1500 – 1700

Annaburg durch die J a h r h u n d e r t e – Chronologie der Ereignisse 1500 – 1700


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Neuzeit Annaburg

Der geschichtliche Überblick über die Neuzeit, die ab ca. 1492 n.Chr. beginnt (Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle/Saale), umfasst chronologisch geordnete Daten und Ereignisse ohne Wichtung. Sie gelten für den Ort Annaburg wie auch für das Umfeld, sowie für Bereiche, die Einfluss auf diese genommen haben oder von denen diese abhängig waren. Die Neuzeit wird in Jahrhundertabschnitten untergliedert.

16. Jahrhundert

1502 Gründung der Wittenberger Universität

1502 Um jederzeit über frisches Quellwasser verfügen zu können, ließ Friedrich der Weise von dem etwa 10 km entfernten Gorrenberge bei Jessen eine hölzerne Rohrleitung zum Schloss legen.

1515 Es ist überliefert dass durch Pumpen das Wasser aus der erwähnten Rohrleitung auch in die oberen Stockwerke des Schlosses, vor allem in die Badestube, befördert wurde.

1516 In Lochau wird Jacob Gropp erster evangelischer Pfarrer.

1517 Am SchlossLochau“ wurde ein neues Haus errichtet. Da spätere Quelle schon von einem Vorderschloss sprechen (Inventarverzeichnis siehe Gründler) kann es sich nur um den Bau desselben handel. In den Berichten darüber ist viel von einem „Schuttenbau“, welcher bis an das Schloss reicht, das heißt, einer größeren Aufschüttung, die Rede. Hierzu zählt sicher auch der vor dem neuen Vorderschlossgraben errichtete, mit Reisig und Gras abgedeckte Erdwall. Genauso könnten die Wälle am Schlossgarten und im Bereich des späteren „Neuen Garten“ schon zu dieser Zeit entstanden sein.

1517 Die Geschichte unserer Region ist stark von den Reformationsbestrebungen Dr. Martin Luthers geprägt. Mit dem Thesenanschlag am 31.10.1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg wandte er sich gegen den Ablasshandel, gegen Missstände und alte Traditionen in der römisch-katholischen Kirche. Diese Missstände wollte er reformieren! Der daraus entbrannte Streit führte schließlich 1521 zur Reformation, in der die Heilige Schrift, die Bibel, als alleiniges Glaubensbekenntnis festgestellt wurde. Der 31.10.1521 ist als Reformationstag in die Geschichte eingegangen. Nachdem der Reichstag zu Speyer am 19.04.1529 den Beschluss gefasst hatte, keine religiösen Neuerungen einzuführen, forderte das den Protest der evangelischen Fürsten und Reichsstände heraus. Seit dieser Zeit hat sich der Begriff „Protestant“, bez. „Protestantismus“ für alle evangelischen Strömungen eingeführt. Die weitere Entwicklung zieht heftige Religionskämpfe nach sich, die unser Heimatgebiet erheblich belastet haben.

1517 Die evangelische Kirche von Annaburg wurde erbaut. Sie wurde als Backsteinsaal mit dreiseitigem Ostschluss und quadratischem Turm an der Nordseite im spätgotischen Stil errichtet. Dieser Neubau ersetzte eine vermutlich frühere hölzerne Kirche.

1517 Als Schösser von Lochau wird Matthes Wolf genannt. Er ist der erste kurfürstliche Verwaltungsbeamte in jedem „Amt“ und hat auch die Gerichtsbarkeit unter sich. Als Jägermeister zur Lochau wird Paul von Hogenest genannt.

1522 Es begann die Neuordnung des Gottesdienstes mit der Einführung der neuen Lehre, was zunächst zögerlich voranging. Verschiedene katholische Kirchenhandlungen behielten noch längere Zeit Bestand, wie z.B. die Beichte.

1522 Am 16.02. führte der Pfarrer Urban Specher, ein geborener Jessener, die Reformation in Jessen ein. Pretzsch folgte im gleichen Jahr unter dem ersten evangelischen Pfarrer Augustin Böhme.

1524 – 1525   In Süddeutschland beginnen mit Aufständen die sogenannten Bauernkriege. Eine Kette von regionalen Erhebungen erschüttert das Reich. Die Bauern fordern insbesondere die Aufhebung der Leibeigenschaft (Schollenfreiheit) und mehr Rechte gegenüber den adligen Herren. Mit der Hinrichtung des radikalen Protestanten Thomas Müntzer bei Mühlhausen, stirbt am 27.05.1525 der prominenteste Anführer der Bauernaufstände. Bis Ende Juni sind die Unruhen im Reich durch den Adel unterdrückt. Etwa 100.000 Menschen fallen den Unruhen zum Opfer. Die Bauern in unserer Region hegten die gleichen Wünsche, hielten sich aber zurück, weil Luther die revolutionären Bestrebungen mißbilligte.

zeilelochauhirschjagd1525 Am 5. Mai verstarb in seinem Lieblingsschloss Kurfürst Friedrich der Weise. Er wurde in der Lochauer „Schlosskapelle“ aufgebahrt, nachdem auf Empfehlung seines Leibarztes Dr. Heinrich Stromer von Auerbach eine Sektion der Leiche vorgenommen hatte. Am Befund war ersichtlich, dass der Kurfürst unter Gallen- und Nierensteinen litt und ein Leberleiden hatte. Die Begräbnisreden hielten Dr. Martin Luther und Philipp Melanchthon, Humanist und Reformator seiner Zeit (geb. 1497 in Breiten, gest. 1560 in Wittenberg).

1525 Nach dem Tode seines Bruders übernimmt als Kurfürst von Sachsen Johann der „Beständige“ (1525-1532) als Alleinherrscher die Regentschaft. Er hat seine Residenz seit 1513 in Weimar ausgebaut.

1526 Am 31. Juli wird in Freiberg geboren der spätere Kurfürst August I. Er wächst in der Gegend von Weißenfels und Wolkenstein auf.

1528 Die Kirchenvisitation des Jahres spricht von ,,… 33 feuerstet“ (Familien) in Lochau (Annaburg).

1528 Am 3. September starb der Magister Franz Günther in Lochau. Günther, nach Jacob Gropp zweiter evangelischer Pfarrer des Ortes, stammte aus Nordhausen. Neuer Pfarrer wird auf betreiben von Martin Luther sein Freund Michael Stifel (geb. 1487 in Esslingen, gest. 1567 in Jena) und zugleich die Witwe seines Vorgängers heiratet.

1532 Stifel veröffentlicht den Extrakt seiner mathematisch-apokalyptischen Studien unter dem Titel „Ein Rechenbüchlein vom Endchrist, Apokalypsis in Apokalypsim“ und verkündet darin den „Tag des Jüngsten Gerichts“ für Sonntag, den 19. Oktober 1533, 8.00 Uhr.

1532 Johann Friedrich der Großmütige (1532-1547) wird Kurfürst von Sachsen. Auch seine Residenz liegt in Weimar. Den Weg in das weit entfernte Lochau fand er, wie auch sein Vater nur zu gelegentlichen Jagdaufenthalten.

ps_2015112217282011533 Am Morgen des 19. Oktober des „Jüngsten Tages“ ertönte das Horn des Viehhirten. Stifel ließ das Vieh aus dem Ort treiben, da es nach Verkündigung des Propheten zuerst sterben müsse und die Einwohner dadurch nicht erschreckt werden sollten. Kurz darauf strömten die Gläubigen nach der Kirche, um bei der Predigt Stifels den Weltuntergang zu erwarten. Dieser schloss mit den Worten: ,,Der Herr wird kommen, kommen, kommen“ – Alles wartet! Als das Ereignis ausbliebt, musste Stifel durch kurfürstliche Beamte vor der aufgebrachten Menge in Sicherheit gebracht werden. In Wittenberg erhält er einen vierwöchigen Hausarrest, der wohl mehr als Schutzhaft zu verstehen ist.

1533 Pfarrer Johannes Keyser, der 22 Jahre dieses Amt bekleidete tritt die Nachfolge von Stifel in Lochau an.

1536 Am 16. September traf sich Kurfürst Johann Friedrich mit Hermann V. von Köln und Joachim II. von Brandenburg auf dem „Zschernick“ in der ,,Lochauer Heide“, um beide für den „Schmalkaldischen Bund“ zu gewinnen. Dieses Bündnis lutherischer Stände ist am 27. Februar 1531 entstanden. Es galt als Gegenreaktion des vom albertinische Herzog Georg der Bärtige (1500-1539) im Jahre 1525 geschaffenen Bündnis zur Ausrottung der lutherischen Reformation.

1542 Auf Grund des Türkensteuergesetzes konnten die Einwohnerzahlen einiger nahegelegener Städte errechnet werden. So hatte Prettin ca. 800, Torgau 4500, Wittenberg rund 2500, Belgern 970 und Dommitzsch 820 Einwohner. Mit einem Durchschnittsvermögen der Bürger von 270 Gulden lag Prettin unter 13 Städten des ernestinischen Sachsens an dritter Stelle. Nur Torgau mit 431 und Wittenberg mit 408 Gulden standen höher.

1542 Martin Luther gibt im Jahre 1542 den Steuerwert einer Kuh mit 2 Gulden und den eines Schweines mit l Gulden an. Für 2 Hufen Land setzt Cranach zur gleichen Zeit einen Wert von 100 Gulden an.

1546-1547 Durch den Schmalkaldischen Religionskrieg war unser Heimatgebiet unmittelbar betroffen. Schon von der Reformation an verschärften sich die Spannungen zwischen den Katholiken und Protestanten. Die Übernahme des evangelischen Glaubens, meist von der Obrigkeit angeordnet, verbreitete sich beachtlich. Viele Fürsten fühlten sich gelöst von den strengen Regeln der katholischen Kirche und von der Gängelei durch die Kirchenfürsten. Schließlich nahmen die Auseinandersetzungen kriegerische Formen an. Der am 28.06.1519 zum deutschen Kaiser gewählte Karl V., als Karl I. auch König von Spanien, geht mit der 1538 gegründeten I. Katholischen Liga militärisch gegen den 1531 gegründeten Schmalkaldischen Bund der protestantischen Fürsten und Reichsstände zur Verbreitung der Reformation, vor, um die religiöse Frage mit Gewalt zu lösen.

1547 In der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg am 24. April, war der Schmalkaldische Bund den kaiserlichen Truppen unterlegen. Am Südrand der „Lochauer Heide“, im „Schweinen“, wurde Johann Friedrich und mit ihm Phlipp von Hessen gefangen genommen. Die Stelle, an welcher der Tross von den Kaiserlichen eingeholt und geplündert wurde, wobei auch eine Menge Münzen und Tafelgeschirr in die Hände der Sieger fielen, wird noch heute „Silberdamm“ genannt. Der gefangene Kurfürst wurde über Lochau und Löben nach Wittenberg geführt.

1547 Es wird über Kriegsplünderungen durch spanische Landsknechte und Reiter der I. Katholische Liga geklagt, die viele Ortschaften heimgesucht und ganz besonders Jessen geplündert haben. Betroffen war auch die Pfarre in Rade.

1547 Kaiser Karl V. läßt den evangelischen Kultus unberührt, die politische Lage erforderte es so. In der Kapitulation von Wittenberg am 19. Mai musste der Ernestiner Kurwürde und Kurkreis sowie die Einkünfte aus den sächsischen Bergwerken an Moritz abtreten. Mit dem Übergang der Kurwürde an Moritz gelangte auch unser Gebiet unter albertinischer Herrschaft, aber Wittenberg hört auf kursächsische Hauptstadt zu sein.

Schloss Hartenfels
Schloss Hartenfels

1548 Am 11. März fand die Verlobung zwischen Herzog August von Sachsen und Prinzessin Anna Auguste von Dänemark in Coldingen statt. Die Hochzeit wurde am 7. Oktober des gleichen Jahres auf dem Schloss Hartenfels in Torgau abgehalten. (Gründler)

1549 Im Amt Lochau wird von Kurfürst Moritz der Oberforstmeister „zur Lochau“ Paul von Hogenest die Verwaltung der Schosserei (des Amtes) übertragen. Mit ihm wird neuer Amtschreiber Barthel Wagner. Als bisheriger Schösser wird Hieronymus Lachnicht in der Quelle genannt. Lachnicht wird im Erbbuch des Amtes von 1550 als Häusler geführt.

Erbbuch Lochau1550 Aus dieser Zeit ist das Erbbuch des Amtes Lochau datiert. (Wernigerode unter Registratur I, 1; LIX A Nr. 69a; Nr. 431). Danach sind in Lochau 9 Hüfner, 9 Gärtner und 22 Häusler zinsbar. Lochau wird hier schon als „Stedtlein“ bezeichnet.

1550 In ganz Kursachsen lebten zu dieser Zeit rund 385 000 Menschen, und davon fast die Hälfte in den Städten. In unserem Lochau wohnten zu dieser Zeit ca. 150 Personen. Lebensgrundlage für die Mehrheit der Einwohner bildete die Landwirtschaft. Man züchtete in Lochau vor allem Schafe, aber auch Rinder, Schweine und Kleinvieh. Auf den Feldern wurde Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Flachs, Hanf, Wicken, Hopfen, Erbsen, Gemüse, Obst und Wein angebaut.

1552 In Lochau wird der als „Vertrag von Chambord“ zwischen Moritz und dem französischen König gegen Kaiser Karl V. getroffene Vereinbarungen ausgehandelten.

1552 Kurfürst Moritz wird der mächtigste Führer aller protestantischen Fürsten. In einem Gefecht gegen den Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach verlor er jedoch bereits ein Jahr darauf sein Leben.

1553 Der Nachfolger von Moritz wird der um fünf Jahre jüngere Bruder August I. (1553-1586). Er wird Kurfürst von Sachsen und übersiedelte mit Übernahme der Kurwürde in die Residenzstadt Dresden.

1555 Am 25.05. findet der Augsburger Religionsfrieden statt, der einen Konfessionskompromiss zwischen den Katholiken und Protestanten schafft und die Glaubenskämpfe beendet.

1564 wütet ein schrecklicher Sturm in der Lochauer Heide. Die Aufarbeitung der Stöcke und des Windbruchs erforderte große Anstrengung. Es mussten der Amtmann von Nossen und der kurfürstliche Jägermeister die Heide bereisen und zur möglich schnellen Aufräumung aus dem Amt Torgau zum 4. August 213 Mann, aus andern benachbarten Ämtern zum 11. August 607 Mann zum Holzhau erfordern, welche sich mit Speise selbst zu versehen und gegen Lohn im Windbruch zu arbeiten hatten, bis alles aufgeräumt war.

1571 Auf Befehl des Kurfürsten wird im Mai die Reparatur der hölzernen Wasserleitung befohlen.

1571 Am 18. September ergeht durch Kurfürstin Anna die Anweisung an den Gelenauer Baumeister Christoph Tendier, sich ,,. . . nach Empfang dieses Unseres Briefes alsbald zu erheben und demnächst zu Uns gegen die Lochau verfügen“. Bei diesem Treffen am 20.-22. September ergeht die Anweisung zum Bau des Jagdschlosses Annaburg.

1571 – 74 Bau des Jagdschloss Annaburg durch Baumeister Christoph Tendier. Leiter des Schlossbaues, wurde der „Hauptmann zu Annaburg„, Wolf von Kanitz (kurfürstlicher Rat und Hofmeister). Als Bauherr prüfte Kurfürst August selbst die Entwürfe und Rechnungen. Nach einem Anschlag (Kostenkalkulation) von 1572 sollte der Bau 1.048 Gulden, 6 Groschen und 6 Pfennige kosten (Gründler)

1571 Vom 24. November bis 5. Dezember überzeugt sich das Kurfürstenpaar persönlich vom Fortgang der Arbeiten. Wie auch späterhin, bewohnt es bei derartigen Anlässen meist das Schweinitzer Schloss.

1572 Die Abbrucharbeiten sind bereits im Frühjahr so weit fortgeschritten, dass mit dem Neubau des Hinterschlosses begonnen werden kann.

1572 Während der Bauzeit der „Annaburg“ klagt der Ortspfarrer: „. . . über das mutwillige junge Volk, welches dem Hofe folgt, item über das fremde Arbeitsvolk, das sie mit unflätigen, garstigen Reden und Fluchen dem armen jungen Bauernvolke, welches zu fronen dahin gesandt wird, ärgerlich sind, und die können die Richter nicht bändig machen“.

1572 Nach Gründler kosteten die Kanne Butter 14 Pfennige, die Kanne Bier 14 Pfennige, der Scheffel Korn 14 Groschen. In Leipzig betrug der Preis für ein Pfund Fleisch 7 Pfennige. Für ein Paar Schuhe mussten etwa 8 Groschen und für eine Elle Tuch bis 32 Groschen gezahlt werden. Laut Karl Czok lagen die Jahreseinkommen für Bau- und Schirrmeister bei 24,00 – für Knechte hei 13,50 Mägde 12,00 und Hütejungen 6,75 Gulden. Der kurfürstliche Kammersekretär Janitz bezog zu dieser Zeit dagegen 400 Gulden aus der Staatskasse.

1573 Bemerkenswert ist aus jenen Jahren noch eine andere Tatsache: In einem Brief vom 11. Januar an das Kurfürstenpaar bezeichnete der Bauleiter und Schlosshauptmann Wolf v. Kanitz das Schloss und den Ort als „Annaburgk„. Diese Bezeichnung für den Ort unter dem Volk und im Amt setzte sich aber erst allmählich und auch viel später (1646/53) durch.

1573 Im Frühjahr werden die Arbeiten am Hinterschloss abgeschlossen. Der Bau des Vorderschlosses ist in vollem Gange. Begonnen wurde mit dem Nordostflügel.

zeilevorschloss21573 Auf des Kurfürsten Drängen wurde das Vorderschloss noch im gleichen Jahr vollendet. Die alten kupfernen Wetterfahnen zeigen die Jahreszahl 1573. Dass, Von Anfang Oktober bis Mitte November wohnt der Kurfürst mit seinen Gästen bereits im Schloss, obgleich alle Baumaßnahmen noch nicht beendet waren. Das beweisen überlieferte Schriftstücke aus den folgenden Jahren.

1573 Während des Schlossbaues brennt der Ort Lochau total nieder und die Kurfürstin gestattet, dass sich die Lochauer neben dem Schloss ansiedeln dürfen. Doch es gab dabei sehr große Schwierigkeiten. Da das Land dicht am Schloss zumeist aus sumpfigen und morastigen Boden bestand. Es mussten um den neuen Ort bewohnbar zu machen, Knüppeldämme angelegt werden, das dafür benötigte Holz gab der Kürfürst aus seinen Forsten für ewige Zeiten solange dies benötigt wurde. Außerdem bewilligte er die breitesten Baumstämme, aus welchen große Bohlen geschnitten und in den Gassen an den Seitenfronten der Häuser entlang als Laufstege gelegt wurden, worauf dann Mensch und Gefährt sich ohne Gefahr bewegen konnten.

1574 kaufte der Kurfürst den Gebäudekomplex des heutigen Gasthof „Zum goldenen Anker“ und ließ Ställe für 30 Pferde, 2 große Wagenremisen und viele Quartiere für Höflinge und Bedienstete einbauen. Der Gebäudekomplex wurde bereits im 16. Jahrhundert erbaut und gehörte dem Ortsrichter und Gastwirt Andreas Krüger der es dann an den Kurfürsten verkauft hat.

1576 Nach einem der üblichen Elbhochwässer beschäftigt sich Kurfürst August mit der Elbführung bei Pretzsch und Klöden und kommt zu dem Schluss: „das die bisher angewandte Hilfe und Verbesserungen, fast gar vergebens und nunmehr von wegen des eingefallenen Triebsandes zur Erhaltung des Bösewiger Dammes keinen besseren Rat finden, als es werden den bei Clöden ein Durchstich gemacht…“. Leider erfolgte die Umsetzung dieser notwendigen Idee erst 1775.

1576 Erließ Kurfürst August eine Holzordnung für den Kurkreis. Darin wurden die Jäger- und Forstmeister wie dir Schösser angewiesen, künftig niemand mehr einen Stamm anzuweisen, der nicht gegen den verkauften Baum ein junges Stämmlein von wildem Obst, Weiden, Pappeln u. a. mit den Wurzeln auf den Förstereien überantwortet hätte, über die erhaltenen jungen Stämme Register zu führen und dieselben auf wüsten und ledigen Plätzen durch Handarbeiter aus den Dörfern pflanzen und mit Pfählen und Reisig vermachen zu lassen, diese Vermachung später aber als Feuerholz zu verkaufen.

1577 Im Auftrag des Kurfürsten August wurde der „Neue Graben“ oder (Elstergraben), unser jetziger Neugraben, erbaut. Er hat eine Länge von 30 km und wurde am 12. Oktober fertig gestellt. Er wurde mit dem Wasser der Schwarzen Elster in Höhe des Ortes Neumühl gespeist. Der Neugraben mündet bei Grabo die Schwarze Elster.

zeileschloss21578 Es erfolgt der Anbau einer viergeschossigen Ausladung aus dem Wassergraben heraus.

1578 Aus dieser Zeit stammt der älteste uns bekannte Stadtplan von Annaburg und Umgebung. In einer der Karten sind neben den Waldzeichen auch viele Wege und charakteristische Geländepunkte bezeichnet. So wurde der Tiergarten als „Garten zur Annaburgk“ bezeichnet und der Ort Annaburg als „Stedlein Annaburgk“. Der Karte wird auch nachgesagt dass Kurfürst August sie wahrscheinlich eigenhändig angefertigt hat.

1578 Die Annaburger Stadtmühle am Mühlenend wird als Amtsmühle mit 2 Mahl- und einem Schneidegang errichtet. Sicherlich wurde zur gleichen Zeit die Mühle am „Gässlein, da man von Torgau hereinziehet“, unweit des Reitzensteinischen Gutes, die aus der Zeit Friedrich des Weisen stammte, abgerissen. An dieser Stelle wurde, um den Wasserstand der Schlossgräben und des Schifffahrtsgraben (Mauergrabens) zu halten eine Schleuse errichtet. Dadurch blieb auch der „Teich hinter der Pfarre“ erhalten.

1578 Im April wurden 360 Holzroder nach Annaburg geschickt, um die Stämme und Stöcke aufzuarbeiten; sie erhielten für den Stamm 21/2 gr., für den Stock 1 gr.

ps_201611041609571578 Wurde in der Baderei die „gemeine Badestube zur Annaburg“ eröffnet – damit die Schlossbediensteten auch ordentlich gewaschen ihren Dienst verrichten konnten.

1578 Im Sommer war die Röder ausgetreten und hatte in der Nähe des von August neu angelegten Gartens zu Annaburg mehrere solche Urnen bloßgelegt. Der Schösser zu Annaburg sendete eine derselben mit der darin befindlichen Asche dem Kurfürsten, der ihm hierauf (7. August 1578) erwiderte: „es ist zu vermuthen, daß in Vorzeiten in der Heidenschaft, da man die todten Leichname noch hat pflegen zu verbrennen, ihr Begräbnißplatz allda gewesen sei, derhalben schicken wir dir den einen Scherben mit der Asche anbei wieder, begehren, du wollest denselben sammt dem andern Topf in Verwahrung stehn, bis etwa ein neuer Kirchhof angelegt wird, so wollen wir solche Gefäße und Asche wieder beisetzen und verscharren lassen. Die zwei Ringlein so dabei gefunden, haben wir allhier behalten.“

1578 In diesem Jahre berichtete Walter Röhrbach von Waltershausen, dass er in Folge des erhaltenen kurfürstlichen Befehls bereits 4 1/2 Tonnen Tannensamen gesammelt und nach Annaburg geschafft habe, woraus sich auch, wie er nebenbei bemerkte, ein herrliches gutes Oel, zu Arzneien und insbesondere gegen den Frost brauchbar, gewinnen lasse.

1578 Im Herbst kamen 30.000 Bäumchen in Annaburg an. Sie wurden mit Wagen von Prettin geholt, und der Hofgärtner Georg Winzer hatte die Aufgabe, diese mit Hilfe von 5 Knechten im Tiergarten zu pflanzen.

1578/79 Bei einem großen Feuer in Annaburg brennt das neuerbaute Amtshaus nieder und mit ihm verbrennen in der Schösserei wie das Amtshaus vordem genannt wurde alle Urkunden und Akten. Auf Anordnung des Kurfürsten wird das Gebäude an gleicher Stelle und im gleichen Stiel im selben Jahr (1579) wieder aufgebaut.

1580 Wurde in Annaburg eine neue Schulordnung für das gesamte Land Sachsen erarbeitet und zur Anwendung gebracht. Sie war über hundert Jahre Grundlage für den höheren Unterricht, wie z.b. in Pforte.

ps_201511132307591580 Die in den Privaträumen des Kurfürsten untergebrachte Bibliothek umfasste 2.354 Bände. Darüber hinaus enthielt sie Kupferstiche, Holzschnitte und Landkarten. Nach dem Tode des Kurfürsten wurde das Inventar dieser Räume nach Dresden verlagert. Die Bücher und Karten bildeten den Grundstock für die spätere „Königlich sächsische Bibliothek“.

1581 Auf Betreiben von Kurfürstin Anna wurde die Dresdener Hofapotheke eingerichtet.

1581 Es wurde befohlen, im Amt Annaburg jährlich wenigstens zweimal die Waldgrenzen zu beziehen, die Reinigungen zu besichtigen und herzustellen und über Irrungen, die durch die Leute Aussagen und andre Erkundigungen nicht zu schlichten seien, Bericht zu erstatten.

1583 In diesem Jahr bekam die Gemeinde Annaburg eine eigene Dorfschule. Bis dahin wurden die Schüler im Wohnhaus des Schulmeisters in den oberen Stuben unterrichtet.

1583-85 In Pretzsch wütete die Pest! Im ersten Jahr starben 113 und im letzten 85 Menschen daran. Die Zahl der Toten im Jahr 1584 ist nicht mitgeteilt.

1585 Die „Bergtreppe“ mit glatter linksgewendeter Schnecke (einziges im deutschsprachigen Raum erhaltenes Beispiel) wird auf dem Hof des Hinterschlosses errichtet. ,,Nachdem Wir bedacht, einen neuen runden Schneckenbau, darin wir bis vor Unser Gemach in Unserem Schlosse allhier hinauf reiten können, verfertigen zu lassen.“

1585 Die Pest wütet in Dresden. Ihr zum Opfer fallen 1209 Personen, auch Anna, Kurfürstin von Sachsen stirbt am 1. Oktober daran.

1586 Am 3. Januar, drei Monate nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, heiratete Kurfürst August die erst 13-jährige Agnes Hedwig von Anhalt-Dessau.

1586 Kurfürst August „Augustus Herzog von Sachsen / des heiligen Römischen Reichs Erzmarschalk und Churfürst / Landgraff in Döringen / Marggraff zu Meissen / und Burggraff zu Magdeburg“ erliegt am 11. Februar in Dresden einem Schlaganfall. August baute den von Moritz politisch-militärisch geschaffenen Territorialstaat klug aus. Im Reich war er der Führer der lutherischen Stände; erfolgreich war er auf Ausgleich zu den katholischen Kaisern aus dem Haus Habsburg bedacht, mit denen er gemeinsam Front gegen die Calvinisten machte.

1586 Mit dem nacheinander erfolgten Tode Annas und Augusts sind die Glanztagen des Annaburger Hoflebens vorbei. Aus einem Residenzschloß wird die Annaburg ein bloßes Jagdschloss, in dem ein Jägermeister mit seinen Knechten wohnt. Die Bibliothek von August wird nach Dresden geholt. Das Laboratorium wird nicht weiter benutzt.

1593 Preise bäuerlicher Produkte (am Beispiel Prettin).

Es kostete:

l Kuh 3 Groschen

l Schaf 16 Pfennige

l Scheffel Korn 12 Pfennige

l Kanne Butter   4 Pfennige

Ein Tagelöhner verdiente täglich 2 Pfennige.

1599 Die Annaburger und die Bewohner der dem Amt zugehörenden Dörfer beschweren sich am 17.02. als „gehorsamste arme Leute, Landrichter und der vierzehn Amtsdörfer des Amtes Annaburg Untersassen“ über Frondienste der verschiedensten Art, dass sie „…bei Verrichtung solcher Frohndienste (ihre) eigne Armut und Nahrung in der ungelegensten, und unmüßigsten Zeit hintenansetzen und versäumen und verderben lassen müssen.“. Das Bittschreiben wurde aufgesetzt durch Jacoby Hennig, Schulmeister zur Annaburg.


17. Jahrhundert

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1611/13 Die Pest wütet in Jessen und Umgebung

1618 fand am 3.8. die letzte große hohe Jagd des Dresdener Hofes vor dem 30-ig jährigen Krieg statt. Dabei wurden 383 Tiere zu Strecke gebracht.

1618 -1648     Die Eskalation des religiösen Konfliktes zwischen Katholiken und Protestanten löst mit dem berüchtigten Fenstersturz zweier katholischer Ratsherren vom Rhadschin in Prag am 23.05.1618 den Dreißigjährigen Krieg aus. Nachdem am 30.05.1635 Kursachsen und andere protestantische Reichsstände mit dem römisch katholischen Kaiser Ferdinand II. in Prag Frieden schließen, fühlen sich die am 06.07.1630 in den Krieg eingetretenen protestantischen Schweden hintergangen und fortan zogen ihre Söldner mordend und brandschatzend durch unser Heimatgebiet. Düßnitz und fast alle Orte der Elbaue waren schwerstens betroffen. Die größten Ausschreitungen erfolgten 1636 und 1637. Die Auswirkungen waren unbeschreiblich grausam und wurden in unserer Region von keinem anderen Krieg, weder zuvor noch danach, jemals übertroffen! Am 24.10.1648 endet der Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Der Kriegsschauplatz war das Deutsche Reich, dessen Bevölkerung in vielen Regionen durch die Soldateska auf 50 % geschmolzen war. Annaburg erleidet in den Jahren 1637-1642 wiederholt schweren Verwüstungen und Plünderungen durch schwedische und kaiserliche Söldner.

ps_201508261137421619 6,5 km von Annaburg entfernt am Neugraben wurde erstmals eine Wasser- und Schneidemühle erbaut. Die Wassermühle wurde „Heidemühle“ genannt, und war ein kurfürstliches Kammergut und bis 1702 verpachtet.

1621 Missernten führten zu großer Teuerung und Not.

1626 Die Pest wütet wieder in unserer Gegend, allein in Jessen fallen dem „Schwarzen Tod“ 500 Personen zu Opfer.

1630 Fand von Juli bis November der einzige bekannte Hexenprozess in Annaburg statt. Amtsschösser David Hübner führte diesen Prozess gegen das denunzierte Ehepaar Anna und dem Schuster Georg Müller aus Annaburg. Beide wurden für Schuldig befunden und des Landes verwiesen.

1631 Die Stadt Jessen Dreiviertel ihrer Bürger durch Seuchen und Kriegsnot verloren.

1632 Die vom Amtsschösser David Hübner festgesetzte Haferabgabe wird nicht nachgekommen. „Die Leute erklärten …, nicht eine Metze ablassen zu können, da der Hafer und alles Getreide durch das zu Roß täglich durchziehende Kriegsvolk glänzlich verfüttert ist, so haben sie nicht ein Korn Sommergetreide zur Saat und müssen die Felder in diesem Frühjahr unbestellt lassen.“ Auch ist die Gegend von der Pest befallen.

1637 In und vor Torgau hat die schwedische Armee lange Zeit im Feldlager gelegen. Die kaiserliche und kursächsische Armee lag zur gleichen Zeit in Pretzsch und Klöden.

1637 Die Schweden verwüsten Annaburg. Das Schloss wird geplündert. Die Fenster und Türen werden zertrümmert. Das Laboratorium wird zerstört. Die kunstvollen Öfen werden zerschlagen. Gleiches widerfährt dem Probierhaus. Die wertvollen Destillierröhren werden zerschlagen um an die Kupferblasen zu kommen. Die Neuen Häuser am Markt werden bis auf wenige Überreste in Asche gelegt. (siehe Alchemie)

1637 Allein in diesem Jahr werden in Jessen 1310 Verstorbene beerdigt, die zum Großteil der Pest erlegen sind oder von Marodeuren gewaltsam umgebracht worden sind.

1638 Eine vom Kurfürsten eingesetzte Kommission sollte die entstandenen Kriegschäden feststellen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass fast alle Dörfer im Kurkreis dem Erdboden gleichgemacht worden waren und ihre Bewohner getötet oder geflüchtet waren.

1640 Der Jessener Rat klagt auf dem kursächsischen Landtag, dass die Stadt seit 1631 Dreiviertel ihrer Bürger durch Seuchen und Kriegsnot verloren habe und nicht mehr in der Lage sei, ihre Abgaben an den Landesherren zu entrichten.

1642 Schloss Annaburg erleidet durch kaiserliche Reiter eine erneute Plünderung. Alles vorhandene Saatgetreide und die für die kurfürstlichen Jagdpferde bestimmte Vorräte werden konfisziert. Die Bevölkerung flüchtet in die Ortskirche: „Was diese armen Leute bei sich gehabt, und ihnen, den Soldaten, diente, haben sie hergeben müssen.“

1646/47 In den noch vorhandenen Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde von 1646/47 wird der Ortsname ANNABURG häufig als Wohnort angegeben. Die Bezeichnung für Schloss und Ort durch Wolf von Kanitz hatte sich also gegen andere Vorschläge, z.B. Annenfels, durchgesetzt.

1647 Am Jagdschloss Annaburg werden die Kriegsschäden repariert. Es wird in den nachfolgenden Jahren bis 1706 als Wohn- und Lagerräume für Amt- und Forst Annaburg genutzt. Für Jagdaufenthalte wird es nur noch gelegentlich genutzt.

1647 Wurden im Februar in vier Wolfsjagden in der Annaburger Heide 9 Wölfe und 3 Wölfinnen erlegt. Davon wogen einige Tiere über 1 Zentner.

henler1651 wurde der Annaburger Amtsrichter Kühne des Mordes überführt, zum Tode durch das Schwert verurteilt und gerichtet.

1653 wurde dann in den Kirchenbüchern auch vom „Churfürstlichen Ambte Annaburg“ gesprochen.

1655 Es wird über eine schwere Hochwasserkatastrophe von nie gekanntem Ausmaß berichtet, „die alle von den Menschen unter größten Anstrengungen aufrechterhaltenen Sicherungswerke (Dämme) hinwegspült und die gesamte Elbaue in eine Katastrophe stürzt, die alle früheren Wassersnöte bei weitem übertraf“.

1659 tobt in der Annaburger Heide am Forstmeisterkreuz ein großer Waldbrand, bei dem der Forst- und Wildmeister Martin Rohrwacher ums Leben kommt.

1661 Es wird über die Gesamtkostenanschlag zur Wiederherstellung der völlig eingegangenen Dämme berichtet, sie belaufen sich auf 5565 fl. (Gulden) 15 gl. (Groschen) 6 Pf. (Pfennige). Allein für Holz, Spangen, Bretter usw. sind 5176 Fuhren notwendig, „ohn wäß Schutt, Rasen und Erdreich erfordern“. Gegenüber diesem Anschlag, den Aßmus Merseburgk aus Prata am 10. Mai 1655 eingereicht hat, ist der eines zur Wiederherstellung des Bleeserischen Dammes zugezogenen holländischen Dammeisters wesentlich günstiger. Dieser sieht nur 3200 fl. (Gulden), 300 Stämme Holz, jeder 3 1/2 Ellen (ca. 2 m) lang, 1000 Pfähle, mannslang, 30 Schock (1.800 Stück) Zaungärten, 2000 Schock (120.000 Stück) Reißbunde und 125 rl. (Thaler) Arbeiterlohn für den Dammeister und 3 Handlanger auf 12 Wochen, jedem wöchentlich 8 Groschen, vor. Dieser Holländer soll nun, nach Fertigstellung des Bleesemer Dammes, auch die übrigen Elblanddämme instandsetzen, „aus Churfl. Gnade“ (25.7.1661).

1662 Da die Elbdämme immer noch nicht instand gesetzt waren. Werden mit einer kurfürstlichen Verfügung aus Dresden vom 19. 8. 1662 dann sämtliche Anspänner der Ämter Beizig, Seyda, Annaburg, Dieben und Grafenhaynichen angewiesen, zu einer Beyhülfe und desto beßerer ausschüttung der bey Warttenburg zerrißenen Elb Thämme 3 volle Tage die Anfuhren der Erde zu verrichten, die Coßäten aber das Ausstechen und Aufladen derselben befördern sollen. Die Unterthanen wollten sich aber großenteils zu dieser Hilfsaktion im guten nicht verstehen und werden darum am 12. September wiederholt gemahnt.

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1669/73 In diesem Zeitraum hält sich der Alchimist Johann Kunkel im Schloss Annaburg auf. Dieser „Kurfürstliche Sächsische Geheime Kammerdiener und Chemikus“ treibt seine erfolglose Goldmacherkunst in dem alten Laboratorium der Kurfürstin Anna.

1674 Die große kelchförmige Sandsteintaufe in der evangelischen Kirche von 1674, auf Balusterfuß (runde Säule die die Brüstung trägt), runder Kuppa mit Stifterwappen und üppigen frühbarocken Festons (bezeichnet die bogenförmig durchhängende Ziergirlande), wurde durch einen unbekannten Forst- und Wildmeister der Kirche als Geschenk übergeben.

1675 Pfarrer Andreas Gormann hielt die „Einweyhungs-Predigt des bey der Kirchen zu Annaburgk neu angeschafften Orgel-Werckleins“. Daraus können wir entnehmen, dass mindestens seit dieser Zeit ein Orgelwerk in unserer Kirche vorhanden war. Das heutige Orgelprospekt stammt allerdings aus der Zeit von 1910.

Stadtwappen 1678
Stadtwappen 1678

1678   In diesem Jahr verlieh Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen dem Ort das Stadtrecht und ein eigenes Wappen. Es zeigt in seinem Mittelfeld einen Rosenbaum mit 5 Knospen. Stadt – das galt damals viel, und so wurde der Jungen Stadt sowohl in Sachsen wie auch in Brandenburg schon nach wenigen Jahren auf manchen Gebieten mehr Beachtung geschenkt.

1680  Dem verdienten Oberforst- und Wildmeister Johann Günther wurde durch den Kurfürsten Georg Dorf Ransdorf erblich überlassen. Von diesem Forst- und Wildmeister stammt das schöne Sandsteintaufbecken aus unserer Ortskirche in Annaburg.

 1681 Das „Städtlein“ Annaburg ist durch Krieg, Brand und Pest in den vergangenen Jahrzehnten so heruntergekommen, dass es sich bei dem vorangegangen Landtagen nicht vertreten lassen konnte. Am 2.11. ließ es sich in Dresden aber wieder durch „Herrn Christoph Daniel Becker Advokatus daselbst“ vertreten und stand unter den „gemeinen Städten“ an zehnter Stelle zwischen Seyda und Schönewalde als „Annaburgk

1681 Eine neue Gesinde-, Tagelöhner- und Handwerkerordnung liegt vor. Danach erhält ein Oberschirrmeister 10-12 Gulden. Ochsentreiber werden mit 2-3 Gulden entlohnt. Mägde (Kleine-, Mittlere- und Großmägde) erhalten 2-6 Gulden. Tagelöhner, Mäher und Drescher können 2-5 Groschen (ohne Kost) oder 2 Groschen und 6 Pfennige mit Kost je Tag beanspruchen.

1693   Annaburg wird Postort. Vor allem zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes richtete der Leipziger Oberpostmeister Keesper eine Reihe neuer Postkurse ein, darunter die Linie Dresden – Hayn – Coßdorf – ANNABURG – Wittenberg. Damit wurde Annaburgi erstmals und offiziell an das sächsische Poststraßennetz angeschlossen. Dieser durchgehende Postkurs bestand bis 1841, d.h. bis zur Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Berlin – Wittenberg – Dessau – Köthen.

ps_201611042132331694 Im Dezember wurde Wolfgang Heinrich Römer Gastwirt und Juric Practici (Betreiber einer Rechtspraxis) als erster Postverwalter eingesetzt. Er war ein ortsansässiger Bürger, der seit vielen Jahren eine gut gehende Gastwirtschaft betrieb und auch in Rechtsangelegenheiten tätig war.

1696 Man will die „weiße Frau“ im Schloss das erste mal gesehen haben.

1697 Wurde der Bürger Johann Andreas Müller als Postknecht (so nannte man anfangs die Postillione) angestellt. Wenige Wochen danach wurde er zum kurfürstlich-sächsischen Postillion ernannt. Annaburg bekam damit auch eine Posthalterei.

ps_201611042157181697 Da man das Holz für den Salzbergbau und den Salinen dringend benötigte und der Kurfürst von Sachsen es liefern und verkaufen wollte, wurde (4. Mai) das Flößen auf der Schwarzen Elster und auf dem Neugraben anbefohlen. Geflößt wurde auf dem Neugraben hauptsächlich zur Brenn- und Nutzholzversorgung der Saline Groß-Salze (heute Schönebeck), die Ostsachsen bis 1780 mit Kochsalz versorgt hat. Das Flößen auf dem Neugraben wurde bis zur aufkommenden Industrialisierung und der Schaffung anderer Transportmöglichkeiten (Eisenbahnstrecke Wittenberg – Falkenberg – Kohlfurt) beibehalten.

1698   Postverwalter Wolfgang Heinrich Römer wurde mit Bestallungsurkunde zum kurfürstlich-sächsischen Postmeister. An Pacht musste er ca. 200 Taler jährlich an den Kurfürsten entrichten.

1699 Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, führt eine Post von Großenhain über Cosdorf und Annaburg nach Berlin bzw. Magdeburg. Die Posthalterei war jetzt im Freisassengut Reitzenstein.

 

Bernd Hopke

Annaburg©2012

 

Quellen:

  • Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  • Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  • Otto Heintze: „Annaburg das Städtlein an der Heide“ Geschichtlicher Rückblick, aus gebundene Beilagen der „Annaburger Zeitung“ um 1930
  • Otto Heintze „Geschichtlicher Rückblick „von 1938, privatbesitz
  • Duden, Grundwissen-Geschichte, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996
  • Annaburg, Fremdenverein »Annaburger Heide« e.V., o. J
  • Redslob, B „Familienchronik des Berhardt Redslob“, Annaburg, Familienbesitz
  • Erich Richter: „Die Flut kommt!“, Heimatkalender 1955, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Hans-Peter Zeilinger: „klimatischen Verhältnissen“, Heimatkalender 1957, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Otfried Lange, „Annaburger Heide“,Heimatkalender 1959, Buchdruckerei M.Biehl, Jessen
  • Dr.Ing. Gratz: „Chronik-Düßnitz“, Eigenverlag 2000, Privatbesitz
  • Ldh. Mgdbg. Rep. A 25 a II, II Nr.890: „Aus den Paqueten ausgehobene Berichte und andere Schriften die Elb-Ufer-Baue betreff, de ao.1703 usqu. ad annum 1718“.
  • Autorenkollektiv, Ergebnisse der Standorterkundung im staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Jessen, Erster und Dritter Hauptteil, Institut für Forsteinrichtung und Standorterkundigung Potsdam 1956
  • Manfred Wilde, „Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen“, Böhlau Köln 2003
  • Unbekannt; „Geschichte der Post in Annaburg“, Eigenverlag 1997
  • Eberhard Förster; Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.); Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster; Erste Auflage, März 2006
  • Kretzschmann, „Informationen über Alt-Aannaburg“, Annaburg 2000, unveröffentlicht, Privatbesitz
  • Hans-Peter Zeilinger: „klimatischen Verhältnissen“, Heimatkalender 1957, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Andreas Anlauf, „Der Kampf mit dem Wasser in der Parochie Klöden“, Manuskript, Predigerseminar Wittenberg, [Katalog: 1990-247]

 

13.10.2016