Antoniterkloster

Vom Antoniter – Kloster Lichtenbergk zur Lichtenburg

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ps_20161018184421Am Südlichen Rand der heutigen Stadt Annaburg, östlich der Stadtsiedlung von Prettin war um 1300 das Antoniter-Präzeptorat „Lichtenbergk” gegründet worden. Das Antoniterkloster Lichtenbergk wurde 1315 anderen Quellen nach 1391 erstmals urkundlich erwähnt. Das Kloster bestand neben einem Krankensaal, einer Kapelle und Lagerräumen noch aus den Wohnkammern der Brüder und Hilfskräfte. Meist wurden diese Klöster als Drei- oder Vierflügelanlage errichtet. Darstellungen der Klosteranlagen am Lichtenbergk aus dieser Zeit sind leider nicht überliefert.

ps_20161018184502Der Antoniterorden, auch Antoniusorden, Antoniter oder Antonianer genannt, war ein Hospitalorden, der um 1095 als Laienbruderschaft in La-Motte-aux-Bois, seit dem 14. Jahrhundert St-Antoine(-en-Viennois) genannt, in Südfrankreich gegründet worden war. Der Orden war streng zentralistisch organisiert. Alle Niederlassungen (Präzeptoreien) unterstanden dem Mutterkloster in Saint-Antoine, das 1297 in den Rang einer Abtei erhoben worden war. Ursprünglich der Betreuung von heimkehrenden Pilgern gewidmet, konzentrierte sich die Tätigkeit der Antoniter seit 1217 auf die Krankenpflege.

Hier vor allem Pflege und Behandlung am sog. Antoniusfeuer Erkrankter, einer im Mittelalter in Europa weit verbreiteten Krankheit, die durch den Verzehr von pilzbefallenem Getreide, vor allem Roggen, verursacht wurde (Mutterkornbrand, wissenschaftl. Ergotismus). Die Gemeinschaft lebte hauptsächlich von Stiftungen und Spenden. Bedeutend waren die mit einem Ablass verbundene, Quest genannte jährliche Almosensammlung und für den Orden kostenlos aufgezogenes Vieh, die sog. Antoniusschweine.

In unserer Region wird ihnen aber auch nachgesagt, dass sie an der Einführung neuer Wirtschaftsformen beteiligt waren. Sie verstärken den Ackerbau und erlangen in der Folge bis etwa 1525 großen wirtschaftlichen Einfluß. Von diesem Einfluss zeugt eine überlieferte Urkunde von 1478 nach der ein Christoph von Maltitz zu Finsterwalde dem Präzeptor zu Lichtenburg und dem Propst zu Klöden einige Zinsen zu Battin verkauft.

ps_20151113193106Die Antoniter bauten Kirchen und gründeten auch die ersten Schulen. In alten Chronik heißt es dazu: „Ein großer Reichtum dieses Klosters bestand in Schweinen, welche in zahlreichen Herden auf den Feldern umherliefen.“

Der späterer Generalpräzeptor Goswin von Orsoy wurde als erster Kanzler der Wittenberger Universität 1502 durch Friedrich den Weisen berufen. Der Nachfolger Goswin von Grsoy als Präzeptor wurde Wolfgang Reissenbusch (oder auch Reisenpusch), er trat auch die Nachfolge des Kanzleramtes der Wittenberger Universität an.

luthermoench27Einer der bekanntesten Antonitermönche wurde Martin Luther. Er wurde vom Kloster in Erfurt 1508 zum Theologiestudium nach Wittenberg versetzt welches er bereits 1509 abschloss. Nach seiner Romreise übersiedelte er 1511 endgültig nach Wittenberg, wo er zum „Doctor Theologiae“ promoviert. 1514 wurde Martin Luther zum Provinzialvikar des Antonierordens. Zudem lehrte er an der Univer-sität in Wittenberg. Aber zurück zum Kloster am „Lichtenbergk“.

staplatinHistorische Stunden erlebte das Antoniter – Kloster Lichtenbergk, als sich hier 1518 Martin Luther und Georg Spalatin (Hofkaplan) im Auftrag von Friedrich den Weisen trafen, denn wegen seines Thesenanschlages wurde Luther beim päpstlichen Hof angezeigt und seine Auslieferung nach Rom gefordert. Im Ergebnis dieses Treffens brauchte Luther keine Auslieferung an Rom mehr zu furchten, so konnte die Reformation ihren Lauf nehmen. Martin Luther hatte seine Rettung vor den katholischen Häschern besonders dem Hofkaplan Georg Spalatin (1484-1545) zu verdanken, der seinen Herrn, den Kurfürsten Friedrich, überzeugen konnte, daß er zu seinem Landeskind Martin Luther stehen müßte.

Das Antoniterkloster „Lichtenbergk“ wurde sicherlich nicht nur deswegen dazu ausgesucht, wegen der Nähe zur kurfürstlichen Residenz in Torgau und der Universitätsstadt Wittenberg, sondern weil er Martin Luther seit 1514 zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in Wittenberg Provinzialvikar der Antoniter war. Er stand sozusagen auf heimatlichen Boden in diesem Kloster zumal der Antoniter – Präzeptor Wolfgang von Reissenbusch mit Luther befreundet und Kanzler der Universität Wittenberg war.

Es folgte dann im August 1518 Luther Auftritt beim Reichstag in Augsburg mit seiner anschließenden Flucht und Sicherheitsverwahrung auf der Wartburg, wo die Bibel ins deutsche übersetzt wurde.

ps_20161018184724Aber zurück zu unserem ehemaligen Kloster am Rande unserer heutigen Stadt Annaburg. Zwei Jahre danach kam es im Kloster in Anwesenheit Philipp Melanchthons zu einem dramatischen Gespräch zwischen Luther und dem päpstlichen Abgesandten Karl von Miltitz, der Luther zum Widerruf bewegen sollte. Diese Verhandlungen 1520 schließlich stellten einen letzten Aussöhnungsversuch zwischen dem Papst und Luther dar, der jedoch zu keiner Einigung führte. Danach war der Bruch mit Rom unausweichlich. Miltitz ertrank später (1529) auf der Rückreise nach Rom im Main. Dass Luther hier seine Gespräche führen konnte, zeigt die Offenheit der Antoniter für die Reformation.

Nachdem das Kloster 1533 größtenteils einem Brand zum Opfer fiel, wurde es nur noch notdürftig wieder aufgebaut. In Folge der Reformation, die die generalstabsmäßig organisierte Sammeltätigkeit der Antoniter verurteilte gingen nun die Geldmittel stark zurück.

ps_20161018184917Dennoch fand hier in den Klostergebäuden von Lichtenbergk (oder andere Quelle nennen die ehemalige Wasserburg bei Prettin) die heimlich zur evangelischen Lehre übergetretene Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg (1485–1555) von 1536-45 Zuflucht. Zuvor musste sie 1528 nach Torgau zu ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Kurfürsten Johann von Sachsen, fliehen, weil sie seit 1527 heimlich das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfing und deswegen ihr der erzkatholische Kurfürst Joachim Nestor mit lebendiger Einmauerung gedroht hatte. In der von Männern dominierten Welt der Höfe konnten sich Frauen nur durchsetzen, wenn sie ihre Spielräume geschickt ausnutzten. Mit der richtigen Strategie konnten sie als Ehefrau, Kurfürstin auch die Geschichte beeinflussen. Dennoch erst nach dem Tode ihres Mannes 1536 wurde sie durch ihre Söhne finanziell auch abgesichert und dadurch unabhängig konnte sie sich einen kleinen eigenen Hof an ihrer Zufluchtsstätte halten. Sie war mit Luthers Familie befreundet und lebte auch längere Zeit in seinem Hause in Prettin. Die von ihr ernannten Hofprediger waren zugleich Pfarrer an der Stadtkirche „St. Marien“ zu Prettin.

Kurfürstin Elisabeth setzt sich an Luthers Seite vehement für die Reformation in Brandenburg ein. Auch deswegen kehrte sie 1545 in die Mark Brandenburg zurück, wo sie in Spandau (Berlin), an der kirchlichen Bewegung lebhaft teilnehmend, bis zu ihrem Tode lebte.

In dieser Zeit erfolgte die Säkularisierung des Klosters es wurde 1540 aufgehoben und sein Besitz in ein landesherrliches Domänenamt umgewandelt.

Mit Aufhebung des Klosters endet auch die Kanzlerschaft des Antoniter – Präzeptor Wolfgang von Reissenbusch an der Wittenberger Universität.

ps_20161018184807Unter der Regentschaft des Kurfürsten August von Sachsen (R1553-1586) wurden die Klostergebäude abgetragen. Er errichtete für seine Gemahlin Anna das Renaissanceschloss „Lichtenburg“ als unregelmäßige Dreiflügelanlage. Als Baumeister während der Errichtung waren in den Jahren von 1574 bis 1582 Hans Irmisch und Christoph Tendler tätig, auch soll der vielseitige Giovanni Maria Nosseni mitgewirkte haben. Die Gemahlin des Kurfürsten August, Anna Auguste von Dänemark erbat sich von ihrem Mann die Lichtenburg als Witwensitz. Sie lag nicht weit vom ihrem Hochzeitsort Torgau entfernt und das flache Land erinnerte sie sicherlich an ihre ehemalige Schleswig-Holsteiner Heimat. Doch der wohltätigen Kurfürstin waren nur wenige Jahre noch des Glückes an der Seite ihres Mannes beschieden, 1585 starb sie in Freiburg an der Pest. Nach einer Verfallsperiode erlebte das Schloss 1611-41 eine erneute Blüte unter der Kurfürstin Hedwig, die nach ihrer Vermählung mit Christian II. die Lichtenburg als späteren Witwensitz erhalten hatte und die „Hedwigsburg” errichten ließ. Zuvor hatte 1609 die Kurfürstin-Witwe Hedwig den Flügelaltar aus dem aufgelösten Antoniterklosters Lichtenberg, sowie der sich im sächsischen Staatsbesitz befand der evangelischen Stadtkirche St. Marien in Prettin gestiftete

Da sie eine dänische Prinzessin war, vermochte sie 1637 während des 30jährigen Krieges beim schwedischen Befehlshaber zu erwirken, dass das Städtchen von Zerstörungen verschont blieb. Doch drei Jahre nach ihrem Tod wurde Prettin dann dennoch von den Schweden geplündert.

Bis 1717 hielten noch zwei weitere kurfürstlichen Witwen in der Lichtenburg Hof: Wilhelmine Ernestine und deren Schwester Anna Sophie von Dänemark (Mutter Augusts des Starken, die hier ihren Sohn erzog).

Die Lichtenburg wurde ab 1812 als kursächsisches Gefängnis genutzt. Später wurde die Lichtenburg eine preußische Strafanstalt. Nach der Einführung des preußischen Strafgesetzbuchs von 1851 bis zur Schließung 1928 war sie ein Zuchthaus für männliche Gefangene in der Provinz Sachsen.

Unter den Nationalsozialisten wurde 1933 eines der ersten und anfänglich größten Konzentrationslager für Männer eingerichtet. „Konzentriert“ wurden hier aufrechte Demokraten aller politischen Richtungen die der Errichtung der faschistischen Diktatur im Wege waren. Dieses KZ wurde dann von 1937 bis 1939 zum ersten deutschen Frauen-KZ. Nach der Schließung des KZ Lichtenburg diente das Schloss als Standort für das Totenkopf-Infanterie-Ersatzbataillon II und ab 1942 als SS-Hauptzeugamt.

Im Bunker des ehemaligen KZ wurde 1965 eine Mahn- und Gedenkstätte eingerichtet, die 1974 erweitert wurde. Heute ist die Lichtenburg Museum der Stadt Prettin und die KZ Gedenkstätte wird endlich auch zentral von der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt betreut.

 

Quellen:

  • Internet unter http://www.orden-online.de/wissen/a/antoniter; Zugriff 06/2015
  • Sächsisches Staatsarchiv, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Nr. Loc. 08942/34
  • Ingetraut Ludolphy; „Friedrich der Weise: Kurfürst von Sachsen; 1463 – 1525“; Leipziger Universitätsvlg 2007
  • Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  • Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  • Geschichtlicher Rückblick von Otto Heintze 1938, Privatbesitz;
  • Dr.Ing. Gratz: „Chronik-Düßnitz“, Eigenverlag 2000, Privatbesitz