die Umbenennung des Amtes.

Annaburg war bis zur Übernahme durch das Königreich Preußen Sitz einer Oberforst- und Wildmeisterei, die die Ämter Annaburg, Schlieben, Schweinitz und Seyda sowie ab 1796 auch die Ämter Dahme und Jüterbog des Fürstentums Querfurt in Forst- und Jagdangelegenheiten betreute.

In Folge der Niederlage des Königreichs Sachsen wurden auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 Gebietsabtretungen an das Königreich Preußen beschlossen, was u.a. den gesamten Kurkreis mit seinen Ämtern betraf. Das Amt Annaburg wurde folgendermaßen auf die neu gebildeten Kreise der preußischen Provinz Sachsen aufgeteilt: die Stadt Annaburg mit der Annaburger Heide und den südwestlichen Orten an der Elbe wurden dem Kreis Torgau angegliedert. Die Orte im Osten des Amts kamen an den Kreis Schweinitz.

Bestandteile
Städte (Städtlein)        
Annaburg (bis 1572 Lochau)

Amtsdörfer                 
Arnsnesta
Beyern
Buckau (bis 1680)
Döbrichau (bis 1660)
Fermerswalde (im 16. Jh. nur ein Vorwerk)
Frauenhorst
Kähnitzsch (ein geringer Teil der Einwohner unterstand dem Amt Schweinitz)
Lebien (ein geringer Teil der Einwohner unterstand dem Amt Schweinitz)
Löhsten (bis 1659, danach Amt Schweinitz)
Mahdel
Neubläsern
Purzien
Rahnisdorf (bis 1680)
Rosenfeld
Züllsdorf

Rittergüter                  
Rahnisdorf mit Buckau

Vorwerke                    
Annaburg
Döhlen (de facto jedoch zum Amt Prettin)

Andere                        
einige Einwohner in verschiedenen Orten der Ämter Schweinitz und Liebenwerda
einige Einwohner im Dorf Zeckritz (Amt Torgau)
der Walddistrikt Zschernick

Wassermühlen im Amt           
Annaburg am Neugraben
Elstermühle Arnsnesta
Gerbismühle am Neugraben
Elstermühle Grochwitz (der Ort lag jedoch im Amt Schweinitz) an den Schwarzen Elster
Elstermühle Löben (der Ort lag jedoch im Amt Schweinitz) an den Schwarzen Elster
Heidemühle Zschernick

Windmühlen im Amt               
Beyern
Döbrichau
Rahnisdorf
Rosenfeld
Züllsdorf

https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Annaburg

 


Annaburger Maurer (AnnaburgerMauerer)

 

Annaburger Maurer- und Zimmerleute – Vorkämpfer für den Sozialstaat Deutschland

Nachdem die napoleonischen Truppen aus Preußen vertrieben wurden, nutzten viele Annaburger Maurer- und Zimmerleute die Gelegenheit, sich am Aufbau der Hauptstadt Berlin zu beteiligen. Die Wege dorthin waren beschwerlich, zum Teil lief man auf Schuster’s Rappen oder man benutzte bis zum Bau der Eisenbahn eingesetzte Pferdebahnen. An der 1848er Revolution in Berlin waren auch Annaburger Maurer- und Zimmerleute beteiligt. Sie war der Anstoß für die Gründung der Maurer- und Zimmererkrankenkasse in Annaburg. Damit sollte die Sozialabsicherung der Familien im Krankheitsfall geschaffen werden.

Gründungsmitglied 1848 waren die Maurer Bischof, Kettlitz und Hermsdorf. Jeder zahlte einen bestimmten Betrag ein, der dann im Krankheitsfall an die Betreffenden ausgezahlt wurde.

Nachdem die Eisenbannstrecke Falkenberg – Holzdorf – Jüterbog- Berlin 1848 in Betrieb genommen wurde, gingen viele Maurer- und Zimmerleute aus Annaburg und Umgebung ihrer Beschäftigung in Berlin nach, da nach den Gründerjahren 1871 bis 1914 ein gewaltiger Bauboom für Arbeitsplätze in diesen Gewerken vorhanden war. Als Abfahrtsbahnhof wurde der Bahnhof Holzdorf benutzt, da die Kosten für eine Eisenbahnfahrt nach Berlin über Wittenberg 2,00 Reichsmark teurer war. Der Landwirt Ziege nutzte diese Situation, um den Transport der Leute von Annaburg nach Holzdorf mit 2 Leiterwagen durchzuführen.

Fahrtkosten pro Person 30 Pfennig. Um das Geld einzusparen, nutzten einige die Gelegenheit, um zu Fuß den Weg nach Holzdorf anzutreten. Anfahrt war Sonntagnachmittag 16.00 Uhr, freitags kamen „die Berliner“ von ihrer Arbeit zurück. Die Arbeitszeit betrug damals 14 Stunden pro Tag bei einer 5-Tagewoche.

1896 soll, Hermann Fichte, auf einem Schimmel durch Berlin geritten sein mit einer Lampe in der Hand und einem umgehängten Schild, auf dem zu lesen war: „Wir suchen den 8-Stunden-Tag!

1898 feierte die Annaburger Maurer- und Zimmererkrankenkasse ihr 50-jähriges Bestehen. Vereinslokal war die Fleischerei- und Gastwirtschaft Hamann in der Holzdorfer Straße. Hermann Fichte, war von 1890 bis 1910 Vorsitzender dieser Krankenkasse.

Da in Berlin in den Gründerjahren gutes Geld verdient wurde, war es möglich, dass ein großer Teil der Häuser in den Neuhäusern (Niedere Straße, Hohe Straße, Holzdorfer Straße und Planweg) von Berliner Maurern und Zimmerleuten, die in Annaburg wohnten, gebaut werden konnten.

1895 erfolgte die Eingemeindung des Ortsteils Neuhäuser nach Annaburg.

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Annaburger Maurer- und Zimmererkrankenkasse aufgelöst und in das soziale Sicherungssystem des Staates übernommen. Letzter Finanzbearbeiter war Herr Walter Schmidt.

Damit ging das soziale Sicherungssystem der Annaburger Maurer- und Zimmererleute zu Ende.

Rudolf Bleistein;  Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Annaburg – Prettin Nr. 2 vom 08.02.2005

 

 


Anspänner  (Anspaenner)

 

In Sachsen war ein Anspänner, ein Bauer, der Zugvieh halten kann, und damit die Frohndienste verrichtet, im Gegensatze der Kothsassen, Hintersassen oder Handfröhner, welche so wenig Land haben, daß sie kein Zugvieh darauf halten können, und daher mit der Hand fröhnen müssen. (http://www.enzyklo.de/lokal/40138)

 

 


Antoniter-Orden  (Antoniterorden)

 

Der Antoniter-Orden (Canonici Regulares Sancti Antonii, Ordenskürzel: CRSAnt); auch Antoniusorden, Antonier, Antoniterorden oder Antonianer) war ein christlicher Hospital-Orden.

Der Orden wurde 1095 als Laienbruderschaft in St-Didier-de-la-Motte in der Dauphiné in Südfrankreich gegründet und von Papst Urban II. im gleichen Jahr bestätigt. Er ist nach Antonius dem Großen (251? – 356) benannt, dem ersten christlichen Mönch. Die Aufgabe des Ordens war die Pflege und Behandlung am Antoniusfeuer Erkrankter, einer im Mittelalter in Europa weit verbreiteten Krankheit.

Das Stammkloster des Ordens befindet sich in St. Antoine (Dept. Isère, Frankreich). Dort soll der französische Adlige Gaston den Orden als Dank für die Heilung seines Sohnes vom Antoniusfeuer mit Hilfe der dort befindlichen wundertätigen Reliquien des Heiligen Antonius gestiftet haben. Ursprünglich der Pflege von heimkehrenden Pilgern gewidmet, konzentrierte sich die Tätigkeit der Antoniter ab 1217 vor allem der Krankenpflege.

Ab 1247 lebten die Brüder nach den Ordensregeln des hl. Augustinus, und 1298 wurde die Bruderschaft von Papst Bonifatius VIII. in einen Chorherrenorden umgewandelt. Durch seine Erfolge bei der Heilung des Antoniusfeuers breitete sich der Orden in den Folgejahren über Frankreich hinaus aus. Im 15. Jahrhundert unterhielten die Antoniter annähernd 370 Spitale in ganz Europa.

Eines davon war zu dieser Zeit das Antoniterkloster in der Lichtenbergk (Lichtenburg) bei Prettin.

Der Orden lebte hauptsächlich von Stiftungen und Spenden, doch in Folge der Reformation gingen die Geldmittel stark zurück. Mit der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen mit Mutterkornpilz befallenem Getreide und Antoniusfeuer sank auch die Zahl der Erkrankungen merklich. Infolge dieser Entwicklungen ging die Bedeutung des Ordens stark zurück. Durch päpstliches Dekret wurden die letzten 33 in Deutschland noch verbliebenen Häuser 1777 in den Malteserorden inkorporiert. Nur die Klöster in Köln und Höchst entzogen sich dem Dekret und wurden beide 1803 säkularisiert.

Das Ordensgewand der Antoniter war ein schwarzes Chorkleid, darüber ein schwarzer Mantel mit hellblauem T-Kreuz.

Eine der ersten Niederlassungen der Antoniter im Reich war 1214 Memmingen (hier befindet sich auch heute ein Museum zu der entsprechenden Historie), weitere 41 Häuser folgten. Darunter waren die Klöster in:

      • um 1190 Roßdorf, seit 1441 in Höchst am Main (Justinuskirche, Antoniterkloster Höchst)
      • 1193 Grünberg (Hessen), Antoniterkloster Grünberg,
      • 1222 Tempzin in Mecklenburg (Tochtergründung von Grünberg)
      • Isenheim
      • um 1280 Bern, Haus Bern
      • um 1290 Freiburg im Breisgau
      • 1315 Prettin, Haus Lichtenbergk
      • 1384 Köln, Antoniterkirche (Köln)
      • Antoniterkapelle (Mainz)
      • 1391 Mohrkirch, Schleswig-Holstein (Tochtergründung von Tempzin )
      • 1393 Nördlingen, Antoniterkloster Nördlingen
      • 1434 Würzburg, Antoniterkloster Würzburg
      • 1444 Regensburg
      • 1454 Bamberg, Antoniterkloster Bamberg
      • 1456 Nimburg
      • 1492/93 Arolsen, Kloster Aroldessen

Heute ist vor allem das Antoniterschwein bekannt. Die Antoniter bekamen von der Bevölkerung Ferkel geschenkt, welchen sie eine Glocke umhängten und in ihre Bettelgebiete brachten. Dort wurden sie von der Bevölkerung über das Jahr hinweg gefüttert. Im Herbst kamen die Antoniter, um die Schweine, welche bis dahin schlachtreif waren, wieder abzuholen und um sie für das Kloster zu schlachten.

Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 


Apotheke  (griechisch „Speicher“)  (Apotheke)

 

Als Apotheke wird eine Zubereitungs- und Verkaufsstelle für Medikamente, besonders für solche, die der Rezeptpflicht (heute) unterliegen, genannt. Eine Apotheke darf nur ein zugelassener Apotheker betreiben. Die Ursprünge der Apotheke lassen sich in Europa bis ins Mittelalter (12. Jh.) zurückverfolgen. Als Orte eigenständiger Forschung sind die Apotheken auch die Geburtsstätte der pharmazeutischen Wissenschaft.

Die Apotheke oder auch die Arbeitsräume einer Apotheke wurden früher auch als Offizin (lateinisch-veralteter Begriff) benannt. Der Verwalter der Apotheke wurde anfänglich Provisor (lateinisch – veralteter Begriff) genannt. (WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 


Apotheker  (Apotheker)

 

Apotheker (mhd. apoteker, appateker; mlat. apothecarius; ursprünglich = Lagerdiener, -verwalter; auch herbarius, pharmacopula). Anfänglich wurde die Heilkunst von Mönchen gepflegt und tradiert. Karl d. G. verfügte, dass Heilkunde obligatorisches Lehrfach an den Klosterschulen zu sein habe. Das pharmazeutische Wissen war Teil des medizinischen. Erst durch die von Friedrich II. im Edikt von Melfi (1240) erlassenen Constitutiones medicinales wurde ein eigener Apothekerstand geschaffen. Von da an war die Bezeichnung „apotecarius“ (auch appateger, appanteger u.ä.) auf den Heilmittelhersteller und -händler gemünzt. Vordem galt sie auch für Lagerverwalter, Gewürz- oder Großhändler.

In den Städten richteten sich seit dem 12. Jh. Apotheken ein, die vom städtischen Rat zwar im Sinne eines geregelten Gesundheitswesens privilegiert waren, ihren Gewinn jedoch mehr aus dem Handel mit Gewürzen, Konfekt und Drogen als mit eigentlichen Arzneimitteln zogen. Die Zulassung war an Sachkunde, Kenntnis der lateinischen Sprache, Verpflichtung zu steter Dienstbereitschaft und Einhaltung gerechter Preise gebunden. Fälschungen von Maß, Gewicht und Waren wurden strafrechtlich verfolgt. Der Umgang mit Giften war streng reglementiert. Aus einem Nürnberger Ratserlaß von 1496:

"Den Apothekern ist ertheilt, in iren eid zu pinden, so sie hinfüro ymant ein hüttrauch (Arsenik) oder ander gifft zu kauffen oder aus der apotecken geben, ob auch solichs mit wissen eines burgermeisters beschiht. Sollen sie demnacht eigentlich in ire register anschreiben, wem, wie viel und wann sie solich gifft geben haben." Auch sollten sie "kainerley vergifft oder ander ertzney, damit man kindlein vertreibt ... keinen menschen nicht raichen oder verkauffen ..." 

Wie in anderen Handwerksberufen auch wurde in vorindustrieller Zeit der Nachwuchs durch die Apotheker selbst ausgebildet. Die Lehre wurde mit 12 – 14 Jahren begonnen und betrug drei bis sechs Jahre. Der Lehrzeit schloss sich eine zwei- bis vierjährige Gesellenzeit an, die häufig zur Wanderung benutzt wurde. Gesellen mussten 17 Jahre alt sein und sollten – vom Ende des 14. Jh. an – die Lateinschule besucht haben. Vor eigener Niederlassung mussten sie gegenüber einer ärztlichen Prüfungskommission ihre pharmazeutischen Kenntnisse unter Beweis stellen, gelegentlich wurde bei dieser Gelegenheit der Meistertitel erworben. Ab dem Spätmittelalter zogen angehende Apotheker aus wohlhabendem Haus ausnahmsweise auch an Universitäten (Salerno, Bologna, Ferrara, Padua, Paris), wo sie im Matrikel als „pharmacopula“, „apothecarius“ oder „rei pharmaceuticae studiosus“ geführt wurden. Dabei gab es kein besonderes Studium der Pharmazie, man hörte mit den Medizinern Anatomie, Botanik oder Diätetik. Apotheker waren hier nicht zunftpflichtig. Das verbriefte Apothekerrecht (Privileg; ältestes Beispiel in Prenzlau [Uckermark], 1303) beinhaltete Steuerfreiheit, Befreiung vom städt. Wachdienst und von Zwangseinquartierung. Das Privileg konnte vererblich sein, auch verkauft werden oder an eine Person gebunden sein. Es sicherte dem Inhaber eine monopolartige Stellung und damit zumeist ein gehobenes Einkommen. In Annaburg war er Freihäusler.

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Apotheker; Zugriff 11/2008

 

 


Aquavit  (Aquavit)

 

Aquavit (lateinisch „Lebenswasser“) ist ein Kartoffel- oder Kornbranntwein, meist mit Kümmel oder anderen Kräutern gewürzt.

In der Zeit von „Anna“ stand er als „Lebenswasser“ für eine „Universalmedizin“ der Träger die „Kräutermixtur“ war und als „Öffner“ diente der Alkohol (damit sie im Körper ihre Wirkung entfalten konnte). Der Alkohol diente letztlich aber auch als Konservierungsstoff für die Kräutermixtur. Aus diesen „medizinischen“ Anwendungen sind die meisten heutigen Kräuterschnäpse hervorgegangen.

 

 


Askanier (Askanier)

 

Die Askanier sind ein schwäbisch-fränkisches Fürstengeschlecht. Der Name leitet sich von Ascharia, ihrem Sitz in der Grafschaft Aschersleben, latinisiert „Ascanien”, ab. Als erster Vertreter des Geschlechts erscheint 1036 Graf Esico von Ballenstedt. Unter Albrecht dem Bären gewann die Askanier 1134 die Markgrafenwürde für die Nordmark, und mit der Eroberung Brandenburgs 1157 den Titel des Markgrafen von Brandenburg. So nannte er sich am 3. Oktober 1157 erstmals „Markgraf in Brandenburg“. Die von Albrecht betriebene Ostkolonisation erweiterte wesentlich die Hausmacht der Askanier. 1180 erhielt Albrechts Sohn Bernhard den Titel eines Herzogs von Sachsen. Später wurden sie zu Kurfürsten mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg erhoben. In den folgenden Generationen spaltete sich das Geschlecht in vier Hauptlinien:

    1. die anhaltinische Linie, die die Grafen, später Herzöge von Anhalt stellte und die bis 1918 regierte;
    2. die brandenburgische Linie, die 1319 erlosch und von den Wittelsbachern beerbt wurde;
    3. die Linie der Herzöge von Sachsen-Lauenburg, die 1689 ausstarb und dann von den Welfen beerbt wurde;
    4. die Linie der Herzöge, später Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg, die 1422 erlosch und von den Wettinern beerbt wurde.

Autorenkollektiv, freien Enzyklopädie Wikipedia (Stand 2006)

 

 


Aufklärung (Aufklaerung)

 

Aufklärung: eine geistesgeschichtliche Epoche des 17. und 18. Jh. in Europa. Aufklärung meint nach der Definition I. KANTS den »Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit«: »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«, ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Anliegen der Aufklärung: Die Aufklärung wollte das Denken aus der bisherigen Abhängigkeit von Autoritäten herauslösen und auf die der Vernunft innewohnenden Prinzipien gründen. Sie ging dabei von der Voraussetzung aus, dass jedes Individuum vernunftbegabt ist und damit die Fähigkeit zum selbstständigen Vernunftgebrauch besitzt. Die Aufklärung wendete sich zunächst gegen die bis dahin alles Denken beherrschenden kirchlichen Autoritäten, deren Ansehen und Glaubwürdigkeit durch die Auswüchse der Konfessionskämpfe untergraben worden waren. Nach dem unmittelbaren Wortsinn zielte der Begriff Aufklärung darauf ab, in einer von kirchlichen Vorurteilen und kirchlichem Aberglauben verfinsterten Welt das Licht der Vernunft zu verbreiten. Die Aufklärung stellte jedoch nicht nur die kirchliche, sondern schließlich jegliche Autorität infrage. Hauptbereiche: Die Aufklärung bewirkte in erster Linie eine Umwälzung der Wissenschaften und legte somit gleichsam den Grund zum modernen Wissenschaftsverständnis: sie erneuerte einerseits die Philosophie, die auf die prinzipielle Erkennbarkeit alles Seienden abhebt, führte andererseits zum Aufstieg der empirischen Wissenschaften, voran der Naturwissenschaften, die an die Stelle dogmatischer Annahmen die Ermittlung von Erfahrungstatsachen setzten, aber auch zum Aufstieg der Geschichtsschreibung, die sich aus einer Unterabteilung der Ethik und Rhetorik zunehmend zu einer eigenständigen Disziplin mit einem den Naturwissenschaften entsprechenden Erkenntnisanspruch entwickelte. Die Aufklärung brachte aber auch eine neue Vorstellung von Staat und Gesellschaft, eine neue Weltanschauung hervor. Sie forderte religiöse Toleranz, Trennung von Staat und Kirche, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Abschaffung ständisch-aristokratischer Privilegien, Förderung von Industrie und Handel, Pflege der Wissenschaften und Künste sowie eine Reform des Schulwesens. Diese Forderungen gründen sich auf die Naturrechtslehre der Aufklärung, die die seit der Antike aufgestellten naturrechtlichen Theorien zugleich aufnahm und aufhob. Sie erkannte dem Individuum das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum als angeborene Menschenrechte zu, erklärte den Schutz der Menschenrechte zum Zweck des Staates; diese Zwecksetzung wurde verdeutlicht durch die Figur des Gesellschaftsvertrags, den die Individuen beim Übergang vom Naturzustand zum gesellschaftlich-politischen Zustand abschließen.

Die Einwirkung aller dieser Anschauungen auf die Entwicklung von Staat und Gesellschaft war beträchtlich. Ein enger Zusammenhang bestand zunächst v. a. zwischen Aufklärung und Absolutismus, die beide aus den bisherigen kirchlich-konfessionellen Bindungen herausstrebten und damit denselben Gegner hatten. Die absolute Monarchie verwirklichte durch ihre Politik aufklärerische Forderungen und war daher lange Zeit Hauptverbündeter oder Hauptadressat der Aufklärer, bediente sich ihrerseits aber auch der aufklärerischen Ideologie. Der aufgeklärte Absolutismus des späten 18. Jh. bedeutete lediglich eine letzte Erscheinungsform dieser Übereinstimmung. Die Aufklärung musste auf Dauer gesehen jedoch über den Absolutismus hinausführen und lieferte schließlich die Argumente zum Kampf gegen die absolute Monarchie. Zentren der Aufklärung waren England und Frankreich. Die englische Aufklärung, repräsentiert durch Namen wie I. NEWTON, J. LOCKE und D. HUME, begründete die neue Philosophie, Wissenschaft und Staatslehre. Die französische A., für die die T Enzyklopädisten (u.a. VOLTAIRE, MONTESQUIEU, D. DIDEROT und A. CONDORCET), C. A. HELVETIUS und die Physiokraten stehen, knüpfte an die Leistungen der englischen Aufklärer an, suchte sie zu popularisieren und gelangte im Zuge ihrer fortdauernden Auseinandersetzung mit den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen m Frankreich zu einer Präzisierung und Modifizierung im Bereich der Staatslehre. Sie wurde dadurch zum Vorbild für das übrige Europa. Die deutsche Aufklärung blieb lange den hergebrachten religiösen Anschauungen verhaftet; sie erreichte ihren Höhepunkt im Werk G. E. LESSINGS. Die Überwindung der Aufklärung begann mit J.-J. ROUSSEAU und wurde vollendet durch den deutschen Idealismus und Historismus seit I. KANT und W.v. HUMBOLDT.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Augsburger Religionsfriede (AugsburgerReligionsfriede)

 

Augsburger Religionsfriede: nach Verhandlungen König FERDINANDS I. mit den katholischen und protestantischen Reichsständen auf dem Augsburger Reichstag am 25. September 1555 verkündetes Reichsgesetz zur Beendigung der Religionskämpfe. Der Augsburger Religionsfriede erkannte das Augsburger Bekenntnis als gleichberechtigte Konfession neben dem Katholizismus an (unter Ausschluss der Zwingliancr, Kalvinisten und Täufer). Die weltlichen Reichsstände erhielten nach dem Grundsatz »Cuius regio, eius religio« (lateinisch »wessen Land, dessen Religion«) das Recht, das Bekenntnis ihrer Untertanen zu bestimmen; andersgläubigen Untertanen wurde das Recht auf Auswanderung zugestanden. Die grundsätzlich freie Wahl der Konfessionen galt jedoch nur für die weltlichen Reichsstände. Der geistliche Vorbehalt, der ohne Zustimmung der protestantischen Reichsstände in den Augsburger Religionsfriede aufgenommen worden war, bestimmte, dass ein geistlicher Reichsfürst beim Übertritt zum Augsburger Bekenntnis Amt und Herrschaft verlor. Damit sollte die Säkularisierung der geistlichen Territorien verhindert werden. Der Augsburger Religionsfriede brachte die Kämpfe der Reformation zum Abschluss und bestätigte die Glaubensspaltung im Reich.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996


Backofen im Dorf  (Backofen)

 

 

 

Der Backofen wurde oft von mehreren Familien genutzt. Er bestand aus Ziegelsteinen, die mit einem dicken Lehmmantel zur Wärmespeicherung umgeben sind. Ein Backvorgang dauert etwa drei Stunden. Die Restwärme wurde noch zum Kuchenbacken und zum Trocknen von Kräutern und Obst (Dürrobst) verwendet.

 

 


Backsteinbau (Backsteinbau)

 

 

 

Backsteinbau (mndd. backstein, wohl Lehnübersetzung von lat. later coctus = gebackener Baustein, Backstein; Backsteinmacher = laterarius). Nach dem Niedergang des röm. Imperiums gab es im Bereich des heutigen Deutschlands jahrhundertelang keine Ziegler und Ziegelsteine mehr. Erst in klösterlichen Ziegeleien (mhd. zygelhus; mlat. tegularium, domus latericium) wurde die Ziegelmacherei neu belebt.

Der Mangel an gewachsenem Stein in der gesamten norddeutschen Tiefebene und auch zwischen Elster und Elbe führte dazu, dass hier länger an der traditionellen Holzbauweise festgehalten wurde. Nur gelegentlich wurden Kirchen oder wenigstens deren Turm aus Granitfindlingen (Feldsteinen) oder Raseneisenstein aufgeführt. Etwa zeitgleich mit der Ostkolonisation (bis zur Mitte des 12. Jh.) breitete sich – wahrscheinlich unter dem Einfluss lombardischer Fachleute aber auch der flämischen Siedler, getragen von Zisterziensern und Prämonstratensern – die Kunst des Ziegelformens und -brennens aus, wofür genügend Rohmaterial in Form von Lehm und Schlick zur Verfügung stand.

Es entwickelte sich daraus ein eigenständiger norddeutscher Backsteinbau-Stil, der sich im Bereich der Hanse und des Deutschen Ordens, also bis nach Skandinavien, Polen und dem Baltikum verbreitete. (z.B. Dom zu Brandenburg, beg. um 1161). In diesem Baustiel wurden auch die ältesten Ziegelbauten bei uns ausgeführt, wie in Axien, Löben und Clöden.

Das damalige Ziegelformat („Klosterformat“) war deutlich größer als das heutige, nämlich etwa 1 x 1/2 x 1/3 Fuß (nach neuzeitl. Normierung 28,5 cm x 13,5 cm x 8,5 cm). Bis zum Ende des 13. Jh. steigerten sich die Maße auf 32 cm x 15 cm x 9 cm (Marienburg). Das Gewicht betrug ca. 6 – 8 kg. Wichtig war, dass der Maurer vor Ort den Stein mit einer Hand greifen und versetzen konnte, damit er die andere Hand für die Kelle frei behielt („Einhandstein“).

Backsteinmauerwerk bestand aus zwei eine Steintiefe starken Schalen; der dazwischenliegende Raum wurde mit Bruchwerk und Mörtel verfüllt. Die Mauerfläche wurde durch wechselnde Anordnung der Steine als Läufer (Langseite sichtbar) und Binder bzw. Köpfe (Schmalseite sichtbar) gegliedert.

Bemerkenswert ist, dass die mittelalterlichen Baumeister die Verwendung von Backsteinen im Fundament- und Sockelbereich vermieden haben.

Auch Säulen samt Basis und Kapitell wurden aus Backstein gemauert. Für Kreuzrippen, Fenster- und Portalleibungen, Maßwerk und anderes architektonisches Zierwerk wurden in besonderen Modeln gebackene Formsteine verwendet.

Bei uns begann der norddeutschen Backsteinbau nur mit der gotischen Stilepoche (s. Backsteinromanik, Backsteingotik).

Häufig galt das Rot der Backsteine als nicht ausreichend, und man half mit einer farbigen Fassung nach. Ein überliefertes Rezept für einen roten Farbanstrich enthält neben einem Teil caput mortuum (rotes Eisenoxid) zwei Teile Heringslake und fünf Teile Wasser. Salz, Fett und Eiweiß der Heringslake erhöhen die Haltbarkeit des Anstrichs.

Online Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Backsteinbau; Zugriff 11/2008

 

 

 


Bader (Bader)

 

 

 

Bader, auch Stübner genannt, ist eine alte Berufsbezeichnung für den Betreiber einer Badestube. Der Beruf ist seit dem Mittelalter bekannt. Einerseits waren sie die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den meist klerikalen, studierten Ärzten leisten konnten. Andererseits waren sie aber bis ins 18. Jahrhundert wichtige Gehilfen der akademisch gebildeten Ärzteschaft, weil diese die Behandlung von Verletzungen und offenen Wunden sowie chirurgische Eingriffe scheuten (siehe Stellung und Rechte).

Wie die Feldschere übten sie einen hochgeachteten, obgleich von der Wissenschaft nicht akkreditierten Heilberuf aus. Er umfasste das Badewesen, Körperpflege, Kosmetik und Teilgebiete der sich erst entwickelnden Chirurgie, Zahnmedizin und Augenheilkunde. Neben dem Bader arbeitete im Badehaus oft ein Scherer oder Barbier, der für das Haareschneiden und Bartscheren zuständig war. Aus diesen Berufen entwickelte sich der Handwerkschirurg, später Wundarzt genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bader

 

 

 


Badestube, Badehaus  (Badestube)

 

 

 

Ein Badehaus im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde im Auftrag der Gemeinde von einem Bader betrieben. Es spielte etwa vom 13. bis zum 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Alltagskultur. Gebadet wurde – meist mit Geschlechtertrennung – vor allem am Samstag oder am Vorabend hoher Feiertage. In den Badehäusern, die heutigen Hygienevorstellungen bei weitem nicht entsprachen, wurden auch Tätigkeiten wie Zähneziehen, Haarschneiden, Rasur sowie kleinere chirurgische Eingriffe (Aderlass, Schröpfen) ausgeführt. Teilweise wurden in Badehäusern auch Bordelle betrieben.

Die Blütezeit der Badehäuser war das Spätmittelalter. Der Niedergang der Badekultur wurde entscheidend durch das Auftreten von Seuchen wie Pest und Syphilis eingeleitet.  Die Syphilis wurde in den Badestuben durch die fehlende Hygiene beim Aderlassen und Schröpfen verbreitet. Das war damals jedoch nicht bekannt. Der Dreißigjährige Krieg führte zur Schließung der Badehäuser die nach dem Kriegsende meist nicht wieder errichtet wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Badehaus

 

 

 

 


Bäcker, Pfefferkuchler (Baecker)

 

 

 

Bäcker (mhd. becker; von ahd. backan = erwärmen; mlat. panifex). Brot als eines der wichtigsten Nahrungsmittel war in verschiedenen Zubereitungen seit dem Altertum bekannt. Auf den Dörfern war das Brotbacken Teil der bäuerlichen Selbstversorgung, daneben wurde in den Back- und Braustuben (cambae) der Klöster und Herrenhöfe gebacken. Ab der Renaissance an bildete sich in den Städten das Bäckerhandwerk aus, dass grundlegende Bedeutung für die Ernährung der Stadtbevölkerung hatte. Eine Besonderheit unter den Bäckern stellten die „fliegenden“ Bäcker dar, die sich überall einfanden, wo große Menschenmengen zusammenkamen. So kamen 1414 zum Konzil zu Konstanz fremde Bäcker, „die hattend kleine bachövelin, die sie auf karren in der statt umfürent, darin sie basteten, turten, küchli und mancherley gebachenes zurichtend und feil hatten“.

Brot war bei einem durchschnittlichen Tagesbedarf von 500 gr pro Kopf das Hauptnahrungsmittel. Entsprechend rigide wurden durch die Schaukommission (s. Warenschau) Brotgewicht, Qualität und Preis kontrolliert. Back- und Verkaufsrecht wurden vom Stadtrat gegen Abgaben verliehen. Die Einrichtung eines Backofens unterlag auch hinsichtlich der Brandgefahr strenger Reglementierung. Jeder Meister durfte nur eine Brotbank betreiben; das Verkaufsrecht im Bäckerhaus war eingeschränkt oder verboten.

Schwarz- oder Sauerbäcker arbeiteten auch als Lohnhandwerker, die ihren Lohn in Form eines Anteils am gebackenen Brot erhielten. Erst ab der Renaissance bekamen sie den Backlohn in Geld ausgezahlt. Der Backlohn richtete sich nach dem Getreidepreis und war äußerst gering. Weiß- oder Schönbäcker waren dagegen von Anfang an reine Preishandwerker, d.h. sie kauften das Mehl auf eigene Rechnung und verkauften das daraus gefertigte Backwerk. Das Bäckerhandwerk bekam schon im 10. Jh. bestimmte Rechte zugestanden (Regensburg, 955); bis zum Ende des 13. Jh. bestanden in fast allen Städten Bäckerzünfte, deren wichtigstes Recht darin bestand, die Niederlassung von Standesgenossen oder die Einfuhr von Backwaren zu verbieten.

Bäckerlehrlinge (Lehrknechte) lernten 2 bis 3 Jahre, danach durchliefen sie die Stufenleiter der Gesellen als „Poßler“ (Junker), „Kübelknecht“ (Teigmacher) und „Helfer“ (Schießer). Hatte ein Geselle zwei Jahre ohne Unterbrechung bei einem Meister gearbeitet (Mutzeit) und dabei seine berufliche Qualifikation bewiesen, so durfte er den Meistertitel führen. Gesellenwanderung und Meisterprüfung setzten sich im Bäckerhandwerk erst nach dem Mittelalter durch. Viele Bäcker stellten außer einer Massenware noch Spezialgebäcke her und wurden nach diesen benannt: Semmler (semeler), Brezelbäcker, Lebküchner (lebezelter), Pfefferküchler, Süßbäcker (süezbecke), Weißbrotbäcker (weizbecke) usf. Außerdem hatten viele Bäcker auch das Braurecht, gelang ihnen doch – im Gegensatz zu anderen Brauern – aufgrund der in der Backstube stets in der Luft schwebenden Hefezellen fast jeder Sud (vom Zusatz von Bierhefe war bis zum Ende des Mittelalters nichts bekannt).

Das Bäckerhandwerk galt als besonders ungesund. Das ständige Einatmen von Mehlstaub führte zu Bronchialkatarrh und -asthma, chronische Ekzeme entstanden durch Verstopfung der Talgdrüsenöffnungen mit Mehlstaub oder wurden durch Mehlmilben (Acarus siro) verursacht, das viele Stehen führte zu Deformierung und Versteifung der Knie, dazu kamen permanenter Schlafmangel und die Arbeit in der Gluthitze des Backofens.

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de; Zugriff 11/2008

 

 


Bahnmühle in Annaburg  (Bahnmuehle)

 

 

Nach Angaben von Herrn Rudolf Otte erbaute sein Vater, der Getreidekaufmann Wilhelm Otte, 1924 die Bahnmühle. Er hatte die Vorstellung, das Getreide in Annaburg und Umgebung aufzukaufen, zu vermählen und das Mehl im Großhandel abzugeben. Die beste Transportmöglichkeit war die Reichsbahn, und so kaufte er den Bierkeller der Schultheißbrauerei und baute darauf seine Mühle. Die Mühle hatte Bahnanschluss und wurde von der Mühlenbaufirma Wetzig aus Wittenberg eingerichtet. Leider war zu dieser Zeit die große Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es gab keinen Absatz für die Mühlenerzeugnisse und der Umsatz verringerte sich stetig. Im September 1932 kam es dann zur Zwangsversteigerung. Der neue Eigentümer wurde am 14. September 1932 die Sparkasse Herzberg im Kreis Schweinitz. Sie verkaufte die Mühle an den Landwirt Adolf Heese aus Waltersdorf im Kreis Schweinitz am 23. November 1932. Herr Heese verpachtete die Mühle an Herrn Albrecht aus Annaburg für zwei Jahre. Doch der häufige Wechsel der Pächter brachte nicht den gewünschten Erfolg, und so bot Herr Heese die Mühle erneut zum Verkauf an.

Der von Breslau nach Annaburg zugezogene Müllermeister Fritz Plaumann kaufte die Bahnmühle am 16. Mai 1938. Das Grundstück wurde ohne Gewährleistung für Größe, Güte und Beschaffenheit verkauft. Die Mühle war ein massives Gebäude und bestand aus dem Mühlenkeller, dem Walzenboden, dem Behälterboden und dem Sichterboden. Es waren drei Silozellen mit einem Fassungsvermögen von fünf Tonnen Getreide pro Zelle vorhanden. Für die Vermahlung waren ein Doppelwalzenstuhl mit 800 mm Walzenlänge, ein einfacher Grießstuhl von 800 mm Walzenlänge und eine Ausmahlmaschine vorhanden. Die Tagesleistung der Mühle betrug ca. fünf Tonnen in 24 Stunden. Am 19. Januar 1952 wurde der Müllermeister Fritz Plaumann verhaftet und wegen des Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze des innerdeutschen Handels verklagt und enteignet. Nach der Enteignung erfolgten der Ausbau und die Verschrottung der Mühlenanlage. Das ehemalige Mühlengebäude mit Bahnanschluss nutzte von nun an der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb. Nach der Wende übernahm die Firma Tilmann Borchard Maschinenbau GmbH das Mühlengebäude in der Gärtnerstraße 14.

 

 

 


Barock  (Barock)

 

 

Als Zeitalter des Barock wird die Stielepoche zwischen Renaissance und Klassizismus bezeichnet, die etwa von 1575 bis 1770 währte. Als Kunstform des Absolutismus und der Gegenreformation ist der Barock durch üppige Prachtentfaltung gekennzeichnet. Auch diese Kunstrichtung nahm ihren Anfang in Italien und breitete sich zunächst in den katholischen Ländern Europas, und in abgewandelter Form auch in protestantischen Gegenden aus. Ihren stärksten Ausdruck fand die Barockkunst in der Architektur. Alle strengen Ordnungen der Renaissance werden aufgelöst; schwingende Formen. Kuppeln, Säulengruppen. Giebel und Fensterbekrönungen mit reichem ornamentalem Schmuck rufen in dem Betrachter den Eindruck von Kraft und Bewegung hervor und bewirken eine Steigerung aller Wirkungen. Wie wir bereits wissen viel das Giebel-Dach dem Barock zum Opfer, genauso wie fast alle Decken im Amtshaus. Dachform und Stuckdecken sind die Vertreter dieser Stielepoche die wir im Amtshaus vorfinden.

Architekturlexikon unter www.architektur-lexikon.de.htm; Zugriff 08/2008

 

 


Bauer (Bauer)

 

Bauer: der Eigentümer oder Pächter eines landwirtschaftlichen Betriebs. Kennzeichnend für die Tätigkeit des Bauern sind Landbebauung und Viehzucht. Die bäuerliche Tätigkeit wurde zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor und bildete Voraussetzung und Basis für die Entwicklung aller Hochkulturen.

Im Mittelalter war das europäische Bauerntum tragendes wirtschaftliches Element und auch zahlenmäßig der bedeutendste der drei Stände, aber fast ohne jeden Anteil am staatlich-politischen Leben. In der Zeit der Völkerwanderung kannten bereits die Germanen neben dem freien, großbäuerlichen Grund besitz die aus der Gefolgschaft hervorgegangene Grundherrschaft mit einer großen Zahl abhängiger Bauern. Seit der Karolingerzeit muss innerhalb des Bauernstandes unterschieden werden zwischen Unfreien, die das Land des Domänenherrn bewirtschafteten, halbfreien Pachtbauern, die in bäuerlicher Leihe eine Bauernstelle (Hufe) auf dem Land des Grundherrn gegen Leistung an diesen zur Bearbeitung erhielten, und freie Bauern, die Eigentümer ihres Bodens und zum Kriegsdienst verpflichtet waren und deshalb häufig als Wehr- und Rodungsbauern in königlichem Auftrag siedelten.

Bis zum 14./l5. Jh. lässt sich eine allgemeine Verbesserung des Lebensstandards und der sozialen Stellung der Bauern feststellen: Durch Rodung und Binnensiedlung (Landesausbau) sowie v. a. durch die deutsche Ostsiedlung wurde bäuerliches Neuland gewonnen, durch neue Anbaumethoden (verbesserter Einsatz von Zugtieren und Pflug sowie Einführung der Dreifelderwirtschaft) die Erträge gesteigert; trotz eines stetigen Bevölkerungswachstums blieben Hungersnöte bis ins 14.Jh. aus. Einem Teil der unfreien Bauern gelang die Ablösung der geforderten Frondienste (Fronen) durch die Zahlung einer jährlichen Kopfsteuer. Befreiung aus der Leibeigenschaft war möglich durch Anschluss an die Rodungs- und Siedlungsbewegung oder durch Flucht in die Stadt, die nach Jahr und Tag Freiheit versprach (»Stadtluft macht frei«). Neben der die mittelalterliche Agrarverfassung bestimmenden Grundherrschaft stand das genossenschaftliche Prinzip: die Markgenossenschaft und Dorfgemeinde, die als rechtliche, wirtschaftliche und soziale Gemeinschaft des Dorfes in Selbstbestimmung z.B. die Nutzung der Allmende oder die Flurordnung (Flurzwang) regelte. Im 14.Jh. führten Hungersnöte und Seuchensterblichkeit (Pestepidemien) zur Landflucht und zur Aufgabe von bäuerlichen Stellen (Wüstungen). Sinkende Getreidepreise bei gleichzeitig steigenden Löhnen und Preisen für gewerbliche Güter bedingte weiterhin eine Verschlechterung der Situation der Bauern. Da die festgesetzten Abgaben mit dem Sinken der Kaufkraft des Geldes nicht Schritt halten konnten, strebten die Grundherren einen Ausgleich ihrer Verluste an, indem sie den Bauern Sonderabgaben auferlegten und die bäuerliche Autonomie, den Gemeinbesitz und seine Nutzung, einzuschränken versuchten. Unter Berufung auf althergebrachte Rechte setzten sich die Bauern gegen diese Bestrebungen zur Wehr; nach einzelnen, regionalen Aufstandsbewegungen ab dem 15. Jh. erreichte der Widerstand der Bauern seinen Höhepunkt und zugleich sein Ende im Bauernkrieg, dessen wirtschaftliche und finanzielle Folgen rasch überwunden werden konnten, nicht jedoch dessen politische und soziale Folgen, nämlich das jahrhundertelange Ausscheiden der Bauern aus dem politischen Leben.

In der frühen Neuzeit brachte der Dreißigjährige Krieg einen erneuten Einschnitt in der Geschichte des Bauerntums; die hohen Bevölkerungsverluste und die Verwüstung weiter Landstriche zwangen die Landesherrn, sich mit Nachdruck den wirtschaftlichen und sozialen Problemen des Bauerntums zuzuwenden: Neben Wiederaufbaumaßnahmen mithilfe staatlicher Unterstützung und Zwangsansiedlung förderte die landesherrliche Politik den Handel mit Agrarprodukten und bemühte sich um eine Sicherung des Bauernstandes durch Schutzmaßnahmen wie z.B. die Regelung des bäuerlichen Erb- und Besitzrechts oder der ländlichen Arbeitsverfassung. Nahezu unberührt hiervon blieb jedoch der Osten Deutschlands, wo sich die Grundherrschaft zur Gutsherrschaft ausweitete.

Vom 18.Jh. bis zur ersten Hälfte des 19.Jh.: Eine grundlegende Änderung der bäuerlichen Verhältnisse trat mit der Bauernbefreiung durch die Agrarreformen des 18. und 19. Jh. ein. Während im Westen und Süden die traditionelle Agrarstruktur grundsätzlich erhalten blieb, da hier meist nur Abgaben abzulösen waren, führte die Bauernbefreiung im Osten Deutschlands zu einer nochmaligen Schwächung des Bauerntums, weil die Bauern sich hier Freiheit und Besitz durch Abtretung eines Drittels oder der Hälfte ihres Landes erkaufen mussten. Dementsprechend konnte sich der Großgrundbesitz weiter ausdehnen. Die verarmten Bauern dagegen verdingten sich als Tagelöhner oder wanderten in die Städte ab, wo sie einen erheblichen Teil der Industriearbeiterschaft bildeten. Bereits seit dem 18. Jh. hatte sich auch die bäuerliche Wirtschaftsweise grundlegend verändert: An die Stelle der Dreifelderwirtschaft war die Fruchtwechselwirtschaft getreten und mit dem Anbau von Klee und Futtermitteln eine intensivere Viehhaltung ermöglicht worden. Eine erneute Rentabilitätssteigerung des Bodens brachte die Verwendung von künstlichem Dünger sowie die Einführung von Landmaschinen seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. War Deutschland bis dahin im Wesentlichen ein Agrarland, so ging nach 1850 die Bedeutung des Agrarsektors in der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung deutlich zurück, wie auch zahlenmäßig die Bauern nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung bildeten.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 


Sächsisches Bauernhaus (Bauernhaus)

 

 

Die mitteldeutschen Bauernhäuser, hier repräsentiert durch ein sächsisches Wohnstallhaus, waren von ganz anderer Gestalt: ihr Grundriss war kleiner, Bodenunregelmäßigkeiten und Höhenunterschiede wurden von kräftigen Fundamenten oder von gesonderten Untergeschossen ausgeglichen. Im unteren Stock befanden sich Wohnung und Stall. Der Wohnbereich erstreckte sich mit Saal, guter Stube und Schlafkammern auch über den ersten Stock, im Raum unter dem steilen Satteldach lagerte die Ernte.

Michel – Briefmarkenkatalog 2004

 

 


Bauernlegen (Bauernlegen)

 

 

Bauernlegen: Bezeichnung für die Einziehung von Bauernstellen mit scheinbar unsicheren Besitztiteln durch Aufkaufen oder Vertreibung. Das Land wurde dem Grund- oder Gutsherrenbesitz zugeschlagen. Zuerst in England im 15. und 16. Jh. praktiziert, begann das Bauernlegen in den deutschen Territorien v. a. nach dem Dreißigjährigen Krieg und fand seinen Höhepunkt im 17. und 18. Jh. Das Steigen der Agrarpreise garantierte bei Eigenbewirtschaftung höhere Einkommen, als bei Vergabe des Landes an die Bauern durch Zinsen erzielt werden konnten.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Bauernpolitik (Bauernpolitik)

 

 

 

Bauernpolitik: umfasst die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Ordnung einer bäuerlichen Gesellschaft, v. a. Eigentumsverhältnisse, Siedlungsformen, Bodennutzung, Arbeitsverfassung und Sozialstruktur. Gestaltend wirkten neben dem genossenschaftlichen und das herrschaftliche Prinzip. Das genossenschaftliche Prinzip, das auf der grundsätzlichen Gleichstellung von Gleichberechtigten beruht, äußerte sich im Mittelalter in der Form der Dorfgemeinde (Dorf) und der Allmend- und Markgenossenschaft. Das herrschaftliche Prinzip ist seit dem Frühmittelalter bis zur Bauernbefreiung des 18/19. Jh. durch die Grundherrschaft bzw. Gutsherrschaft gekennzeichnet. Insgesamt lässt sich zwar bis ins Spätmittelalter eine allgemeine Verbesserung der Lage des Bauernstandes feststellen, die nicht zuletzt auch bedingt war durch die deutsche Ostsiedlung: Die den Kolonisten als Anreiz gewährten günstigeren Besitzrechte erzwangen notwendigerweise auch Zugeständnisse der Grundherren, um ein Abwandern der Bauern zu verhindern. Von der frühen Neuzeit bis zum 18. Jh. verlief die Ausbildung des modernen Fürstenstaates parallel zur Entwicklung einer landesherrlichen Agrarpolitik, die v. a. durch zwei Zielsetzungen bestimmt war: zum einen das Bauerntum gegen die Grund- und Gutsherren zu schützen, zum andern die zahlreichen Ausprägungen der Agrarverfassung zu vereinheitlichen, indem der Landesherr die genossenschaftlichen wie herrschaftlichen Bestimmungen seiner Kontrolle zu unterstellen und zu beeinflussen suchte. Die Gestaltung der Agrarverfassung – soweit es die herrschaftliche Seite betrifft – wurde zunehmend nicht mehr durch eine Auseinandersetzung zwischen Grundherren und Bauern bestimmt, sondern die Rechtssetzung ging auf den Landesherrn als eine über beiden Parteien stehende Instanz über. Kennzeichnend für die frühe Neuzeit war auch die Entwicklung der Grundherrschaft zur Gutsherrschaft. So weiteten sich in Ostdeutschland die gutsherrlichen Eigenwirtschaften im 15./16. Jh. durch Heimfall oder Einziehung wüst (leer) gewordener Stellen aus; weiter verschob sich das Schwergewicht zugunsten der Gutsherren nach dem Dreißigjährigen Krieg mit dem Einsetzen eines planvollen Bauernlegens. Allein die Vergrößerung des Besitzes begründete jedoch noch nicht die Gutsherrschaft, vielmehr kam sie zustande durch die Übertragung politischer Rechte an die Grundherren vonseiten der Landesherren, die aufgrund ihrer Finanznot zu immer weiteren Zugeständnissen gezwungen waren, sodass der einstige Grundherr zur Obrigkeit der Bauern wurde. Die Vergrößerung der Gutswirtschaften führte zudem zu einer Verschärfung der Schollenbindung, sodass die Bauern, die einst als Kolonisten besondere Rechte hatten und nur grundherrschaftlich gebunden waren, in eine als Realleibeigenschaft zu bezeichnende Abhängigkeit gerieten (auch Erbuntertänigkeit). Die Reformen im Zusammenhang mit der Bauernbefreiung lösten im Prinzip die gesamte alte Agrarverfassung sowohl in ihrer genossenschaftlichen wie auch insbesondere in ihrer herrschaftlichen Ausprägung auf.

Vergleiche  „Duden Grundwissen-Geschichte“ unter S.W. Agrarverfassung , Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Baumschule  (Baumschule)

 

 

 

Die Baumschule ist eine auf Baumzucht spezialisierte Gärtnerei; Ein Gartenbereich in dem Bäume nach unterschiedlichem Zuchtalter gepflanzt sind.

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Königliche Beamte der Stadt Annaburg 1841 (Beamte1841)

Königliche Beamte

 

    1. Forstmeister (bis 1816 Oberförstermeister) Herr Carl von Hagen
    2. Oberförster                Herr August Reitzenstein
    3. Oberförster                 Herr Carl Sack
    4. Amtmeister und Forstkassen Rendant Herr August Gottlob Meiye
    5. Unterförster                Herr Carl Wertz
    6. Unterförster                Herr Johann Friedrich Lang
    7. Forsthilfs-Aufseher    Herr Carl Wilhelm Schneider
    8. Forsthilfs-Aufseher    Herr August Gruhl
    9. Floßaufseher               Herr Joseph Schweinitz
    10. Gerichtsamtmann        Herr Georg Christoph Julianus Haerter
    11. Actuarius, Referendar Herr Eduard Salfeld
    12. Gerichtsamt Copist     Herr Carl August Moeder
    13. Gerichtsamts- Bote und Zuchtvater Fürchtegott Strieme
    14. Justiz – Communal Not pupl. Herr Carl Ludwig Arndt
    15. Steuer Einnehmer       Herr Carl Wilhelm
    16. Steuer – Aufseher (berittener)   Herr Matthias Leue

 

 


Beleuchtung (Beleuchtung)

 

 

Beleuchtung: Der wichtigste Lichtspender der kleinen Leute war – abgesehen vom Lichteinfall durch Fenster, Tür und Rauchluke – im Mittelalter war das offene Herdfeuer. Daneben kannte man das Feuerbecken, in welchem Späne harzhaltigen Holzes bzw. in Harz oder Fett getränkten Holzes brannten, sowie Kienspäne, Tranlampen und Schmalzlichter. Feuerbecken standen auf einem Dreifuß oder hingen an Ketten von der Decke. In deren bescheidenem Lichtkreis konnten kaum Arbeiten ausgeführt werden, sodass der Arbeitstag mit Einbruch der Dunkelheit endete.

Der mönchische Tagesablauf war bestimmt vom Chorgebet; er begann zwischen Mitternacht und 2 Uhr mit der Mette und endete mit der Komplet zwischen 18 und 21 Uhr. Während der langen Nachtstunden dienten Brenn-Näpfe und Kerzen zur Beleuchtung. (In den flachen Brenn-Näpfen brannte ein Docht in einem Behältnis mit Talg, Tran oder [etwa ab 1400] Raps-, Lein- oder Rüböl sowie Fischtran. Hängend angebrachte Lampen dieser Art hießen Ampeln [von lat. ampulla = kleine Flasche, Ölgefäß].) Kerzen für den Alltagsgebrauch bestanden aus Rinder- oder Hammeltalg, im Kirchenraum durften dagegen nur Kerzen aus Bienenwachs verwendet werden. Kerzen wurden auf ein-, selten auf mehrarmige Leuchter, auf hohe Kandelaber oder auf radförmige Kronleuchter gesteckt. In den weniger brandgefährdeten Steinbauten der Burgen steckte man in den Hallen und Gängen Fackeln aus Kiefernholz („Kienfackeln“) und solche mit harz- oder wachsgetränktem Stoffzeug auf.

 Gegen Ende des Mittelalter kam die Schusterkugel auf, eine Arbeitsplatzbeleuchtung der Schuster, Feinmechaniker und Schreiber. Tragbare Lichtquellen (etwa zum nächtlichen „Heimleuchten“) waren Fackeln und – vom 14. Jh. an – windgeschütze Kerzenlaternen (Windlichter). Letztere waren zylinder- oder kastenförmig und aus Holz oder durchbrochenem Eisenblech hergestellt. Gegen Luftzug waren sie durch Hornplatten, später durch Glasscheiben geschützt.

Online Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank Von http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Beleuchtung; Zugriff 11/2008

 

 


Bergbau (Bergbau)

 

 

Bergbau: Vielfach wurden in Europa bereits in der Stein- und Bronzezeit mit Über- und Untertagebau Kupfer und Edelmetalle gewonnen. Eisenerze wurden seit der Hallstattzeit in Europa gewonnen und in Brennöfen verhüttet. In der griechischen und römischen Antike betrieben der Staat oder konzessionierte Unternehmen mit Sklaven und Soldaten die Bunt- und Edelmetallgruben. Im frühen Mittelalter wurden zunächst Fronarbeiter im Bergbau eingesetzt. Das erstmals 1158 auf dem Ronkalischen Reichstag kodifizierte Bergregal (l Regalien) gewährte dem Kaiser das Recht am Abbau aller Mineralien einschließlich des Salzes. Mit den Fürstenprivilegien ging das einträgliche Bergregal an die Landesfürsten über, die gegen eine Abgabe (Berggefälle) Genossenschaften oder Geldgeber mit dem Abbaurecht (Bergfreiheit) belehnten. Das hohe Risiko des Bergbaus (ungewisse Fündigkeit, Gefahr des Wassereinbruchs) und die hohen Erschließungskosten führten in der frühen Neuzeit zur Ausbildung der genossenschaftlichen Gewerke, die in der Art von Aktien so genannte Kuxe als Anteilscheine am Bergbau erhielten. Für die Bergleute brachte der Aufstieg des deutschen Bergbau in dieser Zeit eine hohe Anerkennung sowie verschiedene Privilegien und Vorformen von Tarifverträgen, Sozialeinrichtungen und gewerkschaftsähnlichen Zusammenschlüssen von Steigern und Knappen (Gedinge). Durch die fortschrittliche Organisationsform trat der deutsche Bergbau mit dem Bunt- und Edelmetallabbau in den habsburgischen Alpenländern, im Harz (Goslar und Rammeisberg), im Erzgebirge (Freiberg) sowie dem Erzbergbau im Siegerland und dem Erz- und Alaunbergbau im Saalfelder Gebiet an die Spitze der damaligen Bergbautechnik. Die aus der Antike übernommene Technik mit Eisen und Schlägel wurde seit dem 16. Jh. durch Sprengtechnik, durch mit Pferden angetriebene Maschinen (Pferdegöpel) zur Schachtförderung, Wasserführung und Belüftung, durch Nassaufbereitung ärmerer Erze und durch Pochwerke (Verkleinerungsmaschinen) verbessert, wobei als technisches und bergrechtliches Standardwerk bis ins 19. Jh. das 1556 erschienene Lehrbuch »De re metallica« des GEORG AGRICOLA galt. Im Absolutismus löste das vom Landesherrn favorisierte Direktionsprinzip mit an Bergakademien ausgebildeten Bergbeamten das Gewerkwesen ab, um durch den staatlichen Bergbau die Landesfinanzen zu sanieren. Der gewaltige Kapitalbedarf in der Zeit der industriellen Revolution ließ jedoch wiederum private Bergbaugesellschaften hervortreten, wobei die Dampfmaschine eine gewaltige Steigerung der Eisenerz- und Steinkohlenförderung durch das selektive Abpumpen des Wassers sowie durch tiefere Schachtanlagen in bisher unerreichbaren Abbaufeldern ermöglichte.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Beutler (Beutler)

 

 

 

 

Beutler (Beutelmacher; v. mhd. biutel = Beutel, Tasche) waren Lederhandwerker, die zierliche, am Gürtel zu tragende Lederbeutel für Münzen und kleine Habseligkeiten fertigten. Besonders aufwendig gestaltet waren die Geldbeutel mit Behältnissen für die verschiedenen Münzsorten, wie sie im Spätmittelalter in Gebrauch kamen.

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Beutler; Zugriff 11/2008

 

 

 


Bibliothek  (Bibliothek)

 

 

Eine Bibliothek (griechisch „Buchniederlage“) auch: Bücherei; ist eine Büchersammlung, die nach einem Katalog benutzt werden kann, auch der Raum oder das Gebäude, in dem die Sammlung untergebracht ist steht zur Nutzung zur Verfügung. Man unterscheidet grundsätzlich öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken.

Die älteste nachweisbare Bibliothek war die Tempelbibliothek der Babylonier in Nippur (zurückreichend bis 2 200 v.Chr.) aus Tontafeln (eigentlich ein Urkundenarchiv). Eine umfangreiche Bibliothek befand sich in Chattusa-Bogazköy (14./13. Jh. v.Chr., Keilschriften). Eine Bibliothek mit vorderasiatischen Literaturdenkmälern ist die Tontafelsammlung des assyrischen Königs Assurbanipal im Palast zu Ninive (7. Jh. v.Chr.).

Zu den größten Bibliotheken des Altertums zählten die zu Alexandria (Museion, vor dem Brand 48/47 v.Chr. etwa 700 000 Schriftrollen) und die zu Pergamon. In Rom verfügten Cicero, Atticus, Vergilius u.a. über eigene Privatbibliotheken.

Caius Asinius Pollio gründete 39 n.Chr. die erste öffentliche Bibliothek; im 4. Jh. n.Chr. hatte Rom 28 öffentliche Bibliotheken.

Im Mittelalter bestanden Bibliotheken nur in den Klöstern und bei manchen Hauptkirchen (erste Klosterbibliothek durch Cassiodor um 540 in Vivarium). Eine Blüte erlebten sie in der Karolingerzeit (Kölner Dombibliothek). Seit dem 13. Jh. wurden Bibliotheken auch an den Universitäten eingerichtet (mit Katalogen und Ausleihe). Sie erlebten einen gewaltigen Aufschwung seit dem 15./16. Jh. durch den Humanismus, vor allem seit der Erfindung des Buchdrucks (Laurentiana in Florenz, Vaticana in Rom). Infolge der Klosteraufhebung nach der Reformation kam es zur Errichtung von städtischen Bibliotheken; nach der Ausbildung der neueren Territorialstaaten zur Gründung von fürstlichen (den später staatlichen) Bibliotheken (berühmt ist die Palatina, die Pfälzische Bibliothek zu Heidelberg, jetzt im Vatikan).

Anfang des 19. Jh.s wanderten die reichen Bücherschätze der damals aufgehobenen Klöster in die Landesbibliotheken. Erst im 19. Jh. entstand die moderne Bibliothek, die allgemein zugänglich ist und großzügige Benutzungsmöglichkeiten bietet.

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Bienenbeutner (Bienenbeutner) – Geschichte der Imkerei im Mittelalter

 

 

Bereits im Frühmittelalter standen im Salischen Gesetz von 510 hohe Strafen auf den Diebstahl von Bienen und Honig. 643 verankerten die Westgoten den Wildbienenfang im Gesetz und führten bereits eine Haftpflicht bei Schäden durch Bienen ein. Eine Urkunde des Herzogs Odilo von Bayern belegt 748 erstmals schriftlich die Waldbienenzucht, die dort als Zeidlerei bezeichnet wird. Um 800 befahl Karl der Große, Imkereien auf seinen Gütern einzurichten. Wie historische Abbildungen belegen, wurden Bienen bereits in gezimmerten Kästen gehalten.

Im 14. Jahrhundert entstand in Lochau(Annaburg) die erste Imkerorganisation in Form der Innung (Zunft) der Bienenbeutner. Diese Zunft war hoch angesehen. Sie war einziger Lieferant für Bienenwachs, aus dem Kerzen hergestellt wurden. Dies ist auch mit ein Grund, warum in vielen mittelalterlichen Klosteranlagen Imkereien zu finden waren. Die Zunftangehörigen genossen zahlreiche Privilegien. Die Waldbienenzucht fand vorwiegend im Süden des heutigen Deutschlands, aber auch in ostdeutschen und baltischen Waldgebieten statt. Hier entstanden unter dem Deutschen Ritterorden „Beutner“-Dörfer, wobei „Beutner“ sich von dem bereits oben erklärten Begriff „Beute“ herleitet. Dieser Tätigkeit ging überwiegend der Slawische Teil der „Ostbevölkerung“ nach.

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Blitzableiter (Blitzableiter)

 

 

 

Als Blitzableiter wird eine Einrichtung zum Schutz von Gebäuden vor Blitzeinschlägen bezeichnet. Damit stellt der Blitzableiter einen Teil des Blitzschutzsystems eines Gebäudes dar.

Als Erfinder des Blitzableiters gilt Benjamin Franklin (1706–1790) in Amerika, der sich in den 1740er Jahren stark für Elektrizität interessierte. Nach seiner 1749 geäußerten Theorie, Blitze seien nichts anderes als Funken in riesigem Maßstab, führte er im Juni 1752 ein entsprechendes Experiment , das im Aufbau einem Blitzableiter gleicht, durch.Auch in  Europa wurde das Phänomen von Blitzen eifrig untersucht. So starb 1753 etwa Georg Wilhelm Richmann während eines Versuchs am Blitzschlag. Der erste Blitzableiter in Deutschland wurde auf der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi 1769 installiert. 1779 wurde die niedersächsische Universitätsstadt Rinteln mit einem Kranz von insgesamt sieben frei stehenden Blitzableiterstangen umgeben, die die Stadt komplett schützen sollten. Der Blitzableiter wurde jedoch an vielen Stellen in Deutschland relativ zeitgleich eingeführt, so berichtet A. T. von Gersdorff in den Oberlausitzer Provinzialblättern von der Konstruktion eines Blitzableiters in Oberrengersdorf im Jahre 1772. Dies erfolgte im Rahmen der ausführlichen Beschreibung der Errichtung eines Blitzableiters für den Turm des Schlosses Hainewalde, welche im Jahre 1782 stattfand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Blitzableiter

 

 

 


Böttcher – Beruf  (Boettcher)

 

 

 

 

Böttcher (mhd. botecher; v.mnd. bödeker, böddeker; zu böde, bödde = hölzerne Wanne, Bütte; auch: binder, vazbender, butenaere, scheffelaere, kuofener, küefer; mlat. doleator, doliarius, dolifex, tunnarius, cuparius, ligator vasorum, buttiglarius). Etwa um die Zeitenwende erfanden gallische Kelten das hölzerne Fass, dessen Dauben durch radiales Spalten aus einem Stammstück gewonnen wurden. Die Römer lernten es auf ihren Eroberungszügen in Gallien kennen und verbreiteten die Technik der Böttcherei.

Produkte der Böttcherei waren kleinere Alltagsgegenstände wie Eimer, Kübel, Schalen, Krüge, Becher (Daubengefäße) und Großgefäße wie Gär- und Maischbottiche für Bier, Badezuber, Waschbütten und Wassertröge. Für den ma. Warenaustausch waren Tonnen und Fässer unterschiedlicher Größe als Transport- und Lagerbehälter für die verschiedensten Güter unersetzlich, sie waren die „Container“ der Zeit, wurden gefüllt mit Wein, Bier, Fleisch, Fisch, Butter, Tran, Salz, Getreide, Erz, Büchern, Metallwaren usf.

Für das Böttcherhandwerk kamen, je nach Landschaft und Spezialisierung, verschiedene Bezeichnungen auf: Fassbinder, Binder, Büttner, Schäffler, Küfer und Kübler. Nach dem verwendeten Holz unterschied man: Weißbinder (Nadelholz), Rotbinder (Buchenholz) und Schwarzbinder (Eichenholz). Die Kleinböttcher fertigten ihre Gefäße ausschließlich aus Nadelholz.

Dauben, Böden und Deckel stellten die Böttcher selbst her, die Reifen (gespaltene Weiden-, Hasel- und Birkenruten und Eisenreifen) kamen von Zulieferern (s. „Bandreißern“ und Schmieden). Das Böttcherhandwerk entwickelte ein ganzes Arsenal von Spezialwerkzeugen wie verschiedene Abzieh- und Schabeisen, Setzhämmer, Rundhobel („Stockholm“), Bodenauszieher und Spundlochausziehbohrer.

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Brehna (Brehna)

 

 

 

Brehna eine Stadt im Landkreis Bitterfeld in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie liegt rund 19 km nordöstlich von Halle (Saale) an der Kreuzung (Anschlussstelle Halle) der Bundesstraße 100 und der Bundesautobahn 9.

Ein eindeutiges Datum der Gründung ist urkundlich nicht belegt, doch wird davon ausgegangen, dass der Ort vor dem Jahre 1050 entstanden ist. Der Ort trat unter der Bezeichnung Brehna „Brene“ erstmals 1053 durch schriftlichen Nachweis in Erscheinung. Der Name des Ortes gab der Grafschaft Brehna seinen Namen.

1201, bei der Gründung des Augustiner-Chorfrauenstifts Brehna, spricht die darüber berichtende Quelle Chronica Montis sereni (Chronik vom Lauterberg, wie der Petersberg damals hieß) davon, dass dieses Chorfrauenstift in dem Dorf Brehna gegründet wurde. Das Stadtrecht wurde Brehna um 1220 verliehen, wie in der 2. Urkunde der Urkundensammlung (Diplomatarium Brenense) in der „Geschichte der Stadt und Grafschaft Brehna“ des Pastors Johann Jakob Köhler aus dem 18. Jahrhundert nachzulesen ist.

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Bruch – (Bruch)

 

 

 

Bei einem Bruch handelt es sich um eine Verwerfung, Erdfalte. Unter unseren geografischen Bedingungen im Elburstromtal – handelt es sich i.d.R. um mit Wasser gefüllte Verwerfungen.

Sie kennzeichnen somit Feuchtlandschaften – Sümpfe, Feuchtwiesen – die nach Wasserregulierenden Maßnahmen ggf. trockengelegt werden konnten.

 

 


Röhrwasser; Brunnen  (Roehrwasser)

 

 

 

Brunnen (mhd. brunne, ahd. brunno) und Brunnenleitungen kamen durch de Bau des Jagdschlosses in unsere Gegend. Das Wasser vor Ort, sehr eisenhaltig war nicht genießbar, sodass für die Herrschaften Quellwasser herangeführt werden musste.

Dabei wurde das Quellwasser durch hölzerne Röhren (mhd. tiuchel, mndd. pipe) geleitet und füllte sogenannte Wasserkästen im Schloss. Sie wurden aber auch zum Teil direkt in die Räume gelegt. So auch in die „Badestube“ des Kurfürstenpaares im Jagdschloss. Die Holzröhren waren meist aus harzreichem Kiefernholz, seltener aus Eichen- und Erlenholz gefertigt; ihre Länge betrug ca. 4 m bei einer Stärke von ca. 23 cm und einer lichten Weite von 5-6 cm. Untereinander waren sie mit Rohrstücken aus Eisen, Zinn oder Kupfer verbunden oder einfach ineinander gesteckt, indem man ein Ende zuspitzte und dieses in des ausgeweitete und mit einem Eisenring verstärkte Ende des nächsten Rohres steckte. (Die Holzröhren wurden im Liegen von beiden Enden her aufgebohrt. Das Gestänge der Deichelbohrer hatte die halbe Länge der Röhre, wurde mittels einer Kurbel in Drehung versetzt und trug als Werkzeug einen eisernen Hohlzylinder, den man vor dem Bohren zur Glut erhitzt hatte. Rohre aus Gusseisen fanden hier keine Verwendung. 

Die meisten Stadtbewohner von Annaburg mussten sich aber mit Brunnen ihr Wasser fördern, auch wenn es nicht gerade das gesündeste war.

Zur Anlage eines Brunnens wurde eine oberirdische Quelle gefasst oder ein Schacht bis zu einer wasserführenden Schicht niedergebracht (Grundwasser-, Schachtbrunnen). Dieser Schacht, die „Brunnenstube“, wurde über viereckigem oder rundem Grundriss mit Rutenflechtwerk, Bohlen („Kastenbrunnen“), Ziegelsteinen oder Steinquadern ausgekleidet, und füllte sich von der Sohle oder der Wandung her mit Grundwasser. Der Brunnenschacht verjüngte sich oft im untersten Abschnitt. Die Schachtsohle war lose mit flachen Steinen, Kies oder Backsteinen ausgelegt, damit der Schöpfeimer den Bodensatz nicht aufwirbeln konnte. Über dem Bodenniveau umgab ein kniehoher Zaun oder eine Mauer den Brunnenschacht, um Verunreinigung und Unfälle zu verhindern; mancherorts kam eine Überdachung als Wetterschutz hinzu (Brunnenhaus). Zum Schöpfen wurden hölzerne Eimer (hebevaz) verwendet, die mit einer Wippe und angelenkter Hebestange (mhd. galgbrunne, ziechbrunne) oder mit einer Haspelwinde an Seil oder Kette auf und ab bewegt wurden (windebrunne). Die Wippe des Galgbrunnens war so austariert, dass der längere Hebelarm dem kürzeren samt vollem Eimer das Gleichgewicht hielt. Galgbrunnen hatten einen beschränkten Hub; sie eigneten sich nicht für Brunnenschächte, die tiefer als 3 – 4 m waren. Bei Brunnen mit Doppeleimer senkte sich der leere Eimer, während der volle am anderen Ende des Seiles heraufgewunden wurde. Bei großdimsionierten Windebrunnen wurden die Eimer statt mit der Haspel mittels Tretrad oder Göpel gefördert. Der Stadt- oder Dorfbrunnen lag meist an einem zentralen Platz, war gemeinschaftsfördernder Mittelpunkt und wurde vom HMA. an entsprechend anspruchsvoll mit Bauplastik (Brunnenfigur, Wappen, got. Zierrat) oder Ziergittern geschmückt. Üblicherweise hatten Brunnen eigene Namen, z.B. Löwen-, Schmieds-, Linden-, Stockbrunnen, Oberer oder Unterer Brunnen.

In der christl. Bilderwelt erscheinen Brunnen als „Quell der Erkenntnis“, „Quelle des Lebens“, „Quelle der Unsterblichkeit“ usf. Aus dem Paradiesesbrunnen entspringen vier Flüsse, die in die vier Weltrichtungen entströmen. Im ausgehenden Mittelalter erscheint auch das Motiv des Jungbrunnens.

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Brunnen; Zugriff 11/2008

 

 

 


Buch (Buch)

 

(althochdeutsch: buoh, „zusammengeheftete Buchenholztafeln“)

In babylonischer Zeit gab es das Tontafel-Buch, in Altindien das Palmblatt-Buch, bei den Griechen und Römern wurden Texte zuerst Papyrusrollen festgehalten, die in der Zeit seit Christi Geburt auch zu Büchern gebunden wurden. Die Römer verwendeten zusammengebundene Wachstafeln; seit etwa 250 v.Chr. auch Tierhautrollen (griechisch: kylindros, lateinisch volumen). Seit dem 4. Jh. n.Chr. gewann der Blatt-Codex auf Papyrus oder Pergament an Bedeutung; er wurde gegenüber der als heidnisch angesehenen Rolle zur Form des christlichen Buches. Rollen wurden in Behältern, Kästen oder Regalen aufbewahrt. Die Codices erhielten zunächst nur ein festeres Anfangs- und Schlussblatt, später (lederbezogene) Holzdeckel oder Kleinodieneinbände. Sie wurden auch im Buchbeutel getragen.

Blattzählung erfolgte erst seit dem 14. Jh., in dieser Zeit auch das Aufkommen der Papierbücher und der gedruckten Blockbücher mit Holzschnitttafelseiten. In der Anfangszeit des Buchdrucks wurde das Buch der Handschrift nachgestaltet (Inkunabelzeit bis etwa 1500), mit handgemalten, zum Teil schon in Metall oder Holz geschnittenen Initialen und Illustrationen. Die Buchherstellung wurde zum Handwerk, der Buchdruck ermöglichte Massendrucke. Eine Verschlechterung der Buchkultur erfolgte im 17. Jh. (Dreißigjähriger Krieg), zu einer Reform kam es im 18. Jh. (Rokoko, Klassik). Seit dem 19. Jh. verdrängte der Maschinendruck zunehmend die traditionellen Formen des Buchdruckes.

Buchillustration waren besonders in romanischer und gotischer Zeit hoch entwickelt. Im 15. Jh. kamen der Holzschnitt und der Kupferstich auf, im 19. Jh. der Stahlstich und die fotomechanische Ätzung. Die Buchausmalung erfolgte in der Spätantike in städtischen Werkstätten meist durch Sklaven, im Mittelalter in Klosterschreibstuben und bischöflichen Malschulen. Buchmaler (Miniatoren) waren vor allem Nonnen und Mönche.

Zum Buch gehört der Bucheinband (althochdeusch) – der Deckel und Rücken eines Buches, meist aus Karton und mit Papier, Leinen oder Leder bezogen. Die modernen Taschenbücher haben oft einen flexiblen, farbig illustrierten Einband.

Die meisten bekannten Prachteinbände stammen aus dem Mittelalter, mit Elfenbeinschnitzereien, geschmückt mit Edelsteinen, Perlen, Email. Häufig wurde der Holzdeckel auch mit gestempeltem Wildleder bezogen. Die hochromanische Zeit kannte vor allem Kalb- und Ziegenleder, bei den spätgotischen Einbänden (Kalb- und Schweinsleder) wurden schon Rollen und Platten an Stelle von Einzelstempeln verwandt (beherrschend bis zum 18. Jh.). Der europäische Renaissance-Bucheinband war stark von der islamischen Einbandtechnik (Pappdeckel anstelle des Holzes, Vergoldung, Arabesken- und Maureskenschmuckformen) beeinflusst. Die Deckelmitte war oft mit dem Wappen der Auftraggeber geschmückt. Beim Gebrauchseinband findet sich schon früh Leder mit Blindpressung (farblos, mit Streicheisen und Stempel hergestellt) oder durch Lederschnitt dekoriert. Mitte des 19. Jh.s. setzte ein Stilverfall ein. Die moderne Buchkunst bringt eine neue Vielfalt von Techniken und Stilen hervor.

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Buchdruck  (Buchdruck)

 

 

 

Verfahren zur automatisierten Herstellung von Büchern. Vorstufen des Buchdrucks sind Siegel- und Stempeldruck, seit den Kreuzzügen der Zeugdruck. Der Druck mit Tonlettern ist schon um 1000 in China bekannt. Mit Wortstempeln aus Bronze wurde Ende des 14. Jh.s. in Korea gearbeitet.

Vorläufer des Gutenbergschen Letterndruckes war der Tafeldruck in den Blockbüchern: Text und Bild wurden als Ganzes in Holztafeln (ursprünglich Metalltafeln) geschnitten und mit einem Reiber auf Papier übertragen. Ausgeübt wurden diese Techniken von Briefmalern und Kartenmachern, Formschneidern und Briefdruckern. Hergestellt wurden vor allem Abzüge von Heiligenbildern, Ablassbriefen, Kalendern und Grammatikfibeln, so genannten Donaten. Um 1440/50 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Eigentlich handelte es sich um eine Serie von Erfindungen: Letternguss mit eigens entwickelter Gießvorrichtung, Setzkasten, Setzleiste, Handpresse, Druckfarbe). Gutenbergs erstes Meisterwerk war eine 42-zeilige Bibel mit 1 282 Seiten, die in einer Auflage von etwa 150 Exemplaren erschien.

Es entstanden erste Druckereien (Offizinen): Bamberg 1457, Straßburg 1459, Köln 1465, Augsburg 1468; in Italien seit 1465, hier wurde Venedig seit 1469 der bedeutendste europäische Druckort; in Frankreich 1470, in den Niederlanden 1472, Ungarn 1472, Spanien 1473, Polen 1474, England 1482, Schweden 1484. Um 1500 gab es 260 Druckorte, bis dahin waren 40 000 Bücher und Schriften in einer Auflage von etwa 6 Millionen Exemplaren erschienen. Die Buchdrucker (Goldschmiede, Buchmaler, Schreiber, Formschneider, Akademiker) bildeten keine Zunft, sondern waren „freie Künstler“. Außerdem war der Buchdruck ein unsicheres Gewerbe, da Buchdrucker auch Verleger waren. Die Entwicklung einer einheitlichen Schriftsprache wurde durch den Buchdruck gefördert. Ab 1725 wurde das Verfahren der Stereotypie verwendet (Letternsatz wurde in Gips gegossen, die Gipsform, die als Druckplatte diente, wurde mit Blei ausgegossen). 1796 wurde das Flachdruckverfahren erfunden (Lithografie). 1799 gab es erste Papiermaschinen, 1800 erste Eisendruckpressen (statt hölzerner). Friedrich Koenig erfand 1811 die dampfbetriebene Schnellpresse. 1822 wurde das erste Setzmaschinenpatent angemeldet, und 1837 wurde die Galvanoplastik entwickelt (Herstellung von Negativformen). Die erste Rotationspresse entstand 1848, 1884 wurde eine Zeilensetzmaschine von Ottmar Mergenthaler gebaut. Im 20. Jh. wurden die Techniken des Buchdrucks durch die Erfindung der Foto- und Lochstreifensetzmaschine und durch die Entwicklung von neuen Druckverfahren weiter verbessert.

WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 


Büchsenmacher (Buechsenmacher)

 

 

 

Büchsenmacher (Büchsenmeister; mhd. buhse, v. grch.-lat. pyxis = Dose) waren angesehene Leute und die eigentlichen Ingenieure ihrer Zeit. Sie verstanden sich auf Eisenguss, Schmiede-, Zimmerer- und Schreinerarbeiten, auf die Konstruktion von Hebezeug und Wurfgeschützen, auf die Herstellung verschiedener Schießpulver und auf die Bedienung von Feuerwaffen. Sie waren zünftig organisiert, Meister mussten ihre Kunst in einer Prüfung bewiesen haben. Ihre Erfahrungen legten sie in Büchsen- oder Feuerwerksbüchern nieder, von denen das „Deutsche Feuerwerksbuch“ (um 1420) das bekannteste wurde. Büchsenmeister standen als freie Unternehmer im Dienst fürstlicher oder städtischer Feldherren; in Nürnberg beispielsweise waren 1449 zur Bedienung der Feuerwaffen auf den Stadtbefestigungen 144 Büchsenmeister verpflichtet. Deutsche Büchsenmeister waren im Ausland als Lehrmeister begehrt.

Die nachgewiesenen Büchsenmacher in Annaburg in Vorindustrieller Zeit werden vornehmlich für die forstlichen Bediensteten und Beamten gefertigt haben, und dabei überwiegend Reparaturarbeiten durchgeführt haben.  

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de; Zugriff 11/2008


Bürger (Buerger)

 

 

 

Bürger: im Mittelalter der freie, vollberechtigte Einwohner einer Stadt, der das Bürgerrecht besaß, das v. a. an städtischen Grundbesitz geknüpft war. Nur der vollberechtigte B. konnte städtischen Handel oder städtisches Gewerbe treiben und hatte Anteil am politischen und sozialen Leben der Stadt.

Außerhalb des Bürgerrechts standen in der spätmittelalterlichen Stadt neben den Juden und den mit Sonderrechten ausgestatteten Klerikern v. a. unterbürgerliche Schichten (Gesellen, Gesinde, Arme) als Beisassen. Während des wirtschaftlichen Höhepunkts der frühneuzeitlichen Stadt begann vorübergehend- gegen den Widerstand des Landadels – der rechtliche Begriff des Bürgers mit allen sozialen Folgen im Südwesten und zum Teil auch im Nordosten Deutschlands auf das flache Land überzugreifen, sei es durch Aufnahme Schutz Suchender, sei es durch Einbeziehung einzelner Personen oder ganzer Gemeinden als Ausbürger oder Pfahlbürger in den städtischen Rechtsverband. In der Zeit des fürstlichen Absolutismus und des Merkantilismus entstand der neue Begriff des exemten Bürgers, der, frei von städtischen, dinglichen oder steuerlichen Lasten, dem Staat diente oder zum unternehmerischen Großbürgertum zählte. Diese Entwicklung leitete zum modernen Begriffsinhalt über. Innerhalb der von der politischen und sozialen Revolution um die Wende zum 19.Jh. geschaffenen modernen Staatsbürgergesellschaft verlor der Bürgerstatus seine ständische Beschränkung, wenn auch in Abwehr des vierten Standes der Begriff des politisch vollberechtigten Bürgers im 19. Jh. meist praktisch noch eingeschränkt wurde durch die Voraussetzung selbstständiger Tätigkeit oder von Grundeigentum (z.B. beim Wahlrecht).

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 


Bürgerwehr (Buergerwehr)

 

 

 

 

Die Bürgerwehr oder Bürgergarde (frz. garde bourgeoise) ist eine im 19. Jahrhundert aus der Waffenpflicht der Bürger zur Verteidigung ihrer Stadt hervorgegangene militärähnliche Einrichtung. Die Bürgerwehren waren in der Märzrevolution von entscheidender Bedeutung. Mit der Entwicklung der stehenden Heere verloren die Bürgerwehren ihre Bedeutung und waren seither nur noch Soldatenspiele. In der 1848-Revolution in Preußen war die Bewaffnung des Volkes eine ihrer Forderungen. Sie wurde dadurch teilweise erfüllt,  dass man den bürgerlichen die Gründung von Bürgerwehren nach dem süddeutschen Vorbild erlaubte. Sie sollte „Recht und Ordnung“ in den Städten aufrechterhalten. Das erklärt auch den kurzen Bestand der Annaburger Bürgerwehr.

 

 


Buhne  (Buhne)

 

 

 

Buhne: vom Ufer aus in den Fluß vorgebauter Dammkörper. Buhnen werden meist gruppenweise bei der Regelung von Flüssen zum Zusammenhalten und zur zweckmäßigen Führung der Fahrwasserrinne sowie zum Erhöhen der Wassertiefe verwendet. Sie sind im Fluß etwas stromauf gerichtet und verlanden leicht am vorspringenden Ufer des Flusses. Die tiefer liegenden Teile der Flussbuhnen werden als Sinkstücken, die höher liegenden aus Packwerk hergestellt. Die Sinkstücke werden mit Steinschüttungen beschwert und gegen Angriff der Strömung geschützt, der Packwerkteil mit schwerem Bruchsteinpflaster auf Kiesbettung abgepflastert. Sie können aber auch aus eingerammten Pfählen mit schweren Pflaster auf Faschinen hergestellt werden.

 


Calvinismus, Kalvinismus, (Calvinismus, Abendmahlsstreit)

 

 

Calvinismus: reformatorische Strömung, die von der lutherischen Reformation entscheidende Impulse empfing, aber in ihrem Glaubensverständnis und ihrer Kirchenverfassung stärker den Bedürfnissen der im Entstehen begriffenen Handels- und Manufakturbourgeoisie entsprach. Der aus Nordfrankreich stammende Jean Calvin legte in seiner erstmals 1536 in Basel und später in neu bearbeiteten und erweiterten Fassungen erschienenen Schrift »Christianae religionis institutio« (Unterricht der christlichen Religion) seine Lehren nieder, die in der Folgezeit von seinen Anhängern weiterentwickelt wurden. Das Kernstück war die Lehre von der Prädestination, nach der der Mensch von Gott zu Auserwähltheit oder ewiger Verdammnis vorherbestimmt ist. Nach Auffassung verschiedener Interpreten des Calvinismus bedeutete das, dass beruflicher Erfolg oder Mißerfolg und gesellschaftliche Stellung ein sichtbares Zeichen für Auserwähltheit oder Verwerfung sei. Arbeit, Genügsamkeit und Sittenstrenge galten als religiöse Pflicht. Während die reichen Bürger ihr Tun in diesen Auffassungen bestätigt sahen, entsprach die rigorose Haltung des Calvinismus in Fragen der Moral (Verbot von Luxus, Vergnügungen, Ehebruch und Unzucht) der antifeudalen Einstellung weniger bemittelter Schichten. Die republikanische Kirchenverfassung, die auf dem Prinzip der Wahl der Gemeindeältesten und der aus ihnen hervorgehenden Synoden als oberste Kirchenbehörden beruhte, gab der Gemeinde einen größeren Spielraum als die katholische und die entstehende lutherische Kirchenorganisation. Radikale Vertreter des Calvinismus propagierten auch ein Widerstandsrecht gegen gottlose Tyrannen. Calvin suchte seit 1536 in Genf seine Lehren zu realisieren, mußte aber nach inneren Auseinandersetzungen 1538 die Stadt verlassen und kam erst nach seiner Rückkehr 1541 zum Erfolg, zum Teil unter Zuhilfenahme rigoroser Mittel (Todesurteil u. a. Strafmaßnahmen). Seine Lehren wurden seit den 50er Jahren des 16. Jh. insbes. in westeuropäischen Ländern verbreitet. Calvinistische Gemeinden entstanden in Frankreich, doch wurde hier der Calvinismus 1685 verboten; in den Niederlanden bildete diese Lehre das ideologische Fundament der Revolution; sie wurde in Schottland und England verbreitet (hier als Puritanismus) und lieferte der bürgerlichen Revolution »das ideologische Kostüm«. Im Reich wurde der Calvinismus als Glaubensbekenntnis im Augsburger Religionsfrieden noch ausgeklammert; erst mit dem Westfälischen Frieden wurde er als gleichberechtigt anerkannt. Doch breitete er sich auch hier als sog. reformierte Kirche aus. Insbes. in rheinischen Städten und Territorien entstanden calvinistische Gemeinden. An mehreren Universitäten spielten calvinistische Einflüsse für die Wissenschaftsentwicklung eine große Rolle, vor allem auf staatstheoretischem Gebiet. Wenn Fürsten sich der calvinistischen Bewegung anschlössen, wie es z. B. der Kurfürst von der Pfalz tat, war das durch deren antihabsburgische Politik motiviert. Eine bes. Gestalt gewann der Calvinismus in Form des Kryptocal-vinismus (Geheimcalvinismus) in Sachsen, wo Anhänger Philipp Melanchthons Calvinismus und Luthertum verbinden wollten.

Abendmahlsstreit: besonders in der Zeit der Reformation geführte Auseinandersetzung um das rechte Verständnis des Abendmahls, v.a. zwischen LUTHER, der in Brot und Wem den Leib und das Blut CHRISTI gegenwärtig sah, und ZWINGLI, der in Brot und Wein nur Symbole erblickte. Der Abendmahlsstreit war eine wichtige Ursache für die Auseinanderentwicklung der protestantischen Bekenntnisrichtungen. Aber eben nicht die einzige, denn es ging um die „Machtfrage“, denn es positionierten sich hier die Adligen auf der einen und die bürgerlichen auf der anderen Seite.

241 Stichwörter aus dem „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996; Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag, Berlin 1983

 

 


Chirurgus; Ärzte  (Chirurgus)

 

 

 

Ärzte (von grch. archiatros = Oberarzt; ahdt. lachner, arzat; mhdt. arzet, heilaere). Der Berufsstand des Arztes kam in Europa erst auf, nachdem an den abendländischen Universitäten nach arabischem Vorbild medizinische Fakultäten eingerichtet worden waren. Bis dahin war das Heilwesen Domäne der Volks- und der Mönchsmedizin; bei Hofe gab es Leibärzte, die meist in Konstantinopel studiert hatten und oft Juden waren. Frühe Zentren der ärztlichen Wissenschaft wurden Salerno (Ende des 10. Jh), Montpellier (1. Hälfte des 12. Jh.) und Bologna (2. Hälfte des 12. Jh.). Im deutschen Sprachgebiet wurde Medizin erst vom Anfang des 15. Jh. an obligatorischer Bestandteil der Universitätslehrpläne. Bis dahin erwarben sich deutsche Ärzte ihr Wissen in Italien und Frankreich. Juden war das Studium an christl. Universitäten untersagt, und so finden sich ab dem Spätmittelalter in Europa keine jüdischen Ärzte mehr.

Studierte Ärzte (artzete von den puechen, buocharzete, medici, physici) waren bis ins 15. Jh. meist geistlichen Standes. Sie praktizierten bei Hofe, wurden vom Adel und vom arrivierten Bürgertum konsultiert und nahmen selbst gehobene gesellschaftliche Stellungen ein. Da die gesamte  Wissenschaft bis zur Zeit der Aufklärung mit magischen Vorstellungen durchsetzt war, verstanden sie sich zum großen Teil als medici astrologici bzw. medici iatromathematici.

Die Chirurgie wurde bis zur 2. Hälfte des 15. Jh. als mindere ärztliche Kunst gewertet, wenngleich schon vorher vereinzelt ein „Meister in den Arzneiwissenschaften“ oder ein „Doctor der freien Künste und beider Arzneien“ erwähnt wurde. (Der Plural in „Die Arzneiwissenschaften“ bzw. die Formulierung „beide Arzneien“ bezeichneten die Verbindung der inneren Medizin mit der Chirurgie.) Die Arzneibereitung war schon im 13. Jh. aus der Zuständigkeit der Ärzteschaft in die der Apotheker übergegangen.

In Prestige und Verdienst weit unter der studierten Ärzteschaft rangierten die handwerksmäßig ausgebildeten Wundärzte, Steinschneider, Bruchschneider, Feldschere, Augenärzte, Phlebotomisten (s. Aderlass), Bader, Barbiere, Zahnkünstler, Ärztinnen und Hebammen.

Vom 14. Jh. an häufte sich die Anstellung von vereidigten Stadtärzten („der stadt gesworner arcz“, „medicus noster“, „physicus civitatis“; s. Gesundheitsordnung). Sie sollten neben der praktischen Tätigkeit am Patienten „zu bescheidenlich lone“ (bei Armen unentgeltlich) auch die Apotheken beaufsichtigen, in der Gerichtsmedizin tätig sein, gelegentlich auch die Feldchirurgie und die Leprosenschau übernehmen.

Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de; Zugriff 11/2008

 

 

 

 

 


Deichbau (Deichbau)

 

 

Deichbau:  Um sich vor Überschwemmungen zu schützen, bauten die Menschen ihre Wohnstätten anfänglich auf künstlich aufgeschütteten Erhöhungen (bis zu 5m). Diese sogenannten Wurten oder Warften reichten allerdings allein nicht aus, um die ganze Siedlung vor Überflutungen zu bewahren.

Daher baute man rund um das entsprechende Gebiet einen Schutzdamm, einen Deich. Der Bau eines Dammes (Deiches) war eine enorme Leistung, die sowohl eine gut organisierte Gemeinschaft als auch große materielle Mittel erforderte. Zudem standen zu Anfang nur relativ primitive Geräte, wie Körbe und Tragbahren zur Verfügung. Später dürften auch Sturzkarren verwendet worden sein. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wird die Schiebkarre erwähnt. Dammbau war also eine sehr harte Arbeit.

Die früheren Deichlinien sind nicht mit unseren heutigen identisch, da es den Menschen nicht möglich war, die tiefliegenden Moore, Elbarme und Nebenflüsse zu durchdämmen. Noch heute finden wir neben den Flussdämmen, Ringdämme um Orte wie in Schützberg (Schutzberg – Verweis auf erhöhte Ansiedlung) die dieses Wachsen der baulichen Möglichkeiten veranschaulichen und auf älteste regionale Dammbauten hinweisen.

Für die Errichtung und Instandhaltung der Deiche waren die Bewohner der jeweiligen Gemeinde zuständig, „ohne Rücksicht auf die Güte ihres Landes nur nach der Morgenzahl (Hufe) desselben“. (siehe Deichlast) Es galt der Spruch „Kein Land ohne Deich und kein Deich ohne Land“.

In früheren Jahrhunderten mussten die Deiche auch als Verkehrswege (z.B. als Trieftwege) genutzt werden können, da die Feldwege durch den hohen Grundwasserstand bei Hochwasser nicht passierbar waren. Daher baute man die Deiche oft mit Breiten von 3 bis 5m. Etwa seit Mitte des vorigen Jahrhunderts beschränkt man sich auf eine 2,5m breite Deichkrone.

Im Laufe der Geschichte veränderten sich sowohl die Höhe der Deiche als auch der Deichaufbau. Zu Beginn waren die Deiche etwa 3m hoch und relativ steil. Man versah sie mit einer senkrechten Wand aus Holzpfählen, ohne dass man sich darüber klar war, dass diese „Stackdeiche“ nur wenig Schutzwirkung hatten. Das Land vor dem Deich wurde fast überall vom Wasser nach und nach weggespült, so dass die Deiche nach einiger Zeit direkt an der Wasserkante standen. Solche Deiche nannte man Schardeich. Diese Deiche mussten besonders gesichert werden, da sie durch die Flussströmung zusätzlich beansprucht wurden.

Im Laufe der Zeit wurden diese „Stackdeiche“ durch erdeüberdeckte Pfahlreihen mit vorgelagerten Faschinen abgelöst. Die steile Holzwand wurde durch eine flachere Böschung ersetzt, die mit Faschinen bedeckt wurde und teilweise mit Flussbuhnen gesichert war.

Später setzten sich stellenweise auch Steindeiche durch. Anstelle der Faschinen bedeckte eine Steindecke den Deichfuß. Diese Deiche waren steiler als die herkömmlichen Deiche und zwar beim Bau teurer, aber letztendlich einfacher zu unterhalten und auch sicherer, da Steine einen besseren Schutz gegen Wellen und Eis bieten als Holzfaschinen.

Als Baumaterial für die Deiche eignen sich am besten lehm- und tonhaltige Sande. Torf oder Moorboden sind zwar schnell verfügbar gewesen, aber diese Materialien weichen bei Überflutungen schnell auf und es kommt leichter zu Deichbrüchen. Auf der Deichdecke werden Gräser angesiedelt, die von Schafen kurz gehalten und durch die Hufe verdichtet werden.

Deiche haben eine typische Form, sie sind in fast allen Fällen an der Gewässerseite abgeflachter als an der Landseite. Damit bieten sie Wellen, aber auch mitschwimmenden Gegenständen und Eis wenig Widerstand. Funktionsfähige Deiche müssen ständig gewartet, gepflegt und überprüft werden. Sie werden einmal von tiefwurzelnden Pflanzen freigehalten, denn z.B. Baumwurzeln können später Eintrittslöcher für Wasser bilden. Andererseits soll es durchaus eine stabilisierende Decke aus Graswurzeln geben. Unter dieser Wurzel gibt es häufig verschiedene Deichkörper, der Deich besteht also nicht einfach aus einem in eine bestimmte Form geschobene Erdkörper. Viele Deiche haben entweder kurz hinter der Krone oder vor Ende auf der Landseite einen Weg für Servicefahrzeuge. Außerdem haben sie an der Landseite einen kleinen Entwässerungsgraben, der durchquellendes Wasser und Regenwasser sowie ggf. von Land her kommendes Oberflächenwasser auffangen und ableiten soll.

Unser heute noch bestehendes Deichsystem wurde in den wesentlichen Grundzügen nach den verheerenden Hochwasserereignissen zwischen 1816 und 1881 sowie der in diese Zeit fallenden großen Elbbegradigung errichtet. Ab dem Blockdeich bei Elbkilometer 163,2 (der  in Richtung zu den Höhenzügen der Annaburger Heide angelegt ist und Letzte der Binnendämme zur Unterteilung der Polderflächen der Elbe im Mittellauf zwischen Riesa und Torgau bis zur Mündung der Schwarzen Elster) wird das gesamte Elbe-Elster-Delta von etwa 300 Quadratkilometern Größe durch unsere Deiche geschützt.

In unserem Bereich hat das Gelände ein auf 25 Kilometer gleichmäßiges Gefälle von zehn Metern in nördliche Richtung, ohne ein Hindernis  zur Mündung  der Schwarzen  Elster bei Schützsdorf. Hier befinden sich 31.000 Bewohner, von denen etwa 21.000   Einwohnern   vom   Hochwasser 2002 betroffen waren, dabei wurde eine Fläche von zirka 220 Quadratkilometern überflutet! Diese Fläche ist vergleichbar mit der Insel Fehmarn, ist größer als die Müritz und halb so groß wie der Bodensee.

 

 


Deichbrüche (Deichbruch)

 

 

Deichbrüche: Für einen Deich gilt, was für eine Kette auch gilt: Die schwächste Stelle bestimmt die Gesamtstärke des Bauwerks.

Der so genannten „Deichverteidigung“ kommt bei Hochwassern seit jeher ein besonderes Augenmerk zu. Denn alle anderen (technischen) „Hochwasserregler“ wie Wehre, Ablässe und Sperrwerke werden zur Makulatur, wenn der Deich bricht und das Wasser also durch eine geplante Rückhaltelinie strömt. Deichbrüche sind offensichtlich und spektakulär. Dabei ist der Deichbruch sozusagen der größte denkbare Unfall. Häufig gehen dem Deichbruch subtile Ereignisse voraus – wir stellen drei häufige unter ihnen vor:

 

1. Deichunterspülung

♦   unter dem eigentlichen Deichkörper sickert Wasser durch

♦   subtil und zunächst ungefährlich

♦   schwer zu lokalisieren und praktisch nicht zu verhindern

Bei einem starken Hochwasser drückt ein enormes Gewicht gegen den Deich. Stellt man sich ein Schwimmbad vor, das im Schnitt so 2-3 Meter tief ist, so ist nachvollziehbar, dass ein Deich faktisch den gleichen Druck wie eine Wand des Schwimmbads aushalten muss. Das Gewicht des Wasser erhöht den Wasserdruck und damit werden selbst kleinste Löcher zu möglichen Rissstellen. Durch den Wasserdruck sickert bei längerem Hochwasser unterhalb der Wasserlinie immer mehr Wasser in die Poren des Deichkörpers (siehe Bild). Er wird im wahrsten Sinn aufgeschwemmt. Der Deich ist aber meist gut gepflegt und die Anlage der Deichteile abgestimmt. Grade wenn aber die Zusammensetzung des Deichs oder dessen Härte anders ist als der Untergrund, kann sich dort ein kleiner Wasserfluss bilden. Unterspülungen sind quasi nicht sichtbar und zunächst ungefährlich. Sie destabilisieren nur die Tragfähigkeit, so dass man ggf. nicht mehr auf dem Deich herumfahren darf. Gefährlich werden sie erst, wenn sich aus ihnen richtige Löcher bilden.

Auch bei normalem Wasserstand sickert über das Grundwasser immer Wasser hinter dem Deich durch.


2. Deichlöcher 
 
♦  Wasser fließt durch einen Kanal durch

♦  zunächst schlecht zu beobachten

♦  bei großem Druck und/oder langer Zeit durch Ausweitungserosion gefährlich

Löcher entstehen häufig durch grabende Tiere (insbesondere Bisamratten), Unachtsamkeit, das Befahren durch zu schwere Fahrzeuge, Wurzeln oder aufprallende Gegenstände. Durch diese Löcher strömt dann Wasser mit enormen Druck - und reißt Deichmaterial mit. Das Loch weitet sich durch Erosion auf. Dort wo das Wasser austritt, erkennt man manchmal einen kleinen Sandhaufen, den das Wasser aufspült. Stopft man diese kleinen Löcher nicht, riskiert man über längere Zeit einen Deichbruch.

Deiche, die nicht regelmäßig kontrolliert werden, können auch durch die "Grabarbeiten" von Kaninchen oder Wühlmäuse an der Oberfläche angegriffen werden.


3. Wasser bricht Deich von oben her auf, daher gut zu beobachten
  
♦  bei schlecht gebauten oder weichen Deichen häufig

♦  gefährlich in sehr kurzer Zeit (massive Erosion)

♦  kann nur bei Beginn (z.B. mit Sandsäcken) verhindert werden,

danach praktisch kaum verhinderbar, höchstens einzugrenzen.

Im Anfangsstadium eines Deichbruchs mehren sich häufig oben genannte Phänomene. Wasser tritt sichtbar über. Jetzt heißt es, binnen kurzer Zeit zu handeln: Mit Sandsäcken oder Planen wird der Deich beschwert und abgedichtet. Verpasst man die ersten paar "Minuten", die kritische Phase eines Deichbruchs, so reißt der Deich an einer Stelle ein. Jetzt strömt Wasser durch und erodiert in kurzer Zeit weiteres Material, der Riss weitet sich an beiden "Ufern" aus. Im Grunde kann man ab einem bestimmten Punkt den Bruch nur noch durch Sandsäcke an beiden Seiten stabilisieren, damit das Loch und den Wassereinfluss bremsen um mehr Zeit für eine Evakuation des Hinterlandes zu haben.

 

 


Der Sattler  (Sattler)

 

 

Leder ist ein vielfach einsetzbarer Rohstoff auf dem Lande. Er wird durch Gerben aus der Tierhaut gewonnen.

Der Sattler auf dem Dorf ist oft zugleich Schuhmacher und auch Täschner, ohne sich so zu nennen. Er schneidet, näht und klebt meist aus Leder oder auch groben Stoffen Gegenstände zur Verwendung im Umgang mit Tieren her.

Das können Sättel, Zaumzeug, Kummte, Riemen, Peitschen oder Taschen sein.

Die Produkte sind meist einfach und grober Natur. Feine Lederwaren beziehen die Bauern bei spezialisierten Handwerkern in den Städten Prettin, Jessen, Schweinitz oder Herzberg oder aus dem Städtlein/Flecken Annaburg.

 

 


Destille  (Destille)

 

 

Die Destille (lateinisch) Brennerei, Branntweinbrennerei.

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Deutscher Bauernkrieg (Bauernkrieg)

 

 

 

Als Deutscher Bauernkrieg (auch Revolution des gemeinen Mannes) wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in weiten Teilen des süddeutschen Sprachraumes (Süddeutschland, Thüringen, Österreich und der Schweiz) bezeichnet, wobei die Bauern mit ihren Zwölf Artikeln von Memmingen erstmals fest umrissene Forderungen formulierten, welche als frühe Formulierung von Menschenrechten zählen. In Schwaben, Franken, dem Elsass und in Thüringen wurden die Aufstände 1525, im Kurfürstentum Sachsen und Tirol 1526 niedergeschlagen.

Die Ereignisse von 1525 wurden schon von Zeitgenossen als „Bauernkrieg“ bezeichnet. Doch fand äußerst selten der Begriff unter den Aufständischen selber Verwendung.

Der Hochadel war an einer Änderung der Lebensumstände der Bauern nicht interessiert, weil dadurch zwangsläufig eigene Privilegien und Vorteile eingeschränkt worden wären. Der niedere Adel ging dem Niedergang entgegen und hatte mit einem dramatischen Bedeutungsverlust zu kämpfen. Der Versuch vieler niederer Adliger, sich durch Raubrittertum über Wasser zu halten, ging größtenteils wiederum zu Lasten der Bauern.

Der Klerus war genauso gegen jede Veränderung: Der Katholizismus in der damals bestehenden Form stellte die Kernsäule des Feudalismus dar; die kirchlichen Einrichtungen waren in der Regel selbst feudal organisiert – kaum ein Kloster existierte ohne zugehörige Dörfer. Die Kirche bezog ihre Einnahmen vorwiegend aus Spenden, schwunghaftem Ablasshandel sowie dem Zehnten. Letzterer war auch für den Adel eine wichtige Finanzquelle.

Die einzigen Reformbestrebungen, die auf die Abschaffung der alten Feudalstrukturen zielten, gingen vom erstarkenden Bürgertum der Städte aus, blieben aber schwach ausgeprägt, da auch dieses von Adel und Klerus abhängig war.

Die Ursachen für den Bauernkrieg zu finden, ist aufgrund der zeitlichen und regionalen Differenziertheit schwierig. Oftmals waren wohl mehrere Gründe entscheidend: wirtschaftliche Not und soziales Elend, Schwierigkeiten, gegenüber Grund-, Leib- und Gerichtsherren Recht zu erhalten, und nicht zuletzt Missstände in Kirche und Klerus.

Die Bauern trugen die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft: Fürsten, Adel, Beamte, Patrizier und der Klerus lebten von deren Arbeitskraft, und da die Zahl der Nutznießer immer weiter anstieg, stiegen auch die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten. Neben dem Großzehnt und dem Kleinzehnt auf die meisten ihrer erwirtschafteten Einkünfte und Erträge zahlten sie Steuern, Zölle und Zinsen und waren außerdem ihren Grundherren zu Fron- und Spanndiensten verpflichtet. Dazu kam, dass in Sachsen (Obersachsen) und Thüringen die Realteilung angewandt wurde, die bei gleich bleibender Gesamtproduktionsfläche zu immer kleineren Höfen führte. Viele dieser Kleinstbauernhöfe waren angesichts der hohen Belastungen nicht mehr wirtschaftlich zu führen.

Viele der einfachen Bauern trauten sich aufgrund ihrer vielfachen Abhängigkeitsverhältnisse nicht, gegen ihre Herren aufzubegehren. Vor allem die dörfliche Oberschicht wollte aber Veränderungen. Schultheißen, Bauernrichter, Dorfhandwerker und Ackerbürger aus den Kleinstädten trugen den Aufstand und drängten vielerorts die armen Bauern zum Anschluss an die Bauernhaufen.

Die Bauern selbst wollten vor allem ihre altüberlieferten Rechte wiederherstellen und ein menschenwürdiges und im Übrigen gottesfürchtiges Leben führen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung.

Vor allem die Bauern in den Katholischen Gebieten Süddeutschland rebellierten. In Mitteldeutschland im Harzer- und Thüringischen Raum  im Gebiet von Mühlhausen. Im sächsischen Gebiet gab es keine Kämpfe. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 war eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. In ihr wurden die aufständischen Bauern Thüringens unter Führung von Thomas Müntzer von einem Fürstenheer vollständig besiegt. Müntzer selbst wurde gefangen genommen und am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet, nachdem er auf die Festung Heldrungen gebracht und gefoltert worden war.

Die Kämpfe in Süddeutschland fanden zum gleichen Zeitraum bzw. davor statt. Im Sommer 1525 waren alle Erhebungen durch die Fürstenheere niedergerungen. Die deutschen Bauern begehrten danach für 300 Jahre nicht mehr auf.

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg

 

 


Die Gotik (Gotik)

 

 

 

Die Gotik ist eine Epoche der europäischen Architektur und Kunst des Mittelalters. Sie entstand um 1140 in der Île-de-France (Paris und Umgebung) und währte nördlich der Alpen bis etwa 1500–1550. Die Gotik konnte in Deutschland erst gegen Ende des Hochmittelalters mit rund einem Jahrhundert Verzögerung Fuß fassen und die romanische Architektur verdrängen. Der zuvor vorherrschende Bau- und Kunststil ist als Romanik, der nachfolgende als Renaissance bekannt. In der Nachgotik lebte der gotische Baustil auch außerhalb seiner Epoche bis in die Barockzeit weiter fort und fand in der Neugotik als Spielart des Historismus neues Interesse. Der gotische Stil ist nur in der Architektur genau abzugrenzen, während dies auf den Gebieten der Plastik und Malerei nicht in gleicher Klarheit möglich ist.

Im Sakralbau steht sie am Anfang einer neuen Gestaltung des Kirchenraums, die durch die erstmalige Vereinigung burgundischer (Spitzbogen) und normannischer Formelemente (Rippengewölbe) und die weitere Entwicklung innovativer Baumaßnahmen in Erscheinung tritt.

In der Architektur unterscheidet man weiterhin die Phasen der Früh-, Hoch- und Spätgotik, die in den verschiedenen europäischen Kunstlandschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten übernommen wurden und sich dann teilweise auch voneinander unabhängig weiterentwickelten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gotik

 


Die Pest (Pest)

 

 

 

Die Pest (lateinisch pestis ‚Seuche‘) ist eine hochgradig ansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst wird. Sie ist ursprünglich eine Zoonose von Nagetieren (Murmeltiere, Ratten, Eichhörnchen), bei deren Populationen sie enzootisch sein kann. Daher kommt auch der Begriff „silvatische Pest“ (lat. silva ‚Wald‘) bei sich unmittelbar ansteckenden Menschen. Der Ausbruch dieser Erkrankung ist gegebenenfalls weltweit möglich.

Die Verbreitung der Pest hängt von der Verbreitung der Zwischenwirte ab. Wo diese festgestellt werden, sind immer auch Pestfälle möglich. Ob sie zu Epidemien auswachsen können, hängt von mehreren Faktoren ab, wie beispielsweise Resistenz der Bakterien gegen Medikamente, den vorherrschenden hygienischen Verhältnissen und der Bekämpfung der lokalen Zwischenwirte.

Die Pest kann auf verschiedene Weise übertragen werden: Zum einen durch den Biss von mit Krankheitserregern verseuchten Insekten, vorwiegend Flöhen, zum anderen durch Tröpfcheninfektion. Letztere Übertragungsart führt zur primären Lungenpest.

Sehr lange war umstritten, ob bereits die spätantike Justinianische Pest, die ab 541 Europa und Vorderasien schwer traf und um 770 wieder verschwand, durch einen Erreger vom Stamm Yersinia pestis verursacht wurde. Schließlich zeigte Anfang 2013 eine an verschiedenen Laboratorien parallel durchgeführte internationale Studie unter der Leitung von Michaela Harbeck und Holger C. Scholz anhand von DNA-Material aus Gräbern aus Aschheim, die eindeutig in das spätere 6. Jahrhundert datiert werden können, dass es sich tatsächlich um den Erreger Yersinia pestis gehandelt hat.

Zudem gelang eine phylogenetische Einordnung des betreffenden Erregers zwischen den frühen Stammbaum-Abzweigungen N03 und N05. Mithin kann es nach aktuellem Forschungsstand als nahezu gesichert gelten, dass ein Erreger vom Stamm Yersinia pestis an der Justinianischen Pest zumindest prominent beteiligt war und es sich bei der Seuche somit tatsächlich um die Pest gehandelt hat. Als erster Ausbruch der Krankheit hatte bis 2013 vielen Forschern der Schwarze Tod von 1347 bis 1351 gegolten.[28] Wieso die Pest um 770 für mehrere Jahrhunderte wieder aus Europa verschwunden zu sein scheint, ist bislang ungeklärt.

Mit der Pestpandemie von 1890 in Indochina begann erst die moderne Beschreibung der Krankheit. Alexandre Yersin hatte den Bazillus isoliert und der Pest zugeordnet. Gleichzeitig wurde in Indien von dem Franzosen Paul-Louis Simond die Ausbreitung von der Schwarzen Ratte (Rattus rattus) über den orientalischen Rattenfloh auf den Menschen entdeckt.

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt: Von 1978 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA gab es beispielsweise 1992 dreizehn Infektionen und zwei Todesfälle.

Im Jahr 2014 starben in Madagaskar, in einem Mitte November noch grassierenden Pest-Ausbruch, erneut mindestens 40 Menschen. Ebenfalls 2014 wurde eine chinesische Kleinstadt unter Quarantäne gestellt, nachdem ein Mann an der Pest gestorben war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pest

 


Domäne (Domaene)

 

 

 

Domäne [von lateinisch dominium »Herrschaftsgebiet«]: ursprünglich das in der Zeit der Völkerwanderung durch die fränkischen Könige unmittelbar m Besitz genommene Land (Königsgut). In den folgenden Jahrhunderten schmolz das Königsgut stark zusammen. Die Erblichkeit der Lehen führte dazu, dass die umfangreichen, nach Lehnsrecht ausgegebenen Gütermassen dem König dauernd entzogen blieben. Der Domanialbesitz verlagerte sich zunehmend vom Reich zu den Territorialstaaten, und es kam seit dem 13. Jh. zu einer Trennung von Reichsgut und königlichem Hausgut. Der landesherrliche Grundbesitz vergrößerte sich durch die Säkularisationen in der Zeit der Reformation und 1803 aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses. Die durch Eigenbewirtschaftung oder Verpachtung der Domänen erzielten Erträge bildeten bis zur erneuten Trennung von fürstlichem Hausgut und Staatsbesitz Anfang des 19. Jh. eine Haupteinnahmequelle des Fiskus. Der heute noch landwirtschaftlich genutzte staatliche Grundbesitz ist größtenteils verpachtet oder wird in Form von Staats- und Mustergütern zu Ausbildungszwecken genutzt.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 


Dorf (Dorf)

 

 

 

Dorf: ländliche Siedlung mehrerer Hausgemeinschaften von ursprünglich landwirtschaftlich, heute zum Teil auch gewerblich oder industriell Beschäftigten. Im Frühmittelalter herrschten als Hauptsiedlungsformen Einzelhof und Weiler, d.h. kleine, unregelmäßige Gruppen von Einzelhöfen, vor. Vereinzelt gab es jedoch in merowingischer und karolingischer Zeit auch schon geregelte Ansiedlungen von Königsfreien auf Königsgut. Mit der wachsenden Bevölkerungszahl im Hochmittelalter setzte ein Konzentrationsprozess ein, die Verdorfung, d.h. der Übergang zu dem unregelmäßigen, dichter verbauten Haufendorf, aus dem sich die Dorfgemeinde entwickelte. Daneben finden sich regelmäßige Dorfformen der hochmittelalterlichen Kolonisation: das Waldhufendorf, das Marschhufendorf und im Bereich der deutschen Ostsiedlung die Anger- und Straßendörfer zwischen den meist älteren Rundlingen.

Die Dorfgenossenschaft regelte als Wirtschaftsverband die Bodenbestellung in der Dreifelderwirtschaft (auch Flurzwang) und die Nutzung des Gemeinbesitzes (Allmende), die Dorfgemeinde als Rechtsverband regelte Streitigkeiten vor dem Dorfgericht. Das Genossenschaftsrecht, das zumeist selbst gesetztes Recht des dörflichen Verbandes war, trat in Konkurrenz mit der durch einen Grundherrn ausgeübten Dorfherrschaft und konnte diese oft zurückdrängen. Breit war auch das Spektrum der Möglichkeiten, die Dorfobrigkeit (den Dorfvorsteher) zu bestimmen; regional unterschiedlich reichte dieses Spektrum von der freien Wahl durch die Gemeinde (dann wurde der Dorfvorsteher meist als Bürgermeister bezeichnet) bis zur Einsetzung durch den Dorfherrn (den Schultheißen oder Schulzen).

Nach der inneren Struktur und sozialen Schichtung des Dorf ist zu unterscheiden zwischen vollberechtigten Gemeindemitgliedern, d.h. Inhabern einer vollbäuerlichen Stelle (Hufe), die an der Nutzung der Allmende teilhatten, den Besitzern kleinerer Stellen (Nutzflächen, die kleiner als eine Hufe waren), die entweder gar nicht oder nur in geringem Maß an den dörflichen Nutzungsrechten beteiligt waren, und der unterbäuerlichen Schicht (Tagelöhner, Dienstboten), deren Angehörige meist keine Gemeindemitglieder waren. Die Mitglieder zu minderem Recht nahmen aber auch an der Gemeindeversammlung teil und waren Glieder der dörflichen Gerichtsgemeinde.

Seit dem Spätmittelalter setzte sich trotz des Widerstands der bäuerlichen Genossenschaften die herrschaftliche Komponente durch; das Dorf wandelte sich damit zur reinen Verwaltungseinheit. Industrialisierung und Verstädterung veränderten seit dem 19Jh. die wirtschaftliche und soziale Struktur des Dorfes; immer mehr Bauern nahmen nichtlandwirtschaftliche Nebentätigkeiten auf, und mit zunehmender Mobilität siedelten sich immer mehr Städter in Dörfern an. Der Dorf und Stadt heute gleichermaßen umfassende Begriff Gemeinde als Verwaltungsbezirk beseitigte den rechtlichen Unterschied zwischen beiden.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Drechsler   (Drechsler)

 

 

 

 

 

Der Drechsler ist ein Handwerker oder Industriearbeiter, der den Beruf des Drechslers handwerklich erlernt hat. Er verarbeitet vorrangig Holz, aber auch Horn, Elfenbein, Bernstein, Alabaster und Serpentin sowie Plexiglas und andere Kunststoffe. Die Berufsbezeichnung in Deutschland lautet Drechsler (Elfenbeinschnitzer) und Holzspielzeugmacher. Die Tätigkeit wird im Drechslerhandwerk Drehen genannt. Die wichtigste Maschine ist die Drehbank und die wichtigsten Handwerkzeuge die Dreheisen. Der Drechsler stellt gedrehte Einzelelemente (zum Beispiel Treppenstäbe, Schalen, Dosen) sowie komplexe Artikel her (so beispielsweise Treppengeländer, Tische, Schemel, Garderobenständer), die sich aus vielen Einzelteilen zusammensetzen können. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Drechsler

 

 

 

 


Dreißigjähriger Krieg (DreisigjaehrigerKrieg)

 

 

 

 

Dreißigjähriger Krieg: Bezeichnung für die Epoche von 1618 bis 1648, die in der Zeit selbst Deutscher Bürgerkrieg genannt wurde. Mit dieser zeitgenössischen Formel wird auf jene Kampfbündnisse hingewiesen, die sich 1608 als Union der protestantischen und 1609 als  Liga der katholischen Reichsstände organisiert hatten. Ziel dieser Ständeverbände war die Garantie von Verfassungsrechten, d.h. die Sicherung der Eigentumsordnung und der religiösen Bekenntnisse auf der Basis des Augsburger Religionsfriedens von 1555. Im Jülich-Kleveschen Erbfolgestreit 1609 prallten beide Bündnisse politisch aufeinander und deuteten mit ihren auswärtigen Verbündeten jene Konstellation der Mächte an, die von 1618 an aus einem regionalen Konflikt einen Reichskrieg und dann eine europäische Krise werden ließ. Man kann in diesem Ringen zwischen »katholischer Nation« und »evangelischer Nation« vier Hauptphasen der politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen unterscheiden: Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-23): Anlass war der Aufstand der protestantischen Stände Böhmens gegen absolutistische Bestrebungen des Hauses Habsburg (Böhmischer Aufstand) und die Wahl des Kurfürsten FRIEDRICH V. von der Pfalz zum König von Böhmen, die von dem habsburgischen Kaiser und der Liga bekämpft wurde. In der Schlacht am Weißen Berg 1620 verlor der »Winterkönig« Krone und Land. Die Folge war ein grausames Strafgericht gegen die protestantischen Stände, die gewaltsame Gegenreformation in Böhmen, die Eroberung der Pfalz durch TILLY und schließlich mit der »Verneuerten Landesordnung« von 1627 die Errichtung des Absolutismus in Böhmen, der sich mit Veränderungen bis 1848 halten sollte.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625 bis 1629): Durch das Haager Konzert von 1625, ein Bündnis zwischen CHRISTIAN IV. von Dänemark, England, den Niederlanden und einigen Reichsfürsten, leidlich gedeckt, griff der Dänenkönig zur Sicherung und Erweiterung seiner Besitzungen im Reich in die schwelende Krise ein. Er wurde bei Lutter 1626 von WALLENSTEIN geschlagen, der für den Kaiser ein von der Liga unabhängiges Heer angeworben hatte. Aus dem Reich vertrieben, ging der Dänenkönig den »Verzichtfrieden von Lübeck« 1629 ein. Mit dem Restitutionsedikt aus dem gleichen Jahr, das die Protestanten zur Rückgabe aller seit 1552 eingezogenen geistlichen Güter verpflichtete, wurde der Protestantismus in seiner materiellen Existenz bedroht. Die von den katholischen Fürsten betriebene Absetzung von General WALLENSTEIN schwächte die Position des Kaisers ebenso, wie die Hilfe und Intervention Schwedens den protestantischen Reichsständen neue Hoffnung auf ein politisches Überleben gab.

Schwedischer Krieg (1630-35): Durch den Frieden von Stolbowo 1617 hatte Schweden seine Ostflanke gegen das Moskauer Zarentum gesichert und ab 1626 verstärkt begonnen, mit der Landung in Preußen Polen zur Anerkennung der Thronrechte GUSTAVS II. ADOLF zu zwingen, die diesem von seinem katholischen Vetter, dem polnischen König SIGISMUND III., bestritten wurden. Der Konflikt zwischen dem protestantischen und katholischen Zweig des Hauses Wasa endete 1629 in Altmark unter französischer Vermittlung vorerst mit einem Kompromiss. Das gab Schweden die Hand frei, über Stralsund, das sich gegen die kaiserliche Armee unter dem erneut mit umfangreichen Vollmachten ausgestatteten General WALLENSTEIN erfolgreich wehrte, in den Krieg einzugreifen. 1630 landeten die schwedischen Truppen im Oderdelta. Der schnelle Siegeszug Schwedens durch die nördlichen Regionen des Reichs erreichte seinen Höhepunkt im Sieg bei Breitenfeld 1631 über das Heer der Liga. Gewinne aus dem Verkauf russischen Getreides, preußischer Zölle und französischer Subsidien sicherten den weiteren Kriegszug ebenso wie die geschickte Diplomatie des schwedischen Reichskanzlers A. OXENSTIERNA, der nach dem Tode GUSTAVS II. ADOLF in der Schlacht bei Lützen 1632 als Direktor des Heilbronner Bundes (des Bündnisses der Schweden mit den protestantischen Ständen des fränkischen, schwäbischen und rheinischen Reichskreises) die Interessen der protestantischen Reichsstände und Schwedens in einer kritischen Phase zu behaupten wusste. Nach der Niederlage der schwedischen Armee 1634 bei Nördlingen konnte OXENSTIERNA allerdings die Annäherung der protestantischen Stände an den Kaiser nicht verhindern, der im gleichen Jahr auch WALLENSTEIN, der m eigenmächtige Verhandlungen mit den Schweden getreten war, ächten und ermorden ließ. Mit dem Abschluss des Prager Friedens 1635 zwischen dem Kaiser und den meisten der protestantischen Reichsstände fand man zwar einen Verfassungskompromiss (u.a. Verzicht auf eine weitere Durchführung des Restitutionsedikts und Erlaubnis für den Kaiser, eine Reichsarmee aufzustellen), jedoch kam ein derartiger Vergleich Frankreich in seinem Ringen mit Spanien ungelegen. Der französische Kardinal RICHELIEU ging mit OXENSTIERNA 1635 eine Allianz ein und trat damit aus der Phase der »verdeckten Kriegführung« (durch Subsidienzahlungen) in eine Phase der »offenen Kriegführung«, um Schweden im Reich festzuhalten und den Krieg für seine Machtinteressen zu verlängern.

Schwedisch-Französischer Krieg (1635 bis 1648): Das aktive Eingreifen Frankreichs in das zu großen Teilen schon befriedete Reich diente vornehmlich dazu, die französischen Grenzen nach Osten über Lothringen und das Elsass zu erweitern und sich politischen Einfluss auf das Reich für die Zukunft zu sichern. Nach wechselndem Kriegsglück und nach Erschöpfung der materiellen Mittel fand man sich seit 1640 bereit, Friedensverhandlungen zu führen. Diese Verhandlungen zwischen dem Kaiser, den Reichsständen, Schweden und Frankreich kamen jedoch erst 1644 zustande, begleitet von kriegerischen Aktionen der schwedischen und französischen Armeen, die oft plündernd durch das teilweise völlig erschöpfte Reich zogen und nach dem Motto »Der Krieg ernährt den Krieg« Land und Leute auspressten. Nach vierjährigen Verhandlungen einigte man sich 1648 in Münster (katholische Seite) und in Osnabrück (protestantische Seite) auf einen »ewigen« und »universellen« Frieden (Westfälischer Friede), den Schweden und Frankreich als Garantiemächte zu sichern hatten. Ihren Staatsmännern war es gelungen, beiden Mächten eine Ordnungsfunktion im Reich und damit in Europa zu sichern, deren Bewahrung das europäische Gleichgewichtsdenken bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (1806) entscheidend bestimmen sollte. Mit dem Erwerb insbesondere Pommerns durch Schweden und von Teilen des Elsass durch Frankreich sicherten sich diese Gewinner des D. K. ihre Präsenz in deutschen Angelegenheiten.

„Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Dürer, Albrecht  (Duerer)

 

 

 

Dürer, Albrecht (1471-1528), deutscher Maler, Zeichner, Kupferstecher (siehe Druckgraphik) und Kunsttheoretiker, der zu den vielseitigsten Persönlichkeiten der Kunstgeschichte gehört. Sein von den Gedanken der Renaissance, des Humanismus und der Reformation geprägtes Werk wirkte besonders auf die deutschen und niederländischen Künstler der Folgezeit. Mit seinen 350 Holzschnitten sowie etwa 100 Kupferstichen und Radierungen erhob er die Druckgraphik zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel und prägte deren formale Entwicklung entscheidend.

Er setzte sich mit den von den Renaissancekünstlern entwickelten Gesetzen der Perspektive und der Proportionslehre, die die Darstellung des idealen Menschen zum normativen Postulat erhebt auseinander. Weitere bedeutende Werke, die nach seiner ersten Italienreise entstanden, waren u.a. der Wittenberger Altar (um 1495, Gemäldegalerie, Dresden).

Neben seinem malerischen und graphischen Werk hinterließ Dürer, der sich zeit seines Lebens mit Proportionsstudien befasste, auch zahlreiche kunsttheoretische Schriften, darunter Unterweysung der Messung mit dem Zirkel und Richtscheyt in Linien, Ebenen und ganzen Körpern (1525), Etliche Unterricht zur Befestigung der Stett, Schloss und Flecken (1527) und Vier Bücher von menschlicher Proportion (1528).

Quelle: Microsoft ® Encarta ® Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation.

 

 

 

 


Einwohnerstruktur von Annaburg 1841 (Einwohner1841)

 

 

Einwohnerstruktur von Annaburg 1841

Die angeseßenen Annaburger Einwohner sind

      1. Zwei Zweihüfner
      2. Zwei Altsaßen (mit 3 Hufen, außer der Altsaße Benite)
      3. Neun Einhüfner
      4. Neun Gärtner
      5. Sechs und Achtzig Vorstädter
      6. Siebzehn Freihäuser (ohne Hütungsrechte)

In Summa 125 Hausbesitzer, worunter 108 Hutungsberechtigte

Die Gewerbetreibenten in Annaburg, Zschernigk und Gerbis Mühle, bestehen aus

3    Müller
2    Zimmermeister
2    Maurermeister
4    Bäckermeister
2    Pfefferkuchler
9    Fleischermeister
1    Seifensiedemeister
1    Kürschnermeister
14   Schuhmachermeister
1    Beutlermeister
19   Herren und Damenschneidermeister
3    Sattlermeister
4    Seilermeister
4    Böttchermeister
6    Tischlermeister
1    Horn und Holzdrechslermeister
2    Stellmachermeister
4    Huf und Waffenschmiedtemeister
1    Zeugschmiedtermeister
1    Nagelschmiedtermeister
2    Schloßermeister
1    Büchsenmachermeister
2    Töpfermeister
5    Leinwebemeister
1    Getreidehändler
5    Vietualienhändler (Lebensmittelhändler)
1    Wundartzt
1    Pechmeister
1    Holzhändler
1    Brunermeister
11   Gast und Schänkwirthe
10   Musikanten
1    Nadlermeister (Nähnadeln)
6    Materialhändler incl. 3 Weinhändler
2    Schnitthotter (?)
1    Stahl (?) und Eisenhändler
1    Apotheker
1    Färbemeister
2    Hebammen

(Gesamt 139 Gewerbetreibende)

Der Arzt Dr. Langguth beim Königlichen Knaben Erziehungs Institut leistete ärztliche Hilfe.

 


Eisenbahnstrecke (Bahnstrecke)

 

 

Eisenbahnstrecke  Kohlfurt (heute Polen) – Falkenberg – Wittenberg

 Die erste Anregung zum Bau einer Eisenbahn von Kohlfurt über Falkenberg nach Wittenberg wurde bereits im Jahre 1864 gegeben. Am 30. Juni 1870 wurde der Bau genehmigt, und die Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft übernahm die Ausführung und Leitung der Bahn. Die Strecke Kohlfurt – Falkenberg wurde am 1. Juni 1874 dem Verkehr übergeben. Mit der Weiterführung von Falkenberg nach Wittenberg wurde am 29. September 1873 begonnen und am 15. Oktober 1875 der Betrieb auf der durch den Kreis Torgau führenden Strecke Falkenberg – Wittenberg eröffnet. Die stark belastete eingleisige Bahnstrecke wurde daher später abschnittsweise zweigleisig ausgebaut.

Quelle: Lokalzeitung aus dem Jahr 1937

 

 


Elbdamm  (Elbdamm)

 

 

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfahren wir erstmalig von einem zusammenhängenden Damm, der sich am jenseitigen Ufer der Elbe in einer Länge von 3 1/2 Meilen erstreckte (ca 32 km) und seinen Anfang am „Hohen Holz“ bei Pratau nahm. Dieser Damm erstreckte sich bis Pretzsch. Jeder Ort der Aue hatte zu seinem Bau und zur Unterhaltung beizutragen. Zu diesem Zweck war der Damm in zwei Teilstrecken und diese wiederum in Kabeln eingeteilt.  Für den unteren Teil, von Pratau bis zu dem Malstein zwischen Dabrun und Melzwig, waren die Dörfer Pratau, Dabrun, Melzwig, Lammsdorf, Eutzsch, Seegrehna, Wachsdorf, Boos, Selbitz, Pannigkau und Klitzschena zuständig, für den oberen Teil bis Pretzsch die Orte Kemberg, Dorna, Bietegast, Wartenburg, Rackith, Schnellin, Trebitz, Schönefeld, Forbeck, Kleinzerbst, Wockitz, Bleddin und Bösewig.

Für die Bewohner der Aue war die Dammarbeit eine schwere Belastung. Von Ostern bis zur Ernte und vom Ausgang der Ernte bis zur Winterzeit hatten die Auebewohner „so oft nottorft erfordert“, wöchentlich einmal am Damme zu arbeiten. Davon war niemand verschont. Jeder Hufenbesitzer, der Land im gefährdeten Gebiet bewirtschaftete, war verpflichtet, mitzuarbeiten. Dies betraf den Kemberger Propst, der damals sechs Hufen besaß, genauso wie alle anderen Pfarrer und sämtliche Adlige der Auedörfer. Wenn der Propst und die Pfarrer ihre Hufe nicht selbst bewirtschafteten, sondern auf Zins vergeben hatten, war ihnen gestattet, die Dammarbeit von den Pächtern ausführen zu lassen. Die Adligen ließen die Arbeit von ihren Fronbauern ausführen.

Die Hüfner hatten Erdreich, Rasen und Holz heranzufahren, wobei sie von den Kossäten durch Handarbeiten unterstützt wurden. Jeder Hüfner musste entsprechend der Anzahl seiner Hufen auf Anforderung 1/2 bis 1 Schock (30 – 60 Stück) Reisigbunde je Hufe zuhauen, heranbringen und verlegen. Soweit die einzelnen Orte nicht genügend Waldbestand hatten, durften sie Reisig und Pfähle in den kurfürstlichen Forsten bei Kemberg schlagen. Auf der gesamten Strecke von 3 1/2 Meilen (ca. 32 km) waren die Besitzer von 636 1/2 Hufen (ca 50 m Damm je Hufe Landbesitz) zur Dammarbeit verpflichtet. Die Dämme wurden ständig von den Deichmeistern kontrolliert die alle Schäden unverzüglich dem Amtmann in Wittenberg, in dessen Händen die Oberaufsicht lag, melden mussten und dann die Bauarbeiten leiteten und überwachten. Für ihre Tätigkeit erhielten sie keine Besoldung, waren aber von jeder sonstigen Dammarbeit befreit.

Quelle: B.Hopke „Kampf mit dem Wasser“ unveröffentlicht, Privatbesitz

 

 

 


Elbdurchstich  (Elbstich)

 

Auszug aus dem Schreiben August I vom 24.5.1576 (Betreff Elbdurchstich)

Im Bereich der hier von uns behandelten Ortschaften dürften die Verhältnisse ganz ähnlich gewesen sein. Aus dem Jahre 1576 (24.5.) liegt uns ein in Annaburg verfaßtes Schreiben des Kurfürsten vor, das unter anderen an Hannß Loser zu Pretzsch und Jobst Kann zu Clöden gerichtet ist:

 "Rath vnnd liebe getreuen,
Der hochgebohrne Purst Herr Friedrich Herzogk und Churfürst zu Sachßen, Seeliger gedechtnüs, Vnser lieber Vetter hat bey S. L. Regierung vf den Beßwicker Tamm, eine Tammordnung aufgerichtet, darinnen begriffen, Welche vonn Adel, Geistliche, Burger vnd Pauern, zur Hülffe vnd erhaltunge deßelben verbunden, Dorüber auch wir, sowohl als vnser geliebter Bruder Churfürst Moritz zu Sachsen p.Löbl. seligen gedechtnus, gehalten, vnd zuthun mehrmals befolenn vngeachtet des sich zum öftern mahl etzliche von Adel vnd Geistliche welche die Verordnung betrift, ausziehen vnd die Bürgen nicht tragen helfen wollen, darzu wir stadtliche hülff beydes an Holz und geld gethan, welche fast alle Jahre darzu vonnöten gewesen, Alles der Hofnung, Solcher Tamm sollte dermal In eine gute bestendige beßerunge brach worden seyn, Vns gelanget aber Itzo ann, Immassen die hierzu verordneten Commißarien denn sowol als die Tammmeister und der ausschuß von der Landschaft, welcher dieser schade mit betrift, selbst berichten, das die bißher angewante Hülf vnd beßerunge, fast gar vergebens vnd nun-mehro' von wegen des eingefallenen Triebsandes zuerhaltung des beßwitzer Tammes nicht wohl Rath zu finden, Es werden den bey Cloden ein Durchstich gemacht vnd der Elbstrom daselbst hindurch geweiset, welches zu wenik tagen auszurichten sein sollte...".

Quelle: Landeshauptarchiv Magdeburg (Ldh.Mgdbg.) Rep. A 25 a II, II Nr.891: „Die Reparaturen an den Ober- u. Unter-Elb-Landdämmen, bey Pretzsch und der Gegend betr. de ao.1558 sequ.

 

 


Erzämter (Erzamt)

 

Erzämter: im Heiligen Römischen Reich oberste Reichswürden und v. a. die bei der Königskrönung ausgeübten Ehrenämter, die aus den vier germanischfränkischen Hausämtern entstanden waren: Truchseß, Marschall, Schenk und Kämmerer. Seit der Krönung OTTOS I. (936) von höchsten Reichsfürsten ausgeübt, wurden sie mit der Zeit zu Vorrechten bestimmter Territorialfürsten und im 13. Jh. erbliche Reichslehen;

Erztruchseß:   Pfalzgraf bei Rhein,
Erzmarschall:  Herzog von Sachsen,
Erzkämmerer:   Markgraf von Brandenburg,
Erzschenk:     König von Böhmen,
Erzkanzler:    die drei rheinischen Erzbischöfe (Mainz, Köln und Trier).


Der Sachsenspiegel brachte die Erzämter erstmals mit der Kurwürde in Verbindung (Kurfürsten).

Quelle: „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Fahrpost (Fahrpost)

 

 

 

Der Wagen der Fahrpost trat wegen der schlechten Wegverhältnisse im Überlandverkehr erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts gleichberechtigt neben das Reitpferd. Die Fahrpost wurde zunächst von den eigenständigen Landespostanstalten, halbstaatlichen Pächtern und privilegierten Unternehmern betrieben, aber auch von der Kaiserlichen Reichspost, die von den Thurn und Taxis organisiert wurde. Die Fahrpost verkehrte regelmäßig zwischen bestimmten Orten, den „Relais“ oder „Poststationen“, an denen die Pferde gewechselt wurden, und an denen Unterkünfte für die Reisenden entstanden, die Vorläufer des Hotels.

Eine solche Art der Personen- und Postbeförderung war allerdings zeitaufwändiger als der Transport per Estafette. Die Fahrt dauerte meist mehrere Tage, mit einer besonderen Schnellpost auf den Chausseen im 19. Jahrhundert etwas schneller. Daher wurde diese Art des Transportes bald nach dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert zugunsten der Bahnpost aufgegeben, während sie in Gegenden ohne Eisenbahnanschluss bis zur Einführung der Kraftpost verblieb.

Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Fahrpost auf sämtliche Transporte mithilfe von Wagen erweitert.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrpost

 

 

 


Fasane (Fasane)

 

 

Fasane (Phasaninae) stammen ursprünglich aus Asien und sind heute auch in weiten Teilen Europas beheimatet, wo sie wegen ihres glänzenden Gefieders und ihres wohlschmeckenden Fleisches eingeführt wurden.

Als Lebensraum bevorzugen Fasane offenes Gelände mit Sträuchern und Büschen, die ihnen Deckung vor Feinden gewähren.

In Größe und Färbung unterscheiden sich die einzelnen Arten sehr stark, besonders die Männchen sind meist auffällig gefärbt. Gemeinsam sind den beiden Geschlechtern die langen Schwanzfedern. 

Fasane ernähren sich vornehmlich von pflanzlicher Nahrung, wie beispielsweise Früchten, Beeren und Sämereien; gelegentlich erbeuten sie auch Insekten.

Schon vor vielen Jahrhunderten wurden in Klöstern und Schlössern so genannte Fasanerien (französisch) als Gehege für Fasane als abgeschlossene Gärten angelegt, in denen die Tiere gehalten und gezüchtet wurden.

Quelle: WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 


Faschinen (Faschinen)

 

 

Faschinen : ein durch Draht oder Hanfschnur fest zusammengeschnürtes Bündel aus Reisig, am besten aus Weiden- oder Haselholz. Faschinen werden zu Packwerksbau, für Buhnen und anderer Uferwerke des Flussbaues, für die Sicherung von Böschungen und Auskleidung von Entwässerungsgräben verwendet.

 

 

 


Feldhüter; Wildhüter  (Wildhueter)

 

 

Der Begriff Wildhüter (engl.: Park Ranger) bezeichnet meist paramilitärisch organisierte, in der Regel Beamte oder hauptberufliche Angestellte der kursächsischen Forstverwaltung für das „Wildschutzgebietes“  Annaburger Heide.

Ihre Aufgaben umfassen teilweise die von Förstern beim Schutz von Flora und Fauna vor Wilderei, darüber hinaus nehmen die Wildhüter in den jeweiligen Schutzgebieten oft auch polizeiliche und allgemeine Ordnungsaufgaben wahr. Daneben fallen auch allgemeine Verwaltungsaufgaben der zumeist unbewohnten Gebiete (z.B. Vermessung, Überwachung einer evtl. Landnutzung, naturwissenschaftliche und veterinärmedizinische Tätigkeiten) in ihren Bereich.

Wildhüter waren mit Blank- und/oder Schusswaffen zur Selbstverteidigung ausgestattet, wobei die Bedrohung durch wilde Tiere wie Bären und Wölfe eher gering ist, vielmehr werden die Wildhüter ähnlich wie Polizisten oder Soldaten im Schusswaffengebrauch gegen Wilderer trainiert.

Quelle  http://de.wikipedia.org/wiki/Wildh; Zugriff 11/2008

 

 

 


Fischereiordnung (Fischereiordnung)

 

 

Fischereiordnung von 1855

Auf Grund des § 11 der Verordnung vom 11. März 1850 über die Polizei-Verwaltung wird hierdurch für den Umfang des Regierungsbezirkes Merseburg Folgendes verordnet:

1. Die Fischerei in öffentlichen und solchen Privatgewässern, in welchen der Fischfang verschiedenen Berechtigten zusteht oder welche mit fischhaltigen Gewässern, in denen Andere zur Ausübung der Fischerei berechtigt sind, dergestalt in Verbindung stehen, dass die Fische aus dem einen in das andere frei übertreten können, ist den nachstehenden polizeilichen Bestimmungen unterworfen.

2. Jede, den Zug der Fische auf irgend eine Art störende oder Verstellung oder Sperrung in den  §1 bezeichneten Gewässern, wohin namentlich die Anlagen von Lachswehren und Aalfängen gehört, ist fortan verboten, wenn dieselbe nicht entweder auf eine ausdrückliche Concessionder Regierung oder auf eine besondere Berechtigung sich gründet.
Einrichtungen der vorgedachten Art müssen auch in den letztgedachten Fällen der Erhaltung und der Vermehrung der Fische entsprechend hergestellt werden, widrigenfalls solche unstatthaft sind.
Ueber die Zulässigkeit der Anlage hat die betreffende Polizeibehörde unter Zuziehung Sachverständiger zu befinden. Die Bestimmungen dieses §2 finden auch Anwendung, wenn und wo jene Gewässer (§1) in Brüchen, Wiesen- Niederungen u.s.w. über- oder austreten.

3. Jede den Fischen schädliche Verunreinigung der §1 gedachten fischhaltendenGewässer ist von den Polizeibehörden zu verbieten, falls nicht nachweisbare Privatrechte entgegenstehen.

4. Fischereiberechtigte Gemeinden und andere Corporationen, insofern sie nicht die Befugnißzur Ausübung der Fischereigerechtigkeit durch ihre Mitglieder besonders erworben haben, sind verpflichtet, dieselbe ganz oder in angemessenen Districteneinzelnen, dazu geeigneten und zuverlässigen Personen zu übertragen. Darüber, ob jene Person die erforderlichen Eigenschaften besitzen, entscheidet im Zweifel die Polizeibehörde.

5. Der Fischfang darf nur auf solche Art und mit solchem Gezeugebetrieben werden, welches der Erhaltung und der Vermehrung des Fischbestandes nicht nachtheilig ist. Hierüber zu entscheiden, steht der Polizeibehörde unter Zuziehung Sachverständiger zu. Allgemein verboten ist jedoch:
  1)    das Nachtfischen mit Leuchten, Schragen, Schaben oder Schiefern, Fließ- und Treibegarn oder Klebenetzen, namentlich die Fischerei mit Latten und Schwederichen,  welche die Müller einzuhängen pflegen;
  2 )   das einlegen der Gebündel, der Gebrauch der Streich- oder Kratzhamen, desgleichen alle Querdter und die Einwerfung von Gekörn zur Betäubung der Fische mit betäubenden Ingredienzien, sowie das  Tollkeulen der Fische unter dem Eise;
  3)    das Speerstechen und Schießen der Fische.

6. Die Maschen der zum Fischfang anzuwendenden Netze sollen und zwar im nassen Zustande wenigstens 8 Preußische Linien an jeder Seite halten. Bei den Stintfange ist der Gebrauch noch enger gemaschterSäcke an den Flügeln der Netze gestattet..Für Gründlinge und Igelei sind Netze zu 2 Linien gemascht von Bartholomäi bis zum 1. April erlaubt.
Dagegen sollen da, wo die sogenannte Stellfischerei mit Reusen betrieben wird, die Maschen derselben wenigstens 3 Zoll lang und 3 Zoll breit sein. Netze, welche diesen Vorschriften nicht entsprechen, sind verboten.

7.  Die Fischerei auf unausgewachsene und auf laichende Fische ist verboten. Werden solche Fische mit andern gefangen, so sind diese sofort in das nächste geeignete Gewässer zurückzubringen. In gleicher Weise ist mit der Fischbrut und dem Fischsamen zu verfahren, welche in Lachen die im Sommer auszutrocknen pflegen, und in ausgetretenem Wasser vorgefunden werden.
Die Laich- und Schonzeit für die verschiedenen Fischgattungen wird wie folgt festgesetzt. Dieselbe umfasst:
   1) für Lachse, Hechte, Zander, Barse und Kaulbarse die Monate März und April,
   2) für Barben, Dickfische, Rappen, Zährten, Elritzen, Aalraupen die Monate Mai und Juni, 
   3) für Karpfen, Schleien und Karauschen die Monate Mai, Juni und August,
   4) für Blanden, Brassen, Welse  die Monate Juni und Juli.
   5) für Forellen die Monate September, October, November und December,
   6) für Krebse und Schmerlen die Monate September bis April incl.
Der Regierung bleibt vorbehalten, in gewissen Jahren wegen zeitigen Eintritts der warmen Jahreszeit Abänderungen der vorstehenden Laich- und Schonzeiten ausnahmsweise festzusetzen.

8.  Während der Laich- und Schonzeit dürfen die nachfolgenden Fischarten nur zum Verkauf gestellt werden, wenn die Fische die hier angegebene Länge haben, nämlich:

Aale                         13       Preuß. Zoll
Blanden, Bratfisch            6           "
oder Döbel und Giesen
Barben                        8           "
Barse                         4           "
Bleie oder Brassen            7           "  
Karpfen                      12           "
Karauschen                    5           "
Kaulbarse                     3           "
Schleien                      5           "
Zährten                       6           "
Hechte und Zander             9           "
Rappen                        8           "
Aalraupen                     5           "
Wels                          9           "
Lachse                       18           "
Lachskinder                  10           "
Forellen                      6           "
Krebse                        4           "

9. Wer die Verbotsbestimmungen dieser Verordnung in §§. 2, 5, 6, 7 und 8 übertritt oder den Anordnungen und Entscheidungen der Polizeibehörden im Falle des §. 2, 3, 4, und 5 der Verordnung zuwiderhandelt, verfällt für jeden Contraventionsfallin eine Polizeistrafe von 10 Silbergroschen  bis 10 Thaler.

Außerdem werden die vorschriftswidrigen Fischgeräthe und Anlagen (§§ 2,3,5 und 6) und die gegen das Verbot gefangenen oder zum Verkauf gestellten Fische (§.7 und 8) polizeilich unbrauchbar gemacht, beziehungsweise beseitigt.

Merseburg den 21 October 1855.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern

Quelle: Wittenberger Kreis- Blatt veröffentlicht am 23. Juli 1859; „Vorstehende Verordnung bringe ich hiermit in Erinnerung und verwarne gleichzeitig vor unbefugter Ausübung der Fischerei in der Elbe, wozu auch das in neuerer Zeit überhand genommene Angeln gehört.“; Wittenberg den 8. Juli 1859  Der Königl. Landrath  v. Jagow.

 

 


Flecken (Flecken)

 

 

Flecken Ortschaft, die zwischen Stadt und Dorf die Mitte hält, hauptsächlich dadurch, dass zu der bäuerlichen Bevölkerung in größerer Zahl Händler, Gastwirte, Taglöhner u. besonderst Handwerker treten; letztere können dem Flecken geradezu das Gepräge geben, z. B. Töpferflecken. Andrerseits kann ein Bergbau und der gleichen (Bergbauflecken, Hüttenflecken, Salinenflecken) das Wesen des Flecken bestimmen. In dem Fleckenrecht spielt besonderst das Marktrecht eine Rolle (Marktflecken), doch gibt es auch Flecken mit Dorfverfassung und mit Stadtrecht; letztere werden auch als Titularstädte bezeichnet. Häufig entstanden Flecken um ein Kloster (Klosterflecken), eine Wallfahrtskirche (Wallfahrtsflecken) oder Burg (Burgflecken); doch bezeichnet man so auch einen befestigten Flecken. In älterer Zeit besaßen die Flecken eigene Fleckengerichte, die aber im Wesentlichen nur Niedergerichte waren. Diese Fleckengerichtsbarkeit hielt sich in einigen Gegenden bis in die Mitte des 19. Jh. – Auch für ein einfaches Dorf wird Flecken gebraucht. In der neueren deutschen Gemeindegesetzgebung wird das Wort Flecken vermieden.

 


Fleischer; Metzger  (Fleischer)

 

 

Metzger (mhd. metzjaere, wahrscheinlich v. mlat. macellare = schlachten; auch fleischhacker, -heckel, -houwer, -man, -manger, -slahter, -slehter, -werker; mlat. carnarius, carnifex, macellarius, lanio, laniarius).

Fleisch und Fleischprodukte wurden im Dorf seit alters her in Hausarbeit gewonnnen. Erst vom 12. Jh. an entwickelte sich mit dem wachsenden Fleischbedarf in den Städten der Beruf des Metzgers, der lebendes Vieh einkaufte, schlachtete und Fleisch und Wurstwaren öffentlich über die Fleischbank (mlat. macellum) verkaufte. Vom 13. Jh. an sind Metzger als zünftiges Gewerbe nachgewiesen. „Geschworene“ Metzgermeister zusammen mit städtischen Beauftragten sorgten durch Lebendbeschau der Schlachttiere und Beschau des Fleisches in den Fleischbänken für einwandfreie Qualität und korrekte Auspreisung. Um Schlachtabfälle (Blut, Magen- und Darminhalt) besser beseitigen zu können, wurden die ersten primitiven Schlachtplätze an Flussläufen eingerichtet (Breslau, 1224). Wo ein öffentlicher Schlachtplatz oder ein Schlachthaus (mhd. vleischhus, vleischmetzige, schinthus) bestand, durfte zumindest Großvieh nicht mehr auf Straßen, Märkten und in den Gassen geschlachtet werden, wie sonst allgemein üblich. Eine der ersten Verordnungen zum Schlachthauszwang findet sich im Augsburger Stadtrecht von 1276. Spezialisten des Metzgerhandwerks waren Küter (mlat. fartores), die das Schlachten und Ausweidenbesorgten, Garbrater (mhd. garbraeter, garküchner; mlat. assatores), die warme Imbisse und Würste, jedoch kein Frischfleisch verkauften, die Speckschneider, die Schinken und Speck anboten und nicht zuletzt die Hausschlachter; sie schlachteten, zerwirkten und verarbeiteten für Bürger in deren Häusern, für Gäste in den Wirtshäusern und zum eigenen Bedarf, durften jedoch kein Fleisch verkaufen.

Die Lehrzeit im Metzgerhandwerk dauerte 1 bis 2 Jahre, Wanderschaft war nicht üblich; das Meisterstück bestand aus der möglichst genauen Taxierung des Lebendgewichts eines Schlachttieres, der fachgerechten Schlachtung und Zerlegung, aus der gesundheitlichen Prüfung von Schlachttier und erschlachtetem Fleisch und Organen.

Die Fleischer in Annaburg betrieben neben dem Schlachten der Tiere, der Wurstzubereitung auch den Verkauf ihrer Waren. Einige waren noch zusätzlich Gastwirte.

Quelle:  Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Metzger; Zugriff 11/2008

 

 

 


Flößen (Floessen) 

 

 

Flößen

Da ein Straßentransport von Brennholz im 16/17. Jahrhundert von mehr als 4 Stunden und bei Nutzholz von mehr als einem Tag nicht mehr lohnend war, musste zunehmend der Wasserweg benutzt werden. Das Flössen des Holzes war die einzige effektive Transportmöglichkeit zu dieser Zeit. Durch Herrichtung vorhandener Wasserläufe für die Flößerei und den Neubau von Floßgräben wurden flößbare Gewässer geschaffen, durch die immer weiter entfernte Waldgebiete erschlossen werden konnten.

Die sich langsam entwickelnde Eisenindustrie führte in Sachsen in zunehmendem Maße zum wälderfressendem Holzverbrauch. Unmengen von Holz benötigten auch die Salinen. Mindestens gleich hohen Bedarf hatten Hüttenwerke. Große Waldverwüster waren aber auch die Glashütten. Das Holz musste letzten Endes aus immer größerer Entfernung über den Wasserweg herangeholt werden. Sachsen gehörte schon seit dem 15. Jh. zu dem Land mit den meisten Flößen. Dieser gewaltige überregionale Aufwand für die Beschaffung des als Brennstoff und als Baustoff unentbehrlichen Holzes überstieg die Macht und die ökonomische Kraft der einzelnen Grundherren. Es entstand ein staatliches Holzhandelsmonopol, das bis etwa 1850 andauerte. Haupthandelsplätze für das Holz waren die zu den Flößen angelegten staatlichen Holzhöfe. Die Einrichtung der Gewässer für die Flößerei und die Verwaltung lagen weitgehend in staatlicher Hand. Geleitet wurde das Flößereiwesen vom Oberforstmeister als Floßoberaufseher, der dem Finanzministerium zugeordnet war.

Damit dieses Transportsystem reibungslos funktionierte, wurde eine Floßkommission bestimmt. Diese gab den Auftrag, alle Hindernisse im Einzugsgebiet der Elster auszuräumen, an den Floßtagen die Mühlen anzuhalten und die Freiflut für das Flößen zu öffnen.

Die kurfürstlichen Flößer auf der Elster und dem Neugraben sollten von den Müllern nach besten Kräften unterstützt werden. Da während des Durchlasses die Mühlen außer Betrieb waren, hatten die Müller „Rezessanspruch“ in Geld (Ausfallzahlung). Die Flößer ihrerseits sollten auf schnelles Durchflößen durch die Freigerinne bedacht sein. Weiterhin war es ihnen unter Strafe verboten, außer dem am Ufer vorhandenen Treidlerweg neue Pfade auf den angrenzenden Wiesen und Feldern anzulegen. Von Schadenverursachern konnte Ersatz verlangt werden.

Im Mühlenregulativ ist genau festgelegt, wann die Müller Botengänge wegen Hochwasser oder wegen der Holzflößung durchführen müssen und in welcher Zeit der nächste Müller das bestimmte Amt oder den bestimmten Stromaufseher schriftlich mit Bestätigung zu benachrichtigen hat. Ferner sind die Räumung des Neugrabens und auch die Entfernung von Sandheger oder Treibholz in der Schwarzen Elster geregelt und mussten eingehalten werden.

Da man das Holz für den Salzbergbau dringend benötigte und der Kurfürst von Sachsen es liefern und verkaufen wollte, wurde 1695 (4. Mai 1697) das Flößen auf der Schwarzen Elster und auf dem Neugraben anbefohlen. Geflößt wurde auf dem Neugraben hauptsächlich zur Brenn- und Nutzholzversorgung der Saline Groß-Salze (heute Schönebeck), die Ostsachsen bis 1780 mit Kochsalz versorgt hat. Das Flößen auf dem Neugraben wurde aber bis zur aufkommenden Industrialisierung und der Schaffung anderer Transportmöglichkeiten (Eisenbahnstrecke Wittenberg – Falkenberg – Kohlfurt) beibehalten. Das Holz der Annaburger Heide ist über die Schwarze Elster zur Elbe, vor allem nach Magdeburg, transportiert worden. Zu diesem Zweck bestand bis zum Jahre 1835 in Annaburg ein „Floßamt“ mit einem Floßinspektor an der Spitze. Im Schumannschen Lexikon des Jahres 1814 wird das Holzflößen neben Land- und Forstwirtschaft ausdrücklich als Einnahmequelle genannt.

 


Flößer, Flößerei (Floesser)

 

Flößerei, Flößer

Flößerei (mhd. vlozwerc). Die Flößerei diente dem Holztransport aus den waldreichen Gegenden am Oberlauf der Flüsse nach Gegenden, in denen die Wälder bereits abgeholzt waren und wo weiterhin großer Bedarf an Bauholz für Häuser und Schiffe oder an Brennholz für Eisenhütten und Salinen bestand. Die Holzflößerei gewann erst ab 1697 Bedeutung für Annaburg. Auf kursächsischen Befehl hin erfolgte die Versorgung der Saline Groß-Salza (Schönebeck) mit Brennholz aus der Annaburger Heide. Das schließt natürlich nicht aus, dass schon früher zum Eigenbedarf geflößt wurde. Die in Annaburg nachgewiesenen Flößer übten ihr Gewerke auf dem Neugraben aus. Das Transportgut – Baumstämme, Holzscheite und Bretter – wurde nicht auf Schiffe verladen, sondern selbst zu Fahrzeugen (Floßtafeln, Gestören, Gestößen) zusammengefügt. Zusammengehalten wurden diese durch „Wieden(seilartig verdrehte Schößlinge von Weiden, Haseln, Buchen usf.) und durch mit hölzernen Nägeln angeschlagene Holzriegel („Wegspangen“). Gesteuert wurde mit Rudern, die am vorderen und hinteren Ende angebracht waren und mit Stangen, die am vorderen Ende einen eisernen Widerhaken trugen. Eine Floßtafel konnte drei bis zehn Meter breit und 15 bis 25 Meter lang sein. Auf großen Flüssen wurden mehrere Floßtafeln zu einem Verband (Floßtrain, Fuhr) von oft beträchtlicher Länge zusammengestellt. Die Zusammenstellung erfolgte aber erst bei Elster an der Elbe. Auf dem Neugraben wurde nur gedriftet. In den Holzeinschlagsgebieten in der Annaburger Heide, mussten technische Einrichtungen geschaffen werden, um das Stammholz zu flößbaren Flüssen zu bringen, Triften (zur Förderung einzelner Stämme tauglich gemachte Bäche), Klausen und Floßweiher (Anlagen zum Anstauen von Bedarfswasser für Trift und Flößerei), Holzfänge (zum Sammeln des Triftholzes), Triftgassen (Durchlässe in Mühldeichen), Sägmühlen u.a.m. Um das holzfördernde System vom Wald bis zur städt. Floßlände zu betreiben und instand zu halten, bildeten sich verschiedene Holzgewerbe, vom Waldhauer bis zum Floßführer. Koordiniert wurden alle notwendigen Arbeiten durch das Floßamt in Annaburg.

Holzbringung, Trift und Flößerei waren zwar von regionalen Bedingungen unterschiedlich geprägt, stets jedoch mit schwerer Arbeit, oft mit Gefahr für Leib und Leben verbunden. Die Zahl der auf einem Floß oder einem Floßtrain beschäftigten Flößer schwankte zwischen 2 und ca. 20. Am Bestimmungsort wurden die Flöße zerlegt und das Holz verkauft. Geflößtes Bau- und Brennholz unterlag dem Marktrecht wie andere Waren auch. Der Verdienst aus der Beförderung von anderem Transportgut und von Fahrgästen kam zum Holzerlös hinzu. Die Flößer (mhd. vloezere) reisten zu Fuß in ihre Heimat zurück.

Quelle:   Online Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank; http://u0028844496.user.hosting-agency.de; Zugriff 11/2008

 

 

  


Mühle Förster in Annaburg (Foerstermuehle)

 

Am 2. November 1852 stellte der Müllermeister Günther Kerst den Antrag zum Bau einer Bockwindmühle in Grochwitz. Doch nach kurzer Zeit wollte er sich verändern und offerierte im Schweinitzer Kreisblatt, in dem er seine Bockwindmühle zum Verkauf anbot. Herr Kühne kaufte dann 1862 die Windmühle, ließ sie in Grochwitz abbrechen und in Annaburg in der Jessener Straße 1 wieder aufbauen. Sein Sohn Karl Wilhelm Kühne jun. wurde am 3. September 1839 geboren und übernahm von seinem Vater das Windmühlengrundstück nach seiner Heirat im Jahre 1868. Doch nach einigen Jahren verstarb am 6. Oktober 1897 mit 49 Jahren die Ehefrau von Meister Kühne. Er verkaufte 1898 seine Mühle an den Müllermeister Wilhelm Theodor Otto Müller. Für Meister Müller war der Umsatz in seiner Mühle zu wenig und so baute er 1899 im Keller des Wohnhauses einen Backofen. Der Backofen war ein altdeutscher Ofen, der hauptsächlich mit Holz beheizt wurde. Da Meister Müller den Bäckerberuf nicht erlernt hatte, produzierte er nur Bauernbrot, wie es auf den Dörfern üblich war. Wirtschaftlich muss Herr Müller aber nicht zurechtgekommen sein, denn er hat das Grundstück im Jahre 1900 zum Verkauf angeboten.

Müllermeister Franz Förster kaufte am 1. Oktober 1900 von Meister Müller die Mühle. Franz Förster zog mit seiner Familie und seiner Schwiegermutter von Dommitzsch nach Annaburg. Da Müllermeister Förster nicht das Bäckerhandwerk erlernt hat, durfte er nur Bauernbrote backen. Auf Grund der Verkehrslage musste das Brot zu den Kunden gefahren werden. Der Schimmel und der Brotwagen waren bis 1914 das Markenzeichen für die Mühle und Bäckerei von Franz Förster.

Die Windmühle wurde 1914 auf Motorbetrieb umgestellt. Eingebaut wurde ein Sauggasmotor. Der Motor saugte ein Gasgemisch durch den Gassammeltopf selbsttätig an und arbeitet damit wie ein Dieselmotor. Durch Wellen und Zahnräder wurde die Antriebskraft des Motors auf die Windmühle übertragen.

Franz Förster jun. hat 1928 die Mühle und Bäckerei von seinem Vater übernommen. Im Jahre 1930 baute er zwischen der Windmühle und dem vorhandenen Motorenhaus eine neue, massiv gemauerte Mühle auf und ließ die Windmühle abbrechen. Der Antrieb in der neuen Mühle war jetzt nur der Sauggasmotor. Im Jahre 1939 wurde im Mühlenkeller ein 15 PS starker Elektromotor eingebaut und die Sauggasanlage stillgelegt. Bis Juli 1945 wurde für die eigene Bäckerei das Mehl in der Mühle gemahlen. Ab 1. August 1945 musste die Handelsmüllerei eingestellt werden und wir bekamen das Mehl von der Stadtmühle und von der Bahnmühle aus Annaburg geliefert. Wir durften nur noch für die Bauern und die Bevölkerung Umtauschmüllerei betreiben. Durch die Gründung der LPG kam auch die Kundenmüllerei zum Erliegen.

Am 1. Februar 1959 wurde die neu erbaute Backstube mit dem neuen Backofen in der Mühlenstraße 10 in Betrieb genommen. Mit dem Verkauf der Mühle und Bäckerei am 1. Oktober 1965 an die Polstermöbel Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) endeten auch die Arbeiten in der Jessener Strasse.

Quelle: Eberhard Förster, Gewerbebetriebe in Annaburg, Privatarchiv, unveröffentlicht

 

 

 


Folio  (Folio)

 

 

Folio altes großes Buchformat (Halbbogenmaß), oft mit einer Höhe zwischen 35 und 45 cm.

in folio – (lateinisch) Buchformat.

Quelle:  WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 


Forstbeamte, Oberförster, Förster, Hegemeister (Foerster)

 

 

 

Förster (spätahd. forstari; mhd. forstaere, forster; mlat. forestarius, silvarius). Ursprünglich unfreie Forstaufseher, welche für die Einhaltung des Forstbanns sorgten. In historischer Zeit wurde der Förster auch Hegemeister genannt.  Schon zu Zeiten Friedrich dem Weisen wurden sie zu privilegierten Amtsträgern, die auf Diensthufen (vorsthuoben; mansi forestarii iuris) saßen und außer ihrer Amtstätigkeit Jagddienste für den Kurfürsten leisten mussten (z.B. Hunde- und Pferdehaltung). Übergeordnete Förster (vorstmeister; magistri forestariorum) erhielten ihr Amt häufig als erbliches Lehen. Später konnten auch untergeordnete Förstereien erblich werden. Die Gewandfarben der Bannhüter waren vorgeschrieben:

er „sol reiden deß sommers in einem groenen rock, des winters in einem grauen, uff das er das wilt nit entstöre.

Die Oberförster und Förster in Annaburg gehörten zur höchsten sozialen Schicht in Annaburg und waren sächsische Staatsdiener, später preußische Beamte. 

Quelle: Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de; Zugriff 11/2008

 


Forstmeister; Jägermeister (Forstmeister)

 

 

 

Oberförster und Forstmeister sind historische Bezeichnungen für die Leiter eines Forstamtes. Sie traten im 16. Jahrhundert allmählich in Erscheinung. Dieses geschah mit der Ausbildung einer landesherrlichen Forstorganisation und einer wenigstens anteiligen Besoldung von Forstbediensteten. Gemeint waren mit all diesen Titeln zumeist Forstleute in leitenden Positionen, vergleichbar dem heutigen höheren Dienst innerhalb der Verwaltungen.

In Sachsen setzte der Landesherr einen oder mehrere Oberforstmeister ein, welche für das Gebiet des gesamten Kurfürstentums zuständig waren. Der Oberforstmeister war Leiter der Forstaufsicht über einen Distrikt der Kurfürstlichen Waldungen. Dieses Amt stellte ein Hofamt dar. Die Jäger waren allein für die „Jagd“ zuständig. Schon im Mittelalter hatten die vermögende Adelige hauptberufliche Jäger in ihrem Hofstaat oder auf ihren Besitzungen.

Dienstränge wurden regional unterschiedlich bezeichnet: Oberjäger, Oberhofjäger, Jägermeister oder Oberjägermeister. Sie waren in Annaburg meist für die Jagdausrüstung zuständig und für die Organisation der Jagden insbesondere der aufwendigen Treibjagden.

War „Forstmeister“ anfangs Titel für einen Inspektionsbeamten mit zumeist großem Einfluss auf die jeweilige örtliche Verwaltung, wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert erst in Preußen und einigen anderen deutschen Staaten die vormaligen Oberförster zu Forstmeistern ernannt, ohne dass sich jedoch etwas an ihrer Tätigkeit änderte.

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4ger  bzw. https://de.wikipedia.org/wiki/Oberf%C3%B6rster

 


Frankenspiegel (Frankenspiegel)

 

 

Der Frankenspiegel war ein  deutsches Rechtsbuch des Mittelalters aus der Zeit Ludwigs des Bayern, ähnlich dem Sachsen- und dem Schwabenspiegel das „kleine Kaiserrecht„; enthielt aber im Unterschied zum Sachsenspiegel auch Dienstmannen- sowie Stadtrecht.

Quelle:  WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 


Freihaus (Freihaus)

 

 

Freihaus   Frey=Haus    , Fr. Maison franche, ein Haus, welches von gewissen Gerichtsbarkeiten, Abgaben, Obliegenheiten u. s. f. frei ist.

In Berlin stehen die Freyhäuser, welche ehemals freie Burglehn=Häuser hießen, und welche man auch von außen an dem Worte FREYHAUS, welches über den Hausthüren mit vergoldeten Buchstaben zu stehen pflegt, kennet, unmittelbar unter dem Hof= und Kammergerichte, sind von aller Einquartierung und andern bürgerlichen Auflagen frey, müssen aber dagegen, wenn fremde Herrschaften nach Berlin kommen, das Gefolge derselben logieren, oder auch für dasselbe gewisse Notwendigkeiten, als: Betten, u. s. w. liefern. Die Eigenthümer der Freyhäuser werden zu den Eximirten gerechnet; ja, vor Zeiten waren auch diejenigen, die nur in Freyhäusern wohnten, eximirt.

Bei den Handwerkern, versteht man unter Frey=Haus ein Haus, in welchem ein unzünftiger Handwerker wohnen darf.

Es geben, wie bekannt, die Handwerker genau Acht, dass ihnen von niemanden, der in ihrer Zunft nicht ist, Eingriff geschehe, und sich eben der Rechte bediene, die ihnen das Zunft= und Meisterrecht gibt, andern aber, die nicht rechtmäßig in der Zunft, oder gar nicht sind, verbietet. Und daher verfolgen sie alle, die sich dessen unterfangen, als Stöhrer und Pfuscher, fallen mit obrigkeitlichem Beystande in die Häuser, und heben sie auf. Weil aber einige dieses Recht gemißbraucht, auch allerhand andere Ungerechtigkeiten durch dieses Zwang= und Bann=Recht verübet, und auch diejenigen, die ihre Arbeit brauchen, damit inkommodiert haben: so ist es gewissen Handwerkern an einigen Orten widerfahren, dass man gewisse Häuser von diesem Bannrechte ausgenommen, und darin den Stöhrern Sicherheit und Schutz geleistet hat. Dieses nennt man alsdann Freyhäuser. Insonderheit haben dieses die Schneider an vielen Orten, vornehmlich bei Stiftern und Höfen, erfahren müssen. Also sind z. E. zu Zeitz, in Ansehung der Schneider, verschiedene solche Häuser, als: der Stiftsräthe, Domherren, auch anderer adeliger und vornehmer Personen, wie auch die Geistlichen, die fürstlichen Beamten, und Raths=auch Gerichtspersonen, von dieser Ordnung des Zunftzwanges ausgenommen. Es steht ihnen daher frey, entweder einen Meister aus der Stadt, oder aber einen Freyschneider, d. i. einen, der entweder kein, oder doch ihrer Meinung nach kein rechtmäßiger Meister ihrer Zunft, oder ein fremder Meister ist, in ihrer Behausung zu gebrauchen. Es ist dieses auch auf andere Handwerker gezogen worden. Nur die Zeugmacher haben in ihren Privilegien, v. J. 1684, erhalten: dass keinem, der sich nicht in ihre Innung begeben, daselbst in der Stadt, in dem Domkapitel, dem Amte und andern zuständigen Freyhäusern sich aufzuhalten, und darin weder heimlich noch öffentlich sein Handwerk zu treiben, erlaubt sein solle; welches auch im 14 Art. auf das Land extendirt worden. Dergleichen findet man auch hin und wieder noch viel mehrere.

(Quelle: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirtschaft ist der Titel einer der umfangreichsten Enzyklopädien des deutschen Sprachraums. Das von J. G. Krünitz begründete Werk erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden und stellt eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen für die Zeit des Wandels zur Industriegesellschaft dar. http://www.kruenitz1.uni-trier.de/ Zugriff 11/2008;
Verschiedene spezielle Nachrichten von den berlinischen Frey=Häusern, findet man in Küsters alten und neuen Berlin, 3 Abtheil. Berl. 1756, f.; und eine Abhandlung über die Natur, Beschaffenheit und Vorrechte der Freyhäuser in Berlin, in Henr. Brokes selectis Obss. forensibus, Lub. & Alton. 1765, f. Obs. 149, S. 233--240.)

 

 


Freisasse  (Freisasse)

 

 

Freisasse   –  Saß von dem Zeitworte sitzen, der da sitzt, und figürlich und im gewöhnlicherem Verstande, ein Einwohner, Besitzer. Dieses Wort ist für sich allein veraltet, kommt aber noch in vielen Zusammensetzungen vor, als: Amtsaß, Beysaß, Kanzelleysaß, Erbsaß, Freisaß, Hintersaß, Haussaß, Holzsaß, Kothsaß, Landsaß, Schriftsaß, Untersaß

Sasse, ein bei den Jägern für Sitz übliches Wort wo es aber nur von dem Hasen gebraucht wird, um denjenigen Ort zu bezeichnen, wo ein Hase sitzt oder liegt. Der Hase drückt sich in seiner Sasse.

Freisasse eigentlich Frey=Saß, in einigen Gegenden, ein Saß, d. i. Besitzer eines Freygutes; Frey=Gut, ein freyes Gut, doch in verschiedenem Verstande.

Güter, d. i. Waaren, welche von gewissen Abgaben befreyet sind, privilegirte Güter.
Ein freyes Landgut im schärfsten Verstande, welches niemanden mit Lehnspflicht zugethan ist, ein Allodium, ein freyeigenes Gut, Fr. Francaleu, Francalleu, Terre franche.
Ein Bauergut, welches nicht zu Frohnen und andern Dienstbarkeiten verpflichtet ist, sondern nur die gewöhnlichen Landsteuern oder einen gewissen Freyzins bezahlet; siehe Frey=Bauer. In einigen Gegenden werden sie Freymannshufen, Freymannslehen genannt.

In Annaburg waren die Freisassen Post-, Forst-, oder Amtsbeamte und stellten die privilegierte Schicht der Annaburger Bevölkerung dar. 

Quelle:  Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft ist der Titel einer der umfangreichsten Enzyklopädien des deutschen Sprachraums. Das von J. G. Krünitz begründete Werk erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden und stellt eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen für die Zeit des Wandels zur Industriegesellschaft dar.    http://www.kruenitz1.uni-trier.de/ Zugriff 11/2008

 

 

 

 


Fronen, Frondienste (Fron)

 

 

Fronen, Fronden, Frondienste, Scharwerk: Dienstleistungen, die in der Verrichtung körperlicher Arbeit bestanden und die persönlich abhängige Personen, die Besitzer bestimmter Liegenschaften oder die Bewohner eines Bezirks zum Vorteil eines Dritten unentgeltlich zu leisten hatten (auch Grundherrschaft, Gutsherrschaft). Die Frondienste bildeten einen Teil der bäuerlichen Lasten und waren bis zur Bauernbefreiung allgemein üblich. Sie bestanden meist aus Handdiensten der ärmeren Grundholden und aus Spanndiensten (Stellung eines Gespanns) der spannfähigen Bauern. Die Frondienste waren entweder gemessen, d.h. qualitativ und quantitativ genau festgelegt, oder ungemessen. Im Frühmittelalter waren die Frondienste wichtiger Bestandteil der ausgedehnten Eigenwirtschaft des Grundherrn, gingen jedoch mit der Auflösung des Fronhofverbands und mit dem Übergang zur Zinsgutwirtschaft im Westen Deutschlands bis zum 14. Jh. zurück und wurden durch Abgaben ersetzt. – nicht aber in Sachsen oder Preußen, hier erfolgte erst die Ablösung der Frondienste in Geldleistungen (Steuern) im 18./19. Jh.

 

Quelle:   „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 


Annaburger Frühgeschichte, Lausitzer Kultur, Bronzezeit (Fruehgeschichte)

 

Bronzezeit

Die Bronzezeit wird in unserer Region geprägt durch die Lausitzer Kultur und wird derzeit von ca. 1300 v. Chr. (Bronzezeit) bis ca. 500 v. Chr. (Eisenzeit) datiert.

Während dieser knapp 1000 Jahre besiedelten die Menschen der Lausitzer Kultur ein Gebiet, das sich in etwa von der Elbe bzw. der Saale bis östlich der Weichsel erstreckte und von der Ostsee bis in die Slowakei reichte.

Am Übergang zur Eisenzeit bilden sich starke regionale Unterschiede heraus, weshalb die Archäologen innerhalb der Lausitzer Kultur mehrere eigenständige früheisenzeitliche Gruppen unterscheiden: Die Billendorfer Gruppe, die Schlesische Gruppe, die Göritzer Gruppe und die Aurither Gruppe.
Die Lausitzer Kultur ist geprägt durch ihre Keramikform, der Buckelurne

Diese Grabkeramik enthielt den Leichenbrand nach der Verbrennung der Toten. Die Brandbestattung wurde in diesen Epochen bevorzugt. Der Tote wurde auf der Ustrine am Rande des Gräberfeldes verbrannt. Daher ist von den Grabbeigaben und Trachtbestandteilen des Toten nur wenig erhalten. Doch erkennt man aus den Befunden, dass die Reste des Toten mit großer Sorgfalt aus dem Scheiterhaufen gelesen, gewaschen und anschließend in anatomischer Ordnung in die Urne geschichtet wurden. Diese Namengebende Grabkeramik ist aber nicht Bestandteil unserer Ausstellungsstücke. Die in der Annaburger Gemarkung gefundenen Keramikstücke stellen Gebrauchsgegenstände dar. Sie gehören zur späten Bronzezeit da die Gefäße mit waagrecht umlaufenden Riefen versehen wurden.

Die Ernährungsgrundlage der Lausitzer waren Ackerbau und Viehzucht. Durch Getreidereste aus Vorratsgruben und verbrannte Breireste aus Keramikgefäßen wissen wir heute, dass unter anderem verschiedene Getreidearten wie z.B. Einkorn, Emmer, Dinkel oder Gerste gelagert und verarbeitet wurden. In der Niederlausitz wurden regelrechte Speicherareale mit Gruben von bis zu 2 m Tiefe bei Ausgrabungen freigelegt. Auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Ackerbohnen und Linsen standen auf dem Speiseplan. Der Menge der gefundenen Tierknochen nach zu urteilen, spielte besonders das Rind eine große Rolle als Nutztier, daneben wurden Schafe, Ziegen, Schweine und Hunde gehalten. Aber auch Fische wie Hecht, Stör und Wels wurden zumindest in geringen Mengen mithilfe bronzener Angelhaken gefangen. Trensenreste verweisen auf die Nutzung von Pferden, und aus der späten Bronzezeit sind zum ersten Mal Holzpflüge überliefert.

In unserer Region ist die Lausitzer Kultur die bedeutendste urgeschichtliche Epoche. Weniger bekannt als die in beiden Lausitzen sehr häufigen frühmittelalterlichen Slawenburgen sind die weit über 1000 Jahre älteren großen Befestigungen der Lausitzer Kultur. Diese entstanden am Ende der Bronze- und zu Beginn der frühen Eisenzeit (8.–5. Jahrhundert v. Chr.).

Die zu dieser Zeit bereits stark sozial differenzierte Gesellschaft zeigte damit ein wachsendes Schutzbedürfnis gegenüber inneren und äußeren Bedrohungen. Burgen der Lausitzer Kultur befinden sich immer in natürlich geschützten, aber auch strategisch wichtigen Lagen, sei es auf den Steilufern über größeren Gewässern oder auf Anhöhen in der Niederung. Sofern Ausgrabungsbefunde vorliegen und Deutungen zulassen, erkennen wir regelmäßige Burginnenbebauungen aus Häusern mit eingegrabenen Pfosten und den Nachweis von spezialisierten Handwerkern wie Bronzegießern. Wie die bedeutenden bronzezeitlichen Burgen an den Ufern von Elbe, Neiße, Oder und ihren Zuflüssen gelten auch die Burgen der Lausitzer Kultur in der Niederlausitz als Zentralorte mit Sitz der politischen und religiösen Stammeseliten und als Handels- sowie Handwerkerzentren.Der bekannte Berliner Arzt, Sozialpolitiker und Mitbegründer der modernen Ur- und Frühgeschichtsforschung Rudolf Virchow (1821–1902) benannte 1880 erstmals diese Kultur der Bronze- und frühen Eisenzeit nach der heute in Südbrandenburg liegenden (Nieder)Lausitz als „Lausitzer Kultur“. Unsere Region kann stolz sein auf diese weit über ihre Grenzen reichende und ausstrahlende urgeschichtliche Epoche. 

Die Siedlungen, meist als Weiler errichtet, bestanden aus 3-5 rechteckigen Pfostenhäuser und die ca.  8,50 bis 12,50 Meter lang, sechs bis neun Meter breit waren. Sie umschlossen meist nur einen Raum mit Herdstelle. Dabei konnten größere Gebäude auch Mehrräumig ausgeführt sein. Dabei trennten Zwischenwände verschiedene Bereiche innerhalb der Häuser. Die Wände dieser Gebäude bestanden aus lehmverputztem Flechtwerk, wie Funde von Hüttenlehm mit Holz- und Geflechtnegativen belegen. 
Eisenzeit - Zwischen Elbe und Elster

Seit Mitte des 7. Jahrhunderts bilden sich im Gebiet der Lausitzer Kultur größere regionale Unterschiede und Besonderheiten bei Grabanlagen und Keramikformen heraus. Die Lausitzer Kultur „zerfällt“ in einzelne Gruppen. In Ostsachsen und den nördlich und östlich angrenzenden Gebieten entwickelt sich aus der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur ohne gravierende Veränderungen die Billendorfer Gruppe.

Eine um 800 v. Chr. einsetzende Klimaverschlechterung scheint aber einen Einfluss auf die Platzwahl für offene Siedlungen zu haben: Sie verschwinden aus den höheren Lagen (Fläming) und finden sich nun in unserer tiefer gelegenen Regionen.

Eisen spielt anfangs noch eine eher untergeordnete Rolle, gewinnt aber nach und nach an Bedeutung. Durch seine oberflächennahen und lokalen Vorkommen in Form von Raseneisenerz ist es leichter in unserer Region zu beschaffen als Kupfer und Zinn, zudem eignet es sich durch seine größere Stabilität besser für Werkzeuge und Waffen. Um an das Metall heranzukommen, wurde das Raseneisenerz in so genannten Rennöfen verhüttet. Die ungewünschten Stoffe schmelzen aus und das im Ofen zurückbleibende Eisen wird anschließend durch Schmieden in die gewünschte Form gebracht.


 

 

 

 

 


Fürstentum (Fuersten)

 

 

Fürstentum: im Mittelalter das Herrschaftsgebiet eines Angehörigen des Fürstenstandes, in der Neuzeit reichsunmittelbares Territorium mit einem Fürsten als Oberhaupt. Im Frühmittelalter entsprach der allgemeinen Bezeichnung eines hohen Adligen als Fürst kein regional zu verstehender Begriff Fürstentum, da die Personellgruppe der Fürsten auf den König bezogen oder als Führungsschicht eines Stammes verstanden wurde. Die meist Herzogtümer genannten Einheiten waren der ursprüngliche Typ des Fürstentum. Erst mit der Herausbildung eines Reichsfürstenstandes konnte der Begriff Fürstentum auf die Besitzungen der weltlichen und geistlichen Fürsten übergehen. Kennzeichen des Fürstentums war es, zwar ein Glied des Reichs, aber nicht Eigentum des Reichs zu sein.

Quelle:   „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Gärtner  (Gaertner)

 

 

 

Ein Gärtner (andere Bezeichnungen: Hintersättler, Hintersassen, Hintersiedler, Kötner, Kotsassen, Kossäten, Handbauern, Handfronbauern) war bis zur Ablösung der Frondienste im 19. Jahrhundert in Mitteldeutschland ein Hausbesitzer, dessen Besitz in der Regel etwa eine Viertel- oder Achtel-Hufe umfasste (etwa 3 bis 8 Morgen), ausnahmsweise aber auch bis zu einer Dreiviertelhufe, was nicht für einen auskömmlichen bäuerlichen Betrieb ausreichte, jedoch eine Familie ernähren konnte (Gartennahrung). In Annaburg waren die Gärtnerstellen mit einem anderen Broterwerb kombiniert. Z.b. waren sie Schankwirte, Brauereibesitzer, Müller, Schmiede oder Fleischer. Da um 1700 in manchen Quellen auch von Gartengütern oder „Haus mit Garten“ die Rede ist, war der Übergang von den Gärtnern zu den Bauern einerseits (insbesondere den Teilhüfnern) und den Häuslern andererseits in der ländlichen Sozialstruktur fließend. Der Gärtner war somit in der Regel nicht an der Flurnutzung und der Gemeindeverwaltung beteiligt und war neben seiner für den Eigenbedarf ausreichenden Landwirtschaft auf eine andere, zusätzliche Tätigkeit beispielsweise gewerblicher Art angewiesen. Zur Abgrenzung sprach man vom „Obst- und Küchengarten am Haus“ z.B. bei den Häuslern die ja eine Sozialstufe tiefer standen. Zur Unterscheidung wurden gewerbliche Gartenbauunternehmer die im 18. Jahrhundert aufkamen dann auch als Handelsgärtner bezeichnet.

Quelle Wikipedia

 

 


Gartenkunst  (Gartenkunst)

 

 

 

 

Die Gartenkunst ist die künstlerische Gestaltung von Parks und Gärten durch Pflanzen, Wasser, Wege, Steine, Planierungen, Bildwerke, Baulichkeiten. Die europäische Gartenkunst greift Vorstellungen vom Paradiesgarten, von Arkadien und vom Götterhain auf.

Im alten Ägypten war die Gartenkunst streng symmetrisch orientiert, die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon (6. Jh. v.Chr.) galten als eines der Sieben Weltwunder der Antike. Auch die persischen Gärten waren berühmt, sie wurden in hellenistischer und später in römischer Zeit (Alexandria) mit ihren Brunnen, Grotten und vielen Pflanzen übernommen. Die Mauren brachten die persisch beeinflusste Gartenkunst des Islam nach Spanien (Granada, Alhambra), auch indische Gärten wurden von der islamischen Gartenkunst beeinflusst.

In China und Japan prägten künstliche Seen, Brücken und Pavillons die Gartenanlagen, wobei die vom Zen-Buddhismus beeinflusste Gartenkunst in Japan religiös-zeremoniellen Charakter annahm.

Die Gärten in Mitteleuropa waren besonders im Mittelalter reine Nutzgärten; in Klostergärten wurden Heilpflanzen kultiviert.

Erst in der Renaissance entwickelte sich der Garten zum Kunstwerk durch seine strenge Gliederung in Treppen, Terrassen, Statuen und Wasserbecken. Zur Zeit des Barock prägte Frankreich die Entwicklung der Gartenkunst, insbesondere durch den Gartenarchitekten A. Le Nôtre, der Garten und Schloss in ein Gesamtkonzept integrierte und die Natur nach streng symmetrischen Achsensystemen strukturierte. Elemente des französischen Gartens sind Rabatten, Bildwerke, Steinvasen, Bassins, Irrgarten und Orangerie; sie wurden so zum Vorbild für ganz Europa und entwickelte sich vor allem aus den barocken Gartenanlage von Schloss Versailles.

Bereits um 1730 wandelte sich die Gartenkunst in England hin zum Landschaftsgarten, der durch geschwungene Wege, Rasenflächen und Baumgruppen charakterisiert ist. Pagoden, Tempel und künstliche Ruinen im so genannten englischen Garten sind chinesischen Einflüssen zu verdanken. Der englische Garten dominierte im 19. Jh. die Gartenkunst in Europa und den USA.

Die Gartenkunst der Gegenwart widmet sich besonders dem Problem der Stadtdurchgrünung (Gartenbauausstellungen als Modelle).

Quelle:  WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 

 

 


Gemeindevorsteher (Gemeindevorsteher)

 

 

 

Als Gemeindevorsteher bezeichnet man den Leiter einer Gemeinde (Städtlein bzw. Flecken Annaburg). Der Begriff war bis 1945 auch im Deutschen Reich die übliche Bezeichnung für den Bürgermeister einer kleineren Gemeinde, gelegentlich wird er auch heute noch umgangssprachlich im süddeutschen Raum verwendet. 

 

 


Gerbismühle bei Gerbisbach  (Gerbismuehle)

 

 

Die Gerbismühle ist als fünfte Mühle am Neugraben gelegen. Sie gehört zum Amt Annaburg und auch zur Annaburger Kirchengemeinde. Sie wurde von Müllermeister Johann Christoph Herrmann 1730 erbaut. Sein Sohn und Nachfolger Johann Gottlieb Herrmann, geboren 1720, verstarb mit 52 Jahren am 25. Juli 1772. Dessen ältester Sohn aus erster Ehe, geboren am 9. November 1744, übernahm nach dem Tod des Vaters die Gerbismühle. Doch durch seine schwere Krankheit ist Meister Herrmann am 10. Januar 1784 bereits im Alter von 39 Jahren verstorben. So verkauften die Erben die Gerbismühle an Meister Johann Friedrich Förster, der am 22. Januar 1748 das Licht der Welt erblickte hatte. Sein ältester Sohn Johann Friedrich Förster jun. wurde am 12. April 1783 geboren. Nach dem Tod des Vaters am 6. Juni 1809 übernahm er die Gerbismühle. Für seinen jüngeren Bruder Gotthelf Förster wollte er die Elstermühle in Gorsdorf kaufen, aber der heiratete nach Beigern und so kaufte Johann Friedrich Förster für sich die Mühle in Gorsdorf am 7. Januar 1817. Wenig später, am 20. August 1818, verkaufte er die Gerbismühle an Meister Gottlob Bachmann. Dessen Sohn Friedrich Bachmann übernahm 1834 die Gerbismühle vom Vater.

Im Schweinitzer Kreisblatt wurde die Mühle am 4. Juli 1838 zum Verkauf angeboten. Der neue Besitzer der Gerbismühle und der dazugehörigen Landwirtschaft wurde Meister Gottlob Eduard Walter. Leider konnte die Gerbismühle nicht im Besitz der Familie Walter bleiben, sie ging an Meister Friedrich Robert Hennig über. Meister Hennig baute 1861 die Gerbismühle um. Es durfte an der Wasserkraft nichts verändert werden, aber die Mühle bekam noch einen französischen Mahlgang und einen Spitzgang für die Reinigung. Nach seinem Tode, am 14. Februar 1882, übernahm sein ältester Sohn Karl Albert Hennig die Gerbismühle. Er war unverheiratet und starb am 3. April 1911 in Folge einer Krankheit. Die Erben verkauften das Grundstück mit der Mühle an Müllermeister Karl Hennig, der mit dem vorherigen Eigentümer Hennig nicht verwandt war. 1932 übernahm der Müllermeister Karl Hennig jun. die Mühle und die Landwirtschaft. Aber durch eine schwere Krankheit ist auch er schon sehr jung im Jahre 1942 mit 46 Jahren verstorben. Nun musste die Ehefrau mit ihren Kindern die Mühle und die Landwirtschaft weiterführen. Der Sohn Friedrich Hennig erlernte das Müllerhandwerk in Schweinitz bei Müllermeister Ewald Klabe. Nach der Lehrzeit wurde er zum Arbeitsdienst, dann zum Militär gezogen und kam 1946 erst aus Gefangenschaft zurück. Durch einen Austausch von einem Kriegsgefangenen, der in Gerbisbach bei einem Bauer arbeitete und von Beruf Müller war, konnte der Mühlenbetrieb in der Gerbismühle aufrecht erhalten werden. Auch nach dem Krieg ist er in Gerbisbach in der Mühle geblieben, bis 1953 der Mühlenbetrieb eingestellt werden musste.

Die Gerbismühle ist zum Teil von der Mühleneinrichtung beräumt und die Gebäude mit dem Wohnhaus sind dem Verfall preisgegeben. Noch sind die Reste der Mühle rechtsseitig des Neugrabens in Gerbismühle unmittelbar neben der Brücke zu sehen.

Eberhard Förster

 

 

 


Gerechtsame (Gerechtsame)

 

Gerechtsame, auch Gerechtigkeit, im Plural „die Gerechtsame“ (seltener „die Gerechtsamen“) ist das bis in das 19. Jahrhundert gebräuchlich gewesene Wort für das Recht oder Vorrecht, die „Gerechtigkeit“, mit der man etwas tat, besaß oder nutzte. Nach Adelung ist die Gerechtsame (plur. die -n), „die in einem Rechte oder Gesetze gegründete Befugniß„.

Das Wort tauchte meist in Wortfügungen auf: Eine Stadt konnte eine bestimmte Gerechtsame einrichten – etwa eine Buchhandelsgerechtsame, die dem Inhaber der Gerechtsamen den Betrieb einer Druckerpresse und den Verkauf von Büchern gestattet. Es gibt die Schankgerechtigkeit, Schmiedegerechtigkeit, Waagegerechtigkeit, Wassergerechtigkeit, Wegegerechtigkeit, Brau-, Mühl-, Brot-, Fleischbankgerechtigkeit (die gegen Zins weiterverliehen werden konnten). „Auf dieser Mühle lagen die Gerechtsame des Bier- und Branntweinschankes, des Tanzhaltens, sowie des Schwarz- und Weißbackens“, so die typischen Formulierungen, die in der Regel mit Erlaubnis, Konzession oder Lizenz zu übersetzen sind. Die Gerechtsame konnte sich auch auf das Nutzungsrecht an einem Grundstück beziehen. So bezog sich u.a. die Gerechtsame der Bienenbeutnerinnung in Lochau (Annaburg) auf die Nutzung der Lochauer Heide (Annaburger Heide); hier das Halten von Bienen in abgestorbenen hohlen Bäumen.

Gerechtsame sind wie Grundstücks-, Eigentums- und andere Nutzungsrechte vererbbar. Viele Gerechtsame standen in Zusammenhang mit den Regalien, den königlichen Rechten, und wurden von den Herrschern bzw. ihren Lehensmännern oder den Bischöfen verliehen. Dafür hoben diese dann den Zehnt oder eine Pacht ein.

Quelle.  Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 

 

 

 


Gerichtsverfassung (Gerichtsverfassung)

 

 

Gerichtsverfassung: die Gerichtsverfassung regelt die Zuständigkeit, den inneren Aufbau der Rechtsprechenden Organe sowie ihr Verhältnis zueinander. Die Ausbildung einer Gerichtsverfassung hängt eng mit der staatlichen Entwicklung zusammen. Grundsätzlich galt die Rechtsprechung bis ins 19.Jh. als ein Teil allgemeiner Hoheitsrechte und konnte dementsprechend in jedem Gewaltverhältnis begründet sein: Der König übte die Gerichtsbarkeit über sein Volk, der Fürst über seine Vasallen, der Grundherr über seine Bauern (auch Patrimonialgerichtsbarkeit), der Leibherr über seine Leibeigenen, Gemeinden und Verbände über ihre Mitglieder (zur Frage der Zuständigkeiten: hohe Gerichtsbarkeit, niedere Gerichtsbarkeit). Eine Unterscheidung zwischen Straf- und Zivilgerichtsverfahren war der mittelalterlichen G. zunächst unbekannt; diese Trennung setzt erst im 14.Jh. ein, als für Strafsachen der Inquisitionsprozess entstand. Das Gericht selbst bestand im Frühmittelalter aus der Versammlung wehrfähiger Männer (Umstand); diese Versammlung, die auf einem besonderen Platz, der umhegten Mal- oder Thingstatt, zusammentrat, fand unter dem Vorsitz des Thingmannes das Urteil. Bereits in fränkischer Zeit setzte jedoch eine Entwicklung ein, in der die Rechtsfindung von dem vereinigten Thingvolk auf spezielle Urteilsfinder überging. So bildete sich das mittelalterliche Kollegialgericht heraus, bestehend aus einem Richter als Prozessleitendem Vorsitzenden ohne Stimmrecht und meist sieben oder zwölf Urteilern (Geschworenen, Schöffen), die ursprünglich die Entscheidung einstimmig finden mussten. Der Richter war staatlicher Amtsträger, die Urteiler gewählte Vertreter der Gerichtsgemeinde. Mit dem Entstehen einer Wissenschaft vom Recht im Spätmittelalter änderten sich die Funktionen des Richters und der Schöffen. Seine alte Stellung als Vorsitzender behielt der Richter am längsten in den obersten Gerichten (z.B. der Kammerrichter im Reichskammergericht, die Hofrichter in den territorialen Hofgerichten), während die Urteilsfindung dort mehr und mehr von Rechtsgelehrten übernommen wurde. In den unteren Gerichten dagegen verloren die Schöffen allmählich an Bedeutung, die Aufgabe der Urteilsfindung fiel dem Richter zu. Seit dem 15. Jh. setzte in Deutschland auch eine erst im 19. Jh. abgeschlossene Reform der Gerichtsverfassung ein: Rechtsmittel wurden zugelassen und ein geordneter Instanzenweg zu einem obersten Gericht geschaffen (im Reich zum Reichskammergericht, in den Territorien zu den fürstlichen Hofgerichten). Im Heiligen Römischen Reich gelang es dem Königtum nicht, die Gerichtsbarkeit zum Kernstück zentraler Reichsgewalt auszubauen. Die seit dem 13.Jh. zunehmende Verselbstständigung der Fürsten verstärkte den Dualismus zwischen der Gerichtsbarkeit des Königs und der Gerichtsbarkeit der aufsteigenden Landesherren. Die Bedeutung der Reichsjustiz verringerte sich; die Gerichtsbarkeit ging weitgehend in die Hand der reichsständischen Landesherren über. Während im Deutschen Bund keine gemeinsame Gerichtsverfassung bestand, entwickelte sich seit der Reichsgründung 1871 eine einheitliche staatliche Gerichtsverfassung und Rechtspflege (u.a. 1871 Einführung des Reichsstrafgesetzbuchs und 1877 des Gerichtsverfassungsgesetzes, 1879 Gründung des  Reichsgerichts in Leipzig, 1900 In-Kraft-Treten des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 

 


Gewerbeordnung von 1891 (Gewerbeordnung)

 

 

Gewerbeordnungsnovelle 1891: erster, über die Bismarcksche Sozialgesetzgebung hinausgehender Schritt zu einem gesetzlich fixierten Arbeiterschutz in Deutschland. Die Gewerbeordnungsnovelle, nach dem Sturz Otto von Bismarcks am 6. Mai 1890 dem Reichstag vorgelegt, veränderte bzw. ergänzte Teile der Gewerbeordnung von 1869 und erlangte am 1. Juni 1891 Gesetzeskraft. Sie brachte auf einigen Gebieten wichtige Verbesserungen, u. a. durch gesetzliche Sonn- und Feiertagsruhe für Industrie und Bauwesen, Lohnschutzbestimmungen (Verbot des Truck-Systems), die Forderung nach Schutz der Arbeiter »gegen Gefahren für Leib und Leben«, soweit es »die Natur des Betriebes gestattet«, das Verbot der Arbeit für Kinder unter 13 Jahren, die Beschränkung der Arbeitszeit für Jugendliche (bis 16 Jahre) auf zehn Stunden, für Frauen in Fabriken auf elf Stunden täglich, eine vierwöchige Karenzzeit für Wöchnerinnen sowie das Verbot der Nachtarbeit für Kinder, Jugendliche und Frauen. Mit diesen sozialpolitischen Zugeständnissen sollte unter dem Eindruck des Fiaskos des Sozialistengesetzes der Versuch gemacht werden, den Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie zu entschärfen und Teile der Arbeiterklasse an die bestehende Ordnung zu binden. Die Bestimmungen der Gewerbeordnungsnovelle wurden durch umfangreiche Ausnahmeregelungen, langfristige und sehr differenzierte Einführungstermine sowie das Fehlen wirksamer Strafbestimmungen bei Verletzung der Gewerbeordnungsnovelle durchlöchert. Die Gewerbeordnungsnovelle als sozialpolitisches Kernstück des »Neuen Kurses« legalisierte die Verheißungen der Februar-Erlasse 1890 nur in drastischer Reduktion; eine Arbeitszeitbeschränkung für männliche Arbeiter (Maximalarbeitstag) fehlte gänzlich. Zudem enthielt die Gewerbeordnungsnovelle keine Sicherung des Koalitions- und Streikrechts der Arbeiterklasse, sie war vielmehr mit dem Versuch gekoppelt, dieses Recht einschneidend zu beschränken. Die Sozialdemokratie lehnte die Gewerbeordnungsnovelle ab und forderte in einem Gegenentwurf zur Gewerbeordnungsnovelle außer paritätischen Arbeitsämtern, unentgeltlichen Arbeitsnachweisen, Arbeitskammern u. a. vor allem wirksame Kontroll- und Strafbestimmungen, die sukzessive Einführung des Achtstundentages bis 1898 und die Sicherung des Koalitionsrechts.

Quelle    Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag, Berlin 1983

 

 

 

 


Glas  (Glas)

 

 

 

Das Glas ist eine durchsichtige, erstarrte Schmelze aus Silikaten; eines Gemischs aus Quarzsand und Soda bzw. Pottasche und Kalk oder Bleioxid. Normalglas hat ungefähr die Zusammensetzung Na2O x CaO x 6 SiO2. Herstellung in Glashütten durch Zusammenschmelzen bei ca. 1 500 °C in Glasöfen. Häufig Färbung des Glases mittels Metalloxiden (Spezialgläser sind häufig Boro-Alumo-Silikate, z.B. Jenaer Glas enthält 8,5 % Al2O3 und 4,6 % B2O3). Verarbeitung des zähflüssigen Glases durch Blasen, Pressen oder Auswalzen.

Quelle:     WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 


Glaser  (Glaser)

 

 

Glaser (mhd., ahd. glesere). Das ma. Glaserhandwerk war ursprünglich auf die Klosterhütten beschränkt und erlebte in der Mitte des 12. Jh. einen Aufschwung durch die Erfindung des Buntglases und durch den wachsenden Glasbedarf für bunte Kirchenfenster. Waren ursprünglich Glasherstellung und Glasverarbeitung von ein und demselben Klosterhandwerker besorgt worden, so trennten sich die Berufe vom 13. Jh an, als sie überwiegend in die Hand Laien übergingen. Glaser brachen – ausschließlich für Kirchenfenster – bunte Glasscherben zurecht und fassten sie, nach der Vorlage des Malers, mit Bleiruten zu Bildern zusammen. Farblose Gläser wurden vom 15. Jh. an auch zur Verglasung der Fenster von Profanbauten hergenommen. Das Handwerkszeug des Glasers bestand im wesentlichen aus Lötkolben (zum Verlöten der Bleiruten), Kröseleisen (zum Brechen des erhitzten Glases) und Bleihammer (zum Formen der Bleiruten). Glaser blieben bis zum Ende des Mittelalters ein kleines Handwerk ohne eigene Zunft.

Quelle   Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Glaser; Zugriff 11/2008

 

 

 


Der Glücksburger Forst / Glücksburger Heide   (Gluecksburgerheide)

 

 

In früherer Zeit (1677)  bestand in der Glücksburger Heide an der Strasse nach Jüterbog in Abt. 88, 104 eine Glashütte (Mulden und Auswürfe sind noch erkennbar), in Abteilung 49 an der Stelle der dort abgebrannten Försterei Linda einst eine Pechhütte und an zahlreichen Stellen – so in Abteilung 86, 104 u.a. – finden sich noch die Spuren alter Meilerplätze. Man kann daraus schließen, dass diese Betriebe großen Brennholzbedarf und zwar besonders an Nadelholz hatten… Die Wiederaufforstung geschah ausschließlich mit Kiefer (allerdings erst in späteren Jahrhunderten; so ca. ab 18.Jh.), so entstanden großflächig zusammenhängende Nadelholzreinbestände und die ursprünglich vorhandene Laubholzbeimischung (Taubeneiche) ging in der Glücksburger Heide verloren.

Quelle:   Forsteinrichtungsbücher, Ergebnisse der Standorterkundung, Teil I u. III, Institut für Forsteinrichtung und Standortserkundung Potsdam, Falkenberg/Elster 1956

 

 

 


Göpel  (Goepel)

 

 

Als Göpel wird sowohl eine Kraftmaschine als auch das Gebäude bezeichnet, in dem sie untergebracht ist. Angetrieben wird sie durch Muskelkraft (Mensch, Tier), Wasserkraft, Windkraft oder Dampfkraft. Göpel kamen in Mitteleuropa seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert vor allem im historischen Bergbau als Förderanlage zum Einsatz. Später wurden sie auch in der Landwirtschaft zur Bewegung von landwirtschaftlichen Maschinen eingesetzt. Ein Hauptverbreitungsgebiet der landwirtschaftlichen Göpel waren die Britischen Inseln. Beobachtungen und Messungen an einem Göpel führten zur Einführung der Leistungseinheit PS (Pferdestärke) bzw. bhp durch James Watt.

Quelle    https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6pel

 


Goldene Bulle (Goldenebulle)

 

 

Goldene Bulle: Bezeichnung für das 1356 unter KARL IV. erlassene bedeutendste Grundgesetz des Heiligen Römischen Reichs, benannt nach dem Goldsiegel (Bulle). Die Goldene Bulle ist m 31 Kapitel gegliedert und wurde in ihrem ersten Teil (Kapitel 1-23) auf dem Nürnberger Reichstag im Januar, in ihrem zweiten Teil (Kapitel 24-31) auf dem Reichstag in Metz im Dezember 1356 verkündet. Das Kernstück bilden die Kapitel 1-7, die die herausgehobene Rechtsstellung der Kurfürsten festlegen und ihnen das Recht der Königswahl sichern. Das bereits bestehende Kurkollegium aus sieben Mitgliedern wurde beibehalten und eindeutig auf die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, den König von Böhmen, den Pfalzgrafen bei Rhein, den Herzog von Sachsen und den Markgrafen von Brandenburg festgelegt. Die Wahlausschreibung und die Durchführung der Wahl oblag dem Erzbischof von Mainz, dem Erzkanzler des Reichs, der auch als Letzter seine Stimme abgab und damit wahlentscheidend wirken konnte. Als Ort der Wahl wurde Frankfurt am Main festgelegt, als Krönungsort Aachen. Um jeglichen Streit um die Kurwürde auszuschließen, bestimmte die Goldene Bulle, dass das Kurland unteilbar sei und die Vererbung nach dem Recht der Erstgeburt (Primogenitur) erfolgen solle. Die ebenfalls in der Goldene Bulle vorgesehene jährliche Beratung der Kurfürsten mit dem Kaiser über Fragen der Reichspolitik wurde nicht verwirklicht. Die Goldene Bulle, deren oberster Zweck es war, eindeutige Königswahlen zu sichern und Doppelwahlen auszuschließen, blieb bis 1806 in Kraft.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Landgraf, Graf (Graf)

 

 

Landgraf (lat. comes provincialis): zunächst dem dt. König direkt unterstellter Beauftragter für die Verwaltung des Reichsgutes und der Regalien in einem bestimmten Gebiet; später der Landesherr einer Landgrafschaft. Die etwa seit 1130 begegnenden Landgrafen sollten der Zentralgewalt dazu dienen, die Macht der Herzöge zurückzudrängen bzw. die königliche Herrschaft zu stärken. Mit der fortschreitenden Territorialisierung wurden die älteren Landgrafschaften zu geschlossenen Bereichen; nach deren Muster entstanden jüngere Landgrafschaften, d. h. Gebiete von Grafen, die den Titel eines Landgrafen annahmen, um so ihre Unabhängigkeit von allen Gewalten außer der königlichen zu betonen. Während die Landgrafschaften in Südwestdeutschland (u. a. in Schwaben und im Elsaß) klein waren und blieben, herrschten die Landgrafen von Thüringen und Hessen über ausgedehnte Territorien.

Quelle    Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag, Berlin 1983

 

 

 


Grenadiere   (Grenadier)

 

 

Grenadiere (anfangs auch als „Granatiere“ bezeichnet) waren seit dem 17. und 18. Jahrhundert bis zur neuen preußischen Armee Infanteristen, die ursprünglich mit dem Vorläufer der heutigen Handgranate bewaffnet und eine Elite der Infanterie waren.

Sie wurden bei Belagerungen mit besonders gefährlichen Aufgaben betraut und an Schwerpunkten des Kampfes in der Schlacht eingesetzt. Zu ihrer Bewaffnung gehörte neben etwa einem Dutzend Granaten eine Muskete mit Bajonett und ein Säbel. Oft konnte man die Grenadiere auch rein äußerlich von den anderen Soldaten unterscheiden: Um beim Werfen der Granaten nicht behindert zu werden, trugen sie stets schmale Kopfbedeckungen (ursprünglich die einfache Lagermütze) statt der damals üblichen, breiten Hüte (Dreispitz).

In der Wehrmacht und der Bundeswehr diente der Begriff allgemein zur Bezeichnung auch mit Mannschaftstransportwagen oder Transportpanzern motorisierte Infanterie. Durch die Ausrüstung mit Schützenpanzern wurden sie zu Panzergrenadieren umgerüstet.

Quelle    https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier

 

 

 


Groschen (Groschen)

 

 

Groschen [von mittellateinisch grossus »Dickpfennig«]: Silbermünzen von etwa 4g, die nach französischen und böhmischen Vorbildern seit 1340 in Deutschland geprägt wurden und die wenig haltbaren Brakteaten ablösten. Als Groschen wurden zuletzt im Volksmund die 10 Pfennigstücke benannt.

Quelle:    „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Gründerjahre  (Gruenderjahre)

 

 

Gründerjahre: kapitalistische Hochkonjunktur von 1871 bis 1873. Die Gründerjahre waren der Kulminationspunkt der bereits Ende der 60er Jahre einsetzenden Hochkonjunktur, deren Basis die schnelle Durchsetzung und Entfaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse nach 1848/49 war. Sie wurden wesentlich geprägt durch die Reichsgründung von 1871 (bürgerlicher Nationalstaat, innerer Markt, Beseitigung der wichtigsten Hindernisse der kapitalistischen Entwicklung). Durch breite Ausnutzung der wissenschaftlich-technischen Errungenschaften und die Intensivierung der Ausbeutung, stimuliert durch die französische Kriegskontribution (fünf Mrd. Francs), schnellte die dt. Industrieproduktion von 1870 bis 1873 um ein Drittel empor (Steinkohlenförderung um 38 Prozent auf 36,4 Mill. Tonnen, Stahlproduktion um rd. 80 Prozent). Sprunghaft erhöhte sich die Konzentration und Zentralisation des Kapitals und der Produktion. In den Gründerjahren entstanden 928 Aktiengesellschaften mit einem Gesamtkapital von 2.781 Mill. Mark. Großbanken (1870 Dt. Bank, 1872 Dresdner Bank) gewannen endgültig die Schlüsselstellung in der kapitalistischen Ökonomik. Die Gründerjahre stellten den Abschluss der industriellen Revolution dar. Die effektive Erweiterung der kapitalistischen Produktion wurde in den Gründerjahren jedoch bei weitem übertroffen durch Spekulations- und Schwindelgeschäfte, die bes. großes Ausmaß bei der Gründung von Bau-, Immobilien- und Eisenbahngesellschaften erreichten. Als Höhepunkt des Kapitalismus der freien Konkurrenz in Deutschland spitzten die Gründerjahre zugleich dessen Widerspräche zu. Sie führten zum raschen Anwachsen der Arbeiterklasse und ihrer verstärkten Konzentration in den Industriegebieten und Großstädten. Die Arbeiterklasse partizipierte nur geringfügig an dem rapiden Wirtschaftsaufschwung. Während ihr die Hochkonjunktur und die Vollbeschäftigung größere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten brachten, wurde die Steigerung der Nominallöhne zum großen Teil wieder aufgehoben durch verstärkte Ausbeutung (seit den 60er Jahren Übergang von der extensiven zur intensiven Ausbeutung), die Lohn-Preis-Schere und katastrophale Wohnverhältnisse vor allem in den schnell wachsenden großstädtischen Ballungsgebieten (bes. in Berlin Mietskasernen, Mietwucher). Dagegen setzte sich das Proletariat zur Wehr. Obwohl die Gewerkschaften noch schwach waren, erreichte die Streikaktivität in den Gründerjahre einen Höhepunkt. Die bedeutendsten Streiks waren die der Chemnitzer Metallarbeiter 1871, der Ruhrbergarbeiter 1872 und der Buchdrucker 1873. Die größte Streikaktivität entwickelten die Bauarbeiter. Damit konnte in vielen Berufsgruppen eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Zunahme des Reallohnes durchgesetzt werden. Die Gründerjahre verstärkten die Disproportionen der kapitalistischen Wirtschaft (Verhältnis von Produktionsmittel- zu Konsumgüterindustrie, Warenproduktion und Kaufkraft u. a.) und endeten im Gründerkrach, der 1873 die Hochkonjunktur abrupt abbrach. Von der 1873 einsetzenden Weltwirtschaftskrise, die nur von der Krise 1929—1933 übertroffen werden sollte, wurde das Dt. Reich bes. heftig und lange (1873-1878/79) erfasst.

Quelle:    Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag, Berlin 1983

 

 

 


Gulden (Gulden)

 

 

Gulden: nach dem Vorbild der Florentiner (Fl) Goldstücke des 13.Jh. vor allem von den vier rheinischen Kurfürstentümern ab 1386 ausgegebene Münzen (Rheinische Gulden) von 3,537g Gold, die bis ins 19. Jh. bei ständiger Wertminderung geprägt wurden.

Quelle:    „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

                                         

 

 


Hakenpflug   (Hakenpflug)

 

 

 

 

Der Hakenpflug wird von zwei Ochsen gezogen und von einem einzelnen Mann geführt. Der moderne Pflug mit einem Gestell aus Holz oder Eisen wendet den Boden durch ein schraubenförmiges Streichblech. Hakenpflüge sind mit einer Spitze aus Feuerstein, Bronze, Eisen oder Holz ausgerüstet, die den Boden aufreißt. Der Pflugbaum ist meist aus Holz, oft aus einer Astgabel gebildet, die wie ein Haken im Boden läuft, später wird ein Seitenbrett angebracht, das die Erde aus der Furche räumt. In Deutschland ist der Hakenpflug bis ins neunzehnte Jahrhundert vor allem in Mecklenburg gebräuchlich und als »Mecklenburger Haken« bekannt.

 

 


Häusler (Haeusler)

 

 

Als Häusler (auch  Häuselmann, Eigenkätner, Kathenleute, Büdner bzw. Bödner, Brinksitzer, Instleute, obd. Pointler oder Söldner, amtsdeutsch Kolonisten oder Kleinstellenbesitzer) bezeichnete man früher Kleinstbauern mit eigenem Haus, aber nur wenig Grundbesitz. Das Wort kommt von mittelhochdeutsch hiuseler zu ‚Haus‘.

Die aus dem Feudalismus stammende Bezeichnung Häusler kennzeichnet die Besitzer kleinster Anwesen. Es waren Dorfbewohner, die ein kleines Haus und dazu kein oder nur wenig eigenes Land besaßen (i.R. weniger als ein Viertelhufe) sowie nur über wenig oder gar kein Vieh, insbesondere kein Pferd oder einen Arbeitsochsen verfügten.

Häusler traten in größerer Zahl ab dem 16. Jahrhundert auf. Die dörfliche Gemarkung war zu dieser Zeit bereits weitgehend unter Hüfnern und Gärtnern aufgeteilt. Für die Häusler blieben so oft nur Erwerbsmöglichkeiten als Kleinhandwerker, Dienstboten, Tagelöhner, Schulmeister oder Hirten übrig. Trotzdem bedeutete für sie der Hauserwerb einen sozialen Aufstieg innerhalb des Dorfes. In Annaburg wurden Häusler nicht auf dem Kirchhof (am Markt) sondern auf dem Gottesacker (heute Friedensstr.) begraben

Quelle: nach Wikipedia

 

 

 

 


Handel (Handel)

 

 

Handel: im weiteren Sinn jeder Austausch von Gütern, im engeren die Beschaffung von Waren und deren Verkauf. Scheint ein Austausch von Gütern in kleinem Rahmen bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit stattgefunden zu haben, so ermöglichten am ehesten (bereits im 4. Jt. v.Chr.) die klimatischen und geographischen Bedingungen zwischen Persischem Golf und Mittelmeer die Entwicklung eines ausgeprägten Handel (v. a. im Babylonischen Reich, im Reich der Chaldäer und im Persischen Reich). Spätere Reiche übernahmen die bestehenden Handelssystem und entwickelten sie weiter (v.a. durch die Römer wurden bestehende Handelssystem übernommen, durch das römische Recht und einem System einheitlicher Münzen, Maße und Gewichte wurden die Grundlage für einen geregelten Warenaustausch im Mittelmeerraum geschaffen, und auch durch das in Provinzen organisierte und durch Straßen erschlossene Binnenland in das bestehende Handelssystem einbezogen.) Die Reichweite des Handels in dieser Zeit erstreckte sich bis nach Afrika, Indien und China. Der Niedergang des Römischen Reichs, verbunden mit dem Rückgang der Geldwirtschaft, ließ auch den Handel zunächst zurückgehen, doch entwickelten sich im Hochmittelalter v. a. mit dem aufblühenden Städtewesen neue Fernhandelsverbindungen, die einerseits über den Persischen Golf bis nach Indien und China, andererseits durch Europa in den slawischen Osten führten. Die seit dem 12. Jh. durch die Kreuzzüge wieder verstärkten Handelsbeziehungen zur Levante und das erneut aufblühende Fernhandelssystem, dessen Grundlagen nicht zuletzt die von Mitteleuropa nach Osten und Südosten ausgreifende Siedlungsbewegung (deutsche Ostsiedlung) und Aufstieg der Hanse waren, wurden begleitet von einer Reihe von Neuerungen, aus denen v. a. die des Schiffbaus, des Kanal- und Schleusenbaus, die Erschließung der Alpenpässe, aber auch die Zunahme der Schriftlichkeit mit der Ausbildung der doppelten Buchführung, die Entstehung von Handelsgesellschaften sowie die Ausbildung eines See- und Handelsrechts hervorzuheben sind. Der Vorstoß zu den atlantischen Inseln, die Entdeckung des Seewegs nach Ostindien und die Entdeckung Amerikas durch Portugiesen und Spanier verschoben die Zentren des Handel von Italien und Mitteleuropa zunächst nach Spanien und Portugal, deren überseeisches Handelsmonopol im 18. Jh. jedoch die britischen Handelskompanien an sich zogen. Um die Wende des 18./19.Jh. machten sich die südamerikanischen Kolonien, den USA folgend, weitgehend von ihren europäischen Mutterländern unabhängig, die sich in Europa nach 1815 mehr und mehr auf den Freihandel einstellten. Die durch die industrielle Revolution bewirkte Steigerung der gewerblichen Produktion, die Umwälzungen im Verkehrs- und Nachrichtenwesen sowie im Geld- und Kreditwesen und der Abbau der Zollschranken schufen die Voraussetzungen für die Ausweitung und Verflechtung des Welthandels, wobei Großbritannien seine führende Rolle behauptete. Gleichzeitig erhielt das Streben nach neuen Kolonien als Rohstoffquellen und Absatzmärkte wieder Auftrieb (Imperialismus). Diese Ausweitung des Welthandels war begleitet von einer zunehmenden Spezialisierung sowie von einer schärferen Trennung von Einzel- und Großhandel.

Hatte bereits der Erste Weltkrieg das bisherige Handelsgefüge erschüttert, so leitete der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 eine Politik ein, durch die das System der vielseitigen Handelsbeziehungen durch den bilateralen Tausch Ware gegen Ware und durch wachsenden Protektionismus ersetzt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Handel durch den erweiterten Zahlungs- und Dienstleistungsverkehr zu einer umfassenden Außenwirtschaft. Neben den USA gewannen die Europäische Union (EU) und Japan großes Gewicht in der Weltwirtschaft. Unter Führung der UdSSR waren die kommunistischen Staaten 1949-91 im COMECON zusammengeschlossen. Mit der Neuformulierung der Ziele des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (englische Abk. GATT), an dessen Stelle 1995/96 die Welthandelsorganisation (englische Abk. WTO) als eigenständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen trat, sollen die handelspolitischen Möglichkeiten der Staaten der Dritten Welt verbessert werden.

Quelle: „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Handwerk (Handwerk)

 

 

Handwerk: im Unterschied zur Industrie, die mit einem hohen Anteil von Maschinenarbeit auf Massenproduktion ausgelegt ist, ein handwerkliches Gewerbe, für das eine kleine Betriebsgröße, geringe Technisierung und ein bestimmter Berufsweg typisch ist. Bereits in der Steinzeit lassen sich erste, im weitesten Sinn handwerkliche Tätigkeiten des Menschen nachweisen, nämlich die primitive Bearbeitung des m der Natur vorgefundenen Materials. Der Übergang zur Sesshaftigkeit brachte zugleich eine Steigerung der technischen Errungenschaften: Der Mensch lernte, das Metall zu verwenden. Mit zunehmender landwirtschaftlicher Produktivität, die eine Mehrproduktion über den unmittelbaren Eigenbedarf hinaus ermöglichte, setzte eine erste Form der Arbeitsteilung ein: Das Handwerk löste sich aus der Hauswirtschaft und begann ebenfalls, über den Eigenbedarf hinaus zu produzieren. Damit waren die Grundlagen für die Ausbildung eines Handels geschaffen, das Handwerk wurde zum Gewerbe. In der Antike wurde das Handwerk ausschließlich von Sklaven betrieben, da ihr Einsatz am billigsten war. Noch im Frühmittelalter findet man unfreie Handwerker auf grundherrlichen Höfen, daneben aber auch schon ein freies Handwerk in den Städten und auf dem Land. Mit dem Aufblühen des Städtewesens im Hochmittelalter organisierten sich die einzelnen Handwerke in Zünften. Zu überörtlichen Handwerkervereinigungen kam es vereinzelt im 14. Jh. Neben den Kaufleuten waren die Handwerker wesentlicher Bestandteil des Bürgertums im Mittelalter und bildeten eine selbstständige soziale Einheit mit eigenen Regeln und Normen und innerer Hierarchie (Verhältnis Meister-Geselle-Lehrling). Dabei war der Arbeitszusammenhang vom Lebenszusammenhang noch nicht getrennt. Die Herstellung erfolgte weiterhin mit relativ einfachen Werkzeugen, ohne Maschineneinsatz und blieb an persönliche Erfahrung geknüpft. Seit der frühen Neuzeit vollzog sich in gewissen Handwerksbereichen (z.B. Leineweber) ein Übergang vom produzierenden und selbstverkaufenden Handwerk zum Verlagssystem. Durch die Entstehung von Manufakturen im 18. Jh. geriet das Handwerk in eine schwere Krise, die im 19. Jh. durch das Aufkommen industrieller Produktionen noch verstärkt wurde (industrielle Revolution). Die Einbeziehung maschineller Hilfsmittel in den Arbeitsprozess, die Entstehung von Fabriken und der Beginn der Automation bewirkten die Trennung von Arbeits- und privatem Lebensbereich, das persönliche Verhältnis wurde durch Lohnarbeit ersetzt. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit wurde der Zunftzwang abgeschafft. Als Reaktion hierauf bildete sich die Handwerkerbewegung, die v. a. in der Deutschen Revolution 1848/49 aktiv wurde und die Wiederherstellung der Selbstverwaltung des Handwerks forderte. Dies wurde in Deutschland erst Ende des 19. Jh. mit der Errichtung von Handelskammern und Innungen erreicht. Obwohl die industrielle Produktion das Handwerk in weiten Bereichen zurückgedrängt hat, hat das Handwerk seine Stellung in der Volkswirtschaft behalten.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 

 


Handwerk und Dorf  (Dorfhandwerk)

 

 

Handwerk ist an die Stadt gebunden. Nur wenige Berufe – Müller, Zimmermann, Ziegler, Dachdecker, Glashüttenmeister (Glücksburg) – werden auf dem Land geduldet.

Nach Lockerung des Zunftrechtes zu preußischen Zeiten waren Grobschmied, Rademacher (Radhersteller), Leinenweber, Schneider, Maurer, Tischler und Schuhflicker erlaubt.

Der Hausbau war Gemeinschaftswerk von Bauern und Handwerkern.

Auf das Fundament (Raseneisenstein oder Sandstein aus dem Abriss der Mauer am Tiergarten) setzten die Zimmerleute die Fachwerkkonstruktion aus Eichenholz. Die Gefache werden mit Spalthölzern und Lehm geschlossen. Später auch durch Ziegelsteine minderer Festigkeit und Qualität. Die Dachdeckung erfolgte mit Stroh, Rohr oder Holzschindeln.

Die Fußböden bestehen aus gestampften Lehm, Kopf- und Backsteinpflaster. Später aus Holzdielen über Sand. Die Decke bestand aus Lehmwickeln.

Der Maurer fertigte den Rauchabzug, offene Feuerstätten und Ofen an. Der Tischler stellte Fenster und Möbel, der Schmied die Eisenteile her.

 

 

 


Hauptmann (Hauptmann)

 

 

Hauptmann: früher der Anführer eines selbstständigen Truppenteils; er stand in den Landsknechtsheeren an der Spitze eines Fähnleins (Oberbefehlshaber war der Feldhauptmann – oder auch der Bundeshauptmann). Als Führer einer Kompanie hieß der Hauptmann im 17. und 18.Jh. auch Kapitän.

Im Falle des Hauptmanns zu Annaburg, hier war er im übertragenen Sinne Anführer aller zum Bau der Annaburg befohlenen Personen, vor allem er war ihnen „Weisungsbefugt“.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Hausbau nach dem 30-zigjährigen Krieg  (Hausbau)

 

 

Vor allem nach dem 30-zigjährigen Krieg erfolgte ein fast einheitlicher Hausbau in unserer Region. Die Häuser in unserem Heimatgebiet waren etwa 6-8 Meter breit und in der Regel zweigeschossig. Sie standen giebelseitig parallel zur Straße, hatten den Zugang meist von der Längsfront des Hofes aus. Eine Quertrennwand unterteilte das Gebäude in Wohn- und Stallbereich. Der zur Straßenseite ragende Wohnbereich wies 2-4 Kammern auf, wobei in der Regel eine als Stube hergerichtet war. Von draußen betrat man den Herdraum, der Zugang zu den übrigen Räumen und in der Regel auch zum Stallraum bot. Die aus Feldsteinen geschichtete und mit Lehm verfugte offene Feuerstelle beheizte meist einen oder zwei benachbarte Räume. Unterkellert waren die Häuser auf Grund des hohen Grundwasserstandes  in der Regel nicht. Meistens war jedoch eine Klappe im Fußbodenbereich vorhanden, die eine grubenartige Vertiefung abdeckte, in der Speisen zum Frischhalten aufbewahrt werden konnten. Allgemein verbreitet war der überdachte Laufgang des stallseitigen Obergeschoßes, das Vorrats- und Lagerräume aufwies und über eine Außentreppe Zugang hatte.

Baulich waren die Häuser in Fachwerkkonstruktion mit Lehmausfachung und einem Satteldach mit Stroh- oder Schilfeindeckung ausgeführt. Schilf bot die unregulierte Schwarze Elster genauso wie die Elbe.

Für das Fundament wurden Steine auf den Feldern gesammelt und Lehm herangefahren. Den Lehm hat man mit Ausnahme des Kaminlehms, mit Kurzstroh gemischt, das ergab eine gute Wärmedämmung. Das Wichtigste war das Fällen der Bäume und das Behauen der Stämme mit einem Beil zu viereckigen Balken.

Für das Fundament wurden die Steine dem Grundriss entsprechend zu kleinen Haufen geschichtet, dass sie eine gesicherte Auflage für die unteren Schwellbalken bildeten. Die aufstrebenden Balken und die Quer- und Längsbalken wurden mittels Zapfen und Holznagel verbunden, so wie es noch heute beim zimmermannsmäßigen Abbund geschieht. Die Standsicherheit gewährleisteten diagonale Streben und Kopfbänder. Die waagerechten Balken der Balkenfelder erhielten beidseitig Nuten, in die vertikal Holzstaken eingeschoben wurden und die danach mit Stroh umwickelt und die Felder mit Stroh-Lehmgemisch glatt gestrichen wurden. Und fertig war die elastische, warme und haltbare Wand!

Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm. Die Decke über den Wohnräumen bildeten dicke Bretter, die auf Querbalken auflagen und im Stallbereich waren es Derbstangen, die Kopf- an Zopfenden nebeneinander lagen,

Die Stallgröße passte man dem Viehbestand an. Für Kossäten reichte daher auch die Stallgröße im kombinierten Wohn- und Stallgebäude. Hüfner hatten mitunter einen weiteren gesondert stehenden Stall und auch eine quer dazu stehende Scheune in Vorbeschriebener Konstruktion, so dass eine vierseitige Hofbildung mit mittig liegender Dungstätte entstanden.

 

 

 

 


Heidemühle der ehemaligen Kolonie Zschernick (Heidemuehle)

 

 

Die Wassermühle, „Heidemühle“ genannt, lag 6,5 km von Annaburg entfernt am Neugraben. Dort wurde 1619 erstmals eine Wasser- und Schneidemühle erbaut. Es war ein kurfürstliches Kammergut und bis 1702 verpachtet. Der Pechhüttenbesitzer Tobias Schlobach hatte es am 19. Mai 1702 mit allen … „Ein- und Zubehörungen, dem vollen Inventario, auch sonsten mit allen Nutzungen, Rechten, Gerechtigkeiten und Freiheiten, insbesondere den Diensten, welche gedachten unserer Amtsuntertanen zu solcher Mühle zu leisten verbunden, ingleichen der Hutung und Wiesenwachs, wie alles die bisherigen Müller immer gehabt, erblich gekauft für 450 Gulden und 30 Gulden jährlichen Erbzins„. Der erste Mühlenbesitzer als Müllermeister war 1723 Johann Friedrich Schlobach, der am 11. Mai 1758 verstarb. Danach übernahm sein ältester Sohn Johann Christian Schlobach die Heidemühle. Doch er verstarb schon mit 44 Jahren am 30. Dezember 1771 und so musste seine Ehefrau das Geschäft weiterführen. Sein Sohn, Johann Christoph Schlobach, wurde am 5. Januar 1757 geboren und übernahm 1783 die elterliche Mühle. Doch durch einen Unfall in der Mühle starb der Meister mit 40 Jahren am 16. Februar 1797. So musste auch dessen Ehefrau von nun an den Betrieb führen. Ihr Sohn Johann Christian Friedrich Schlobach (geboren am 8. Juli 1786) heiratete 1810 und übernahm die Mühle nach der Lehrzeit und der Meisterprüfung. Meister Schlobach starb am 20. November 1837 bereits mit 51 Jahren. Sein Sohn Christian Friedrich Schlobach junior war zu dieser Zeit erst 19 Jahre alt.

So musste auch hier die Ehefrau das Geschäft weiterführen, bis Christian Friedrich 1850 nach seiner Hochzeit die Mühle übernehmen konnte. Aus dieser Ehe ging als erster Sohn am 17. Februar 1854 Christian Friedrich Hermann Schlobach hervor. Als er seine Schulzeit beendet hatte, erlernte er nach alter Tradition das Müllerhandwerk, wie es sein Vater und seine Vorväter getan hatten. Er übernahm die Heidemühle mit der Landwirtschaft nach dem Tode des Vaters, aber es hatte sich vieles geändert.

Die Geschäftslage für die Mühle wurde immer schlechter und die Landwirtschaft von 175 Morgen Feld, Wiesen und Wald war nicht mehr zu bewirtschaften. Der Wildschaden auf den Ländereien, die voll vom Wald eingeschlossen waren, war nicht mehr zu ertragen. Der Wildbestand nahm immer mehr zu und nach dem neuen Forstpolizeigesetz von 1851 gab es kein Mittel, um den Wildschaden einzudämmen. Nach diesen großen Verlusten sah sich Meister Hermann Schlobach gezwungen, den alten vom Vater ererbten Besitz an den Forstfiskus zu verkaufen. Im Jahre 1898 erfolgte die Übergabe und das gesamte Grundstück wurde wenige Jahre später abgebrochen. Meister Hermann Schlobach war der letzte Heidemüller.

Seit 1959 sind auch das Forsthaus und die Grundstücke vom Zschernick verschwunden, da die Heide seitdem militärisch genutzt wird.

 

 

 


Heilpflanzen (Heilpflanze)

 

 

Heilpflanzen sind Pflanzen, deren Extrakte die Heilung von Krankheiten oder die Linderung ihrer Folgen bewirken. Manche Heilpflanzen enthalten gefährliche Gifte, die nur in sehr kleinen Mengen und nur von Ärzten verordnet werden dürfen (Fingerhut). Vor einer Operation sollten Arzneimittel, die aus Heilpflanzen gewonnen werden, abgesetzt werden, da sie unter anderem die Blutgerinnung und das Immunsystem beeinflussen können.

Unter Berücksichtigung auch ausländischer Arten sind derzeit etwa 10 000 Heilpflanzen bekannt. Verwendet werden die frischen oder getrockneten ganzen Pflanzen (Kraut = Herba) oder ihre Bestandteile (Blätter, Wurzel, Rinde, Blüten, Samen, Früchte). Heilpflanzen sind Bestandteile zahlreicher Arzneimittel. Zubereitungsformen sind Tees, Aufgüsse, Extrakte, Sirup, Abkochung, Tinkturen und Salben, die z.T. nur in der Apotheke hergestellt werden. Der Apotheker darf nur vorschriftsmäßig gesammelte und zubereitete Heilpflanzen verwenden. 

Der Botaniker ordnet die Heilpflanzen nach den Gesichtspunkten der Pflanzensystematik. Chemiker und Pharmazeuten interessieren sich mehr für die Inhaltsstoffe. Heilpflanzen können folgende Inhaltsstoffe enthalten:

    • Alkaloide (Tollkirsche), 
    • Glykoside (Fingerhut, Maiglöckchen, Bittermandel), 
    • Saponine (Rosskastanie, Seifenkraut),
    • Bitterstoffe (Wegwarte),
    • Schleimstoffe (Eibisch),
    • Fette und Öle (Leinsamen, Raps),
    • ätherische Öle (Fenchel, Pfefferminze),
    • Senföle (Knoblauch, Kresse, Zwiebel),
    • Amine (Mistel),
    • Gerbstoffe (Eicheln),
    • Vitamine (Hagebutte, Paprika, Zitrone),
    • mineralische Stoffe (Kieselsäure i. Ackerschachtelhalm, Jod i. Blasentang) u.a.

Quelle:   WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 


Heimstättenprogramm der NSDAP (Heimstaettenprogramm)

 

 

Das Heimstättenprogramm war Wohnungsbauprogramm der NSDAP im Zusammenhang mit dem Aufbau des Sprengstoffwerkes in Piesteritz. Im nationalsozialistischen Deutschland begann nach 1933 die Wiederaufrüstung. Das führte u.a. dazu dass Arbeitskräfte zu diesen Standorten der Rüstungsindustrie zuwandern mussten.

Einer dieser Standorte der Rüstungsindustrie war Wittenberg.

So wurden in Wittenberg die WASAG (Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff AG) in Reinsdorf, die Bayrischen Stickstoffwerke AG, Werk Piesteritz und die Gummiwerke „Elbe“ AG ausgebaut sowie 1935/36 die Arado-Flugzeugwerke in der Dresdener Straße errichtet.

Der Arbeitskräfteüberschuss des Kreisgebietes aber auch der Nachbarkreise, die mit der Bahn anreisen konnten reichte nicht aus. Deshalb kamen aus vielen Teilen Deutschlands Arbeitskräfte nach Wittenberg. Diese brauchten zusätzlich Unterkünfte.

1937 gab es allein in der noch selbständigen Gemeinde Piesteritz mit fast 7.000 Einwohnern zeitweise 800 Schlafburschen. Um Unruhen zu vermeiden, musste man die zugezogenen Arbeitskräfte sesshaft machen und für die neu zugezogenen Arbeiterfamilien Wohnungen in der Nähe ihrer Arbeitsstätten schaffen. So entstanden seit 1935 in Wittenberg die Stadtrandsiedlung und dann die Lerchenbergsiedlung. Die Gagfah (Gemeinnützige AG für Angestellten-Heimstätten) baute das Dreieck Berliner-Stern-Schiller-Straße und in Kleinwittenberg Häuser um die Christuskirche herum.

Im Kreis Wittenberg errichtete man die Heimstättensiedlungen Abtsdorf, Zörnigall, Nudersdorf und in Griebo.

Die Rüstungsindustrie expandierte, und der Arbeitskräftebedarf stieg auch in unserer Gegend nach und nach, so dass die in Wittenberg und Umgebung vorhandenen und neu gebauten Wohnungen nicht mehr ausreichten. Deshalb errichtete man Wohnlager für männliche und weibliche Arbeitskräfte, die aus vielen Teilen Deutschlands in unser Gebiet kamen, z. B. aus Bayern, dem Saargebiet, aus Thüringen und dem Erzgebirge. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 wurden viele Männer zur Wehrmacht eingezogen, deshalb besetzte man ihre Plätze in den Werken mit Frauen, bald aber auch mit Zwangsarbeitern aus den besetzten Gebieten, dazu kamen noch Strafgefangene und Inhaftierte aus Konzentrationslagern.

 

Quellen

    • Burkardt Richter, Heimatkalender 2001 Wittenberg&Landkreis, Drei Kastanienverlag
    • Hans-Joachim Roskam, Heimstättensiedlung im Landkreis Willenberg, Buchdruckerei Fritz Wallrodt. Wittenberg, 1937

 

 

 

 

 


Heller (Münze)  (Heller)

 

 

Ein Heller, auch Haller genannt und hlr. abgekürzt, ist eine frühere deutsche Münze vom Wert eines halben Pfennigs, benannt nach der Stadt Hall am Kocher (heute: Schwäbisch Hall), lateinisch dann denarius hallensis oder auch hallensis denarius. Dort wurden seit etwa 1228 beidseitige, silberne Pfennige (Häller Pfennige) geprägt, die „Händelheller“ hießen, da sie meist eine Hand abbildeten. Die Heller wurden allmählich so verschlechtert, dass sie keine Silbermünzen mehr waren. Man unterschied weiße, rote und schwarze Heller; auf den Reichstaler rechnete man 576 Heller.

Als Teil der silbernen Groschenwährung der Wettiner galt um 1490: 24 Heller = 12 Pfennig = 2 halbe Schwertgroschen = 1 Spitzgroschen. Die Heller waren Hohlheller, ähnlich den Thüringer Hohlpfennigen. Dreiheller waren kupferne 1½-Pfennig-Stücke, die im Sachsen-Gothaischen geprägt wurden.

Mit der Umstellung auf die einheitliche Reichswährung Mark und Pfennig durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 verschwand der Heller wie alle anderen alten Währungseinheiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Heller nur in der Tschechoslowakei und in Ungarn.

Quelle   https://de.wikipedia.org/wiki/Heller_(M%C3%BCnze)

 

 

 

 


Herba (Herba)

 

 

 

 

Herba (Mehrzahl; lateinisch „Kraut“) war die pharmazeutische Bezeichnung für getrocknete Blätter.

Quelle:   WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 


Herrschaft (Herrschaft)

 

 

Herrschaft: die Ausübung von Macht über Untergebene und Abhängige durch Machtmittel. – Im mittelalterlichen Verständnis war Herrschaft legitim nur in Bezug auf das im Prinzip über Herrscher und Beherrschten stehende Recht, dem beide in gleichem Maße unterworfen und verpflichtet waren. Der Ursprung mittelalterlicher Herrschaftsausübung lag in der Hausherrschaft (der Gewalt des Hausherrn), aus der sich die bestimmende Herrschaftsform der Grundherrschaft leitete, die ein wesentlicher Grundzug des staatlichen Lebens bis in die Neuzeit blieb. Diese Form der Hausherrschaft ist eng verknüpft mit der sozialen Schicht des Adels, aus dem sich auch die führenden Schichten der Kirche rekrutierten, sodass für weite Bereiche des mittelalterlichen Verfassungslebens von einer Adelsherrschaft gesprochen werden kann, in deren Rahmen die Hausherrschaft des Königs nur eine Sonderform darstellt. Charakteristisch für die Frühzeit ist die Begründung der Hausherrschaft auf Personalverbände (Personenverbandsstaat) und ihr Band der gegenseitigen Treue. Mit der Ausbildung des Lehnswesens fand diese Herrschaftsform ihre spezifische mittelalterliche Ausprägung. Dagegen ist das Spätmittelalter seit dem 13. Jh. bestimmt von der Ablösung des Personalitätsprinzips durch das Territorialitätsprinzip, durch die Ausbildung der Landesherrschaft als Keimzelle frühmoderner Staatlichkeit bei gleichzeitigem Aufkommen des Ständewesens (Ständestaat).

Das ganze Mittelalter ist gekennzeichnet durch das Nebeneinanderbestehen und Ineinandergreifen verschiedener und durch das Privilegienrecht noch differenzierter Typen von Hausherrschaft, wodurch es sich von dem Prinzip der einheitlichen Staatsgewalt der modernen Zeit scharf abhebt, das erst mit der Aufklärung und nach der Französischen Revolution zur Geltung kam. Erst seit dem 18./19Jh. lässt sich Hausherrschaft als institutionalisierte Macht erfassen, die – bedingt durch ein Neuverständnis von Hausherrschaft, Staat und Gesellschaft – einem Prozess der Rationalisierung und der Überprüfung ihrer Legitimitätsgrundlagen unterliegt und auch zu anderen Herrschaftsformen (zur Demokratie, aber auch zur Diktatur) geführt hat.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Herzog (Herzog)

 

 

 

Herzog: in germanischer Zeit ein gewählter oder durch Los unter den Fürsten bestimmter Heerführer für die Dauer eines Kriegszugs, in merowingischer Zeit ein den Grafen übergeordneter Beamter (Amtsherzog) mit v. a. militärischen Aufgaben. Seit dem 7. Jh. entwickelte sich daraus dort, wo ethnische Einheiten (Stämme) an der Wahl mitwirkten, Stammesherzogtümer, die erblich wurden und königliche Macht anstrebten. Um die Macht der Stammesherzöge der Reichsgewalt wieder unterzuordnen, begann das Königtum unter OTTO I. den Kampf um ihre Umwandlung in Amtsherzogtümer, indem die Selbst-ständigkeit der Herzöge eingeschränkt, ihr territorialer Besitz verringert oder geteilt wurde. Daneben wurde im ottonisch-salischen Reichskirchensystem ein Gegengewicht aufgebaut. Mit der Zerschlagung der Herzogtümer HEINRICHS DES LÖWEN durch FRIEDRICH I. BARBAROSSA (1180) schien dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen, und mit der Errichtung von Territorialherzogtümern, deren Grundlage nicht mehr die Herrschaft über einen Stamm, sondern über ein Gebiet war, wurde ein Weg eingeschlagen, der zur völligen Territorialisierung des Reichs führte.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 

 

 


Neorenaissance und Historizismus (Historizismus) 

 

 

 

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung vom Klassizismus hin zum Historizismus ein und wird z.B. geprägt durch den Rundbogenstil, der ab etwa 1828, für diese Stielepoche ist. Dieses Element finden wir nun in der Eingangsloggia vor. Hier als die Wiederholung historischer Baustile, mit dem Kuriosum, dass dieses Element der Neorenaissance mit echter Renaissance (Architekturelemente vom Pavillon aus dem einstigen Schlossgarten) gebaut worden ist.

Neorenaissance oder Neurenaissance ist eine Richtung des Historismus im 19. Jahrhundert, in der auf die Baukunst der Renaissance zurückgegriffen wird. Ihre Formen stammen hauptsächlich aus der deutschen Renaissance.

Quelle  Architekturlexikon unter www.architektur-lexikon.de.htm; Zugriff 08/2008

 

 

 

 


Erziehungsgemeinschaft „Hitlerjugend“  (Hitlerjugend)

 

 

Die Nationalsozialisten betrachteten die Jugend als Zukunft ihrer „Bewegung“, Jugend schien per se im Sinne ihrer Ideologie beeinflussbar. Der männliche Teil sollte Soldaten für die zukünftigen Kriege stellen, Mädchen sollten auf die Rolle einer „deutschen Mutter“ vorbereitet werden. Die Hitler-Jugend (HJ) wurde 1926 auf dem Parteitag der NSDAP in Weimar gegründet. Bis zum Ende der Weimarer Republik zählte die Einrichtung zu den kleineren Gruppierungen unter den Jugendverbänden. Im Juni 1933 wurde Baldur Schirach als Reichsjugendführer der NSDAP zum „Jugendführer des Deutschen Reiches“ berufen. Nach Verbot, Auflösung und Übernahme anderer Jugendorganisationen stieg die Mitgliederzahl 1933 in der HJ auf 2,3 Millionen.

Wie Hitler sich die männliche Jugend vorstellte, erklärte er auf dem Reichsparteitag1935: „In unseren Augen, da muss der Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“. Über allem stand jedoch die Erziehung hin zum Verständnis, Mitglied einer „Volksgemeinschaft“ von Gleichen zu sein.

Das Gesetz über die HJ vom Dezember 1936 etablierte die Organisation – neben Elternhaus und Schule – als dritte Erziehungsinstitution.

Eine Verordnung von März 1939 führte die Jugenddienstpflicht ein, die HJ stieg von der Partei- zur Staatsjugend auf. Die HJ gliederte sich in das Deutsche Jungvolk, die Organisation für die zehn- bis 14-jährigen Jungen, und die Hitler-Jugend für die 14 bis 18-Jährigen.

Analoge Organisationsstrukturen bildeten die Vereinigung der Jungmädel und der Bund Deutscher Mädel aus. Die 17- bis 21-jährigen Frauen wurden ab 1938 gesondert im Werk „Glaube und Schönheit“ untergebracht.

Marschierende Kolonnen, Uniformen und Lager, militärische Disziplin prägten den Stil der HJ. Die körperliche Ertüchtigung die ihren jährlichen Höhepunkt in Reichssportwettkämpfen fand, galt als wichtigstes Aufgabengebiet. Für die Jungen trat ab 1936 die vormilitärische Ausbildung immer stärker in den Vordergrund. Die weltanschauliche Schulung stand allerdings im Zentrum der Arbeit der HJ. „Nicht zum ständigen Denken, sondern zum bedingungslosen Glauben an den „Führer“ sollte die deutsche Jugend erzogen werden.“

Insbesondere in den Kriegsjahren nahm der Unwille Jugendlicher gegen die HJ-Dienstpflicht erhebliche Ausmaße an. Widerständigkeiten begegnete die HJ-Führung jedoch mit noch schärferen Disziplinierungsmaßnahmen. Viele der Erziehungsziele des NS-Staates wurden erreicht. U.a. deshalb kämpfe beispielsweise die aus 16- bis 18-jährigen gebildete SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ bei der „Ardennenoffensive“ 1945 fanatisch und erlitt schwerste Verluste.

Bernd Hopke

Quelle   Dokumente der Ausstellung „Macht Urlaub“ Informationszentrum Prora, Juli 2008

 

 

 

 


Hochwild  (Hochwild)

 

 

Hochwild war das zur hohen Jagd (= ursprünglich nur vom Hochadel ausgeübt) freigegebene Wild, z.B. Elch, Gams, Bär, Wolf, Wisent.

Quelle:   WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.

 

 

 

 

 


Die Hochzeit von August und Anna (HochzeitAugustAnna)

 

  

 

 

Die Hochzeit August und Anna, dem Herzog von Sachsen und der Prinzessin von Dänemark unter Kurfürsten Moritz von Sachsen.

(Auszug aus dem Buch von Johannes Herrmann; Moritz von Sachsen, Sachsverlag Beucha 2003)

Auf dem Reichstag hatte Moritz erfahren, wie schwierig es war, sich als evangelischer Kurfürst von Sachsen zu behaupten. Um seine Basis zu erweitern und die Stellung Sachsens als evangelisches Land im Reich gegenüber dem Kaiser zu stärken, sollte sein Bruder, Herzog August, die dänische Prinzessin Anna heiraten. Diese Ehe sollte Sachsen mit der größten evangelischen Macht außerhalb des Reiches verbinden, die außerdem durch den Besitz des Herzogtums Schleswig Glied des Reichs war. Dänemark war mit Norwegen und Island noch ein Reich.

Ehe er Ende Januar 1548 auf den Reichstag nach Augsburg zurückkehrte, hatte er mit seinem Bruder eine persönliche Abrede getroffen. Es wurde eine Änderung des „Brüderlichen Vertrages" nötig. Als Herzog August 16 Jahre alt geworden war, hatten die Brüder 1544 den Vertrag geschlossen, der August als eigenständigen Fürsten ausstatten sollte, wenn die Pläne nicht gelangen, ihn in Magdeburg oder Merseburg zum regierenden Bischof zu machen. (1) Nach dem Schmalkaldischen Kriege, als vorauszusehen war, dass August sich als Bischof nicht werde halten können, hatte ihm Moritz den Unterhalt auf zwei Jahre zugesagt. (2) Um nun August und seiner Frau mehr Ruhe und Auskommen zu sichern, wurde ein neuer Brüderlicher Vertrag am 21. Januar 1548 geschlossen. Moritz - bis dahin noch ohne Sohn, und die Tochter Anna war nicht nachfolgeberechtigt - sicherte darin auch seinem Bruder die Nachfolge zu, wegen dessen Treue im Schmalkaldischen Krieg. (3) Am nächsten Tag ging schon ein Gesandter nach Dänemark. (4)
Moritz traf sich während der Meißner Besprechungen im Sommer zur Antwort auf das Augsburger Interim mit seinem Bruder August in Liebenwerda. Wollten sie dort Fragen zur dänischen Hochzeit erörtern? (5) Die Hochzeit musste in Torgau stattfinden, weil in Dresden der große Umbau des Schlosses begonnen hatte. Es sollte das größte Fest in der ganzen Regierungszeit von Moritz werden. Bis zum Sommer 1549 hat sich Moritz hauptsächlich in Torgau aufgehalten. Dort wohnte er mit Agnes, wenn er zu Hause war. Die wichtigsten Räte und auch der kurfürstliche Statthalter im Januar und Februar 1549 hatten ihren Sitz in Torgau.

Die vielen fürstlichen Gäste sollten durch das Hochzeitsfest auch die wirtschaftliche Macht Kursachsens erfahren. Zugleich wollte sich Moritz seinen neuen Untertanen als ihr nunmehr belehnter Kurfürst zeigen. Wegen der Gefangennahme Landgraf Philipps nahmen aber die hessischen Verwandten am Fest nicht teil. Moritz selbst hatte für sich keinerlei Hochzeitsfeier gehalten. Er betraute nun die ehemaligen ernestinischen Räte Dietrich von Starschedel und Asmus Spiegel, den Hauptmann von Wittenberg, mit der Planung der gesamten Hochzeit. Ein großer Teil des Adels wird zu Diensten nach Torgau gebeten worden sein, denn allein bei der Heimholung der Prinzessin Anna ritten ihr 58 Dreigruppen des vornehmen Hofgesindes entgegen. August zog zwischen Moritz und dem Kurfürsten von Brandenburg aus Torgau heraus zu seiner Braut. Sie fuhr mit ihrer Mutter und dem engsten Hofstaat in sechs goldenen Kutschen in Torgau ein. Insgesamt bildeten die einziehenden Dänen mit 652 Pferden und die Begrüßenden einen Zug von fast 2000 Pferden. Wer es aus Torgau ermöglichen konnte, wird am Straßenrand gestanden und gestaunt haben.

Die Hochzeit dauerte sechs Tage, in denen ganz Torgau allein dieser Feier dienen musste. (6) Wo haben nur die vielen Pferde gestanden? Vor dem großen Hochzeitsmahl am ersten Tag wurde ein kleines Turnier geritten. Das Mahl von fünf Gängen war als ein schönes Schauessen gestaltet, wie Moritz befohlen hatte. Nach der Mahlzeit wurde nach neuer Sitte Wasser zum Händewaschen gereicht. Ein Fackeltanz leitete die Brautleute zum öffentlichen Beilager. In Gegenwart eines Notars führten die Kurfürsten Moritz und Joachim den Bräutigam, aber ihre Mutter und die Herzöge Hans von Holstein und Franz von Lüneburg die Braut zum Prunkbett unter großem Himmel. Als das Paar sich niedergelegt hatte, wurde eine kostbaren Decke über sie gebreitet. Mit dieser Rechtszeremonie, dass man unter einer Decke gesteckt hatte, galt die Ehe als vor Zeugen geschlossen. An die 50 Leute reichten nun Wein und Konfekt für Braut und Bräutigam und Gäste.
Am nächsten Tag saß man zuerst bei einem zweiten Hochzeitsmahl von sechs Gängen und zog dann zur feierlichen Einsegnung in einem prachtvollen Zug zur Kirche, wohl der Stadtkirche St. Marien, denn die Schlosskapelle hätte die Gäste nicht gefasst. Die am Vortage rechtlich vollzogene Ehe wurde nun in der Kirche gesegnet. Die Fürsten Johann von Holstein und Johann von Küstrin und zwölf Grafen leiteten August und die beiden Kurfürsten Moritz und Joachim die Braut zum Altar. Damit wurde ausgedrückt, dass Braut und Bräutigam in die jeweils andere Familie aufgenommen waren. Fürst Georg von Anhalt, der Bischofskoadjutor von Merseburg, hielt die Predigt. Die Musiker seiner Stadt Breslau hatte König Ferdinand geschickt, die nach der Predigt sechsstimmig bliesen. Vielleicht hat schon die neue Hofkantorei die Gesänge figuriert, zwischen denen geblasen wurde. Moritz hatte am 22. September seine Kantoreiordnung erlassen. (7)
Nach der Kirche wurde im Tanzsaal der Braut die Morgengabe überreicht. August gab nach seiner Zusage 6.000 Gulden und die Verpflichtung zu 6.000 Gulden jährlicher Einnahme durch Überschreibung eines Amtes, eine Edelsteinkette mit Kreuz kam von Moritz, ein Kleinod von August und Schmuck und Geschenke von anderen. Anna brachte als Hochzeitsgeld 30.000 Gulden mit neben umfangreicher Kleidung, Schmuck und Silbergeschirr. (8) Der Hochzeitsanzug von August in goldgesticktem Stoff ist heute noch in Dresden zu finden.
Nach diesem letzten Rechtsakt begann das Feiern mit Turnieren und Saalmummereien (Vorführungen in Verkleidung). Dabei belustigten z. B. einige Fürsten, die als Husaren verkleidet tanzten. Das war üblich, in Brüssel musste der Herzog von Savoyen mit einem Hofnarren einen „Postierer" (Berittener Eilboten für Staatspost) spielen. Für die großen Schaukämpfe war auf den Elbwiesen eine Burg errichtet, die von vier Husarenrotten, rot, gelb, grün und blau gekleidet, verteidigt wurde. Moritz und August befehligten zwei dieser Rotten. Nach tapferem Kampf gegen eine Übermacht mussten sie unterliegen. Der zweite Kampf stellte am Abend die Eroberung einer türkischen Festung in der Elbe dar, die erstürmt wurde und schließlich verbrannte. Der Zeugmeister Caspar Vogt hatte seine ganze Feuerwerkskunst aufgewandt. Er war Architekt, Baumeister und Geschützmeister zugleich. Er hatte Moritz nach Flandern und vielleicht auch nach Augsburg 1548 begleitet. Die Feuerwerksmaschinen wurden von einem Wasserrad angetrieben. Es sollte ein gutes Bild vom Türkenkampf an König Ferdinand berichtet werden können. Außerdem war der ungarische Feldzug von 1542 durch die Todesgefahr tief in die Seele des Kurfürsten eingebrannt. Er hatte diese ungarischen Ereignisse sogar von einem niederländischen Teppichweber festhalten lassen. Diese Teppiche gibt es allerdings nicht mehr. (9)
Den Schmalkaldischen Krieg von 1547 wollte man nicht zeigen. Diese Ereignisse waren noch zu neu und in ihrer Deutung nur für den Kaiser klar. Die Wunden war zu tief. Die während des Tedeums des altgläubigen Domkapitels für den Sieg von Mühlberg abgebrannten Turmspitzen des Meißner Domes wurden bis ins 20. Jahrhundert nicht wieder aufgebaut. Karl V. ließ sich Mühlberg im nächsten Jahr in den Niederlanden beim Huldigungszug für seinen Sohn darstellen.(10) Die Darstellung der Husaren, die ihm vor Pest das Leben gerettet hatten, und die geglückte Eroberung einer Festung wiesen auf die Teilnahme des Kurfürsten am Feldzug 1542 hin. Doch hier im Spiel kommandierte Moritz einen Zug Husaren und musste sich nicht von ihnen retten lassen, und nach seinem Plan wurde die Festung gestürmt. Moritz machte sich vielleicht im dargebotenen Spiel innerlich von seinen beiden Niederlagen vor Pest frei.(11)

Im Herbst 1548 zeigte sich Kursachsen als europäische Macht zwischen Dänemark und Österreich-Ungarn noch im Spiel. Von Polen als realem Helfer wurde zwischen Markgraf Johann und Moritz auf der Hochzeit konkret geredet. Man wollte um die Hilfe des Woiwoden von Posen, Graf Andreas I. Gorka, nachsuchen. Moritz machte seine ersten Schritte im Reich zur unabhängigen eigenständigen Politik. Ab Sommer 1549 bestanden zu Hessen wieder gute Kontakte.


(1) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 2 Erich Brandenburg, Leipzig 1904, Nachdruck 1982; S. 63-66 Nr. 596, 6. 5. 1544.
(2) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 3, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1978; S. 523 f. Nr. 744, 8. 8. 1547; 707 Nr. 973.
(3) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 3, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1978; S. 707-709, Nr. 973, 21. 1. 1548. Brüderlicher Vertrag.
(4) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 3, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1978; S. 709 Nr. 974.
(5) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 4, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1992; S. 84 f. Nr. 36, Liebenwerda 6. 7. 1548.
(6) Jutta Bäumel: Die Festlichkeiten zur Hochzeit Herzog Augusts von Sachsen mit Anna von Dänemark 1548. In: Dresdner Hefte 1990, Heft l, S. 19-28.
(7) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 4, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1992; S. 149 f. Nr. 106, Ordnung der kfl. Hofkantorei.
(8) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 3, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1978; S. 751-753 Nr. 1023, Kolding 7. 3. 1548, Ehestiftung zwischen August und Anna.
(9) Jutta Bäumel, Die Festlichkeiten zur Hochzeit Herzog Augusts von Sachsen mit Anna von Dänemark 1548. In: Dresdner Hefte 1990, Heft l, S. 27.
(10) Politische Korrespondenz des Herzog und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 4, Johannes Herrmann u. Günther Wartenburg, Berlin 1992; S. 371 Nr. 320, Franz Kram an Georg Komerstadt. Am 1. 4. wurde die Niederlage Johann Friedrichs bei Mühlberg durch die grüne und die weiße Partei mit je 100 schweren, ungefähr 300 leichten Reitern und 400 Knechte dargestellt, aber mit sehr unähnlichem Verlauf.
(11) Johannes Herrmann; Moritz von Sachsen, Sachsverlag Beucha 2003 S. 64 Abschn. „Moritz, der Kaiser und das Reich".

Quelle  Johannes Herrmann; Moritz von Sachsen, Sachsverlag Beucha 2003

 

 

 

 


Hof (Hof)

 

 

Hof: Haushaltung eines Fürsten und seiner Familie sowie die fürstliche Residenz. Der Hof stellte das Machtzentrum des beherrschten Gebietes dar und wanderte in der Frühzeit – an die Person des Herrschers gebunden – mit diesem von Ort zu Ort (Reisekönigtum), bis er vom Spätmittelalter an mit festen Residenzen verbunden blieb. Aus den Verhältnissen der germanischen Zeit, in der die zum Teil unfreie Gefolgschaft den Hof bildete, sowie aus den  Hofämtern entwickelte sich ein um den Herrscher zentrierter Verwaltungs- und Herrschaftsapparat, aus dem die meisten modernen Staatsbehörden hervorgegangen sind.

Quelle:   „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Holländer-Windmühlen   (Hollaendermuehle)

 

 

Als Holländer-Windmühlen wird eine von Leonardo da Vinci entworfene Windmühle. Er hatte schon um 1500 die Idee, statt der damals weit bekannten hölzernen Bockwindmühle mit drehbarem Gehäuse besser eine massivere Mühle mit drehbarer Haube zu konstruieren. Der Flame Lieven Andries verwirklichte diese Idee. Seine Mühle wird 1573 in Leiden in Holland gebaut und erhält bald die Bezeichnung „Holländer-Mühle“.

Mit der Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jh. ist diese Holländer-Windmühle auch in unserer Region in Hintersee bei Prettin anzutreffen. Die Holländermühle in Prettin ist allerdings die einzige Ausnahme – vorrangig waren in unserer Region die Bockwindmühlen anzutreffen, wie in Annaburg, Pruzien, Bethau, Großnaundorf, Labrun, Axien, Gehmen und Lebien.

„Bei der Holländermühle wird nur die Haube, also der Antrieb, in den Wind gedreht und das Gebäude mit der Mühleneinrichtung steht fest. Die Mühlenhaube für die Holländermühle ist ein kleines Kunstwerk. Der Aufbau ist folgender: Der untere Rollenkranz wird aus 12 einzelnen Felgen aus Eichenholz hergestellt, mit einem hölzernen Führungsring oder einer Führungsschiene aus Eisen für die Rollen versehen und mit dem Mauerwerk fest verbunden. Die gesamte Holzkonstruktion der Haube wird auf dem oberen Rollenkranz aufgebaut. Der aus Eichenholz hergestellte obere Rollenkranz hat die gleichen Maße in Durchmesser, Breite und Stärke wie der untere Rollenkranz. Die Rollen sind unterhalb des oberen Rollenkranzes fest verschraubt und der weitere Aufbau ist auf den zwei Fugbalken, die meistens gebogen oder geschweift sind, aufgebaut. Auf diesen Fugbalken liegen der große und der kleine Wellbalken für die Rutenwelle mit dem Kammrad, der große Schwertbalken, der durch die Haube hindurchgeht, und der kleine Schwertbalken, der am hinteren Teil der Haube auf den Enden der Fugbalken aufliegt. In der Mitte des kleinen Schwertbalkens ist der Stertz fest verschraubt und geht herunter bis einen Meter über dem Erdboden oder bis zur Galerie bei einem Galerieholländer.

Am Ende des Stertz ist eine Winde angebaut, um die Haube in den Wind zu drehen. Der Stertz ist mit dem großen Schwertbalken mit zwei Schwertern und auch mit zwei Schwertern vom kleinen Schwertbalken fest verbunden. Der Stertz mit dem Schwertbalken, den Schwertern und der Winde bilden zusammen das Krühwerk, mit dem die Haube der Mühle von Hand in den Wind gedreht wird. Weiterhin ist über den Fugbalken auch der Königsbalken für die Königswelle montiert und die weitere Holzkonstruktion für die gesamte Haube ist in den Fugbalken eingezapft. Die zweite Möglichkeit, um die Windmühlenflügel in den Wind zu drehen, wurde möglich durch die Erfindung der Windrose. Sie übernimmt es, das Flügelkreuz samt Haube selbstständig in den Wind zu drehen. Das Windrad der Windrose wird rechtwinklig zum Rutenkreuz angeordnet. Dreht sich der Wind, wird das Windrad in Bewegung gesetzt und durch das Getriebe der Windrose wird die Haube mit den Ruten in den Wind gedreht.

Der Aufbau der Windrose erfolgt an der hinteren Seite der Haube. Es wird auf dem kleinen Schwertbalken und dem kleinen Wellbalken eine Plattform als Ausbau hergestellt, um den Ausleger für das Windrad dort zu errichten. Die Windrose muss möglichst frei hinter und über der Haube montiert werden, damit der sich drehende Wind einen ungehinderten Zugang zum Windrad der Windrose hat. Das aus acht Flügeln bestehende Windrad wird auf einer Stahlwelle montiert, die auf den senkrechten Teilen des Auslegers fest gelagert ist. Auf dieser Welle, die eine Länge von 3 Metern hat, befindet sich auch ein Kettenrad für den Kettenantrieb zu dem Vorgelege. Das Vorgelege treibt über ein Kegelradgetriebe die Welle an, auf dem sich ein Ritzel befindet, das in den Zahnkranz eingreift und somit die Haube der Mühle in den Wind dreht. Wichtig sind die genauen Berechnungen der Übersetzung von Kettentrieb und Zahnrädern des Getriebes der Windrose. Der Zahnkranz wurde an der Innenseite der unteren Rollenbahn befestigt oder er konnte auch so gebaut werden, dass er auf dem unteren Rollenkranz zum Teil als Lauffläche für die Rollen der Haube genutzt werden konnte. Der Antrieb für die gesamte Mühleneinrichtung über dem Rutenkreuz und dem Kammrad erfolgt über die Königswelle.

Die Königswelle ist genau in der Mitte der Holländermühle eingebaut und das große Kammrad muss in jeder Stellung, es ist gleich, wie der Wind die Haube dreht, in den Bonkel eingreifen. Die Königswelle besteht aus Eichenholz und geht vom Königsbalken in der Haube, wo sie gelagert ist, durch die ganze Mühle bis ins Mühlhaus, wo sich das zweite Lager auf dem Spurbalken befindet. Der Bonkel ist wie ein Kammrad gebaut, die Kämme sind parallel zur Welle in den Radkranz gesetzt, so dass die Kämme nach oben zeigen und das Kammrad eingreifen kann. Die Mühleneinrichtung war in der Holländermühle so einfach wie in der Wassermühle oder der Bockwindmühle. Es waren zwei Mahlgänge mit den dazugehörigen Beutelkästen und wenn möglich noch ein Schrotgang vorhanden.“

Eberhard Förster.

Der Besitzer einer Holländermühle in Hintersee war der Müllermeister Traugott Moosdorf. Als Meister Moosdorf 1871 verstarb, übernahm sein Sohn Franz das elterliche Grundstück mit der Mühle. Doch am 18. April 1894 brannte die Mühle ab. Als der erste Schock überwunden war, stellte Müllermeister Moosdorf am 25. Juni 1894 den Antrag zum Bau einer neuen Holländermühle.

Durch die Bebauung der Umgebung und durch hohe Bäume reichte der Wind jedoch immer weniger aus. So entschloss sich Meister Franz Moosdorf im Januar 1906, seine Holländermühle zu einer Motormühle umzubauen.

 

 

 

 


Holzbearbeitung (Holzbearbeitung)

 

 

Die Holzbearbeitung wird (außer der Stellmacherei) in den Dörfern meist als ein Nebengewerbe ausgeübt. Zur Ausstattung der Tischlerei auf dem Lande gehört immer eine Hobelbank mit dem entsprechenden Zubehör. Hobel, Zieheisen, Raspel, Bohrer, oder Sägen werden nach Bedarf angeschafft. Es werden Gerätschaften für die Stall- und Feldarbeit gefertigt.

Gefertigt werden: Rechen, Dreschflegel, Axt- und Besenstiele, Kornschaufeln oder auch einfaches Spielzeug wie Schaukelpferde. Das Holz wird als Rohmaterial aus den Sägewerken bezogen oder als Astholz aus dem Wald entnommen. Nur selten werden diese Arbeiten im Dorf auch verkauft. Meist dienen sie dem Eigenbedarf.

 

 


Hufe (Hufe)

 

 

Hufe: im Mittelalter Sammelbegriff für die zum Lebensunterhalt notwendige Hofstätte der bäuerlichen Familien mit Ackerland und Nutzungsrecht an der Allmende. Die Hufe bildete seit fränkischer Zeit die Grundeinheit für die Zumessung von Diensten (Fronen) und Abgaben an die Grundherrschaft. Ursprünglich kein festgelegter Maßbegriff, betrug ihre Durchschnittsgröße 7-10 ha. Die Königshufe (fränkische Hufe) für Siedler, v. a. im Bereich der deutschen Ostsiedlung, hatte doppelte Größe. Erst im Hochmittelalter kam es (außer in Niedersachsen) zur Erbteilung von Hufe; die Inhaber einer Vollhufe wurden Vollbauern genannt (daneben gab es Halb- und Viertelhufen). Die Hauptveränderung der Hufenordnung vollzog sich erst seit dem 15./l6. Jh. durch die Entwicklung der staatlichen Grundsteuer: Die Hufe war nun weniger eine bäuerliche Wirtschaftseinheit, sondern vielmehr eine fiskalische Berechnungseinheit, die eine systematische Besteuerung ermöglichte.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 

 


Hufe –  Königshufe  (Hufemass)

 

 

Hier altes Flächenmaß vor Einführung des Metrischen Systems u.a. in Preußen und Sachsen .

Hufe, Hube

von Ort zu Ort unterschiedlich; gebraucht für Gemarkungs- und Hofgrößen.
meistens 30 Morgen meistens zwischen 15 und 20 ha

1 Hufe  =   7,6597ha (Preußen vor 1755)
1 Hufe  =   7,659 ha (Magdeburger Maß, Preußen ab 1793)
1 Hufe  =   9,9   ha (slawische Hufe)
1 Hufe  =  16,8   ha (flämische Hufe)
1 Hufe  =  23,9   ha (fränkische Hufe)
1 Hufe  =  37,35  ha (Kulmische) 
        = 66 ⅔ Morgen (je 5601,17 m²  = 300 Quadratruten zu 18,67 m²) 

außerdem noch gebräuchlich:

Königshufe  =     meistens 2 Hufen
Hägerhufe,
Hegerhufe   =     2 Landhufen = 60 Morgen
            =    39,3 ha (Preußen, Beginn des 18. Jahrhunderts)
            =    13–47 ha
Landhufe    =     2 Hakenhufen = 30 Morgen = 19,65 ha (Preußen, 18.Jh.)
            =    30 Morgen = 19,65319 ha (Pommern)
Hakenhufe   =    15 Morgen = 9,82 ha (Preußen, 18. Jahrhundert)
Trippelhufe =     3 Hakenhufen

Außerdem folgende Stückelung (in der Landwirtschaft) gebräuchlich:

Acker       =    19,0647–64,431 a
            =     2 Scheffel = 5.534,20 m² in Kursachsen
            =     2 Ruten breit (Calenberg)
Morgen(Mg)  =   die mit einem Ochsengespann an einem Vormittag (Morgen)             
                pflügbare Fläche, 
Roßmorgen   =   die mit einem Pferdegespann an einem Vormittag 
                pflügbare Fläche
            =   meistens 25 bis 58 a, maximal 122,5 a
            =   120, 150, 160, 180, 300 oder 400 Quadratruten
            =   25 a = ¼ ha = 1 vha 
                (Viertelhektar, Norddeutscher Bd. ab 1869)
            =   0,2554 ha (Magdeburger Maß, Preußen ab 1793)

Quadratrute (QR)
Rute,       =   14,185 m² (Rheinland, Preußen 1869)
            =   18,67 m² (Kulmische)
            =   21,17 m² (Köln)
Scheffel    =    0,5 Acker = 2.767,10 m² (Kursachsen)


Zur Überwindung der örtlichen Unterschiede, vor allem bei den Längenmaßen und Gewichten, wurde, ausgehend von Frankreich (1791, 29. November 1800), das metrische System eingeführt, das auf dem dafür geschaffenen Urmeter basiert. Dem französischen Beispiel folgten nach und nach viele andere Staaten.

Die „Preußische Maaß- und Gewichtsordnung“ vom 16. Mai 1816 vereinheitlichte die Größen unter Zugrundelegung des Rheinländischen Fußes, definiert als Teil des alten (in Frankreich gesetzlich nicht mehr gültigen) französischen Längenmaßes, der Toise du Pérou: 1 preußischer Fuß = 139,13 Pariser Linien (Untereinheit der Toise, entspricht 31,387728 cm).

Der Norddeutsche Bund beschloss am 17. August 1868, zum Jahreswechsel 1868/1869 das metrische System einzuführen; Bayern folgte am 29. April 1869 mit Wirkung zum 1. Januar 1872. Das metrische System galt ab 1871 im gesamten nun gegründeten Deutschen Reich. Am 20. Mai 1875 unterzeichneten 17 Staaten die Meterkonvention.

Damit verschwanden diese alten Zählmaße allmählich aus dem Sprachgebrauch.

Quelle   https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Ma%C3%9Fe_und_Gewichte_(deutschsprachiger_Raum)#Z.C3.A4hlma.C3.9Fe

 

 


Hufner, Hüfner  (Hufner)

 

 

Ein Hufner, auch Hüfner genannt, ist ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder einen Teil einer Hufe Land bewirtschaftet.

Die Bezeichnungen für diese Angehörigen des Bauernstands sind regional unterschiedlich. Sie lauteten im niedersächsischen Sprachraum Hovener oder Hofener, im mitteldeutschen Gebiet vorwiegend Hufner oder Hüfner und im Oberdeutschen Huber. In manchen Gegenden existierten auch völlig abweichende Bezeichnungen, wie zum Beispiel Ackermann, Pferdner oder im Obersächsischen auch besessene Mann oder besessene Männer.

Der Hufner war Vollmitglied der Gemeinde der Bauern, besaß Mitspracherecht in der Gemeinde und durfte die Allmende nutzen (Nachbarschaftsrecht). In der dörflichen Sozialhierarchie standen die Hufner als Vollbauern und Besitzer eines Hofes mit Land von, regional unterschiedlich 30 bis 100 Morgen, vor den Gärtnern und Häuslern. Im Gegensatz zu diesen konnten sie im Dorf das Richteramt oder (später) Schöppenamt ausüben.

Von diesem Berufsnamen und seinen regionalen Varianten leitet sich eine Vielzahl von Nachnamen ab. An erster Stelle zu nennen ist der Name Huber, der im deutschen Sprachraum zu den fünf bis zehn häufigsten Nachnamen gehört und neben Süddeutschland besonders in der Schweiz und Österreich verbreitet ist. Durch die regional unterschiedliche Aussprache des Nachnamens Huber entwickelten sich hier ferner die Nachnamen Huemer, Humer, Haumer, Huebmer und Hueber. Ebenfalls verbreitet sind die Formen Höf(f)ner und Hüb(e)ner, nicht zu verwechseln mit Hopfner, Höpfner, Höppner.

Der Hufner hatte die gleiche soziale Stellung wie der Einspänner, der Besitzer eines Gespannes; beide waren fronpflichtig.

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Hufner; Zugriff 10/2016

 

 


Hussiten (Hussiten)

 

 

Hussiten: von dem tschechischen Reformator JAN HUS (um 1370-1415) abgeleiteter Name für verschiedene kirchenreformerische Bewegungen in Böhmen. Gemeinsames religiöses Symbol war der Laienkelch (das Trinken von Messwein bei Messe und Abendmahl durch nicht zum Klerus gehörende Gläubige). Dabei können zwei Gruppen voneinander unterschieden werden: 1. die Kalixtiner (oder Utraquisten), deren von Adligen und Bürgern unterstützte Forderungen die so genannten Vier Prager Artikel von 1420 zusammenfassen (freie Predigt, Laienkelch, Säkularisation des Kirchenguts und Rückkehr zur apostolischen Armut, strenge Kirchenzucht im Klerus); 2. die Taboriten, die darüber hinaus chiliastische (Chiliasmus) und Sozialrevolutionäre Motive zur Geltung brachten (Aufrichtung des Reiches Gottes durch das Schwert, Ablehnung kirchlicher Einrichtungen). Der Prager Aufstand vom 30. Juli 1419 und die am 17. März 1420 verkündete Kreuzzugsbulle Papst MARTINS V. gegen die Ketzer eröffneten die Hussitenkriege. Das Basler Konzil erkannte 1433 die Prager Kompaktaten an und einigte sich unter dem zeitweiligen Zugeständnis des Laienkelchs mit den utraquistischen Hussiten (auch Böhmische Brüder).

Quelle: „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 


Hussitenkriege (Hussitenkrieg)

 

 

Hussitenkriege: Bezeichnung für die aus dem Aufstand der Hussiten resultierenden Feldzüge 1419-36. Der Prager Aufstand vom 30. Juli 1419 war ausgelöst worden durch die hussitenfeindlichen Maßnahmen König WENZELS und weitete sich unter König SIGISMUND, den die Böhmen für die Hinrichtung von JAN HUS verantwortlich machten und als König ablehnten, zum offenen Krieg aus. Zusätzlich verschärft wurde der Konflikt durch den Aufruf Papst MARTINS V. 1420 zum Kreuzzug gegen die Hussiten. König SIGISMUND erklärte gegen sie den Reichskrieg. Ab 1426/27 führten die Hussiten den Krieg auch offensiv mit Einfällen in Österreich, Bayern, Franken, Meißen, Kurmark und Pomerellen. Die 1433 begonnenen Friedensverhandlungen auf dem Basler Konzil führten am 30. November 1433 zum Abschluss der Prager Kompaktaten (eine modifizierte Form der Vier Prager Artikel), die von den Taboriten jedoch abgelehnt wurden. Erst der Sieg des utraquistischen Adels über die Taboriten bei Lipany (30. Mai 1434) bedeutete das Ende der Hussitenkriege und machte den Weg frei für die Rückkehr König SIGISMUNDS nach Böhmen (1436).

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Hutung (Hutung)

 

 

Hutung : Weideflächen unter dem Recht, das Vieh auf fremden Grundstücken weiden zu lassen, in älterer Zeit fast ausschließlich in Form einer Weidegemeinschaft der Markgenossenschaft o. als Befugnis des Grundherren auf ausgetanem Land. Später wurden mehr und mehr auch Weiderecht unter Vertrag (Weiderezeß) gestellt, wobei u.a. mehrere Berechtigte (Hutgenossen) auf demselben Platz das Weiderecht hatten (Samthude) oder sehr häufig ein gegenseitiges Weiderecht bestand (Koppelhut, Koppelweide, Stoppelfrette, Stoppelweide) oder aber eine Mithut des Eigentümers eines Grundstücks auf dem Platze, an dem der Inhaber des Grundstücks ein Weiderecht hatte besteht; diese Mithut gab es nur auf deutscher Koppelweiden.

Quelle:  „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Ingenieurkorps, Ingenieuroffizier (Ingenieuroffizier)

 

 

Als Ingenieurkorps oder Geniekorps bezeichnete man seit dem 18. Jahrhundert bautechnische militärische Verbände. Ursprünglich entwickelten sich Ingenieurkorps im Festungskrieg. Sie wurden im Königreich Frankreich entscheidend entwickelt und in anderen europäischen frühneuzeitlichen Staaten ausgebaut. Ingenieurkorps waren Vorläufer der modernen Pioniertruppe.

In unserem Falle gehörte der Ingenieuroffizier dem preußischen Ingenieurkorps an, welches für die preußische Landesaufnahme zuständig war (Dieses Korps wurde bereits im 18.Jh. durch den Großen Kurfürsten für diesen Zweck gebildet). Dieses preußische Ingenieurkorps wurde jedoch offiziell erst unter Friedrich Wilhelm I. militärisch institutionalisiert.

Quelle   https://de.wikipedia.org/wiki/Ingenieurkorps

 

 

 


Innung   (Innung)

 

 

Eine Innung ist in Deutschland und Österreich die fachliche Organisationsform des Handwerks auf lokaler bzw. regionaler Ebene (meist für eine Großstadt oder einen Landkreis). In ihr schließen sich selbstständige Handwerker des gleichen oder ähnlichen Handwerks zusammen, um ihre gemeinsamen Interessen zu fördern. Innungen sind die Nachfolger der Zünfte. Im Sächsischen Sprachraum wurden die Zünfte im Mittelalter schon Innung genannt. Daher auch in unserem Fall mit der „Bienenbeutnerinnung“ in Lochau (Annaburg) aus dem 15. Jahrhundert.

Die wesentlichen Aufgaben der Innung nach der Handwerksordnung (Gesetz zur Ordnung des Handwerks) sind:

Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder

    • Pflege des Gemeingeistes und der Berufsehre sowie Förderung eines guten Verhältnisses zwischen Meistern, Gesellen und Lehrlingen
    • Regelung und Überwachung der Ausbildung im Rahmen der Dualen Ausbildung, Abnahme von Gesellenprüfungen
    • Förderung des handwerklichen Könnens der Meister und Gesellen (z. B. durch Fachschulen oder Lehrgänge)
    • Erstellung von Gutachten und Auskünfte über Angelegenheiten der in ihr organisierten Handwerke
    • Vermittlung bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern und ihren Auftraggebern.

Die Rechtsform der Innungen ist die einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie stehen unter der Rechtsaufsicht der jeweiligen Handwerkskammern. 

Häufig haben die Innungen gemeinsame Geschäftsstellen mit den Kreishandwerkerschaften.

Vorstandsvorsitzender der Innung ist der Obermeister, dessen Stellvertreter der stv. Obermeister. Eine weitere wichtige Funktion in der Innung sowie deren Vorstand bekleidet der Lehrlingswart. Er fungiert problemlösend als Bindeglied zwischen den Lehrlingen und den Ausbildungsbetrieben eines Gewerkes. Eine Innung bildet zahlreiche Ausschüsse, wie z. B. den Gesellenprüfungsausschuss, der das gesamte Gesellenprüfungswesen im jeweiligen Innungsbereich regelt, oder etwa den Berufsbildungsausschuss, der die Politik in Bildungsfragen eines bestimmten Gewerkes im Wesentlichen mitbestimmt. Ferner gibt es einen Fachbeirat, der für alle fachlichen Fragen als kompetente Anlaufstelle dienen soll, einen Wirtschaftsausschuss und diverse (Streit-)Schlichtungsausschüsse.

Übergeordnete Fachverbände sind die Landesinnungsverbände mit dem jeweiligen Landesinnungsmeister sowie auf Bundesebene die Zentralverbände der jeweiligen Berufsstände mit ihren Vorsitzenden.

Quelle  Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 

 


Jagd, Waidwerk  (Jagd)

 

 

Jagd (auch Waidwerk) ist das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild durch Jäger. Die unerlaubte Jagd ist Wilderei.

Bis ins Mittelalter wurde die Jagd, auch Waidwerk, immer mehr zum Privileg des Adels sowie staatlicher und kirchlicher Würdenträger. Aus dem Mittelalter stammt auch die Unterscheidung zwischen Hoher Jagd – der dem Adel vorbehaltenen Jagd auf Hochwild – und „Niederer Jagd“ (für den niederen Klerus etc. oder als Bürgerjagd) auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild sowie Rehwild, das als einzige Schalenwildart dem Niederwild angehört. Bezirke, in denen der König oder ein anderer Fürst das Jagdrecht für sich alleine beanspruchte, wurden als Wildbann bezeichnet. In den entstehenden deutschen Territorialstaaten ab dem 15. Jahrhundert kam das „Eingestellte Jagen“ auf, eine Art Treibjagd, bei der wochenlang viele Tiere im Frondienst zusammengetrieben wurden. Diese wurden dann von den fürstlichen Jagdherren alleine oder in großer Gesellschaft getötet.

Quelle  https://de.wikipedia.org/wiki/Jagd

 

 

 


Jauche, Dung und Mist (Jauche)       

 

 

Jauche, Dung, Mist, Dunggruben, Jauchekuhlen und Misthaufen gehören Jahrhunderte zum „Alltagsgeruch“ eines Dorfes und einer Ackerbürgerstadt. Sie nehmen die Stallfäkalien, Küchenabfälle und auch Fäkalien aus den „Herzhäuschen“ auf.

Nach einer gewissen Verrottungszeit werden diese organischen Abfälle wieder dem Boden als Dünger zugefügt. So entsteht ein natürlicher Kreislauf.

Auch mit Beginn der chemischen Düngung seit Mitte des 19. Jh. Behält der Stalldung seinen Stellenwert. Er gilt als hochwertiger Nährstoffträger für den Boden und wird deshalb sorgfältig in besonderen Gruben gesammelt. Die entweichenden Dämpfe bilden die heute noch geläufige „Landluft“

Die Verteilung dieses organischen Materials auf dem Acker ist wegen des hohen Feuchtigkeitsanteils Schwerstarbeit und eine Methode, die immer mehr mechanisiert wird.

Scheibenstreuer, Kastenstreuer, Walzenstreuer – je nach der Wirkungstechnik erfolgt die Bezeichnung.

 

 


Jugendstil (Jugendstil)

 

 

Der Begriff „Jugendstil“ ist nur im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, den Nordischen Ländern und in Lettland in Gebrauch, so benannt nach der 1896 gegründeten Münchner illustrierten Kulturzeitschrift Die Jugend. Dabei ist dieser Begriff in seinem heutigen relativ wertfreien Sinne durch die spätere kunstgeschichtliche Rezeptionsliteratur geprägt worden.

Äußerlich kennzeichnende Teile oder Elemente des Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien sowie flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien.

Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine so geschlossene Bewegung war, wie die Bezeichnung ‚Jugendstil‘ heute bei uns den Anschein erwecken mag. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich ‚einig‘ waren, also der Ablehnung der bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Diese Stielclemente fanden ihre Verwendung bei dem Umbau von einem Amtsgebäude zu einem den Wohnzwecken dienenden Gebäude. Heute finden wir diese Kunstrichtung bei der Glastür mit Oberlicht von Eingangsraum zur Eingangshalle vor.

Quelle  Architekturlexikon unter www.architektur-lexikon.de.htm; Zugriff 08/2008

 

 

 


Kabel  (Kabel)

 

 

  1. Kabel(die) an der Stange einer Wagenwinde, der eiserne Haken in Gestalt eines halben Mondes, welcher bey dem Aufwinden eines Wagens denselben fasset; wo aber dieses Wort aus Gabel verderbt ist, und auch so geschrieben werden sollte.
  1. Kabel. *

*Das hohe Alter dieses Wortes kennzeichnet das es aus dem Hebräischen stamm (wo ein Seil, und binden damit bezeichnet wird). Bei den Griechen ging das b in das verwandte m über, καμηλος, welches Luther’n verführte, es Matth. 19, 24. Marc. 10, 25. und Luc. 18, 25. durch Kamel zu übersetzen;

Dieses Wort ist verwand mit den Begriffen Koppel, Koppeln, Kuppel, und Kuppeln.

In einigen Gegenden ist es ungewisses Geschlechtes, das Kabel. Das b wird in diesem und den damit zusammen gesetzten Wörtern, wie in andern ähnlichen Fällen sehr gelinde, wie ein w ausgesprochen.

[die] Kabel ein altes nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, welches überhaupt ein Werkzeug bedeutet, womit etwas gebunden oder verbunden wird, besonders ein Strick, in welcher Bedeutung nur noch sehr dicke Taue bei der Artillerie Kabeln genannt werden. Insonderheit aber heißt, in der Schifffahrt, Kabel, Cabel, Kabelseil oder Kabeltau, L. Caplum, Cuplum, Rudens, Fr. Cable, oder Chable, Engl. Cable, Holl. Kaabel, Kaabeltuow, ein dickes und langes Tau, Seil oder Strick, welches dazu dient, teils die Schiffe auf der Reede oder anderwärts, sonderlich vermittelst der Anker, damit zu befestigen, dass sie nicht fortweichen können; teils die großen Schiffe die Flüsse damit hinan zu bringen, teils auch die Boote, und andere schwere Lasten, vermittelst der Krahne, Böcke, Kloben, Rollen, und anderer dergleichen Werkzeuge, damit in die Höhe zu winden. Gemeiniglich werden dieselben von Hanfe gemacht, und geteert, und haben 3 Zoll, und darüber, im Umfange; da hingegen diejenigen, die unter 3 Zoll haben, nicht Kabeln, sondern Taue oder Seile, genannt werden. Diejenigen, welche den Anker halten, und daher Ankertaue heißen, sind die längsten. Das längste Ankertau, oder die Hauptkabel, Fr. Mâitre cable, ist von 120 Klaftern, und zuweilen 9500 Pfund schwer; daher die Kabel-Länge, Fr. Cable, die Länge einer Kabel, oder eines Kabeltaues. Die Kabeln kappen, die Ankertaue abhauen.

Eine jede Kabel, sie mag so dick sein als sie will, besteht aus 3 Winde- oder Hebe-Seilen, oder, wie sie bei den Holländern heißen, Pferdeleinen, oder, wie sie die Franzosen nennen, Hansieres oder Haussieres; jedes Windeseil aber aus 3 Stricken, welche die Franzosen Torons nennen; und jedes von diesen 3 Torons aus 3 Leinen oder Schnüren, deren jede aus mehr oder weniger Fäden besteht, nachdem die Kabel dick ist, wenigstens aber 4 Fäden haben muss, dass also das dünneste Kabeltau wenigstens aus 48 Fäden besteht.

Derjenige Raum gegen das Vorderteil der Schiffe, in welchem die Kabeln und Taue aufbehalten werden, wird das Kabelgatt, (von Gatt, ein Loch, Behältniss,) Fr. Fosse aux cables, genannt. Er ist gemeiniglich auf den großen Schiffen unter der sechsten Luke, zwischen dem Hell und dem Fockmaste, so breit als das Schiff, und 20 Fuss lang; dient auch den Soldaten insgemein zur Kammer, und es steht bloß eine Leiter daselbst, um daraus auf das Verdeck zu steigen.

Daher der Kabeltanz, in den Seestädten, ein feierlicher Tanz der Schiffer zu gewissen Zeiten, vermittelst einer Kabel oder eines starken Seiles, welcher mit dem Cordax der Griechen, und dem Restis der Römer, überein kommt.

  1. Kabel(die). Das Los und ein Teil von mehreren, welche nach dem Lose verkauft werden sollen; ein am häufigsten in Niedersachsen übliches Wort. So teilt man einen mit Holz bewachsenen Platz, wo das Holz auf dem Stamme verkaufet werden soll, in gewisse Kabeln. Auch die Gemeindewiesen und andere Gemeindestücke werden in Kabelngeteilt, und unter die Nachbarn nach dem Lose verteilt.

In weiterer Bedeutung auch wohl überhaupt ein Teil, ein Anteil. So ist in den Seestädten die Kabel oder Kabelung, eine Partie Waren, welche bei einer öffentlichen Steigerung auf einmal zum Verkaufe ausgesetzt werden. In Obersachsen muss jeder frohnbarer Bauer in der Ernte seine Kabel, den ihm zugefallenen, angewiesenen Teil abbringen. Eben daselbst muss er seine ihm zugehörigen Kabel an Zäunen und Gehegen in gutem Stande erhalten, seinen Anteil an den Gemeindezäunen und Gehegen. An der Elbe vor allem seinen zugehörigen  Deichabschnitt in Stande halten

Daher das Kabelbier, in den niedersächsischen Städten, Bier, welches nach dem Lose gebraut wird.

Die Kabelwiese, in Ober- und Nieder-Sachsen, eine Gemeindewiese, welche an die Einwohner verloset wird.

Im Wendischen ist Kabl gleichfalls das Los, und kabluju, losen. Man könnte es in dieser Bedeutung gleichfalls von dem vorigen Kabel ableiten, so fern ein solcher bestimmter Teil mit einem Seile von gewisser Länge abgemessen wird, in welcher Bedeutung auch Faden, Seil, Rute u. s. f. und im mittlern Lat. Funiculus, vorkommen. Allein, da im Schwed. Kafle und Kaefling, einen kleinen runden Stab bedeutet, welcher das Diminut. von Kaepp, ein Stab, Lat. Cippus, Fr. Cep, Ital. Ceppo, ist; s. Knebel: so sieht man dieses billig als das Stammwort an, zumahl, da bekannt ist, daß man schon in den ältesten Zeiten sich, bey dem Losen, der Stäbe bedient hat; siehe Kabeln. Im Poln. ist Kawal, ein jedes Stück, Theil eines Ganzen.

Quelle   Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft ist der Titel einer der umfangreichsten Enzyklopädien des deutschen Sprachraums. Das von J. G. Krünitz begründete Werk erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden und stellt eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen für die Zeit des Wandels zur Industriegesellschaft dar;  unter http://www.kruenitz1.uni-trier.de/ Zugriff 11/2008 

 

 


Kanzlei (Kanzlei)

 

 

Kanzlei: Behörde eines weltlichen oder geistlichen Fürsten oder einer Stadt, der die Ausfertigung der Urkunden und die Durchführung des Schriftverkehrs oblagen. Kanzler war in merowingischer Zeit der Referendarius, die Schreiber hießen Cancellarii oder Notarii. Seit dem 8./9. Jh. wurde für den Vorstand der mit der Hofkapelle verbundenen Kanzlei der Titel Kanzler üblich. – In den Fürstenstaaten wurde seit dem Spätmittelalter die Kanzlei die wichtigste Fachbehörde, der Kanzler zum ersten juristisch gebildeten Fachbeamten. Seit dem 16. Jh. entwickelten sich aus der Kanzlei zwei selbstständige Behörden, der Rat (Hofrat) und das Hofgericht.

Quelle:   „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996

 

 

 


Kartoffel (Kartoffel)

 

 

Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre.

Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt. Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat.

In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Rehau), Oberfranken angebaut worden sein.[11] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien. Der Anbau in großem Stil begann 1716 in Sachsen und 1738 in Preußen.

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffel

 

 

 

 


Kartografie in Sachsen (Kartografie)

 

 

Kartografie in Sachsen

Die ältesten Hinweise auf eine Karten- und Rissüberlieferung in der kursächsischen Verwaltung datieren aus der Zeit um 1556 und beziehen sich auf eine Karten- und Büchersammlung, die Kurfürst August auf Schloss Annaburg verwahrte und die nach seinem Tod (1586) nach Dresden gelangte. Auch die um 1560 begründete kurfürstliche Kunstkammer umfasste von Anfang an Karten. Um 1600 ist eine Plankammer im Dresdner Hauptzeughaus nachweisbar, deren Kernbestand sich aus den Landesaufnahmen und Vermessungsarbeiten des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelte. Spätestens seit der Wende zum 18. Jahrhundert begann sich auch in den Behörden und Behördenarchiven eine Karten- und Rissüberlieferung auszubilden. 1806 gilt als Gründungsjahr der Militärplankammer, eine Kameralvermessungsbehörde entstand 1814, im gleichen Jahr wurde die Finanzplankammer beim Finanzarchiv eingerichtet. Seit 1835 entstanden Karten und Pläne in großem Umfang auch bei den Katasterbehörden; hinzu trat eine spezielle Forstvermessungsanstalt. Teile dieser Überlieferung – vor allem der Kartenbestand des Geheimen Archivs – wurden bereits 1834 in das Hauptstaatsarchiv übernommen und dort zunächst als Abteilung XI „Landkarten, topographische Blätter, Zeichnungen, Siegel und Bildwerke“ aufgestellt. Größeren Zuwachs erhielt der Karten- und Rissbestand in Form von Abgaben des Generalstabs (1856), der Finanzplankammer (1888), des Domänenvermessungsbüros (1899), des Zentralbüros für Steuervermessung (1910, 1914), der Straßen- und Wasserbauämter (1911), des Bergamts Freiberg, der Generaldirektion der Staatseisenbahnen, der Landbauämter und des Ingenieurkorps (alle 1918), des Oberhofmarschallamtes (1921), des Kriegsarchivs (1925), des Landesvermessungsamtes und der Landesregierung Sachsen (1952).

Quelle: http://www.archiv.sachsen.de

 

 

 


Kaufleute, Kaufmann (Kaufmann)

 

 

Kaufleute (mhd. koufliute, Sing. koufman; lat. mercatores, negotiatores). Früher wurde der überregionale Handel von fahrenden, meist jüdischen, syrischen oder byzantinischen Kaufleuten besorgt, die in handelsstrategisch günstig gelegenen Städten ihre Niederlassungen hatten. Neben sie traten in wachsender Zahl deutsche Kaufleute, freie Landsassen, Kirchenhörige oder Freigelassene, auch Adlige ohne Grundbesitz oder reiche Grundbesitzer, die hauptberuflich oder gelegentlich (auf Rechnung weltlicher oder kirchlicher Herren) Handel trieben. Das Sozialprestige der Kaufleute noch im Mittelalter sehr niedrig – sei es wegen des Neides der ärmeren Zeitgenossen, sei es wegen der Infamierung durch die Kirche, die den auf Gewinn gerichteten Handel moralisch in die Nähe des Wuchers rückte. (Thomas v. Aquin: „Der Handel hat etwas Schimpfliches an sich“.) Erst im 13. Jh. trat ein Umschwung in der Bewertung der Kaufmannschaft ein, als die Gesellschaft zumal der Städte von der wirtschaftlichen Potenz der Kaufleute abhängig geworden war.

Während der Reisesaison, wenn das Wetter Schifffahrt und Wagentransport zuließ, beförderten Kaufleute Waren über weite Strecken zwischen Erzeuger- und Nachfragegebieten. Auf den Handelswegen drohten von Räuberhorden Gefahren für Leib und Gut, weshalb Kaiser Friedrich I. (1122-90) den Kaufleuten das Recht bestätigte, Schwert und Schild zu führen. (Das Schwert sollte zwar am Sattel hängen oder im Wagen liegen, dürfte jedoch meist umgegürtet getragen worden sein.) Gegen die Gefahren und Risiken der Handelsreisen schlossen sich die Kaufleute seit dem 9. Jh. in Schwurverbänden (s. Gilden) zusammen, deren bekannteste die Hanse wurde. In den Städten, wo die Kaufleute ihre Handelshäuser hatten und auch lokale Geschäfte abwickelten, kamen sie aufgrund ihres Reichtums und ihrer vielfältigen Beziehungen zu politischem Einfluss, wurden ratsfähig und wirkten maßgeblich bei der Errichtung der Stadtrechte und an dem der Stadtherrschaft abgerungenen Stadtregiment mit. Im 12./13. Jh. erwuchs durch Erhebung von Kaufleuten in den Ritterstand eine Handelsaristokratie, die hinsichtlich Selbstwertgefühl und Lebensstil der Schildaristokratie nicht nachstand. Den Fernkaufleuten gesellten sich etwa vom 12. Jh. die Geldkaufleute (Bänker) zu, die den Handelskapitalismus nach jüdischem und lombardischem Vorbild aufzogen und beim Landesausbau durch Vorfinanzierung der Siedelaktionen eine bedeutende Rolle spielten. Schon ab dem Spätmittelalter verfügten manche Handelshäuser aufgrund verbesserter Handelstechniken (Kreditwesen, Buchführung, Dezimalsystem) oder aufgrund monopolistischer Marktstellung über derartige Finanzkraft, dass sie Einfluss auf die große Politik nehmen konnten (so die Familien der Fugger, Welser oder Imhof).

Mit alldem haben die Kaufmänner aus Annaburg nicht viel gemein. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt nur aus dem regionalen Handel, oder betrieben begrenzten Handel neben einem anderen Hauptgewerbe.

Quelle  Online Mittelalter Lexikon, http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Kaufleute; Zugriff 11/2008

 

 

 

 

 


Kerze (Kerze)

 

 

Dieser Artikel behandelt die Lichtquelle Kerze. Kerzen dienten früher, neben Fackeln, Öl- und Talglampen, als Lampen für die Lichterzeugung und Beleuchtung. Kerzen werden heute noch in der Kirche, zu Hause oder bei Festen verwendet, um eine entspannte oder feierliche Atmosphäre zu schaffen. Die Wortherkunft der althochdeutschen Form cherza ist unklar; es wird jedoch von einem lateinischen Ursprung ausgegangen: Die ältere Theorie sieht eine Entlehnung aus lat. charta „Blatt der Papyrusstaude, Papier”, dessen Bedeutung auf die Herstellung aus in Wachs getränktem aufgewickelten Papier hinweist, eine andere Gruppe von Etymologen um Wolfgang Pfeifer nimmt an, dass „Kerze” auf lat. (candēla) cērāta „Wachslicht” zurückgeht.

Öllampen und Talglampen waren die Vorgänger der Kerzen. Als Sonderform kamen ab dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. Wachsfackeln auf. Wohl seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. verwendeten die Römer niedrige Talg-, Pech- und Wachskerzen. Die Griechen hatten Kerzen vorher offenbar gar nicht gekannt. Vor allem der Bedarf der christlichen Kirche führte dazu, dass Bienenwachs als Kerzenrohstoff zu einem wichtigen Handelsgut des Mittelalters wurde. Außerhalb der Kirchen und Adelshäuser wurden Kienspäne oder Kerzen aus minderwertigem Talg verwendet, so genannte Unschlittkerzen, in Nordwesteuropa auch die Binsenlichter. Das zur Herstellung der Unschlittkerzen benötigte Fett wurde aus Rinderfettgewebe oder Hammeltalg gewonnen. Dementsprechend rochen und rußten Unschlittkerzen stark. Bei allen Kerzen aus diesen Brennstoffen musste der Docht regelmäßig „geschneuzt“ (gekürzt) werden, um Rußen und Tropfen zu vermeiden.

Seit 1061 ist aus Frankreich eine Innung der Lichtzieher bekannt, im 14. Jahrhundert eine Innung der Kerzengießer in Hamburg. Zwei Kerzenhändlergesellschaften gab es seit dem späten Mittelalter in London, die Wachskerzenhändler und die Talgkerzenhändler.

Talgkerzen wurden im 17. Jahrhundert mit Arsenik geweißt. Erst ab 1725 gab es mit dem Walrat einen von sich aus weißen Kerzengrundstoff, der vornehmlich für Luxuskerzen benutzt wurde.

Henri Braconnot und Simonin sowie Manjot erzeugten 1818 bzw. 1820 erste Stearin-Kerzen. De Milly führte ab 1831 eine Reihe von Verbesserungen ein wie das Tränken der Dochte mit Salzlösungen, die Vermeidung der Kristallisation der Stearinsäure, das Pressen und Gießen der Kerzen (Millykerzen). Kurz nach der Erfindung von Paraffin wurden nach ersten Versuchen 1839 von Seligue in Paris und von Young in Manchester (England) Kerzen hergestellt.

Das Anzünden einer Kerze ist in den religiösen Vorstellungen vieler Kulturen bedeutsam. Eine brennende Kerze symbolisiert die Seele, die im dunklen Reich des Todes leuchtet. Die Altarkerzen, das Anzünden der Osterkerze symbolisieren im Christentum die Auferstehung, d.h. Jesu Triumph über den Tod, oder auch Jesus, der als Licht in die Welt kommt und ihre Dunkelheit erhellt. In der katholischen Messliturgie spielt die Wandlungskerze eine Rolle.

In nordischen und germanischen Kulturen kam dem Anzünden der Julkerze einige Tage vor der Wintersonnenwende zum Julfest eine vergleichbare Bedeutung zu: Sie sollte die Sonne ermutigen, die Dunkelheit zu besiegen und zurückzukehren. Dieser ehemals nordische Brauch lebt heute im Anzünden der mit einer christlichen Bedeutung versehenen Advents- und Weihnachtskerzen weiter.

Auf Gräbern werden zur Erinnerung an die Verstorbenen vor allem zu Allerheiligen Grablichter aufgestellt.

Quelle   Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 

 


Kienspan -fackel [mhd. kien, ahd. chien = Holzscheit] (Kienspan)

 

 

Kerzen waren für die meisten Bewohner teuer, weshalb der Kienspan zur Beleuchtung noch bis in das 19. Jh. hinein genutzt wurde.

Zur Beleuchtung dienten Späne aus harzreichem Nadelholz, aber auch aus Buchen- und Birkenholz. Je nach Länge und Verwendung unterschied man zwei Arten von Spänen: Kurze von 10-20 cm Länge zum Aufhäufen auf dem Feuerbecken (Kienleuchte) und lange von 50-100 cm Länge und 3-8 cm Breite zum Aufstecken auf einen Klemmleuchter aus Schmiedeeisen. Ein 1 m langer Span brannte ca. 1 Stunde bei starker Ruß- und Rauchentwicklung. Klemmleuchter besaßen – wie der Name besagt – eine Klemmvorrichtung (meist federnde Schenkel) und waren häufig in der Höhe verstellbar (z.B. mittels einer sägeartig gezackten Stange). Kleine Späne wurden auch in Halter aus gebranntem Ton gesteckt, die figural ausgeformt sein konnten (wobei das Ende des Spans z.B. in die Mundöffnung einer Tier- oder Menschenfigur gesteckt wurde).

Quelle  Online Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank; http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Kienspan; Zugriff 11/2008

 

 

 

 


Kindersterblichkeit  (Kindersterblichkeit)

 

 

Bis ins 20. Jahrhundert war die Kindersterblichkeit sehr hoch. Früher war bei der Geburt der Vater, abgesehen von Ausnahmen, nicht anwesend. Der Frau waren bei der Entbindung Frauen aus der Nachbarschaft und der Verwandtschaft behilflich. Seit dem 15. Jahrhundert sind auch gewerbsmäßig arbeitende Hebammen in den Städten bezeugt. Trotz aller Bemühungen starben jedoch viele Frauen und Neugeborene bei der Geburt oder im Kindbett. Vor diesem Hintergrund muss die Freude gesehen werden, die die Entbindung eines gesunden, lebensfähigen Kindes auslöste. An ihr ließ man Verwandte und Freunde teilhaben. War der Vater von zu Hause abwesend, wurde ihm, die frohe Botschaft auf dem schnellstmöglichen Weg mitgeteilt. Der Überbringer der Botschaft erhielt eine Belohnung, das „bodenbrode”.

Der Säugling und das Kleinkind hatten ihren festen Platz in der Familie. Die Mütter stillten, in der Regel ihre Kinder selbst. Nur in Ausnahmefällen und in der städtischen Oberschicht wurde auf Ammen zurückgegriffen, die, bevor sie in Dienst genommen wurden, einer strengen Probe unterzogen wurden. Nach einer Stilldauer von zwölf bis 18 Monaten wurden die Kinder allmählich entwöhnt. Aber auch später bildete Milch, ein wichtiges Nahrungsmittel. In der ersten Zeit wurden die Kinder gewickelt. So wie ein zartes Pflänzchen gestützt werden muss, war man der Meinung, dass auch die Glieder des Kindes sich erst mit Hilfe des Wickelns richtig entwickelten. Waren die Kinder dann der Wiege entwachsen, kauften die Eltern ein Kinderbett.

Brach im Heimatort eine Seuche aus, wurden die Kinder an einen sicheren Ort gebracht. Zog sich das Kind eine Verletzung zu oder erkrankte es, bemühten sich die Eltern um Abhilfe. Reichten die von ihnen ergriffenen Maßnahmen nicht aus, nahm man ärztliche Hilfe in Anspruch. Doch in vielen Fällen, insbesondere wenn es sich um Kinderkrankheiten handelte, gegen die es keinen wirksamen Schutz gab, war den Bemühungen der Eltern kein Erfolg beschieden. Entsprechend hoch war die Kindersterblichkeit.

Von der Wertschätzung, die man dem Kleinkind entgegenbrachte, zeugen die Bekundungen von Trauer, wie sie von zahlreichen Eltern überliefert sind, und die Sorgfalt, mit der auch Kinder bestattet wurden. Der Tod eines Säuglings oder Kleinkindes ging nicht, wie noch jüngst behauptet wurde, spurlos an den Eltern vorbei. Trotz der hohen Kindersterblichkeit standen sie dem Verlust eines ihrer Kinder nicht gleichgültig gegenüber. Die hohe Kindersterblichkeit, die durch eine ganze Reihe spätmittelalterlicher Familienaufzeichnungen belegt ist, steht nur in scheinbarem Widerspruch zu der durchschnittlichen Familiengröße. Nach der Geburt überlebte in der Regel aufgrund der extrem hohen Kindersterblichkeit bis zu einem Fünftel der Neugeborenen bereits das erste Lebensjahr nicht.

 

 

 


Kirchenbücher  (Kirchenbuecher)

 

 

Kirchenbücher (auch Kirchenmatrikel, in Österreich Kirchen-Matriken, in der Schweiz der Rodel, die Rödel) sind Verzeichnisse über Taufen, Trauungen, Todesfälle, die von Pfarrern meist in chronologischer Reihenfolge angelegt werden. Sie stellen öffentliche Urkunden über die in ihnen verzeichneten Handlungen dar.

Die Kirchenbücher stellen oft die einzigen Aufzeichnungen über die Existenz von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Sie sind damit w