Kurfürstentum Sachsen

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Das Sachsen welches für die Entstehung des Jagdschlosses Annaburg und somit auch für unseren Ort Annaburg so bestimmend war, ist ein mitteldeutsches Land, das aus dem ehemaligen Kurfürstentum bzw. dem späteren Königreich Sachsen der Albertinischen Linie des Hauses Wettin hervorgegangen ist. Kerngebiet des Landes war die Mark Meißen, deutsches östliches Grenzland. Dazu kommt das Osterland, die Grafschaft Brehna, die Mark Landsberg, die Landgrafschaft Thüringen, das Pleißner Land und die Pfalz Sachsen. Markgraf Heinrich der Erlauchte (1221-1288) erwarb 1243 des Pleißnerland und 1264 den größten Teil dieses Landes. Die Chemnitzer Teilung 1382 zersplitterte das Land und schuf zeitweise 3 selbständige Landesteile (Osterland, Thüringen, Meißen). In dieser Zeit gehörte das Gebiet rund um Annaburg zu den Grafen von Brehna.

Besitzungen der Wettiner um 1221
Besitzungen der Wettiner um 1221

Die Goldene Bulle von 1356 bestätigte den Status des Herzogs von Sachsen-Wittenberg als einer von sieben Kurfürsten – diesen Titel hatten die askanischen Herzöge (Mark Brandenburg) inne. Im Jahr 1422 starben die askanischen Herzöge von Sachsen-Wittenberg aus. In diesem Zusammenhang wurde 1422 das Lochauer „Haus“ (Jagdhaus – das Wort „Schloss“ wurde erst seit 1450 dafür benutzt) erwähnt. Danach übernachtete Albrecht III. (1419-1422) nach einem Jagdausflug auf der Lochau. Als in der Nacht ein Feuer ausbrach, fielen 15 Menschen den Flammen zum Opfer. Der Herzog konnte sich nur mit Mühe retten, verstarb jedoch wenige Tage später am 25. Juli 1422 im nahen Wittenberg an den Folgen des Unglücks.

Nun konnte der wettinische Markgraf von Meißen, Friedrich IV. „der Streitbare“ (1370-1428) vom deutschen König Siegmund als Dank für seine Kriegshilfe gegen die Hussiten in Böhmen mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg belehnt (06.01.1423) werden. Damit erhielten die Wettiner den Titel der „Kurfürsten von Sachsen“.

Der Kurfürstentitel ließ allmählich den Namen Sachsen auf das ganze wettinische Herrschaftsgebiet übergehen und für das Gebiet des aus Niederdeutschen, Thüringen, Mainfranken und slawische Bevölkerungsteilen sich bildenden neuen deutschen Stammes den Namen Obersachsen aufkommen.  (siehe Deutsche Ostbesiedlung)

Unter Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen (1428-1464) wurde Sachsen in den Hussitenkriegen (1429-1432) und nach dem Aussterben der thüringischen Linie durch den Streit um die neue Landesteilung zwischen ihm und seinem Bruder Wilhelm III. dem Tapferen (1425-1482), der 1445 Thüringen erhalten hatte, im Sächsischen Bruderkrieg (1446-1451) schwer erschüttert. Nach Wilhelms Tod fiel Thüringen an das Kurfürstentum zurück.

Sächsische Teilung 1448
Sächsische Teilung 1485
(siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Saxony_after_the_Capitulation_of_Wittenberg_(1547)_-_DE.png)

Am 26.08.1485 vereinbarten die beiden Brüder und Erben der wettinischen Länder, die Herzöge von Sachsen Ernst (1441-1486) und Albrecht („der Beherzte„, 1443-1500) in Leipzig die Teilung ihres Besitzes (Leipziger Teilung). Ernst (Stammvater der Ernestiner, 1464-1486) erhielt Kursachsen, Thüringen und das Vogtland. Albrecht (Stammvater der Albertiner, 1465-1500) erhielt Meißen, einen Teil des Osterlandes und den nördlichen Streifen Thüringens. Die ernestinischen Kurfürsten Friedrich der Weise (1486-1525), Johann der Beständige (1525-1532) und Johann Friedrich der Großmütige (1532-1547) (Führer des protestantischen Schmalkaldischen Bundes) förderten die lutherische Reformation, während der albertinische Herzog Georg der Bärtige (1500-1539) am Katholizismus festhielt.

Im Vertrag von Prag vom 14.10.1546 sicherte sich der albertinische Herzog von Sachsen Moritz den Anspruch auf das Amt des Kurfürsten von Sachsen als Gegenleistung dafür, dass er an der Seite des (katholischen) Kaisers gegen den (protestantischen) Schmalkaldischen Bund kämpfen würde. Dessen einer Bundeshauptmann, sein ernestinischer Groß-Cousin Johann Friedrich, sollte im Fall der Niederlage zum Verzicht auf die Kurwürde gezwungen werden. 1547 unterlag der Schmalkaldische Bund Kaiser Karl V. bei Mühlberg.

In der Wittenberger Kapitulation am 19.05.1547 verlor der ernestinische Johann Friedrich den größten Teil seines Landes und die Kurwürde an den albertinischen Herzog Moritz (1541-1553).

Am 04.06.1547 wurde Herzog Moritz in Erfüllung des Vertrags von Prag zum Kurfürsten von Sachsen ausgerufen. Damit ging die Kurwürde von der ernestinischen Linie des Hauses Wettin auf die albertinische Linie über, die sie bis zur Auflösung des Reichs im Jahr 1806 behielt.

Sein Bruder und Nachfolger August (1553-1586) erwarb weitere thüringische Gebiete 1567 in den Grumbachschen Händeln und 1583 einen Teil der Grafschaft Henneberg. Das wesentlichste aber war, dass er den bis dahin erworbenen Besitz und die Herrschaftsansprüche zu sichern und zu festigen verstand.

Kurkreis Sachsen 1752
Kurkreis Sachsen 1752

Im Dreißigjährigen Krieg trat 1661 Kurfürst Johann Georg I. (1611-1656) auf die Seite Gustav Adolfs, schloss aber 1635 mit dem Kaiser den Prager Frieden, der ihm die Lausitz als erbliche böhmische Lehen einbrachte. Mit dem Übertritt Kurfürst Friedrich August I. „des Starken“ (1694-1733) zum Katholizismus 1697 ging die Führung der protestantischen Stände an Brandenburg über.

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs am 06.08.1806 wurde das Amt der Kurfürsten gegenstandslos. Friedrich August bemühte sich mit Preußen und Hessen-Kassel um die Gründung eines Norddeutschen Bundes. Im Krieg gegen Napoleon verlor das sächsisch-preußische Heer am 14.10.1806 die Schlacht bei Jena. Da sich Friedrich August durch die Preußen im Stich gelassen fühlte, nahm er am 11.12.1806 den Frieden von Posen an. Als Gegenleistung für seinen Beitritt zum Rheinbund wurde er von Napoleon zum König erhoben, Sachsen war nun bis 1918 Königreich.


Die Kurfürsten von Sachsen

  • 1423-1428 Friedrich I. „der Streitbare“ (1370-1428)
  • 1464           Friedrich II. „der Sanftmütige“ (1412-1464)
  • 1464-1486 Ernst (l441-l 486)
  • 1486-1525 Friedrich III. „der Weise“ (1463-1525)
  • 1525-1532 Johann „der Beständige“ (t 1532)
  • 1532-1547 Johann Friedrich (t 1554)
  • 1547-1553 Moritz (l521-l553)
  • 1553-1586 August (1526-1586)
  • 1586-1591 Christian I. (1560-1591)
  • 1591-1611 Christian II. (1583-1611)
  • 1611-1656 Johann Georg 1(1585-1656)
  • 1656-1680 Johann Georg II. (1613-1680)
  • 1680-1691 Johann Georg III. (1647-1691)
  • 1691-1694 Johann Georg IV. (1668-1694)
  • 1694-1733 Friedrich August I. „der Starke“ (1670-1733)
  • 1733-1763 Friedrich August II. (1696-1763)
  • 1763           Friedrich Christian (1722-1763)
  • 1763-1806 Friedrich August III. „der Gerechte“ (1750-1827)

Die Könige von Sachsen

  • 1806-1827 Friedrich August I. (III.) „der Gerechte“ (1750-1827)
  • 1827-1836 Anton „der Gütige“
  • 1836-1854 Friedrich August II.
  • 1854-1873 Johann „der Wahrhaftige“
  • 1873-1902 Albert
  • 1902-1904 Georg
  • 1904-1918 Friedrich August III. (1918 abgedankt)

 

 

Bernd Hopke

 

Quellen- und Literaturhinweise:

  • Rudolf Kötzschke u. Hellmut Kretzschmar, Sächs. Gesch. II, 1935;
  • Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  • Sachsen Herzog zu, Albert Die Albertinischen Wettiner – Geschichte des Sächsischen Königshauses 1763 – 1932, Gräfelfing bei München 1995 (3. Auflage);
  • Sachsen Herzog zu, Albert Die Wettiner in Lebensbildern, Graz – Wien – Köln 1995;
  • Sachsen Herzog zu, Albert (Hrsg.) Die Wettiner in Sachsen und Thüringen, Dresden 1996;
  • Duden, Grundwissen-Geschichte, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996;
  • Der Kurkreis Sachsen mit seinen Ämtern im 18. Jahrhundert; nach Schreiber; erschienen bei Schreibers Erben 1752