krischeln

 und „auskarren“


Die jungen Mädchen des Dorfes gingen in den Wintermonaten in den Häusern der Reihe nach spinnen. In jedes Haus eine Woche lang. Hierbei wurde viel erzählt, gelacht und gesungen. Jeden Dienstag und Freitag durften die jungen Burschen des Dorfes mit in die Spinnstube. Da wurde dann meist „gekrischelt“, d.h. den Mädchen wurde der Wocken aus dem Spinnrad gezogen. Wollten sie ihn wieder haben, musste dieser ausgelöst werden. Mit Volksliedern und Gesellschaftsspielen verging die Zeit. Manchmal zog man auch die Pantoffel und Strümpfe aus und drehte sich zur Harmonika im Kreise. „Auskarren“ nannte man den Tanz.
Das Spinnrad bestand aus: Netztöpfchen, Wirtel, Flügel, Wocken, Spule und Haspel.

Alte Sprüche zum Flachs:

„Der Flachsrocken muß krachen, der Wergroggen muß lachen“.

„Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch an‘ s Licht der Sonne“.

„Ich wachse aus der Erde und kleide jedermann,
vom Kaiser und vom König, bis auf den Bettelmann.
Lein säe dick !“

„Verhaspel dich nicht!
– Er haspelt seine Rede ab – du spinnst – du spulst –
du spinnst einen langen Faden.“

„Selbst gesponnen, selbst gemacht, rein dabei ist Bauerntracht“

< zurück >

Bernd Hopke

Quelle:
Material des Vereins für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg
Wilhelm Leps, Marzahna 1933