Maienfreude

Pfingsten


 

Vor tausenden von Jahren begrüßten unsere germanischen Vorfahren den Mai schon mit einem kräftigen Gelage. Kampfspiele wurden ausgetragen und beim Metgelage kreiste das Horn tage – und nächtelang. Der Kampfpreis war ein Stier mit vergoldeten Hörnern.
Hieraus wurde später der „Pfingstochse“ abgeleitet. Er wurde im schönen Schmuck am Pfingstmorgen durch das Dorf geführt. Wettrennen, Vogelschießen und andere Spiele wurden dann ausgetragen.

In christlicher Zeit wurde auch dieser germanische Brauch vereinnahmt. Am 50. Tag nach Ostern wurden die Jünger mit Gottes Geist erfüllt und begannen, die frohe Botschaft weiterzuerzählen und Menschen durch die Taufe in die Gemeinde aufzunehmen.
Aus dem Volksfest mit Spiel und Reigentanz sollte ein kirchliches werden. Die Christen machte daraus die Prozession, die immer im Kreis um die Kirche, ums Rathaus, um den Anger führt, nachdem es nichts geholfen hatte, die heidnischen Tänze und Bräuche zu verbieten. Das ganze Mittelalter hindurch, bis zur Reformation, haben Bischöfe vergeblich versucht, zumindest das Tanzen und Singen auf dem Kirchplatz zu unterbinden.

Am Vorabend vor Pfingsten wurden auf dem Dorfplatz meist eine, oder mehrere Buntgeschmückte Laubenerrichtet, in deren Mitte die mit Bändern geschmückte Pfingstmaie stand. Das Fest wurde am 2. Pfingstfeiertag nach dem Gottesdienst eröffnet. Ein guter Gutsherr gab hierbei meist die Maie und freies Bier. Pfingstjungfern und Pfingstburschen spielten an diesem Tag die Hauptrolle.

Ein anderer Glaube besagt, wer am Pfingstmorgen als erster den Tau von den Blättern streift, bringt unfehlbar das Glück mit heim. Im Dorf gilt er als der „Tauschleifer“, der beneidet wurde. Auch das Schmücken der Häuser und Kirche zur Maienzeit ist schon ein uralter Brauch.
Junge Burschen setzten ihrer angebeteten eine mit Bändern geschmückte Birke vors Fenster. Aber auch „Schandmaien“ wurden gesetzt. Meist waren dies Hollunder – oder Pappelzweige.
Ein alter Brauch, den wohl heute keiner mehr kennt, war der „Pfingstlümmel“ oder „Wasservogel“. Wer am Pfingstmorgen verschläft, wurde in Laub verhüllt und maskiert und in den Dorfbach getrieben. Man übergoß ihn mit Wasser und er spritzte natürlich zurück. So wurde allen der Segen des Pfingstwassers zuteil. In einigen Gegenden wurde er auch von „Maienknechten“ durch das Dorf geführt, wo er allerlei Geschenke für das anschließende Vergnügen erhielt.
„Wilder Mann“, „Pfingstpuz“ und „Lattichkönig“ stellten Naturdemonen dar.

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Bernd Hopke

Quelle:
Material des Vereins für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg
Wittenberger Kreisblatt v. 1831