Zwangsarbeiter

Ein Arbeitslager in Annaburg

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Nach dem Überfall des deutschen Faschismus 1941 auf die UdSSR wurden in der Ukrainischen SSR viele Menschen – Männer, Frauen und Kinder – zwangsevakuiert und als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Gegen Ende des Krieges waren es über 7 Mill. Kriegsgefangene und Verschleppte in Deutschland, die als Arbeitskräfte in allen Bereichen der Wirtschaft Zwangsarbeit leisten mussten: in Arbeitslagern und KZ.

ps_20161121152541Die Nationalsozialisten schickten Menschen von ,,minderen Rassen“ in die KZ, Kriegsgefangene im allgemeinen, und zum Schluss ließen sie sogar bis zu 20.000 Zivilisten pro Woche aus der Sowjetunion nach Deutschland bringen, da die Sterberate hoch war. Wie viele Zwangsarbeiter es in Deutschland insgesamt gab, lässt sich heute nur noch schätzen. Immer wieder taucht die Zahl von insgesamt zehn Millionen auf; vielleicht waren es mehr. Die meisten Zwangsarbeiter aus den KZ starben an Unterernährung, Krankheiten, wurden zu Tode geprügelt oder erschossen, wenn sie vor Erschöpfung zusammenbrachen.

Fest steht, dass jeder größere Bauernhof, fast jeder Betrieb, jede Kommune Zwangsarbeiter beschäftigte und vor allem auch die Mammutbetriebe dieser Zeit.

ps_20161121145313In Annaburg entstand bereits 1940/41 am Bahnhof ein solches Arbeitslager für Zwangsarbeiter. Leiter war der als Soldat entlassene Karl Werner. Es waren rechts von der Lagerstraße 4 Baracken von 50 – 60 m Länge errichtet worden. (Gegenüber dem damaligen Gaswerk – heute Ryplewitz Kfz.-Werkstatt). Dazu gehörte eine Wirtschaftsbaracke mit 4 Frauen für die Versorgung der dort untergebrachten Arbeitskräfte. Wo diese Zwangsarbeiter genau eingesetzt wurden, war nicht mehr zu ermitteln. Auch war es nicht das einzige Lager für Zwangsarbeiter. Auch der Bürgergarten in der Mühlenstraße wurde mit polnische Zwangsarbeiter belegt, wie auch die Jugendherberge in der Holzdorfer Straße. Einzelne Polen waren bei einigen Bauern der Stadt als billige Arbeitskräfte fest einquartiert.

ps_20161121152507Im der früheren Gaststätte Dubro (Eckhaus Torgauerstr./Markt) befand sich mindestens seit 1942 ein polnisches Frauenlager. Unten im kleinen Saal und in einigen oberen Zimmern waren diese Frauen untergebracht; wahrscheinlich waren es zwangsverschleppte polnische Bürger. Neben dem Schilbach`schen Grundstück (Marktplatz) waren etwa 40 Franzosen in einem kleinen Lager untergebracht. 

ps_20161121152649Neben diesem Arbeitslager für Zwangsarbeiter befand sich hinter dem Schuppen der Steingutfabrik zwei weitere Baracken für englische Kriegsgefangene (siehe Skizze) mit einem kleinen Gebäude für das Wehrmachtskommando. 3 Mann waren als Bewachung eingesetzt. Hier wurden vermutlich alliierte Flugzeugführer interniert, da das OffLag in der ehemaligen Kaserne der Unteroffiziersvorschule aufgelöst und in ein StaLag 4DZ (Mannschaften)umgewandelt wurde. Hier waren indische Kriegsgefangene inhaftiert.  

 

Bernd Hopke

 

 

Quelle

  • AG „Junge Historiker“ W.-Pieck-Oberschule Annaburg, Oktober 1986, Archiv des Vereins für Heimatgeschichte und Denkmalpflege Annaburg e.V.