Schiffbar?

1721 Schiffbare Elster – Pläne nichts als Pläne


Benötigte man die Schwarze Elster als Wasserstraße zur damaligen Zeit in Sachsen?
Das politische und daher auch wirtschaftliche Zentrum war Dresden und schon lange nicht mehr der Kurkreis um Wittenberg. Die Schwarze Elster führt nicht nach Dresden, ins Zentrum von Sachsen. Sie schlängelte sich wohl eher im Grenzgebiet zu Preußen entlang. Die alten Handelsstrassen kreuzen die Schwarze Elster ohne an ihr entlang zuführen. Einzig die Salinen bei Halle waren im direkten Wege von uns über die Schwarze Elster erreichbar.
Im Gegensatz zu Berlin (Preußen) liegt Dresden an einer sehr alten Wasserstrasse, der Elbe. Damit hatte man über die Hansestadt Hamburg einen Zugang zum Meer.
Wozu braucht man die Schwarze Elster als Wasserstrasse, wozu viel Geld investieren, welches woanders eingesetzt mehr Gewinn bringen kann?

Was hatten wirtschaftlich die Gebiete im mittleren und unteren Elsterlauf zu bieten. Landwirtschaft, Fischerei und Tuchmachergewerbe – ansonsten viel Wald – der Energiehauptlieferant der damaligen Zeit. Landwirtschaftliche Produkte wurden kaum exportiert, die Produkte des Tuchmachergewerbes konnten über die Landwege transportiert werden. Einzig die zwingende Gewinnung und Nutzung des Holzes würde einen solchen gesellschaftlichen Kraftakt wie den Ausbau der Schwarzen Elster zur Wasserstraße rechtfertigen. Die Lage des Flusses und die damaligen technischen Vorraussetzungen würden aber nur eine vorrangige Nutzung des Holzes flussabwärts ermöglichen. Dadurch war die Nutzung des Holzes vorrangig für den Export bestimmt.
Leider waren die damaligen Entscheidungsträger nicht in erster Linie Händler. Die Kurfürsten waren an eine wirtschaftliche Stärkung ihrer Länder interessiert, aber in erster Linie ging es Ihnen darum, Luxusgüter im eigenen Land zu produzieren und so teure Importe zu verhindern.

Wie sah es aber nun in unseren Wäldern zur damaligen Zeit eigentlich aus?
Das äußere Waldbild lässt sich dem Grundriss nach wiederherstellen, indem man als Schema die stärkste Ausplünderung des Waldes in der Nähe der Siedlungen anzunehmen hat. Der Wald war von da nach seinem Innern hin stets dichter, besonders, wo es sich um große Waldblöcke handelte, deren innerer Kern auch noch im jagdlichen Sinne genutzt wurde. Wo das Auge einer Obrigkeit öfters nach dem Wald, wenigstens von außen schaute, kam auch das Umgekehrte vor. Die raubende und klaubende Bevölkerung verschonte die Waldränder, um die laxe Aufsicht in Sicherheit zu wiegen um desto gründlicher die ferneren Waldteile ausplündern zu können (W. Arndt).
Aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind vor allem durch die »Forstordnungen«, so auch unsere schon behandelte Schradenordnung, viele Zeugnisse der damaligen Landesherren entstanden. Aus denen ersehen wir, dass durch die Entwicklung der Wirtschaft in Sachsen, wie in den anderen Ländern, der Rohstoff Holz knapper geworden war und mit ihm sparsamer umgegangen werden musste.
Die Bestrebungen dieser Zeit führten zu den hoffnungsvollen Anfängen einer forstwirtschaftlichen Entwicklung, welche die bisherige regellose Holzentnahme abzulösen begann. Leider wurde diese Entwicklung durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) jäh unterbrochen. Während dieses unheilvollen Krieges kam es in weiten Teilen Sachsens zu einer Verminderung der Bevölkerung um zwei Drittel der ursprünglichen Anzahl. Weite Landesteile waren schrecklich verwüstet und ganze Gegenden zur Einöde geworden. Viele Äcker konnten nicht mehr bebaut werden und der Wald breitete sich auf ihnen wieder aus. Das vor dem Krieg knapp gewesene Holz reichte jetzt für den Bedarf der verringerten Bevölkerung. Es verging über ein Jahrhundert, bis sich Sachsen wirtschaftlich und kulturell erholt hatte. Nach Beseitigung der Kriegsfolgen und der Verelendung setzte um die Mitte des 18. Jahrhunderts erneut ein wirtschaftlicher Aufstieg ein. Trotz der Erholungsphase befanden sich die Wälder insgesamt in einem sehr schlechten Zustand. Die Bauern, die ihr Vieh im Walde weideten, hatten Interesse daran, dass dort viel Futter wuchs. Deshalb waren sie bestrebt, viele holzleere Flächen (Blößen) oder nur gering bestockte Teile (Räumden) zu schaffen und zu erhalten. Die reinen Zweckhiebe erzeugten das Bild eines unregelmäßigen und unsystematischen Plenterwaldes, den man häufig mit größerem Recht Plünderwald genannt hat. War dieser Wald dem Weiden der Haustiere ausgesetzt, so war seine Wiedererneuerung bedroht, wenn man nicht einen einzelnen Waldteil vorübergehend der Weide vorenthielt, namentlich dort, wo junges Holz auf größerer Fläche überwog.
Der Wald war gelichtet und musste in Ordnung gebracht werden, um den steigenden Anforderungen der Wirtschaft, der sich allmählich entwickelnden Industrie gerecht zu werden. Man half sich und legte mittels Strohwischen, Gattern oder selbst durch Gräben getrennte Schonungen („Heiung“) an. Wenn dann nach längerer Zeit die Schonung dieser Fläche aufgehoben und eine andere Fläche eingerichtet wurde, hatte man den Anfang eines schlagweisen Betriebes. So entstand damals die deutsche (preußische) Forstwirtschaft ab der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein.
Bis man planmäßig die geschonten Bestände verwerten konnte, musste das benötigte Holz anderswo beschafft werden. Der Dresdener Hof war gezwungen, auf Importe aus Böhmen zurückzugreifen, weil die Bestände im Erzgebirge nichts mehr hergaben.
Um das Geld nicht für die Importe ausgeben zu müssen, suchte man nach Alternativen.
Zur Zeit des „Großen Kurfürsten – August des Starken“ – 1697 bis 1733, gab es deswegen Überlegungen und Untersuchungen zur Verbesserung der Wasserverhältnisse an der Schwarzen Elster. Der Elsterfluss sollte ähnlich der Aktivitäten in Preußen schiffbar gemacht werden. Bei der Schiffbarkeit ging es vor allem um Holztransporte, natürlich auch um den Transport von kleineren Gütern und auch Personen. Die dazu durch den Kurfürsten angeordneten Untersuchungen erbrachten aber den Nachweis der immensen Schwierigkeiten im vorgesehenen Flussbereich.
Es müssten an geeigneten Stellen Schleusen errichtet werden, Flachstellen wären zu beseitigen; auch die Wassermühlen standen dem Schiffsverkehr entgegen. Flussarme müssten abgetrennt oder Begradigungen durchgeführt werden. Die jährlich wiederkehrenden Hochwasser bildeten ein weiteres Hindernis.
Wären diese Pläne wie damals vorgesehen, in Angriff genommen worden und in die Tat umgesetzt, hätte dies zu einem wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen.
Aber auch die ab 27. Oktober 1721 von zwei Sachverständigen durchgeführte Besichtigungsfahrt von der Mündung der Schwarzen Elster stromaufwärts bis zur Lausitz war diesem Vorhaben nicht dienlich. Nach Beendigung der Befahrung am 5.November stellten sie in ihrem Bericht fest:

„Dieses Vorhaben ist zu kostspielig, Es müssten 13 Schleusen angelegt werden. Häfen müssten gebaut und der Flusslauf an vielen Stellen vertieft werden. Auch Begradigungen wären an einigen Stellen notwendig.“

Die im Fluss vorhandenen Furten zum Queren mit Fuhrwerken blieben unerwähnt, genauso daraus resultierende notwendige Brücken.

Bernd Hopke

Quellen:

• F.Stoy „Schwarze Elster“ 1928 (59-60)
• Otto Heintze, Die Schwarze Elster
• Stoy, Die Schwarze Elster 7/1940
• G. Erfurt; Elsterbuch, Die Schwarze Elster unser Heimatfluss; Jessen 2007
• Dietrich Hanspach: „Der Schraden“;Böhlau Verlag 2005