Frühere Bedeutung

Bedeutung der Wasserwege vor der Industrialisierung


Wasser ist nicht nur die Grundlage jeden Lebens, sondern es ist auch die Grundlage für den wirtschaftlichen Transport von Gütern gleich welcher Art. War deren Transport auf See schon vor unserer Zeitrechnung relativ unproblematisch, so war der Warentransport auf Flüssen und Kanälen in Europa bis in das 8. Jahrhundert nahezu undenkbar. Erst zu dieser Zeit haben sich die Menschen in Europa damit befasst, die natürlichen Transportressourcen der Flüsse für sich nutzbar zu machen.

Wasserstraßen waren im Mittelalter die einzige Alternative zum Landweg. Dazu dienten zunächst nur die Flüsse. Wegen der für die Schifffahrt problematischen Wasserverhältnisse von natürlichen Flüssen wurde versucht, diese durch Bauwerke schiffbar zu machen. Im Gegensatz zu natürlichen Gewässern boten die dabei entstehenden Kanäle zahlreiche Vorteile: weitgehend gleich bleibende Wasserstände und beherrschbare Strömungen. Schwerpunkte dieser wasserbaulichen Aktivitäten lagen zu dieser Zeit in den Niederlanden. Diese Wasserstraßen hatten wegen der wenigen ausgebauten Wege eine hohe verkehrstechnische Bedeutung. Ferner dienten sie der Verkehrsnetzentwicklung.

Durchstiche von Flussschleifen wurden ab dem 12. Jahrhundert durchgeführt und bildeten zusammen mit Deichen die erste Möglichkeit, Flussläufe zu regulieren.

Dieser Wissensstand zog u.a. mit den Flamen bei der Ostbesiedlung auch in unser Gebiet der Schwarzen Elster ein.
Im 10.–11. Jahrhundert entstanden Ansiedlungen und Märkte vor allem an Flussübergängen der Schwarzen Elster. Die Benutzung der Wasserstraßen beinhaltete ein schwerwiegendes Probleme: Flussaufwärts musste getreidelt werden, das heißt: Pferde oder Menschen mussten das Schiff bergauf ziehen. Dies war natürlich sehr zeitaufwändig und kräftezehrend. Denn wurde z. B. das Gelände zu unwegsam, musste man die Tiere erst auf die andere Seite bringen, wo sie dann weiter zogen. Die Treidelpfade dienten dazu, mit Pferden die Kähne stromaufwärts zu ziehen.
Schwere Lasten wie Steine und Getreide wurden hauptsächlich auf Schiffen transportiert. Ein Nachteil war die geringe Ladekapazität der Schiffe. Zur Lösung dieses Problems wurden häufig Einwegschiffe eingesetzt. Das Holz diese Schiffe wurde an dem Endpunkt der Fahrt weiterverwendet.
Im Bereich der unteren und mittleren Schwarzen Elster war das Treideln auf Grund der Gewässer- und Uferstruktur durchgängig nicht möglich. Auch ließen die Wasserstände ein durchgängiges Befahren mit Lastschiffen nicht zu. Aus diesem Grunde wurde die Schwarze Elster in das Fernhandelsnetz als Wasserweg auch nicht eingebunden.

Eine ergiebige Einnahmequelle der Landesherren stellte das Wasserregal dar; das waren Flusszölle, mit denen die Benutzung der Wasserstraßen belegt wurde. In Sachsen betraf das die zu dieser Zeit viel befahrene Elbe. Vom Bau der Annaburg wissen wir, dass Kurfürst August den Transport des notwendigen Sandsteines von Pirna aus mittels dieses Zollrecht verfügte, dass der Rat zu Pirna streng darauf zu achten hatte, dass kein Schiff oder Floß die Elbe passiert, ohne etwas von dem für Annaburg bestimmten Material geladen zu haben.
Erst nach der gewaltsamen Einigung Deutschlands und Gründung des deutschen Kaiserreiches wurden diese Flusszölle im Inland abgeschafft.

Bernd Hopke

Quellen

• Paul Neumann, Der Schraden einst und jetzt, Die Schwarze Elster
• Otto Heintze, Die Schwarze Elster
• Stoy, Die Schwarze Elster 7/1940
• A.E. und W.H., Die Schwarze Elster 19??
• Dietrich Hanspach: „Der Schraden“;Böhlau Verlag 2005
• Acta; Darstellung über die Entstehung, Verwaltung und Betrieb der Floßanstalt auf der Schwarzen Elster, dem Neugraben ectr.; im Jahre 1828; in einer Übersetzung von Eberhard Förster, Manuskript, privatbesitz;