Der Neugraben

1523- 1575


Der Neugraben ist ein künstlich angelegter Nebenarm der Schwarzen Elster. Er verläst diese bei Neumühl, führt durch die Lochauer Heide (Annaburger Heide) an Annaburg vorüber und mündet hinter Jessen wieder in die Elster. Angelegt wurde er zur Versorgung der Gräben und Teiche um Schloss Lochau sowie des Tiergartens. Urkunden aus der Zeit Kurfürst Friedrich des Weisen nennen den „Neuen Graben“ bereits 1523. In der Liebenwaldaer Amtsrechnung dieses Jahres steht:

„1 Schock ( = 60 alte Silbergroschen) 30 Gr. (Silbergroschen) Dreien zu Zinsdorf, um den Schaden des Grabens, so ihnen quer durch die Wiesen gehet, mit dem Wasser uf der Elster gegen Lochaw.“

Es handelt sich hierbei um eine Abfindung. Im gleichen Jahr sind an der Grabenanlage schon Beschädigungen. In einer Rechnung, die Kiebitz angeht, welches zur damaligen Zeit ein kurfürstliches Vorwerk war, steht:

„44 Gr. (Silbergroschen) Vom Graben, so nach der Lochaw gehet und das Vieh eingetreten, dadurch das Wasser in seinem Laufe verhindert, auf Befehl m. gn. Herrn und Jägermeister Paul Hogenest seligen verordnet zu räumen binnen 1 Meile Weg ( = 9062,08 m) im Schweinert. Scharfenberg und Beyerholz die Brücken uffzuheben, darunter zu räumen und zu legen.“

Zur damaligen Zeit muss es sich noch um einen eher schmalen Graben gehandelt haben.
Zum ersten Mal wird der „Neugraben“ in einer Urkunde aus dem Jahre 1521 genannt. Hieraus ging das besondere Interesse der Stadt Uebigau an dem Neugraben hervor, wollten Sie doch damit ihre Stadtmühle betreiben. Deswegen wird mit dem Kurfürsten verhandelt. Er schickt zur Führung der Verhandlung seinen kurfürstlichen Hofschenk Albrecht von Lyndenau nach Uebigau. Danach muss die Stadt allerlei Verpflichtungen übernehmen:

„Zu ersten soll man den Graben zu machen anheben, der aus der Elster nach Locha gehet, nämlich mit eine gruntban (Grundbaum – Wehrkrone, Wehroberkante) und wol gefast, dassen (das) nicht meher wasser rauß get, den als soll kem das Loch. 
Und solls auch also machen, wenn süst die Wasser groß sein, dassen sollten graben vorsetzen adder vormachensolln, dass die Leutte nicht obber den graben dorffen klagen. 
Man soll auch solchen graben und Wasser (?) … dass (man) gen der Locha haben will ein ganz freien ganck lassen. Kein Fisser (Fischer), nimant zu gönnen, denn allein m. g.n. Herrn zusten (zustehen); sie sollen mit ganzem fleiß zusehen und nimant vorgonnen (vergönnen).
Sie sollen auch soten Graben und Wasser im (Ihm den Kurfürsten) bauen und bebauen, dass kein Wasser nicht ein ander gank gewinnen soll, dem off (Auf) Kitzer (Kiebitzer) Weg mit themmen adder gerinne, admit dass das Wasser sein gangk sal haben dann der Loche.
Sie sollen auch sotten Wassergraben gebrauchen zu der Mül, und süst kein mer (keiner mehr), damit dass die ander Müln nicht zu schaden komet.“
Dieser Vertrag wurde von Albrecht von Lyndenau an den: „Gestrengen und Ervesten Hr Haubolden von Einsiedel m. gn. H. (meines gnädigen Herrn) Räten zu Lochau“ mit den Hinweisen: „nachdem mir m. gn. H. mith den von Ubegaw der Wollen halben zu handeln, die von Ubegaw haben gewilligt den Graben zu halten, wie in der Zeddel angezeiget, von dem Anfang der Elster bis auf Kywitzer Weg; auch bitte ich Euch der armen Leute halben, ihr wollet mit m. gn. H. reden und erforderlich sein mit Holz, adder was sie Euch weiter werden zu erkennen geben.“

 

An diesem Beispiel sehen wir, wie man stellenweise schon sehr umfangreich in die bestehenden Wasserverhältnisse eingriff. Schon rund 75 Jahre später waren die künstlich angelegten Teiche und Gräben rund um Annaburg bei weiten nicht mehr so wasserführend. Der relativ kleine Neugraben reichte nicht mehr aus. Sie drohten zu verlanden.

 

Bernd Hopke

Quelle:

F.Stoy, Neues vom Neugraben und der Uebigauer Mühle, Schwarze Elster 1940 Nr. 754

Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloss Annaburg-eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;