1945 – Kämpfe in der Region

Besetzt durch die Truppen der 1. Ukrainische Front

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Unsere Region wurde von den Truppen der 13 Armee und der 5. Garde-Armee der 1. Ukrainischen Front eingenommen und besetzt. Die Trennungslinie bildete die Schwarze Elster.

Welchen Weg haben die Soldaten dieser Armeen der 1. Ukrainische Front hinter sich gebracht?

Die 1. Ukrainische Front wurde aus den Truppen der Woronescher Front (1941 – 1943), die bezeichnet wurde nach der Schlacht um die namensgebende Stadt Woronesch (1941) und später 1942 u.a. an der Verteidigung Stalingrads beteiligt war, gebildet.

Dieser Truppenkörper trug im Rahmen der Operation Saturn im Dezember 1942 bei die deutsche 6. Armee einzuschließen und die ungarische 2. Armee zu zerschlagen. Anfang 1943 war die Front an der Operation Stern beteiligt, die in der Dritten Schlacht um Charkow und dem Verlust großer Teile der vorangegangenen Geländegewinne mündete. Im August 1943 gehörte die Front zu den Truppen, die im Kursker Frontbogen konzentriert waren. Im Verlauf der Schlacht bei Kursk, konnte die Front sowohl Belgorod als auch Charkow zurückerobern. Im weiteren wirkte die Front an der Befreiung der östlichen Ukraine mit.

ps_20161121131613Es erfolgte hier die Namensumbenennung in 1. Ukrainische Front. Durch diese Front erfolgte 1943 die Kiewer Angriffs- und Verteidigungsoperation und die Schlacht am Dnepr, 1943/1945 verschiedene Operationen im polnischen Raum und 1945 die Sandomierz-Schlesische Operation; die Nieder- und Oberschlesische Operation; die Weichsel-Oder-Operation; und dann die Berliner Operation, die zur Einnahme unseres Heimatgebietes führte.

Diese Berlin Operation begann am 16.04.1945. Die 1. Ukrainische Front (Marschall Konjew) und die 1. Weißrussische Front (Marschall Schukow) begannen an diesem Tag an der Neiße und aus den Oder-Brückenköpfen ihren Großangriff in Richtung Berlin. Für die Schlacht um Berlin standen den Sowjets 18 Armee mit 2,5 Millionen Mann, 42.973 Geschütze und Granatwerfer, 6287 Panzer sowie 8354 Flugzeuge zur Verfügung. Unser Heimatgebiet lag an der äußersten linken Flanke dieser Großoperation. Sie lag damit nicht im Hauptkriegsschauplatz dieser Kämpfe. Mit der Flankendeckung waren Teile der 13. Armee der 1. Ukrainischen Front beauftragt. Dieses Gebiet sollte 10 – 12 Tage nach dem Angriff eingenommen sein.


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Bereits am 20.04.1945 tobten in den Vororten Berlins die von beiden Seiten mit größter Erbitterung geführten Straßenkämpfe. Allerdings hatten die Truppen der 1. Belorussischen Front unter Marschall Shukow Berlin schneller als die 1. Ukrainische Front Berlin erreicht.

Am 12. April 1945 wurde das Jagdgeschwader 4 auf den Flugplatz in der Glücksburger Heide verlegt. Annaburg befindet sich ab dem 10.04.1945 im Frontbereich und zwar im rückwärtigen Raum des vor Halle/Leipzig kämpfenden XLVIII (48) Panzerkorps (Gefechtsstand Torgau). Dieser Truppenkörper hatte aber zunächst die Aufgabe den Durchbruch der Amerikaner zwischen Thüringen und dem Harz aufzuhalten. Zu dieser Zeit werden Teile der 12. Armee, der Division von Hutten, in Annaburg aufgestellt. (1. Bataillon des I. Panzer-Grenadierregiments 09.-13 April 1945). 
14.4.45 Gegen die Brückenköpfe und das amerikanische Vordringen bei Dessau werden Divisionen der z.T. noch in Aufstellung begriffenen 12. Armee (Gen. Wenck) eingesetzt. Die aufgestellten Einheiten ziehen am 13. April über Torgau durch die Dübener Heide ab, um das Vordringen der Amerikaner entlang der Autobahn aufzuhalten. Am 20. April wurde der Flugplatz in der Glücksburger Heide bereits geräumt, weil die Rote Armee bis auf 15 Kilometer herangerückt war. Noch am 20.04.1945 wird das Lufttanglager durch amerikanische Bomber angegriffen. Daraufhin flüchten viele Annaburger Familien am 20.04. mit Kinder- und Handwagen. Sie kehren aber kurz darauf zurück, da es keine sicheren Verbindungen über die Elbe mehr gibt. Das Panzerkorps wird am 21.04.1945 der 12. Armee unterstellt und wegen dem Durchbruch der 1. Ukrainischen Front die sich auf die Elster-Linie zu bewegt, durch die Dübener Heide nach Dessau abgezogen um dort das weitere Vordringen der russischen Truppen bei Wittenberg zu stoppen. Zur Sicherung der Rückzugsbewegung ergeht der Befehl die Elsterbrücken zu sprengen. Die Sprengungen erfolgen am 22.04.1945. Der Raum zwischen Elster und Elbe ist ab dem 22.04.1945 von den deutschen Truppen entblößt. Nahtlos rücken russische Aufklärungstruppen des 4. Panzer-Garde-Korps in den unbesetzten Bereich vor.

ps_20161121131854Die beiden von Süden am 20.04.1945 angreifenden Panzerarmeen der 1. Ukrainischen Front fächern aus und bewegen sich auf die Linie Wünsdorf – Jüterbog zu. Die Truppen des 5. mechanisierten Garde-Korps erreichen Jüterbog. ps_20161121103804Am 21.04.1945 erreicht diese Einheit Treuenbritzen. Das weitere Vordringen wird von der Division Körner abgewehrt. Die russische 13. Armee steht hinter Dahme

Als Folge des sowjetischen Durchbruchs wird die Verwendung der 12. Armee, die bisher nur gegen die Amerikaner eingesetzt ist, auch gegen die Rote Armee vorgesehen. Ihre einsatzfähigen Teile sollen hierzu nördlich der Elbe zusammengezogen werden.

Die Amerikaner besetzen Wolfen und Delitzsch und beginnen mit der Ablösung ihrer ostwärts von Leipzig stehenden Panzerdivision durch Infanterie. Am Tag darauf wird zur Verstärkung der 12. Armee auch das XLVIII.(48) Panzerkorps herangezogen, es beginnt mit der Räumung des Gebietes nördlich der Linie Grimma - Riesa und tritt den Abmarsch nach Norden an.

21.04.1945 Weitere Truppen der 1. Ukrainischen Front bewegen sich auf die Schwarze Elster zu, andere führen, gemeinsam mit polnischen Einheiten, einen Stoß in Richtung Dresden. Sie besetzen Spremberg, Senftenberg, Hoyerswerda, Bautzen, Bischofswerda und Königsbrück.

Am 22.04.1945 musste Cottbus von der 9. Armee (H..Gr. Weichsel) geräumt werden. Das 4. Panzer-Garde-Korps erreicht über Schlieben Herzberg und die Elsterlinie. Die 13. Armee dringt mit dem 27. Schützen-Korps von Dahme über Schönewalde nach Jessen vor. Ihre Spitzen erreichen Zahna. Das 102. Schützen-Korps der 13. Armee ist bei Jüterbog in Kämpfen mit der Division Jahn verwickelt, die sich kämpfend aus ihrem Aufstellungsraum westwärts zurückzieht.

ps_20161121103611In der Hauptrichtung erreichen die Sowjetischen Truppen der 4. Gardepanzerarmee mit ihren mechanisierten Korps und den Panzerverbänden bereits am 22.04.1945 die Linie Krobstedt (Wittenberg) Niemek. Die letzten größeren Gefechte fanden um Niemekg statt (Division Körner) dabei fanden 1.500 sowjetischen Soldaten noch den Tod. Von diesen Ereignissen erfuhr unsere Bevölkerung aber erst nach dem Krieg

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Ab dem 23.04.1945 zog die deutsche 12. Armee (General der Panzertruppen Wenck) stärkere Kräfte (Division von Hutten) in den Raum um Belzig. Sie begann jetzt den Ostgegner als Hauptfeind zu bekämpfen. Der Kampf gegen den Westgegner wurde eingestellt. Die Kräfte der 12. Armee stießen bis südwestlich von Potsdam vor.

23.04.1945 Da das Stadtgebiet von Berlin Angriffsziel sowohl der 1. Belorussischen Front als auch der 1. Ukrainischen Front ist, wird zwischen beiden eine von Lübben nach Berlin verlaufende Trennungslinie festgelegt.

Sowjetische Truppen schließen in breiter Front zur Elbe auf, ihre Kavallerie greift Riesa von Westen an.

Am 23.04.1945 dringt das 4. Panzer-Gardekorps der 5. Gardearmee über die Elsterlinie in unserer Region bis an die Elbe vor. Starke Abwehrkämpfe finden noch vor Wittenberg gegen Kräfte der 13. Armee statt.

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24.04.1945 Die 9. Armee wird bei Märkisch-Buchholz/Halbe eingeschlossen. Das Oberkommando der Wehrmacht weicht nach Norden aus. Die 12. Armee führt im Raume Treuenbrietzen ihre ersten Panzerangriffe, die Stadt wird von Teilen der Div. Körner zurückerobert.

Die Lage bleibt gespannt, weil südlich davon 2 sowjetische Schützenkorps aufmarschieren. Daher wird die Div. Hutten von der Mulde als Flankenschutz nach Wittenberg herangezogen.

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Am 24.04.1945 kommen die Hauptkräfte an der Autobahn Coswig – Berlin vorerst zum stehen. Wittenberg hält sich noch. Die Russischen Truppen erreichen die Elbe auch bei Belgern. Damit ist die Elblinie bis Wittenberg vollständig in ihrer Hand.

25.04.1945 Die 4 Divisionen der 12. Armee werden unter dem Kommando des XX. Armeekorps für den Angriff nach Osten bereitgestellt: Div. Schill, Div. Scharnhorst, Div. Körner und Div. Hutten. Die letztere bildet einen Brückenkopf um Wittenberg, der von sowjetischen Schützenverbänden laufend angegriffen wird. Das XLVIII.(48) Panzerkorps trifft nördlich der Elbe ein und übernimmt die Sicherung des Aufmarschraumes nach Süden.

Panzerspitzen der l. Belorussischen Front und der l. Ukrainischen Front vereinigen sich am Mittag des 25.4.45 bei Ketzin und vollenden damit die Einschließung Berlins. Im Raum Wittenberg kommt es zum starken Abwehrgefecht gegen die vordringende Division von Hutten. Das 34. Gardeschützenkorps löst zur Flankensicherung das 4. Panzer-Gardekorps in unserer Region ab. Die Panzer werden im Raum Dresden dringend benötigt.

ps_20161120201903Am 25.04.1945 fanden die Treffen zwischen den Amerikaner und den russischen Truppen der 5. Garde-Armee der 1. Ukrainische Front statt.

27.4.45 
Bei der 12. Armee kommt der Angriff des XX. Armeekorps in Gang: Die Divisionen Hutten und Scharnhorst lösen sich aus dem Raum von Wittenberg, das aufgegeben wird, und marschieren in einen Bereitstellungsraum bei Belzig. Von dort wird der Angriff, dem sich nördlich ausholend die Div. Schill anschließt, nach Nordosten in Richtung Ferch - Beelitz geführt. Gleichzeitig wehrt die Div. Körner bei Treuenbrietzen starke sowjetische Flankenangriffe ab.
Ein amerikanischer Panzerangriff aus dem Brückenkopf bei Barby gefährdet die Elbeverteidigung des XLVIII.(48) Panzerkorps.
Die ausgebrochene Gruppierung der 9. Armee wird nördlich von Baruth erneut eingekesselt und in verlustreiche Kämpfe verwickelt.

28.04.1945 
Die Angriffsgruppe des XX. Armeekorps hat heftige Waldkämpfe zu bestehen, zunächst nur mit sowjetischen Aufklärungskräften.
In der Mitte stößt die verstärkte Div. Hutten vor. Sie nimmt Ferch und nähert sich dem Havelübergang südwestlich von Potsdam bis auf 15 km.
Am linken Flügel gelingt es der Div. Schill, ostwärts von Werder Verbindung zum Verteidigungsbereich von Potsdam herzustellen. Die bereits eingeschlossene Besatzung der Stadt erhält Befehl zum Ausbruch nach Südwesten.
Am rechten Flügel nehmen Teile der Divisionen Hutten und Scharnhorst Beelitz und befreien in den dortigen Heilstätten zahlreiche verwundete und kranke deutsche Soldaten, die schon in Gefangenschaft geraten waren. Nach Erreichen dieser Ziele werden die Divisionen des XX. Armeekorps im wesentlichen in die Verteidigung gedrängt.                          

Das XLVIII.(48) Panzerkorps gibt die Elbeverteidigung auf und sichert die Flanke der 12. Armee in einer weiter nördlich verlaufenden Linie.
Ausgebrochene Teile der 9. Armee gelangen bis Kummersdorf, wo sie wieder angegriffen werden.

29.04.45 
Die Divisionen Schill und Hutten nehmen weitere Gruppen der Besatzung von Potsdam auf und werden dann in Kämpfe mit nachfolgenden sowjetischen Truppen verwickelt, die sich laufend verstärken.
Die Divisionen Körner und Scharnhorst werden von Panzerverbänden angegriffen, die versuchen, in 3 Stoßkeilen bei Treuenbrietzen durchzubrechen und die Spitzen der 12. Armee abzuschneiden.
Auch wird erbittert um Beelitz gerungen, das dreimal den Besitzer wechselt.
Durch Vermittlung eines Vertreters des Internationalen Roten Kreuzes lassen sich die Amerikaner dazu bewegen, am Brückenkopf Barby verwundete und kranke deutsche Soldaten aus den Beelitzer Heilstätten zu übernehmen.
Ein weiterer Vorstoß der 12. Armee bis Potsdam oder gar Berlin ist wegen der sowjetischen Übermacht nicht möglich.
Letztes noch erreichbares Ziel ist die Aufnahme der sich nach Westen durchkämpfenden Gruppen der 9. Armee, deren Spitzen den Raum westlich von Kummersdorf erreicht haben.
Nach einem letzten Ausbruchsversuch bei Halbe endet dort praktisch der deutsche Widerstand.

30.4.45 
In Berlin kommt es zu erbitterten Kämpfen im Reichstag, gleichzeitig nähern sich sowjetische Truppen der Reichskanzlei. Hitler begeht Selbstmord.
Einer größeren, aus Teilen von 3 Armeekorps bestehenden Durchbruchsgruppe der 9- Armee gelingt es, sich den Vorposten der 12. Armee südlich von Beelitz bis auf ca. 5 km zu nähern. Ein Teil der Gruppe wird nördlich von Luckenwalde eingeschlossen.

01.05.45 
Beginnend am frühen Morgen, erreicht die mehrere tausend Soldaten starke, durchgebrochene Gruppe der 9. Armee mit zahlreichen Flüchtlingen im Gefolge an einem ca. 5 km breiten Frontabschnitt südwestlich von Beelitz die Linien der Divisionen Scharnhorst und Hütten.
Die aufgenommenen, stark erschöpften Soldaten werden, soweit es die Transportmittel der 12. Armee zulassen, auf schnellstem Wege zum Brückenkopf Barby befördert. Dabei ist Eile geboten, denn von Berlin sind bereits starke sowjetische Verbände im Anmarsch. Die Divisionen des XX. Armeekorps treten daher in der Nacht zum 2.5. befehlsgemäß den Rückzug in Richtung Tangermünde an, wo ein großer Brückenkopf der 12. Armee ostwärts der Elbe gebildet werden soll. 

Es beginnt der geordnete Rückzug der 12. Armee.
Sie begeben sich in Tangermünde im Zeitraum vom 04.-07.05.45 in amerikanische Gefangenschaft.

Im Zeitraum 25.04.-01.05.1945 fanden die Kämpfe gegen die Richtung Potsdam operierende deutsche 12. Armee (Wenck) statt. Beteiligt daran waren Teile der 13. Panzer-Garde-Armee mit dem 6. und 10. mechanisierten Garde-Korps im Raum Potsdam, sowie des 5. mechanisierten Garde-Korps bei Beelitz und Treubritzen, sowie der Truppen der 13. Armee (Wittenberg). Am 02.05.1945 folgte der Abzug der Truppen der 1. Ukrainischen Front. Die Kämpfe gegen die deutsche 12. Armee (Wenck) erfolgten jetzt durch die Truppen der 1. Belorussischen Front. Die Trennungslinie zwischen den Fronten bildete die Linie Wittenberg – Dahme – Lübben.

ps_20161121132110Im Zuge der Berliner Operation wurde unsere Region durch die Truppen der 5. Gardearmee und der 13. Armee eingenommen und besetzt. Die Trennungslinie zwischen der 13. Armee und der 5. Gardearmee bildete ab Herzberg die Schwarze Elster.

Diese Truppen wurden anschließend zur Prager Operation aus dem Operationsgebiet herausgelöst.

Zum Zeitpunkt der Einnahme unserer Region bestand die 1.Ukrainische Front aus der 3. und 4. Garde-Panzer-Armee, 3. und 5. Garde-Armee, 13., 21., 28., 31., 52. und 59. Armee und der 2. Luftarmee.

Das Frontkommando führte zu dieser Zeit
  • Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew (Mai 1944 – Kriegsende)
  • Generalmajor K. W. Krainjukow (Mitglied des Militärrats, Oktober 1943 – Kriegsende) (seit März 1944 Generalleutnant)
  • Armeegeneral Wassili Danilowitsch Sokolowski (Chef des Stabes, April 1944 – April 1945)
  • Armeegeneral I. E. Petrow (Chef des Stabes, April 1945 — Kriegsende)

 

Bernd Hopke

Annaburg©2008

 

 

 

Quellen

  • John Ericksson „Road to Stalingrad“, 1975
  • Earl F. Ziemke, „Stalingrad to Berlin“
  • www.de.wikipedia.org/wiki/Woronescher_Front#1._Ukrainische_Front_1943_-_1945 Zugriff 05/2008
  • Günther Reichhelm, Das letzte Aufgebot, Allendorf 1947
  • Joachim Schiefer, Historischer Atlas zum Kriegsende 1945 zwischen Berlin und dem Erzgebirge, Sax-Verlag Beucha, 2. Aufl 2001