Die Friedensstraße

ein Stück Annaburger Geschichte


Auszug vom „Alter Plan des Ortes“ von 1578

Die Friedensstraße gehört zu den ältesten Straßen in Annaburg. Eigentlich vor der Stadt gelegen. Sie entstand 1578, als der Hauptmann zur Annaburg Tendler im Auftrag des Kurfürsten den „Kirchhof“ zu verlegen hatte. Es entstand der heutige Städtische Friedhof als „Gottsacker“ und damit der Weg der zu ihm führte, die Friedensstraße.

Bis vor kurzem (Ende 2017) musste man auf seinem Weg zur letzten Ruhe gut gebettet sein um in „Frieden“ seinen letzten Weg zu nehmen. Seit dem ich Annaburger wurde sollte die einstige Hauptstraße und damalige Umleitung beim Ausbau der Torgauer Straße erneuert werden. Aber auch die „Reiche Bundesrepublik“ entpuppte sich als „Mogelpackung“ und die Straßensanierung fand erst ein Vierteljahrhundert später statt.

Die Friedenstraße – eine Straße mit Geschichte – mit dem ersten Friedhof der nicht an der „Stadt/Dorf“-Kirche lag in unserer Region. Der Straße in deren unmittelbaren Nähe das Tor zur Welt (Post/Reitzensteingut) mit Direktanschluss nach Berlin oder Dresden lag. Hier stand das Biwak der durchziehenden Truppen wehrend der Befreiungskriege. Die Straße die zur ersten Stadterweiterung in der Gründerzeit zur „neuen Welt“ führte. Der Straße mit demonstrierter Glaubensfreiheit in Preußen – erster katholischer Kirche im Urland des Protestantismus. Aber auch einer Straße in der das Parteilokal der NSDAP zur Weimarer Zeit stand. Heute liegt an ihr wenigsten noch eine der wenigen modernen und doch traditionellen Versorgungseinrichtungen – Gastronomie und Bäckerhandwerk vereint – das Kaffeehaus Käpernik.

Auf der ältesten Karte von Annaburg aus dem Jahr 1578 ist der Gottesacker, die zu ihm führende Straße aber auch die damals schon vorhandene Bebauung des heutigen „Weintraube“ Grundstück verzeichnet. Vielleicht gehörte das Grundstück zu dem ehemaligen Grundstück der Amtsmühle aus Friedrich des Weisen seiner Zeit, die hier schon seit dem Spätmittelalter stand. Der Mühlendamm dieser Mühle gab der Torgauer Straße ihre Lage und Richtung.

Ausschnitt aus dieser Karte von 1578

 

Die Bebauung des Grundstückes fand vermutlich 1578 im Zusammenhang mit dem Aufkauf der Grundstücke im heutigen Marktbereich durch Kurfürst August statt. Dabei wurden einige Grundstücke gekauft, andere dagegen im Tausch durch den Kurfürsten erworben. Wer sich danach auf diesem Grundstück ansiedelte ist leider nicht überliefert.

Ausschnitt aus der Karte von Zimmermann 1614

 

Auf der ältesten Karte von Annaburg aus dem Jahr 1578 ist der Gottesacker, die zu ihm führende Straße aber auch die damals schon vorhandene Bebauung des heutigen „Weintraube“ Grundstück verzeichnet. Vielleicht gehörte das Grundstück zu dem ehemaligen Grundstück der Amtsmühle aus Friedrich des Weisen seiner Zeit, die hier schon seit dem Spätmittelalter stand. Der Mühlendamm dieser Mühle gab der Torgauer Straße ihre Lage und Richtung.

Die Bebauung des Grundstückes fand vermutlich 1578 im Zusammenhang mit dem Aufkauf der Grundstücke im heutigen Marktbereich durch Kurfürst August statt. Dabei wurden einige Grundstücke gekauft, andere dagegen im Tausch durch den Kurfürsten erworben. Wer sich danach auf diesem Grundstück ansiedelte ist leider nicht überliefert.

Das Grundstück lag außerhalb der Stadt und gehörte damit zu den „Vorstädtern“ von Annaburg. Es lag direkt vor dem Torgauer Tor. Das Grundstück muss recht bedeutsam gewesen sein, weil es 1614 auf der kurfürstlichen Karte von Zimmermann ausdrücklich vor der Stadt verzeichnet wurde. 150 Jahre später hat es diese Bedeutung verloren, es wurde neben dem Torgauer Tor nicht mehr auf der Karte gesondert verzeichnet.

Ausschnitt aus einer Forstkarte aus dem 18.Jh.

 

Hier wurde 1760 eines der vier Stadttore als so genanntes Brückenhaus errichtet. Es stand direkt über dem „Schleusenwehr“, welches für die Wasserhaltung des „Teiches“ hinter der Pfarre (ehemaliger Mühlenteich) genauso notwendig war, wie für den Mauergraben, den Schlossgräben und dem großen Schlossteich.
Die Schleuse war Notwendig nicht nur für die Wasserhaltung, sondern auch für das damalige System der Abwasserentsorgung. Da die Notdurft der Annaburger, aber vor allem seit 1762 die des Knaben-Erziehungs-Institutes über den Schlossgraben und Mühlteich entsorgt werden musste. Die Latrinen für die Waisenknaben wurden direkt über den Schlossgraben recht vor dem Schlosseingang errichtet, nachdem die dafür vorhandenen Erker am Hinterschloss in Folge beginnender Verlandung des hinteren Schlossgrabens diese Funktion nicht mehr erfüllen konnten. Aber auch hier ging das bei den hiesigen Wasserverhältnissen nur, wenn durch kurzzeitiges öffnen der Schleusen angestautes Wasser den Unrat fortspülte. Der Graben entlang der Friedensstraße erhielt dadurch seinen Namen – „Scheißgraben“.

Ausschnitt – Situationsplan Schlossbereich 1898

In Folge der Elbüberschwemmung von 1830 und des Wolkenbruchs vom 26. Juli 1831, stürzte die ausgeräumte Schleuse unter dem Torgauer Torhaus ein, was dem Abbruch des vom Fiscus (Staat) zu bauenden Hauses zur Folge hatte. An dessen Stelle ließ der königliche Fiscus eine massive Brücke bauen. Die Latrine vor dem Schloss bestand aber noch bis Anfang des Zwanzigsten Jahrhundert.
Erst im 19. Jahrhundert erfahren wir wieder etwas über das „Weintrauben“ Grundstück. Nach Übernahme des Herzogtum „Sachsen“ durch Preußen verlor die Annaburger Fahrpoststation an Bedeutung. Ihr Ende wurde mit dem Bau der Eisenbahnlinien eingeleitet. Das Tor zur Welt für die Annaburger verlagerte sich zur Bahnhofstraße.

Die Fahrpost hatte nur noch eine Zubringerfunktion. Die Reitzensteins verloren ihr wirtschaftliches Interesse an der Fahrpoststation. Aus diesem Grund zog das Postamt 1878 vom Reitzensteingut in das Fichte-Grundstück (Gaststätte zur „Weintraube“ in der Friedensstr.) um. Hier verblieb die „Fahrpost“ bis 1888. Der Standort war gut gewählt. Auf dem Grundstück lag Schankrecht und der „Nachbar“ war Hufschmied Wille. Diese Familie gehört zu den „Ureinwohnern“ von Annaburg und waren einstmals Waffenschmiede die für die Jagdveranstaltungen der sächsischen Kurfürsten unerlässlich waren. Die „Weintraube“ mit Hotelbetrieb wurde auch nach erfolgtem Auszug der Post weitergeführt.

Auszug aus dem ersten Messblatt von Ltn. Eberling 1847

Bis zu dieser Zeit war der „Friedhofsweg“ wenig bebaut. Von der Torgauer Straße aus lagen links die Höfe dreier „Landwirtschaften“ und rechts schloss mit der Gaststätte und Herberge die Bebauung für lange Zeit ab.

Auszug aus dem Messblatt von 1903

Zum Ende des 19. Jahrhundert erfolgte die weitere Bebauung mit dem entstehen der „Neuen Welt“. So hieß der neue Stadtteil zwischen Feldstraße und Friedensstraße, der auf dem Flurstück der „Hofebreite“ bis Anfang des 20. Jahrhundert entstand.

erstes Luftbild von 1939

Ab 1883 bis 1890 erfuhr unter Adolf Heckmann die Steingutfabrik einen enormen Aufschwung. Dazu wurden die angrenzenden Felder der links entlang der Friedensstraße liegenden Flurstücke bis an die Grundstücksgrenzen mit Fabrikeinrichtungen bebaut. Es wurde viel gebaut und erweitert. So wurde ein so genannter langer Stall errichtet der 4 Rundöfen zu je 80 m³ Fassungsvermögen beherbergte. Jetzt nahm das Unternehmen den Charakter einer Fabrik an. Danach erfolgte der Anschluss an das deutsche Reichsbahnnetz und die Belegschaft stieg auf 300 Arbeiter. Die durchgeführten technischen Erneuerungen führten zu einer hohen Produktionssteigerung. Dazu waren Fachkräfte nötig die man sich aus dem bayrischen Selb holte. Die dadurch entstandene katholische Gemeinde baute ihre Kirche am Friedhofsweg, jetzt „Kirchstraße“ genannt. Ihre erste Kirche war eine kleines Fachwerkgebäude, welches erst nach 1945 der heutigen weichen musste.

Im 2. Weltkrieg wurde in der „Weintraube“ Unterricht durchgeführt, da die heutige Schule als Kaserne diente. Außerdem wurde das Hotel auch zur Einquartierung von Zwangsarbeiterinnen genutzt. Im 20. Jahrhundert kam die Weintraube dann in den Besitz von Erna Käse. Sie hatten es von ihren Eltern übernommen und nach dem frühen Tod von Hermann Käse hat sie es selbstständig weitergeführt. Privatisierung fand hier nicht statt, Erna Käse bekommt jeden satt hieß es im Ort.

Die kleine katholische Kirche erfuhr in den 50iger Jahren einen Neubau, als die ehemals sehr kleine katholische Gemeinde durch die Ansiedlung Vertriebener aus Schlesien und den Sudeten enorm an Größe gewann. Der Friedhofsweg, die Kirchstraße wurde zur Friedensstraße. Nach der Wende entstand das Neubaugebiet am Verler Weg. Auf diesen ging die alte Bezeichnung unseres Wohngebietes die „Neue Welt“ über.

Erna Käse hat bis 1992 selbständig den Gaststättenbetrieb geführt. Danach stand das Gebäude längere Zeit leer. Etliche Versuche einer Nutzung scheiterten bis heute, sodass die Bausubstands erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schon vor 20 Jahren sollte eigentlich die Hauptstraße ausgewiesene Friedensstraße erneuert werden. Fehlendes Geld hat dieses Vorhaben erst nach Umwandlung in eine einfache Wohnerschließungsstraße heute Wirklichkeit werden lassen.

Bernd Hopke
Ortschronist