Erste Kriegsberührung

im dreißigjährigen Krieg (1618-1648)


Erste direkte Kampfhandlungen fanden im Sommer 1631 hier statt. Dabei drang eine kroatische Streifschar aus der Lausitz kommend in unsere Region ein, plünderte Dörfer und brannte u.a. das Dorf Wiederau und die Stadt Uebigau nieder. Auch Wahrenbrück wurde ausgeraubt und weitgehend eingeäschert. Der Heerführer der Katholischen Liga Johann t’Serclaes von Tilly zog im selben Jahr mit seinen Truppen von Ortrand nach Finsterwalde und hinterließ ein ausgeraubtes Land. Ebenfalls im Jahr 1631 wurde Schlieben durch Truppen des Kaisers Ferdinand II zerstört.

Tilly konnte durch die vereinigten Truppen von Schweden und Sachsen bei Leipzig in der Schlacht bei Breitenfeld geschlagen werden, so dass der Krieg nach den katholischen Süden verlagert wurde. Auch die Kroaten wurden zurückgedrängt.

Das in jener Zeit durch ein umfangreiches Fluss- und Grabensystem geschützte Herzberg gilt als eine der wenigen deutschen Städte, die während des Dreißigjährigen Krieges nicht erobert werden konnten. Beim Einfall der Kroaten überlieferte sich die Waffentat des Bürgers und Schützen Andreas Bolde aus Herzberg, der durch einen glücklichen Schuss den Anführer der kaiserlichen (kroatischen) Truppen bei der Elsterüberquerung vor Herzberg erschossen hat. Nachdem ihr Anführer Oberst Götze (anderen Quellen nach soll der Oberst Götze zu den schwedischen Truppen gehört haben und in Calau beigesetzt worden) bei der Elsterüberquerung tödlich getroffen wurde, brachen sie ihren Angriff auf die Stadt ab und zogen sich über Dahme und Luckau wieder nach Schlesien zurück.  Beide Orte wurden dabei geplündert und gebranntschatzt. Bei diesem Angriff wurde die Mühle in Altherzberg zerstört und konnte erst wieder 1665 aufgebaut werden. Um Herzberg effizient zu schützen, wurde durch die Bürger der Stadt die Elsterbrücke zerstört, aber auch die Straße Herzberg – Torgau nachhaltig für Wagen und Tross unpassierbar gemacht. Da sie nicht zu den „Hohen Straßen“ (Staatsstraßen in Sachsen) zählte, wurde sie auch erst 100 Jahre später wieder instand gesetzt.

Am schwersten und direktesten wurde unsere Region durch die Ereignisse 1637 während des Schwedisch – Französischer Krieg  von 1635 – (1646) 1648 betroffen.

Im Vorfeld dieses Krieges hatten die sächsischen und schwedischen Truppen gegen Wallenstein in Böhmen jahrelang gekämpft und verloren. Sie mussten sich aus Böhmen zurückziehen und waren in der Defensive. Sachsen wechselte die Front und kämpfte ab jetzt auf der kaiserlichen Seite. Für diesen Verrat an der protestantischen Sache erhielt Sachsen 1635 die Oberlausitz. Nach dem Tode des schwedischen Königs Gustav II. Adolf bei Lützen war der einzige namhafte schwedische Feldherr der Obrist Banèr. Er war es, der gegen Wallenstein verloren hatte und mit seinen Truppen sich nun auf dem Rückzug befand. In Folge dieser Niederlagen schwand sein Einfluss auf seine eigenen Truppen. Banèr schreibt:“…daß jeder Offizier Befehle gibt, wie es ihm beliebt…“. In einer solchen Lage hat Banèr weder die notwendige Geschicklichkeit noch genügend Brutalität, um eine offene Meuterei auch zu unterdrücken. Er befürchtete die offene Rebellion und war froh, durch den Seitenwechsel Sachsens jetzt seine Truppen nicht mehr zügeln zu müssen. Trotzdem sind seine Truppen zu einem schnellen Vormarsch im Winter bereit. Ein Vorposten bei Dömitz an der Elbe wird überrannt und die Sachsen bei Goldberg besiegt. Die Siege bei Dömitz und Goldberg verhindern eine offene Meuterei. Banèr wird teilweise bis zur Ostsee durch die kaiserlichen und sächsischen Truppen abgedrängt. Erst nachdem sich der schwedische General Torstensson mit seinen Hilfstruppen aus Preußen kommend, mit Banèr vereinigt hatte, wendet sich das Blatt. Es gelingt ihnen, die Sachsen und Kaiserlichen aus Mecklenburg zurückzudrängen und den Krieg nach Sachsen zu tragen. Da sich die schwedischen Truppen aus dem Operationsgebiet auch ernähren mussten, kam es zu den fürchterlichsten Gräueltaten bei der schwedischen Furore.

weiter unter:

Unsere Region bis zur Ankunft der Schweden in Torgau 1637
Bernd Hopke

 

Quellen

  • GRÜNDLER, Schloß Annaburg – Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  • HEINTZE, Annaburg das Städtlein an der Heide – Geschichtlicher Rückblick, aus gebundene Beilagen der „Annaburger Zeitung“ um 1930
  • GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208.
  • GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130.
  • WILSON, Peter H., Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie, Oxford
  • AUTORENKOLLEKTIV, unter: http://digbib.bibliothek.uni-augsburg.de/dda/flugschriften_titel_g.html, 2.3.2003.
  • UNBEKANNTER AUTOR, Nachrichten aus der Stadt Jessen und den umliegenden Dörfern, Beilage zum Schweinitzer Kreisblatt – Jahrgang 1927
  • UNBEKANNTER AUTOR, Denkwürdigkeiten der Stätte und Stadt Herzberg, Beilage zum Schweinitzer Kreisblatt – Jahrgang 1927
  • UNBEKANNTER AUTOR, Nachrichten über das Kreisgebiet aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges und der ihm folgenden Zeit des Wiederaufbaues, Beilage zum Schweinitzer Kreisblatt – Jahrgang 1927