Sachsen

Wo liegt Sachsen?

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Wenn man von Sachsen redet – denkt fast jeder an Dresden – den Freistaat Sachsen. Aber Sachsen war ursprünglich fest mit Wittenberg und Lauenburg verbunden. Sächsisch sprach in diesen Gebieten wohl keiner – eigentlich ist Sachsen ein hochdeutsches Sprachgebiet – zumindest schrieb Martin Luther seine Bibelübersetzung (1522/34) auf der Basis der sächsischen Kanzleisprache welche dann zum Motor bei der Bildung einer überregional verständlichen deutschen Sprache wurde. Es war nicht die Sprache die man in Leipzig oder Dresden als „Sächsisch“ bezeichnet – wieso eigentlich nicht?

Sachsen um 900 Jahrhundert
Grenz Gau – Ausgangssituation um 900

Herzog Bernhard war der jüngste Sohn von Albrecht dem Bären (? 1170) des askanischen Markgrafen von Brandenburg. Kurz vor seinem Tode teilte er seine Besitzungen unter seinen fünf Söhnen auf. Der jüngste Sohn, Bernhard, erhielt die Burg Anhalt im Selketal sowie die Grafschaft Aschersleben (Der Name Askanier leitet sich von Ascharia, ihrem Sitz in Aschersleben, ab). Nach dem Tode seiner Brüder Albrecht und Dietrich erbte er Ballenstedt sowie Gebiete um Werben und Wittenberg. Auf dem Reichstag zu Würzburg 1180 erhielt er die östlichen Besitzungen Heinrichs des Löwen, die jenem aberkannt worden waren, und die sächsische Herzogswürde. Er herrschte damit über Teile des untergegangenen alten Herzogtums Sachsen an der mittleren Elbe, nämlich über die Gebiete Lauenburg und Wittenberg. Am 9. Februar 1212 starb Herzog Bernhard I., der Begründer der sächsisch-askanischen Linie der Herzöge von Sachsen-Wittenberg. Die Herzogswürde ging an seinen jüngsten Sohn Albrecht I. über. Nach Herzog Bernhards Tod entstand 1212 das Fürstentum Anhalt, das die askanische Stammlinie regierte, das aber bald der Erbteilung anheimfiel.

Aber zurück zu Sachsen – Nachfolger als Herzog von Sachsen wurde Albrecht I. von Sachsen (1212–1260). 1261 kam es zur Teilung des askanischen Herzogtums Sachsen unter den Söhnen Albrechts I. Der ältere Sohn, Johann I., erhielt das Gebiet an der Niederelbe als Herzogtum Sachsen-Lauenburg (erloschen 1689), der jüngere, Albrecht II. (1260–1298), der 1288 auch die pfalzgräfliche Würde und 1290 die Grafschaft Brehna zu der auch unserer damaliges Lochau gehörte erhielt, erwarb das Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Er gehörte dem gebildeten Kurkollegium zur deutschen Kaiserwahl an. Der Nachfolger Albrechts II., Herzog Rudolf I. (1298-1356), wurde durch Kaiser Karl IV. in der als „Goldene Bulle“ bezeichneten Urkunde von 1356 in den Rang eines Kurfürsten erhoben. Um jeglichen Streit um die Kurwürde auszuschließen, bestimmte die Goldene Bulle, dass das Kurland Sachsen-Wittenberg unteilbar sei und die Vererbung nach dem Recht der Erstgeburt (Primogenitur) erfolgen solle. Seine Nachfolger waren Rudolf II. (1356–1370), Wenzel (1370–1388), Rudolf III. (1388–1419) und zuletzt Albrecht III. (1419–1422).

zustandum1200Er war der letzte Askanier. seinem Ende verdankt die „Lochau“ als Kurfürstlichen Jagdsitz ihre Ersterwähnung. Danach übernachtete Albrecht III. (1419-1422) nach einem Jagdausflug auf der Lochau. Als in der Nacht ein Feuer ausbrach, fielen 15 Menschen den Flammen zum Opfer. Der Herzog konnte sich nur mit Mühe retten, verstarb jedoch wenige Tage später am 25. Juli 1422 im nahen Wittenberg an den Folgen des Unglücks.

Als die Wittenberger Askanier mit Albrecht III. 1422 ausstarben, belehnte Kaiser Sigmund am 6. Januar 1423 den Wettiner Markgraf Friedrich, den Streitbaren, von Meißen, für die Unterstützung gegen die Hussiten mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg und der damit verbundenen Kurwürde (als Friedrich I.), mit der Pfalzgrafschaft Sachsen, der Grafschaft Brehna und der Burggrafschaft Magdeburg (förmliche Belehnung fand erst am 1. August 1425 statt). Mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg waren das Erzmarschallamt, die sächsische Herzogswürde und das Amt eines Reichsvikars für die Teile des sächsischen Rechts verbunden. Der Name „Sachsen“ ging in der Folgezeit vom Kurkreis Wittenberg auf den gesamten wettinischen Besitz über und war bis 1547 auch für den thüringischen Teil üblich. Unter den ersten Wettinern hörte Wittenberg vorerst auf, Wohnsitz des Landesherrn zu sein.

Sächsische Teilung 1448
Sächsische Teilung 1448

Kurfürst Friedrich II. hatte 1464 das Land seinen Söhnen zur gemeinsamen Regierung hinterlassen. 1485 kam es im Vertrag von Leipzig zur dauernden Aufteilung der Besitzungen in die ernestinischen (bis 1547 Kursachsen) und die albertinischen Lande (bis 1545 Sachsen). Der ernestinische Zweig erhielt u.a. das Kurland Sachsen-Wittenberg und die Kurwürde. Kurfürst Ernst starb bereits 1486. Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich III. Seinen Beinamen „der Weise“ verdankt er seiner herausragenden Bildung und Belesenheit. Gemeinsam mit seinem Bruder, Johann dem Beständigen, regierte er das Kurfürstentum und verlegte seine Residenz nach Wittenberg. Mit Friedrich dem Weisen begann für die Elbestadt Wittenberg die glanzvollste Zeit ihrer Entwicklung. Er wollte aus ihr eine kurfürstliche Stadt machen, die sich mit Meißen und der dortigen Albrechtsburg vergleichen konnte.

weise5Friedrich der Weise gründete 1502 in Wittenberg als Zentrum der Bildung – die landesfürstliche Universität „Leucorea“ für das ernestinische Sachsen. Durch die Berufung von Martin Luther und Philipp Melanchthon wurde die Leucorea Keimzelle der Reformation. Gemeinsam mit seinem Bruder Johann trat er für Reichsreformen ein. 1518 lehnte er die Auslieferung Luthers nach der Verhängung von Acht und Bann nach Rom ab, da er in Luther ein Unterpfand für das Aufblühen seiner Universität sah. Außerdem widersprach dieser Antrag seiner Auffassung von territorialer Souveränität.

Friedrich der Weise verweigerte 1521 die Durchführung des über Luther verhängten Bannes und erwirkte freies Geleit für dessen Erscheinen auf dem Reichstag in Worms. Obwohl sich Friedrich nicht öffentlich zu Lehre Luthers bekannte, brachte er ihn nach dem Reichstag auf der Wartburg in Sicherheit. Martin Luther wollte die Lektüre der Heiligen Schrift unter den Christen fördern und ihnen zeigen, dass der Glaube und die dazugehörigen Texte nicht im alleinigen Besitz des Klerus waren. Er nutze die Zeit seines erzwungenen Aufenthalts auf der Wartburg zu seiner Bibelübersetzung. Das Neue Testament in Deutsch, erschien 1522 im Druck. Dieser Druck bildete die Grundlage zur Herausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache.

Nachfolger von Kurfürst Friedrich dem Weisen wurde 1525 sein Bruder Johann der Beständige. Er richtete seine Residenz in Torgau ein. Wittenberg büßte dadurch aber weder seine bisherige Hauptstadtfunktion ein, noch wurde dadurch die Bedeutung der Universität, des Reformatorenkreises und des Buchdruckerwesens, welches sich sprunghaft im 16. Jahrhundert entwickelt hatte, geschmälert. Die Universität Wittenberg behielt ihre führende Stellung bei der Herausbildung des evangelischen Theologennachwuchses. In der Zeit von 1536 bis 1547 erreichte sie mit insgesamt 4 500 Immatrikulationen den höchsten Stand unter den deutschen Universitäten.

Durch die Niederlage des protestantisch Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen, eines Sohnes Johannes des Beständigen, in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 verlor er Titel und Territorium an seinen Vetter Herzog Moritz von Sachsen aus der albertinischen Linie, der auf der Seite Kaiser Karls V. gekämpft hatte. Die feierliche Belehnung Moritz von Sachsens mit den Kurlanden und der Kurwürde erfolgte am 24. Februar 1548.

Seit 1547 ist politische sächsische Geschichte vorzugsweise Geschichte des albertinischen Kursachsens – Dresden und Leipzig ließen Wittenberg immer mehr verblassen – diese Städte prägten nunmehr in bestimmender Weise das „Sachsen“. Das ehemalige kursächsische Stammland Wittenberg wurde 1815 in das Königreich Preußen eingegliedert – damit endete die „sächsische“ Geschichte in unserem Gebiet.

 

Bernd Hopke

 

Quelle:

  • Dr. sc. phil. Artur Schellbach, Geschichte in Mitteldeutschland Bd.1 (2.veränd. überarb. erw. Aufl.) „Auf den Spuren der Wettiner in Sachsen-Anhalt, Verlag Janos Stekovics, Halle/S. 1999
  • Autorenkollektiv, „Duden, Grundwissen-Geschichte“, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996
  • Autorenkollektiv, freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Free Documentation License. Stand Nov.2006