Mühlenarten

Mühle nicht gleich Mühle


Um den wirtschaftlichen Aufschwung im eigenen Land voranzutreiben, der maßgeblich durch die Landesherren nach Kräften gefördert wurde, damit der Reichtum im Lande bleibt, sollten die „Luxusartikel“ im Lande produziert und nicht importieren werden.
In Deutschland war Kursachsen das erste Land, das die Seidenraupenzucht begann. Kurfürst Friedrich der Weise lernte sie auf seinen Reisen in Italien und Palästina kennen. Seide war damals sehr teuer, wurde aber für die Hofhaltung dringend benötigt. Deshalb ließ der Fürst aus Italien Maulbeerpflanzen kommen und in verschiedenen Orten des Kurfürstentums anpflanzen. In Schildau (Amt Torgau) steht bei der Kirche ein alter Maulbeerbaum, von dem urkundlich nachgewiesen ist, dass er im Jahre 1518 gepflanzt wurde. Eine Anweisung des Kurfürsten aus dieser Zeit besagt, dass sich die damals noch bestehenden Klöster mit der Verarbeitung der Seide befassen mussten. Aus der Zeit der Reformation stammen auch einige sehr alte Maulbeerbäume im Altkreis Jessen. Es sind diese bei Hemsendorf, die man besichtigen kann, wenn man von der Elsterbrücke bei Gorsdorf auf dem rechtsufrigen Elsterdamm etwa l km elsteraufwärts geht.
Die Seidenherstellung ergänzte aber nur ein altes Gewerbe, welches hier seit der Ostsiedelung ausgeübt wurde, die Tuchweberei. Allein wegen diesem Gewerbe gab es an der Schwarzen Elster und ihrer Nebenflüsse eine Vielzahl von Walkmühlen, so u.a. in Alt-Herzberg.

Eine Walkmühle oder Walke (auch: Dickmühle, Filzmühle oder Lochwalke) ist eine seit dem Hochmittelalter eingesetzte historische Apparatur zur Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben bei der Tuchproduktion. Sie ersetzte das Walken mit den Füßen, mit dem frisch gewebte Tuche durch Stoßen, Strecken und Pressen gereinigt und an der Oberfläche verfilzt wurden, damit sie dichter und geschmeidiger wurden.
So wird es auch die Walkmühlen seit Beginn der Ostbesiedelung an der Schwarzen Elster gegeben haben; der Flachsanbau der Flamen stand in großer Blüte.

,,... die Stengeln sind innen holzig, außen faserig. Zur Trennung wurden sie 9 Tage in Feuchtigkeit, Moor, oder angelegtes Gewässer, den „Rottekulen“ (Wuhnen) gelegt. Dadurch verrotteten die hölzernen Stengelteile".

Die errichteten Walkmühlen führten oft zu sozialen Problemen, weil eine Walkmühle bis zu 40 Fußwalker ersetzen konnte. Sie wurden deshalb, aber auch weil fußgewalkte Stoffe von besserer Qualität waren, teilweise verboten.
Art und Ausführung der Walkmühlen waren recht unterschiedlich, z.B. war die sogenannte Hammerwalke spezialisiert auf von Webstühlen produziertes Wollgewebe (Loden), das in der Mühle in Bottichen durch Holzhämmer, die über eine Welle und eine am Wellendrehpunkt gelagerte Schwinge von einem Wasserrad angetrieben werden, gewalkt, also gestaucht, verdichtet und geklopft wurden. Dabei entstand ein verfilzter Stoff, der die gewünschten wärmenden und regen- und windabweisenden Eigenschaften hatte. Durch Druck, Wärme und die Zugabe einer Walkflüssigkeit (z.B. Tonerde in heißem Wasser gelöst) quellen die Gewebefasern auf, verfilzen und die Weblöcher schließen sich.
Daneben gab es noch die Druckwalke/Kurbelwalke. Sie stellte eine verbesserte Form der Hammerwalke dar, dabei wirken die Hämmer nicht im freien Fall auf das Gewebe, sondern die leichter gebauten üben über Zugstangen Druck auf das Tuch aus, um eine Beschädigung des Gewebes zu vermeiden.

Wichtige Mühlen an der Schwarzen Elster, vor allem zur Holzbearbeitung waren die Schneidmühlen o. Sägemühlen.
Sie entstand im Zusammenhang mit dem Holztransport und -handel im Gebiet der Schwarzen Elster, bei der die wichtige Erfindung des Sägegatters genutzt wurde, um das Holz für den (Land) Transport geeigneter zu machen. Dies wurde von der klassischen Antriebsmaschine der technischen Frühzeit, der Wasser- oder Windmühle, betrieben. Um 1245 zeichnete der weitgereiste französische Architekt und Ingenieur Wilars einen Entwurf zu einem Sägewerk. Da die älteste mit Wasserkraft betriebene Schneidemühle bereits im 4. Jahrhundert an dem kleinen Fluss Roer (Rur) im Rheinland gestanden haben soll, kann man davon ausgehen, dass auch diese Mühlenart durchaus seit Beginn der Ostbesiedelung ihren Weg auch in die Elsterniederung gefunden hat. Nachrichten von tatsächlich betriebenen Sägemühlen finden sich erst im 14. Jahrhundert und dann später im wachsenden Maße im 15. Jahrhundert. Solche Mühle war z.B. unsere Heidemühle im Zschernik.

Eine weitere bekannte Einrichtung, die mittels Wasserkraft betrieben wurde, stellt der Eisenhammer dar. Ein Eisenhammer oder Hammerwerk war ein wichtiger Bestandteil im Handwerksbetrieb zur Herstellung von Schmiedeeisen als Halbzeug und von daraus produzierten Gebrauchsgütern aus der Zeit vor der Industrialisierung. Das namensgebende Merkmal dieser Eisenhämmer war der mit Wasserkraft angetriebene Hammer. Das Anheben übernahm eine Welle, auf der radiale Daumen befestigt waren, die das Ende des Hammerstiels ergriffen, hinunterdrückten und somit den Hammerkopf anhoben. Beim Auf- und Niederfallen bewegte sich letzterer in einer Viertelkreislinie.
Dabei erfolgte in den Eisenhämmern nicht nur die Verarbeitung von Eisen, sondern in ihnen erfolgte auch das Verhütteten von Eisenerz mit Holzkohle in den sogenannten „Rennherden

(Georgius Agricola 1556, auch "Rennfeuer" oder "Rennofen": vom "Rinnen" der Schlacke; oder "Zrennherd": vom "Zerrinnen"...).

In diesen Schmelzöfen, die mit Wasserkraft betriebenen Blasebälgen versehen waren, wurde das Erz zu einem glühenden Klumpen aus rohem Eisen, Schlacke und Kohleresten verschmolzen. Das Eisen wurde dabei allerdings nicht flüssig wie in einem Hochofen, sondern blieb ein teigiger Klumpen. Dieser „Luppe“ genannte Klumpen wurde dann auf den Hämmern so lange ausgeschmiedet und in einem weiteren Ofen erhitzt, bis sämtliche Schlacke und Kohlenreste entfernt waren. Das Eisen konnte anschließend als Schmiedeeisen direkt weiterverwendet werden.

Die anfangs mit Wasserkraft betriebenen Eisenhämmer wurden später auch durch Dampfkraft ersetzt, als die zu bearbeitenden Werkstücke mit der Zeit immer größer wurden und nur noch schwierig von Hand zu bearbeiten waren. Der Ort Lauchhammer erinnert sofort an einen solchen, einst mittels Wasserkraft der Schwarzen Elster betriebenen Standort eines Eisenhammers. Bei uns stand z.B. ein solches Hammerwerk in Arnsnesta.

Das inzwischen mehrere Hektar große tiefliegende Gelände des "Eisenbruchs" wurde 1612 / 13 vom Landvogt Anselm von Promnitz, Besitzer der Herrschaft von Dobrilugk, genutzt, um die Schacke zu einem Teich anstauen zu lassen. Zeitgleich entstanden eine Schmelzhütte und ein Eisenhammer, so dass nun der Raseneisenstein an Ort und Stelle zu Kriegsmaterial, Werkzeug usw. verarbeitet werden konnte. Auch Eisenkunstguss ist bezeugt. Die Hütte wurde im 30jährigen Krieg zerstört, als Sägemühle wieder aufgebaut und im vorigen Jahrhundert sogar als Tuchfabrik genutzt, der Name "Hammermühle" ist aber bis heute geblieben. An dem östlich gelegenen und später durch die Eisenbahn z. T. abgetrennten Oberteich wurde die Buschmühle betrieben. Schon früher diente der Teich nicht nur als Energiequelle, sondern auch als Fischteich. So wird er auch heute noch genutzt.

Neben der Getreidemühle gab es zur Weiterverarbeitung von Feldfrüchten noch die Ölmühlen. Sie entstanden aber erst in historisch jüngerer Zeit und sind danach auch erst ab dem 19. Jh. im Gebiet der Schwarzen Elster nachzuweisen. Obwohl schon 1195 als Einzelfall in der Eggersmühle, in Neuss, Ölsaaten verarbeitet wurden, sind sie erst nach 1813 in Deutschland nachzuweisen.
In einer Ölmühle wird aus Pflanzenteilen wie Rapssamen, Leinsamen, Sonnenblumenkernen, Färberdistelsamen, Walnüssen, Haselnüssen oder Kürbiskernen Pflanzenöl gewonnen. Abhängig von den jeweils zu verarbeitenden Ölfrüchten beginnt die Ölgewinnung zunächst mit dem Zerkleinern bzw. Zerquetschen der Saaten. Raps und Mohn werden in der Schrotmühle geschrotet bzw. gequetscht. Im Gegensatz zu Getreidemühlen findet hierbei aber kein Mahlvorgang statt. Sonnenblumenkerne oder Bucheckern werden im ersten Arbeitsschritt von zwei Mahlsteinen, dem sogenannten Kollergang, zerrieben. Danach wird der Brei unter Umständen erwärmt, in ein Tuch geschlagen und ausgepresst. Zum Beispiel entsteht so aus zwei Kilogramm Walnüssen ein Liter Walnussöl.

Die Wasserkraft (selbstverständlich neben der Windmühle im offenen Land) stellte mit der Wassermühle das „Kraftwerk“ des Mittelalters bis zum Zeitalter der Industrialisierung dar. Wenn man also in diesem Zeitabschnitt von gestiegener Wirtschaftskraft spricht, verdankt man einen sehr großen Teil der Existenz dieser Mühlen.
Ihre wirtschaftliche Bedeutung verliert die Mühle erst durch die Nutzung der Dampfkraft, durch die Dampfmaschine. Diese wiederum verdankt ihre Wirtschaftlichkeit der Kohle.
Die Elsterniederung mit ihren großen Wasserressourcen war ursprünglich die Vorraussetzung zum Betreiben der Wassermühlen. In der Zeit der Industrialisierung konnte problemlos durch die Kohlelagerstätten der Betrieb auf die Nutzung der Dampfkraft umgestellt werden.
Diese Dinge haben neben der immer weiteren Verbesserung der Landwirtschaft maßgeblich die entstandene Kulturlandschaft des unteren und mittleren Elstergebietes bestimmt und damit auch die beabsichtigten und nicht beabsichtigten Veränderungen im Erscheinungsbild der Schwarzen Elster und ihrer umgebenen Landschaft geformt.
Nur durch die Wirtschaftlichkeit unseres Gebietes in der jeweiligen Zeit konnten die Änderungen am Fluss finanziert und realisiert werden. Gedient haben sie dann wieder dem Zwecke der Gewährleistung und der weiteren Steigerung dieser notwendigen Wirtschaftlichkeit.

Bernd Hopke

Quellen:

• Dietrich Hanspach: „Der Schraden“;Böhlau Verlag 2005
• E. Förster, Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster, Bücherkammer 2006
• Buch Quellenbegriffe des 18. Jahrhunderts
• Agricola, Georgius (1556): De re metallica libri XII. - Basel.)
• http://de.wikipedia. Zugriff 2007 
• www.elsterland.de, Zugriff 2007
• Autorenkoll., Geschichte der Ölgewinnung, Info des Technologie und Förderzentrum Straubing