Das Annaburger Floßamt

– staatliche Holzhandelsmonopol


Die Literatur, vor allem aus dem 19. Jahrhundert, berichtet über das Floßamt, welches in Annaburg bestand. Außerdem erfahren wir, dass der sächsische Kurfürst 1793 das Flößen auf dem Neugraben befohlen hat. Damit entstand der Eindruck dass auch das „Amt“ mindestens genauso lange schon bestanden hat. Der Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e.V. Annaburg hat sich und hier vor allem der am 23. Oktober vergangenen Jahres verstorbene Eberhard Förster mit vielen Archivakten aus sächsischer und preußischer Zeit, die über das „Flößen“ berichteten, lange Jahre beschäftigt und sie mühsam aus der „deutschen Sütterlinschrift“ in die uns geläufige „Lateinschrift“ übersetzt. Da seine Leidenschaft den Mühlen gehörte, hat er sich auch nur mit den Akten beschäftigt, die in sächsischer wie in preußischer Zeit über den konfliktbeladenen Interessenausgleich zwischen den verschiedenen Flussnutzern (Flößern, Müllern, Fischern) berichteten. Es war eine mühselige „Fleißarbeit“ die in den mir von Eberhard zur Verfügung gestellten Texten steckte.

Sachsen gehörte schon seit dem 15. Jh. zu dem Land mit den meisten Flößen. Dieser gewaltige überregionale Aufwand für die Beschaffung des als Brennstoff und als Baustoff unentbehrlichen Holzes überstieg die Macht und die ökonomische Kraft der einzelnen Grundherren. Es entstand ein staatliches Holzhandelsmonopol, bei der nun Holz und Herrschaft untrennbar miteinander verbunden wurde. Im Ringen um Macht und Einfluss war Holz aufgrund seiner großen ökonomischen Bedeutung ein wesentliches Element der Konflikte zwischen Staat, Bevölkerung und notwendiger Gewerke (Bergbau und Saldinen).
Haupthandelsplätze für das Holz waren die zu den Flößen angelegten staatlichen Holzhöfe. Die Einrichtung der Gewässer für die Flößerei und die Verwaltung lagen weitgehend in staatlicher Hand. Geleitet wurde das Flößereiwesen vom Oberforstmeister als Floßoberaufseher, der dem Finanzministerium zugeordnet war. Daher gab es zu sächsischen Zeiten auch kein Floßamt. Auf Grund der geopolitischen Lage der Annaburger Heide und der Unterstellung unter dem Oberforst- und Wildmeister spielte die staatliche Holzgewinnung nur eine sehr untergeordnete Rolle. Holz wurde für regionale Baumaßnahmen, wie Straßenbau (Knüppeldämme), Brückenbau aber auch zum Häuserbau bedarfsorientiert aus der Annaburger Heide entnommen. Die Stämme wurden dazu einzeln geflößt. Davon zeugt der Treidlerpfad entlang der Schwarzen Elster. Geflößt wurde von „Privaten“. Das waren die kurfürstlichen Amts-, Forst- und Jagdbedienten, die auf eigenes Risiko und Rechnung das Holz der Annaburger Heide verkaufen und dazu den Transportweg „Wasser“ verwendeten. Das heißt geflößt wurde schon immer auf den Flüssen. Dabei gab es immer wieder Unregelmäßigkeiten bei den Accisezahlungen und den Zollgebühren.
Für den regionalen Holzbedarf kamen dabei Zugtiere für den Abtransport zum Einsatz, da es auch hier meist nur um einzelne Stämme ging. Der regionale Brennholzbedarf wurde durch Leseholzrechte der umliegenden Dörfer gedeckt. Daher gibt es auch keine großflächige Torfgewinnung für Brenn- und Heizzwecke in unserer Region.Der ständig steigende Holzbedarf in Dresden führte während der Regierungszeit August des Starken zu einer verstärkten Holzeinfuhr aus Böhmen. Aber auch hier wurde das Holz mit der Zeit knapper und die Preise zogen an. Um den erhöhten Geldbedarf auszugleichen, versuchte man nun auch die Holzbestände der Annaburger Heide und des Schradenwald gewinnbringend zu verwerten. Vorgesehen war Brennholz an die Salinen an der Elbe zu verkaufen. Das bedingte, dass das Scheitholzflössen auf der Schwarzen Elster und auf dem Neugraben als Staatliches Monopol organisiert und durchgeführt werden musste. Um den hohen organisatorischen Aufwand bewältigen zu können wurde zu sächsischen Zeiten eine Floßkommission eingesetzt. Mitglieder waren neben dem Annaburger Wild- und Forstmeister, der Amtsmann und ein Floßmeister. Wild- und Forstmeister waren genauso wie der Amtsmann für die organisatorische Arbeit und für das „Praktische“ war der Floßmeister zuständig. Durch das Holzscheitflössen musste in das Mühlenregulativ von 1551, welches an der Schwarzen Elster und dem Neugraben galt, eingegriffen werden. Das 1779 erlassene Mühlenregulativ berücksichtigte nun die zum Schutz und zur Förderung der Flößerei ergriffen Maßnahmen. Durch den Floßmeister wurden an der Elbe (roter Ochse) und vorgelagert am Rande der Annaburger Heide, so genannte kurfürstliche Holzplätze eingerichtet.

Nach der preußischen Übernahme unserer Region 1814 begann die Verwaltung mit der preußische Entflechtung der unterschiedlichen Waldnutzungsinteressen und -rechte (Jagd, Holzentnahme und Nebennutzungen). Dabei wurde nun das Annaburger Floßamt gebildet über dem das nun preußische staatliche Holzhandelsmonopol ausgeübt wurde. Niedergang des Flößereigewerbes erfolgte mit dem Bau der Eisenbahnen – sie lösten den Fluss als Transportmittel für Energieressourcen ab. Noch vor der Errichtung der Eisenbahnlinien in unserer Region wurde 1835 das Annaburger Floßamt geschlossen. Die Scheitholzflösserei auf der Schwarzen Elster wurde eingestellt nicht aber auf dem Neugraben, hier wurde noch bis Mitte des 19.Jahrhundert geflößt unter Leitung des Annaburger Floßaufseher Joseph Schweinitz. Der Schradenwald war schon verschwunden aber auch in der Annaburger Heide hat die Holzentnahme zu großen Brachen geführt. Sie wurde in den folgenden Jahren erst wieder aufgeforstet, u.a. auch Dank der Bemühungen des Oberförsters Sack.

Bernd Hopke
Ortschronist