Schlossbibliothek

Die Bibliothek auf der AnnaburgGrundstock der „Königlich sächsische Bibliothek“


ps_20161031231647Der sächsische Kurfürst August von Sachsen, ausgestattet mit einer ausgezeichneten Ausbildung durch Johann Rivius (1500-1553) und Studien an der Leipziger Universität, steht auch das Verdienst zu, mit seiner Sammlung von wichtigen Büchern seiner Zeit, den Grundstock für die Dresdner Bibliothek gelegt zu haben.

Von Friedrich Adolf Ebert können wir aus der 1822 erschienenen „Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden“ entnehmen, dass „Ungefähr seit dem Jahre 1556 August Bücher, Kupferstiche, Holzschnitte und Charten …“ sammelte.

Aus der beachtlichen Anzahl von Einbänden, mit dem Vermerk diese Jahreszahl, schlussfolgerte man, dass zu diesem Zeitpunkt mit der systematischen Sammlung und dem Erwerbung begonnen wurde, aber natürlich auch schon etliche Bände vorhanden waren.

Das war durchaus typisch für die Renaissance dass durch Fürsten und Gelehrte Privatbibliotheken angelegt wurden.

Nach Assmann, „ließ (er)… sich regelmäßig die Verzeichnisse der in Leipzig gedruckten sowie der in Frankfurt a.M. … angebotenen Bücher vorlegen und strich selbst darin die Bücher an, die angeschafft werden sollten“ Ausländische Veröffentlichungen kaufte für ihn ein französische Geschäftsmann ein.

Bezeichnend durch Kurfürst August ist dass er „redlich“ seine Sammlung mehrte und sich nicht durch Konfessionen seine Buchbestände bereicherte.

Wie im Falle der Auflösung des ehemaligen Klosters Bosau, wo er die vorhandene Bibliothek 1573 der Fürstenschule in Pforta schenkte.

ps_20151113230705So kann man auch nachvollziehen, dass bis auf wenige Beispiele die gedruckten Bücher überwiegen. Bei den Ausnahmen handelt es sich um Bücher die für das Fürstenpaar durchaus aus inhaltlicher Sicht wichtig waren, wie (Signatur 329) „Ein gar alter Sachssenspiegel auf pergament geschriben unnd mit altväterlichen Figuren gemahlt …“. Es handelt sich um eine der vier erhalten gebliebenen berühmten Bilderhandschriften des von Eicke von Repgow verfaßten Landes- und Lehnsrechtes. Vielleicht wegen der Größe des Bandes erhielt das „Kreuterbuch nach lebendigem wachs der Kreuter Contrafet durch Doctor Johann Kentman zu Torgaw“ die Signatur 1. Der Grossfolioband besticht bis heute durch seine wunderschönen Pflanzendarstellungen.

Nach Katrin Nitzschke können wir uns über die inhaltliche Struktur der Bibliothek (früher zu Lebenszeiten August Liberey genannt) folgendes vorstellen – als die Bibliothek „für den alleinigen und wirklichen Gebrauch des Fürsten selbst bestimmt“ (Ebert), ist man nach der Lektüre der noch vorhandenen Kataloge überrascht davon, wie weitsichtig wesentliche Literatur für die meisten Fachgebiete erworben wurde. Neben einer gediegenen Auswahl in den Geisteswissenschaften (Theologie. Jura, Geschichte, Philosophie) und den antiken Klassikern werden die naturwissenschaftlichen Fächer ausgesprochen nobel mit den wichtigsten Neuerscheinungen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgestattet. Die „Cosmographia“ von Petrus Apianus in einer Ausgabe von 1574 ist ebenso vertreten wie Albrecht Dürers „Unterweisung der Messung mit dem Zirkel und dem Richtscheyt“. Von Augusts großem Interesse am Bergwesen zeugt „De re metallica“ von Georg Agricola. Das Fürstenpaar, im Volksmund Vater August und Mutter Anna genannt, beschäftigte sich aktiv mit der Landwirtschaft, Pharmazie und Medizin. Dementsprechend großzügig sind diese Fachgebiete ausgestattet. Unter den Kräuterbüchern finden sich die Veröffentlichungen von Leonhard Fuchs, Otto Brunfels und Petrus Andrea Matthioli. Selbstverständlich stand die „Anatomia“ von Andreas Vesalius dem Kurfürsten zur Verfügung neben zahlreichen Veröffentlichungen, die im Bücher-Verzeichnis unter „Theophrasti Paracelsi medicin“ zu finden sind.

ps_20151113230759Die Libercy (Bibliothek) wuchs durch eine sorgsame Auswahl binnen weniger Jahre auf ein beachtliches Maß – von 1721 Bänden 1574 auf 2354 im Jahre 1580.

Auch wenn August eine Gebrauchsbibliothek sein Eigen nannte, war es ihm gleichermaßen ein Bedürfnis, für den äußeren Glanz der Bücher zu sorgen. Die ersten Bände seiner Sammlung ließ er von Dresdner Hofbuchbindern einbinden. In den späteren Jahren sind „viele Einbände aus rothbraunem reichvergoldetem Kalbleder mit schönem Presswerk, häufig mit dem in Gold abgedruckten Bildnisse des Kurfürsten“ oder durch „das sächsische und dänische (sein und seiner Gemahlin) Wappen und die Anfangsbuchstaben A.H.Z.S.C. (August Herzog zu Sachsen Churfürst)“ (Falkenstein) geschmückt. Während Eben der Name „des geschickten Arbeiters“ noch unbekannt war, weiß man heute, dass es sich um die Arbeiten des großen Renaissance-Buchbinders Jakob Krause (1531 oder 1532-1585) handelte, der 1566 bis zu seinem Tod für den sächsischen Kurfürsten tätig war.

Auf dem Einband des ältesten erhaltenen Verzeichnisses ist die Aufschrift „Registratur der bucher in des Churfursten zu Saxen liberey zur Annaburg 1574“ angebracht.

Man könnte daraus Schlussfolgern, dass das Ordnen seine Bücherbestände und damit der Aufbau seiner Libercy (Bibliothek) erst hier in Annaburg erfolgte.

Von Eduard Schmidt erfahren wir in seinen „Kursächsischen Streifzügen“ (T. l, 4. Aufl., 1928), von einem Raum im 3. Stockwerk der Annaburg: „Die meiste Zeit verbrachte der Kurfürst in seinem „Schrankzimmer“, der eigentlichen Arbeitsstube. In den Schränken, die hier die Wandverkleidung bildeten, wurden sein kostbares Handwerks- und Gärtnergerät, seine Reißzeuge, vor allem aber die über 2000 Bände zählende Bibliothek aufbewahrt …“ Die Bücher waren in Schränken „lediglich nach Größe und Gleichheit der Bände … mit dem Schnitt nach vorn“ (Assmann) aufgestellt. Um bei Bedarf die entsprechenden Bände schnell finden zu können, haue man „auf eines der mittelsten Blätter oben ein Streifen Papier geklebt, der herausragte und die Nummer des Buches angab“. (Assmann) Anna verfügte in ihren Räumen außerdem über eine kleine Handbibliothek. Die Bibliothek blieb bis zum Tode Augusts in Annaburg, wurde aber noch 1586 von seinem Sohn Christian L, „auf den die Bücherliebe seines Vaters als Erbtheil übergegangen war“ (Falkenstein) (leider) nach Dresden gebracht.

 

Bernd Hopke

 

 

 

Quellen- und Literaturhinweise:

  1. Falke, Johannes, Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung, Leipzig 1868 ;
  2. Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  3. Katrin Nitzschke, Der Vater der Liberey, SLUB-Kurier 2001/2;
  4. Reinhardt Eigenwill, Der Politiker August, SLUB-Kurier 2001/2;