Der Floßgraben

Der Gohra-Elsterwerdaer Floßgraben 1740/44

Holz für den Dresdener Hof


Holzmangel in der Landeshauptstadt in Dresden und leere Kassen führten zu Überlegungen unter dem sächsischen Minister, den Grafen Brühl, teure Importe von Holz durch Nutzung der kurfürstlichen Wälder zu ersetzen. Dresden und das Meißner Land deckten früher den Bedarf an Holz durch die Elb- und Weißeritzflößerei aus den erzgebirgischen Wäldern. Aber die gaben nun nicht mehr so viel her. Für die Verwendung von Kohle zu Heizzwecken hatte man noch nicht die entsprechenden Öfen. Zumal war man davon überzeugt, dass durch die Benutzung der Kohlen allerlei Krankheiten entstehen könnten. Deshalb wurden ungeheure Mengen an Holz verbraucht. Durch das alljährliche Abholzen hatten die erzgebirgischen Wälder schon erheblich gelitten, so dass man immer mehr auf die böhmische Holzzufuhr angewiesen war. Dadurch ging aber sehr viel Geld außer Landes, während in den Ämtern Liebenwerda, Elsterwerda, Finsterwalde, Senftenberg und Annaburg die Bäume in den kurfürstlichen Heiden ungenutzt zugrunde gingen. Unter August dem Starken wurde dieser Holzmangel immer fühlbarer.
Nun war man auf die Tatsache gestoßen, dass es ja einen größeren künstlichen Wasserweg von 6 bis 8 Meter Breite durch die ganze Lochauer Heide gab. Gemeint war der „Neugraben“ in der Annaburger Heide. Dieser Graben wurde nach Fertigstellung gelegentlich auch zur Holzflößerei benutzt. Dadurch konnten nur die nächstgelegenen Gebiete mit Holz aus der kursächsischen Heide versorgt werden. Angedacht war, das Holz aus der kurfürstlichen Heide zunächst auf der Schwarzen Elster bis zu ihrer Mündung bei dem Dorfe Elster zu flößen. Von dort wollte man das Holz auf Lastschiffen elbaufwärts bis Meißen und Dresden bringen.
Die Schaffung des auch als Hauptfloßgraben benannten Gohra-Elsterwerdaer Floßgraben erfolgte im engen Zusammenhang mit dem zur gleichen Zeit geplanten Elbe-Elster-Kanal, dem Grödel-Elsterwerdaer Floßkanal. Er wurde 1740-1744 angelegt unter der Bauleitung von JOHANN MÜLLER und diente wie auch der südlich von Elsterwerda beginnende Floßkanal zur Holzversorgung der Stadt Dresden und der Gegend zwischen Torgau und Meißen. Er erhielt sein Wasser über ein System von Wasserstauen u.a. vom Neuen Teich (südlich von Gohra, durch den Landverbrauch des Braunkohlenbergbau abgetragen), vom See-Teich (südlich von Lichterfeld, ebenfalls abgetragen) und vom Mahlenz- und Schneidemühlenteich (südlich von Nehesdorf), die sich bei Sorno vereinigten. Der Graben war 10-12 Ellen (5,60-6,70 m) breit und hatte aufgrund der sandigen Bodenbeschaffenheit eine zur damaligen Zeit übliche Uferbefestigung aus Fichtenreisig.
Das interessante an diesem rein zu Floßzwecken errichtete Wasserbauwerk war die Tatsache, dass er nur beim Flößen Wasser führte. Ansonsten war er die meiste Zeit trocken. Bei Plessa mündete der Floßgraben in die Schwarze Elster. Zum Wasserstau dienten außer den erwähnten Teichen noch sieben so genannte Polterwehre und weitere Wehre (u. a. bei Oppelhain und am Döllinger See). Die Baumstämme wurden einzeln bis zur Mündung bei Plessa heruntergeschwemmt. Von dort, über die Schwarze Elster, gelangte es dann bis zur Hammermühle, wo sich ein Floßrechen befand, der das Holz in den Floßgrabenabschnitt durch den Schraden leitete. Von dort gelangte es über die „Neue Pulsnitz“ bis Elsterwerda. Hier wurde es schließlich über Holzrechen in der Pulsnitz in einen der drei Auswaschgräben des Holzhofes gezogen. Der Wasserstand dort wurde über zwei Wehranlagen gesichert. Zu diesem Holzhof wurde auch auf dem Landwege Holz mit Fuhrwerken aus den Dobraer Waldungen transportiert. Insbesondere nach den Flussregulierungen wurde beklagt, dass bei starkem Hochwasser infolge Rückstaus die ganze rechtsseitige Elsterniederung zwischen Plessa und Mückenberg unter Wasser gesetzt wurde. Im Ergebnis des Braunkohlenbergbaues veränderten sich die Einzugsgebiete des Floßgrabens. So entwässern Teile von ihm heute mehrere Tagebaurestseen. Die einstigen Teiche fielen dem Braunkohleabbau zum Opfer oder sind durch die Grundwasserabsenkung trocken gelegt.

Bernd Hopke

Quellen:

• F.Stoy „Schwarze Elster“ 1928 (59-60)
• Otto Heintze, Die Schwarze Elster
• Stoy, Die Schwarze Elster 7/1940
• G. Erfurt; Elsterbuch, Die Schwarze Elster unser Heimatfluss; Jessen 2007
• Dietrich Hanspach: „Der Schraden“;Böhlau Verlag 2005