Wassermühlen

Wassermühlen an der Elster

erster nichtorganischer Energieträger

Die Erfindung des Wasserrades stellte einen Meilenstein in der Entwicklung der Technik dar.
Sie ist aber keine deutsche Erfindung. Die Wassermühlen gehen auf Schöpfräder zum Heben von Wasser hervor. Solche Schöpfräder sind seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen verbreitet, etwa in Ägypten, Syrien, Indien und China. Man geht davon aus, dass die ersten Wasserschöpfräder um 1200 v.u.Z. in Mesopotamien betrieben wurden.

Die Nutzung der Wasserkraft für die Mahlmühle wurde von den Römern nach Europa gebracht. So gab es bereits im 9. Jahrhundert viele Mühlen in Zentralfrankreich. Seit dem 12. Jahrhundert waren sie in Mitteleuropa weit verbreitet. Eine ausreichende Wasserversorgung war ein wichtiger Punkt in der Standortbewertung der damals entstehenden Mühlen; im Gegensatz zu anderen Standortkriterien in der heutigen Zeit. Ein wesentlicher Punkt im Feudalismus waren auch die notwendigen Wasserrechte, um ein Wasserrad zu betreiben.
Aus diesem Grund lagen die Mühlen im Mittelalter meist im Besitz der Klöster und der Grundherren (Feudalherren) und wurden auch durch sie errichtet.

Im Mittel- und Unterlauf der Schwarzen Elster wurden auf Grund des geringen Gefälles nur unterschlächtige Wassermühlen errichtet. Bei diesen fließt das Wasser unter dem Rad in einem Kropf durch. Der Kropf ist eine Führung, welcher dem Rad breitenmäßig angepasst ist. Er verhindert, dass Wasser unterhalb und seitlich der Schaufeln abfließt, ohne es anzutreiben. Die Kraftübertragung geschieht über Schaufeln. Zur damaligen Zeit bestanden diese in ihrer einfachsten Form aus einem Holzbrett, bessere Wirkungsgrade wurden jedoch erst später mit speziell gebogenen Blechschaufeln erzielt.

Das Einsatzgebiet der unterschlächtigen Wassermühlen liegt bei einem Gefällen von 0,25 bis 2 m und Wassermengen über 0,3 m³/s. Daraus ergibt sich eine Leistung im ein- bis zweistelligen kW-Bereich. Unterschlächtige Wasserräder werden bei Umfangs-geschwindigkeiten von 1,6–2,2 m/s betrieben, wobei diese Größe ein Erfahrungswert darstellt. Wegen des geringen Gefälles steht das Wasserrad normalerweise direkt beim Wehr.
Für das Aufstellen der Wassermühlen mussten die oberhalb der Mühle befindlichen Flussbereiche auf wenigstens 1-2 m angestaut werden.

Im flachen Elstertal wurden dazu die Wassermühlen meist unter Ausnutzung einer Flussschlinge angelegt. So konnte wenigsten durch die erzielte Laufverkürzung des Flusses ein kleiner Höhenunterschied erreicht werden (so bei der Löbener, Schweinitzer und Jessener Mühle noch gut auf der Karte von 1900 erkennbar).
An anderen Standorten wurden die Mühlen sicherlich auch an Stellen angelegt, die bereits durch natürliche Anstauungen das erforderliche Gefälle aufwiesen.

Die ersten künstlichen Wasserstaus sind an der Schwarzen Elster und ihren Nebenflüssen entstanden.

Diese Staustuffen im Fluss bilden die ersten wesentlichen Eingriffe in die Gewässerstruktur und den Feststoffgehalt des Flusses. Aber nicht nur durch die Staustufen haben ändernd in die Fließverhältnisse am Fluss eingegriffen, sondern auch durch die ordnende Hand des Menschen (z.B. beim Flössen) am Fluss selbst. Hindernisse galt es im Vorfeld der Mühlen zu beseitigen, wie störende Vegetation, Totholz, Sandbänke ect. – war man doch am ungestörten Fließen des Flusses interessiert.
Auch wenn diese Aktivitäten nur sporadisch erfolgen konnten – ab dieser Zeit arbeitete man der natürlichen Flussverwilderung entgegen.

Erste Mühlen werden erwähnt:
• Die Arnsnestaer Mühle ist über Jahrhunderte ein alter Mühlenstandort. Als Getreidemühle, noch ohne Hammer, wird die Mühle bereits im Jahre 1381 genannt. Im Jahre 1421 wird schon urkundlich erwähnt, dass eine Mühle und ein Hammer bestanden. (Anlässlich der Verleihung des Kirchenpatronats im Jahre 1421 wird der Hammer der Mühle ausdrücklich genannt). 
• Die Gründung der Mühle in Löben ist nicht datiert. Es ist aber zu erfahren, dass 1390 Herzog Rudolf die zwei Brüder Globig mit Haus und Vorwerk in Loben belehnt hat. Im Jahre 1422 hat Hans von Köckritz das Vorwerk, den Sadelhof, die halbe Flutrinne der Mühle sowie die zugehörigen 42 Groschen Zins und vier Hüfner als Besitztum.
• Die Mühle bei Schweinitz im Dörfchen an der Elster wird Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt. Von 1456 ist zu erfahren, dass die Mühle zu Schweinitz verpachtet wurde.
• Die genaue Bauzeit der Wassermühle an der Schwarzen Elster in Jessen ist nicht bekannt. Von 1419 - 1422 musste der Müller jährlich an das Amt Schweinitz zehn Schock Erbpacht bezahlen. Im Jahre 1510 wurde die Mühle ein freies Lehngut und somit verfügte der Kurfürst als Landesherr darüber.
• Die Mühle Mühlberg lag westlich der Elster auf Jessener Flur, die Bauzeit ist nicht ermittelbar. Von 1419 bis 1422 war der Müller abgabepflichtig an das Amt Schweinitz und musste jährlich drei Schock und 18 Groschen zahlen.
• Die Gorsdorfer Mühle gehörte den Besitzern des Rittergutes, die Bauzeit unbekannt. Erstmalig wurde im Jahre 1555 berichtet, dass Junker Hans von Reysen vom Kurfürsten mit der Mühle belehnt wurde und auch später bis 1573 seine Witwe, Euphemia von Reysen, geborene von Schlieben, die es bis dahin verwaltete.
• Bereits lange vor dem Dreißigjährigen Krieg stand in Holzdorf am Kremitzgraben eine Wassermühle. Durch die Kriegseinwirkungen wurde sie jedoch mit allen Nebengebäuden niedergebrannt und restlos vernichtet.
• In Prieschka wird die Mühle im Zusammenhang mit einem Neubau 1520 erwähnt. Eine Mühle soll es bereits vor diesem Datum in Prieschka gegeben haben. 1525 gehörte das Mühlengut einer Familie von Schleinitz.(de.wikipedia.org/wiki/Prieschka)
• Umgebung von Schloß Hoyerswerda zählten, (wo von 1705 an für mehr als drei Jahrzehnte die Reichsfürstin Ursula Katharina zu Teschen für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt hatte) 25 Mühlen. Eine davon, ist die erstmals 1569 schriftlich erwähnte Wassermühle bei Neuwiese. 
• Die Plessamühle kann ihre Geschichte bis 1420 zurückdatieren. Zwei Arten von Mühlen verrichteten hier ihre Arbeit – ein Schneid- und eine Getreidemühle.
• An der kleinen Elster lag die „Neue Mühle“ von Wahrenbrück. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Kloster „Dobrilugk“ 1248 als Kornmühle erwähnt.

Die viele Gräben, die in Dorfnähe die Äcker entwässerten und so nutzbar machten, leiteten nun aber auch das Niederschlagswasser schneller den Nebenflüssen der Schwarzen Elster zu.
Die angelegten Wasserstaue als Wasservorrat oder als Fischteiche im höher gelegenen Fläming oder im Gebiet des Lausitzer Rücken haben diesen höheren Wasserandrang nicht kompensieren können, da sie ja nicht für regulierende Zwecke errichtet wurden.
In den Nebenflüssen der Schwarzen Elster entstand bei Regen zunehmend Rückstau, also wurde zum Schutz der Siedlungen weitere Begradigungen und Laufverkürzungen an den Fluss und Bachläufen durchgeführt. Lange, bevor man regulierend in die Schwarze Elster eingriff, meliorierte man ihre Nebenflüssen im gesamten Einzugsgebiet. Immer stand dabei die Abwehr von Wasserschäden zum Schutze der Anbauflächen im Vordergrund, es ging in erster Linie um ein schnelleres Abfließen der Wassermassen nach langen Regen- und Tauperioden.
Hier war es vom Menschen gewollt, das Wasser schneller abfließen zu lassen.
Anders sah es bei den entstandenen Brach- und Offenländer, die auf Grund des Holzbedarfes anstelle der ehemaligen Wälder und Flussauen traten, aus. Die fehlende Vegetation vermochte hier das Niederschlagswasser nicht lange zu halten; auch hier erfolgte jetzt schneller die Zuleitung des Wassers zur Elster.

Die Wehre der Mühlen taten ihr übriges. Im Bestreben, auch in der niederschlagsarmen Zeit noch über genügend Wasserkraft (Gefälle) zu verfügen, wurde so hoch wie möglich gestaut. Das Wasser konnte hier nicht mehr ungehindert abfließen.

Alles zusammen, Mühlenstaue, Entwässerung der neuerschlossenen Felder, Begradigungen und Uferverbau (Holzfaschinen) der Nebenflüsse im Bereich der entstandenen Ortschaften, Staue der Wassergräben als Schutzbauten um die Burg- und Stadtbefestigungen, Brücken und Dämme zur Querung von Feuchtgebieten, Abholzen der Wälder entlang der Nebenflüsse der Schwarzen Elster und Flößen mit der Entstehung von Trailerpfaden entlang der Fließgewässer, entstand im Zuge der Ostbesiedelung in einem relativ kurzen Zeitraum.

Sämtliche menschliche Einflüsse (andropogene) blieben aber bis zu dieser Zeit punktuell und ohne großräumigen Einfluss auf den Flusslauf der Schwarzen Elster. Im Gegensatz dazu haben die Veränderungen in ihrem Einzugsgebiet und in den Elsterauen schon früher spürbare und großräumigere Folgen gehabt. Nach BfG (Bundesanstalt für Gewässerkunde) wurden schon in den ersten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends u.Z. so intensiv Flächen im Bereich des Ober- und Mittellaufes der Elbe gerodet, dass es zu einer deutlichen Vergrößerung der Schwemmstoffmengen kam, die sich vor allem im Unterlauf ablagerten.
Wir erinnern uns noch an die Aussage, dass zum Ende der mittelalterlichen Warmzeit auch die Niederschläge zugenommen haben.
So blieben dann die ersten herben Hochwasserereignisse nicht aus. Die Siedlungen an der Schwarzen Elster litten nach deren Gründungen recht häufig an Überschwemmungen.

Bernd Hopke
Quellen:

E. Förster, Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster, Bücherkammer 2006
Bundesanstalt für Gewässerkunde; Historische Entwicklung der aquatischen Lebensgemeinschaft im deutschen Abschnitt der Elbe, 1994
Internet unter: www.neuwiese.de/landho 
Internet unter: www.de.wikipedia.org/wiki/Prieschka