Friedrich der Weise

weise5Anlässlich des bevorstehenden Reformationsjubiläums rückt unsere Geschichte wieder in unser Bewusstsein, auch die Annaburger Geschichte. Da gibt es so viel Erstaunliches, so viele geschichtliche Geschichten, die wir (eine Gruppe interessierter Annaburger) als eine Serie hier im Amtsblatt veröffentlichen möchten. Es gibt viele Bücher und Beschreibungen zu unserer Geschichte, die sogar selbst schon wieder geschichtlich sind, denn sie wurden in den vergangenen Jahrhunderten verfasst. Dass unsere Geschichten nicht immer tiefgründig erforscht und mit Quellen belegbar sind, möge uns verziehen werden. Es sind Beschreibungen, die immer wieder weitergegeben wurden, wie Traditionen oder Familienerinnerungen.

Beginnen würden wir hier mit Friedrich dem Weisen. Unser Lochauer Schloss war sein Lieblingsschloss und dadurch, dass er hier verstorben ist, gehört Annaburg, damals noch Lochau unauslöschlich zur deutschen Geschichte. Jeder, der sich für Luther interessiert, wird auch immer auf dessen Beschützer, „unseren“ Friedrich stoßen und damit auf „unser“ Lochauer Schloss.

ps_20161020222053Die Hirschjagd von Lukas Cranach -das Bild trägt die beiden sächsischen Wappenschilde. Das Jagdschloss, das im Hintergrund mit seinen Giebeln aufragt, könnte die Lochau sein. Denn dies war das köstlichste Weidgelände des Kurfürsten, das Paradies der fröhlichen Jägerei: die Lochhauer Heide. Ein Urwald damals. In dem Winkel zwischen der Elbe und der Schwarzen Elster . Die Schlösser Torgau, Prettin, Pretzsch an dem einen Fluss, Herzberg, Schweinitz, Jessen an dem anderen. Und mitten drin in der Weltverlassenheit allein Schloss Lochau. Einst war es ein Dickicht von Eichen, durchzogen von Bächen, erfüllt mit kleinen Seen und weiten Sümpfen. Wie ergiebig die Jagdbeute an Raubtieren war, lässt sich aus der Notiz ersehen, dass Friedrichs Neffe hier die Summe von 208 Bären, 200 Luchsen und 3538 Wölfen erlegt hat. Zur Lochau in der Stille hat Friedrich die guten Tage seines Lebens gelebt. Meister Contz hatte ihm die Stuben gemalt, und Lukas Cranach hatte den Saal mit Jagdstücken und mythologischen Szenen ausstaffiert .Seine Lieblingssprüche waren an den Wänden zu lesen. Hierher lud er auch seine fürstlichen Genossen. Und dann gab es nicht nur sächsische Trinkgelage, sondern auch manches Planen, bundesbrüderliche Verknüpfungen und geheime Staatsaktionen.

Das Schloss sollte die Sterbekammer Friedrich des Weisen werden. Im Herbste 1524 hatte er sich vom Schlosse Colditz nach der einsamen Lochau bringen lassen. Hier, wo er sein Leben lang am liebsten geweilt hatte,…, wollte er von der Welt scheiden, die ihm nicht mehr gefiel. Nur der getreue Spalatin war bei ihm. Gicht, Fieber und ein Steinleiden schmerzten den Kranken. Er nahm dann wohl den Brief zur Hand, den Luther ihm geschrieben: Trost im Leiden. Oder er las in den Gnadensprüchen, die Spalatin aus der Bibel zusammengestellt hatte. Immer näher ringten sich seine Gedanken um Gott, um das Geheimnis seiner Liebe und seines Zornes. Das Los der schlichten Leute ging ihm nahe. „…Mein Bruder soll mit den armen Leuten, denen ich in ihren Nöten Getreid geliehen, Erbarmung und Mitleid haben, dass Sie mit der Bezahlung nicht hart bedrängt werden.“ So rührend sprach aus ihm das, was Spalatin seine „wundersame Güte und Mitleidsamkeit“ nennt.

Und nun zog er auch, angesichts des Todes, den Schluss aus seinem evangelischen Verhalten, bekannte sich zu den äußeren Formen des Luthertums. Am Palmsonntage ließ er zum ersten Male auf seinem Schlosse den neuen deutschen, evangelischen Gottesdienst halten und am zweiten Sonntage nach Ostern musste man ihn zum letzten Male zur Predigt tragen. Es ist nun auch, als ob er zur letzten Frist doch einmal mit dem Manne sprechen wollte, der so ungestüm in die Welt seiner Gedanken gegriffen hatte. „Wir hatten Luther bestellt“, notierte Spalatin, „er war aber nicht daheim, sondern im Harz, denn der Bauern Aufruhr dort eben schwang.“ Spalatin riet ihm, vor seinem Hinscheiden noch das Abendmahl nach lutherischer Weise zu nehmen, und er schrieb nachher in seinen Memoiren:“…Danach empfingen auch ihre kurfürstlichen Gnaden das hochwürdige Sakrament des wahren Leibes und Blutes unseres lieben Herren und Heilandes, vermöge seiner heiligen Einsetzung ganz und gar in beiderlei Gestalt mit solcher Andacht, Ernst und Innigkeit, dass wir alle weinten, soviel unser dabei waren.“ Am 5. Mai starb Friedrich der Weise auf der Lochau. Fürstliches und ritterliches Geleit führte den Leichnam nach Wittenberg zur Schlosskirche.

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Auszüge aus     „Das Leben   Friedrich der Weise   Kurfürst zu Sachsen“ erzählt von Ernst Borkowsy, verlegt bei Eugen Friedrichs in Jena 1929

 

(Übernommen vom Amtsblatt der Stadt Annaburg)

Quelle

  • Countdown 2017; Amtsblatt der Stadt Annaburg Nr.: 04 vom 05.04.2016