nach Dennewitz

Nach der Schlacht von Dennewitz 1813

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1813 musste auch das Königreich Württemberg als Mitglied im Rheinbund Truppen für ein Armeecorps stellen. Das Württembergische Corps wurde als 25. Division dem von Marschall Ney kommandierten 4. Französischen Armeecorps zugeteilt. Das Corps bestand aus 11.617 Mann mit 2.724 Pferden und 24 Geschützen. Gegliedert war es in 5 Infanterie Regimenter, 2 Jäger Bataillone, 2 leichten Infanterie Bataillone, 4 Kavallerie Regimenter und 4 Artillerie Batterien.

Zu dem Corps gehörte außerdem die französische Division Morand, die italienische Division Fontanelli und ein neapolitanisches Jägerregiment.

Leutnant Christian von Martens nahm mit dem Infanterie Regiment Nr. 6 „Kronprinz“ am Russlandfeldzug 1812 und am Feldzug in Sachsen 1813 teil.

Er hat während der Feldzüge Tagebuch geführt, die noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden.

Am Abend des 6. September nach der Schlacht von Dennewitz schrieb Leutnant von Martens in sein Tagebuch:

„...Ich schlug darauf für meine Person einen anderen Weg ein, und war so glücklich, die Spur unseres Bataillons zu finden, welches sich bei dem mitten im Walde gelegenen Dörfchen Steinsdorf niedergelassen hatte. Mitternacht war vorüber, als es mir gelang, aus diesem Orte einen Führer aufzutreiben; demselben wurde ein Louisdor versprochen, wenn er uns richtig den nächsten Weg nach Annaburg führe, und eine Kugel in den Kopf wenn er uns irre leiten sollte…“

„7. September: Nach kurzer Rast wurde der nächtliche Rückzug über Schweinitz, woselbst wir über die Elster kamen nach Annaburg fortgesetzt. Es blieben so viele Soldaten erschöpft zurück, dass auch von unserem Bataillon kaum die Hälfte mit Tagesanbruch dieses Städtchen erreichen konnte. Es hatte sich inzwischen Regenwetter eingestellt, ein Kosakenpulk folgte uns auf dem Fuße, der uns jedoch im Walde nicht viel anhaben konnte, aber manchen erschöpften Soldaten gefangen nahm. Wir zogen uns ins Dickicht des Forstes zurück, und ließen, da kein Gewehr mehr losgehen konnte, diese schlimmen Gäste an uns vorüber ziehen; mit Truppen, die sich bereits in Annaburg befanden, hatten sie am Eingang ein Gefecht zu bestehen, wobei mehrere niedergemacht wurden, aber auch einige von den Italienern, die sich daselbst befanden, das Leben lassen mussten. In der mittleren breiten Straße dieses Städtchens marschierten wir auf, ließen uns Brod und Branntwein bringen und während dies geschah, bemerkte ich in einem der nächsten Häuser einen schwer verwundeten italienischen Offizier, der hilflos da lag, eine Kanonenkugel hatte seinen linken Schenkel zerfleischt; gerne wäre ich ihm beigestanden, wir hatten aber selbst keinen Unterarzt mehr bei uns.

Nach diesem erquickenden Halt marschierte man weiter durch die große Annaburger Heide nach Torgau, bis zu welcher Festung wir aber noch fünf Stunden bei anhaltendem Regenwetter zurückzulegen hatten. Sächsische Soldaten und mehrere vom französischen Train schlossen sich uns an; nur vier Compagnie Offiziere befanden sich noch beim Bataillon und diese trugen abwechslungsweise die Fahne…“(1)
„…In den Tagen nach der Schlacht zeigte sich die Verwilderung, welche die Französische Heeresmacht ergriffen hatte, in ihrer ganzen Größe. Einzelne Haufen eilten, der eine hier, der andere dort, nach Torgau, wie sie es für sich am bequemsten und sichersten fanden. Überall fielen den Verbündeten versprengte und von ihrem Großteil abgekommene Truppen in die Hände. Auch wurden noch viele Kanonen, Pulver und Gepäck Wagen gefunden, welche teils den Weg verfehlt hatten, teils ihrer Pferde beraubt, stehen gelassen waren. Ganze Abtheilungen irrten, ohne die Wege zu wissen, an der Elster umher, um sich Übergänge zu suchen. Hunderte ließen Tornister, Waffen und Mäntel im Stich, um in der Flucht nicht aufgehalten zu werden. Die leichte Reiterei, welche den Franzosen nachsetzte, nahm zwischen Schweinitz und Herzberg eine Französische Batterie in Beschlag und richtete sie gegen ihre früheren Besitzer. Zwar hatte General Ney, um sich vor Überfällen zu sichern, die Brücken über die Schwarze Elster bei Annaburg und Herzberg abbrechen lassen; allein seine Absicht war vereitelt. Die Russische und Preußische Reiterei schwamm durch den Fluss und setzte die Verfolgung bis Torgau fort. Als die letzten Flüchtlinge am Brückenkopf vor der Festung angelangt waren feuerte auch schon das Geschütz der Verbündeten gegen denselben, und eine große Anzahl Gefangener fiel noch hier in die Hände der Sieger.“

Die Zuchtlosigkeit der Franzosen hatte so sehr überhandgenommen, das General Ney an den General Lapoype in Wittenberg schrieb:

“Ich bin nicht mehr Herr des Heeres; es versagt mir den Gehorsam und hat sich in sich selbst aufgelöst!“…(2)

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Das Franzosengrab

„…Nach der Schlacht bei Dennewitz am 6. September 1813 flüchteten die Truppen von Michel Ney, welche durch die preußischen und russischen Truppen bis nach Torgau verfolgt wurden, auch durch die Annaburger Heide. Jahrzehnte später fand man beim Fällen einer hohlen Eiche ein, noch in einer französischen Uniform steckendes Skelett. An der Straße von Zwethau nach Züllsdorf erinnert ein Grabmal mit der Inschrift „Franzosengrab 1813 – 1913“ an dieses Ereignis.“(2)

 

Thomas Finke

 

Quelle:

  • (1) C. v. Martens; „Vor fünfzig Jahren II“ Tagebuch meines Feldzuges in Sachsen; 1813
  • (2) Dr. Friedrich Richter „Geschichte des deutschen Freiheitskrieges von Jahre 1813 bis zum Jahre 1815“; 1841
  • (3) Otto Heintze, E.Gründler: Die Annaburger Heide; 1938, S. 40