Kirchenbau

Wie Hohndorf zu seiner Kirche kam

Es war am Himmelfahrtstage des Jahres 1619, als die Sonne heiß brannte und sich im Süden Gewitterwolken bildeten, die am Horizonte in die Höhe stiegen. Kurfürstenwitwe Hedwig hatte gerade den Gottesdienst in Prettin besucht und wollte noch ein Stück spazieren fahren. Als sie auf dieser Fahrt in die Gegend der sogenannten Lamfterbrücke kam, sah sie ein altes Mütterchen im Kirchenanzuge am Wege sitzen. Obgleich das Gewitter immer näher und näher heraufrückte, so ließ die Fürstin – Hedwig ihre Kutsche anhalten, um aus zusteigen und sich nach der alten Frau zu erkundigen. Dabei erfuhr sie, dass es die Auszüglerin Sabine Müller geb. Noack aus Hohndorf war, welche gleichfalls in Prettin zur Kirche gewesen war. Da sie in der Gewitterschwüle nicht mehr weiter konnte, half sie ihr und nahm sie in ihrem Wagen mit und fuhr sie nach Hause. Auf dem Wege nach Hohndorf zurück fasste sie den Entschluss, dem kleinen Hohndorf eine eigene Kirche und Schule zu bauen, um den Alten des Dorfes den weiten Weg zur Kirche und zum heiligen Abendmahl zu ersparen. Sie ging auch sofort an die Ausführung dieses Werkes; und noch in demselben Jahre wurde zügig gebaut. Am Fasten Sonntage des folgenden Jahres also 1620 schrieb sie eine Urkunde, nach welcher dem Lehrer Gehalt angewiesen und die Kirche mit 1000 Gulden dotiert wurde. Nach dieser Urkunde soll das Gotteshaus den Namen: „Kirche zu St. Hedwig“ führen. Es wird darin auch genau vorgeschrieben, wie der Gottesdienst von den beiden Geistlichen in Prettin abgehalten werden soll. Am 19. Oktober 1620 ließ sie in ihrer Gegenwart das neue Kirchlein durch ihren Hofprediger Michaelis einweihen, wobei ihr ganzer Hof zugegen war. Die bei dieser Feierlichkeit gehaltene Predigt soll in der Gemeide noch aufbewahrt sein.
Bernd Hopke
Annaburger Ortschronist

Quelle:
Julius August Richter; Handschrift „Chronik der Umgebung Prettin“; Kap.16; Übertragen von Hans-Albrecht Gäbel; 2003