Die Jagd


Der Kurfürst August auf der Jagd

Die Lieblingsbeschäftigung des Kurfürsten August war die Jagd. Was verstand Kurfürst August unter der Jagd? Aus seiner Hinterlassenschaft kennen wir z.B. ein Verzeichnis über die „Pirschsteige“ in der Lochauer (Annaburger) Heide. Auch sein Hang zur Kartografie gibt Aufschluss über seine zurückgelegten Jagdstrecken in der Lochauer (Annaburger) Heide. Seinen dabei aufgezeichneten Wegstrecken waren ca. 20 – 25 km lang. Damit ist klar – er war mit dem Pferd unterwegs. Zum Entenschießen am Schlossteich dagegen zu Fuß. Das waren Jagdzüge allein oder mit kleinstem Gefolge.

Ausschnitt aus der Karte des Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 006, F 080, Nr 013;  Nachzeichnung (18. Jh): Lochische und Seydische Heide mit den umliegenden kleineren Wäldern und Gehölzen

Dagegen gab es auch größere zeitintensivere Jagdereignisse mit entsprechender Vorbereitung und großem Gefolge. Wie z.B. die „Hirschfeiste“ im Sommer, wenn die Hirsche noch nicht von der Brunft abgemagert waren, hielt es den Kurfürsten nicht länger in seiner Residenz bei seiner „staatspolitischen Arbeit“. Mit engstem Gefolge zieht er in eines seiner Jagdschlösser, von denen ja mehr als dreißig zur Auswahl stehen. Augusts Jagdleidenschaft ging dabei so weit, dass er z.B. im Jahre 1557 sogar den deutschen Kurfürstentag – der mitten in die Jagdsaison fällt – aufschieben lässt. Die Hirsche bevorzugen in der Feistzeit besonders ruhige Stellen und verlassen dieses schon bei kleineren Beunruhigungen für längere Zeit. Diese Besonderheit macht die Jagd auf den Feisthirsch zu einer besonderen Herausforderung und erfordert besonders viel jagdliches Geschick. Allerdings der alternde Kurfürst ließ die Hirsche durch sein Jagdgefolge auffinden und einstellen, um anschließend den Hirsch in einer Tierhatz zu erlegen. Noch aufwendiger waren dann die Hauptjagden. An ihr nahmen meist die gesamte Hofgesellschaft und hochrangie Gäste teil. Sie dauerte mehrere Tage. Allein die Vorbereitung konnte Wochen in Anspruch nehmen. Hier hatten die Bauern der umliegenden Walddörfer des Amtes Annaburg ihre Jagdfrone abzuleisten. Da das bei weitem nicht ausreichte waren auch die anderen Dörfer der Region, der Ämter Schweinitz und Schlieben einschließlich der Städte Jessen, Prettin und Herzberg  zur Jagd dem Amt Annaburg Fronpflichtig (siehe dazu Amtserbbuch von Annaburg). Die großen Jagdschirme wurden meist am „Hirschsprung“ oder oft auch an der „Fronika“ (Vronika) aufgestellt. Diese großen Lichtungen lagen im Zentrum der Annaburger (Lochischen) Heide, ungefähr 200 – 300 m vom heutigen Forstmeisterkreuz entfernt.     

Der Befehl, ein Hauptjagen vorzubereiten, versetzte die beauftragten Amtmänner, Jägermeister und Gemeindevorsteher schon Wochen zuvor in Aufregung. Ein Amt hatte für diese Art Treibjagd zwei- bis dreihundert Anspänner mit einigen hundert Pferden und an die fünfhundert Männer zu stellen. Diese werden zunächst in den Dörfern am Rand der Heide untergebracht. Morgens und abends haben sich die Fronpflichtigen, meist auf dem Dorfplatz, zu versammeln. Gemeindeweise und namentlich wird die Anwesenheit festgestellt. Als Entschuldigungsgrund gelten nur vom Gemeindevorsteher bescheinigte Krankheit oder hohes Alter. Der Jägermeister, der im Auftrag des Kurfürsten die Jagd leitet, zieht indessen seine Förster und Jägerknechte zusammen, um die nötigen Instruktionen zu erteilen. Da ist vieles zu erledigen, Jagdgerät (Lappen, Netze, Seile, Haspeln, Stangen) muss herangeschafft und verteilt werden. Auch Holz für die Zubereitung der Mahlzeiten und für die Unterhaltung der nächtlichen Wachtfeuer ist zu stapeln. Währenddessen sorgt der Schösser für die Bereitstellung der notwendigen Lebensmittel zur Beköstigung der Jagdgäste. Auch Futter für viele Pferde und Hunde ist zu beschaffen. Sobald die Fuhrwerke mit dem Jagdgerät an den zugewiesenen Stellen eingetroffen sind, beginnt unter Anweisung des Jägermeisters das Einlappen des Waldes. In einem riesigen Kreis rücken die Treiber langsam vor. Gegen Abend sind die festgelegten Plätze zu beziehen, die Verlappung ist ins Vorfeld zu verlegen, und Wachtfeuer sind zu entzünden. So wird der Kreis immer enger gezogen. Je nach Größe des zu bejagenden Gebietes kann eine Jagd daher mehrere Tage oder gar Wochen dauern. Sind die Tiere so weit zusammengetrieben, dass die an Leinen gespannten Lappen nicht mehr ausreichen, um sie am Ausbrechen zu hindern, müssen hohe Netze um das Terrain gespannt werden. Je enger der Ring gezogen ist, umso schwieriger ist es auch, ein Durchbrechen der eingekesselten Tiere zu verhindern. Endlich kann der Jägermeister dem Kurfürsten melden, wie viel Wild sich im „Zwangtreiben" befindet. Der Fürst kann nun mit großem Gefolge (manchmal nahmen über 300 Personen teil) samt Dienerschaft und Hausgerät zum letzten „Halali" anreisen.2)
Manch ein Geweihter liegt und färbt den Rasen rot, um ihn stürzen Tiere und Kälber, dort umkreist, von Hunden gehetzt, ein angeschweißter Hirsch den Schirm auf drei Läufen, der linke Vorderlauf schlenkert um den rechten, dort wälzen Tiere sich im Todeskampf und schlagen mit den Läufen in die Luft, aus zehn Wunden schweißend, flüchten andere den Laufplatz auf und nieder, dort schleppt ein Hirsch durchs Kreuz geschossen, sich auf den Vorderläufen fort, hier ein anderer hat den Hunden sich gestellt und kämpft, während der rote Schweiß ihm aus dem Windfang träufelt. Neue Scharen werden aus der Kammer getrieben. Fieberhaft arbeiten die Büchsenspanner. Nur wenn die Schützen vor Pulverdampfnichts mehr sehen, tritt eine Pause ein.“ 3)

Bernd Hopke

 

 

Quelle

  1. Weller, Jacob; Erfreuliche Seelen-Jagt; 1649. bey der damaliger gehaltener Churfürstl. Sächs. Hirschfeiste in der Schloß-Kirchen zu Freyberg; Dresden 1651
  2. Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  3. Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  4. Erbamtsbuch der Stadt Annaburg
  5. Sächsisches Staatsarchiv, 12884 Karten und Risse, Nr. Schr 006, F 080, Nr 013;Nachzeichnung (18. Jh): Lochische und Seydische Heide mit den umliegenden kleineren Wäldern und Gehölzen