Die Reformation in Prettin

Von den Anfängen der Reformation in Prettin und Umgegend.

Auszüge aus der Prettiner Leisegang-Chronik zur Reformationszeit 

„Die letzten katholischen und die ersten evangelischen Geistlichen in Prettin. Folgende Reihe der letzten katholischen Geistlichen ist aufgestellt:"
Martinus Huhn, ein Antoniermönch, 1401;
Humbert Bößeziel, 1420;
Henrikus Wyland, 1436;
Johannes von Strümer, 1438-1440;
Henri Nuland, 1451;
Augustinus Heber, 1487;
Konrad Dribelius, 1490;
Thomas Sängerus, 1502.
"Ob die Reihenfolge vollständig und unanfechtbar richtig ist, steht dahin. 1512 hat, wie im Kapitel 4 erwähnt ist, ein Pfarrer Johann Wulkenstein in Prettin eine Urkunde mitunterzeichnet. In alten theologischen Büchern des Pfarrarchivs, die zum Teil vermutlich zur Zeit des großen Stadtbrandes 1530 oder zu anderer Zeit uns aus anderem Anlaß in das Stadtarchiv gekommen sind, steht der Name Ambrosius Richards, Antonita, d. h. Ein Antoniermönch, der in Prettin Pfarrer war."
"Die ersten evangelischen Geistlichen sollen gewesen sein:"
1. Jakob Pastorius, ein Antoniter, 1529-1532;
2. Henrikus Wolkenstein, 1539, ein Bruder vielleicht oder Verwandter des oben henannten Johann Wulkenstein aus dem Jahre 1512 ?,
3. Ambrosius Pastorius oder Schäfer oder Scheffer, 1544;
4. Johann Faber, 1535;
5. Severin Schulze, 1546.
"Genauere Nachforschungen haben ergeben, daß diese Reihenfolge und die Zahlen hinter den Namen, auch die Namen selbst nicht unanfechtbar richtig sind.
Wenn es heißt, daß Jakob Pistorius im Januar oder Frühjahr 1529 als erster evangelischer Pfarrer hier eingeführt sein soll auf Anraten Luthers, so haben wahrscheinlich vor und neben ihm auch andere Geistliche bereits in Prettin gewirkt, wie denn schon seit 1519 evangelische Taufen und evangelische, deutsche Predigten und Abendmahlfeiern gehalten sind. Über Severin Schulze ist mehreres bekannt. Er war 25 Jahre Mönch, 16 Jahre in Eicha und Lichtenburg und 9 Jahre auf Wanderschaft. Er kannte den Ordensvorsteher, Präceptor Goswin von Orsoy, den ersten Kanzler der Universität Wittenberg, noch persönlich. Das Kloster muß er schon vor 1525 verlassen und bald darauf geheiratet haben, denn 1537 hatte er schon 6 Kinder, von denen, wie wir aus einem Briefe vom 28. Juni 1537 erfahren, 2 Mädchen bereits ziemlich lesen und schreiben können, so daß er wünscht, sie etwas anderes lehren und weiter ausbilden zu lassen. Sie waren also wohl 10 bis 11 Jahre alt. In dem genannten Briefe ist von seiner Abfindung aus dem Antonierkloster die Rede. Auch schreibt er darin, daß er als Pfarrer in Prettin bisher nicht soviel habe erwerben können, um sich ein eigenes Häuslein zu kaufen. Luther nahm sich seiner wiederholt an und trat für ihn in mehreren Briefen an den Kurfürsten, einem anderen an Reißenbusch und noch einem an den Vicekanzler Burkhadt ein. Schulze war höchst wahrscheinlich der Geistliche, für den Luther schon 1524 in einem Briefe vom 26. März dieses Jahres an Spalatin eine Unterstützung beim Kurfürsten zu erwirken bittet unter Hinweis auf den guten Ruf, den der Empfohlene in seiner Gemeinde hatte. Nach dem allen war Schulze sicher vor 1537, wahrscheinlich schon vor 1524 in Prettin Pfarrer oder Prediger neben einem Pfarrer. In späteren Jahren wird seiner in einem Briefe Luthers an den Kurfürsten Johann Friedrich vom 10.4.1541 erwähnt, in dem er ihn für die Pfarrstelle in Gera neben andern vorschlägt, endlich in einem Briefe an die Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg in Prettin vom 22.10. 1543, wo er von seinem Fortgang aus Prettin spricht. Er kam 1543 nach Belgern, wo er bis 1460 Pfarrer war.
Unter dem an 3. Stelle stehenden Geistlichen Ambrosius Pastorius ist wohl Ambrosius Scheffer gemeint. Für Scheffer las man Schüfer und übersetzte dies mit Pastor und Pastorius ins Lateinische. Seine Stellung war wohl die eines 2. Pfarrers neben eine 1. und 3. Ungewiß ist, ob er der Ambrosius Schaff de Kalor war, der 1503 nach Wittenberg kam, dort 1504 Baccalaureus und 1505 Magister wurde oder der Ambrosius Scheffek (k kann für r irrtümlich geschrieben sein), dem Luther zwei seiner Schriften mit eigenhändiger Einzeichnung des Namens Ambrosius Scheffek schenkte. Er ist mit Sicherheit erst verhältnismäßig spät als Prediger in Prettin nachzuweisen. 1540 oder 1541 schlägt Luther den Sohn des Predigers Scheffer zu Prettin wohl David Sch. für ein Stipendium von 10 Gulden vor auf drei Jahre, einen feinen Knaben. 1543 empfiehlt Luther ihn wieder und bittet untertänigst für den Prediger Magister Ambrosius in Prettin, der viel Kinder hat. Am 12.10.1543 wird Ambrosius Scheffer von Luther zu einem Pfarrer Jagen in Prettin, d.h. für die viel begehrte Pfarrstelle in Prettin, vorgeschlagen und der Kurfürst gebeten, er möchte bei dem Rat der Stadt und dem Kastenvorsteher (Kirchenkassenrendanten) dahin wirken, daß ihm seine bisherige Präbende, worunter jedenfalls das Einkommen der Predigerstelle zu verstehen ist, außer dem Pfarreinkommen gelassen werde. Da viele Kinder des Ambrosius Scheffer erwähnt werden, ist wohl anzunehmen, daß er schon längere Zeit er 1540 in Prettin war. Von seinem Tode wird erst 1547 mit Sicherheit gesprochen. Am 15.10.1547 empfiehlt Melanchthon den Sohn des erst verstorbenen Pastors Scheffer zu Prettin, David, für de Schuldienst in Eilenburg Wahrscheinlich ist der Vater aber schon 1544 gestorben, da Anfang Februar dieses Johann Faber als Pfarrer in Prettin genannt wird.
Der 3. Geistliche in Prettin zu Luthers Zeit war Johann Fabri, vielleicht schon 1529 als Kaplan neben dem Severin Schulze und später auch neben Scheffer. Er war, wie aus einen Weimarer Aktenstück hervorgeht, Augustinermönch in Neustadt a. Orla. Am 13.10.1543 schreibt die Kurfürstin Elisabeth an den Kurfürsten Johann Friedrich, sie wolle nicht immer mit den Beichtvätern wechseln und sich einen eigenen Hofprediger halten und zwar Johann Schmidt, der lange in Prettin ein Kaplan sei, also wieder ein anderer Prettiner Geistlicher außer den genannten. Luther erwähnt dies auch in seinem Briefe an die Kurfürstin Elisabeth vom 22.10.1543. Vermutlich wurde Faber Scheffers Nachfolger 1544, nachdem er vorher die Hofpredigerstelle bei der Kurfürstin Elisabeth bekleidet hatte. Luther dankte am 10.2.1544 der Kurfürstin, daß sie der Gemeinde zu Liebe eingewilligt habe, den Fabri aus der Hofpredigerstelle zu entlassen, so daß er Stadtpfarrer werden konnte. So war denn 1543-1544 Scheffer Pfarrer und Diakonus oder Prediger in Prettin, Faber Kaplan und Hofprediger der Kurfürstin. 1544 wurde Faber Pfarrer. Diakonus wurde Valentin Kuno oder Kühne aus Mittweida, infirmus baccalaureus in Torgau, ordiniert d. 23.2.1545 (Ordinationsbuch Nr. 570). Er war 9 Jahre Diaakonus und kam dann als Pfarrer an Fabris Stelle.

Soweit aus den Aufzeichnungen des evangelischen Superintendent Leisegang. Er stützte sich dabei zum großen Teil auf eine noch ältere Handschrift von Oberfarrer Buch aus dem Jahre 1833. Die Aufzeichnungen vom Superintendent Leisegang wurden mir als Abschrift von Herrn Hans-Albrecht Gäbel ehemaliger Uhrenmeister aus Prettin zur Verfügung gestellt. Er hat diese handschriftliche Chronik, die für die heutige Generation in der kaum noch lesbaren Sütterlin-Handschrift vorlag, abgeschrieben und damit für uns erhalten. Der Originaltitel lautete: „Die Geschichte der Stadt Prettin und ihrer nächsten Umgebung dargestellt von Superintendent Leisegang – Kapitel 1.; In ältester Zeit; aus einer von Superintendent Buch 1833 begonnenen Chronik Prettins“

Bernd Hopke
Annaburger Ortschronist

 

Quelle:
„Die Geschichte der Stadt Prettin und ihrer nächsten Umgebung dargestellt von Superintendent Leisegang - Kapitel 1.; In ältester Zeit; aus einer von Superintendent Buch 1833 begonnenen Chronik Prettins; Übertragen von Hans-Albrecht Gäbel; 2007; handschriftlich, unveröffentlicht