Mensch und Natur?

Der Mensch greift in die Natur des Flusses ein

Die Ansiedlung erfolgte »nach deutschem Recht«, das persönliche Freiheit, weitgehende Verfügbarkeit des Besitzes, feste Zinsabgaben statt Dienstleistungen und eigene Gerichtsbarkeit beinhaltete. Die Siedler brachten neben dem eisernen Wendflug auch Kenntnisse des Deichbaues, aber auch der Kultivierung wassernaher Flächen mit. Die deutschen Siedler waren in der Lage, auch ungünstige Standorte zu kultivieren und landwirtschaftlich zu nutzen. Es wurde mit dem Trockenlegen von Niederungen und Feuchträumen begonnen. Allerdings begrenzten sich diese Aktivitäten nur auf das nähere Umfeld der jeweiligen Siedlung. Hier galt es in unmittelbarer Nähe des Dorfes, das zugewiesene Land in Äcker zu verwandeln. Dabei musste das Land trockengelegt werden. Es entstanden so Zug um Zug neue Gräben und erste Polder an der Schwarzen Elster.

Wie können wir uns nun diese Landnahme, durch Localisatoren organisiert, vorstellen?
Sicherlich entstanden die reinen deutschen Ansiedlungen aus der Wurzel (d.h. im Wald) – vermessen in Ruten und aufgeteilt in Lose.
Und als man nach geschehener Teilung sah, dass die Stücke nun doch ungleich ausgefallen waren, machte man aus der Not eine Tugend und verteilte ggf. nach Würden (secundum dignationem), gab den Schulzen, dem Schmiede die besseren Lose. Das Wort Los (ahd. hluz) weist im übrigen darauf hin, daß es auch noch einen anderen Weg gab, um beabsichtigte Ungleichheiten zu vermeiden, wenn man wirklich auf gleiche Teile Wert legte: man verloste die Stücke nach der Teilung. Das Wort „Los“ interessiert uns, weil es auch im gegenwärtigen Forstbetrieb noch vorkommt. So, wenn die Holzhauer im Holzschlag die den einzelnen Rotten zufallenden Flächen, Kabel genannt, unter sich verteilen. Aber auch wenn sie gemeinsam ein Stück Pachtland unter sich zu verteilen hatten. Während bei den Ägyptern der Zwang, jährlich die von den Nilüberschwemmungen zerstörten Eigentumsgrenzen wieder neu herzustellen, die Geometrie zur Blüte gebracht hat, sind die altdeutschen Landmessungsverfahren auffallend unterentwickelt. (Im altdeutschen Siedlungsraum zur anfänglichen Landaufteilung kannte man noch den Pfeilschuß oder den Hammerwurf – aus alten Sagen sind sie uns überliefert). Bei jenen Teilungen im Gebiet der Schwarzen Elster wurde schon eine einfache Landmessung durchgeführt. Man half sich für lange Zeit mit der „Kunst„, die Fläche durch parallele Linien von gleichem Abstand zu teilen. Der gleiche Abstand war leicht an einer Hauptseite durch eine Rute (virga) oder ein Seil (mittelniederdeutsch rep) zu bestimmen. Dass die Rute dadurch zur Maßeinheit wurde, ist daher erklärlich.

Eine besondere Siedlungsform entwickelte sich: das Waldhufendorf, bei dem die Gehöfte nebeneinander zu beiden Seiten einer Straße (Weg) liegen und die Hufen sich auf der Rückseite der Höfe in parallelen Streifen gegen den Restwald erstrecken. Sie waren typisch für die Ansiedlung auf Waldgrund im ehemals slawischen Osten. Der Waldbauer, nur durch den Rodezehnt an seinen Grundherren gebunden, war wesentlich freier als die meisten anderen Grundhörigen. Auch die Waldluft hatte gleichsam die Eigenschaft, frei zu machen. Sie gab den Siedler die Möglichkeit, sich durch die allerdings mühselige Arbeit des Rodens oder wie man wohl auch sagte, „Waldrechtens“ einen freieren Stand zu gewinnen.

Das Klima kam den Menschen anfangs bei Ihrem Aufbauwerk sehr entgegen, denn es war zu dieser Zeit viel wärmer.
In der mittelalterlichen Warmzeit sollen die Temperaturen im Mittel 2- 4°C höher gewesen sein als heute. Aus dieser Zeit stammen auch viele deutsche Ortsnamen, die auf Weinanbau hinweisen und wo heute der Weinanbau lange nicht mehr möglich ist. Anfangs hielt sich der Niederschlag noch in Grenzen, was sich gegen Ende dieser Phase änderte, als die Niederschlagsraten stark anstiegen. Sicherlich eine Folge des Anstieges der Luftverschmutzung und der Umwandlung des Waldlandes in Ackerland.

Luftverschmutzung durch den Anstieg  der menschliche Feuerstellen zur Nahrungzubereitung, zum Heizen, als Lichtquelle, aber auch als Energiequelle des sich ausbreitenden Handwerks in den Städten, der Köhler, Pechsieder, Glashersteller, Töpfer, Schmiede usw.

Dieses günstige Klima im Zusammenhang mit den flussnahen Flurstücken ergaben anfänglich sehr gute Erträge. Auch dieser Umstand trug zu den wirtschaftlichen Erfolgen in diesem Gebiet zur damaligen Zeit bei.

Allerdings wurden die Felder im Fläming, wo der Grundwasserstand wesentlich tiefer liegt, durch Trockenheiten heimgesucht. So waren die Bauern schon im 14. Jh. gezwungen, ihre Felder zu bewässern. Dazu mussten Vorratsteiche durch Gewässerstaue errichtete werden. Auch sollen schon Mühlen zum Wasserpumpen genutzt worden sein.

In Serno gab es einen Drehbrunnen mit Wellräder (Balkenbrunnen) 1473 und 1822 herrschte auf dem Fläming eine große Trockenheit. Daraufhin legte man in höher gelegenen Ortschaften Vorratsteiche an. Zuerst wurde das Wasser mit einer Handpumpe gefordert, dann mittels Windrädern oder Pferdegöpel und später mit Motorkraft. (Wittenberger Tageblatt l940 und Zahnaer Tageblatt Okt. 1930 / Mai 1924)
Der Winter 1172 war so warm, daß im Februar die Vögel Junge hatten. 1178 war er am Anfang sehr gelinde, Mitte März bis Mai war aber eine so große Kälte, daß alles verdarb. 1186 ist es so warm im Winter, daß die Bäume im Januar zu blühen anfingen. 1232 gab es nur 16 kalte Tage und 1286 waren die drei letzten Monate so warm, daß die Kinder zu Weihnachten in den Flüssen badeten und Bäume und Rosen blühten. 1328 blühten die Bäume im Januar und im Mai wurde geerntet. 1420 hatte man im Mai schon Kirschen. Auf dem Fläming herrscht 1473 eine große Trockenheit. Wasser mußte wegen ausgetrockneter Brunnen von weit entfernten Teichen geholt werden. Viel Vieh starb. Um solch einer Trockenheit vorzubeugen, wurden dann Windräder erbaut, die das Wasser zu höher gelegenen Orten pumpten.
(Aufzeichnungen aus alten Heimatbücher, Archiv VHD Annaburg)

In dieser Zeit ist auch die Verbreitung der Anophelesmücken in den Flussauegebieten erfolgt. Sie benötigt Stillgewässer zu ihrer Vermehrung. Diese Mückenart gehört zu den Überträgern der Malaria. Der Vormarsch der Malaria an die Elb-Niederungen erfolgte mit der Ostsiedelung. Zuvor haben wir es den Römern zu verdanken, dass sich die Malaria bei uns auszubreiten begann. Sie wurde an den Rhein von Legionären und Söldnern eingeschleppt, und so auch in unseren Breiten heimisch (2). In den Flussauengebieten am Rhein und der Donau konnten sie sich recht gut vermehren, später dann an Elbe und Schwarzer Elster.

Anophelesmücke - Sumpffieber 
Malaria übertragende Mücken werden vom menschlichen Körpergeruch angelockt. Allerdings genügen die von der Haut abgegebenen Geruchsstoffe allein nicht für eine zielgenaue Landung der Blutsauger, berichten jetzt amerikanische Biologen. Weibliche Mücken der Art Anopheles Gambiae lauern ihren Opfern meist im Innern von Wohnräumen auf. Erst wenn sich dann durch die Gegenwart eines Menschen der Kohlendioxidgehalt der Luft erhöht hat, steuern sie einen Landeplatz auf der Haut an. Je nach Art und herrschenden Temperaturen verwandeln sich die Larve nach 4 - 5 Tagen, allenfalls auch erst nach mehreren Wochen, in eine Puppe. Bis zu 100 Anopheles Gambiae-Larven können häufig in besonnten, aber trüben Wasseransammlungen angetroffen werden. Das Puppenstadiums dauert ein bis vier Tage, dann bricht die Haut der Puppe auf und die Anophelesmücke ist da.

In mittelalterlichen Berichten sind Malariaerkrankungen allerdings noch schwer von anderen epidemischen Fiebern zu unterscheiden, da man die Ursache der Krankheit nicht kannte. Man sprach von schlechter Luft, Ausdünstungen der Sumpfgebiete, die krank machten.

So wurde Europa 1557/58 von einer Malariaendemie erfaßt:

Tota Europa febribus variis maxima ex parte intermittentibus iisque diuturnis iactata est.“ (Palmarius).

Ihr folgten bis in das 18. Jahrhundert hinein noch viele weitere. Weite Teile Nord- und Mitteldeutschlands, insbesondere die Stromgebiete der großen Flüsse aber auch Küstengebiete mit ihren Marschen und Mooren hatten unter Malaria zu leiden.
Die ehemals weite Verbreitung der Malaria spiegelt sich in regionalen, im Volksmund überlieferten Namen wider: Marschfieber, daardagse Kolle [Kolle (friesisch) – kaltes Fieber], Sumpffieber, Wechselfieber u.a.. In unserer Gegend wurde sie Sumpffieber genannt.

Auch die ersten Wassermühlen sind in dieser Zeit an unseren Flüssen und Bächen entstanden.

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Bernd Hopke
Ortschronist
Quellen:

R.B. Hilf; Der Wald in Geschichte und Gegenwart
Der Wald, Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin 1972
Otfried Lange, „Annaburger Heide“,Heimatkalender 1959, Buchdruckerei M.Biehl, Jessen 
Hans-Peter Zeilinger: „klimatischen Verhältnissen“, Heimatkalender 1957, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
Autor unbekannt; Aufzeichnungen aus alten Heimatbücher, Archiv VHD Annaburg
Autor unbekannt; Wittenberger Tageblatt 1940 u.Zahnaer Tageblatt Okt. 1930
Margot Kathrin Dalitz Dissertation zu Autochthone Malaria im mitteldeutschen Raum Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2005
Ackerknecht EH: Zur Geschichte der Malaria. Ciba-Zeitschrift 6 (1953) 2058-2065
Eichenlaub D: Malaria in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 22 (1979) 8-13
Griesinger W: Malariakrankheiten. In: Virchow R (Hrsg.): Handbuch der Speciellen Pathologie und Therapie. Bd. 2, Erlangen, 1864
Virchow R (Hrsg): Handbuch der Speciellen Pathologie und Therapie. Bd. 2, Erlangen, 1864
Anopheles Stechmücke - Überträger der Malaria unter: https://www.malaria.info/anopheles
 

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