Ostern

OstErn (Ostereier)

Das Suchen der Ostereier ist ein beliebtes Spiel für die Kinder zur Osterzeit, hat aber wie alle Volksbräuche einen tieferen Sinn.
Für die Kinder in Annaburg gehörte das Ostereierkullern in den Kullerbergen (Hühnengräber im Tiergarten) dazu.

Zu der Zeit wo überall das Leben wieder erwacht (Frühling) erscheint das Ei als besonders lebenskräftig und wunderwirksam.
Vom Genuss des Ostereies versprach man sich Segen jeder Art für das ganze Jahr. Die junge Frau muss an ihrem Hochzeitstag ein Ei essen, oder bekam eins ins Kleid gesteckt.
Das Schenken der Eier war an manchen Orten auch mit dem Schlag der Lebensrute verbunden. Auch die Saaten fördert man durch Eierzauber. Die Schalen der Eier werden unter den Flachssamen gemischt. Ein Ei wird im Frühjahr in den Acker vergraben. Beim ersten Pflügen lässt man den Pflug über ein Ei gehen. Bei Neubauten werden Eier in die Häuser eingebaut, um das Haus gegen Unglück zu sichern.

Ausgeblasene bzw. Hartgekochte und oft kunstvoll dekorierte Eier als Oster-Dekoration in unserer auch slawisch geprägten Heimat stellt eine noch sehr lebendige Kunst dar. Gern wurden diese Eier an einen Strauß aus Birkenzweigen – den so genannten Osterstrauß – gehängt oder kunstvoll manchmal gemeinsam mit anderen Gaben in ein Osterkörbchen dekoriert. Oft isst man relativ einfach dekorierte Eier.

Für den Ursprung des Brauchs gibt es verschiedene Theorien.

Bereits in vorchristlicher Zeit wurden – oft rote – Eier als Fruchtbarkeitssymbole verschenkt. Das Färben von Eiern zu Ostern ist eine weit verbreitete christliche Tradition, die von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa bekannt ist
Fleischgenuss ist (war) Katholiken und orthodoxen Christen während der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern verboten; Eier wurden als „flüssiges Fleisch“ mitgerechnet. So entstand ein Überangebot und man hat die Eier abgekocht, um sie haltbar zu machen.
Andere Historiker stellten fest, dass der Zehnt, die Steuerabgabe der Bauern an ihren Grundherren, im Mittelalter im Frühling in Form von Eiern am Gründonnerstag gezahlt wurde, da es durch die vorösterliche Fastenzeit und gleichzeitig erhöhte Legefreudigkeit der Hennen zu einem Eierüberschuss kam (ähnlich den Martinsgänsen, die im November „fällig“ wurden, weil die Weidezeit vorbei war).
Überzeugender ist jedoch die Herkunft vom jüdischen Passah- (oder Pessach-) Fest, dem das christliche Osterfest entspringt. Seit Urzeiten werden beim Passahfest Eier gegessen – als Symbol der Dankbarkeit für den Jerusalemer Tempel, in dem Gott wohnt.
Allgemein gilt in der Kunstgeschichte das Ei als Symbol für die Auferstehung – auf alten religiösen Gemälden meist im Hintergrund.

Erste Erwähnungen von gefärbten Ostereiern in Deutschland stammen aus dem 16. Jahrhundert. Eine erste Erwähnung des Brauches, die Eier für Kinder zu verstecken, stammt aus dem Tagebuch des Abtes Jakob v. Schluttern für das Jahr 1691. Den Kindern wurde erzählt, dass diese Eier -je nach Region- vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen stammen. Erst in historisch neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt.

< zurück >

Bernd Hopke

Quelle:
Material des Vereins für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg
Wikimedia Foundation Inc. unter http://de.wikipedia.org/wiki/Osterei (Zugriff 01.2008)