Truppenübungsplatz

Die militärische Nutzung der Annaburger Heide


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Die Annaburger Heide war in sächsischen Zeiten als kurfürstliches Jagdgebiet Bannwald. Nach der preußischen Vereinnahmung verlor das Waldgebiet diesen hoheitlichen Status. Es erfolgte eine Teilprivatisierung an den Randzonen. Das Kerngebiet blieb als Staatsforst erhalten. Im Umkreis der Annaburger Heide gab es keine größere Garnison – aus diesem Grund kam es auch in Vorbereitung des Ersten Weltkrieges zu keiner militärischen Nutzung der Annaburger Heide. Auch in Vorbereitung des 2.WK änderte sich daran nicht viel. Die nahegelegene Sydaer Heide hatte da nicht so viel Glück. Sie wurde zum Bombenabwurfplatz ausgebaut. Die Stukers trainierten hier den gezielten Bombenabwurf auf Punktziele in Vorbereitung des  2. Weltkrieg.

Das Potsdamer Abkommen der Siegermächte legt die Nachkriegsordnung in Deutschland fest. Bestandteil war, dass die Siegermächte für ihre eigenen Streitkräfte die Immobilien und Grundstücke der deutschen Wehrmacht zu nutzen haben. Schlecht für die Sydaer Heide die nun Übungsgelände der GSSD wurde. Die Annaburger Heide blieb als zusammenhängendes Waldgebiet von einer russischen militärischen Nutzung verschont – vorerst.

Alles das änderte sich nach Gründung der NVA. Alles was früher durch das Militär genutzt wurde war in russischer Hand – also kam für weiteren Flächen die militärische Nutzung. Für den Mitteldeutschen Raum (MB 3) wurde ein Artillerie- und Panzerschießplatz gesucht und in Form der Annaburger Heide dann gefunden. Ausschlaggebend war die relativ plane Geländelage und natürlich der Eisenbahnanschluss und die räumliche Weite die den Sicherheitsabständen zu bewohnten Siedlungen erfüllen musste. 

Im Jahr 1953 begann im ehemaligen Umsiedlerlager Züllsdorf der Aufbau einer Kommandantur für einen geplanten Truppenübungsplatz in der Annaburger Heide. Bereits im selben Jahr fand ein erstes Artillerieschießen statt und es wurde mit dem Bau eines Truppenlagers innerhalb der Heide begonnen. Ab dem Jahre 1954 befand sich der Platz in ständiger militärischer Nutzung. Noch in diesem und den darauffolgenden Jahren wurden die Truppenlager Mollgraben und Rosenfeld ausgebaut und erweitert. 1957 begannen die Arbeiten zum Bau eines ersten Panzerschießplatzes, welcher 1958 der Nutzung übergeben wurde.

ps_20161027012448 Ein zweiter Panzerschießplatz wurde bis 1962 fertiggestellt. Die Panzerschießplätze wurden als „PSP“ bezeichnet und von 1-3 Nummeriert. So lag z.B. der PSP 2, Arnsnester und dem Bahnanschluss der  Strecke Jüterbog – Falkenberg/Elster am nächsten.  Der Truppenübungsplatz mit seinen Einrichtungen wurde ständig erweitert und ausgebaut, die technischen Anlagen auf den Schießbahnen und Plätzen, sowie die geschaffenen Truppenlager und Unterkünfte modernisiert. Auf dem Platz gab es zwei eigene Bahnanschlüsse mit Verladerampe. Zuletzt wurde aber nur der an der Bahnlinie Wittenberg-Falkenberg/Elster über den Abzweig Mollgraben genutzt. Es war sowieso der größere von beiden. In der Zeit der intensiven Nutzung wurden auch mehrere größere Übungen und Lehrvorstellungen von Land- und Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee und Ländern des Warschauer Paktes durchgeführt. Armeegeneral Heinz Hoffmann sowie General Sergei Matwejewitsch Schtemenko zählten dabei zu den hochrangigen Gästen in der Annaburger Heide. Erster Kommandeur des Übungsplatzes war im Jahr 1953 Oberleutnant Hohlfeld. Am Truppenübungsplatz der Annaburger Heide war das Bataillon materielle Sicherstellung 3 (BmS 3), mit der Kfz-Werkstatt 3 (KfzW 3),  zur Bewirtschaftung zuständig, welche beide in Züllsdorf stationiert waren. Sie gehörten zum Kommando des Militärbezirkes III der Landstreitkräfte der NVA.

Mit der Umwandlung in einen Standortübungsplatz im Jahr 1994 war Hauptmann Meckert der letzte Kommandeur eines Truppenübungsplatz in der Annaburger Heide.

ps_20161027012547Heute nutzt die Bundeswehr den Platz mit insgesamt drei Schießbahnen hauptsächlich für Ausbildungszwecke zum Schießen mit Handwaffen für Einheiten des Flugplatzes Holzdorf. Auch werden angehende Unteroffiziere der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch hier ausgebildet. Für mehrtägige Übungsplatzaufenthalte wird das Truppenlager Rosenfeld genutzt. In der Nähe des Zschernick wurde eine Lastenabwurfzone eingerichtet, auf welcher Luftfahrzeugbesatzungen zukünftig das gezielte Absetzen von Lasten aus der Luft trainieren können.

 

Bernd Hopke

Quelle

Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Annaburger_Heide; Zugriff 10/2016