unter Sachsen

Unter sächsischer Verwaltung


Vor 1697

Die sich langsam entwickelnde Eisenindustrie führte in Sachsen in zunehmendem Maße zum wälderfressendem Holzverbrauch. Unmengen von Holz benötigten die Hüttenwerke auch die Salinen hatten mindestens einen gleich hohen Bedarf. Zu großen Waldverbrauchern wurden aber auch die Glashütten. Alle diese Waldverbraucher befanden sich überwiegend im Bergland, also links der Elbe. Der umliegende Holzbestand war schnell aufgebraucht. Das Holz musste letzten Endes aus immer größerer Entfernung über den Wasserweg herangeholt werden. Sachsen gehörte schon seit dem 15. Jh. zu dem Land mit den meisten Flößen (gem. staatlich organisierter Holztransport und Handel). Dieser gewaltige überregionale Aufwand für die Beschaffung des als Brennstoff und als Baustoff unentbehrlichen Holzes überstieg die Macht und die ökonomische Kraft der einzelnen Grundherren. Es entstand ein staatliches Holzhandelsmonopol, das bis etwa 1850 andauerte. Da ein Straßentransport von Brennholz von mehr als 4 Stunden und bei Nutzholz von mehr als einem Tag nicht mehr lohnend war, musste zunehmend der Wasserweg benutzt werden. Haupthandelsplätze für das Holz waren die zu den Flößen angelegten staatlichen Holzhöfe. Die Einrichtung der Gewässer für die Flößerei und die Verwaltung lagen weitgehend in staatlicher Hand. Geleitet wurde das Flößereiwesen vom Oberforstmeister als Floßoberaufseher, der dem Finanzministerium zugeordnet war.

Da aber die Annaburger Heide seiner Lage entsprechend, stromabwärts am äußeren Ende von Sachsen lag und außerdem kurfürstliches Jagdgebiet war, erfolgte kein staatlich organisiertes Abflössen der Holzbestände und deren Verkauf. Das organisierte Flößen (gemeint der organisierte Verkauf des Holzbestandes) auf der Elbe, der Schwarzen Elster und dem Neugraben ist uns daher bis zum 17. Jh. nicht überliefert. Obwohl auch zu dieser Zeit gelegentlich Rechte zum Abflößen von Holz aus der Annaburger Heide an „Private“ verpachtet wurde. Die „Privaten“ waren die kurfürstlichen Amts-, Forst- und Jagdbedienten, die auf eigenes Risiko und Rechnung das Holz der Annaburger Heide verkaufen und dazu den Transportweg „Wasser“ verwendeten. Das heißt geflößt wurde schon immer auf den Flüssen. Dabei gab es immer wieder Unregelmäßigkeiten bei den Akzisezahlungen und den Zollgebühren.

Die Akzise, auch Accise (lat./frz.) oder Accis war eine indirekte Steuer, in der Regel eine Verbrauchssteuer beziehungsweise ein Binnenzoll.

Die Notwendigkeit einen Floßmeister und Floßaufseher in Annaburg zu beschäftigen wurde daher 1703 u.a. auch damit begründet:

„Welches ja zu Beginnen, daß dieses Floßinteresse die hochlöbliche Königliche Kammer durch das ohne Inspection und daher hintergangen Erlegung auch des geringsten Pfennigs an Floßzins bei doch mehr als 50 Jahre verherende Facte getrieben privat Flößer so auch die nahe samt denen Bauhölzern mehrenteils kassiert muß geraumer Zeit entraten müßen denen und vorherig alles doch schön durch die Inspection zu profitieren wär.“

Im dreißigjährigen Krieg kam auch die „Private“ Flößerei zum erliegen. Auf Grund der hohen Menschenopfern und Störungen des wirtschaftlichen Lebens war in der Zeit des dreißigjährigen Krieges und auch die ersten Jahre danach der Holzbedarf insgesamt sehr stark rückläufig. Die Waldbestände konnten sich auf natürliche Weise erholen. Erst mit der allmählichen wirtschaftlichen Erholung Sachsen nach dem Westfälischen Frieden stieg auch der Holzbedarf sprunghaft wieder an. Auf Grund der Lage der Dresdener Residenz, konnte der Holzbedarf aus eigenen Waldungen nicht gedeckt werden, man war auf böhmische Holzimporte angewiesen und die kosteten immer mehr Geld. Was lag also näher als die eigenen Holzbestände stromabwärts zu verkaufen um die Holzimporte Stromaufwärts zu bezahlen. Die Salinen an der mittleren Elbe (Schönebeck), aber auch der Salzbergbau hatten akuten Holzbedarf und der Kurfürst von Sachsen konnte es liefern, daher wurde am 4. Mai 1697 das Flößen auf der Elbe, der Schwarzen Elster und auf dem Neugraben anbefohlen (gemeint: die staatlich organisierte wirtschaftliche Ausbeutung der Annaburger Heide).

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Bernd Hopke

Ortschronist