1000 – 1500

Annaburg durch die J a h r h u n d e r t e – Chronologie der Ereignisse 1000 – 1500

zeilebrehna2Mittelalter Annaburg


6. Jh. In diesem Jahrhundert begann die Westwanderung der Slawen in das durch den Abzug germanischer Stämme in der großen Völkerwanderungszeit von Menschen weitgehend entblößte Gebiet bis zur Elbe-Saale-Linie. Unser heutiges Heimatgebiet lag tief auf slawischem Gebiet.

10. Jh. Eine Urkunde aus dem Jahr 965, deren Richtigkeit (mit Ausnahme der Ortszusammenstellung) als nicht vollständig gesichert erscheint, beinhaltet eine erste Zusammenstellung von bestehenden Orten aus der Wendenzeit, die bereits im 10. Jh. in unserem erweiteten Heimatgebiet gegründet sind. Es sind dies u.a.:

  • Torgua         =     Torgau
  • Dumoz         =     Dommitzsch
  • Clotna        =     Clöden (Klöden)
  • Sipnizi         =     Süptitz
  • Wazgrini     =     Axien
  • Triebaz       =     Trebitz
  • Olsnich       =     Elsnich
  • Prietozini     =     Pretzsch
  • Usizi             =     Eutzsch
  • Zuetna         =     Zwethau
  • Rochutim   =     Rakith
  • Broth           =     Pratau
  • Pretimi       =     Prettin
  • Hessuzi       =     Kemberg
  • Grodisti       =     Radis

10. Jh. Rückeroberung der slawischen Gebiete jenseits von Elbe und Saale durch germanische Stämme. Heinrich der I. (919-936) legt frühzeitig Marken an, die als Schutzburgen an der Grenze der Völkerscheide errichtet werden. Die sogenannten Burgwarde (auch Burgwarte), sind Orte mit einer germanischen Besatzung in burgähnlichen Anlagen zum Schütze des Siedlungsraumes gegen den Slawen (Expansionsdrang der slawischen Adligen). In unserem Raum sind es u.a. ostelbisch Prettin (Erstnennung 965), Axien (Erstnennung 965) und Klöden (Erstnennung 965) sowie westelbisch Dommitzsch (Erstnennung 981) und Pretzsch (Erstnennung 981).

11.-14. Jh. Die Chroniken berichten über 44 schwere Hochwasserfluten.


 

12. Jahrhundert

lochau_120012. Jh. Im 12. Jahrhundert wurde die kirchliche Versorgung wendischer Ortschaften sehr stark intensiviert. Auf diese Weise konnte die wendische Bevölkerung in die Arbeit der Pfarrämter einbezogen werden. Um diese Zeit kam es auch zur Gründung einer Pfarrei in Lochau, das zum Bistum Merseburg gehörte. Der wendische Ort trug den Namen „Glochowe“. (L. Mechling, bis 1993 Pfarrer in Annaburg, schreibt, bezogen auf A. Hauck, a.a.O., Bd. 4; S. 583)

1136-59 In sechs Einwanderungswellen erfolgt die Besiedelung der Gegend zwischen Elbe und Elster auf Geheiß Konrad von Meißen (der Große) durch deutsche Ansiedler. Ab 1152 nach verheerenden Sturmfluten an der Nordseeküste kamen verstärkt Holländer, Flamen und Friesen, die sich auch vorrangig in unsere Gegend ansiedelten. Charakteristisch für unsere Gegend ist aber auch dass die planmäßige Anlage neuer Dörfer durch die Lokatoren neben deutschen Siedlern auch slawische Siedler ins Land geholt wurden. Nur so lässt sich das enge räumliche Nebeneinander deutscher und slawischer Orts- und Flurnamen erklären.

1156 Die Mark Landsberg wurde vom Graf von Brehna erworben. Zu ihren Burgen gehörte auch Jezzant, das heutige Jessen, die wahrscheinlich auf einer vorhandenen Burgwallanlage errichtet worden war. Dabei gelangten als Magdeburger Lehen: Arnoldshagen, Trebus, Löben, Prettin mit der Heide, Burg, Schweinitz, Jessen, Klöden, Zwetau, Herzberg, Beizig, Zahna, Wiesenburg, Werben, Gommern u. a. in seinen Besitz. Ab dieser Zeit gehörte auch das Gebiet um Lochau (Annaburg) zur Brehnaer Grafschaft. Die Zeit der Brehnaer Grafen liefert uns aber keine Anhaltspunkte, ob bereits im 13. Jahrhundert eine burgähnliche Anlage in Lochau bestanden hat.

ps_201610171911331156 – 1181 Die Brehnaer Grafen schieben im Verein mit dem Erzbischof von Magdeburg (Wichmann) ihre Macht nach Osten vor. So wurden sie Herren unserer Region.

1170 Die letzte Bastion der Slawen in unserer Gegend, die starke Feste Jütribog (Jüterbog) fiel. Mit dem „burgwartenen Jütribog“ werden 1174 die Grafen von Brehna belehnt.

 1181 – 1221 Die Grafen von Brehna verlegen ihren Sitz in unsere Region (Löben), da ihre Mutter Brehna in ein Frauenkloster verwandelt. 

1182 Der Ort Schweinitz wird in einer alten Quelle erstmalig genannt als „Swinze“

11.-14. Jh. Die Chroniken berichten über 44 schwere Hochwasserfluten.


13. Jahrhundert

gr_brehna1260 Seit dieser Zeit war Wittenberg unter Albrecht II., Herzog von Sachsen – Wittenberg, die alleinige askanische Residenz

1280 Es ist eine wohlfeile Zeit gewesen; so dass man l Scheffel Korn um 22 Pf, l Huhn um 2 Pf. und l Mandel Eier um l Pf. hat kaufen können.

1290 In diesem Jahr belehnte König Rudolf seinen Enkel, Herzog Albrecht II. (1261-1298), mit der Grafschaft Brehna. Damit gehörte unser Heimatgebiet zu seinem unmittelbaren Untertänigkeitsbereich. Der Ort Lochau ist zu dieser Zeit noch nicht Urkundlich genannt.


14. Jahrhundert

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1327 Es wurde befohlen, dass von den Leuten in und außer Gericht alles in deutscher und nicht wie bisher in wendischer Sprache angebracht werden sollte. Das passierte aber nicht etwa einheitlich in allen ehemaligen slawischen Gebieten. So wurde im mittleren Elstergebiet noch bis ins 18.Jh. Gericht in slawischer Sprache gehalten.


1355-1815 U. d. Kurfürstentum Sachsen

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1339 Erstnennung von Lochau (Annaburg) in einer Urkunde. In einer Schenkungsurkunde von Rudolf I., Herzog von Sachsen-Wittenberg (um 1284; † 12. März 1356) an die Pfarrkirche in Bretin (Prettin) werden die Orte Lochaw (Annaburg), Zulsdorf (Züllsdorf), Rosenfeld, Bethau, Purzin, Treben, Dautschen, Lebin, Plossig, Neuendorff (Groß Naundorf), Loeben, (Löben), Schweinitz, Jessen, Grabo, Schoeneicho (Schöneicho), Battin, Rade, Jorsdorf, Cleden (Klöden), Troeben (Dröben), Jemen, Axien, Tussnitz (Düßnitz), Hoendorf (Hohendorf), Zweth (Zwethau) genannt.

1342   Nach einem furchtbaren Winterhochwasser am Anfang Februar kam die „Sintflut des Mittelalters„, das Magdalenen-Hochwasser: „Die größte Über-schwemmung seit Menschengedenken fand im vierzehnten Jahrhundert statt. …“ das so genannte Magdalenen-Hochwasser vom 21./22. Juli 1342, das bisweilen auch die „Sintflut des Mittelalters“ genannt wird. Die Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas‘ von Curt Weikinn belegen, dass neben Main, Rhein ebenfalls Donau, Elbe, Weser und deren Nebenflüsse überschwemmt wurden. Selbst die Eider nördlich von Hamburg trat noch über die Ufer. Das Katastrophengebiet erstreckte sich damals bis nach Kärnten und Norditalien. Heute geht man bei diesem Ereignis davon aus, dass es sich um eine 5b – Wetterlage handelte, die Mitteleuropa nach langer Hitze und Trockenheit erfasst hatte. In nur 2 Tagen fiel mehr als die Hälfte der üblichen Jahresmenge. Der ausgetrocknete Boden konnte diese immensen Wassermassen nicht aufnehmen und speichern, es kam zum großräumigen Oberflächenabfluss und Überschwemmungen. Die Auswirkungen waren katastrophal: „allein in der Donauregion fanden mehr als 6000 Personen den Tod; es gab riesige Verwüstungen; Häuser, Mühlen, und Brücken wurden zerstört. Die Fluten schwemmten so viel fruchtbaren Boden fort, wie bei normalen Wetterbedingungen in einem Zeitraum von 2000 Jahren verloren geht. In den darauf folgenden Sommern herrschten nasskaltes Wetter und Hungersnöte. Über die geschwächte Bevölkerung brach in der Folge 1348 bis 1350 die Pest herein, bei der mindestens ein Drittel der deutschen Bevölkerung ums Leben kam.“

1347   Im November legt ein Schiff aus dem genuesischen Kaffa in Marsaille an. Die Menschen an Bord leiden an der Pest und wurden bei der Belagerung von Kaffa von den Mongolen angesteckt. Der Schwarze Tod“ hat Europa erreicht und die Epidemie breitet sich rasend schnell über den gesamten Kontinent aus. 350 Jahre lang wütete die Pest in Mitteldeutschland und erlosch dann von selbst. So wurde 1348 auch unser Heimatbereich betroffen. In zahlreichen Ortschroniken wird darüber berichtet. Über Verluste des Ortes Lochau, ist nichts bekannt geworden.

1356  Der wohl folgenreichste Schritt in Karls der IV Regierung (R 1346-1378) war die Verabschiedung der Goldenen Bulle. Sie regelte unter anderem das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs und setzte die Anzahl und Namen der Kurfürsten fest. So wurde sie zum „Grundgesetz“ des Reichs bis zu seinem Untergang 1806.

1355(56)   Seit dieser Zeit besteht das Kurfürstentum Sachsen anfänglich bis 1423 als askanischer Besitz, danach als wettinischer Besitz.

1373   Der Ort Schweinitz wird in einer Urkunde als Stadt erwähnt, auch bestand dort ein altes Schloss – welches die Kurfürsten oft besuchten.


15. Jahrhundert

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1422   Erstmals wird das Lochauer „Haus“ (Jagdhaus – das Wort „Schloss“ wurde erst seit 1450 dafür benutzt) im Zusammenhang mit dem Tode des letzten askanischen Herzogs aus dem Haus Sachsen-Wittenberg erwähnt. Danach übernachtete Albrecht III. (1419-1422) nach einem Jagdausflug auf der Lochau. Als in der Nacht ein Feuer ausbrach, fielen 15 Menschen den Flammen zum Opfer. Der Herzog konnte sich nur mit Mühe retten, verstarb jedoch wenige Tage später am 25. Juli 1422 im nahen Wittenberg an den Folgen des Unglücks.

1423  Da Albrecht III. kinderlos starb, belehnte König Sigismund am 6. Januar 1423 den Markgrafen Friedrich IV., den Streitbaren von Meißen (1381-1428), mit dem Herzogtum und der Kurwürde von Sachsen. Der Landesname der neuen Herrschaft, des Herzogtums Sachsens, wurde nach und nach für das gesamte wettinische Gebiet (so die Mark Meissen und Mark Lausitz) gebräuchlich.

1434   Es wird eine ganz besonders schwere Sommerflut genannt.

1445 In diesem Jahr erfolgte der Bau eines völlig neuen „Hauses zu Lochau“ (Schloss). Hierzu wurde der Baugrund mit langen Eichenstämmen neu verfestigt. Der Schmied hatte dazu das Holz mit Eisenringen zu versehen um ein aufspalten beim einrammen der Eichenstämme zu verhindern. Es wurde Sandsteinen aus Pirna und Raseneisenstein aus der Heide zum Bau genutzt.

1447 Heinrich von Kyntsch der Lochau und das Befestigte zum Lehnen von Hans Friedrich von Sachsen besessen hatte, muss im April dieses Lehen aufgeben.

1450 Das „Neue Haus„, wird erstmalig als „Schloss“ in den Amtsrechnungen des Amtes Lochau bezeichnet.

lichtenbgzeilenbild1451 Die Antoniermönche in Lichtenberg (jetzt Prettin) geben das Patronat über die Lochauer Pfarre im Tauschwege an Friedrich den Sanftmütigen, Herzog von Sachsen, ab. Auf dem alten Pergament vom 9. April 1451 steht (gekürzt) geschrieben: „Ich Henricus von Strasfelt, Meister der Balage und des Hauses Sankt Antonio zu Lichtenberg, bekenne und gebe zu, daß ich die zwei Pfarren von mir als Meister und Gebieter des Hofes zu Lichtenberg, nämlich die Pfarre von Lochaw und Zwesikoso Friedrich dem Herzog von Sachsen zu Lehen wende zu einer Wiedererstattung von zween Altaren der Praffkirchen zu Prettin gelegen.“

Schloss Hartenfels
Schloss Hartenfels

1463 Am 17. Januar 1463 auf „Schloss Hartenfels“ in Torgau Friedrich geboren. Er wurde ein bedachtsamer und zugleich aufgeschlossener Regent. Seine Charaktereigenschaften trugen ihm schon zu Lebzeiten den Beinamen „der Weise“ ein. Trotz der widersprüchlichen Beziehungen zwischen dem Kurfürsten und dem Reformator wurde Friedrich vor allem als Beschützer Martin Luthers bekannt.

1465 Das alte Schloss wird renoviert.

1468 Dieses Jahr datiert die Verleihung der Gerechtsamen für die Bienenbeutnerinnung die ca. 50 Ortschaften umfasst und ihrem Hauptsitz in Lochau (Annaburg) hatte. Diese Gerechtsame wird 1736 auf kurfürstlichen Befehl aufgehoben.

1484-85 Es erfolgt der Bau des Schloss „Lochau“. Nach einem alten Verzeichnis kostete der „Bau zu Lochau von Ulrici (4.Juli) bis auf Cathebra Petri (22.Februar) 1485 an Gelde, Fleisch, Butter, Käse, Korn und Hafer …die Summe von 153 Schock 25 Groschen und 4 Pfennige“. Nach damaligen Preisen kostete z.b. ein Rind 30 Groschen, ein Schwein 20 Groschen und ein Huhn 4 Pfennige. Das Geldmaß zu dieser Zeit war der sächsische Silbergroschen zu 9 Pfennigen, der Pfennig wieder zu zwei Heller. Der Heller war die niedrigste Münze. 60 Groschen ergaben einen (Neu)Schock, der Altschock war nur 20 Groschen wert. Der Bau kostete damals an Geld 9.205 Silbergroschen + 4 Pfennige oder 82.849 Pfennige.

1486 Der Wettiner Friedrich (der Weise) III. (1463-1525) übernahm im Alter von 26 Jahren die Regentschaft im Herzogtum Sachsen. Um eine nochmalige Landaufteilung zu verhindern, teilte sich Friedrich die Regierungsgewalt mit seinem jüngeren Bruder Johann dem Beständigen (1486-1532).

1490 Aus dieser Zeit stammt der hölzerne spätgotischen Corpus Christus (ohne Arme) der sich in unserer evangelischen Kirche befindet. Er stellt damit das älteste uns erhalten gebliebene Zeugnis unserer Stadt dar.

1492 Der Kurfürst ließ das SchlossLochau“ umgestalten. Neben Bauelementen der Spätgotik waren es nun Renaissancemerkmale, die das Aussehen des Schlosses bestimmten.

1493 gab Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, den Befehl in seinem Schlosse, in einem der Türme, eine Badestube einzurichten.

1492-1514 Für Wölfe, die in den Waldgebieten unseres Heimatgebietes heimisch waren, ist an Hand der Torgauer Amtsrechnungen festzustellen, welche Fangprämien in diesen Jahren für Wölfe gezahlt wurden.

1498 Es erfolgten die Arbeiten zur Anlegung des „Tiergartens“ beim Schloss „Lochau“. Hier wurden Hirsche und Rehe gehalten. Daneben entstanden ein Schlossgarten, ein Weingarten, ein Würzgarten und ein Wolfsgarten.

 

Bernd Hopke

Annaburg©2012

Quellen:

  • Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg – Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994;
  • Gründler, E.: „Schloß Annaburg“ Festschrift zur einhundertfünfzig-jährigen Jubelfeier des Militär-Knaben-Instituts zu Annaburg, Verlag von Oscar Haebringer, Berlin 1888
  • Heintze, Otto: „Annaburg das Städtlein an der Heide“ Geschichtlicher Rückblick, aus gebundene Beilagen der „Annaburger Zeitung“ 1930
  • Duden, Grundwissen-Geschichte, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG Mannheim 1996
  • Annaburg, Fremdenverein »Annaburger Heide« e.V., o. J
  • Geschichtlicher Rückblick von Otto Heintze 1938, privatbesitz
  • Erich Richter: „Die Flut kommt!“, Heimatkalender 1955, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Hans-Peter Zeilinger: „klimatischen Verhältnissen“, Heimatkalender 1957, Hrsg. Kulturbund, Kreisleitung Jessen
  • Dr.Ing. Gratz: „Chronik-Düßnitz“, Eigenverlag 2000, Privatbesitz
  • Andreas Anlauf, „Der Kampf mit dem Wasser in der Parochie Klöden“, Manuskript, Predigerseminar Wittenberg,

 

 

02.11.2016