Zeit der Ostsiedlung

Der Mensch beginn Fluss und Landschaft durch sein Wirken zu verändern


Die Ostbesiedlung hinterließ in der gesamten hiesigen Landschaft ihre Spuren. Die Landschaft wurde mehr und mehr durch die menschlichen Bedürfnisse und Erfordernisse dauerhaft beeinflusst und verändert, sie wurde durch die nachhaltige Tätigkeit der deutschen Siedler zur Kulturlandschaft. Dabei wird die Schwarze Elster zum prägenden Element dieser Kulturlandschaft. Der wichtigste Faktor zur Herausbildung einer Kulturlandschaft ist die Nutzung der Landschaft als Wirtschafts-, Siedlungs- und Verkehrsraum. Genau dieser wirtschaftliche Prozess wurde durch die Ostsiedlung verstärkt in Gang gesetzt und änderte Aussehen und Erscheinungsbild der Schwarzen Elster.
Die erste Phase der Ostexpansion, die militärische Inbesitznahme, ging einher mit der Errichtung von Wehrbauten entlang der Elbe, wie z.B. Axien, Klöden, Pretzsch (981 bezeugt) oder auch Prettin (1012). Hier existierten Burgwarde, die zu den ersten deutschen Befestigungen östlich der Elbe gehörten. Dabei wurden zum Teil die ersten massiven Steinbauwerke, die durch Menschenhand in unserer Gegend überhaupt entstanden, errichtet.
Nach der militärischen Inbesitznahme, wurde die vorhandenen wendischen Siedlungen an die deutschen Adligen als Lehn vergeben. Die ansässigen Wenden wurden zu Hörigen. Sie mussten für ihre Herren wirtschaften und Naturalabgaben aber auch Dienste leisten.
Die Elsterlinie wurde erst im 12. Jh. militärisch gesichert, so erfolgte die Befestigung zur Sicherung des Flussübergangs bei Jessen um 1290 durch einen Burgwall (RODE 1977). Hier erbrachten die wissenschaftlichen Untersuchungen des Landesamtes für Archäologie wertvolle Erkenntnisse. Danach wurde im Verlaufe des 12. Jahrhunderts ein Sandhügel errichtet und mit einem hölzernen Wohnturm versehen. Im 13. Jahrhundert wurde dieser Hügel mit einer bis zu 5 m hohen Steinmauer gesichert und im Inneren dicht bebaut. Die gesamte Anlage ist im 14. Jahrhundert durch einen Brand vernichtet worden. Von einer sich daraus entwickelte Siedlung „civitas“ sprach man erst 1350.
Die Niederringung der Wenden im Einzugsgebiet der mittleren und unteren Schwarzen Elster gestaltete sich ausgesprochen schwierig. Nicht nur wegen dem landwirtschaftlich schlecht nutzbaren Land haben die Wettiner es den Grafen von Brehna überlassen. Denn die Oberlausitz versprach höhere Erträge. Auch die Kontrolle und Befriedung des Gebietes bereitete ähnlich Probleme wie im Spreewald, wo die Wenden sich bis zur Gegenwart als ethnische Minderheit behaupten haben.
Bemerkenswert jedenfalls ist daran, dass zwar die Elsterlinie erst im 12. Jh. besiedelt wurde, oberhalb Jessen – der Raum von Zahna schon im 10. Jh. fest in deutscher Hand war.
Sicherlich ein Indiz dafür, dass unsere Gegend schwer zugänglich, mit vielen Wasserläufen durchsetzt, landschaftlich vergleichbar mit dem Spreewald – eine der letzten Zufluchtorte der noch freien Slawen war. Die Grafen von Brehna verlegten ihren Sitz nach Löben auch die Gründung der Stadt Herzberg geht auf ihr Betreiben zurück. Sie hielten sich vorwiegend in Herzberg, Schlieben und Löben auf. So war dann auch im 12. Jh. alles hier „deutsch“ und fest in den Händen der Grafen von Brehna. Die hier ursprünglich ansässigen Slawen betrachtete man als wirtschaftlich zu nutzende Sachwerte – sie wurden zinspflichtig gemacht.
Damit sie nicht etwa aufbegehrten, wurde die Christianisierung betrieben. Dadurch entstanden die ersten Klöster und Kirchen.

So entstand im Mai 1165

„… an der Elster (kl. Elster oder Dobra) zur Ehre Christi und seiner Mutter, der heiligen Maria, ein Kloster .. „

in der Wald- und Sumpfgegend von Dobrilugk (= „gute Wiese“ oder „Wiese an der Dober“). Die Zisterziensermönche dieses Klosters, veränderten die Umgebung, in dem sie Wälder rodeten, sumpfige Niederungen trocken legten und Fischteiche anlegten. Später wurde dieses Kloster sogar von Walter von der Vogelweide besungen.

Die Kirchen gehören zu den ältesten erhaltenen Bauten im Bereich der mittleren und unteren Schwarzen Elster. Die meisten aus dieser Zeit stammenden sakralen Bauwerken sind aus Raseneisenstein oder Feldsteinen errichtet und romanischen Ursprungs. (erst mit dem Eintreffen der Flamen im Zuge der Ostsiedelung wurden die sakralen Bauwerke auch in typischer Backsteingotik ausgeführt)
Die Tätigkeit der Mönche und Missionare hatte erste wasserbauliche Veränderungen für das Einzugsgebiet der Schwarze Elster zur Folge. Denn durch sie wurden neben dem Trockenlegen von Sumpfland und dem Anlegen von Fischzuchtteichen auch die ersten Wassermühlen an die Schwarzen Elster und ihren Nebenflüssen gebracht. Auch wird berichtet, dass die Mönche schon erste Eisenhämmer betrieben. Auch der Holzexport nahm durch Sie ihren Anfang und damit die Flößerei auf der Schwarzen Elster und ihrer Nebenflüsse. In den dichten Wäldern wurde Holz eingeschlagen um es flussabwärts als Baumaterial zu verwenden. So entstand u.a. Mönchenhöfe und auch München bei Uebigau aus einer solchen Holzladestelle an der Schwarzen Elster. Anno 1177 wurde hier begonnen, Holz für den Klosterbau der Prämostratenser Mönche bei Calbe abzuflössen. Auch die Gründung von Holzdorf soll auf die strebsamen Mönche zurückgehen.
Seit dieser Zeit begann die Flößerei auf der Schwarzen Elster und ihren Nebenflüssen. Hauptsächlich wurden Stieleichen, Tanne, Fichte und Kiefer geflößt. Die Flöße waren auf Grund der flachen und vor allem verwilderten Gewässer in sich beweglich (Krümmungen) gestaltet, damit sie besser manövrierfähig waren. Holz war zur damaligen Zeit ein unentbehrlicher Rohstoff. Er diente nicht nur als Baumaterial, sondern auch viele Arbeitsmittel und auch viele Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens bestanden aus Holz. Auch als Brennstoff für Töpferöfen sowie für die Verhüttung von Raseneisenstein wird er neben einfachen Feuerstellen zur Zubereitung der täglichen Mahlzeit und zum Zwecke des Heizens benötigt.
Wegen der damaligen Transportprobleme für sperrige Lasten konzentrierten sich die Holznutzungen in die Nähe der Verbrauchsorte an den Flüssen. Flössen war zur damaligen Zeit die einzige rentable Möglichkeit, Holz zu transportieren. Aus diesem Grund kam es auch entlang der Flüsse in den folgenden Jahren zu Waldverwüstungen (weil nicht jeder Baum der im Wege stand, auch sinnvoll genutzt werden konnte).
Mit diesen menschlichen Tätigkeiten wurde das bestehende „Gleichgewicht“ in den Flüssen und in den angrenzenden Auegebieten schon gestört. Durch die Holzgewinnung entlang der Flüsse wurde der Bodenerosion Vorschub geleistet. Es gelangten mehr Sedimente in die Flüsse, der Schwemmstoffanteil erhöhte sich; dieser erhöhte Feststoffgehalt wurde in seichteren Flussbereichen wieder abgelagert, Sandbänke entstanden. Auch wurden die Schwemmanteile in den Schilfzonen der Uferbereiche verstärkt abgesetzt. Auf dieser Art und Weise verminderten sich die ausgedehnten Schilfzonen vor allem im Unterlauf der Schwarzen Elster – sie verlandeten zusehends. Dadurch erhöhten sich wiederum die flussnahen Flächen mit Stillwasserbereichen. Die Folge war, dass Brüche und Moore sich an diesen Stellen herausbildeten wo vorher die breiten Schilfgürtel der Flüsse lagen. Aber der Mensch benötigte zur Siedelung trockenen Boden, er begann benötigte Flächen zu entwässern. Seine Schutzbauten wurden mit Wassergräben gesichert. So entstanden die meisten Burgen und Schlösser, die wir heute noch kennen, einst aus Wasserburgen.

Gäbe es ein Gleichgewicht der Natur und würde bei jeder Störung der Naturhaushalt zusammenbrechen, hätte sich keine Evolution vollziehen können. Denn Weiterentwicklung erfolgt aus Ungleichgewichten heraus. Wo ein Gleichgewicht herrscht, verändert sich nichts. 
In der Natur gibt es keine Endzustände, keinen dauerhaften Kiefernwald, Keine ewige Savanne, keinen für immer bleibenden See - es gibt nur vorübergehende Zustände. 
(St. Budiansky, Nature's Keepers, 1995. und J. H. Reichholf, Comeback der Biber, 1993.)

Im 11-14. Jh. folgten die deutschen Siedler. Die Fürsten der sächsischen Markengebiete förderten durch großzügige Landzuteilung und günstige rechtliche Bedingungen die Einwanderung deutscher Siedler vor allem aus den Nordseegebieten, um ihre Herrschaft zu sichern, aber vor allem, um ihr Land wirtschaftlicher auszubauen und leistungsstärker zu machen.

Auf Grund dieser Besiedlung haben unsere Orte in der Elsterniederung unterschiedlichste Entstehungsgeschichten. So werden

„frühe schon Löben, Arnsnest, Frawenhorst, Hartmannsdorf, Stechow, Rydeke, Ubigow, Beiersdorf gals solche Rittersitze genannt“.

Kriegsleute“ wurden von ihren Herren mit Gütern in den vorhandenen Dörfern belehnt, und die noch ansässigen Wenden wurden ihr Hörigen.

Die deutschen Einwanderer waren zu einem großen Teil flämische Kolonisten,

„Denen war der Ruf willkommen, da 1152 das Meer durch die Nordsee hindurchbrach und fast ganz Holland samt den Niederungen des Rheins usw. zu verschlingen drohte“.

Sie ließen sich auch in unserer Gegend am Unter- und Mittellauf der Schwarzen Elster und ihrer Nebenflüsse nieder. Sie brachten die Kenntnisse zur Leinweberei und der Tuchmacherei mit aus ihrer Heimat. Aber auch die ersten Backsteinbauten (überwiegend Kirchen, wie die in Axien) gehen auf die Flamen zurück.

Die Ortsgründungen, welche auf flämische Siedler zurückgehen, die ihre ursprüngliche Heimatorte Kambray, Nymwegen, Brugge, Löwen, Gent, Dornick, Mecheln, Gravenhag, Leuwarden verlassen hatten, sind Kemberg, Bruck, Gentha, Dorna, Mücheln, Gräfenhainichen, Liebenwerda und Löben.
Die Orte, wo sächsische Kolonisten (aus dem Gebiet des heutigen Niedersachsen stammend) vorherrschten, haben meist Endungen auf -igen, -haim, -hein und -hausen.
Bei den Thüringern endeten sie meist auf -stedt, -berg und -bach.

Von deutschen Siedlern wurden Finsterwalde, Schönewalde, auch Sonnewalde gegründet; hier verweist der deutsche Name auf eine Gründung der Siedlung von wilder Wurzel (im Wald) hin. Hier kann man eine Menge hineininterpretieren, allein auf Grund der Aktenlage sind es nur Vermutungen, die einfach aus der Namens- und Sprachforschung abgeleitet sind. Tatsache ist jedenfalls, dass die Elsterniederung im 12. Jh. zunehmend besiedelt wurde, in deren Folge viel Land (ehemaliger Auewald) urbar gemacht wurde.

Dort wo neben den wendischen Siedlungen sich deutsche Kolonisten niedergelassen haben sind Doppeldörfer wie Klein Rössen /Rössen oder Orte mit Alt- und Neu- oder Groß- und Klein entstanden. Natürlich hat auch damals unternehmerisches Denken dazu geführt, dass manch Grundherr sein „Meiershof“ aufgab und sein Land an grundzinsende Bauern vergab. So z.B. Gräfendorf.
Auch die ersten Stadtgründungen fallen in diese Zeit, wie Jessen (1350 [Burg1290]), Schweinitz (1350 [Ort 1121]), Herzberg (1184 [urkundlich 1254]), Wahrenbrück (1340 [Ort 1199]), Liebenwerda (1304 [Ort1231]) und Elsterwaerda (1364 [Ort 1211, Burg 1288]) usw. Die meisten Stadtgründungen an der Schwarzen Elster entlang gehen auf Burgwarte zurück. Sie wurden einst zur Sicherung von Flussübergängen angelegt und waren meist an Handelsstrassen gelegen. Im Schutze dieser Burgen entstanden und entwickelten sich diese Orte. Die Menschen griffen hier auch sofort in das Flussgeschehen ein. Das Wasser der Schwarzen Elster wurde zum Schutze der Ansiedlung um die Burgen und zum Teil auch um die dazugehörigen Siedlungen herumgeleitet.

Neben dem Landesausbau war die Entstehung dieser Städte von hoher Bedeutung für die Territorialbildung. Es waren vor allem militärische Gesichtspunkte und wirtschaftliche Interessen, welche die Markgrafen bewogen, die Entstehung von Städten durch Förderung von Kaufmannsniederlassungen oder durch Neugründungen voranzutreiben. So entstanden alle Städte entlang der Schwarzen Elster im Mittelalter. Als Folge dieses Landesausbaues setzte in den Gebieten der deutschen Ostsiedlung ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Die im 10. bis 12. Jahrhundert insbesondere von den Wettinern geförderte bäuerliche Landnahme schränkte den Siedlungsraum der – als Sorben bekannten – Slawen immer stärker ein, so dass in der Gegend der Schwarzen Elster ein großer Teil assimiliert wurde, d.h. es verschmolzen die deutschen Siedler mit der slawischen Bevölkerung. Ein kleiner Teil der Milzener um Bautzen und der Lusitzer im Spreewald konnte in der Lausitz bis in die Gegenwart die ethnische Identität bewahren. Der benutzte Begriff „Wenden(lat. Venedi – „die Befreundeten“) war die Volksbezeichnung der Germanen für die slawischen Stämme und lebt als Sammelbegriff bis heute fort.

 

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Bernd Hopke

Ortschronist

Quellen:
• St. Budiansky, Nature's Keepers, 1995 
• J. H. Reichholf, Comeback der Biber, 1993.
• P. Träger; Heimatkalender 1994
• Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloss Annaburg-eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
• Topografische Karte 4243; Erläuterungen GKV 25: 4243Jessen(Elster).