Annaburger Biwak

General Reynier in Annaburg

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Biwak 14.-16.Mai 1813

Das VII. französische Armeekorps (General Reynier) wurde während des Waffenstillstands 1813 in der Festung Torgau reorganisiert und neu ausgerüstet. In den Vormittagsstunden des 14. Mai 1813 erging der Befehl nach Annaburg zu marschieren. Ankunft war dort um 2 Uhr nachmittags ohne Equipage Wagen und ohne fliegendes Feldlazarett.

„…Kurz vor der Ankunft des 7. Armeekorps in Annaburg befanden sich dort noch einige hundert Mann Kosaken und preußische Reiter; sie räumten die Stadt. Das sächsische kombinierte Grenadier Bataillon Anger, die Jäger und Reiter besetzten den Ort; dessen Zugänge und die Wege über den Floßgraben; der übrige Teil der Sachsen biwakierte dicht an der Stadt, links der, nach Schweinitz führenden Straße, welche eine, aus leichter Infanterie und Reitern bestehende, jenseits das Waldes aufgestellte Feldwache deckte. Die Straße nach Jessen wurde ebenfalls mit leichter Infanterie besetzt.

Die französische Division Durutte marschierte bis zu dem Dorfe Löben und versicherte sich daselbst des Überganges über die Elster. Der General Reynier nahm sein Quartier in Annaburg. Den 15. Mai blieb das siebente Armeekorps in der Stellung bei Annaburg und Löben. Von der sächsischen Division ward früh sechs Uhr eine Rekognoszierung von fünfzig Pferden und hundert Mann des leichten Infanterie Bataillons von Sahr, unter dem Major von Feilitsch vom Husaren Regimente, gegen Jessen vorgeschickt. Mann wollte wissen, ob dieses Städtchen noch vom Feinde besetzt sey und welche Richtung derselbe genommen; hauptsächlich auch erfahren, ob das zweite Armeecorps (Victor) und das zweite Reiter Korps (Sebastiani) Wittenberg passiert und wohin es seinen Marsch genommen habe. Diese Rekognoszierung traf, noch diesseits der Elster, auf feindliche Reiterei und drängte sie bis Jessen zurück. Der Feind wollte die dortige Elsterbrücke abbrennen, doch der Schnelligkeit der sächsischen leichten Infanterie gelang es, das Feuer zu löschen und sie zu erhalten.

Der Major von Feilizsch, welcher in Erfahrung gebracht, dass das Viktorsche Korps Wittenberg passiert habe und heute auf dem rechten Elbufer bei der Festung lagere marschierte am Holzrand diesseits der Brücke dergestalt auf, dass er solche, im Falle eines Angriffs verteidigen konnte, und ging, erst mit einbrechender Dunkelheit nach Annaburg zurück. Der, auf der Straße von Jessen, während dieser Rekognoszierung noch weiter vorgeschobene Infanterie Vorposten, zog sich, nach Rückkehr derselben, näher an gedachten Ort heran.

Ein Offizier mit dreißig Schützen wurde auf der Straße nach Torgau zurückgeschickt, um die Kosaken Schwärme zu verscheuchen. Das dritte, fünfte und siebente französische Armeekorps hatte die Bestimmung, unter dem Oberbefehle des Marschalls Ney, gegen Berlin vorzudringen. Letzteres brach demnach am sechzehnten Mai, um vier Uhr des Morgens, von Annaburg auf, passierte bei dem Dorfe Löben die Elster und marschierte nach dem Städtchen Schönewalde…“

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Thomas Finke

 

Quelle:

  • Clemens-Franz-Xaver v. Cerini; „Die Feldzüge der Sachsen in den Jahren 1812 und 1813“