ab 1697

unter Sachsen


Die staatlich organisierte Verwertung der Annaburger Heide erfolgte nach der bewährten sächsischen Organisationsform. Obwohl dem Finanzministerium zugeordnet, unterstand die Flößerei dem sächsischen Oberforst- und Wildmeister. Vor Ort wurde sie praktischerweise durch eine Floßkommission geleitet. Die Mitglieder waren der Annaburger Forst- und Wildmeister Theodore Eberweinen und der Amtsverwalter von Annaburg der Tobias Kuttschreutter. Dem Forst- und Wildmeister unterstanden die Waldbestände und dem Amtsmann die nötigen Arbeitskräfte. Da Jagd- und Wildmeister sowie Amtsman in Annaburg auf der damaligen Hierarchie auf gleicher Stufe standen wurde als Oberaufseher Valtin Dietrich von Lichtenhayn auf Werchau bestimmt. Für das „Praktische“, den Transport und Verkauf war ein Floßmeister zuständig. Später, zum Ende der sächsischen Zeit, wandelte sich der Begriff des Floßmeisters zum Floßverwalter oder auch Floßvorsteher. Aus dieser Zuständigkeit entwickelte sich dann, unter preußischen Verhältnissen im 19. Jahrhundert eine Annaburger Floßinspektion, die „Amtlich“ war, und daher volkstümlich als Annaburger Floßamt in die Literatur (Gründler, O.Heinze) einging.

Als erster Floßverwalter wurde Johann Heinrich Höfe in Annaburg eingesetzt und unser Ort vergrößerte sich um eine neue Hausstelle. Denn für den Floßverwalter Höfe wurde eine „Dienstwohnung“ neu gebaut.

Mit Beginn der staatlich organisierten Holzverwertung musste jetzt auch der überregionale Verkauf von Bauholz betrieben. Dazu erhielt 1698 Valtin Dietrich von Lichtenhayn auf Werchau u.a. auch die Langholzfloßberechtigung erteilt. Für den Langholztransport stand nur die Elbe als Transportweg zur Verfügung. Neugraben und Schwarze Elster waren dazu nur bedingt geeignet. Hier konnten nur einzelne größere Stämme für den regionalen Bedarf transportiert werden. 
Der Floßmeister Johann Heinrich Höfe richtete am Rande der Annaburger Heide einen wüsten Platz nahe Dautzschen in der Nähe vom „Kochs Loch“ als Holzplatz, auch Holzniederlage genannt, ein. Bis zu diesen Holzniederlagen mussten die Bauern der umliegenden Dörfer die Hölzer in Frohnarbeit transportieren. Hier wurden die vorgesehenen Stämme, aber auch das Scheitholz Hochwassersicher zwischen gelagert. Der eigentliche Platz für die „Aufstellung“ der Hölzer zur „Abflößung“ lag unterhalb Dautzschen beim „Roten Ochsen“. Deswegen wurden solche Plätze auch nicht als Holzniederlage sondern als Aufstellungsplatz bezeichnet und geführt. 
Auch dieser Platz wurde vom Floßmeister hergerichtet. Das alles können wir den Archivdokumenten entnehmen, worin der alte Floßmeister Höfe beide „wüste“ Stellen erblich an seinen Nachfolger, seinen Sohn Gotthelf Gottfried Höfer 1728 zu übertragen bestrebt war. Die notwendigen Transportleistungen zwischen den Holzplätzen zu erbringen oblag sicherlich den Bauern aus Dautzschen. Die Bauern der umliegenden Dörfer mussten die gefällten Hölzer in Frohnarbeit bis zu den Holzniederlagen transportieren. Ab hier waren dann die Floßmeister, -verwalter, -vorsteher, -anweiser und -aufseher mit ihrem Personal (Knechten) zuständig.
Von dem Holzplatz am roten Ochsen wurde u.a. auch das Langholz geflößt, welches im Zeitraum von 1765 bis 1766 als Bauholz zum Wiederaufbau der Universitätskirche in Wittenberg aus der Annaburger Heide bereitgestellt wurde. Der Floßlieferant war Samuel Müller. Wie sah dieser Wassertransport eigentlich aus? Beim Langscheitflößen unterschied man zwei Arten. Einmal das Flößen einzelner Bäume, die meist nur einzeln geflößt wurden, und zum anderen aber hier auf der Elbe die mit eisernen Klammern oder mit Stricken aneinander gefügten mehrlagigen Flößen. Diese so befestigten Flöße wurden auch Carinen genannt. Als Tragfloß wurden Flöße genannt, die zusätzlich noch andere Handelsware (Dielen, Bretter, Schindeln und andere Holzprodukte) mitführten.
Besagter Floßlieferant Samuel Müller war der Sohn des Floßmeisters August Müller aus Dautzschen der seit 1765 dieses Amt bekleidete. Vorher hatte der Gärtner Johann Christian Gruner das Amt des Floßaufsehers [Floßvorsteher] über die Salz-Siede-Holz-Flöße in Annaburg 10 Jahre lang inne. Wer das Amt zwischen 1735-1755 führte ist uns nicht überliefert.
Nachfolger von August Müller wurde der Amtsmanns aus Schweinitz, Christian Willhelm Neeßen, als Floßverwalteradjunkten in Annaburg von 1773 bis 1778. Danach wurde Johann Caspar Lange als Floßverwalter beim Amt Annaburg eingesetzt. Gegen ihn wurde ein „Propre-Rests verhangenen“, d.h. er wurde der Unterschlagung 1792 bezichtigt. Die Untersuchung zog sich lange, von 1794 bis 1795, hin. Bei der Untersuchung wurde sein gesamtes Archiv konfisziert. Als Floßvorsteher wurde 1792 der Förster aus den Naundorfer Revier Heinrich Wilhelm Reitzenstein verpflichtet und eingewiesen. Zusätzlich wurde auch Friedrich Wilhelm Treskow 1796 bei den kurfürstlichen Flößen zu Annaburg eingestellt. Nach Abschluß der Untersuchung im Unterschlagungsfalle des Johann Caspar Lange erfolgte 1796 noch mal eine aktenkundige Einweisung des bisherigen Försters Heinrich Wilhelm Reitzenstein als neuen Floßverwalter in Annaburg. Er bekleidete dieses Amt bis zur preußischen Übernahme. 1815 erfolgte seine Pensionierung.

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Bernd Hopke

Ortschronist