Der Mensch erscheint

im Elstertal


Die ersten Menschen siedelten bereits am Ende der letzten Kaltzeit in der Mittelsteinzeit (ca. 8.000 -4.000 Jahre v.u.Z.) sich entlang der Schwarzen Elster an. Vor allem am Hang der Unterberge bei Jessen, aber auch auf den Sandinseln bei Hemsendorf und auch des Kiebitzberges bei Schweinitz, finden sich einfache Werkzeuge und Geräte aus Feuerstein . Die Menschen jener Zeit waren Fischer und Sammler. An den fischreichen Bächen und Flüssen baute man sich Kähne aus einem einzigen Baumstamm, sog. Einbäume, und erbeutete mit Angel und Netz die Fische der Elster. Daneben kündet sich aber bereits die neue Zeit an: Die Anfänge der Töpferei sind bereits in diesem Abschnitt zu belegen; die ersten Haustiere wurden jetzt gezüchtet. Den Beginn macht der Hund, es folgen das Torfschwein, so genannt, weil es in Mooren gefunden wurde, das Torfschaf, die Ziege und ein kurzhörniges Rind. Der Fundnachweis ist jedoch äußerst gering. Dies ändert sich in der anschließenden Jungsteinzeit (ca. 4.000 – 2.000 Jahre v.u.Z.).

Die Einführung des Ackerbaus und der Viehzucht brachte einschneidende Veränderungen in der Wirtschaftsweise mit sich. Die weiten Niederungen zwischen Elbe und Elster wurden besiedelt und es erfolgten in den Wäldern erste Rodungen.
Neben der Möglichkeit, dass die ersten Siedler zunächst einmal genügend offenes oder halboffenes Land vorfanden, welches allmählich erweitert der Kern seiner Siedlung wurde und sie dort Landwirtschaft betrieben, wurde Siedlungsraum durch Rodung geschaffen.
Wo auf Grund der Bodenverhältnisse kein Ackerbau betrieben werden konnte, überwog neben dem Fischfang die Viehwirtschaft. Der Auewald hat den Menschen nicht bloß auf der Stufe des Sammlers und Jägers beherbergt und ernährt, sondern auch noch, als er bereits Vieh züchtete. Der Wald bietet reichlich Nahrung für Mensch und Vieh. Aber nicht jeder Waldtyp verhält sich hierin gleich, am günstigsten bei uns war der Eichenwald. Seine Früchte mästeten nicht nur die Schweine, sondern sind auch sicher vom Menschen gegessen worden. Unter seinem lichteren Schirm gedeihen viele Arten Sträucher, die zwar den Verkehr erschweren, von denen aber manche, namentlich die Hasel, ebenfalls wichtige Nahrung spendeten. Das Laub der Sträucher, soweit sie unbewehrt sind, Gräser und Kräuter lieferten keine schmale Kost.
Auch war man schon in der Lage, neben den Einbäumen, Flöße aus mit dem Bast der Linde verbundenen Stämme herzustellen, die Mensch und Vieh zu tragen vermochten und konnten so den Lebensraum entlang der Schwarzen Elster mit ihren Inseln für sich erschließen. Funde aus dem frühen Neolithikum (Stichbandkeramik) weist eine Siedlungsstelle bei Jessen auf, die von nun an immer wieder bewohnt wurde. Verzierte Scherben aus dem Mittelneolithikum (Kugelamphorenkultur, BEIER 1988) und dem Spätneolithikum belegen dieses .
Diese Funde verbinden das Elbe-Elster-Gebiet mit überregionalen Kulturen, die schon eine frühzeitig bestehende Einbindung dieses Raumes in die europäische Urgeschichte aufzeigen. Die Siedlungsstellen finden sich entlang der zahlreichen Wasserläufe, jedoch vor allem auf hochwasserfreien Anhöhen, z. B. bei Purzien, Annaburg und Klossa. Inwieweit das Fehlen von Bestattungen aus dieser Zeit forschungsgeschichtlich zu begründen ist, bleibt abzuwarten.

Eine erhebliche Verdichtung der Besiedlung brachte die mittlere und jüngere Bronzezeit. Das Elbe-Elster-Gebiet stand zu dieser Zeit unter dem Einfluss der Lausitzer Kultur, die ein Gebiet von der Elbe bis zur Weichsel erfasste. Aus dieser Epoche stammen die ältesten erhalten gebliebenen und oberirdisch sichtbaren Bodendenkmale dieses Raumes, die Hügelgräberfelder. Die Toten wurden verbrannt und in Urnengräbern beigesetzt. Die Gräber bestanden oftmals aus sehr zahlreichen Gefäßen und wurden abschließend durch einen großen Erdhügel überwölbt. Die Hügelgräberfelder haben sich in Waldgebieten gut erhalten. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sind die Grabhügel jedoch durch die Beackerung weitestgehend abgetragen worden und oberflächlich daher nicht mehr erfassbar. Im Luftbild können eingeebnete Hügelgräberfelder jedoch oftmals noch sehr gut als Kreise erkannt werden, so z.b. bei Holzdorf. Zwischen den Grabhügeln ist darüber hinaus mit ausgedehnten Flachgräberfeldern zu rechnen. Die Grabhügel sind verstärkt der Zerstörung durch Raubgrabungen ausgesetzt worden.

Aus der Bronzezeit stammt auch der Burgwall von Gerbisbach, der die gewachsenen ökonomischen Fähigkeiten andeutet und auf gesellschaftliche Differenzierungen innerhalb der bronzezeitlichen Gesellschaft hinweisen dürfte. Ein 1995 östlich von Gerbisbach empor gepflügtes Stück Eisenschlacke enthielt Holzkohlereste, die durch Herrn Prof. Dr. MEBUS GEYH (NLfB Hannover) mittels 14C-Analyse datiert werden konnten. Hiernach lag ihr konventionelles Alter bei 1305±200, das kalibrierte Alter bei A. D. 570—970. Funde aus der Eisenzeit zeigen, dass der Burgwall auch in späterer Zeit noch seine Verwendung fand.

Die Kenntnis der Eisenverarbeitung brachte in der anschließenden vorrömischen Eisenzeit (750 v. u. Z.-400 u. Z.) wieder verstärkt Kontakte mit dem süddeutschen Raum, wie einzelne Funde von Importkeramik und entsprechende Metallteilen beweisen. Hier sind besonders Fundstellen im Gebiet von Gerbisbach und Hemsendorf zu nennen. Eisenzeitliche Siedlungen finden sich nun jedoch in fast jeder Gemarkung, insbesondere bei Annaburg und bei Schweinitz. Auch in dieser Zeit wurden die Toten verbrannt. Bislang sind aus diesem Gebiet zahlreiche Urnengräberfelder bekannt geworden. Die intensiven überregionalen Kontakte lassen sich auch in der anschließenden Periode, der sogenannten römischen Kaiserzeit, nachweisen. Einzelne römische Münzen weisen auf einen weitreichenden Handel in dieser Zeit hin.

Für einzelne Gemarkungen wie Schweinitz, Klossa, Plossig, Lebien und Purzien zeigt sich in dieser Zeit eine erhebliche Verdichtung der Besiedlung. Von besonderer Bedeutung ist auf Grund der zahlreichen Metallbeigaben ein germanisches Brandgräberfeld des 3. bis 4. Jahrhunderts bei Schweinitz.

Die hier ansässigen Menschen gehörten zu den Germanen zum Stamm der Hermanduren (spätere Thüringer), aber auch Semnonen, Sueben oder Burgunder sind nicht ausgeschlossen.

Mit dem Eindringen der Römer im Süden und Westen Mitteleuropas begann auch die historisch besser verfolgbare Zeit. Tacitus schreibt in seinem Buch »Germania«:

 »Ein Land, schrecklich wegen seiner dunklen, undurchdringlichen Wälder und scheußlich wegen seiner vielen Sümpfe.«

Auch wenn sich diese Beschreibung sicherlich nicht auf die Gegend der Schwarzen Elster bezog – passt diese Beschreibung durchaus zur Schwarzen Elster der damaligen Zeit.

In dieser Zeit belegen auch die ersten Funde die Nutzung von Raseneisenstein für die Verhüttung zur Eisengewinnung.

Die zahlreichen Fundstellen aus der archäologischen Periode der Römischen Kaiserzeit (0-375 u. Z.) sind an die Niederungsgebiete gebunden, in denen die Germanen den Raseneisenstein als Rohstoff für die Eisengewinnung vorfanden. Die noch heute vorhandenen Schlackereste finden wir im gesamten Gebiet des Altkreises Jessen.

Die Völkerwanderung (400—1100 u. Z.) brachte dagegen eine spürbare Ausdünnung der Besiedlung mit sich. Nur wenige eindeutige Fundstellen sind nachzuweisen. Ein vollständiger Bevölkerungsabzug ist jedoch nicht anzunehmen. Die entstandenen Freiräume wurden später von slawischen Bevölkerungsgruppen, den Wenden, genutzt. Bedeutendste Fundstelle dieser Zeit ist ein slawischer Töpferofen, der bei Kremitz an Schwarze Elster gefunden wurde.

Ihre Dörfer waren ring- oder hufeisenförmig vorrangig auf Anhöhen im Elstergebiet angelegt. Sie bestanden meist aus 2-5 Bauernstellen. Die kleinen grubenartig eingetieften Häuser maßen selten mehr als 25 m². Sie wurden aus Holz in Flecht- und Stab-, seltener in Blockbauweise errichtet. Es ist nachgewiesen, dass in derartigen Anlagen zumeist die Nachkommen einer Großfamilie lebten.

Vorrangig haben die Slawen in der Elsterniederung vom Fischfang und von der Weidewirtschaft gelebt. Das noch spärlich vorhandene Vieh wurde zum Weiden auf die vielen Inseln im Elsterfluss gebracht oder in die angrenzenden Wälder. Stellenweise haben sie aber auch in unmittelbarer Umgebung ihrer Dörfer, die in der Regel auf erhöhten Plätzen angelegt waren, auch Ackerbau betrieben.

Bevorzugte Feldfrüchte waren Hirse und Buchweizen. Auch der Flachsanbau, der Fischfang und die Bienenzucht wurden eifrig betrieben. Mit Wachs und Honig wurde ausgedehnt gehandelt.

Die Wenden errichteten auch eigene Befestigungsanlagen. Wir finden ihre Burgwälle in Prettin, Plossig, Battin und Steinsdorf. Aber auch im Mittellauf der Schwarzen Elster finden wir ihre Schutzanlagen z.b. in Zeischa die Harigsburg, die in unmittelbarer Nähe der heutigen Elsterbrücke gestanden haben soll; eine Schutzanlage der slawischen Ritterschaft unter dem Ritter Aribo erfahren wir aus späteren Aufzeichnungen. Zahlreiche Siedlungsstellen zeigen die recht dichte slawische Besiedlung. Gräberfelder sind bislang nicht bekannt geworden.
Die Wenden gehörten zum slawisch sorbischen Stamm der „Nizici

Zahlreiche Flur-, Berg-, Gewässer- sowie Ortsnamen (auf -itz, -o, oder -au, tzsch) bezeugen slawische Ansiedler. Sie errichten Burgen, diese Niederungsburgen im Bereich der Schwarzen Elster sind von einem Wassergraben o. Grabensystemen und von Wällen aus Holz und Erde umgeben. In Notzeiten dienen sie zur Verteidigung und zum Schutz der Bevölkerung. Somit rechnen sie noch zu den Fluchtburgen und werden erst in deutscher Zeit zu Herrenburgen. Im Zuge der deutschen Ostexpansion werden zahlreiche bislang slawische Burgen zu Verwaltungsmittelpunkten ausgebaut, sogenannten Burgwarden. Mit der Einbeziehung in den feudalen deutschen Staat endet für unser Gebiet die Zeit der Urgesellschaft.

Der Einfluss der Menschen der Urgesellschaft auf die Schwarze Elster war noch sehr gering, trotzdem war er schon vorhanden. Die direkt an der Schwarzen Elster im unteren und mittleren Lauf gesiedelt haben, ernährten sich überwiegend vom Fischfang und von der Viehwirtschaft. Aber die Menschen in der Oberen Lausitz betrieben auf den fruchtbaren Lehmböden schon verstärkt Ackerbau. Hier fielen schon frühzeitiger die großen Waldflächen der Brandrodung zum Opfer.

Der Verlust von Waldflächen aber bedeutete neben der Änderung der regionalen klimatischen Bedingungen auch eine Änderung des Abflussverhaltens nach Niederschlägen. Denn innerhalb eines Waldes bildet sich gegenüber „außerhalb“ ein eigenes Klima heraus – einmal bedingt durch den Schatten der Bäume, die zu einer wesentlichen Milderung der Sonnenstrahlenintensität führt – aber auch gegenüber dem Wind, der durch das Laub bzw. den Wald begrenzenden Unterholz seine Intensität gleichfalls einbüßt und nicht zuletzt, gegenüber den Niederschlag. Denn die Niederschlagsmenge wird durch das Laub gemindert aber gleichfalls wird durch das Laub die Verdunstung verringert – was bei Trockenheit dem Wald vor zu schnellem Feuchtigkeitsverlust bewahrt.

Das Quellgebiet der Schwarzen Elster änderte allmählich sein Gesicht. Die Verteilung Offenfläche (Nutzfläche) zur Waldfläche begann sich zu ändern. Damit aber auch das Rückhaltevermögen des Wassereinzugsgebietes gegenüber dem Niederschlag. Es begann sich unmerklich aber beständig zu verändern. Das Niveau zwischen Niedrig- und Hochwasser veränderte sich – jedoch anfangs noch unmerklich.

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Bernd Hopke

Ortschronist

Quellen
• P. Träger; Heimatkalender 1994
• Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloss Annaburg-eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
• Topografische Karte 4243; Erläuterungen GKV 25: 4243Jessen(Elster.