Rost

Blumenpavillon Rost in der Torgauer Straße

100-jähriges Firmenjubiläum 2012 und dann geschlossen für immer

Am 1. April 1912 kam der Garten- und Landschaftsgestalter Richard Rost mit seiner Ehefrau Else und seinen 5 Kindern nach Annaburg. Mit einem kleinen Kapital der Ehefrau, hatte sich die junge Familie das Grundstück einer 1911 aufgegebenen Gärtnerei in Annaburg in der Schweinitzer Strasse gekauft, um hier ein eigenes Gewerbe ausüben zu können. Der gelernte Garten- und Landschaftsgestalter Richard Rost hatte sich in seinem langen Wanderleben nach seiner Ausbildung vor allem in England aber auch in Frankreich ein umfangreiches Wissen im Gartenbau angeeignet.
In zwei kleinen Gewächshäusern und auf 10 Morgen Anbaufläche wurden nun fleißig Gemüse, Obst und Topf- und Zierpflanzen angebaut und direkt am Rand von Annaburg vertrieben. Viel Zeit für den Auf- und Ausbau des Geschäftes blieb dem Gründer nicht. Der kleine Betrieb wuchs und konnte schon zusätzlich einen Gehilfen und drei Arbeitsfrauen beschäftigten. Da brach der 1. Weltkrieg 1914 aus und R. Rost wurde sofort als Soldat eingezogen. Jetzt lastete alles auf den Schultern seiner Ehefrau Else – Geschäft – Haushalt und Kinder. 4 lange Jahre musste sie sich so als Geschäftsfrau beweisen.
Auf Grund seiner Sprachkenntnisse (englisch und französisch) wurde Richard Rost als Dolmetscher nach zwei Jahren von der Front in die Etappe versetzt und konnte so den Krieg überleben. 1918 kam er zu seiner Familie und seinem kleinen Betrieb zurück. Inflation und Wirtschaftskrise mussten gemeistert werden. R. Rost wusste, man kann nur mit neuen Ideen überleben. Das Verkaufsgeschäft musste vom Stadtrand ins Zentrum zu den Kunden verlegt werden. So erfolgte – 1925 der Bau und die Eröffnung des uns bekannten Blumenpavillons als Verkaufsgeschäft in der Torgauer Strasse. Neben dem Anbau spielte jetzt auch die floristische Gestaltung der Blumenprodukte für den Verkauf eine wesentlichere Rolle. Dadurch konnte man sich auch der weltweiten Blumenspendevermittlung „Fleurop“ 1925 anschließen. In den 30-iger Jahren wurde mit dem Stromanschluss in die elektrische Bewässerung der Anbauflächen investiert. Damit stand der Vergrößerung der Gewächshausanlage nichts mehr im Wege. Sie erfolgte dann in den 40-iger Jahren. Der Betrieb sollte jetzt an den Sohn Gerhard übergehen. Aber 2. Weltkrieg ließ den als Gartenbaumeister ausgebildeten Sohn nicht sein Gewerbe ausüben, sondern er verlor an der Ostfront als Soldat sinnlos sein Leben. R. Rost brachte seinen Betrieb durch den Krieg und die Wirren der ersten Nachkriegszeit und übergab mit 66 Jahren seinen Betrieb 1947 an seine älteste Tochter Gertrud. Sie führte den ihr übertragenen Betrieb mit Ihrem Ehemann im Sinne ihres Vaters durch die Zeit des Sozialismus fort und trotzt den Kollektivierungsversuchen bis sie 1970 das Geschäft ihrer Tochter Ursula Ott und ihren Ehemann Helmut übertrug. Fast 20 Jahre später folgte der Zusammenbruch der DDR. Statt Kommandowirtschaft mit seinem Produktemangel konnte das Unternehmerehepaar Ott nun das Familienunternehmen in die Marktwirtschaft führen. Seit dem 01. Januar 2000 wird das Unternehmen nun bereits in der 4. Generation etwas verkleinert, aber dafür auf den Verkauf spezialisiert, durch die Tochter Margrit Thalheim weitergeführt. Jetzt im April begeht das Familienunternehmen nun sein 100-jähriges Firmenjubiläum.
Wir Annaburger hoffen, dass uns der beliebte Blumenpavillon in der Torgauer Strasse noch lange erhalten bleibt.

Bernd Hopke
Annaburger Ortschronist

Quelle:
Ursula Ott; „Rost Ullmann Ott Thalheim 100 Jahre 4 Generationen und Familie“; persönliche Aufzeichnungen 2012, Privatarchiv unveröffentlicht