Pulsnitzausbau

1584 

Ein Fluss wird verlegt


Die Pulsnitz ist ein Nebenfluss der Schwarzen Elster. Im Volksmund wird im Mündungsbereich des Schradens sie auch „Puls“ genannt. Sie entspringt bei Ohorn unweit der Kleinstadt Pulsnitz in Sachsen und schlängelt sich durch die Städte Pulsnitz, Königsbrück und Ortrand.
Dabei fließt sie durch die Königsbrücker und Krakauische Heide, die alle ehemalige Jagdgebiete der Kurfürsten von Sachsen waren und wo sich zwischen 1906 – 1992 der Truppenübungsplatz Königsbrück und bis 1938 der Marktflecken Krakau befand. Nach etwa 60 Kilometern mündet sie heutzutage unweit von Elsterwerda in die Schwarze Elster.
Die ursprüngliche Mündung und damit auch die sächsisch-brandenburgische Landesgrenze befanden sich nahe am Dorf Tettau. Dieses Gebiet war das historische Dreiländereck der Markgrafschaft Meißen mit der Ober- und der Niederlausitz.
Außerdem bildete sie in ihrem Mündungsbereich die südliche Grenze des Schradenwaldes.
Der Oberlauf und fast das gesamte sächsische Tiefental der Pulsnitz stehen jetzt unter Natur- bzw. Landschaftsschutz. Der Mittellauf dieses kleinen Flusses ist dort weitestgehend naturbelassen.
Durch die frühere teilweise Begradigung der Pulsnitz und ihres Nebenflusses, dem Haselbach, wurde im Oberlauf die Fließgeschwindigkeit und infolge dessen der Geschiebetransport erhöht. Die ehemals bei Königsbrück angesiedelten seltenen Flussperlmuscheln versandeten und starben deshalb ab. Die starke Verschmutzung der Pulsnitz durch Abwässer von Haushalten und der ehemaligen Textilindustrie ließ nach 1991 durch den Bau von kommunalen Kläranlagen und den einigungsbedingten Niedergang der ostdeutschen Industrie nach.

Die Pulsnitz bildete zu slawischen Zeiten (um 1000 u.Z.) die Grenze zwischen den alten elbslawischen Stammesgebieten der Daleminzi, Lusitzi und Milzener.
Nach der Ostbesiedelung wurde die Pulsnitz über Jahrhunderte der Grenzfluss zwischen dem Gebiet der Sachsen und der Oberlausitz, woran noch alte Flurnamen erinnern. Mehrere Ansiedlungen befanden sich deshalb auch beiderseits des Flusses, wobei der am westlichen Ufer gelegene Teil regelmäßig als Meißner Seite und der östlich gelegene als Oberlausitzer Seite bezeichnet wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich diese Orte vereinigt.
Alte Überlieferungen vom Unterlauf der Pulsnitz sprachen,

„von einem eigentlichen Flussbette der ursprünglichen Pulsnitz kann man im strengen Sinne des Wortes gar nicht reden. Ihre Fluten ergossen sich früher über den größten Teil des Schradens und setzten alles unter Wasser. … Stellenweise ragten die Grashalme nur spärlich über das Wasser hinaus. Die Bewohner der umliegenden Dörfer, der sogenannten Schradendörfer, mussten mit Kähnen, Flößen und ähnlichen Fahrzeugen ihr Futtergras holen und nicht selten arbeitete die Sichel unter Wasser. Auf die eben erwähnten Verkehrsmittel weißt noch heute der zwischen Frauwalde und Groß Thiemig sich hinziehende „Schiffgraben“ hin. Im Verhältnis zu den damaligen Mengen an Weidengestrüpp und Erlenbüschen sind die heutigen Überreste kläglich zu nennen. Diese Gewächse bildeten wahre Dschungel, welche nur in Gängen zu betreten waren. So soll auch von den Bewohnern in Kriegszeiten das Vieh auf den nur ihnen bekannten Wegen in das Dickicht getrieben worden sein. … Auch soll der waldähnliche Erlen- und Weidenbestand bis nahe an das Dorf Frauwalde gereicht haben, …. Sehr reich waren die tiefer gelegenen Teile an Fischen, die stellenweise mit dem Siebe gefangen werden konnten.“

Der um 1585 erfolgte Ausbau der Pulsnitz beinhaltete eine Laufverlegung des Mündungsbereiches, um den ständigen Überflutungen des Schradenwaldes entgegenzuwirken.
Deshalb wurde die Flussmündung in die Schwarze Elster von Tettau stromab bis nach Elsterwerda verlegt.
Erst dadurch wurde der Schradenwald südlich durch die Pulsnitz begrenzt. Der als „Neuer Pulsnitzfluß“ oder auch als „Neuen Pulßnitzgraben“ zeitgenössisch bezeichnete künstliche Wasserlauf war ca. 15 km lang und ließ die Pulsnitz unterhalb von Elsterwerda in die Schwarze Elster münden. Mit diesem Wasserlauf wurde das Wasser vom Schradenwald abgeleitet, um dem weiteren Versumpfen entgegenzuwirken.

Dadurch, dass das Wasser aus dem Gebiet des Schradens schneller abgeleitet wurde, mussten sich zwangsweise die Auswirkungen von Hochwasser im Unterlauf der Schwarzen Elster weiter verschärfen.

Im Ergebnis des 30 Jährigen Krieges muss dieser künstliche Unterlauf so recht verwahrlost gewesen sein und seine Aufgabe nicht mehr erfüllt haben. Der Schradenwald, der vor dem 30 Jährigen Krieg abgebrannt war, bildete zu dieser Zeit die schon eingangs beschriebene weit verzweigte Sumpflandschaft.
Der Verlauf der heutigen Pulsnitz im Gebiet des Schradens ist jedoch Ergebnis der Regulierungsarbeiten (1858/1859), die im Zusammenhang mit der Elsterregulierung durchgeführt wurden.

So wie die Pulsnitz sich heute … zeigt, ist sie ein Produkt der Wasserbaukunst. Fast schnurgerade zieht sie durch den Schraden und mündet bei Elsterwerda in die Schwarze Elster. Rechts und links wird das Flüsschen von ziemlich hohen Dämmen begleitet, die ein Übertreten seit der Regulierung … verhütet haben. Wenngleich die Pulsnitz sehr unscheinbar aussieht, so beweißt doch der zu Zeiten scharfe Wassergang ihre frühere Gefährlichkeit. Durch die Regulierung ist ein bedeutendes Stück Land dem Sumpf entrissen worden, welches nun gutes Weideland und teilweise … ertragsfähiges Ackerland bildet.“

Heute zählt die Pulsnitz wieder zu den saubersten Fließgewässern Deutschlands. Zudem konnte sich der kleine Fluss im Mittellauf in den Jahrzehnten der militärischen Nutzung ungestört entwickeln. Davon zeugen Altarme und naturnahe Auen in diesem Gebiet. In der Pulsnitz leben im NSG zahlreiche seltene Tiere, wie Bachneunauge und Groppe. Auch die Grüne Keiljungfer, eine seltene Libellenart, Fischotter und Elbebiber sind wieder heimisch. Zudem regenerieren sich die Flachmoore im Bereich des NSG „Königsbrücker Heide„. Dort reichert sich wieder Humus an. Auf diesen Nassstandorten entstehen wieder natürliche Landschaftselemente, wie Sümpfe, Röhrichte, Nasswiesen, Bruch-, Moor-, Sumpf- und Auwälder, Quellbereiche, naturnahe Bachabschnitte die für eine natürliche Auenentwicklung notwendig sind. Die bereits im Mittelalter angelegten Teiche haben sich „naturnah“ zu einzigartigen Biotopen (vom Menschen geschaffene) entwickelt, die bei teilweiser Verlandung, u.a. mit Röhrichten oder Wasserpflanzen (Seltene oder vom Aussterben Bedrohte), bewachsen sind. Dazu zählt z.B. das Froschkraut.
Dies möchte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der untere Lauf, vor allem das Mündungsgebiet, sehr künstlich – als Kanal – ausgebaut ist. Der Mittellauf dabei als Kulturlandschaft durch ehemaliges „Kurfürstliches Jagdgebiet“ mit anschließender durchgängiger militärischer Nutzung als Übungs- und Sperrgebiet eine naturferne landwirtschaftliche Nutzung von je her ausschloss.

Bernd Hopke

Quellen

• Paul Neumann, Der Schraden einst und jetzt, Die Schwarze Elster
• Otto Heintze, Die Schwarze Elster
• Stoy, Die Schwarze Elster 7/1940
• A.E. und W.H., Die Schwarze Elster 19??
• Dietrich Hanspach: „Der Schraden“;Böhlau Verlag 2005