Brehnaer Grafen

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Eine Grafschaft entsteht

In den alten schriftlichen Quellen über unser Siedlungsgebiet zwischen Elbe und Schwarzer Elster wird recht oft über die Grafen von Brehna berichtet, denn unser Gebiet gehörte zur Grafschaft Brehna. Im Zeitraum von 1156 bis 1290 standen wir hier unter der Herrschaft der Grafen von Brehna. In die Zeit der ersten Brehnaer Grafen fällt die um 1100 durch Wiprecht von Groitzsch eingeleitete, als zweite Etappe der feudalen „Ostexpansion“ bezeichnete Kolonialisierung unseres Landes und damit einher gingen auch die meisten Ortsbildungen viele heute noch bestehender Dörfer. Wer waren also die Grafen von Brehna und zu welcher Herrschaftslinie gehörten sie.

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Wappenschild der Grafen von Brehna

Die Grafschaft Brehna trat erstmals 1053 mit dem gleichnamigen Ort unter der Bezeichnung Brehna „Brene“ in Erscheinung.

Die Grafschaft lag im Osterland und gehörte zum Besitz der Wettiner, dem Grafen Dietrich II. von Wettin. Nach seinem Ableben 1034 wurde der Besitz unter seinen Söhnen aufgeteilt. Thimo I., der Ältere, und Gero erbten die Grafschaft Brehna. Schon vor 1053 ließ Graf Thimo I. in Brehna eine Burg errichten. Zunächst verwalteten beide Brüder gemeinsam die Grafschaft. Später erhielt Thimo I. Wettin und Gero Brehna sowie Camburg. Da die Söhne Geros, Dietrich, Wilhelm von Camburg und Günther, keine Kinder hatten, fiel die Grafschaft Brehna 1106 an Konrad I. von Wettin zurück.

Konrad I., der Große, von Wettin, der den berühmten Dresdner Fürstenzug anführt, gilt als der Begründer des wettinischen Territorialstaates, des späteren Kursachsen. Er war ab 1127 Markgraf von Meißen und seit 1136 Markgraf der Niederlausitz, Graf von Brehna, Camburg und Herr über die Herrschaft Eilenburg. Zum Ende seiner Herrschaft mit Eintritt in das Augustinerchorherrenstift auf dem Petersberg (Lauterberg) übergab Konrad I. seinen gesamten Besitz seinen Söhnen. Nun wurde wieder geteilt.

Friedrich I., der jüngste Sohn, geboren zwischen 1142 und 1145, erhielt die Grafschaften Brehna und Camburg. Er gilt erstaunlicherweise als Begründer des Grafengeschlechts von Brehna, obwohl es wettinische Grafen in Brehna bereits vor Kondrad I. gegeben hatte.


Zu dem Grafengeschlechts von Brehna, zählt die Geschichtsschreibung folgende 19 Mitglieder:

  1. Friedrich I. (gest.4. 1. 1182)
  2. Otto I. (gest. 23. 12. 1203)
  3. Friedrich II. (gest. 16. 10. 1221), seit 1217 Graf von Wettin
  4. Sophia (gest. 1225), Äbtissin von Quedlinburg
  5. Hedwig (gest. 1264), Gräfin von Altenburg
  6. Otto II. (gest.1234)
  7. Dietrich I. (gest. 1267)
  8. Lukardis, Nonne in Brehna
  9. Otto III. (gest. 1292), Domherr in Magdeburg
  10. Konrad I. (gest. 1278)
  11. Dietrich II., Templer
  12. Heinrich (gest. 1302), Kanoniker in Magdeburg
  13. Jutta, Herzogin von Pommern
  14. Hedwig, Äbtissin in Gerbstedt
  15. Albrecht (gest.1284)
  16. Konrad II. (gest. 1288)
  17. Otto IV. (gest. 1290)
  18. Dietrich III., Templer (gest. nach 1306)
  19. Tochter, Nonne in Gerbstedt

ps_20161017164840Friedrich I. erwarb für die Grafschaft zahlreiche Besitzungen. Als Magdeburger Lehen: Arnoldshagen, Trebus, Löben, Prettin mit der Heide, Burg, Schweinitz, Jessen, Klöden, Zwetau, Herzberg, Beizig, Zahna, Wiesenburg, Werben, Gommern u. a.

So erwarb der Graf von Brehna im Jahre 1156 die Mark Landsberg. Zu ihren Burgen gehörte auch Jezzant, das heutige Jessen, die wahrscheinlich auf einer vorhandenen slawischen Burgwallanlage errichtet worden war. Auch wenn auf der Karte (siehe Bild) Lochau verzeichnet ist, gibt es keine Urkunden aus dieser Zeit die das belegen könnten (Ersterwähnung von Lochau 1339).

karteum1000Friedrich I., der Graf von Brehna hielt sich oft am Hofe Kaiser Friedrichs I. auf (1165 in Altenburg, 1166 in Bomeneburg, 1173 in Goslar, 1180 in Altenburg, 1181 in Erfurt). Gemeinsam mit seinem Bruder, Markgraf Dietrich III. von der sächsischen Ostmark, nahm er an der für Friedrich I. unglücklich verlaufenden Schlacht bei Legano in Italien 1176 teil.

Friedrich I. starb am 4. Januar 1182. Er wurde in der Kirche des Klosters auf dem Petersberg (bei Halle/S.) beigesetzt. Seine Frau Hedwig überlebte ihn um 19 Jahre. Von ihren Söhnen Otto I. und Friedrich II. erhielt sie Brehna als Witwensitz. Das ist in sofern von größerer Bedeutung, weil sich dadurch der Schwerpunkt der Grafschaft mehr und mehr nach Herzberg an die Schwarze Elster verlagerte hat. Hier erbauten die Grafen von Brehna eine heute nicht mehr erkennbare Burg, verlegten etwa 1184 ihren Sitz dorthin und betrieben eine 1254 bezeugte Münze. Dennoch behielten sie den Namen „Grafen von Brehna“ bei. Der Grund für die Verlegung ihres Herrschaftssitzes könnte ihre weitere Teilnahme an der deutschen Ostexpansion gewesen sein. Interessant für uns ist, dass durch die Grafen von Brehna im Jahre 1184 die heutige Stadt Herzberg als Brückenstadt an der Elster gründete wurde.

Der staufisch-welfische Thronstreit führte die Grafen Otto I. und Friedrich II. von Brehna an die Seite des Königs Philipps von Schwaben. 1203 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den streitenden Parteien, die auch das Brehnaer Gebiet betrafen. Der böhmische König Przemysl Ottokar I. der mit seinen Truppen und Verbündeten 1203 die Städte Halle und Magdeburg bedrängte und dabei Brehna und Wettin verwüstete, konnte durch Otto I. und dem Grafen Ulrich I. von Wettin, in den Kämpfen bei Landsberg und Zörbig geschlagen werden.

Am 23. Dezember 1203 starb Otto I. Er wurde im Kloster Brehna beigesetzt. Die Grafschaft verwaltete sein Bruder Friedrich II. nun allein. Wie schon sein Vater, so weilte auch er mehrfach am Königshof von König Philipp. Er war anwesend, als Markgraf Dietrich I., der Bedrängte, von Meißen 1212 das Kloster Eisenberg und 1213 das Thomaskloster in Leipzig gründete. Gemeinsam schlichtete er am 20. Juli 1216 mit dem Magdeburger Erzbischof Albrecht II. von Käfernburg und dem Merseburger Bischof Eckehard einen Streit, der zwischen dem Markgrafen Dietrich dem Bedrängten und der Stadt Leipzig ausgebrochen war. Seit 1206 war Friedrich II. Vormund des Grafen Heinrichs III. von Wettin. Da jener bereits im Alter von 12 Jahren starb, erlosch mit ihm die Linie der Grafen von Wettin. Die Grafschaft fiel an das Haus Brehna. Am 6. Oktober 1220 starb seine Frau Judith, mit der er vier Kinder hatte. Kurze Zeit später schloss er sich dem Kreuzzugsheer Kaiser Friedrichs II. an und trat dem Tempelritterorden bei. Er starb am 16. Oktober 1221 vor Akkon im Heiligen Land. Seine beiden Söhne, Otto II. und Dietrich I., übernahmen die Regierungsgeschäfte, während die Tochter Lukardis Nonne im Kloster Brehna wurde.

Die Brüder, die die Grafschaften Brehna und Wettin fest in ihrer Hand hatten, hielten sich aber vorwiegend in Herzberg, Schlieben und Löben auf. Die Burg Löben wurde im 13.Jahrhundert zum Hauptsitz der Grafen von Brehna. Von der Burg gibt es zwar keine sichtbaren Reste mehr, aber die Kirche der Burganlage aus der Mitte des 13.Jahrhunderts ist erhalten geblieben. Offensichtlich waren die Brehnaer Grafen bestrebt, ihren Sitz durch ein repräsentatives Sakralgebäude zu schmücken und aufzuwerten, so übertrifft dieses als Pfeilerbasilika errichtete Gotteshaus, trotz Abrisses seines Seitenschiffe im 1500, noch heute die umliegenden Kirchen. Die ursprüngliche Bauform dieser Pfarrkirche steht denen der Stadtkirchen in ZAHNA und PRETTIN nahe, da nur sie in unserer Gegend einen basikalen bzw. pseudobasikalen Querschnitt aufweisen.

Aber zurück zu unseren Grafen von Brehna. 1234 starb Otto II. kinderlos. Sein Erbe fiel an seinen jüngeren Bruder Dietrich I.

Dietrich I., der mit der Tochter Konrads von Masowien, Eudoxia, verheiratet war und mit ihr sechs Kinder hatte, vier Söhne und zwei Töchter, starb in der ersten Hälfte des Jahres 1267. Sein Sohn Otto III. wurde Domherr in Magdeburg, Heinrich Kanoniker in Magdeburg und Dietrich II. Tempelritter. Konrad I., der einzige Sohn, der im weltlichen Stand verblieb, trat die Nachfolge des Vaters an. 1264 vermählte er sich mit Elisabeth, der Tochter Herzog Albrechts I. von Sachsen-Wittenberg. Er hatte mit ihr fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter. Konrad I., der 1278 verstarb und im Kloster Brehna beigesetzt wurde, stand den Templern nahe und machte wie sein Vater reiche Schenkungen an Klöster und Kirchen. Nachfolger Konrads I. wurde sein ältester Sohn Albrecht. 1283 kam es zwischen ihm und dem Bischof Withego I. von Meißen zum Streit, da der Bischof wegen gewaltsamer Beeinflussung der Gotteshäuser in Wurzen, Meißen und Liebersee durch den Grafen über ihn den Bann verhing. Unbekannt ist, wie der Streit endete. Albrecht starb bereits 1284, ohne Kinder zu hinterlassen. Sein Bruder Otto IV. wurde sein Nachfolger. Dietrich III., ein weiterer Bruder Albrechts, kam für die Regierung nicht in Frage, da er 1278 in den Templerorden eintrat. Er sollte letzter Templer aus dem Geschlecht der Wettiner werden. Auf Veranlassung Papst Clemens V. befahl im Mai 1308 der Magdeburger Erzbischof Burchard III. von Schraplau die Verhaftung der Tempelritter und die Beschlagnahmung ihres Besitzes. Über den Verbleib Dietrichs III. ist nichts bekannt.

Um sich gemeinsam gegen Räuber und Störenfriede zu helfen, kam es im Jahre 1288 zum Abschluss eines Landfriedensbündnisses zwischen Markgraf Friedrich I., den Freidigen von Meißen, Markgraf Friedrich Tuta von Landsberg und Graf Otto IV. von Brehna.

Graf Otto IV. nahm an dem von König Rudolf I. nach Erfurt im Juni 1290 einberufenen Reichstag teil. Dort verstarb er als Letzter seines Geschlechtes. Nach dem Tode Ottos IV. fiel die Grafschaft, da er keinen Erben benannt hatte, an König Rudolf I.

Am 31. August 1290 verlieh der König sie an den askanischen Herzog von Sachsen-Wittenberg. Die askanischen Herzöge nahmen Titel und Wappen der Grafen von Brehna an. Der Erwerb der Grafschaft Brehna bedeutete für den Herzog einen Machtzuwachs, denn das Einkommen der Grafen von Brehna soll sich nach der Erfurter Peterschronik auf 2.000 Mark Silber belaufen haben. Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg verschrieb seiner Frau Judith, die er 1298 ehelichte, die Herrschaft Brehna mit Schlieben, Löben, Prettin, Herzberg und Bitterfeld als Leibgedinge. Unter seiner Herrschaft wurde in Lochau dem späteren Annaburg das erste Jagdschloss errichtet. Bei einer Übernachtung von Albrecht III. (1419-1422) nach einem Jagdausflug auf der Lochau brach in der Nacht ein Feuer aus. Dabei fielen 15 Menschen den Flammen zum Opfer. Der Herzog konnte sich nur mit Mühe retten, verstarb jedoch wenige Tage später am 25. Juli 1422 im nahen Wittenberg an den Folgen des Unglücks.

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Mit dem Aussterben der wittenbergischen Linie der Askanier 1422 kam die Grafschaft Brehna 1423 an Friedrich (IV.) I., den Streitbaren, aus dem Hause Wettin, der am 1. August 1425 in Budapest mit dem Kurfürstentum Sachsen, dem Erzmarschallamt, der Burg Allstedt, der Grafschaft Brehna und der Burggrafschaft Magdeburg feierlich belehnt wurde.


Die Grafschaft Brehna unter Friedrich den Streitbaren

In denen mittlern Zeiten werden folgende Orte in der „Grafschafft Brene“ namhaft gemacht: Brehna, Camburg, Landsberg, Petersberg, Saltemunde, Arnoldshagen, Trebus, Löbene, Schweinitz, Klöden, Prettin, Schwed, Beltzig, Zahna, Wiesenburg, Werben, Bitterfeld, Herzberg, Lochau (heutige Annaburg) und Gommern. Dabei werden später folgende Städte: Brene, Schlieben, Brettin, Bitterfeld, Hertzberg und Lochau (Annaburg) auch alle zum Sächsischen Kurkreis gerechnet werden.

Durch die Leipziger Teilung 1485 fiel die Grafschaft Brehna an die vom Kurfürsten Ernst begründete Ernestinische und nach der Schlacht in Mühlberg 1547 an die Albertinische Linie. Schließlich gehört die Grafschaft Brehna von da ab zum Herzogtum Sachsen und gehörte dann zum sächsischen Kurkreis Wittenberg.

 

Herzogtum Wittenberg - der sächsischer Kurkreis
Herzogtum Wittenberg – der sächsischer Kurkreis

In der Zeit von 1658 bis 1738 gehörte Brehna zur sächsischen Sekundogenitur Sachsen-Merseburg. Zu beachten ist dabei, dass das Amt Annaburg, vermutlich weil es das kurfürstliche Jagdgebiet der Annaburger Heide mit einschloss, nicht zur sächsischen Sekundogenitur Sachsen-Merseburg zählte. Wie auch immer 1815 kam das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Brehna, einschließlich des sächsischen Kurkreises Wittenberg an Preußen.

 

 

Bernd Hopke

Annaburger Ortschronist

 

 

Quelle:

  • Dr. phil. habil. Gerlinde Schlenker, Geschichte in Mitteldeutschland Bd.1 (2.veränd. überarb. erw. Aufl.) „Auf den Spuren der Wettiner in Sachsen-Anhalt, Verlag Janos Stekovics, Halle/S. 1999

 

09.11.2016