Der Tote Fischer


 

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Den Weg auf der Straße zwischen Annaburg und Arnsnesta soll Christoph Fischer, ein Bürger aus Annaburg häufig benutzt haben. Eines Tages wurde Fischer an der Straße tot aufgefunden. Es konnte nie ermittelt werden ob Christoph Fischer eines gewaltsamen oder eines natürlichen Todes starb. Weil die Bürger aus Arnsnesta, die den Mann fanden, ihn aber nicht kannten, begruben sie ihn an Ort und Stelle. Seine Frau Regina wartete derweilen in Annaburg schon mehrer Tage vergebens auf ihren Mann. Schließlich ließ sie ihn suchen, sie rannte selbst mit in den Wald hinaus. Man traf auf die Männer, die ihn, den einsam Verschiedenen, bestattet hatten, und man fand das Grab. Regina brach zusammen. Gestorben war er, ohne ein Wort des Pfarrers, verscharrt, wie ein armer Sünder, wie ein Stück Vieh. Sie hätte ihn am liebsten wieder ausgraben lassen. Aber dem wehrten die Anderen. Sie versprachen ihr ein Kreuz zu errichten an der Stelle, wo ihr Christoph den letzten Schlaf tat. Da musste sie sich dann zufrieden geben. Im Flecken tuschelten die Leute und steckten die Köpfe zusammen.

Der Pfarrer hörte vom Sterben des Fischers und schrieb Tage danach ins Kirchenbuch :

„ Am 17. Oktober 1757 ist in der hiesigen Annaburger Heide auf dem Arnsnestaer Wege Christoh Fischer, ein armer Hausmann allhier tot gefunden worden und auf amtlichen Befehl sogleich des Tages darauf an dem Ort, wo er tot gefunden, eingescharrt wurde , als er 60 Jahre alt war."

Es änderten sich im Verlauf der Jahrhunderte die Überlieferungen mannigfaltig. So wurde aus dem Namen Fischer sein Beruf. Infolge des Aberglaubens der damaligen Zeit legte jeder, der an der Stelle vorüberkam, einige Zweige oder Äste dort nieder um den Toten zu ehren und für sich selbst die Geister des Waldes gutmütig zu stimmen. Da das Ablegen derartiger Zweige ausufernde Zustände annahm und selbst die Straße durch die abgelegten Zweige gelegentlich versperrt war, wurde durch den damaligen Förster Schmidt aus Meuselko an der Stelle endlich das versprochen Holzkreuz errichtet, um dem Toten ein angemessenes Gedenken zu gewähren. In dem damals errichteten riesigen Holzkreuz wurde statt des Namens des Verstorbenen ein kleiner Holzkahn geschnitzt. So entstand die Ortsmarke „Toter Fischer“ in der Annaburger Heide.

Über Jahrhunderte hinweg haben liebe Menschen das Holzkreuz in seinem Gedenken und Erinnerung immer wieder erneuert, und das ist gut so, gegen das Vergessen. Dank dem Bundeswehrforstamt und hier speziell durch den Forstmeister Herrn Reimann konnte das Kreuz 2004 wieder erneuert werden.

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 Bernd Hopke
  • Aufzeichnungen aus dem Nachlass von Edwin Kretzschmann
  • Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Annaburger_Heide